Von Christian
Wie kann es sein, dass man „den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht“, wie ein Sprichwort sagt?

Zum Beispiel wenn man über zu vielen Einzelheiten das größere Ganze nicht oder nicht mehr erfasst. Das kann einem sogar im aufrichtigsten Bemühen passieren, wenn man sich über Generationen hinweg immer mehr in eine Sache verrennt:
Wehe euch, ihr Gesetzeslehrer und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt noch von Gartenminze, Dill und Kümmel den zehnten Teil, lasst aber die wichtigeren Forderungen des Gesetzes außer Acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Glaubenstreue! Das eine hättet ihr tun und das andere nicht lassen sollen! Ihr verblendeten Führer! Die Mücke siebt ihr aus, aber das Kamel verschluckt ihr.
Matthäus 23:23,24 NEÜ
Zumindest einem Teil dieser religiösen Menschen kann man zugute halten, dass sie sich aufrichtig darum bemühten, es ganz genau zu wissen und alles richtig zu machen, so ‚wie es im Gesetz steht‘. Und das aus gutem Grund: Das Exil war noch nicht wirklich vorüber. Das Land war nicht von fremder Herrschaft befreit. Die ‚offensichtliche‘ Erklärung war für sie: Das kann nur daran liegen, dass wir Gottes Willen immer noch nicht genau genug tun! Wir müssen also verstehen was wir noch besser, genauer und mehr machen müssen!
Dieses Verhalten kennt man auch aus der Psychologie, was das menschliche Verhalten betrifft: „Mehr vom Gleichen“. Wenn wir etwas erreichen oder ein Problem lösen wollen, wenden wir eine gewisse Methode an. Klappt das nicht auf Anhieb, dann … macht man was? Oft ist es das Selbe, nur stärker, länger oder mehr davon. Manchmal funktioniert das auch. Oft aber auch nicht. Dann wäre es schlau, etwas anderes zu versuchen. Aber wenn wir so richtig involviert sind mit unserem ganzen Denken und Wesen, dann schalten wir oft nicht um. Und das erst recht nicht, wenn wir die gewählte Methode für die einzig richtige halten! Oder nur diese gelernt haben. Wenn du darüber nachdenkst, fallen dir bestimmt Situationen ein, in denen es dir so ergangen ist.
Mir ist in den vergangenen Monaten aufgefallen, dass ich – wie auch so manch anderer – in Bezug auf meinen Glauben genau so gehandelt habe. Es ist nun fünf Jahre her, dass ich aus der Kirche der Zeugen Jehovas ausgetreten bin. Wer das selbst erlebt hat oder sich damit beschäftigt hat, weiß, dass mit diesem Moment alle ‚Glaubensbrüder’, Freunde und Familie einen meiden und man alleine da steht. Mittlerweile ist mir klar, dass das Menschen auch in anderen Religionen so ergeht.
Und ich hatte bei immer mehr Glaubenslehren festgestellt, dass sie nicht biblisch, falsch oder schlicht und einfach erfunden und erlogen waren. Aber was sind denn dann die ‚richtigen‘ Lehren der Bibel? Wie finde ich das heraus? Na indem ich die Bibel lese! Und zwar noch mehr als zuvor. Mit verschiedenen Übersetzungen, Erläuterungen, Fußnoten. Mit anderen Worten: „Mehr vom Gleichen“. Ich habe im Prinzip dieselbe Methode weiter verwendet, nur intensiver.
Das hat auch geholfen, um über die kognitive Dissonanz hinwegzukommen, die im Laufe der letzten Zeit bei den Zeugen Jehovas immer schlimmer geworden war. Zum Beispiel deswegen, weil ich mich als Leiter des Wachtturm-Studiums gut vorbereitet und die Schriftstellen alle nachgelesen habe. Dann auch mit Kontext – und der sagte oft etwas ganz anderes aus als der Text dazu im Wachtturm. Kognitive Dissonanz wird wie folgt beschrieben:
Kognitive Dissonanz ist das psychologische Gefühl des Unbehagens, das entsteht, wenn eine Person zwei oder mehr widersprüchliche Gedanken, Überzeugungen, Einstellungen oder Verhaltensweisen hat.
Und das wurde durch einiges bewirkt: Im Wachtturm oder von der Bühne kamen widersprüchliche Aussagen. Oder diese passten nicht zu dem, was im geheimen Ältesten-Buch (Hütet die Herde Gottes) steht. Oder was von einem in Wirklichkeit erwartet wird. Oder in Publikationen für die Öffentlichkeit steht etwas anders als in den internen. Oder es stimmt nicht mit dem Kontext des Bibelverses überein. Oder anderen Passagen der Bibel, die nicht erwähnt oder ‚wegdiskutiert’ werden. Oder ‚lebenswichtige‘ Lehren werden von heute auf morgen ohne echte Begründung geändert – schlimmer noch, manchmal mit den selben Bibelversen als Begründung. Irgendwann entdeckt man, dass hinter Veränderungen der Lehre – ‚neues Licht‘ genannt – nicht Gott und der heilige Geist hinter der ‚Leitenden Körperschaft‘ der Zeugen Jehovas steht, sondern ganz schnöde ein Gerichtsverfahren in irgendeinem Land, dass die Organisation finanziell oder sonst wie negativ beeinflussen könnte. Du könntest sicher noch weitere Punkte hinzufügen.
Sich mehr mit der Bibel – und zwar nur der Bibel – auseinander zu setzen, schien das richtige Mittel zu sein, um diese kognitive Dissonanz aufzulösen. Zumal wenn man es zum ersten mal ‚richtig‘ ohne den Wachtturm daneben macht.
Aber nach ein paar Jahren schien sich die kognitive Dissonanz eher wieder zu verstärken: Obwohl ich mehr und mehr über die Bibel erfuhr, hatte ich mehr grundlegende Fragen. Und mein Glaube fühlte sich zeitweise irgendwie schwächer an.
Warum schreibe ich darüber? Weil ich festgestellt habe, dass es auch anderen so ergeht. Auch in anderen christlichen Religionen. Also auch das ist kein Alleinstellungsmerkmal der Zeugen Jehovas …
Ich hatte also mehr tiefgründige Fragen als zuvor. Sogar Zweifel! Ich bin mir sicher, dass dieses Wort ‚Zweifel‘ bei vielen etwas ausgelöst hat. Diese Wort ist für viele Gläubige aufgrund verschiedenster Umstände ein Trigger: Er löst eine spontane Reaktion aus: Du musst mehr beten, du hast das Falsche gelesen, hast du dich etwa mit Abtrünnigen oder Atheisten beschäftigt, du bist weltlich und selbstsüchtig geworden, du musst mehr und regelmäßig mit anderen Mitgläubigen zusammenkommen, denn ‚wer sich absondert …‘
Ok. Über diesen letzten Punkt habe ich ein eigenes Video veröffentlicht: „Versäume keine Zusammenkunft!“. Dieser Bibeltext wurde so oft von Zeugen Jehovas verdreht, dass er ziemlich zur kognitiven Dissonanz beigetragen hat.
Es konnte also nicht mehr schlimmer kommen, aber es kam so. Genau dieselbe Argumentation kam in dem Video Join Us on Zoom to Study the Bible, Beroean Style von Eric Wilson. Die Übersetzung ins Deutsche habe ich damals noch gemacht: Triff uns auf Zoom zum Bibelstudium, auf die Beröer Art Exakt dieselben Argumente, wie aus dem Wachtturm kopiert. Und ich hatte – wie manche wissen – lange Zeit Eric Wilsons Videos auf Deutsch synchronisiert. Und nun benutzte er dieselbe Methodik in einem Video, um zu ‚beweisen‘, dass die Zoom Meetings seiner Beroean Pickets für jeden quasi ein Muss sind. Was weder er noch ich veröffentlicht haben, ist unsere E-Mail Korrespondenz dazu und zu seinem Video, dass nur diese Gruppe – und nicht die anderen Gruppen der Christenheit – mit Gottes Geist die Bibel lesen und daher die Wahrheit erkennen: Do I have God’s Holy Spirit Guiding Me, or Am I Just Fooling Myself? How Can I Be Sure? (Video: Lasse ich mich vom hl. Geist leiten, oder mache ich mir nur etwas vor? Wie kann ich mir sicher sein?, deutsche Übersetzung Lasse ich mich von Gottes Heiligem Geist leiten, oder mache ich mir nur etwas vor? Wie kann ich mir sicher sein?) Diese und andere Argumente und die Verwendung von Bibelzitaten kam mir gleich so bekannt vor, aber es fühlte sich falsch an (kognitive Dissonanz), obwohl ich es nicht sofort biblisch begründen konnte.
Nun ja, nachdem ich ihm geschrieben hatte, dass diese Videos Bibeltexte nicht gemäß dem Kontext verwenden und die Argumentation fehlerhaft ist, hat er mich daraufhin noch am selben Tag aus dem deutschsprachigen Youtube Kanal Beröer Bibelstudien, den ich aufgebaut hatte, ausgeschlossen, weil er Angst hatte, ich würde es mit ihm so tun. Kurz darauf hat er alle meine Videos aus dem YouTube Kanal Beröer Bibelstudien gelöscht und das war’s dann von seiner Seite aus.
Irgendwie fühlte ich mich zum zweiten mal aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Obwohl, bei den Zeugen Jehovas sind wir ja aktiv ausgetreten (amtlich sogar, weil in Deutschland die Zeugen Jehovas eine Körperschaft des öffentlichen Rechts sein wollten, wie die katholische Kirche und andere). Und die Richtung, in der sich Eric und seine Bewegung entwickelt hatten, war uns schon länger nicht mehr ganz geheuer, auch wenn uns seine frühen Videos geholfen haben.
Wieder kognitive Dissonanz.
Warum schreibe ich darüber? Nicht weil ich darüber öffentlich jammern will. Sondern weil es anderen schlimmer ergangen ist. Und weil ich festgestellt habe, dass es auch in anderen Religionen und Gruppen Menschen so und schlimmer ergangen ist.
Damit hatte ich noch mehr Fragen, welche die Bibel mir nicht so recht zu beantworten schien: Gibt es heute noch so etwas wie ‚die Gemeinde von Christen‘? Wirkt der heilige Geist heute? Wenn ja, wie? Macht dieser ganze Glaube überhaupt Sinn, wenn sich keiner daran hält, sondern darüber spricht? Macht es überhaupt noch Sinn, die Bibel noch detaillierter zu analysieren?
Warum nochmal spreche ich jetzt darüber? Weil ich festgestellt habe, dass es auch anderen so geht. Also ist das vielleicht ein wichtigeres Thema, zu dem es Bücher gibt, die für uns hilfreich sind. Und wenn es die nur in englischer Sprache gibt, könnte ich ja über diese schreiben … Und das habe ich vor. Wenn ich Zeit und Kraft dazu habe.
Denn man könnte sagen, dass bei mir ‚die Luft raus war‘. Daher habe ich im Dezember 2024 noch Videos aufgenommen und diese nacheinander veröffentlicht, aber das war es auch. Es gab das eine oder andere interessante Thema, aber wozu das Ganze? Was gab es noch für mich zum Nutzen anderer zu sagen?
Wohin ich auch schaute, es wurde über Details diskutiert, über gewisse Glaubenslehren, aber es endete allermeistens damit, dass die Bibel keine klare, eindeutige, einfache Antwort dazu gibt. Wohlgemerkt: Ich sage nicht, dass Leute und Religionen keine einfachen Antworten haben. Nur die Bibel selbst … macht es einem nicht so leicht. Außer man benutzt sie als Textvorlage und pickt sich Verse heraus und bastelt ein neues Evangelium zusammen.
Eine ganz zentrale Frage wurde daher:
Wenn Gott wollte, dass wir etwas genau so verstehen sollen, warum lies er es nicht einfach genau so aufschreiben?
Als Beispiel nehme ich gleich mal ein Thema mit Sprengkraft: Die Trinität.
Wie bitte? Das steht doch ganz klar in der Bibel! Nur, dass dies von allen Vertretern der verschiedenen Lehren behauptet wird. Seit 2000 Jahren.
Aber ich will hier das Für und Wider gar nicht diskutieren – das wäre Vermessen. Es geht mir um Gottes Rolle, wie wir gleich sehen werden.
Viele Kirchen stellen dieses Dogma als die zentrale Lehre hin. Das kann ja für die Religion so sein. Aber ist es das zentrale Thema, das wir in der Bibel so aufgeschrieben finden? Wenn es oder das Gegenteil so eindeutig in der Bibel steht, warum gab und gibt es so viele Diskussionen und Fragen? Wonach greift denn jemand, der eine Lehre zu diesem Thema erläutert haben will? Zur Bibel, weil es da strukturiert erklärt wird, oder einem Lehrbuch? [Siehe Video Der Kanon des Neuen Testaments – Teil 15: Ist das NT ein Lehrbuch? (Beispiel Trinität)]
Wenn die Bibel ‚Gottes Wort‘ ist – was auch immer du genau darunter verstehst – dann sollten gläubige Christen doch eine Antwort darin finden, oder nicht? Zeitweise war auch eine schöne, einfache, eindeutige Antwort für alle Christen darin: Das Comma Johanneum. [Video: Der Kanon des Neuen Testaments – Teil 5: Das Comma Johanneum]. Heute weiß man, dass dies eine Fälschung war. Es ist nicht in den besten Manuskripten enthalten. Und selbst wer behauptet, dass es ursprünglich enthalten aber schon ganz früh entfernt worden ist (was rein hypothetisch ist), dann bleibt trotzdem dieser Fakt:
Fakt ist, dass eine einfache, präzise Aussage über die Trinität (Comma Johanneum) über Jahrhunderte nicht in Bibelübersetzungen war. Dann Jahrhunderte enthalten war. Und dann wieder nicht.
Gott hat es offensichtlich, wie die Fakten zeigen, kein bisschen gestört, dass Millionen gläubige Christen über Jahrhunderte bei so einem zentralen Punkt, aufgrund dieses Textes einen ‚richtigen‘ Glauben gut begründet sahen. Oder eben nicht.
Wie auch immer – Gott hat über Jahrhunderte nichts getan, um das richtig zu stellen. Und es gibt viele andere Stellen in der Bibel, die widersprüchlich sind. Zeigt das, dass die Bibel nichts wert ist, oder gehen wir völlig falsch an die Sache heran?
Noch etwas: Andere Gruppen, wie Eric Wilsons Beroen Pickets beschreiben sich auf seiner Website vor allem als Gruppe, die nicht trinitarisch ist. Aber ist diese Unterscheidung wirklich wesentlich. Ist es das Thema für Jesus gemäß den Evangelien gewesen? Für die Apostel? Für Paulus? Im Neuen Testament? Im Alten Testament?
Und wie geht man mit Christen um, die eine andere Auffassung haben? In den ersten Jahrhunderten des Christentums wurden die ‚anderen’ als Herätiker betrachtet. Heute stört das in den Kirchen in Deutschland meist keinen. Wie ich aber mitbekommen habe, haben einige Gruppen der Beroean Pickets angefangen, Jesus mit Gott gleich zu setzen. Die Folge war ein Schisma – man hat sich von diesen Personen getrennt und die Videos mit den Interviews mit ihnen gelöscht.
Ich habe mich gefragt: Sollte das so sein? Sagte Jesus nicht, dass wir „unsere Feinde lieben sollen“? Und „für die beten, die uns verfolgen“? (Matthäus 5:44). Aber später sagten seine Jünger, man soll mit solchen, die die Lehre des Christus nicht bringen, nicht essen, noch nicht einmal grüßen! (2 Johannes 10,11) Ist das schon wieder ein Widerspruch? Oder hat Jesus nur Juden gemeint? Gelten manche Aussagen nur eine Zeit lang? Oder gibt es eine Abstufung: Gläubige der selben Kirche oder Gruppe, andere Christen, nette Menschen, Menschen, nicht so nette Menschen, Feinde, …, Abtrünnige? Fragen über Fragen.
Soll ich mich überhaupt noch mit diesem Thema beschäftigen? Was stimmt denn überhaupt noch? Und wenn man solche Zweifel hat, ist das ein Zeichen eines ‚schwachen Glaubens‘?
Es hat eine Weile (na ja, Monate) gedauert. Ich habe ein paar Bücher gelesen und nachgedacht. Und vielleicht helfen sie dem einen oder anderen, der sich ähnlich fühlt und ähnliches fragt. Zumindest helfen sie einem, das Thema ganz neu zu durchdenken.
Kommen wir daher nochmal auf Matthäus 23:23 zurück. Wenn du gefragt würdest – also jetzt – was ‚die wichtigeren Forderungen des Gesetzes‘ sind, was hättest du geantwortet? Was fällt dir spontan ein? Die 10 Gebote? Speisevorschriften? Beschneidung? Sabbat?
Vermutlich nicht das, was Jesus gemäß dem Matthäus Evangelium sagte: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Glaubenstreue!
Wo, bitte schön, steht das so in der Thora, im Gesetz? Schon wieder etwas Verwirrendes.
Im griechischen steht für ‚Glaubenstreue‘ übrigens pistis. Deswegen übersetzen es andere mit Glauben. Das findet man auch in Wörterbüchern zu biblischen Begriffen. Pistis wie auch das entsprechende hebräische Wort werden oft mit Glaube oder (religiöser) Überzeugung übersetzt. Diese Worte verbinden wir heute aber eher mit Religion und deren Glaubenssätzen, auf jeden Fall bringen wir es mit unserem Wissen und Verstand in Verbindung. Unser Glaube, was die richtigen Lehren aus der Bibel über Gott sind.
Die hebräischen und griechischen Wörter spiegeln aber Glauben in Verbindung mit etwas anderem wieder: Vertrauen. Es ist schon ziemlich aufschlussreich, die Bibeltexte zu lesen, in denen dieses Wort vorkommt, und dabei statt Glaube immer Vertrauen zu verwenden. Erstaunlich, wie sich die Perspektive dann ändert.
Auf Gott vertrauen. Das ist wichtiger, als zu meinen, oder verbissen zu versuchen, die richtigen Lehren zu kennen.
Nun gut. Und was hat das mit „den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ zu tun? Ich bin nicht der einzige, der gehofft hat, dass Gott uns mit der Bibel eine einfache, klare Anleitung für unser Leben und unseren Glauben hat aufzeichnen lassen:

Oder so etwas:

Je mehr ich in der Bibel gelesen und über ihren historischen Kontext, ihre Sprachen usw. gelernt habe, desto komplexer wurde es. Aber immer noch habe ich auf so einen Moment gehofft:

Ganz viele Bäume, aber irgendwann wird ein Muster deutlich. Ein Muster. Der richtige Glaube.
Nur. In jedem dieser angesprochenen Punkte ging es darum, was für eine Bibel wir uns wünschen. Was Gott unserer Meinung nach uns gegeben haben sollte.
Nur. Das hat er nicht. Was wir haben, ist eher das:

Gott hat viele verschiedene Menschen das aufschreiben lassen, was sie in ihrer Zeit und mit ihrem Kontext ausdrücken konnten. Jede Zeichnung, jede Beschreibung würde andere Aspekte hervorheben. Aber nur mit allen, auch widersprüchlichen Beschreibungen würden wir ein Gesamtbild erhalten.
Wenn du denkst, dass Gott jedes Wort diktiert hat (eine Möglichkeit, was inspiriert bedeuten könnte), dann bringst du die Bibel und Gott selbst in große Schwierigkeiten. Das zeigt sich schon im Neuen Testament [Video Der Kanon des Neuen Testaments – Teil 9: Inspiration]. Und wie wir sehen werden, auch im Alten Testament. Und es hilft auch uns nicht wirklich, sondern erzeugt belastende Fragen: Warum lässt ein Gott der Liebe erst fast die komplette Menschheit vernichten, und dann alle Kaananiter mitsamt Kindern und Tieren? Oder warum widersprechen sich Anweisungen in der Thora (mosaischen Gesetz)? Wir werden noch weitere Fragen ansprechen. Und warum einfache Antworten darauf oft nicht aus der Bibel kommen, sondern ihr in den Mund gelegt werden.
Und was ist mit uns los, wenn wir uns von Gott verlassen fühlen? Wir nicht nachvollziehen können, warum ausgerechnet uns Schlimmes widerfährt und es nicht besser wird, wo doch in der Bibel steht, dass er den Gerechten nicht im Stich lässt? Oder wir Archäologie und andere Wissenschaften nicht mit der Bibel in Einklang bekommen?
Mit anderen Worten: Was ist mit all diesen Gründen, warum Menschen heute die Bibel und den Glauben an Gott hinter sich lassen?
Dabei müssen wir erkennen, welches Bild wir uns von Gott und der Bibel zurechtgelegt haben. Und dafür offen sein, zu betrachten, welche Bibel uns Gott gegeben hat. Genauer: Wem er sie gegeben hat. Die Teile der Bibel wurden zu ganz unterschiedlichen Zeiten, von ganz unterschiedlichen Menschen, in ganz unterschiedlichen Kontexten, zu ganz unterschiedlichen Zwecken und für ganz unterschiedliche Menschen geschrieben. Nur nicht direkt für uns. Es ist eher so, als ob über Jahrtausende Menschen beauftragt wurden, für andere mit ihren Möglichkeiten etwas Bestimmtes darzustellen:






Aber die Bilder zeigen doch alle etwas anderes! Die Bilder widersprechen sich in den Details. Was soll ich heute damit anfangen? So ähnlich ist es mit der Bibel.
Deswegen möchte ich mich in den nächsten Videos mit solchen Fragen beschäftigen und werde dabei auf einige Bücher zurückgreifen:
- Was wollen uns die Evangelien sagen, wenn fast der komplette Inhalt außer Anfang und Ende in den Glaubensbekenntnissen fehlt?
- Ist es schlimm, Zweifel zu haben? Oder einen ‚schwachen Glauben‘?
- Was ist die Bibel, genau genommen?
- Wen kümmert das?
- Was mache ich damit?
- Wie funktioniert dieses antike, fremde und kantige Buch für Leute von heute, die in ihm nach spiritueller Anleitung suchen?


















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