Von Christian
Eigentlich wollte ich ja nur einen Artikel darüber schreiben, was die aktuelle Forschung zum Thema Weihnachten zu sagen hat. Warum findet es am 25. Dezember statt? Sind seine Wurzeln wirklich ein heidnisches Fest? Aber auch aufgrund meiner eigenen Lebensgeschichte muss ich erst noch auf etwas anderes eingehen.
Weihnachten und die Zeugen Jehovas
Wer als Zeuge Jehovas aufgewachsen ist, hat kein Weihnachten feiern dürfen. Keine ‚vorbildliche Familie‘ hätte das gemacht, geschweige denn die Familie eines Ältesten. Warum ist das so, obwohl Weihnachten in der Anfangszeit der Bewegung sogar noch im ‚Bethel‘ (dem Hauptbüro der Wachtturm-Gesellschaft in den USA) gefeiert wurde. Beruhen die Argumente auf historischen Fakten, auf dem Stand der aktuellen Forschung?
Interessanterweise fährt die Leitung der Zeugen Jehovas – die sogenannte Leitende Körperschaft – in den letzten Jahren in manchen Punkten einen sanfteren Kurs. Und obwohl das Weihnachtsfest immer noch abgelehnt und nicht gefeiert wird, können sie es nicht lassen, den jährlichen Rummel im Dezember für ihre Zwecke zu verwenden. So sieht im Dezember 2025 die offizielle Website der Zeugen Jehovas aus:

Jesus als Blickfang und darunter die Themen „Das wachsende Problem der Einsamkeit – was sagt die Bibel?“ , „Wie sollte man beten, damit man erhört wird?“ und „Welchen Ursprung hat Weihnachten?“ Warum geht es darin? Die Beschreibung lautet:„Dieses Video geht darauf ein, wie nicht christliche Bräuche und Feste das Weihnachtsfest geprägt haben und warum sich viele dazu entschieden haben, Weihnachten nicht zu feiern.“ Wer wohl diese „viele“ sind? Darunter ist ein Verweis auf den Artikel „Warum feiern Jehovas Zeugen kein Weihnachten?“ Der Artikel ist wieder einmal ein schönes Beispiel, wie man manipulativen Antworten geben kann, denn er beginnt so:
Verbreitete Irrtümer
Jehovas Zeugen, jw.org „Warum feiern Jehovas Zeugen kein Weihnachten?“
Was man so hört: Jehovas Zeugen glauben nicht an Jesus, deswegen feiern sie kein Weihnachten.
Wie es wirklich ist: Wir sind Christen. Und wir sind davon überzeugt, dass Rettung nur durch Jesus Christus möglich ist (Apostelgeschichte 4:12).
Was man so hört: Jehovas Zeugen treiben damit einen Keil in die Familien, dass sie kein Weihnachten feiern.
Wie es wirklich ist: Die Familie ist uns sehr wichtig. Uns liegt daher viel daran, durch unsere Bibelarbeit die Familien zu stärken und allen in der Familie zu helfen, enger zusammenzurücken.
Also den ersten ‚Irrtum‘ habe ich in meinen Jahrzehnten als Zeuge Jehovas nie gehört. Zweck ist wohl, dass wir das als einen unsinnigen Vorwurf wahrnehmen und das bereitet den Boden für den nächsten Punkt: Jehovas Zeugen würden durch die Ablehnung von Weihnachten einen Keil in die Familien treiben. Und dann kommt die ausweichende – besser gesagt irreführende – Antwort. Denn selbstverständlich hat es über fast 100 Jahre Familien und Verwandte getrennt, wenn die Zeugen Jehovas nicht mit ihnen zu Weihnachten zusammen waren. In Anbetracht dessen ist der Abschluss des Artikels schon ein Hohn:
Auch wenn wir als Zeugen Jehovas entschieden haben, kein Weihnachten zu feiern, respektieren wir das Recht anderer, ihre eigene Entscheidung zu treffen. Möchten sie Weihnachten feiern, mischen wir uns nicht ein.
Jehovas Zeugen, jw.org „Warum feiern Jehovas Zeugen kein Weihnachten?“
Man fragt sich: Und was ist mit Familien und Verwandten, bei denen nur ein Teil Zeugen Jehovas sind? Tja, das wird nicht angesprochen … Zumindest nicht nach draußen … Das geheime Ältesten-Buch „Hütet die Herde Gottes“ ist auch in der Ausgabe von 2023 noch ziemlich eindeutig, wenn es darum geht, wann ein Rechtskomitee – heute aus juristischen Gründen nur Komitee genannt – gebildet werden muss. Was letztendlich dazu führt, dass jemand aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und von allen geächtet wird:
Abtrünnigkeit:
Jehovas Zeugen, „Hütet die Herde Gottes“ (2023), Kapitel 12
Abtrünnigkeit bedeutet, sich von der wahren Anbetung abzuwenden, davon abzufallen, sie vollständig aufzugeben und dagegen zu rebellieren. Darunter fällt:
(1) Festtage der falschen Religion feiern (2. Mo. 32:4-6; Jer. 7:16-19): Nicht alle Feiertage haben direkt mit der falschen Religion zu tun. Deshalb ist nicht immer ein Rechtskomiteeverfahren nötig.
(2) Beteiligung an Aktivitäten anderer Religionen (2. Kor. 6:14, 15, 17 , 18): Abtrünnigkeit schließt ein, sich vor Altären, Schreinen, Götzen und Bildern niederzubeugen, Lieder der falschen Religion mitzusingen und gemeinsam zu beten (Offb. 18:2, 4).
Abtrünnigkeit ist unter Jehovas Zeugen so ziemlich das Schlimmste, was man machen kann, und das regelmäßig zur Ächtung der Person führt. Als Zeuge Jehovas sollte man also besser aufpassen, ob man mit anderen Weihnachtslieder mitsingt …
Aber warum feiern Jehovas Zeugen denn keine Weihnachten? Die Begründung ist in diesem Artikel ziemlich dünn, nämlich ganze 4 Punkte lang:
- „Jesus hat geboten, seinen Todestag zu begehen, aber nirgendwo geboten, seinen Geburtstag zu feiern (Lukas 22:19, 20).“
- „Die Apostel und die ersten Jünger Jesu kannten kein Weihnachten. In dem Werk Religion in Geschichte und Gegenwart heißt es: „Christi Geburtstag als liturgische Feier am 25. 12. ist erstmals im röm. Chronographen von 354 bezeugt“. Wie weiter erklärt wird, „begann Rom in der Ära Konstantins … das Natalis Christi“ oder die Geburt Christi zu feiern – sprich erst rund dreihundert Jahre nach dem Tod der Apostel Jesu.“
- „Es gibt keinen Beleg dafür, dass Jesus am 25. Dezember geboren wurde. An welchem Tag Jesus zur Welt kam, sagt die Bibel nicht.“
- „Weihnachten hat seine Wurzeln in heidnischen Bräuchen und Riten und ist daher nach unserem Bibelverständnis für Gott nicht akzeptabel (2. Korinther 6:17).“
Was für „heidnische Bräuche und Riten“ sind hier gemeint? Im Jahr 1988 wurde in der Zeitschrift Erwachet! dies dazu veröffentlicht:
Wo hat dann Weihnachten seinen Ursprung? Darüber ist man sich im allgemeinen einig. Die Zeitschrift U.S. Catholic sagt: „Es ist unmöglich, Weihnachten von seinen heidnischen Ursprüngen zu trennen.“ Sie führt weiter aus: „Das beliebteste Fest der Römer waren die Saturnalien, die am 17. Dezember begannen und mit dem ‚Geburtstag der unbesiegten Sonne‘ (Natalis solis invicti) am 25. Dezember endeten. Irgendwann im zweiten Viertel des 4. Jahrhunderts kamen findige Vertreter der Kirche von Rom zu dem Schluß, daß sich der 25. Dezember hervorragend als Tag der Feier des Geburtstages der ‚Sonne der Gerechtigkeit‘ eignen würde. Weihnachten war geboren.“
Jehovas Zeugen, Erwachet 8.12.1988 Weihnachten — Ein christliches Fest?
Ist das der aktuelle Stand der Forschung und der Fakten? Das werden wir uns gleich anschauen.
Warum dieses Thema für Zeugen Jehovas über Jahrzehnte so wichtig war, erkennt man an einer früheren die Beschreibung des Weihnachtsfestes:
Während der Weihnachtszeit Geschenke zu geben ist zu einer gesellschaftlichen Notwendigkeit geworden. Um die Gunst von Politikern und einflußreichen Menschen zu erbetteln, ist das Geben zu Weihnachten geradezu ideal, denn es ist gesetzlich gestattet, und man runzelt nicht die Stirn dabei, wie wenn z. B. als Bestechungsmittel Pelzmäntel verschenkt werden. Eigennützige Geber sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. … Die Selbstsucht zu Weihnachten kommt besonders dadurch zum Ausdruck, daß die Spender geben, um etwas zurückzuerhalten. Ein solches Geben wird von Christus verurteilt. — Luk. 14:12-14.
Der Wachtturm 1954, w54 15. 12. S. 739-740, Selbstsucht zu Weihnachten
Weihnachten beruht auf Selbstsucht, weil es eine Zeit ist, da man fleischliche Wünsche befriedigt. Es ist eine Zeit, jemandem sittliche Unarten zu verzeihen. Es ist eine Zeit der Ausgelassenheit, eine Zeit, da der Bauch zu einem Gott wird und da viel Trunkenheit und Schwelgerei herrscht. Und doch ist es der Apostel Christi, der zeigt, daß jene, die solches tun, Gottes Königreich nicht ererben werden! (Gal. 5:19, 21; Phil. 3:19) Weihnachten beruht auf Selbstsucht und ist zu einer Posse geworden.
Die Kirchen machen aus Weihnachten ein Geschäft, wie sie es aus dem Worte Gottes machen. Da gibt es besondere Gebete, Messen und Predigten. Und auch besondere Kollekten! Weihnachten zeitigt üblen Willen, weil es von Selbstsucht beherrscht ist.
Über diese heidnischen Feiertage sagt die „New Funk & Wagnalls Encyclopedia“ (S. 10 790): „Während der Saturnalien waren die Gerichte und Schulen geschlossen und militärische Operationen aufgehoben, so daß das Heer feiern konnte. Es war eine Zeit guten Willens und der Fröhlichkeit, die Banketten gewidmet wurde, dem Austausch von Besuchen und dem Geben von Geschenken.“ Wie kann die Lustbarkeit eines heidnischen Feiertages Christus ehren? Sie ehrt ihn tatsächlich nicht! Selbst der „Sankt Nikolaus“ oder „St. Nick“ ist, wie das Century Dictionary sagt, kein anderer als der Gegner Christi, nämlich Satan, der Teufel!
Dagegen sind die vier Argumente im aktuellen Artikel der Website der Zeugen Jehovas ziemlich schwach. Nur, weil Jesus nicht geboten hat, seinen Geburtstag zu feiern, ist es noch lange nicht falsch, dies zu tun. Nur, wenn er es verboten hätte. „Die Apostel und die ersten Jünger Jesu kannten kein Weihnachten“ – aber sie kannten auch keinen Urlaub. Und welcher Zeuge Jehovas weigert sich, Urlaub zu nehmen? Das Datum des 25. Dezember werden wir uns noch im Detail anschauen. Dass die Bibel nicht sagt, an welchem Tag Jesus geboren wurde, verbietet ja nicht, dass man einen nach bestem Wissen wählen kann. Und genau genommen wird auch nicht gesagt, an welchem Tag Jesus gestorben ist – den muss man nämlich anhand des Passah jedes Jahr neu ermitteln. Und es ist nicht der selbe Tag jedes Jahres! Bleibt noch des letzte Punkt: „Weihnachten hat seine Wurzeln in heidnischen Bräuchen und Riten.“ Ob das so stimmt, sehen wir, wenn wir uns dem Datum des 25. Dezember genauer zuwenden.
Vorab möchte ich schon einmal so viel verraten: Was als Argument der Jehovas Zeugen übrig bleibt, aber auf der aktuellen Website nur angedeutet wird, ist, dass sie sich sowohl von der ‚falschen Religion‘ – also allen anderen – und der ‚Welt Satans‘ getrennt halten, weil nur sie das wahre Volk Gottes sind …
Aber jetzt endlich zu …
Weihnachten, das Datum 25. Dezember und die historischen Fakten
Was es mit diesem Datum von Weihnachten, dem 25. Dezember, auf sich hat und was die historischen Fakten und zeigen, haben in einem kürzlich erschienen Video Dr. Henry und Dr. Schmidt erklärt. Das Gespräch ging fast eine Stunde. Daher habe ich ein weiteres Video dazu gemacht.
Also dann, bis zum nächsten mal …
Nein, es wird nicht wie üblich 2 Wochen dauern, bis das nächste Video veröffentlicht wird …
Nicht sooooo lange …
Nur bis zum … 25. Dezember 2025 😂
Frohe Weihnachten!


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