Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist: Die Jagd nach dem Snark

Von Christian


Falls du noch nie von Eschatologie gehört hast und auch keine Ahnung hast, was der Snark ist und erst recht nicht, was die Suche nach diesem Snark sein sollte: Keine Sorge, es ist alles in Ordnung mit dir. Du solltest dir eher Sorgen machen, wenn du auf dieser Jagd bist. Warum, wird gleich klar.

Zuerst einmal zu diesem schönen Fremdwort aus dem Griechischen: Eschatologie

Eschatologie ([ɛsça-], aus altgriechisch τὰ ἔσχατα ta és-chata ‚die äußersten Dinge‘, ‚die letzten Dinge‘ und λόγος lógos ‚Lehre‘) ist ein theologischer Begriff, der das religiöse Konzept des Endzeitlichen, insbesondere die prophetische Lehre von den Hoffnungen auf Vollendung des Einzelnen (individuelle Eschatologie) und der gesamten Schöpfung (universale Eschatologie) beschreibt.

Wikipedia

Ok. Das könnte dich also schon einmal beschäftigt haben. „Wann kommt die Endzeit?“ „Wann kommt Harmagedon?“ „Für wann ist die Wiederkunft Christi zu erwarten?“ „Wann kommt das Ende?“ Und so weiter. Wenn ich alle Formulierungen auflisten würde, wäre die Zeit für diesen Teil der Serie schon vorbei.

Und um es klar zu sagen: Wenn es um so etwas Wichtiges für das eigene Leben wie das Ende der Welt geht, ist es schon verständlich, wenn man darüber mehr wissen möchte.

Die Frage ist nur: Wieviel können wir denn darüber wissen? Steht dazu etwas in der Bibel? Nun, wohl nichts so Offensichtliches wie ein Datum, sonst wäre es ja allen klar. Aber vielleicht müssen wir nur die verschlüsselten Begriffe im Bibelbuch Daniel, dem Neuen Testament und insbesondere der Offenbarung verstehen und kombinieren, um dieses Geheimnis zu lüften? Es soll sogar Zeichen geben, die wir nur entschlüsseln müssten. Und viele geben vor, dies tun zu können! Bei der Übersetzung des Buches „Die Zeiten der Heiden neu überdacht“ war ich über die lange Liste der vorhergesagten Daten der Endzeit gelinde gesagt schockiert: Alleine von der Reformation bis heute führt er Dutzende von Vorhersagen und Jahren an.

Und damit kommen wir zu dieser merkwürdigen Jagd nach dem Snark. Außerhalb des englischsprachigen Raumes kennt man diese Geschichte von Lewis Carrol kaum (Wikipedia). Aber Alice im Wunderland kennst du doch, oder? Ist auch von ihm. Die Geschichte The Hunting of the Snark (An Agony in Eight Fits) (engl. für „Die Jagd nach dem Snark – eine Agonie in acht Anfällen“ oder „– eine Agonie in acht Abschnitten“) wurde 1876 veröffentlicht:

Von Henry Holiday – bookcover front of „The Hunting of the Snark“, Gemeinfrei

Was hat diese Ballade mit Eschatologie zu tun? Nun, unsere Beschäftigung mit dem Thema Eschatologie sollte sich nie zu einem solchen Abenteuer entwickeln:

Das Gedicht ist eine Ballade über eine seltsame Jagd-Expedition, die sich mit Sorgfalt, Hoffnung und einer völlig leeren Meereskarte aufmacht, ein mysteriöses Wesen namens Snark zu fangen. Was genau sie mit dem Snark anfangen wollen, bleibt offen, doch werden einige Eigenschaften aufgezählt.

Die Besatzung wird vom Bellman (Ausrufer) mit seiner Glocke geleitet. 

Eine der Figuren (Der Bäcker) hatte an dem Tag, als das Schiff der Jagdgesellschaft in See stach, die Warnung empfangen, dass manche Snarks Boojums sind, und wer das Pech hat, ein Boojum zu treffen, der wird sofort „sachte und plötzlich“ verschwinden. Genau dieses Pech hat der Bäcker am Ende der Ballade, denn der von ihm schließlich gefundene Snark war ein Boojum.

Die Jagd auf den Snark (Wikipedia)

Siehst du die Parallelen? Ich passe die Beschreibung einmal an das Thema an:

Das Finden der einen richtigen biblischen Eschatologie ist eine seltsame Unternehmung, die manche mit akribischer Sorgfalt und großen Hoffnungen durchführen, aber nur mit einer vagen Beschreibung in sehr wenigen Bibeltexten. Was sie mit dieser Eschatologie dann anfangen sollen, ist offen.

Die Suchenden werden von charismatischen Anführern oder Lehren motiviert.

Auf dieser Suche kann man, wenn man Pech hat, „sachte und plötzlich“ verschwinden.

Die Jagd nach der einzig wahren Eschatologie (Christian)

Jetzt will ich nicht sagen, dass wir in der Bibel gar nichts zur Eschatologie finden. Doch eine obsessive Suche, die Aussagen der Bibel zur ‚Endzeit‘ und dem weiteren Verlauf der Geschichte ganz genau und ‚richtig‘ zu verstehen oder gar ein Datum vorherzusagen, hat sich wie die Suche nach dem Snark erwiesen. Es gibt endlose Interpretationen, Spekulationen und man kann sehr viel Zeit darauf verwenden. Und manche sind dabei aus der Realität sozusagen verschwunden.

Was dabei leider oft übersehen wird, ist, welche entscheidende Rolle die eigenen Annahmen und Interpretationen spielen.

Genau mit diesem Thema hat sich der Bibelwissenschaftler Dr. Michael S. Heiser in einer Blog-Serie über Eschatologie gewidment, die ich ins Deutsche übersetzt einmal wieder geben möchte.

Dabei verwendet er einige Begriffe in Bezug auf Eschatologie, die dir vielleicht nicht bekannt sind. Die folgenden Erklärungen und Schaubilder sind aus der Wikipedia.

Zuerst einmal werden wir den Begriff des Millenniums öfters hören. Das Wort ist vom lateinischen Wort für 1000 abgeleitet und bezeichnet eine Zeitspanne von 1000 Jahren. Als Millenarismus (oder vom Griechischen Wort abgeleitet Chiliasmus) wird die Überzeugung bezeichnet, die sich auf eine 1000 jährige (buchstäbliche oder symbolische) Herrschaft Jesu Christi bezieht, welche in Offenbarung 20:1-10 zu finden ist.

Im Wesentlichen gibt es diese Hauptrichtungen des Millenniarismus:

https://de.wikipedia.org/wiki/Millenarismus

Nach dem ersten Kommen Christi vor rund 2000 Jahren würde gemäß den wichtigsten Hauptströmungen Folgendes geschehen:

Prämillenarismus

Die lateinsiche Silbe prä bedeutet „vor“. Die Vorstellung ist, dass wir in der Bibel lesen, dass es eine ‚große Trübsal‘ geben wird, danach Jesu zweites Kommen. Darauf schließt sich das Millennium an und dann das Endgericht.

Dispensationalismus

Der modernere Dispensationalimus sieht ein vorangegangenes zweites Kommen Christi für die Kirche vor. Damit einhergehend kann es eine ‚Entrückung‘ (Englisch rapture) geben, in der die Gläubigen von der Erde genommen werden.

Postmillenarismus

Die lateinische Silbe post bedeutet „danach“. In dieser Glaubensrichtung kommt Jesus erst nach dem Millennium zum zweiten Mal und führt dann das Endgericht durch.

Amillennialismus

Die Vorsilbe ‚a‘ bedeutet hier so viel wie nie „nicht“ oder „kein“. Also Kein-Millennium. Die Zahl 1000 wird symbolisch verstanden und die ganze Zeit zwischen dem ersten und zweiten Kommen Christi werden als das Millennium angesehen.

Zusätzlich zu diesen Ansichten gibt es noch eine fast unüberschaubare Anzahl von solchen, die sich in gewissen Details unterscheiden.

Aber warum gibt es denn solch verschiedene Ansichten, obwohl der Text des Alten und Neuen Testaments der selbe ist? Das erklärt Dr. Heiser in seinem Blog, mit dem wir im nächsten Teil anfangen werden.

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