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  • Von Hoffnung überrascht – Teil 4

    Von Hoffnung überrascht – Teil 4

    Von Christian / Tom Wright


    Dieser Serie greift Hauptgedanken aus dem Buch des Bibelgelehrten N. T. Wright Von Hoffnung überrascht – Was die Bibel zu Auferstehung und ewigem Leben sagt auf. (Englisch Surprised by Hope: Rethinking Heaven, the Resurrection, and the Mission of the Church).

    Die merkwürdige Ostergeschichte

    Wie am Ende des letzten Teils angekündigt, wollen wir uns nur kurz damit befassen, warum wir den Berichten in den Evangelien über die Auferstehung Jesu Glauben schenken können.

    Zum einen argumentiert N. T. Wright, dass Diskrepanzen an der Oberfläche nicht bedeuten, dass nichts geschehen ist. So wie das bei voneinander abweichenden Zeugenaussagen auch nicht der Fall ist. Er erläutert auch vier Merkmale dieser Erzählungen, die so außergewöhnlich sind, dass sie uns dazu drängen, diese Erzählungen als sehr frühe Berichte ernst zu nehmen, nicht als spätere Erfindungen, wie oft behauptet wird.

    1. Die Bibel wird an dieser Stelle kaum zitiert

    Bis zur Auferstehung „stützen sich alle vier Evangelisten stark auf biblische Zitate, auf Anspielungen und Echos, um klarzustellen, dass Jesu Tod „schriftgemäß“ ist. … Auch wenn diese Storys viel später niedergeschrieben wurden, gehen sie doch auf sehr, sehr frühe mündliche Traditionen zurück, die in der Erinnerung verschiedener Geschichtenerzähler geformt und fest geprägt wurden, noch bevor Zeit zur biblischen Reflexion war.“

    2. Frauen als erste Zeugen

    Frauen wurden in der Antike nicht als glaubwürdige Zeugen angesehen. Später wurden die Frauen leider auch in den christlichen Schriften und Gemeindeleben fallen gelassen – in allen vier Evangelien tauchen sie aber auf und stehen im Mittelpunkt. Warum sollte jemand also ausgerechnet das erfinden?

    3. Die Darstellung Jesu

    Hätte man einen Messias erfunden, der zu den vorhandenen Schriften passt, hätte man ihn anders dargestellt. Der auferstandene Jesus hätte ein leuchtender Stern sein müssen – aber „der auferstandene Jesus wird als Mensch mit einem Körper dargestellt, der in gewisser Hinsicht recht normal ist und mit einem Gärtner oder einem Mitreisenden auf der Straße verwechselt werden kann. Dennoch enthalten die Geschichten auch deutliche Anzeichen dafür, dass dieser Körper transformiert wurde. … Diese Art von Bericht hat keinen Vorläufer.“

    4. Die Auferstehungsberichte enthalten niemals die christliche Zukunftshoffnung

    Fast überall sonst im Neuen Testament wird die Auferstehung Jesu in Verbindung mit der letztendlichen Hoffnung erwähnt, dass diejenigen, die zu Jesus gehören, eines Tages so auferweckt werden, wie er auferweckt wurde, und es wird hinzugefügt, dass dies in der Gegenwart in der Taufe und im Verhalten antizipiert werden müsse.“

    Jedes Evangelium hat zwar seine eigenen theologischen Interessen. Man könnte es mit vier Künstlern vergleichen, welche die selbe Person porträtieren. Mit unterschiedlichen Akzenten, aber die Person ist als dieselbe zu erkennen.

    Die Berichte der Auferstehung haben aber eine gemeinsame „auf das gegenwärtige Zeitalter bezogene Bedeutung: Jesus ist auferstanden, also ist er der Messias und daher der wahre Herr der Welt; Jesus ist auferstanden, also hat Gottes neue Schöpfung begonnen – und wir, seine Nachfolger, haben einen Job zu erledigen!“

    Aber was ist ‚Gottes neue Schöpfung‘ und welchen Job haben wir zu erledigen?

    Teil II Gottes Zukunftsplan

    Die Zukunft des Kosmos: Fortschritt oder Verzweiflung?

    Ist denn nicht jedem klar, worin die Zukunft des Kosmos besteht? Damit ist keine astrophysikalische Frage gemeint. Sondern was Gott mit seiner Schöpfung vorhat. Und da könnte uns unser kultureller Kontext im Wege stehen.

    In den letzten zweihundert Jahren hat das westliche Denken das Individuum auf Kosten des größeren Bildes von Gottes Schöpfung überbetont. Mehr noch: In einem Großteil der westlichen Frömmigkeit, wenigstens seit dem Mittelalter, war der Einfluss der griechischen Philosophie sehr ausgeprägt. Das führte zu einer Zukunftserwartung, die viel mehr Ähnlichkeit mit Platons Vision aufweist, in der Seelen in eine unkörperliche Glückseligkeit eingehen, als mit dem biblischen Bild des neuen Himmels und der neuen Erde.

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 108

    Dadurch sind zwei große Strömungen entstanden:

    1. Der Mythos vom Fortschritt
      Entstanden in der Renaissance und befördert in der europäischen Aufklärung gibt es den utopischen Traum, dass es immer weiteren Fortschritt gibt und die Welt immer besser wird. Neben dem sozialen Evangelium gab es auch andere christliche Strömungen, deren Ziel es war, die Welt immer besser zu machen, bis Gott zufrieden ist. Das wahre Problem des Mythos des Fortschritts besteht aber darin, dass er nicht mit der Existenz des Bösen fertig wird.
      „Der Optimist, der Evolutionist, die Schule des Fortschrittsmythos sagen alle, dass dies nur die Wachstumsschmerzen von etwas Größeren und Besseren seien.“
    2. Seelen auf der Durchreise
      Der Platoniker, der Hindu, der Muslim und in der Nachfolge Platons der Gnostiker, der Manichäer und zahllose andere Varianten innerhalb der christlichen und jüdischen Traditionen sagen alle, dass dies Anzeichen dafür sind, dass wir für etwas ganz anderes geschaffen wurden, für eine Welt, die nicht aus Raum, Zeit und Materie geschaffen ist, eine Welt der reinen spirituellen Existenz, in der wir glücklich die Fesseln der Sterblichkeit ein für alle Mal hinter uns lassen.
      „Dieser platonische Zug Gericht sehr früh ins christliche Denken, nicht zuletzt mit dem als Gnostizismus bekannten Phänomen.“

    Worauf die ganze Welt wartet

    Das alles glaubten die frühen Christen nicht. „Da die meisten Menschen, die heute über diese Dinge nachdenken, der einen oder anderen dieser Ansichten zuneigen, ist es eine gewisse Überraschung, wenn sie entdecken, dass die frühen Christen ein ziemlich andere Ansicht vertraten. Sie glaubten, dass Gott für den ganzen Kosmos das tun würde, was er Ostern für Jesus getan hatte.“ Was bitte schön ist denn damit gemeint? Das werden wir uns jetzt schrittweise erarbeiten.

    Grundlegende Strukturen der Hoffnung

    Die Hoffnung der ältesten uns bekannten Christenheit zeichnet sich durch einige grundlegende Strukturen aus.

    Erstens waren die Jünger vom Gutsein der Schöpfung überzeugt. In keinem Punkt wurde ein kosmologischer Dualismus akzeptiert, also eine Trennung in eine geschöpfliche Welt, die nicht wirklich gut ist und nicht von geschenkt ist, und eine gute geistige. „Die Welt ist als Schöpfung gut, nicht als unabhängige oder selbstgenügsame „Natur“. Es gibt keine Anzeichen für Pantheismus oder Panentheismus.“ Dann führt N. T. Wright einen Punkt an, den wir in einer anderen Video-Serie genauer betrachten werden:

    Auf dem Höhepunkt der Schöpfung, der laut Genesis 1 in der Erschaffung der Menschen besteht, war die Schöpfung dazu gedacht, Gott widerzuspiegeln, Gott in der Anbetung auf Gott zurückzuspiegeln und ih in den Rest der Schöpfung hineinzureflektieren. Letzteres soll in der Verwaltung der Schöpfung durch den Menschen geschehen.

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 122

    Zweitens gab es eine bestimmte Vorstellung vom Wesen des Bösen. „Das Böse ist innerhalb einer biblischen Theologie real und mächtig, aber es besteht weder in der Geschöpflichkeit noch in der Andersartigkeit gegenüber Gott. … Das Böse besteht auch nicht – das ist entscheidend! – in der Vergänglichkeit, im Verfall. … Die Vergänglichkeit fungiert als ein von Gott gegebenes Zeichen, das nicht von der materiellen Welt weg auf eine nichtmaterielle Welt weist, sonder von einer Welt, wie sie ist auf eine Welt wie sie eines Tages sein soll – mit anderen Worten: Sie verweist von der Gegenwart auf die Zukunft, die Gott vorbereitet hat.“

    Was zählt, ist eschatologischer Dualismus (das gegenwärtige und das zukünftige Zeitalter), nicht ontologischer Dualismus (eine böse „Erde“ und ein guter „Himmel“).

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 123

    Drittens enthielt die Hoffnung eine Vorstellung von Gottes Erlösungsplan.

    Erlösung bedeutet nicht eine „Verschrottung“ dessen, was vorhanden ist, um von all dem befreit neu zu beginnen, sondern vielmehr Befreiung dessen, was in die Versklavung geraten ist. Wenn man das Böse nun nicht als Materialist, sondern als Rebellion versteht, besteht die Versklavung der Menschen und der Welt nicht in der Verkörperung. Erlösung von Verkörperung würde bedeuten: Tod des Körpers und das nachfolgende Freisetzen der Seele oder des Geistes. Die Versklavung besteht jedoch vielmehr in der Sünde. Erlösung von Sünde muss letztendlich nicht nur das Gutsein der Seele oder des Geistes einbeziehen, sondern auch einneues körperliches Leben.

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 123, 124

    Dabei spielte Jesus für seine Jünger eine zentrale doppelte Rolle, welche in lyrischer Form in Kolosser 1:15-20 zu finden ist. Eine aufschlußreiche Passage, deren Besprechung hier aber zu weit führen würde. Was wir aber noch festhalten sollten: „Erlösung ist die Neuschaffung der Schöpfung, nachdem mit dem Bösen abgerechnet worden ist, das die Schöpfung entstellt und deformiert hatte. Und sie wird von demselben Gotte bewerkstelligt, der nun in Jesus Christus erkannt wird, durch die die Schöpfung überhaupt geschaffen wurde.“

    Die grundlegende Struktur und die kosmischen Dimensionen der christlichen Hoffnung schlüsselt N. T. Wright in sechs Themen auf:

    Saat und Ernte

    In 1. Korinther 15 benutzt Paulus das Bild von den Erstlingsfrüchten. Jesus ist der Erste, der von den Toten auferstanden ist. Bei den Erstlingsfrüchten geht es darum, dass es viele weitere Früchte geben wird.

    Die siegreiche Schlacht

    Paulus fährt im 1. Korinther Brief mit einem ganz anderen Bild fort, das viele biblische Vorläufer hat: das Bild vom König, der sein Königreich aufrichtet, indem er alle Feinde unterwirft. „Paulus artikuliert hier ganz klar eine Theologie der neuen Schöpfung“. „Das Evangelium von Jesus Christus verkündigt, dass Gott das, was er an Ostern für Christus tat, nicht nur für alle tune wird, die „in Christus“ sind, sondern auch für den gesamten Kosmos. Es wird sich um einen Akt der Neuschöpfung handeln, parallel zu und abgeleitet von dem Akt der Neuschöpfung, als Gott Jesus von den Toten auferweckte.“ Und damit kommt etwas schon Gesagtes in den Blick: „Jesus wurde körperlich von den Toten auferweckt, im Gegensatz zu der Auffassung, die sagt, dass er nach seinem Tod begann, in einem neuen, nichtkörperlichen Modus zu existieren. … Wenn Jesus nach seinem Tod in irgendeine Art immaterielle Existenz übergegangen wäre, dann wäre der Tod nicht besiegt. Er würde intakt bleiben; er würde nur neu beschrieben. … Aber genau das leugnet Paulus gerade. Der Tod, wie wir ihn kennen, ist der letzte Feind, er ist kein guter Teil der guten Schöpfung; und daher muss der Tod besiegt werden, wenn der lebenswendende Gott als der wahre Herr der Welt geehrt werden soll. Wenn dies geschehen ist, und erst dann, wird Jesus, der Messias, der Herr der Welt, die Herrschaft des Königreiches seinem Vater übergeben, und Gott wird alles in allem sein.“

    Himmelsbürger auf Erden

    Ein anderes königliches Bild finden wir in Philipper 3:20,21. Das ist wichtig für unsere Hoffnung, weil dort ein Begriff verwendet wird, der viele dazu veranlasst, zu denken, dass sie in den Himmel kommen. Hier ist ist wieder einmal wichtig, den historischen Kontext im Sinn zu haben: „Philippi war eine römische Kolonie. Augustus hatte seine Veteranen nach den Schlachten von Philippi (42 v. Chr.) und Actium (31 v. Chr.) dort angesiedelt. Wenn es auch nicht alle hatten, jeder wußte was das römische Bürgerrecht bedeutete. Es war das römische Bürgerrecht, aber sie lebten nicht in Rom. Augustus hatte es ihnen verliehen, damit sie in Philippi blieben.

    „Wenn Paulus also sagt: „Wir sind Bürger des Himmels“, dann meint er damit keinesfalls, dass wir in den Himmel gehen, um dort zu leben, nachdem wir dieses Leben hinter uns gebracht haben. Er meint damit Folgendes: Der Retter, der Herr, Jesus, der König – all das waren natürlich kaiserliche Titel – wird vom Himmel zur Erde kommen, um die gegenwärtige Lage und den Zustand seines Volkes zu verändern. Das Schlüsselwort ist hier Transformation: „Er wird unsere gegenwärtigen bescheidenen Körper transformieren, damit sie wie sein herrlicher Körper sein werden.“

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 128, 129

    Jesus wird den gegenwärtigen menschenlichen Körper verwandeln.

    Gott wird alles in allem sein

    In 1. Korinther 15:28 findest sich eine der klarsten Aussagen über das absolute Zentrum der zukunftsorientierten neutestamentlichen Weltanschauung: Gott wird als Ziel der gesamten Geschichte „alles in allem sein“. „Gott beabsichtigt letztendlich, die ganze Schöpfung mit seiner eigenen Gegenwart und Liebe zu erfüllen.“

    Die Welt wurde gut, aber unvollständig geschaffen. Eines Tages, wenn die Kräfte der Rebellion besiegt sind und die Schöpfung frei und fröhlich auf die Liebe ihres Schöpfers antwortet, wir der Schöpfer die Schöpfung mit sich selbst erfüllen, sodass sie sowohl ein unabhängiges Wesen bleibt, etwas anderes als Gott, als auch von Gottes eigenem Leben durchflutet wird.

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 131

    Eine neue Geburt

    In Römer Kapitel 8 greift Paulus ein weiteres Bild auf: Das Bild der neuen Geburt. Die Schöpfung befindet sich in einem Zustand der Sklaverei, wie die Kinder Israels in Ägypten (Römer 8:21). „Gottes Plan bestand darin, die Schöpfung durch seine Ebenbilder, die menschlichen Geschöpfe, mit lebensspendender Weisheit zu regieren. Das war jedoch immer eine Zukunftsverheißung. …. Unterdessen war die Schöpfung der Vergänglichkeit und dem Verfall unterworfen.“ Wie kommt die Schöpfung aus diesem Zustand heraus? Paulus verwendet in Römer 8:22 das Bild einer neuen Geburt für den ganzen Kosmos selbst.

    Die Hochzeit von Himmel und Erde

    Offenbarung 21 und 22 wird schließlich das Bild einer Hochzeit verwendet: „Das Neue Jerusalem kommt aus dem Himmel herab wie eine Braut, die siech für ihren Bräutigam geschmückt hat. Wir stellen sofort fest, wir stark sich dieses Bild von all den vermeintlich christlichen Szenarien unterscheidet, die damit enden, dass der Christ als Seele in den Himmel geht, nackt und ungeschminkt, um mit Angst und Zittern seinem Schöpfer zu begegnen.“

    „Das Ende der Offenbarung beschreibt die endgültige Beantwortung des Vaterunsers, dass Gottes Königreich kommen und sein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Darüber redet auch Paulus in Epheser 1:10: Gottes Plan und seine Verheißung bestand darin, alle Dinge in Christus zusammenzufassen, die himmlischen wie auch die irdischen Dinge.“

    Hier haben wir ein Zeichen für die zukünftige Aufgabe, die letztlich in Gottes neuer Welt auf die Erlösten wartet. Weit entfernt von der oft verbreiteten Vorstellung, dass man auf Wolken sitzen und Harfe spielen wird, wird das erlöste Gottesvolk in der neuen Welt de Vermittler der Liebe Gottes sein, die auf neuen Wegen ausströmt, um neue kreative Aufgaben zu erfüllen, um die Herrlichkeit seiner Liebe zu feiern und zu verbreiten.

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 134

    Fazit

    Warum werden im Neuen Testament nun all diese Bilder und Metaphern verwendet? Weil wir uns nur mithilfe dieser eine gewisse Vorstellung machen können. „Was wir über die Zukunft sagen können, ist wie eine Reihe von Schildern, die in einen hellen Nebel weisen. Wir haben keine Fotographie von dem, was wir finden werden, wenn wir ankommen.“

    In der nächsten Folge betrachten wir einige dieser ‚Schilder‘, die wir in der Bibel finden.

  • Von Hoffnung überrascht – Teil 3

    Von Hoffnung überrascht – Teil 3

    Von Christian / Tom Wright


    Dieser Serie greift Hauptgedanken aus dem Buch des Bibelgelehrten N. T. Wright auch Von Hoffnung überrascht – Was die Bibel zu Auferstehung und ewigem Leben sagt auf. (Englisch Surprised by Hope: Rethinking Heaven, the Resurrection, and the Mission of the Church).

    Der überraschende Charakter der frühchristlichen Hoffnung

    Es zeigt sich, dass der frühchristliche Glaube an eine Hoffnung jenseits des Todes sich nachweislich auf das Judentum und nicht das Heidentum bezog. N. T. Wright führt dann sieben wichtige Kernaussagen an, in denen sich die frühchristliche Hoffnung jedoch von der des Judentum deutlich unterscheidet.

    Zuerst einmal bildete „die Auferstehung das Zentrum der frühchristlichen Zukunftshoffnung.“ Diesen Satz überliest man vielleicht schnell. Vermutlich erkennst du die Tragweite nicht. N. T. Wright fasst nun viel ausführlichere Begründungen zusammen:

    Die ersten Christen glaubten nicht einfach an ein Leben nach dem Tod; sie sprachen mehr oder weniger nie davon, nach dem Tod in den Himmel zu gehen. Wenn sie aber vom Himmel als einem Ziel sprachen, das nach dem Tod auf einen wartet, dann schienen sie dieses himmlische Leben als ein zeitlich begrenztes Stadium angesehen zu haben, auf dem Weg zur letztendlichen Auferstehung des Leibes. Als Jesus dem Schächer am Kreuz sagte, sie würden sich am sleben Tag noch im Paradies treffen (Lukas 23:43), dann kann das Paradies ganz klar nicht das endgültige Ziel sein, wie Lukas im nächsten Kapitel deutlich werden lässt. Das Paradies ist vielmehr der herrliche Garten, in dem sich Gottes Volk vor der Auferstehung ausruht.

    Als Jesus erklärte, in seinem Vaterhaus gäbe es viele Wohnungen, benutze der für „Wohnung“ das Worte mone, das eine vorübergehende Unterkunft bezeichnet. (Johannes 14:2)

    Wenn Paulus sagt, sein Verlangen sei es, „zu sterben und bei Christus zu sein, was viel besser ist“, dann denkt er in der Tat an ein glückseliges Leben bei seinem Herrn unmittelbar nach dem Tod, aber das ist nur ein Vorspiel vor der Auferstehung. (Philipper 1:23;3:9-11;3:20-21)

    In der Begrifflichkeit der Diskussion des vorhergehenden Kapitels hielten die ersten Christen an einem zweistufigen Zukunftsglauben fest. Zunächst kommt der Tod und was auch immer unmittelbar danach kommt; danach gibt es eine neue körperliche Existenz in einer neu erschaffenen Welt.

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 67

    Es würde mich nicht wundern, wenn das auch für dich ziemlich überraschend war. Und das war es auch damals. „Im Heidentum gibt es nichts, was diesem Glauben auch nur entfernt nahe kommt. Dieser Glaube ist so jüdisch wie er nur sein kann.“ Aber die ersten Christen nahmen Modifikationen vor, die sich alle bei so unterschiedlichen Autoren wir Paulus, Johannes von Patmos, Lukas und Justin dem Märtyrer, Matthäus und Irenäus finden.

    1. Innerhalb der frühen Christenheit gibt es mehr oder weniger kein Spektrum an Glaubensüberzeugungen über das Leben jenseits des Todes

    „Das Christentum sieht insofern wie eine Spielart des pharisäischen Judentums aus. Es gibt keine Spur einer sadduzäischen Weltanschauung oder einer die zur Denkschule Philos past.“ „Erst im späten zweiten Jahrhundert, gute 150 Jahre nach der Zeit Jesu, finden wir Menschen, die dem Wort Auferstehung eine ganz andere Bedeutung zuweisen als das, was es im Judentum und frühen Christentum bedeutete, nämlich eine spirituelle Erfahrung in der Gegenwart, die zu einer unkörperlichen Zukunftshoffnung führt.“

    2. Im frühen Christentum bewegte sich die Auferstehung vom Rand zum Zentrum

    „Man kann sich das paulinischen Denken nicht ohen sie vorstellen. Man sollte sich auch das johanneische Denken nicht ohne sie vorstellen …. Auferstehung ist von enormer Bedeutung bei Klemens und Ignatius, Justin und Irenäus. Sie ist eine der Schlüsselglaubensüberzeugungen, die die Heiden in Lyons im Jahre 177 n. Chr. wütend machte und sie dazu trieb, mehrere Christen abzuschlachten, inklusive des Bischofs, der dem großen Irenäus vorausging. Der Glaube an die körperliche Aufersthung war eines von zwei zentralen Dingen, die der heidnische Arzt Galen in Bezug auf die Christen vermerkte (das andere war ihre bemerkenswerte sexuelle Zurückhaltung). Nimm die Auferstehung weg, und du verlierst das ganze Neue Testament, ebenso wie die Theologie der meisten Kirchenväter des zweiten Jahrhunderts.“

    3. Die Auferstehung eines transformierten Körpers

    „Innerhalb der frühen Christenheit gehörte es von Anfang an zum Kern des Glaubens an die Auferstehung, dass der neue Körper zwar mit Sicherheit ein Körper im Sinne eines physischen Objekte sein würde, der Raum und Zeit beansprucht, dass es sich aber auch um einen transformierten Körper handeln würde, ein Körper, dessen Material aus dem alten Material erschaffen wird, aber neue Eigenschaften haben wird.“

    Aber was ist mit Paulus in 1. Korinther 15? Eine oft missverstandene Passage. Eigentlich erklärt er es ganz gut und die meisten späteren Autoren blicken darauf zurück. „Doch unglücklicherweiese verstehen viele Übersetzungen Paulus hier völlig falsch und verwenden Formulierungen, die zur weit verbreiteten Annahme führen, dass Paulus hier von einem geistlichen Körper im Sinne eines nicht materiellen Körpers spricht.“ Aber dann hätte Jesus doch eben kein leeres Grab hinterlassen. „Man kan in allen Einzelheiten zeigen, philologisch wie auch exegetisch, dass diese Sicht exakt nicht das ist, was Paulus meinte.“

    Der Gegensatz, den er aufbaut, besteht nicht zwischen dem, was wir unter einem gegenwärtigen physischen Körper verstehen, und dem, was wir unter einem zukünftigen geistlichen Körper verstehen, sondern zwischen einem gegenwärtigen Körper, der von der normalen menschlichen Seele belebt ist, und einem zukünftigen Körper, der von Gottes Geist belebt wird.

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 70

    „Der Punkt, um den es ihm dabei geht, ist, dass der zukünftige Körper unvergänglich ist. Das gegenwärtige Fleisch und Blut ist vergänglich, dazu verurteilt, zu verfallen und zu sterben. Darum sagt Paulus, „Fleisch und Blut können das Köngreich Gottes nicht erben.“ Der neue Körper wird unvergänglich sein. Das gesamte Kapitel, eine der längsten durchgängigen Diskussionen bei Paulus und der entscheidende Höhepunkt des ganzen Briefes, handelt von der neuen Schöpfung, vom Schöpfergott, der die Schöpfung erneuert und sie nicht aufgibt, wie es Platoniker aller Couleur inklusve der Gnostiker gerne hätten.“

    „Aber diese transformierte Physikalität … schließt keine Transformation ins Lichtförmige ein. Auch an dieser Stelle gehen viele in die Irre und missverstehen das Wort Herrlichkeit, als würde es ein physisches Leuchten implizieren statt einen Status innerhalb der Welt, die Gott gehört. Das ist umso bemerkenswerter, da der bekannteste der biblischen Auferstehungstexte, Daniel 12, von den auferstandenen Gerechten sagt, sie würden leuchten wie die Sterne. Überraschenderweise wir dieser Text nirgendwo im Neuen Testament zitiert, wenn es um den Auferstehungskörper geht, abgesehen von der Interpretation eines Gleichnisses. Dort, wo wir den Text finden, wird er metaphorisch für das gegenwärtige christliche Zeugnis in der Welt gebraucht.“

    4. Die Auferstehung ist ein Ereignis in zwei Teilen

    Auch das wird durch 1. Korinther 15 zentral belegt und diese Aspekt wird in den ersten beiden Jahrhunderten durchgängig angenommen. „Kein Jude des ersten Jahrhunderts erwartet vor Ostern, dass die Auferstehung irgendetwas anderes sei als das groß angelegte Ereignis, das dem gesamten Gottesvolk widerfahren würde, oder vielleicht sogar der ganzen Menschheit. Es würde ein Teil des plötzlichen Ereignisses sein, während dem Gottes Königreich wie im Himmel letztendlich auch auf Erden kommt.“

    Da dies der Kontext ist, in dem Jesus, die Apostel und andere die uns überlieferten Worte sagten und schrieben, ist das auch der Schlüssel für eine Interpretation: „Auferstehung, daran müssen wir uns immer wieder erinnern, bedeutete nicht, in den Himmel zu kommen oder dem Tod zu entfliehen oder eine herrliche Existenz nach dem Tod zu haben, sondern nach dem körperlichen Tod wieder zu neuem körperlichen Leben zu kommen.“

    Daher wird dies zu einem zentralen Merkmal der überraschenden Hoffnung der ersten Christen: „Der Glaube, dass der Anfang des Königreiches Gottes in der Auferstehung selbst bestand, die einer einzigen Person mitten in der Geschichte der Menschheit widerfurh, und zwar in Vorwegnahme der großen, endgültigen Auferstehung. Die Auferstehung Jesu garantiert und deutet bereits auf jene endgültige Auferstehung des Gottesvolkes am Ende der Geschichte hin.“

    5. Unsere Aufgabe zwischen der Auferstehung Jesu und der allgemeinen Auferstehung

    Die ersten Christen glaubten, dass die Auferstehung mit Jesus begonnen hatte und in der letzten großen Auferstehung am jüngsten Tag vollendet werden würde. Daher glaubten sie auch, dass Gott sie berufen hatte, mit ihm in der Kraft des Heiligen Geistes zu arbeiten, um das was Jesus erreicht hatte, umzusetzen und dadurch die endgültige Auferstehung anzudeuten. „Es ging nicht bloß darum, dass Gott „das Ende“, sein Königreich, schon eingeläutet hatte; wenn Jesus, der Messias, das Ende in person war, Gottes in der Gegenwart angekomme Zukunft, dann hatten diejenigen, die zu Jesus gehörten, ihm nachfolgten und von seinem Geist bevollmächtigt waren, den Auftrag, so weit es ihnen möglich war, die Gegenwart im Lichte jener Zukunft zu verändern.“

    6. Die Auferstehung als Methapher

    „Innerhalb des Judentums konnte die Auferstehung sowohl als Metapher als auch Metonymie für die Rückkehr aus dem Exil verwendet werden. … Wenn Auferstehung im Judentum also metaphorisch gebraucht wird, verweist sie auf die Wiederherstellung Israels; aber von den ersten Tagen der Christenheit an – und das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, wie das Christentum als jüdische messianische Bewegung begann – ist diese Bedeutung verschwunden;“

    Die neue metaphorische Bedeutung hatte schon zur Zeit des Paulus kräftige Wurzeln geschlagen: Auferstehung als metaphorischer Verweis auf die Taufe (ein Sterben und Auferstehen mit Christus), und Auferstehung als Verweis auf das neue Leben in unermüdlichem ethischem Gehorsam, befähigt durch den Heiligen Geist, das Leben, zu dem sich der Gläubige verpflichtet.

    7. Auferstehung und Messianität

    Die Verknüpfung der Auferstehung mit der Messianität war völlig neu. „Im Judentum hatte niemand erwartet, dass der Messias sterben würden, und daher hat sich natürlich auch niemand vorgestellt, dass der Messias von den Toten auferstehen würde.“

    „Aber von den ersten Anfängen an, bezeugt in Texten, die vorpaulinische Fragmente ganz früher Glaubensbekenntnisse sein können, behaupteten die ersten Christen, dass Jesus in der Tat der Messias war, und zwar genau wegen seiner Auferstehung.“

    In Vebindung mit der eigentlichen Aufgabe, die Israel am Sinai bekommen hatte (siehe die Serie Gottes Namen Tragen – Warum der Sinai immer noch wichtig ist) und den Prophezeiungen über den Messias, machte die Auferstehung des Messias absolut Sinn. Es erfüllte sich das, was Gott geplant und vorgesehen hatte – auch wenn Menschen sich das ganz anders vorgestellt hatten.

    „Das bedeutet, dass wir bereits die revisionistischen Positionen zur Auferstehung Jesu ausschließen können, die so viele Autoren in den letzten Jahren vertreten haben. Viele schlagen vor, dass die ersten Jünger angesichts des Todes Jesu derart von Trauer überwältigt waren, dass sie die Vorstellung von der Auferstehung aus der umliegenden Kultur aufgegriffen, in ihr festhielten und sich selbst überzeugten, dass Jesus von den Toten auferweckt worden sein, obwohl sie natürlich wussten, dass er nicht auferweckt worden war.“

    „Aufgrund des frühchristlichen Glaubens an Jesus als Messias entwickelte sich sehr früh der Glaube: Jesus ist der Herr, und der Kaiser ist es daher nicht. Doch bereits bei Paulus ist sowhl Jesu Auferstehung als auch die zukünftige Auferstehung seiner Volkes die Grundlage der christlichen Loyalität gegenüber einem anderen König, einem anderen Herren. Der Tod ist die letzte Waffe des Tyrannen.“ Und damit hat die Auferstehung für die Christen nicht nur die Bedeutung eines ‚Lebens nach dem Tod‘.

    Auferstehung ist keine neue Beschreibung des Todes; sie ist die Überwindung des Todes und damit die Überwindung derjenigen, deren Macht vom Tod abhängt.

    Dem Hohn und Spott einiger moderner Wissenschaftler zum Trotz waren diejenigen, die auf dem Scheiterhaufen brannten und den Löwen vorgeworfen wurden, Menschen, die an die körperliche Auferstehung glaubten. Auferstehung war niemals ein Weg, es sich gemütich zu machen und Ansehen zu gewinnen; … Es waren die Gnostiker, welche die Sprache der Auferstehung in eine private Spiritualität und eine dualistische Kosmologie übersetzten und die Bedeutung der Auferstehung dabei mehr oder weniger in ihr Gegenteil verkehrten. Es waren auch die Gnostiker, die ihrer Verfolgung entgingen. Welcher Machthaber hätte schlaflose Nächte, in denen er sich ängstigt, weil seine Untertanen das Thomasevangelium lesen? Die Auferstehung war immer geradezu prädestiniert, einen in Schwierigkeiten zu bringen, und sie tat das auch regelmäßig.“

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 77

    Ich denke, so langsam ist dir klar, warum N. T. Wright von einer überraschenden Hoffnung sprach. Nicht nur, weil sie im ersten Jahrhundert überraschend war. Sondern vermutlich auch für dich – sogar wenn du dich als Christ betrachtest. Auch bei diesem Thema kann es also gut sein, dass dir beim Lesen der Bibel klar wird, dass bei der Interpretation so mancher Passage nicht der textuelle oder historische Kontext ausschlaggebend war, sondern von uns oder anderen hineingelegte Annahmen und Vorstellungen – also Eisegese. Nimm dir Zeit, darüber nachzudenken.

    Da die Auferstehung also eine viel weitreichendere Bedeutung hat als nur, dass Jesus wieder lebte, ist es gut, sich kurz damit zu beschäftigen, ob wir diesen Berichten Glauben schenken können. Danach werden wir uns damit befassen, welche überraschende Hoffnung in Bezug auf Gottes Zukunftsplan es noch gibt. Und beides im nächsten Teil 4.

  • Von Hoffnung überrascht – Teil 2

    Von Hoffnung überrascht – Teil 2

    Von Christian / Tom Wright


    Dieser Serie greift Hauptgedanken aus dem Buch des Bibelgelehrten N. T. Wright Von Hoffnung überrascht – Was die Bibel zu Auferstehung und ewigem Leben sagt auf. (Englisch Surprised by Hope: Rethinking Heaven, the Resurrection, and the Mission of the Church).

    Und wie auch schon im ersten Teil gesagt, empfehle ich jedem, das Buch selbst zu lesen und die Argumente anhand der Bibel selbst zu prüfen.

    Gut vorbereitet, aber kein Ziel vor Augen

    Worum es N. T. Wright in diesem Buch geht, beschreibt er so:

    Dieses Buch behandelt zwei Fragen, die oft völlig getrennt behandelt wurden, die aber, so glaube ich leidenschaftlich, ganz eng zusammengehören. Zunächst: Wie sieht die endgültige christliche Hoffnung aus? Dann: Welche Hoffnung gibt es im Hinblick auf Veränderung, auf Rettung, auf Transformation, auf neue Möglichkeiten innerhalb der gegenwärten Welt?

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 21

    Darauf gibt es heute eine unüberschaubare Menge an verschiedensten Antworten – die mehr oder weniger von sich behaupten, sich auf die Bibel zu stützen. Und welche davon ist richtig? Falsche Frage. Besser sollten wir uns fragen, welche Auffassung näher dran ist an dem, was im Text steht. Tom Wright hat dazu einen guten Tipp:

    Und da gute Theologie niemals auf der Meinung der Mehrheit fußt: Was lehrt die Bibel zu diesem Thema? Was sagen Jesus und die Apostel?

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 31

    Ich fürchte, dass sich leider nur wenige wirklich dafür interessieren. Doch beeinflusst werden wir alle durch das, was wir seit unserer Kindheit gelesen, gehört und gesehen haben. Letztendlich zeigt sich das im Verhalten jedes einzelnen. Wenn wir in der Endzeit leben und bald vom Herrn in den Himmel geholt werden und die Erde eh mit Feuer verbrannt wird, was interessieren uns dann jetzt noch Umweltprobleme oder eine Klimaveränderung? Nicht meine Gedanken, sondern die von nicht wenigen Evangelikalen in den USA. Und nicht wenige versuchen eine spiritistische Kontaktaufnahme mit den Toten. Selbst gewisse Gepflogenheiten weisen darauf hin, dass sich die Vorstellung vieler deutlich von der der ersten Jünger Jesus unterscheidet:

    Die Gepflogenheiten bei Beerdigungen, die heute neu oder wieder aufkommen, bringen dieselbe Art von Verwirrung zum Vorschein. Die Geste, Gegenstände neben den Toten in den Sarg zu legen, um die Toten im zukünftigen Leben zu trösten oder ihnen zu helfen, wurde bis vor Kurzem von Kulturbeobachtern als eine interessante Gepflogenheit beschrieben, die heute in der modernen westlichen Gesellschaft aufgegeben wurde. Mittlerweisel feiern Geschenke für Verstorbene wieder ihr Comeback, wobei Fotos, Schmuck, Teddybären und ähnliche Dinge in den Sarg gelegt werden. Nigel Barley erzählt Geschichten, die von eim Mitarbeiter eines Krematoriums stammen; Geschichten von Witwen, die eine Packung Vollkornkekse oder die Zweitbrille sowie das Gebiss des Verstorbenen in den Sarg legten. In einem Fall legte eine Witwe zwei Spraydosen mit Klebstoff in den Sarg. Ihr Mann hatte damit immer sein Toupet angeklebt. Die Spraydosen verursachten eine Explosion, die Tür der Brennkammer im Krematorium verbog.

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 35

    Man kann die Situation vermutlich gar nicht besser als so zusammenfassen:

    Die meisten Menschen wissen schlicht und einfach gar nicht, worin der orthodoxe christliche Glaube eigentlich besteht.

    Offen gestanden: Was wir heute haben, ist nicht „die sichere und gewisse Hoffnung der Auferstehung der Toten“, wie die alten Liturgien sagen, sondern der vage und unscharfe Optimismus, dass die Dinge letztlich irgendwie in Ordnung kommen.

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 36, 51

    Daher werde wir nun einige Schlüsselthemen in Bezug auf unsere Hoffnung anhand der Schrift angehen müssen:

    1. Wie können wir überhaupt etwas über alle diese Dinge wissen?
      Die Kirche von England sagt: In der Schrift, der Tradition und der Vernunft. Und zwar in einer angemessenen Mischung. „Ich behaupte, dass ein guter Anteil unserer gegenwärtigen Ansicht vom Tod und dem Leben nach dem Tod aus keiner dieser Quellen stammt, sondern aus kulturellen Impulsen, die bestenfalls halbchristliche informelle Traditionen erzeugt haben.“ (S. 53)
    2. Haben wir unsterbliche Seelen, und wenn ja, was sind diese?
    3. Jesu eigene Auferstehung muss den Ausgangspunkt allen christlichen Denkens zum Thema der Hoffnung bilden.

    Dazu müssen wir zweitausend Jahre in der Geschichte zurückgehen.

    Die frühchristliche Hoffnung in ihrem historischen Kontext

    Die Auferstehung Jesus ist im Neuen Testament in den Evangelien und den Briefen beschrieben. Allerdings mit gewissen Abweichungen. Wären die Berichte Wort für Wort exakt gleich, würde man sagen, dass die eine Quelle nur von der anderen abgeschrieben hat. Nun haben wir es aber mit Berichten von Augenzeugen zu tun, die von einander abweichen. Das ist vielleicht für jemanden ein Problem, der eine wörtliche Inspiration vertritt (Siehe Video Der Kanon des Neuen Testaments – Teil 9: Inspiration). Aber ist das so ungewöhnlich? Das selbe kann man auch heute bei Berichten von Augenzeugen feststellen. Aber nur in den seltensten Fällen würde man daraus schlußfolgern, dass das beschriebene Ereignis nie stattgefunden hat. Aber warum war dann der Bericht der Jünger Jesu so spektakulär?

    Auferstehung und das Leben nach dem Tod im antiken Heidentum und Judentum

    Tom Wright fasst es so zusammen:

    Die antike Welt – mit Ausnahme der Juden – bestand darauf, dass Tote nicht auferstehen; und Juden glaubten nicht, dass irgendjemand bereits auferstanden war oder dass das irgendjemand aus eigener Kraft vor der Aufersthung der Toten tun würde.

    Was die antike heidnische Welt angeht, so war der Weg in die Unterwelt eine Einbahnstraße. Der Tod war allmächtig; man konnte ihm nicht entkommen und man konnte seine Macht nicht brechen, wenn er eingetreten war. Die antike heidnische Welt unterteilte sich daher grob in diejenigen, die wie Homers Schatten gerne einen neue Körper gehabt hätten, aber wussten, dass sie keinen erhalten würden, und diejenigen, die wie Platos Philosophen keinen Körper haben wollten, weil eine unkörperliche Seele weitaus besser war.

    Innerhalb dieser Welt wurde niemals das Wort Auferstehung in seinen griechischen, lateinischen oder anderen Äquivalenten benutzt, um das Leben nach dem Tod zu bezeichnen. Der Begriff Auferstehung wurde benutzt, um neue körperliches Leben zu bezeichnen, und zwar nach einem Leben nach dem Tod, wie immer man sich das auch vorstellte.

    Inhaltlich verwies Auferstehung spezifisch auf etwas, das mit dem Körper geschah; daher die späteren Debatten darüber, wie Gott eine Auferstehung bewerkstelligen würde – ob er mit den vorhandenen Knochen arbeiten würde oder neue Knochen erschaffen würde etc. Derartige Debatten konnte es nur geben, wenn ziemlich klar war, dass am Ende etwas Handfestes und Physisches stehen würde.

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 60, 61

    Nach Markus 6:14-16 und den Parallelstellen „wird von Herodes dem Großen berichtet, dass er dachte, Jesus könnte Johannes der Täufer sein, der von den Toten auferstanden sei – er dachte jedoch nicht, es handele sich dabei um ein Gespenst.“

    „Als die ersten Christen sagten, Jesus sei von den Toten auferstanden, wussten sie, dass sie sagten, es sei etwas mit ihm geschehen, das noch mit niemand anderem geschehen war und das man auch überhaupt nicht erwartet hatte. Sie sprachen nicht davon, dass Jesu Seele in die himmlische Glückseligkeit eingegangen sei.“ (S. 63)

    Wie sah es in der jüdischen Welt aus? Einige Juden – wie die Sadduzäer – „stimmten den Heiden zu, die jegliches Leben nach dem Tod leugneten, besonders ein körperliches Leben nach dem Tod. Andere stimmten den Heiden zu, die an eine herrliche, wenn auch unkörperliche Zukunft der Seele dachten. Hier ist der Philosoph Philo das offensichtliche Beispiel. Aber die meisten Juden jener Zeit glaubten an die letztendliche Auferstehung der Toten – also daran, dass Gott sich nach dem Tod um die Seele kümmern würde, bis er am Jüngsten Tag seinem Volk neue Körper geben würde, wenn er die ganze Welt richtet und neu macht.“ Johannes 11:24 „Ich weiß, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung am Jüngsten Tage“. (S. 63)

    Aber sprach Jesus nicht in Markus 12:18-27, Matthäus 22:23-33 und Lukas 20:27-40 davon, dass wir in der Auferstehung Engel werden? Auch hier muss man die Texte genau lesen (am besten in den Ursprachen): Er sagte, wie (Matthäus, Markus) oder gleich (Lukas) Engel sein. Und das war eine Diskussion mit den Sadduzäern, welche eine Auferstehung komplett leugneten.

    „Abgesehen von dieser Diskussion erscheint der mehr oder weniger einzige Verweis auf die „Auferstehung“ als Ganzes innerhalb der Evangelien in Matthäus 13:43“. Und er zitiert damit Daniel 12:3 und damit die übliche Auffassung in der jüdischen Welt.

    Und was ist mit dem vereinzelten Bezug in Johannes 5:28, 29?

    Ihr müsst euch darüber nicht wundern, denn es wird die Stunde kommen, in der alle Toten in den Gräbern seine Stimme hören und herauskommen werden. Für die, die das Gute getan haben, ist es die Auferstehung ins Leben, und für die, die das Böse getan haben, die Auferstehung ins Gericht.

    Johannes 5:28,29 NEÜ

    Dazu schreibt Tom Wright: „Bis hierher bleibt er genau auf der Landkarte des jüdischen Glaubens im ersten Jahrhundert. Im Unterschied zu seiner Neudefinition des Königreiches und der Messianität scheint er zur Frage der Auferstehung wenig oder gar nichts Neues zu sagen gehabt zu haben. Außer dass er dann anfängt, seinen Nachfolgern zu sagen, dass er selbst getötet und dann drei Tage später wieder auferwecket werden wird. …. Aber die Evangelien bestehen immer wieder darauf, dass die Jünger einfach nicht verstehen konnten, was Jesus sagte.“ (S. 65) Sie diskutierten untereinander etwas verwirrt, was dieses „Auferstehen von den Toten“ bedeuten könnte (Markus 9:10; interessanterweise nur bei Markus berichtet)

    Das lag nicht daran, dass diese Jünger einfach ihre Bibel zu wenig kannten oder gar etwas begriffsstutzig waren. Die Auferstehung eines einzelnen Menschen vor ‚jener Stunde‘ war schlichtweg jenseits ihrer Vorstellung.

    So war für sie die Kreuzigung Jesus das Ende all ihrer Hoffnung. „Niemand dachte im Traum daran, zu sagen: „Ach, das ist schon okay – er wird in ein paar Tagen zurück sein.“ Oder: „Nun gut, er ist jetzt wenigstens im Himmel bei Gott.“ Gemäß Lukas 24:21 dachten sie so: „Wir hatten gehofft, er sei derjenige, der Israel erlösen würde“. Mit anderen Worten: „Die Kreuzigung bedeutete, dass das Königreich nicht gekommen war, nicht, dass es gekommen war. Die Kreuzigung eines „Möchtegern-Messias“ bedeutete, dass er nicht der Messias war, nicht dass er es war. Als Jesus gekreuzigt wurde, wusste jeder einzelne Jünger, was das bedeutete: Wir haben aufs falsche Pferd gesetzt. Das Spiel ist aus.“

    Das ist also der Kontext, in dem die frühchristliche Hoffnung verkündet wurde. Wenn wir dies im Sinn behalten, verstehen wir viel besser den überraschen Charakter der frühchristlichen Hoffnung, den wir im nächsten Teil betrachten wollen.

  • Von Hoffnung überrascht – Teil 1

    Von Hoffnung überrascht – Teil 1

    Von Christian


    Kann es denn überhaupt so sein, dass wir heute in Bezug auf die Hoffnung, die wir in der Bibel erhalten, noch irgendwie überrascht sein können? Ist denn dazu nicht schon alles verstanden, geschrieben und gesagt worden? Bildet sich hier etwa jemand ein, es besser zu wissen als die ersten Christen, die ‚Kirchenväter‘, die großen theologischen Denker des Mittelalters und der Reformation?

    Schon an der Aufzählung in der letzten Frage ist uns vielleicht aufgefallen, dass der Fokus hier stark auf der ‚Westkirche‘ lag. Zum Beispiel fehlen in der Aufzählung die ‚Ostkirche‘, also die griechisch orthodoxe Kirche und die Kirchen des Nahen Ostens. Oder die weitere Entwicklung im Judentum. Und all deren Hoffnungen geht zum Teil weit auseinander.

    Aber können wir heute denn überhaupt mehr wissen über das Alte Testament, das Neue Testament und den Kontext, in dem diese geschrieben wurden, als sogar die Kirchenväter? Hier muss man mit einem klaren Ja antworten. Warum ist das so?

    Weil uns heute viel mehr Quellen der Antike zur Verfügung stehen und man die verwendeten Sprachen besser versteht. Was kannten die Kirchenväter denn? Sie hatten nur sehr wenige Quellen zu Verfügung. Viele waren Teil einer lokalen verfolgten Gruppe und keine Wissenschaftler mit Zugriff auf riesige Bibliotheken und Computer. Und sie waren nicht einmal näher an den verwendeten Sprachen als wir heute. Wie bitte? Was denkst du, wie viele der Kirchenväter zum Beispiel das Alte Testament in Hebräisch lesen konnten? Nicht einmal eine Handvoll! Und warum wurde wohl Hieronymus Ende des vierten Jahrhunderts beauftragt, eine lateinische Übersetzung der Bibel (später Vulgata genannt) zu erstellen? Nicht nur wegen den Unterschieden in den existierenden lateinischen Übersetzungen. Dass es lateinische Übersetzungen gab, zeigt schon, dass die meisten nicht einmal Griechisch konnten. Und auch Hieronymus überstetze das Alte Testament aus der Septuaginta, also der griechischen Übersetzung und seine Kenntnisse des Hebräischen sind unklar. (Siehe Serie Der Kanon des Neuen Testaments).

    Schon ab dem zweiten Jahrhundert hatte man sich im Denken und der Argumentation weit zum Beispiel von den Briefen des Paulus und den Texten des ersten Jahrhunderts entfernt. Und das Alte Testament als ‚veraltet‘ beiseite geschoben. (Siehe Video Der Kanon des Neuen Testaments – Teil 13: Marcion und andere verschwundene Christen)

    Nicht übersehen sollten wir auch den starken Einfluß der griechischen Philosophie, insbesondere Platon, auf die christliche Lehre und Theologie und sogar das Judentum zur Zeit Christi. Wann wurden die Lehren von Himmel, Hölle, Fegefeuer und unsterblicher Seele in der heutigen Form geprägt? Finden wir sie im Text des Alten oder Neuen Testaments? Bei den Kirchenvätern? Oder erst ab dem Mittelalter? Wir werden sehen.

    Es geht also darum, mit all den Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen, zurück zum Text des Alten und Neuen Testaments zu gehen. Was kann ein Bibelgelehrter heute dazu sagen, was zum Beispiel ein Apostel Paulus geschrieben hat? Oder in den Evangelien zu finden ist? Was war die Botschaft, welche die Christen im ersten Jahrhundert gehört und verkündet haben? Darum wird es in dieser Video Serie gehen.

    Erfreulicherweise gibt es das Buch des Bibelgelehrten N. T. Wright auch in deutscher Übersetzung: Von Hoffnung überrascht – Was die Bibel zu Auferstehung und ewigem Leben sagt (Englisch Surprised by Hope: Rethinking Heaven, the Resurrection, and the Mission of the Church).

    Daher möchte ich in dieser Serie nur die Grundzüge darstellen und jeden auffordern, das Buch selbst zu lesen und die Argumente anhand der Bibel selbst zu prüfen.

    Vorausschicken möchte ich kurz ein paar Informationen über N. T. Wright. Nicht, weil ein Argument wichtiger oder richtiger wird, weil ein anerkannter Gelehrter es sagt. „Nicholas Thomas Wright, besser bekannt als N. T. Wright oder Tom Wright, war Professor für Neues Testament und frühe Christenheit an der University of St Andrews, anglikanischer emeritierter Bischof von Durham (England) und einer der führenden neutestamentlichen Theologen und Leben-Jesu-Forscher im englischen Sprachraum. Seit 2019 arbeitet er als Senior Research Fellow an der University of Oxford. … Wright ist ein eigenständiger, unkonventioneller Denker, der moderne und klassische Auslegungen in Frage stellt, und der schwer einzuordnen ist. Er legt komplexe theologische Themen, klar und gut lesbar dar, um den Leser hierdurch zum Nachdenken anzuregen.“ (Wikipedia) Hören wir uns also einmal an, was jemand zu sagen hat, der sich Jahrzehnte in seiner akademischen Forschung mit dem Text des Neuen Testaments und insbesondere den Paulinischen Briefen beschäftigt hat.

    Beginnen wir mit einem wichtigen Hinweis im Vorwort (S. 14).

    Alle Sprache über die Zukunft ist, wie jeder Ökonom oder Politiker bestätigen wird, nicht mehr als eine Reihe von Schildern, die in den Nebel weisen. Wir schauen durch ein dunkles Glas, sagte Paulus, als er auf das schaute, was kommt. Unsere gesamte Sprache über zukünftige Zustände der Welt und von uns selbst besteht aus komplexen Bildern, die mehr oder auch weniger gut mit der letztendlichen Wirklichkeit übereinstimmen. Das heißt aber nicht, dass die Sache völlig unklar ist oder dass jede Meinung zu diesen Dingen gleichwertig ist. Und was wäre, wenn uns jemand aus dem Nebel entgegenkäme, um uns zu begegnen? Das ist natürlich die zentrale, wenn auch oft ignorierte christliche Glaubensüberzeugung.

    N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 14,15

    Insofern sollte niemand behaupten, er wisse ganz genau, wie die Hoffnung und Zukunft eines Christen aussehen wird. Wenn doch schon ein Paulus sagt, dass er und seine Zeitgenossen dies nicht tun konnten, obwohl sie den heiligen Geist hatten (1. Korinther 13:12).

    Welche Hoffnung hast du?

    Damit sind wir an dem Punkt angelangt, an dem du dir einmal kurz überlegen solltest, welche Hoffnung du hast.

    Als Katholik glaubst du vermutlich, dass du nach dem Tod in den Himmel kommst. Bloß nicht auf ewig in die Hölle. Und nur kurz im Fegefeuer. Interessanterweise wurden Himmel und Hölle in den Koran und damit den Isalm übernommen, obwohl das so weder im Alten noch Neuen Testament zu finden ist. Als Protestant hoffst du vermutlich auch, in den Himmel zu kommen. Aber das mit der Hölle … zu grausam. Vielleicht kommen ja einmal alle Menschen in den Himmel? Bei manchen hört sich das sehr nach asiatischen Religionen und Philosophien an. Wieder mit Gott (oder dem Universum?) vereint werden.

    Besonders möchte ich – nicht nur wegen meiner eigenen Erfahrungen – auf die Hoffnung von Jehovas Zeugen und Ex-Zeugen eingehen, weil diese oft eine interessante Wendung erfährt.

    Als Jehovas Zeugen noch Bibelforscher waren, glaubten sie im Wesentlichen auch, dass sie wie alle Christen in den Himmel kommen. Als sich die jahrelang verkündete Hoffnung „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben“ 1925 nicht erfüllt hat, musste der Umzug in den Himmel halt verschoben werden. In den 1930er Jahren hat dann der Präsident der Watchtower Bible & Tract Society J. F. Rutherford seinen Anhängern nicht nur den Namen Jehovas Zeugen verpasst, sondern auch eine neue Hoffnung: Nur noch ein kleiner Überrest der buchstäblich aufgefassten 144.000 gesalbten Christen käme in den Himmel, um mit Jesus zu herrschen. Alle anderen wären ‚andere Schafe‘ und würden auf der Erde bleiben. (Siehe Video Wahre Anbetung identifizieren, Teil 8: Die Lehre der Zeugen Jehovas über die ‚Anderen Schafe‘)

    Viele sind aber mittlerweile aufgewacht und haben erkannt, dass J. F. Rutherford diese Lehre von den ‚anderen Schafen‘ damals nur anhand von eigenen, an den Haaren herbeigezogenen Vorbild-Gegenbild Vergleichen begründet hat. Daher werden diese Original-Artikel aus den 1930er Jahren auch in der Wachtturm-Literatur schon lange nicht mehr zitiert. Dann würde es ja jedem auffallen.

    Dadurch passiert nun aber Folgendes: Wenn es keine zwei Hoffnungen gibt, wie es die Zeugen Jehovas lehren, sondern nur eine Hoffnung für alle Nachfolger Jesu, dann ist es doch die … himmlische, nicht wahr? Also kommen die ‚Kinder Gottes‘ alle in den Himmel. Willkommen im Schoß der Kirche, möchte ich da sagen. Aber nicht ganz. Was ist mit den anderen? Kommen die ins Fegefeuer und die Hölle? Nun, wer Jahre und Jahrzehnte lang gepredigt hat, dass die Bibel zeigt, dass es keine Hölle und keine unsterbliche Seele gibt, wird das vermutlich nicht glauben. Aber was dann? Werden solche Menschen doch beim Schlußgericht ‚für immer vernichtet‘? Klingt das nicht immer noch so wie aus der Predigtdienst-Toolbox der Zeugen Jehovas? Und was geschieht zwischen dem Tod als Mensch und der Zukunft? Sind wir dann ‚im Gedächtnis Gottes‘? Klingt auch irgendwie bekannt …

    Ich frage mich, wieviele ‚Beweistexte‘ dir jetzt für das eine odere andere schon durch den Kopf gegangen sind. Aber damit ziehen wir immer noch viel zu früh unsere Schlüsse. Weil wir unbewusst noch ganz viele Ideen als Vorraussetzungen in unserem Denken haben. Und weil das Lesen der Bibel in der Regel nicht reicht. Selbst unter Gebet und mit heiligem Geist nicht. Denn der müsste wahre Wunder vollbringen, weil wir weder die Texte in den ursrpünglichen Sprachen lesen können noch mit dem damaligen Kontext. Wir verstehen die Bedeutung der Worte und Redewendungen nicht. Oft entgeht uns sogar der schon fast offensichtliche Bezug auf das Alte Testament, wenn auf die Septuaginta bezug genommen wird oder Sprachbilder davon verwendet werden. Oder die Verwendung gewisser Worte und Begriffe im ersten Jahrhundert. Was damals für jeden Nachfolger Christi vielleicht klar war, erklärt sich für uns nicht von selbst. Und schlimmer noch: Wir lesen in den Übersetzungen Begriffe und verbinden sie mit Vorstellungen, welche die Jünger Jesu im ersten Jahrhundert gar nicht gehabt haben.

    Daher kann das Motto jetzt nur lauten: Zurück zum Text! Und zurück zum Kontext!

    Und genau damit fangen wir im nächsten Teil an.

  • Gottes Namen Tragen – Teil 5

    Gottes Namen Tragen – Teil 5

    Von Christian / Carmen Joy Imes


    In dieser Serie befassen wir uns mit Gedanken aus dem Buch Bearing God’s Name – Why Sinai still matters (Gottes Namen tragen – warum der Sinai noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.

    In Anbetracht dessen, was wir in den ersten 4 Teilen betrachtet haben, stellt sich um so mehr die Frage: War es das nun mit dem Bund zwischen Gott und den Israeliten? Aber was ist dann mit der Verheißung, die er schon Abraham gegeben hatte, dass dies ein Segen für alle Menschen würde?

    Wer hat euch denn reingelassen? – Heiden und Gottes Mission

    In 1. Petrus 2:9-10 finden wir die Antwort, obwohl sie jemand leicht übersehen könnte, der nur das Neue Testament kennt. Da wir uns nun aber mit diesem Thema im Alten Testament schon beschäftigt haben, können wir das erkennen, was Juden-Christen im ersten Jahrhundert beim Hören dieser Passage in den Sinn kam:

    Aber ihr seid ein ausgewähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk, das Gott sich selbst erworben hat. Er hat euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen, damit ihr verkündigt, wie unübertrefflich er ist. Früher wart ihr nicht sein Volk, aber jetzt seid ihr Gottes Volk, früher gab es für euch kein Erbarmen, aber jetzt erfahrt ihr seine Barmherzigkeit.

    1. Petrus 2:9-10 NEÜ

    Kommen uns die Worte bekannt vor? Wie haben sie schon einmal zitiert:

    Wenn ihr nun auf mich hört und meinen Bund haltet, dann sollt ihr unter allen Völkern mein persönliches Eigentum sein. Denn mir gehört die ganze Erde. Ihr sollt mir ein Königsvolk von Priestern sein, eine heilige Nation!‘ Das sollst du den Israeliten sagen!

    2. Mose 19:5,6 NEÜ

    Duch die Nennung der Titel aus dem Bündniss und damit dem Bezug auf 2. Mose 19:5 haben wir auch einen Bezug auf Jahwes segullah – sein persönliches, besonderes Eigentum Doch an wen sind die Worte in 1. Petrus gerichtet? An die Jünger Jesu in Kleinasien, die Heiden sind! Daher haben wir auch gelesen: „Früher wart ihr nicht sein Volk.“.

    Aber 1. Petrus legt noch eins drauf: „ihr seid ein ausgewähltes Geschlecht“. γένος (genos) „Nachkommen, Rasse, Volk, Nation“ Wo kommt das her und auf wen bezog sich das bisher ausschließlich?

    Die Tiere des Feldes werden mich preisen, die Schakale und Strauße, weil ich Wasser gegeben habe in der Wüste und Ströme in der Einöde, um mein Volk zu tränken, mein auserwähltes, das Volk, das ich mir gebildet habe, damit sie meinen Ruhm verkündigen.

    Jesaja 43:20,21 Schlachter 2000

    Der Grund für die Erwählung ist immer noch der selbe: Gottes Namen tragen und so seinen Ruhm verkünden.

    Und es gibt noch einen weiteren Bezug, nämlich auf Hosea. Hosea sollte einen Sohn so wie folgt nennen: „Und er sprach: Gib ihm den Namen Lo-Ammi[Der Name Lo-Ammi bedeutet ‚Nicht mein Volk‘.], denn ihr seid nicht mein Volk, und ich gehöre nicht zu euch [Möglicherweise hörte man bei „ich gehöre nicht zu euch“ im Hebräischen eine Anspielung an die Erklärung des Gottesnamens JHWH aus Ex 3,14 („ich werde sein“).]!“ (Hosea 1:9 Züricher) Erst später sollte er das ändern: „Und ich werde sie für mich aussäen im Land, und über Lo-Ruchama werde ich mich erbarmen, und zu Lo-Ammi werde ich sagen: Du bist mein Volk!, und es wird sagen: Mein Gott!“ (Hosea 2:25 Züricher) Petrus argumentiert: Wenn Gott sein rebellisches Volk wieder adoptiert, warum sollte er das nicht auch mit Menschen aus den Heiden tun?

    1. Petrus 2:9 enthält deswegen eine kühne Formulierung: λαὸς εἰς περιποίησιν (laos eis peripoiēsin) „ein Volk für seinen persönlichen Besitz“. Wobei das griechische λαὸς (laos) und das entsprechende hebräische ‘am vorher in den Schriften ausschließlich für Israel verwendet wurde. Doch nun haben auch die Heiden den selben Auftrag: „Wenn ihr beschimpft werdet, weil ihr zu Christus gehört, seid ihr glücklich zu nennen, denn dann ruht der Geist der Herrlichkeit Gottes auf euch. … Er preise vielmehr Gott, dass er diesen Namen tragen darf.“ (1. Petrus 4:14,16)

    Wenn Petrus von einer „königlichen Priesterschaft“ und „heiligen Nation“ spricht, entspricht seine Formulierung exakt der griechischen Übersetzung von 2. Mose 19:5,6. Nicht so aber bei „kostbarem Besitz“. Carmen Imes schreibt dazu:

    Petrus verwendet nicht das griechische Wort, das das hebräische segullah in jeder anderen Passage übersetzt (periousios), was die Einzigartigkeit des Schatzes selbst hervorheben würde. Stattdessen betont Petrus den Prozess, Jahwes Besitz zu werden, indem er eine etwas andere Formulierung (eis peripoiēsin) verwendet, die nur in Maleachi 3:17 vorkommt. Diese leichte Verschiebung der Formulierung eröffnet eine tiefgreifende theologische Möglichkeit.

    Petrus zitiert Maleachi, weil es die einzige Stelle im Alten Testament ist, in der sich der Begriff „segullah“ auf einen gerechten Überrest bezieht und nicht auf das gesamte Volk Israel. Angesichts der Untreue Israels gegenüber dem Bund hatte der Prophet Maleachi einen zukünftigen Tag vorausgesehen, an dem Jahwe ein neues segullah auswählen würde, das nur aus denen besteht, die seinen Namen fürchten. Maleachi hatte gesagt: „‚Sie werden mein sein‘, sagt Jahwe der Heerscharen, ‚an dem Tag, an dem ich ein segullah bereite’“ (Maleachi 3:17, Übersetzung der Autorin).

    Indem er Maleachi direkt zitiert, zeigt uns Petrus, dass er genau diese Verheißung in der gläubigen Gemeinde, die aus Juden und Heiden besteht, erfüllt sieht.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Wie kommt Petrus zu diesem Schluß? In 1. Petrus wird das nicht weiter erklärt. Doch für den Apostel Petrus war das gemäß dem Bericht in der Apostelgeschichte klar. Gemäß der Vision des Petrus in Apostelgeschichte 10 sollte er nichts mehr unrein nennen, was für Gott nicht mehr unrein ist. Und wenn Gott seinen Geist auf die Heiden ausgegossen hat, dann sind sie Teil seines Volkes. Es gibt keinen Unterschied zwischen Juden und Heiden mehr. Der einzige Unterschied, der nun existiert, ist der in Maleachi 3:17,18 was Gottes segullah betrifft: Nicht jeder in der Gemeinschaft gehört automatisch zu Gottes segullah.

    „Sie werden mein persönliches Eigentum sein. An dem Tag, an dem ich eingreife, werde ich sie verschonen, wie ein Mann seinen gehorsamen Sohn verschont“, spricht Jahwe, der allmächtige Gott. „Dann werdet ihr wieder den Unterschied zwischen Gerechten und Ungerechten sehen, zwischen denen, die Gott dienen und denen, die es nicht tun.

    Maleachi 3:17,18 NEÜ

    Und entsprechend argumentiert Petrus bei der Zusammenkunft in Jerusalem gemäß Apostelgeschichte 15:

    Und Gott, der die Herzen kennt, hat das beglaubigt, indem er ihnen den heiligen Geist gab, so wie er ihn uns gegeben hat. Er hat zwischen uns und ihnen keinen Unterschied gemacht, denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt.

    Apostelgeschichte 15:8,9 Züricher

    Und Jakobus pflichtet ihm bei:

    Simeon [Petrus aramäischer Name] hat erzählt, wie Gott von Anfang an darauf bedacht war, aus allen Völkern ein Volk für seinen Namen zu gewinnen.

    Apostelgeschichte 15:14 Züricher

    Das muss eine Überraschung für seine Zuhörer gewesen sein: Denn bisher wurde immer klar zwischen „Gottes Volk“ und den Heiden unterschieden. Entweder man ist ein Teil des Volkes Jahwes oder nicht. Und Jakobus begründet dies mit einem Zitat aus Amos 9:12, dem Text im alten Testament, der darauf hindeutet, dass Heiden einmal ohne zum Judentum zu konvertieren mit in den Bund mit eingeschlossen werden. Zu diesem Text erklärt Carmen Imes:

    Im Hebräischen heißt es: „damit sie den Rest von Edom und alle Völker, über die mein Name angerufen wird, in Besitz nehmen“ (Übersetzung des Autors). Das könnte auf eine militärische Herrschaft hindeuten. In der griechischen Septuaginta heißt es: „damit der Überrest der Menschheit und alle Heiden, die nach meinem Namen gerufen werden, mich ernsthaft suchen“. Die griechische Übersetzung suggeriert keine militärische Vorherrschaft, sondern eine weltweite Bekehrung. Dennoch bezeichnen beide Versionen die Heiden als diejenigen, „über die mein Name angerufen wird“, und das ist der wichtigste Punkt, auf den es Jakobus ankommt. Im Hebräischen sind „Edom“ und „Menschen“ fast identisch, ebenso wie „besitzen“ und „suchen“, was die griechische Übersetzung teilweise erklärt.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Mit dem, was die Apostel, die Ältesten und die ganze Versammlung in Jerusalem dann beschließen, schieben sie den Sinai nicht beiseite. Was sie aufheben sind die Gesetze, deren Zweck es war, die Israeliten ethnisch von den Heiden zu unterscheiden. Was das für die Jünger aus den Heiden bedeutet haben mag, als sie von dem Beschluss hörten, verstehen wir vielleicht besser, wenn wir Carmen Imes Formulierung betrachten:

    Ihr seid eingeladen! Ihr könnt Jesus folgen, so wie ihr seid. Wir haben entdeckt, dass die Propheten schon vor Hunderten von Jahren auf diesen Tag vorausgeschaut haben und von euch sprachen, die ihr Jahwes Namen tragt – Heiden, die dazugehören. Willkommen in der Familie!

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Das ist auch das Ziel des Dienstes des Paulus, wie er zum Beipsiel in Römer 1:5-8 sagt indem er bekannte Formulierungen aus dem Alten Testament einfließen lässt. Und Paulus predigt auch kein neues Evangelium, wie wir in der Serie „Die neue Sicht auf Paulus“ gesehen haben.

    Unser Auftrag

    Was bedeutet dies für uns heute? Carmen Imes fasst es so zusammen:

    Aufgrund der Treue Jesu können wir mit Gottes Namen gekennzeichnet werden und an seiner Mission teilnehmen, allen Völkern Segen zu bringen.

    Anstatt zu fragen, ob wir das alttestamentliche Gesetz befolgen müssen, sollten wir uns fragen, wie unsere Beziehung zum Bund Israels aussieht.

    Durch das Leben, den Tod und die Auferstehung von Jesus, dem Messias Israels, sind wir in den Bund aufgenommen worden. Wir sind in seine erneuerte Bundesgemeinschaft aufgenommen worden. Sein Opfer hat eine neue Ära eingeläutet. Diese Tatsache, gepaart mit unserer veränderten kulturellen Situation, bedeutet, dass viele der alttestamentlichen Gesetze für uns nicht mehr so funktionieren wie für Israel. Sie buchstabengetreu zu befolgen, würde den Zweck, für den sie gegeben wurden, nicht aufrechterhalten.

    Die Notwendigkeit eines Tempels ist verschwunden, da sie in Christus erfüllt wurde, und deshalb sind Opfer nicht mehr notwendig.

    Gesetze, die Israel als ethnische Gruppe getrennt halten sollten, wurden ebenfalls außer Kraft gesetzt.

    Als Mitglieder seiner neuen Bundesgemeinschaft haben wir das Privileg – die Gnade –, als sein wertvolles Volk zu leben.

    Die Geschichte des Alten Testaments ist keineswegs irrelevant oder obsolet, sondern sie sagt uns, wer wir sind. Mehr noch: Sie sagt uns, wessen wir sind. Und das ändert alles.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)
  • Gottes Namen Tragen – Teil 4

    Gottes Namen Tragen – Teil 4

    Von Christian / Carmen Joy Imes


    In dieser Serie befassen wir uns mit Gedanken aus dem Buch Bearing God’s Name – Why Sinai still matters (Gottes Namen tragen – warum der Sinai noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.

    In den ersten drei Teilen haben wir darüber gesprochen, wie die Israeliten von Jahwe als Volk organisiert und geschult wurden, seinen Namen zu tragen. Ihre Aufgabe war es, dass durch sie alle Nationen erkennen können, was für ein Gott Jahwe ist. Gottes Namen zu tragen war ihre freie Entscheidung und sie sagten am Sinai, dass sie alles tun wollen. Nach 40 Jahren Wanderung in der Wüste tat die nächste Generation das selbe. Und nochmal bestätigen sie ihr Versprechen als sie im verheißenen Land sind (Josua 8:30-35).

    Danach lesen wir vom Sinai kaum noch etwas, obowhl doch das ‚Erinnern‘ ein Schlüsselthema biblischer Theologie ist. Das ist schon überraschend, wenn man die Bedeutung der Ereignisse berücksichtigt. Aber der Schwerpunkt sollte auf der Erinnerung an die Befreiung liegen, und nicht etwa eine Pilgerreise zum Sinai oder so etwas ähnliches.

    Ist das Thema damit beendet? Wohl kaum, denn jetzt kommt die Zeit, in der sie wie versprochen den Namen Gottes tragen sollten, damit alle Nationen sehen, dass Jahwe über allen anderen steht und wie überlegen seine Herrschaft ist. Darauf geht Carmen Imes in der zweiten Hälfte ihres Buches ein. Ich möchte hier aber nur einige der vielen interessanten Punkte erwähnen.

    Feind Nummer 1

    Feindlich gesinnt waren den Hebräern einige: Zuerst Ägyptens Pharao und seine Arme, dann einige Völker auf der Wanderung und schließlich die Könige im verheißenen Land. Aber das war nicht ihr gefährlichster Feind. Ihr gefährlichster Feind sind sie selbst. Immer wieder murren sie, rebellieren oder wollen gar nicht mehr ins verheißene Land. Ihre Angst vor den Völkern ist so ansteckend, dass das ganz Volk in Panik ist. Was ist das Problem? Sie lehnen es ab, darauf zu vertrauen, was Jahwe ihnen versprochen hat.

    Das erklärt auch, warum Jahwe auf ähnliche Situationen vor dem Sinai mit Gnade reagiert. Seine Erwartungen an das Volk sind gering. Nach dem Sinai hat er sich nicht geändert. Doch seine Erwartungen durften zurecht höher sein. Ein Jahr hatte er ihnen Zeit gegeben, zu lernen, ihn zu ehren und sich gegenseit zu respektieren. Doch er sieht wenig Fortschritte. Das Muster ist daher nach dem Sinai immer das gleiche: Murren und Rebellion hat Bestrafung zur Folge, ein Gebet bringt Hilfe.

    Der Anfang der Erfüllung – und was Jahwe sieht

    Doch schließlich sind sie im verheißenen Land. Das Buch Josua illustriert die Erfüllung des Versprechen Jahwes.

    Dann werden alle Völker auf der Erde sehen, dass der Name Jahwes über dir ausgerufen wird, und sie werden dich fürchten.

    5. Mose 28:10 Carmen Imes

    Doch schon hier deutet sich an, dass sie zwar ins verheißene Land gekommen sind, aber ihre Aufgabe nicht erfüllen, den Namen Gottes zu tragen. Wir lesen von der Kanaaniterin Rahab, die voller Glauben ist, und im Gegensatz dazu auch vom untreuen Israeliten Achan. Die Gibeoniter sind mehr davon überzeugt, dass Jahwe den Israeliten das Land geben wird als sie selbst. „Die nächste Generation hat einen wackeligen Start hingelegt.“

    Schnell verlieren sie den Blick auf die Tatsache, dass sie Jahwe sie aus den Nationen genommen hat, um ihm zu gehören. Sie wollen lieber so sein, wie alle anderen auch. In 1. Samuel erfahren wir, dass sogar die Priester, deren Aufgabe es gerade ist, den Bund mit Jahwe hochzuhalten, ihre heiligen Aufgaben so mißachten, dass Jahwe ankündigt, diese Priesterlinie auszulöschen. Als nächstes möchten sie einen König wie die anderen auch – und zwar jetzt, zu dem Zeitpunkt, zu dem sie es wollten. Aus dem Buch Richter erfahren wir, dass sie Jahwes Auftrag, das verhießene Land zu erobern nicht vollständig ausführten. Es läuft immer wieder nach diesem Muster:

    Der Engel Jahwes kam von Gilgal nach Bochim herauf und sagte zu den Israeliten: „Ich habe euch aus Ägypten herausgeführt und euch in das Land gebracht, das ich euren Vätern unter Eid zugesichert hatte. Ich hatte gesagt: ‚Niemals werde ich meinen Bund mit euch brechen, nie! Aber ihr dürft keinen Bund mit den Bewohnern dieses Landes schließen und müsst ihre Altäre niederreißen.‘ Doch ihr habt mir nicht gehorcht. Wie konntet ihr das nur tun? So muss ich euch jetzt sagen: ‚Ich werde die Bewohner dieses Landes nicht vor euch vertreiben! Sie werden euch Widerstand leisten und ihre Götter werden zur Falle für euch.‘“ Als der Engel Jahwes das gesagt hatte, schrien die Israeliten auf und begannen zu weinen.

    Richter 2:1-4 NEÜ

    Und sobald Josua gestorben war, geschah dies:

    Schließlich starb jene ganze ältere Generation und es wuchs eine neue heran, die Jahwe nicht kannte und seine großen Taten für Israel nicht miterlebt hatte. Da fingen die Israeliten an, den Baalen zu dienen, was Jahwe als sehr böse ansah.

    Richter 2:10,11 NEÜ

    Jahwe sandte immer wieder Richter, um sie zu befreien. Doch selbst das half nicht auf Dauer:

    Doch sobald der Richter gestorben war, wurden die Israeliten rückfällig und trieben es noch schlimmer als ihre Vorfahren. In ihrem Trotz hörten sie einfach nicht auf, den anderen Göttern nachzurennen, sie zu verehren und sich vor ihnen niederzuwerfen. Da flammte Jahwes Zorn gegen Israel auf. Er fasste den Beschluss: „Weil dieses Volk ständig den Bund bricht, den ich mit ihren Vorfahren geschlossen habe, weil es mir einfach nicht gehorchen will, werde auch ich kein einziges Volk mehr vor ihnen vertreiben. Die Völker, die Josua bis zu seinem Tod nicht vertreiben konnte, lasse ich im Land, um die Israeliten auf die Probe zu stellen, ob sie wie ihre Vorfahren auf meinem Weg bleiben oder nicht.“

    Richter 2:19-22 NEÜ

    Wurde es in der Zeit der Könige Israels denn besser? Es gab nur wenige gute Könige. Als Salomo den Tempel einweiht, spricht er in seinem Gebet davon, dass so alle Völker den Namen Jahwes kennenlernen mögen. Dass Jahwe den Tempel mit seiner Herrlichkeit füllt, zeigt, dass er zu seinem Bund mit Israel steht.

    Der erste bedeutende Prophet der Zeit der Könige ist Elia. Er muss sich nicht nur dem König und den Anbetern Baals gegenüberstellen, sondern hat schließlich den Eindruck, dass sein Dienst völlig umsonst war. Interessanterweise läuft er bis zum Berg Sinai, wo Jahwe ihm versichert, dass dem nicht so ist. Er ist nicht allein. Es gibt noch einige wenige, die keinen Götzendienst verrichten.

    Schließlich war es so schlimm, dass Jahwe sie aus dem Land vertreiben musste – wie er sie schon am Sinai gewarnt hatte.

    Aber wohin sie auch kamen, brachten sie meinen heiligen Namen in Verruf, denn die Leute dort sagten: ‚Das ist das Volk Jahwes, aber sie mussten aus seinem Land weg!‘ Da tat es mir um meinen heiligen Namen leid, denn die Leute von Israel entweihten ihn, wohin sie auch kamen.

    Ich werde meinen großen Namen, den ihr unter den Völkern entweiht habt, wieder zu Ehren bringen. Und wenn ich mich vor den Augen der Völker an euch als heilig erweise, spricht Jahwe, der Herr, werden auch sie erkennen, dass ich es bin – Jahwe!

    Hesekiel 36:20,21,23 NEÜ

    Das war der Tiefpunkt. Anstatt Gottes Namen zu tragen und seinen heiligen Namen hochzuhalten, haben sie ihn überall in Verruf gebracht. Man könnte sich sogar fragen, ob der Bund, den sie so oft gebrochen hatten, überhaupt noch bestand. War die Situation nach Jahrhunderten nicht so sinnlos, dass ein Weitermachen keinen sein mehr ergab. Sollte er nicht einfach … neu anfangen? Ein neuer Bund?

    Ein neuer Bund – oder der erneuerte Bund?

    Manchmal ist ein Neuanfang das Beste. Das erbittet Jesaja in Jesaja 63: Zurück zum Sinai. Der Prophet Jeremia spricht darüber in Jeremiah 31. Falls du gedanklich jetzt schon beim neuen Testament bist, dann lies aufmerksam Jeremiah 31:31-32:

    Sieh, es kommen Tage, Spruch des HERRN, da schliesse ich einen neuen Bund mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda, nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vorfahren geschlossen habe an dem Tag, da ich sie bei der Hand nahm, um sie herauszuführen aus dem Land Ägypten; denn sie, sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl doch ich mich als Herr über sie erwiesen hatte! Spruch des HERRN.

    Jeremia 31:31-32 Züricher

    Ein neuer Bund anders als der vom Sinai? Nun, die Bündnispartner sind die selben. Und der Grund ist nicht, dass der Bund vom Sinai schlecht war, sondern weil sie ihn gebrochen haben. Das Neue beschreibt Jeremia in den nächsten beiden Versen:

    Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließen werde, wird ganz anders sein“, spricht Jahwe. „Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz, ich lege es tief in sie hinein. So werde ich ihr Gott sein und sie mein Volk. Dann muss keiner mehr den anderen belehren, niemand muss mehr zu seinem Bruder sagen: ‚Erkenne doch Jahwe!‘ Denn alle werden mich erkennen, vom Geringsten bis zum Größten“, spricht Jahwe. „Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nie mehr denken.

    Jeremiah 31:33-34 NEÜ

    Das neue ist, dass jeder Israelit in der Lage sein wird, diesen Bund zu verinnerlichen. Der Bund vom Sinai wurde mehrmals von den Israeliten wieder bestätigt. Auch weil eine neue Generation nachgewachsen war. Doch ein Bund mit einem Volk, von Generation zu Generation durch die Abstammung weitergegeben, hat nicht gerade gut funktioniert. Dieser erneuerte Bund zielt daher auf Einzelpersonen ab, die den aufrichtigen Wunsch haben, Gottes Namen zu tragen – so wie Jahwe es gesagt hatte.

    Überstrapazieren wir damit den Begriff ‚neu‘ in Jeremia 31? Nun, der selbe Prophet verwendet diesen Begriff auch in den Klageliedern:

    Die Güte Jahwes ist nicht zu Ende, / sein Erbarmen hört nicht auf. An jedem Morgen ist es neu. / Deine Treue ist groß!

    Klagelieder 3:22,23 NEÜ

    Und als Verb verwendet er das Wort so: „ Bring uns zurück, HERR, zu dir, wir wollen umkehren. Mach unsere Tage neu, wie sie einst waren.“ (Klagelieder 5:21 Züricher). In ähnlicher Weise spricht Hesekiel von einem „neuen Geist“ für seine Volk (Hesekiel 11:17-20), einem „neuen Herz“ (Hesekiel 18:31) und „neuem Geist“ (Hesekiel 36:24-28).

    Aber wird in Hebräer 8 nicht gerade auf Jeremia 31 bezug genommen und dann gesagt:

    Indem er von einem neuen Bund spricht, hat er den ersten für veraltet erklärt. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist dem Verschwinden nahe.

    Hebräer 8:13 Züricher

    Aber lassen wir uns hier nicht vom Ende des Kapitels davon abhalten, den Kontext zu betrachten:

    Aber der Autor fährt fort zu beschreiben, was genau verschwinden wird: nämlich das Opfersystem. Opfer brachten zwar Vergebung, aber sie konnten das schuldige Gewissen nie reinigen, weil die Menschen immer wieder sündigten. Das erste Opfersystem, das am Sinai eingeführt wurde, war nur vorübergehend. Jetzt, da Jesus sich ein für alle Mal hingegeben hat, ist der irdische Tempel nicht mehr nötig. Opfer sind überflüssig.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Hat sich also mit dem Erscheinen Jesu Christi diese Sinai-Geschichte erledigt? Welche Aussagen finden wir im Neuen Testament und inbesondere in den Evanglien?

    Gib mir einfach Jesus – Das Zeugnis des Evangeliums

    In den Texten aus dem Alten Testament, die wir in dieser Serie im Zusammenhang mit dem Bündnis vom Sinai gelesen haben, haben wir in er Regel den Namen Gottes Jahwe gelesen. Wenn wir nun mit den Evangelien im Neuen Testament fortfahren, fällt ein enormer Unterschied auf: Jahwe scheint nicht mehr vorzukommen – zumindest nicht in den uns überlieferten Manuskripten. Stattdessen geht es immer um Jesus.

    Gerade das Matthäus Evangelium ist aber so geschrieben worden, dass hier eine Kontinuität aufgezeigt wird: Das Kind Jesus wird der Christus genannt. (Matthäus 1:16), die griechische Form von Messias, dem Gesalbten. Aber seine Name ist Jesus, der die Bedeutung hat: „Jahwe rettet.“ (Matthäus 1:21,25). Würden wir den Namen in Hebräisch oder Aramäisch gehört und gelesen haben, in der Sprache, in der Matthäus möglicherweise zuerst geschrieben wurde, wäre uns vielleicht schon eine Parallele zu Zeit des Sinai aufgefallen: Am Sinai hat Moses Hoschea als ‚rechte Hand‘, dessen Name die Bedeutung hat: „er rettet.“ (4. Mose 13:8). Moses änderte seinen Namen auf Jeshua, was „Jahwe rettet“ bedeutet (4. Mose 14:6). Und Jesus ist nichts anderes als die lateinische Form des griechieschen Iesou, das die Übersetzung des hebräischen Jehsua ist: „Jahwe rettet“.

    Doch das ist noch lange nicht alles. Das Matthäus Evangelium wurde so kreativ strukturiert und geschrieben, dass der Berg Sinai und die Ereignisse eine große Rolle spielen. Hier nur ein kurzer Überblick:

    • Das Matthäus-Evangelium gliedert sich in 5 Blöcke, welche die 5 Bücher Mose nachahmen.
    • Davor findet sich eine Einleitung mit der Geschichte der Flucht Jesu Eltern nach … wohin? Ägypten! Es ist eine umgekehrte Exodus-Geschichte.
    • Als die Lage wieder sicher ist, kehren sie aus Ägypten ins verheißene Land zurück und wiederholen sozuagen Israels Auszug aus Ägypten und den Einzugs in das verheißene Land.
    • Als nächstes lesen wir, dass er sich in den Wassern des Jordan taufen lässt. Das erinnert uns daran, dass die Israeliten erst das Schilf-Meer und dann den Jordan durchquert haben.
    • Dann wird Jesus vom Geist wohin gesandt? In die Wüste. Für wie lange? 40 Tage.
    • Dort wurden die Isarealiten versucht, sich von Jahwe abzuwenden. Und dort wird Jesus versucht. Und woraus zitiert Jesus? „Jesus wählt genau die Kapitel des 5. Buches Mose aus, in denen Mose die Israeliten an die Lektionen erinnert, die sie in der Wüste hätten lernen sollen – Lektionen, die Jesus auswendig kennt.“

    Welche Lektion erteilt Jesus durch seine Antworten auf die Versuchungen? „Kein Weg zum Erfolg ist der richtige Weg, wenn er gegen den Bund verstößt. … Der Messiahs hat die Prüfung bestanden, in der Israel gescheitert ist.“

    Der Fokus im Matthäus-Evangelium liegt auf fünf Predigten Jesus. Und so ist der erste Block der Lehren Jesu bekannt als die Bergpredigt. Ein Berg ist der Kontext, den Matthäus uns hier nicht umsonst erwähnt. Und Jesus knüpft auch an den Sinai an: „Denkt nicht, dass ich gekommen bin, um das Gesetz oder die ‹Worte der› Propheten außer Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um sie aufzuheben, sondern um sie zu erfüllen.“ (Matthäus 5:17) Jemand mag denken, dass mit ‚erfüllen‘ gemeint sei, dass Jesus sozusagen eine Bedingung ‚erüllt‘ hat und das Gesetz damit abgeschafft hat. Aber als das Gesetz am Sinai Israel gegeben wurde, gab es doch nie eine Klausel wie folgende: Sollte irgendjemand einmal das Gesetz vollständig halten, dann ist es abgeschafft, erledigt, veraltet. Erinnern wir uns: Es ging darum, dass sie als Bilder Gottes seinen Namen tragen! Und für die Übertretung des Gesetzes gab es das System der Opfer. Es gibt keine Klausel, mit der das Bündnis endete. Daher gibt die Neue Genfer Übersetzung in der Fußnote an: „sondern um volle Geltung zu verschaffen.“ Sollte jemand gedacht haben, dass sich das mit dem Sinai und dem Gesetzt jetzt erledigt hat, den lehrt Jesus etwas anderes. Ganz im Gegenteil geht er sehr unbequem darauf ein, dass die Israeliten es haben schleifen lassen und hebt die Messlatte auf den Stand, den Jahwe mit dem Gesetz beabsichtigt hatte: Glaubt nicht, es reicht, wenn ihr gemäß dem Buchstaben nicht gegen das Gesetz verstoßen habt, denn Jahwe möchte, dass ihr im Herzen nicht so denkt und fühlt!

    Ist Jesus nun „der Prophet gleich Mose“, der kommen soll, wie es in 5. Mose 18:15 steht? Berücksichtigt man den Kontext in 5. Mose 18, dann erkannt man, dass Jahwe nicht nur einen Propheten senden würde, um Anleitung im Angesicht des Götzendienstes zu geben. Und dass es auch falsche Propheten geben würde, und wie man sie erkennen kann. Apostelgeschichte 3 und 7 wenden diesen Text auch entsprechend an. Jesus ist auch nicht nur ein Prophet wie Moses – er ist größer. Er ist der ’Sohn des Menschen’, der Herr des Sabbats zum Beispiel (Matthäus 12:8)

    In der Umgestaltungszene in Matthäus 17 finden sich wieder viele Bezugnahmen auf den Sinai. Es geschieht … auf einem Berg. Das Angesicht Jesus leuchtet. Ein Wolke, Herrlichkeit, die Stimme Gottes. Moses und Elia, die beide Gottes Herrlichkeit sahen – am Sinai.

    Liest man weiter im Neuen Testament stellt man erstaunt fest: „Die Ehrfurcht ging nahtlos von Jahwe auf Jesus über, ohne Erklärung oder Entschuldigung.“

    Und Jesus führt die Dinge so weiter, wie Jahwe sie begonnen hat:

    „Der Herr aber sagte zu ihm: Geh hin, denn gerade er ist mein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen vor den Augen von Völkern und Königen und vor den Augen der Israeliten.“

    Apostelgeschichte 9:15

    Und das war nicht nur die Aufgabe des Paulus. Immer wieder findet sicht der Gedanke im Neuen Testament, dass die Jünger Jesus ‚seinen Namen tragen‘ sollten, so wie die Israeliten ‚den Namen Gottes tragen‘ sollten. In Jakobus 2:7 heißt es: „Sind nicht sie es, die den guten Namen, der über euch ausgerufen ist, lästern?“ Diese Satz ist im griechischen Text ziemlich ungelenkt, weil der die hebräische Phrase widerspiegelt, die dafür verwendet wird, dass Jahwes Name über Israel ausgerufen wird (5. Mose 28:10).

  • Gottes Namen Tragen – Teil 3

    Gottes Namen Tragen – Teil 3

    Von Christian / Carmen Joy Imes


    In dieser Serie befassen wir uns mit Gedanken aus dem Buch Bearing God’s Name – Why Sinai still matters (Gottes Namen tragen – warum der Sinai noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.

    Im zweiten Teil sprachen wir darüber, was sich am Sinai geändert hat. Die Hebräer wurden Gottes „persönliches Eigentum“, „sein geschätzter Besitz“. Aus der Verwandtschaft des hebräischen Worts segullha mit anderen Sprachen jener Zeit zeigt sich allerdings, dass dieser auch auf jemanden angewandt wurde, der in einem besonderen Beziehung zum König steht. “Sie haben eine Rolle, die ihrem Status entspricht. Ihr Status ist es, ein besonderer Schatz zu sein. Ihre Rolle ist es, eine priesterliche und heilige Gemeinschaft inmitten der Völker zu sein.” (J. T. Wright, aus Carmen Imes Buch).

    Das kommt auch in den ‚10 Geboten‘ zum Ausdruck, die in der Torah als ‚10 Wörter‘ bezeichnet werden und die eher Unterweisungen als Gesetze im heutigen Sinne sind. Schon die ersten beiden ‚Worte‘ zeigen, was die Aufgabe der Hebräer war: 1. Bete nur Jahwe an. 2. Vertritt ihn gut. Wer die Hebräer kennenlernt, soll Gott kennenlernen. So würden sie den Namen Jahwes unter die Völker tragen.

    Und nun?

    Mit ‚dem Gesetz‘ ist nicht alles gesagt. Sie brauchen weitere, fortwährende Anleitung von Jahwe:

    Pass auf! Ich werde einen Engel vor dir her schicken, der dich unterwegs behütet und dich an den Ort bringt, den ich für dich bestimmt habe. Hüte dich vor ihm, und hör auf das, was er sagt! Lehn dich nicht gegen ihn auf! Er würde euch das nicht vergeben, denn mein Name ist in ihm.

    2. Mose 23:20,21 NEÜ

    Vermutlich möchtest du jetzt gerne erfahren, was es mit diesem Engel auf sich hat. Aber nach dieser Passage wird nur sehr wenig über ihn gesagt. Aber das ist ja auch nicht das Wichtige in dieser Passage. Yahwe sorgt für sein segullha.

    Wird deswegen das Gesetz in 5. Mose wiederholt? Ein Grund war bestimmt, dass 40 Jahre vergangen waren und eine andere Generation lebte als am Sinai. Interessant ist aber auch, dass die Struktur von 5. Mose einige Gemeinsamkeiten mit antiken Abkommen hat. Zum Beispiel zwischen dem Groß-König und den Vasallen-Königen. Das Abkommen, der Bund, zwischen Jahwe und den Hebräern wird nocheinmal bestätigt.

    Das ist schon deswegen interessant, weil der Bund von den Hebräern schon gebrochen wurde, kaum nachdem sie zugestimmt hatten, alles zu halten: Moses war mit den beiden Steintafeln noch nicht vom Berg herunter, verstießen sie gegen das erste Gebot und machten ein goldenes Kalb. Das Moses die Steintafeln des Bündnisses zerschmetterte war ein deutchliches Zeichen dafür, dass der Bund gebrochen worden war.

    War Jahwe jetzt völlig überrascht, dass die Hebräer sich so bald nicht mehr an ihre Worte hielten?

    Anschließend nahm er die Schriftrolle mit dem Bundesgesetz in die Hand und las alles dem Volk vor. Es erwiderte: „Alles, was Jahwe gesagt hat, wollen wir gehorsam tun.“

    2. Mose 24:7 NEÜ

    Hat Jahwe jetzt gerecht aber hart die Strafe vollzogen, die auf den Bruch des Bündnisses stand? So haben es damalige Groß-Könige gemacht. Und er wäre gemäß 2. Mose 32 auch bereit dazu gewesen. So stellen sich auch viele den ‚Gott des Alten Testaments‘ vor. Tatsächlich haben wir aber zwischen Kapitel 24 und 32 einige Kapitel übersprungen, die etwas anderes zeigen: Gnade!

    Gnade? Zwischen 2. Mose 24 vor 2. Mose 32 sind 7 Kapitel, die einmal mehr Yahwes Gnade im ‚Gesetz‘, im Bündnis mit den Hebräern zeigen. Diese enthalten detailierte Pläne für das Heiligtum. Gottes erste Reaktion auf die Zustimmung der Hebräer waren also 7 Kapitel mit den Anweisungen für sein Heiligtum, das Mittel, mit denen sie Vergebung erlangen können, wenn sie das Bündniss brechen. Das ist Gnade.

    Und das ist noch nicht alles: 3. Mose 1-7 enthält die Anweisungen für Priester. Anstrengend zu lesen, wenn du keiner bist. Doch übersehen wir nicht den immer wieder wiederholten Refrain: „und es wird … vergeben werden“.

    Noch ein Nebengedanke: Das Bündnis Jahwes mit den Hebräern, das Gesetz, zeichnet sich also durch Gnade aus. Ein großer Teil der Bestimmungen dreht sich darum, wie vergeben werden kann. Keiner ist ausgenommen. Die Bestimmungen sind für jeden im Volk bis zum Hohepriester selbst. Wie sollte man also auf die Idee kommen, dass man ohne dies aber durch seine eigenen Werke vor Jahwe gerecht stehen würde? Und wenn die Hebräer das nicht dachten, worüber diskutiert Paulus dann? Das hatten wir in der vorherigen Serie „Die neue Sicht auf Paulus“ betrachtet.

    Waren die Hebräer nun schon bereit für das verheißene Land?

    Fertig zum Aufbrechen

    Moses selbst war da anderer Meinung:

    Mose sagte zu Jahwe: „Du befiehlst mir, dieses Volk in sein Land zu führen, aber du hast mir nicht offenbart, wen du mitschicken wirst. Dabei hast du mir doch gesagt, dass du mich mit Namen kennst und mir deine Gunst geschenkt hast. Wenn ich also wirklich deine Gunst genieße, dann lass mich doch erkennen, was du vorhast. Ich möchte dich besser verstehen und auch weiter in deiner Gunst bleiben. Und denk bitte daran: Diese Nation ist dein Volk!“ Jahwe erwiderte: „Wenn ich mitgehe, würde dich das dann beruhigen?“ Mose entgegnete: „Wenn du nicht mitgehst, dann bring uns lieber nicht von hier weg! Woran soll man denn sonst erkennen, dass wir in deiner Gnade stehen, ich und dein Volk? Doch nur daran, dass du mit uns ziehst und uns dadurch vor allen anderen Völkern der Welt auszeichnest, mich und dein Volk!“ Jahwe erwiderte: „Auch diese Bitte werde ich dir erfüllen, denn du stehst in meiner Gunst und ich kenne dich genau!“

    2. Mose 33:12-17 NEÜ

    Mose hatte die Lektion verinnerlicht: Ohne Jahwe waren sie nichts. „Alles, was sie waren, verdankten sie dem, was er war. Das Gleiche gilt für dich und mich. Das Wichtigste ist, zu wem wir gehören.“

    Was fehlte den Hebräern noch? 4. Mose (Numeri). Es beginnt mit der Anweisung Jahews, das Volk zu zählen. Dann kommt die Ordnung des Lagers Israels usw. … Kaum jemand liest 4. Mose. Aber vergessen wir nicht: Diese Buch wurde nicht für uns geschrieben, sondern für sie!

    Gottes Vision nimmt auf den Seiten von 4. Mose (Numeri) konkrete Gestalt an. Sie ist praktisch. Für Menschen, die bisher nur ein Leben als Sklaven kannten und wenig Übung in Selbstbestimmung hatten, begegnet Gott ihnen dort, wo sie sind, und macht ihre Aufgabe ganz einfach. Folgt mir. Zelte hier. Esst das. Stellt euch in dieser Reihenfolge auf.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Die Aufzählung hat noch eine ganz andere Wirkung. Die Hebräer waren einfach nur Sklaven. Der Namen der herrschenden Familien Ägyptens wurde gedacht. Jetzt ist es aber ganz anders. Es ist, also ob Jahwe ihnen sagt: Ihr gehört nich mehr Pharao. Ihr gehört mir. Ihr seid nicht bedeutungslos. Eurer Familien wird von nun an als Anfang einer neuen Nation gedacht werden.

    Was fehlt ihnen noch? Der priesterliche Segen Jahwes.

    Jahwe befahl Mose, Aaron und seinen Söhnen zu sagen: „So sollt ihr die Israeliten segnen. Sagt: Jahwe segne dich / und behüte dich! Jahwe lasse sein Angesicht leuchten über dir / und sei dir gnädig! Jahwe wende dir sein Angesicht zu / und gebe dir Frieden! So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen.“

    4. Mose 6: 22-27 NEÜ

    Indem er sie mit seinem Namen segnet, legt er seinen Namen ganz bewusst auf sein Volk. Jahwe hatte sie bereits am Sinai als sein Volk anerkannt. Jetzt segnet er sie offiziell, um sie regelmäßig daran zu erinnern. Von diesem Moment an sind sie als sein Volk identifiziert.

    Es ist der deutlichste Hinweis in der Heiligen Schrift, dass Jahwe seinen Namen auf sein Volk legt.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Nebenbei bemerkt, wird in der Zählung in 4. Mose des hebräische Wort eleph verwendet, dass meist mit ‚Tausend‘ übersetzt wird. Nur dass im hebräischen Text keine Zahlen stehen, wie wir sie kennen. Die sich daraus ergebende große Anzahl Hebräer von über 2 Millionen stimmt aber weder mit der Archäologie, den Platzverhältnissen auf ihrer Reise und vor allem mit der Bibel selbst überein. In 4. Mose 3:43 wird die Gesamtzahl der Erstgeborenen mit nur 22.273 angegeben. Das ergibt ein Verhältnis von 1:50 und jede israelische Mutter hätte durchschnittlich 100 Kinder haben müssen. Das Wort eleph wird an anderer Stelle auch nicht mit 1000 sondern ‚Clan‘ oder militärischer Einheit wiedergegeben. Eine Anzahl von etwa 10 Männern pro eleph stimmt mit anderen Angaben in 4. Mose und historischen Quellen überein. Damit kommt man auf vielleicht etwa 22.000 Männer, Frauen und Kinder.

    Immer noch eine stattliche Menge. Und mehr als genug für den Grundstock dieser neuen Nation Jahwes. Unter seiner Führung und mit seinem Segen würden sie weiter wachsen. Und damit sie all das, was wir bisher besprochen haben, nicht vergessen, hat Jahwe einen spektakulären Plan: Jedes Jahr sollen die Israeliten einen Tag dafür reservieren, der letzten Nacht in Ägypten zu gedenken. Das ist für Jahwe so wichtig, dass jeder, der das nicht mit feiern konnte, dies im folgenden Monat tun soll.

    Indem sie sich so immer wieder an all die Geschehnisse erinnern und was Jahwe für sie getan hat, wird ihnen eines eingeprägt: Sie tragen Jahwes Namen.

  • Gottes Namen Tragen – Teil 2

    Gottes Namen Tragen – Teil 2

    Von Christian / Carmen Joy Imes


    In dieser Serie befassen wir uns mit Gedanken aus dem Buch Bearing God’s Name – Why Sinai still matters (Gottes Namen tragen – warum der Sinai noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.

    Im ersten Teil haben wir gesehen, wie Ereignisse am Sinai literarisch in den Büchern Mose eingerahmt sind, um deren Bedeutung hervorzueben. Und dass die Israeliten zuvor erst einmal Jahwe kennenlernen und Vertrauen zu ihm aufbauen mussten.

    Was sich am Sinai ändert

    Nun sind die Israeliten schon drei Monate durch die Wüste gewandert, bis sie den Sinai erreichen. Was kommt nun? Was haben sie erwartet? Hatte Moses ihnen davon berichtet, was Jahwe Jahre zuvor am brennenden Dornbusch gesagt hatte?

    „Ich werde dir ja beistehen“, sagte Gott. „Und daran wirst du erkennen, dass ich dich gesandt habe: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr an diesem Berg Gott anbeten.“

    2. Mose 3:12 NEÜ

    Für Mose war der entscheidende Teil: „Ich werde dir beistehen“. Entscheidend war nicht, wer Moses war, sondern wessen er war. In jener Situation offenbarte Gott Moses deswegen auch seinen Namen. Das ist für manchen vielleicht keine große Sache, damals war es da aber. Die meisten anderen Götter waren unter einem Pseudonym bekannt, um die Menschen auf Distanz zu halten.

    Am Sinai ändert sich alles.
    Am Sinai entdecken die Hebräer, wer sie sind und, was noch wichtiger ist, wem sie gehören.

    Am Sinai geht es um Anbetung. Gottes erste Anweisung am Sinai legt die Grundlage, eine neue geistige Route. Wenn wir sie nicht verstehen, kann es gut sein, dass wir alles Weitere missverstehen.

    Mose stieg hinauf, um Gott zu begegnen. Da rief ihm Jahwe vom Berg aus zu: „Sage es den Nachkommen Jakobs, rede zu den Israeliten: Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern gemacht habe. Ihr habt erlebt, dass ich euch wie auf Adlerflügeln getragen und bis hierher zu mir gebracht habe. Wenn ihr nun auf mich hört und meinen Bund haltet, dann sollt ihr unter allen Völkern mein persönliches Eigentum sein. Denn mir gehört die ganze Erde. Ihr sollt mir ein Königsvolk von Priestern sein, eine heilige Nation!‘ Das sollst du den Israeliten sagen!“

    2. Mose 19:3-6 NEÜ

    Jahwe beginnt mit einer Beschreibung seiner Gnade! Gnade in den Büchern Mose? Vielleicht sind wir zu sehr auf die Gesetze fixiert – und unser heutiges Verständnis von Gesetzen. Darauf kommen wir nochmals zurück. Aber hier geht es um Jahwes Gnade. Er macht den Hebräern keine Vorwürfe wegen ihrem Verhalten bisher. Er zeigt, dass es sein Wunsch war, sie zu ihm zu bringen, und nicht ihr Verdienst. Und dann kommt dieses hebräische Wort: segullah (Aussprache SEH-gull-ah).

    Um die Bedeutung von Israels neuem Status zu begreifen, muss ich dir mein hebräisches Lieblingswort beibringen: segullah (ausgesprochen SEH-gull-ah). In der NIV wird es passenderweise mit „geschätzter Besitz“ übersetzt, aber es hilft, wenn wir die weitere Verwendung dieses Wortes verstehen. … Sehgullah kommt acht Mal im Alten Testament vor.

    Die verwandten alten Sprachen Ugaritisch und Akkadisch verwenden beide ein ähnliches Wort, um jemanden zu bezeichnen, der in der Beziehung zum König einen besonderen Status genießt, einen Bündnispartner, der besonders geschätzt und mit größerer Verantwortung betraut wird.

    In den aramäischen Übersetzungen des Alten Testaments wird der Segullah als „Geliebter“ beschrieben.

    Sie sollen ein „Königreich von Priestern“ sein, das als Botschafter bei den Völkern dient, und ein „heiliges Volk“, das für Gottes Zwecke ausgesondert ist. In meinem Lieblingsbuch, The Mission of God, betont Christopher J. H. Wright, dass Israel auserwählt wurde, um die Völker zu segnen. Er sagt: „Sie haben eine Rolle, die ihrem Status entspricht. Ihr Status ist es, ein besonderer Schatz zu sein. Ihre Rolle ist es, eine priesterliche und heilige Gemeinschaft inmitten der Völker zu sein.“

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Das Gesetz Mose war für die Hebräer ein Geschenk. Das zeigt ihre Antwort. Und wie Moses darüber sprach oder später Psalm 119. Andere Götter antworteten Menschen nicht. Man wusste nie so recht, was sie wollen oder warum sie zornig zu sein scheinen. Man musste sie besänftigen. Jahwe ist ganz anders: Er spricht sogar direkt zu den Hebräern. Er sagt klar, was er möchte und was nicht akzeptabel ist. Das Gesetz ist wie ein Zaun, der sie beschützt und hilft, darin ein florierendes Leben zu führen.

    Noch ein Hinweis zu dem Wort ‚Gesetz‘:

    Das deutsche Wort ‚Gesetz‘ ist sowohl zu eng als auch zu irreführend, um das hebräische Wort torah richtig zu übersetzen. Es wird besser mit „Unterweisung“ übersetzt. Die Tora umfasst ein breiteres Spektrum als nur Gesetze. Und ‚Gesetz‘ ist nicht das beste Wort, um zu beschreiben, was die Tora enthält.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Die Zehn Gebote – Gebote?

    Die Zehn Gebote stehen in der Bibel – nur werden sie darin nie so genannt! Wie bitte? Tatsächlich wird in 2. Mose 34:28 von 10 ‚Wörtern‘ gesprochen:

    Das hebräische Wort dabar kann neben ‚Wort‘ auch ‚Sache‘ oder ‚Ding‘ bedeuten. Das passt, denn darin sind nicht nur Gebote enthalten, wie wir gleich sehen werden.

    Kommen wir zur zweiten falschen Vorstellung, die man oft antrifft: Wieviele Tafeln waren es? Und wie wurden sie beschrieben? Im Internet finden sich viele Abbildungen davon. Ich habe einmal eine von Jehovas Zeugen aus dem Jahr 2020 genommen, weil sie immer wieder betonen, wie gründlich sie für ihre Bilder ‚nachforschen‘:

    Jehovas Zeugen, Leben und Dienst Zusammenkunft, Arbeitsheft August 2020 S. 7
    Wieviele Wörter kannst du erkennen?

    Vergleichen wir das einmal mit dem Bericht der Bibel:

    „Und Mose wandte sich um und stieg vom Berg hinab, und die beiden Tafeln der Bundesurkunde [eduth] waren in seiner Hand, Tafeln, die auf beiden Seiten beschriftet waren, beschriftet auf Vorder- und Rückseite“ (Exodus 32,15, Übersetzung des Autors).

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Wir sehen zwei Tafeln, aber sehr wenige Worte. Im hebräischen bestehen die ‚10 Worte‘ aus 171 Worten. Da muss auf der Rückseite aber noch viel stehen. Nun ja, ist halt nur eine Illustration. Wichtiger aber ist, dass wir auch hier die Vorstellung wiederfinden, dass zwei Tafeln notwendig waren, weil der Text nicht auf eine gepasst hätte. Dem ist nicht so. Vielmehr hat das hebräische Wort eduth, das hier mit Bundesurkunde übersetzt ist, eine besondere Bedeutung und findet sich so ähnliche in anderen Sprachen des alten Orients wieder. Wenn es um solche Urkunden ging, wurden die Tafel und eine exakte Kopie erstellt. Ging es um einen Vertrag zwischen zwei Völkern, wurde je eine Kopie in den Tempel des eigenen Gottes gelegt, damit dieser über die Einhaltung wacht. In diesem Fall war der Bund aber zwischen Jahwe und Israel. Daher wurde beide Tafeln in das Heiligtum gelegt.

    Kommen wir zum dritten, häufigen Missverständnis: Die 10 ‚Gebote‘ lassen sich klar in zwei Gruppen von Gesetzen unterteilen. Eine, die Gott betrifft, und eine, die die Menschen betrifft. Das ist aber keine adäquate Sicht auf diese Unterweisungen. Auch wenn Israeliten gegen ein ‚Gebot‘ aus der zweiten Gruppe verstießen, sprachen sie davon, dass sie gegen Gott sündigten (siehe 2. Samuel 12:13, Psalm 51:4)

    In der Bundesgemeinschaft ist jeder Teil des Lebens ein Ausdruck der Anbetung und Loyalität gegenüber dem Gott, der sich diesen Menschen verpflichtet hat. Wie sie andere behandeln, verrät wie ihr Herz zu Gott steht.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Gelten die ‚10 Gebote‘ jetzt für immer, weil sie sogar buchstäblich ‚in Stein gemeißelt‘ sind? Direkt davor spricht Jahwe davon, an wen sie gerichtet sind: „“Ich bin Jahwe, dein Gott! Ich habe dich aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit. Du darfst …““ (2. Mose 20:2 NEÜ). Sie verwenden oft einen spezifischen antiken Kontext und Wortschatz. Und sie wurden nie anderen Nationen kommuniziert.

    Die Gebote in diesem antiken Kontext sind allein für die Israeliten bestimmt. Die Tora war ein Geschenk an Israel, das Volk Jahwes.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Daher macht es am meisten Sinn, die ersten drei Sätze zusammen als erstes ‚Wort‘ zu lesen. Das zeigt an dem verwendeten Chiasma (2. Mose 20:2-6, 5. Mose 5:6-10):

    A Ich bin Jahwe dein Gott (Vers 2)

    B Du darfst keine anderen Götter haben neben mir! (Vers 3) Plural

    C Du darfst dir kein Götterbild machen (Vers 4) Singular

    B Wirf dich niemals vor ihnen nieder und verehre sie auf keinen Fall! (Vers 5a) Plural

    A Denn ich, Jahwe, ich, dein Gott (Vers 5b)

    2. Mose 20:2-6 NEÜ

    Der Sinn von Bildern ist die Anbetung.
    Die Mittel der Anbetung sind Bilder.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Damit kommen wir zum zweiten Gebot, aus dem sich auch der Titel des Buches von Carmen Imes ableitet.

    Ein unsichtbares Tattoo: Das zweite Gebot

    Du sollst den Namen Jahwes, deines Gottes, nicht vergebens tragen, denn Jahwe wird niemanden für schuldlos erklären, der seinen Namen vergebens trägt. (Exodus 20:7, Übersetzung des Autors)

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Viele Übersetzungen geben das anders wieder, weil die Übersetzer und Theologen meinten. dass dies sonst keinen Sinn macht. Wie sieht es aber aus, wenn man versucht, die Bibel exegetisch sich selbst erklären zu lassen? Der nächste Kontext ist 2. Mose 28: „So soll Aaron auf der Brusttasche für den Schiedsspruch die Namen der Söhne Israels zur ständigen Erinnerung vor Jahwe auf seinem Herzen tragen, wenn er ins Heiligtum hineingeht.“ (2. Mose 28:29). Und der Hohepriester hat auch einen Namen auf der Stirn: qodesh layahweh. „heilig, zu Jahwe gehörend“. Dabei wird der Buchstabe lamed vor Yahweh verwendet, wie er auch sonst in antiken Siegeln verwendet wurde, um das Eigentum anzugeben.

    Die zwölf Edelsteine zeigen an, dass der Hohepriester das ganze Volk vor Jahwe vertritt. Das Medaillon auf seiner Stirn zeigt an, dass er Jahwes Bevollmächtigter für das Volk ist. Erinnere dich an die dramatische Erklärung in Exodus 19, als Israel zum ersten Mal auf dem Berg Sinai ankam. Dort verlieh Gott seinem Volk Titel wie „geschätzter Besitz“, „Königreich der Priester“ und „heiliges Volk“. Als sein geschätzter Besitz ist es Israels Berufung – die Aufgabe, zu der sie geboren wurden -, ihren Gott gegenüber dem Rest der Menschheit zu vertreten. Sie haben eine priesterliche Funktion und vermitteln zwischen Jahwe und allen anderen. Sie sind für seinen Dienst auserwählt.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Durch den Blick auf Aaron wird jeder Israelit an seine Berufung als Volk erinnert. So wie er für den Dienst auserwählt („heilig“) ist, so sind auch sie („ein heiliges Volk“). Am Sinai erhebt Jahwe Anspruch auf dieses Volk und entlässt es in die Freiheit, seine Berufung zu erfüllen. Diese Berufung besteht darin, Jahwes Namen unter den Völkern zu tragen, d. h. ihn gut zu vertreten.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Kurz gesagt besagen die ersten beiden Gebote also: 1. Bete nur Jahwe an. 2. Vertritt ihn gut.

    Damit wird nun klar, warum der Begriff ‚Gesetz‘ als Übersetzung für das hebräische Thora ungenügend und sogar irreführend ist: Es geht nicht in unserem modernen Sinne um eine Sammlung von Vorschriften und Gesetzen, sondern Charakterbildung.

  • Gottes Namen Tragen – Teil 1

    Gottes Namen Tragen – Teil 1

    Von Christian / Carmen Joy Imes


    In dieser Serie werden wir uns mit Gedanken aus dem Buch Bearing God’s Name – Why Sinai still matters (Gottes Namen tragen – warum der Sinai noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes beschäftigen. Das Buch ist die auch für Laien gut lesbare Darstellung der Doktorarbeit von Professor Imes. Da es leider keine deutsche Übersetzung gibt, wollen wir uns wenigstens auszugsweise mit ihrer Darlegung beschäftigen.

    Aber warum ist das für uns heute überhaupt interessant? Im Vorwort ihres Buches beschreibt Imes sehr gut die üblichen Vorbehalte: „Das Alte Testament hat aus vielen Gründen einen schlechten Ruf bekommen. Zu gewalttätig. Zu verwirrend. Zu abgehoben. Zu legalistisch. Zu veraltet.“ Was vielen im Alten Testament fehlt, ist die Gnade, die im Neuen Testament so wesentlich erscheint. Wir werden sehen, dass dies gar nicht der Fall ist und gerade Christen das Alte Testemant mehr denn je brauchen.

    Wir werden auch sehen, was der Text aus 2. Mose 20:7 „Du darfst den Namen Jahwes, deines Gottes, nie missbrauchen!“ (NEÜ) eigentlich wirklich gemäß dem Urtext bedeutet. Die Tragweite der eigentlichen Bedeutung ist heute noch die selbe wie damals, wie aus den ersten Worte des Vorworts von Christopher J. H. Wright hervorgeht: „“Und du nennst dich selbst einen Christen!” Das war so ziemlich das Schlimmste, was wir als junge Christen in meiner nordirischen Kindheit zu hören fürchteten.… Was auch immer es war, der schlimmste Vorwurf von anderen Kindern (oder am schlimmsten von einem Lehrer) wäre: “Und du nennst dich selbst einen Christen!”“

    Daher werden wir uns nun nicht nur mit 2. Mose 20:7 sondern dem mosaischen Gesetz und den Ereignissen am Sinai damals beschäftigen. Ich weiß, was du jetzt denkst: Das ist ja so trocken wie die Wüste am Sinai! Aber du wirst dich wundern. Mit einem guten Reiseführer durch diese Ereignisse wird das sehr interessant werden.

    Stellen wir uns nur einmal vor, was die Israeliten alles erlebt hatten, bis sie am Sinai waren. Was brauchst du zum Leben, wenn du nach all dem auf dem Weg durch die Wüste bist? Und was bekommt Moses von Gott? Das Gesetzt mit all seinen Regeln. Doch wie sieht Moses das?

    Seht, ich habe euch Ordnungen und Rechte gelehrt, so wie Jahwe, mein Gott, es mir befahl, damit ihr danach handelt in dem Land, das ihr in Besitz nehmen werdet. Vergesst sie nicht und richtet euch danach! Denn darin besteht eure Weisheit und Einsicht in den Augen der Völker. Wenn sie von diesen Ordnungen hören, werden sie sagen: „Was für ein weises und einsichtiges Volk ist diese große Nation!“ Denn welche große Nation hat Götter, die ihr so nahe sind wie Jahwe, unser Gott, wann immer wir zu ihm rufen? Und wo gibt es eine große Nation, die so gerechte Ordnungen und Vorschriften hätte wie dieses Gesetz, das ich euch heute vorlege.

    5. Mose 4:5-8 NEÜ

    Mit anderen Worten: Die Israeliten haben mit dem Gesetz etwas Kostbares bekommen, auf das die anderen Nationen neidisch sein werden!

    Aber wird werden uns gar nicht so sehr mit den 10 Geboten oder den vielen einzelnen Vorschriften beschäftigen, sondern dem Gesamtbild. Wir werden erkennen, dass die fünf Bücher Mose einen interessanten Rahmen enthalten, der uns beim Lesen vielleicht noch nie bewußt aufgefallen ist, weil wir schließlich nur noch Details gesehen haben. Wir werden über den eigentlichen Zweck des Gesetzes und die Aufgabe der Israeliten sprechen. Und wie im Neuen Testament dies wieder aufgenommen wird. Weil Gott seinen Plan nicht aufgegeben hat, sondern allen Menschen die Möglichkeit gibt, die ursprüngliche Mission zu erfüllen.

    Das Volk werden, das Gottes Namen trägt

    Ägypten verlassen

    Kontext ist alles

    In der Serie Die neue Sicht auf Paulus, die auf dem Buch „The New Perspective on Paul – An Introduction“ (Die neue Sicht auf Paulus- Eine Einführung) von Prof. Kent L. Yinger. beruht, hatten wir schon gesehen, dass viele Christen folgende Vorstellung haben:

    • In der Zeit des Alten Testaments ging es für Israel darum, durch das Halten des Gesetzesbundes vom Sinai die Rettung zu verdienen.
    • Jesus hat mit dieser Vorstellung aufgeräumt und die Erlösung ohne jedes persönliche Tun zur Verfügung gestellt.

    In jener Serie haben wir aber auch gesehen, dass beide Aussagen nicht auf den Heiligen Schriften sondern den Überlegungen späterer Gelehrter und der Reformation beruhen. Auch Carmen Imes geht in ihrem Buch darauf ein und zeigt, warum die erste Aussage gar nicht stimmen kann:

    Den Kontext berücksichtigen: Israel kommt in 2. Mose 19 am Sinai an und erhält von Jahwe das Gesetz. Die Rettung Israels aus Ägypten finden wir aber sowohl zeitlich als auch im Text schon vorher in 2. Mose 3-14. Das Gesetz vom Sinai kann also nicht die Vorrausetzung für die Rettung Israels aus Ägypten gewesen sein.

    Daher lesen wir auch dies in 2. Mose 6:6

    Sag deshalb zu den Israeliten: ‚Ich bin Jahwe. Ich befreie euch von der Zwangsarbeit für die Ägypter. Ich rette euch aus der Sklaverei. Mit starker Hand und durch große Strafgerichte werde ich euch erlösen.

    2. Mose 6:6 NEÜ

    Gott hat nicht erst einmal geprüft, ob sie vielleicht noch Götzen zu Hause hatten oder in Bezug auf die Moral dem Gesetz genügten. Ihre Rettung hatte nichts mit ihrer Rechtschaffenheit oder ihrem Handeln zu tun, sondern mit seinem Versprechen gegenüber ihrem Vorvater Abraham.

    Dabei ist noch folgender Aspekt zu 2. Mose 12:13 interessant :

    Das Blut an den Häusern, in denen ihr euch befindet, soll ein Schutzzeichen für euch sein. Wenn ich das Blut sehe, werde ich vorübergehen, [Hebräisch: pasachti, wovon Passa abgeleitet ist.] und der Schlag, mit dem ich das Land Ägypten treffe, wird euch nicht verderben.

    2. Mose 12:13 NEÜ

    Das hebräische Wort pasachti, von dem unser Passa abgeleitet ist, kann mit ‚vorübergehen‘ übersetzt werden. In diesem Kontext macht aber eine andere Bedeutung mehr Sinn, wie sie auch z.B. in Jesaja 31:5 zu finden ist.

    In 2. Mose 12:13,23,27 geht Jahwe nicht an Israel vorbei, sondern ‚beschützt‘ es.

    Der Rahmen des Sinai: Die Wanderungen in der Wildnis

    Der Bericht über Israel und den Sinai enthält eine weitere Besonderheit, die uns beim Lesen so vielleicht noch nie aufgefallen ist. In 4. Mose 33 wird die gesamte Route der Wanderung Israels von Ägypten nach Kanaan beschrieben. Auf dieser Route gibt es zweiundvierzig Lagerplätze. Lesen wir aber aufmerksam die Berichte in 2. Mose 12-18 und 4. Mose 11-32, dann kommen wir nur auf sechs Lagerplätze jeweils vor und nach dem Sinai. Und alle beginnen mit der selben hebräischen Phrase: „und sie brachen auf.“ Damit haben wir keinen Widerspruch in den Büchern Mose gefunden. Beide Berichte erfüllen einen unterschiedlichen Zweck. Und der Zweck der Berichte vor und nach dem Sinai wird in dieser Abbildung aus Carmen Imes Buch deutlich:

    Dass das kein bloßer Zufall ist, sondern ein zur damaligen Zeit und Kultur üblichen Form, etwas zu betonen, wird aus den weiteren symmetrischen Berichten deutlich:

    Vor dem SinaiNach dem Sinai
    6 Lagerorte, „und sie brachen auf“ (2. Mose 12-18)6 Lagerorte, „und sie brachen auf“ (4. Mose 11-32)
    7 mal wird „Wüste“ erwähnt7 mal wird „Wüste“ erwähnt
    Gottes Versorgung mit Manna und Wachteln ( 2. Mose 16) sowie zwei Bitten um Wasser, die durch einen sprudelnden Felsen erfüllt wurden (2. Mose 17:1-7).Gottes Versorgung mit Manna und Wachteln ( 2. Mose 16) sowie zwei Bitten um Wasser, die durch einen sprudelnden Felsen erfüllt wurden (2. Mose 171-7).
    Gottes Engelsbote beschützt die Hebräer vor einem fremden König. (2. Mose 14:19-20)Gottes Engelsbote beschützt die Hebräer vor einem fremden König. (4. Mose 22:21-35)
    Israels Kampf gegen die Amalekiter (2. Mose 17:8-16)Israels Kampf gegen die Amalekiter (4. Mose 14:39-45)
    Mose trifft sich mit einem midianitischen Familienmitglied und erhält eine Handlungsempfehlung ( 2. Mose 18)Mose trifft sich mit einem midianitischen Familienmitglied und erhält eine Handlungsempfehlung (4. Mose 10:29-32)
    Mose ist mit Führungsaufgaben überlastet (2. Mose 18:17-18)Mose beginnt, Aufgaben an andere zu delegieren
    Mose beginnt, Aufgaben an andere zu delegieren (2. Mose 18:24-26)Mose beginnt, Aufgaben an andere zu delegieren (4. Mose 11:16-17) Enthält absichtliches Zitat aus 2. Mose.
    Israeliten klagen, warum sie Ägypten verlassen haben (2. Mose 14:10-12)Israeliten klagen wegen dem Bericht der Kundschafter (4. Mose 14)

    Warum werden die Ereignisse am Sinai durch diesen Rahmen so hervorgehoben? Weil eine dort eine große Transformation stattgefunden hatte: Die Israeliten waren am Sinai im Zustand der Liminalität. Eine Phase des Übergangs, der grundlegenden Änderung ihres Status. Sklaven Ägyptens waren sie nicht mehr. Aber was würden sie werden? Was für ein Gott ist Jahwe? Was würde er von ihnen erwarten? Wie würde ihre Zukunft aussehen?

    Für Israel ist die Reise durch die Wüste von Ägypten nach Kanaan eine Zeit des Übergangs. Sie ist weit mehr als nur ein Übergangsort, sie ist die Stätte von Israels Werden. Die Wildnis ist das vorläufige Ziel, das sie zu dem macht, was sie sind. Übergangsorte tun das immer. Sie verändern uns.

    Gott hat es nicht eilig, sie aus dem Übergangsraum in das Land zu führen, das er ihnen versprochen hat. Sie sind noch nicht bereit.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Wenn wir uns das Ausmaß der Veränderung, die offenen Fragen und die Ungewissheit über die Zukunft und das Wesen des Gottes, der sie gerettet hatte genau vorstellen, verstehen wir auch besser, warum sie scheinbar so schnell Gottes Macht, sie zu retten, vergessen konnten. Wer würde sich in einer Wüste nicht Sorgen um Wasser und Nahrung machen? Umgeben von feindlichen Völkern? „Jahwe weiß das. Es ist bemerkenswert, dass er die Israeliten nicht tadelt, wenn sie sich beschweren oder in Panik geraten, während sie zum Sinai ziehen. Er sorgt einfach für ihre Bedürfnisse. Er nutzt diese Reise, um ihnen seine Vertrauenswürdigkeit zu beweisen.“

    Als der Pharao das Volk ziehen ließ, führte Gott es nicht den Weg durch das Land der Philister,[3] obwohl das der kürzeste Weg gewesen wäre, denn Gott dachte: „Wenn das Volk merkt, dass es kämpfen muss, könnte es seine Meinung ändern und nach Ägypten zurückkehren.“ Aus diesem Grund ließ Gott das Volk einen Umweg machen und führte es den Wüstenweg zum Schilfmeer.

    Jahwe zog vor ihnen her, um ihnen den Weg zu zeigen. Tagsüber führte er sie in einer Wolkensäule und nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht weiterziehen. Tagsüber sahen sie die Wolkensäule vor sich, nachts die Feuersäule.

    2. Mose 13:17-18,21,22 NEÜ

    Vertrauen ist kein Automatismus, und Gott erwartet das auch nicht. Er setzt sich geduldig für Israel ein, bis sie erkennen, dass er ihr Vertrauen wert ist.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Die Israeliten ‚drücken die Schulbank‘ sozusagen. Sie lernen, dass sie jeden Tag auf Gott vertrauen müssen und es auch können. Dass sie jeden Tag von ihm abhängig sind. Auf dem Weg zum Sinai finden die Israeliten heraus, was für ein Gott Jahwe ist und wie sie im Vertrauen auf ihn leben können.