Von Christian / Tom Wright
Dieser Serie greift Hauptgedanken aus dem Buch des Bibelgelehrten N. T. Wright Von Hoffnung überrascht – Was die Bibel zu Auferstehung und ewigem Leben sagt auf. (Englisch Surprised by Hope: Rethinking Heaven, the Resurrection, and the Mission of the Church).


Und wie auch schon im ersten Teil gesagt, empfehle ich jedem, das Buch selbst zu lesen und die Argumente anhand der Bibel selbst zu prüfen.
Gut vorbereitet, aber kein Ziel vor Augen
Worum es N. T. Wright in diesem Buch geht, beschreibt er so:
Dieses Buch behandelt zwei Fragen, die oft völlig getrennt behandelt wurden, die aber, so glaube ich leidenschaftlich, ganz eng zusammengehören. Zunächst: Wie sieht die endgültige christliche Hoffnung aus? Dann: Welche Hoffnung gibt es im Hinblick auf Veränderung, auf Rettung, auf Transformation, auf neue Möglichkeiten innerhalb der gegenwärten Welt?
N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 21
Darauf gibt es heute eine unüberschaubare Menge an verschiedensten Antworten – die mehr oder weniger von sich behaupten, sich auf die Bibel zu stützen. Und welche davon ist richtig? Falsche Frage. Besser sollten wir uns fragen, welche Auffassung näher dran ist an dem, was im Text steht. Tom Wright hat dazu einen guten Tipp:
Und da gute Theologie niemals auf der Meinung der Mehrheit fußt: Was lehrt die Bibel zu diesem Thema? Was sagen Jesus und die Apostel?
N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 31
Ich fürchte, dass sich leider nur wenige wirklich dafür interessieren. Doch beeinflusst werden wir alle durch das, was wir seit unserer Kindheit gelesen, gehört und gesehen haben. Letztendlich zeigt sich das im Verhalten jedes einzelnen. Wenn wir in der Endzeit leben und bald vom Herrn in den Himmel geholt werden und die Erde eh mit Feuer verbrannt wird, was interessieren uns dann jetzt noch Umweltprobleme oder eine Klimaveränderung? Nicht meine Gedanken, sondern die von nicht wenigen Evangelikalen in den USA. Und nicht wenige versuchen eine spiritistische Kontaktaufnahme mit den Toten. Selbst gewisse Gepflogenheiten weisen darauf hin, dass sich die Vorstellung vieler deutlich von der der ersten Jünger Jesus unterscheidet:
Die Gepflogenheiten bei Beerdigungen, die heute neu oder wieder aufkommen, bringen dieselbe Art von Verwirrung zum Vorschein. Die Geste, Gegenstände neben den Toten in den Sarg zu legen, um die Toten im zukünftigen Leben zu trösten oder ihnen zu helfen, wurde bis vor Kurzem von Kulturbeobachtern als eine interessante Gepflogenheit beschrieben, die heute in der modernen westlichen Gesellschaft aufgegeben wurde. Mittlerweisel feiern Geschenke für Verstorbene wieder ihr Comeback, wobei Fotos, Schmuck, Teddybären und ähnliche Dinge in den Sarg gelegt werden. Nigel Barley erzählt Geschichten, die von eim Mitarbeiter eines Krematoriums stammen; Geschichten von Witwen, die eine Packung Vollkornkekse oder die Zweitbrille sowie das Gebiss des Verstorbenen in den Sarg legten. In einem Fall legte eine Witwe zwei Spraydosen mit Klebstoff in den Sarg. Ihr Mann hatte damit immer sein Toupet angeklebt. Die Spraydosen verursachten eine Explosion, die Tür der Brennkammer im Krematorium verbog.
N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 35
Man kann die Situation vermutlich gar nicht besser als so zusammenfassen:
Die meisten Menschen wissen schlicht und einfach gar nicht, worin der orthodoxe christliche Glaube eigentlich besteht.
Offen gestanden: Was wir heute haben, ist nicht „die sichere und gewisse Hoffnung der Auferstehung der Toten“, wie die alten Liturgien sagen, sondern der vage und unscharfe Optimismus, dass die Dinge letztlich irgendwie in Ordnung kommen.
N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 36, 51
Daher werde wir nun einige Schlüsselthemen in Bezug auf unsere Hoffnung anhand der Schrift angehen müssen:
- Wie können wir überhaupt etwas über alle diese Dinge wissen?
Die Kirche von England sagt: In der Schrift, der Tradition und der Vernunft. Und zwar in einer angemessenen Mischung. „Ich behaupte, dass ein guter Anteil unserer gegenwärtigen Ansicht vom Tod und dem Leben nach dem Tod aus keiner dieser Quellen stammt, sondern aus kulturellen Impulsen, die bestenfalls halbchristliche informelle Traditionen erzeugt haben.“ (S. 53) - Haben wir unsterbliche Seelen, und wenn ja, was sind diese?
- Jesu eigene Auferstehung muss den Ausgangspunkt allen christlichen Denkens zum Thema der Hoffnung bilden.
Dazu müssen wir zweitausend Jahre in der Geschichte zurückgehen.
Die frühchristliche Hoffnung in ihrem historischen Kontext
Die Auferstehung Jesus ist im Neuen Testament in den Evangelien und den Briefen beschrieben. Allerdings mit gewissen Abweichungen. Wären die Berichte Wort für Wort exakt gleich, würde man sagen, dass die eine Quelle nur von der anderen abgeschrieben hat. Nun haben wir es aber mit Berichten von Augenzeugen zu tun, die von einander abweichen. Das ist vielleicht für jemanden ein Problem, der eine wörtliche Inspiration vertritt (Siehe Video Der Kanon des Neuen Testaments – Teil 9: Inspiration). Aber ist das so ungewöhnlich? Das selbe kann man auch heute bei Berichten von Augenzeugen feststellen. Aber nur in den seltensten Fällen würde man daraus schlußfolgern, dass das beschriebene Ereignis nie stattgefunden hat. Aber warum war dann der Bericht der Jünger Jesu so spektakulär?
Auferstehung und das Leben nach dem Tod im antiken Heidentum und Judentum
Tom Wright fasst es so zusammen:
Die antike Welt – mit Ausnahme der Juden – bestand darauf, dass Tote nicht auferstehen; und Juden glaubten nicht, dass irgendjemand bereits auferstanden war oder dass das irgendjemand aus eigener Kraft vor der Aufersthung der Toten tun würde.
Was die antike heidnische Welt angeht, so war der Weg in die Unterwelt eine Einbahnstraße. Der Tod war allmächtig; man konnte ihm nicht entkommen und man konnte seine Macht nicht brechen, wenn er eingetreten war. Die antike heidnische Welt unterteilte sich daher grob in diejenigen, die wie Homers Schatten gerne einen neue Körper gehabt hätten, aber wussten, dass sie keinen erhalten würden, und diejenigen, die wie Platos Philosophen keinen Körper haben wollten, weil eine unkörperliche Seele weitaus besser war.
Innerhalb dieser Welt wurde niemals das Wort Auferstehung in seinen griechischen, lateinischen oder anderen Äquivalenten benutzt, um das Leben nach dem Tod zu bezeichnen. Der Begriff Auferstehung wurde benutzt, um neue körperliches Leben zu bezeichnen, und zwar nach einem Leben nach dem Tod, wie immer man sich das auch vorstellte.
Inhaltlich verwies Auferstehung spezifisch auf etwas, das mit dem Körper geschah; daher die späteren Debatten darüber, wie Gott eine Auferstehung bewerkstelligen würde – ob er mit den vorhandenen Knochen arbeiten würde oder neue Knochen erschaffen würde etc. Derartige Debatten konnte es nur geben, wenn ziemlich klar war, dass am Ende etwas Handfestes und Physisches stehen würde.
N. T. Wright, Von Hoffnung überrascht, S. 60, 61
Nach Markus 6:14-16 und den Parallelstellen „wird von Herodes dem Großen berichtet, dass er dachte, Jesus könnte Johannes der Täufer sein, der von den Toten auferstanden sei – er dachte jedoch nicht, es handele sich dabei um ein Gespenst.“
„Als die ersten Christen sagten, Jesus sei von den Toten auferstanden, wussten sie, dass sie sagten, es sei etwas mit ihm geschehen, das noch mit niemand anderem geschehen war und das man auch überhaupt nicht erwartet hatte. Sie sprachen nicht davon, dass Jesu Seele in die himmlische Glückseligkeit eingegangen sei.“ (S. 63)
Wie sah es in der jüdischen Welt aus? Einige Juden – wie die Sadduzäer – „stimmten den Heiden zu, die jegliches Leben nach dem Tod leugneten, besonders ein körperliches Leben nach dem Tod. Andere stimmten den Heiden zu, die an eine herrliche, wenn auch unkörperliche Zukunft der Seele dachten. Hier ist der Philosoph Philo das offensichtliche Beispiel. Aber die meisten Juden jener Zeit glaubten an die letztendliche Auferstehung der Toten – also daran, dass Gott sich nach dem Tod um die Seele kümmern würde, bis er am Jüngsten Tag seinem Volk neue Körper geben würde, wenn er die ganze Welt richtet und neu macht.“ Johannes 11:24 „Ich weiß, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung am Jüngsten Tage“. (S. 63)
Aber sprach Jesus nicht in Markus 12:18-27, Matthäus 22:23-33 und Lukas 20:27-40 davon, dass wir in der Auferstehung Engel werden? Auch hier muss man die Texte genau lesen (am besten in den Ursprachen): Er sagte, wie (Matthäus, Markus) oder gleich (Lukas) Engel sein. Und das war eine Diskussion mit den Sadduzäern, welche eine Auferstehung komplett leugneten.
„Abgesehen von dieser Diskussion erscheint der mehr oder weniger einzige Verweis auf die „Auferstehung“ als Ganzes innerhalb der Evangelien in Matthäus 13:43“. Und er zitiert damit Daniel 12:3 und damit die übliche Auffassung in der jüdischen Welt.
Und was ist mit dem vereinzelten Bezug in Johannes 5:28, 29?
Ihr müsst euch darüber nicht wundern, denn es wird die Stunde kommen, in der alle Toten in den Gräbern seine Stimme hören und herauskommen werden. Für die, die das Gute getan haben, ist es die Auferstehung ins Leben, und für die, die das Böse getan haben, die Auferstehung ins Gericht.
Johannes 5:28,29 NEÜ
Dazu schreibt Tom Wright: „Bis hierher bleibt er genau auf der Landkarte des jüdischen Glaubens im ersten Jahrhundert. Im Unterschied zu seiner Neudefinition des Königreiches und der Messianität scheint er zur Frage der Auferstehung wenig oder gar nichts Neues zu sagen gehabt zu haben. Außer dass er dann anfängt, seinen Nachfolgern zu sagen, dass er selbst getötet und dann drei Tage später wieder auferwecket werden wird. …. Aber die Evangelien bestehen immer wieder darauf, dass die Jünger einfach nicht verstehen konnten, was Jesus sagte.“ (S. 65) Sie diskutierten untereinander etwas verwirrt, was dieses „Auferstehen von den Toten“ bedeuten könnte (Markus 9:10; interessanterweise nur bei Markus berichtet)
Das lag nicht daran, dass diese Jünger einfach ihre Bibel zu wenig kannten oder gar etwas begriffsstutzig waren. Die Auferstehung eines einzelnen Menschen vor ‚jener Stunde‘ war schlichtweg jenseits ihrer Vorstellung.
So war für sie die Kreuzigung Jesus das Ende all ihrer Hoffnung. „Niemand dachte im Traum daran, zu sagen: „Ach, das ist schon okay – er wird in ein paar Tagen zurück sein.“ Oder: „Nun gut, er ist jetzt wenigstens im Himmel bei Gott.“ Gemäß Lukas 24:21 dachten sie so: „Wir hatten gehofft, er sei derjenige, der Israel erlösen würde“. Mit anderen Worten: „Die Kreuzigung bedeutete, dass das Königreich nicht gekommen war, nicht, dass es gekommen war. Die Kreuzigung eines „Möchtegern-Messias“ bedeutete, dass er nicht der Messias war, nicht dass er es war. Als Jesus gekreuzigt wurde, wusste jeder einzelne Jünger, was das bedeutete: Wir haben aufs falsche Pferd gesetzt. Das Spiel ist aus.“
Das ist also der Kontext, in dem die frühchristliche Hoffnung verkündet wurde. Wenn wir dies im Sinn behalten, verstehen wir viel besser den überraschen Charakter der frühchristlichen Hoffnung, den wir im nächsten Teil betrachten wollen.


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