Von Christian / Carmen Joy Imes
In dieser Serie befassen wir uns mit Gedanken aus dem Buch Bearing God’s Name – Why Sinai still matters (Gottes Namen tragen – warum der Sinai noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.
Im zweiten Teil sprachen wir darüber, was sich am Sinai geändert hat. Die Hebräer wurden Gottes „persönliches Eigentum“, „sein geschätzter Besitz“. Aus der Verwandtschaft des hebräischen Worts segullha mit anderen Sprachen jener Zeit zeigt sich allerdings, dass dieser auch auf jemanden angewandt wurde, der in einem besonderen Beziehung zum König steht. “Sie haben eine Rolle, die ihrem Status entspricht. Ihr Status ist es, ein besonderer Schatz zu sein. Ihre Rolle ist es, eine priesterliche und heilige Gemeinschaft inmitten der Völker zu sein.” (J. T. Wright, aus Carmen Imes Buch).
Das kommt auch in den ‚10 Geboten‘ zum Ausdruck, die in der Torah als ‚10 Wörter‘ bezeichnet werden und die eher Unterweisungen als Gesetze im heutigen Sinne sind. Schon die ersten beiden ‚Worte‘ zeigen, was die Aufgabe der Hebräer war: 1. Bete nur Jahwe an. 2. Vertritt ihn gut. Wer die Hebräer kennenlernt, soll Gott kennenlernen. So würden sie den Namen Jahwes unter die Völker tragen.
Und nun?
Mit ‚dem Gesetz‘ ist nicht alles gesagt. Sie brauchen weitere, fortwährende Anleitung von Jahwe:
Pass auf! Ich werde einen Engel vor dir her schicken, der dich unterwegs behütet und dich an den Ort bringt, den ich für dich bestimmt habe. Hüte dich vor ihm, und hör auf das, was er sagt! Lehn dich nicht gegen ihn auf! Er würde euch das nicht vergeben, denn mein Name ist in ihm.
2. Mose 23:20,21 NEÜ
Vermutlich möchtest du jetzt gerne erfahren, was es mit diesem Engel auf sich hat. Aber nach dieser Passage wird nur sehr wenig über ihn gesagt. Aber das ist ja auch nicht das Wichtige in dieser Passage. Yahwe sorgt für sein segullha.
Wird deswegen das Gesetz in 5. Mose wiederholt? Ein Grund war bestimmt, dass 40 Jahre vergangen waren und eine andere Generation lebte als am Sinai. Interessant ist aber auch, dass die Struktur von 5. Mose einige Gemeinsamkeiten mit antiken Abkommen hat. Zum Beispiel zwischen dem Groß-König und den Vasallen-Königen. Das Abkommen, der Bund, zwischen Jahwe und den Hebräern wird nocheinmal bestätigt.
Das ist schon deswegen interessant, weil der Bund von den Hebräern schon gebrochen wurde, kaum nachdem sie zugestimmt hatten, alles zu halten: Moses war mit den beiden Steintafeln noch nicht vom Berg herunter, verstießen sie gegen das erste Gebot und machten ein goldenes Kalb. Das Moses die Steintafeln des Bündnisses zerschmetterte war ein deutchliches Zeichen dafür, dass der Bund gebrochen worden war.
War Jahwe jetzt völlig überrascht, dass die Hebräer sich so bald nicht mehr an ihre Worte hielten?
Anschließend nahm er die Schriftrolle mit dem Bundesgesetz in die Hand und las alles dem Volk vor. Es erwiderte: „Alles, was Jahwe gesagt hat, wollen wir gehorsam tun.“
2. Mose 24:7 NEÜ
Hat Jahwe jetzt gerecht aber hart die Strafe vollzogen, die auf den Bruch des Bündnisses stand? So haben es damalige Groß-Könige gemacht. Und er wäre gemäß 2. Mose 32 auch bereit dazu gewesen. So stellen sich auch viele den ‚Gott des Alten Testaments‘ vor. Tatsächlich haben wir aber zwischen Kapitel 24 und 32 einige Kapitel übersprungen, die etwas anderes zeigen: Gnade!
Gnade? Zwischen 2. Mose 24 vor 2. Mose 32 sind 7 Kapitel, die einmal mehr Yahwes Gnade im ‚Gesetz‘, im Bündnis mit den Hebräern zeigen. Diese enthalten detailierte Pläne für das Heiligtum. Gottes erste Reaktion auf die Zustimmung der Hebräer waren also 7 Kapitel mit den Anweisungen für sein Heiligtum, das Mittel, mit denen sie Vergebung erlangen können, wenn sie das Bündniss brechen. Das ist Gnade.
Und das ist noch nicht alles: 3. Mose 1-7 enthält die Anweisungen für Priester. Anstrengend zu lesen, wenn du keiner bist. Doch übersehen wir nicht den immer wieder wiederholten Refrain: „und es wird … vergeben werden“.
Noch ein Nebengedanke: Das Bündnis Jahwes mit den Hebräern, das Gesetz, zeichnet sich also durch Gnade aus. Ein großer Teil der Bestimmungen dreht sich darum, wie vergeben werden kann. Keiner ist ausgenommen. Die Bestimmungen sind für jeden im Volk bis zum Hohepriester selbst. Wie sollte man also auf die Idee kommen, dass man ohne dies aber durch seine eigenen Werke vor Jahwe gerecht stehen würde? Und wenn die Hebräer das nicht dachten, worüber diskutiert Paulus dann? Das hatten wir in der vorherigen Serie „Die neue Sicht auf Paulus“ betrachtet.
Waren die Hebräer nun schon bereit für das verheißene Land?
Fertig zum Aufbrechen
Moses selbst war da anderer Meinung:
Mose sagte zu Jahwe: „Du befiehlst mir, dieses Volk in sein Land zu führen, aber du hast mir nicht offenbart, wen du mitschicken wirst. Dabei hast du mir doch gesagt, dass du mich mit Namen kennst und mir deine Gunst geschenkt hast. Wenn ich also wirklich deine Gunst genieße, dann lass mich doch erkennen, was du vorhast. Ich möchte dich besser verstehen und auch weiter in deiner Gunst bleiben. Und denk bitte daran: Diese Nation ist dein Volk!“ Jahwe erwiderte: „Wenn ich mitgehe, würde dich das dann beruhigen?“ Mose entgegnete: „Wenn du nicht mitgehst, dann bring uns lieber nicht von hier weg! Woran soll man denn sonst erkennen, dass wir in deiner Gnade stehen, ich und dein Volk? Doch nur daran, dass du mit uns ziehst und uns dadurch vor allen anderen Völkern der Welt auszeichnest, mich und dein Volk!“ Jahwe erwiderte: „Auch diese Bitte werde ich dir erfüllen, denn du stehst in meiner Gunst und ich kenne dich genau!“
2. Mose 33:12-17 NEÜ
Mose hatte die Lektion verinnerlicht: Ohne Jahwe waren sie nichts. „Alles, was sie waren, verdankten sie dem, was er war. Das Gleiche gilt für dich und mich. Das Wichtigste ist, zu wem wir gehören.“
Was fehlte den Hebräern noch? 4. Mose (Numeri). Es beginnt mit der Anweisung Jahews, das Volk zu zählen. Dann kommt die Ordnung des Lagers Israels usw. … Kaum jemand liest 4. Mose. Aber vergessen wir nicht: Diese Buch wurde nicht für uns geschrieben, sondern für sie!
Gottes Vision nimmt auf den Seiten von 4. Mose (Numeri) konkrete Gestalt an. Sie ist praktisch. Für Menschen, die bisher nur ein Leben als Sklaven kannten und wenig Übung in Selbstbestimmung hatten, begegnet Gott ihnen dort, wo sie sind, und macht ihre Aufgabe ganz einfach. Folgt mir. Zelte hier. Esst das. Stellt euch in dieser Reihenfolge auf.
Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)
Die Aufzählung hat noch eine ganz andere Wirkung. Die Hebräer waren einfach nur Sklaven. Der Namen der herrschenden Familien Ägyptens wurde gedacht. Jetzt ist es aber ganz anders. Es ist, also ob Jahwe ihnen sagt: Ihr gehört nich mehr Pharao. Ihr gehört mir. Ihr seid nicht bedeutungslos. Eurer Familien wird von nun an als Anfang einer neuen Nation gedacht werden.
Was fehlt ihnen noch? Der priesterliche Segen Jahwes.
Jahwe befahl Mose, Aaron und seinen Söhnen zu sagen: „So sollt ihr die Israeliten segnen. Sagt: Jahwe segne dich / und behüte dich! Jahwe lasse sein Angesicht leuchten über dir / und sei dir gnädig! Jahwe wende dir sein Angesicht zu / und gebe dir Frieden! So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen.“
4. Mose 6: 22-27 NEÜ
Indem er sie mit seinem Namen segnet, legt er seinen Namen ganz bewusst auf sein Volk. Jahwe hatte sie bereits am Sinai als sein Volk anerkannt. Jetzt segnet er sie offiziell, um sie regelmäßig daran zu erinnern. Von diesem Moment an sind sie als sein Volk identifiziert.
Es ist der deutlichste Hinweis in der Heiligen Schrift, dass Jahwe seinen Namen auf sein Volk legt.
Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)
Nebenbei bemerkt, wird in der Zählung in 4. Mose des hebräische Wort eleph verwendet, dass meist mit ‚Tausend‘ übersetzt wird. Nur dass im hebräischen Text keine Zahlen stehen, wie wir sie kennen. Die sich daraus ergebende große Anzahl Hebräer von über 2 Millionen stimmt aber weder mit der Archäologie, den Platzverhältnissen auf ihrer Reise und vor allem mit der Bibel selbst überein. In 4. Mose 3:43 wird die Gesamtzahl der Erstgeborenen mit nur 22.273 angegeben. Das ergibt ein Verhältnis von 1:50 und jede israelische Mutter hätte durchschnittlich 100 Kinder haben müssen. Das Wort eleph wird an anderer Stelle auch nicht mit 1000 sondern ‚Clan‘ oder militärischer Einheit wiedergegeben. Eine Anzahl von etwa 10 Männern pro eleph stimmt mit anderen Angaben in 4. Mose und historischen Quellen überein. Damit kommt man auf vielleicht etwa 22.000 Männer, Frauen und Kinder.
Immer noch eine stattliche Menge. Und mehr als genug für den Grundstock dieser neuen Nation Jahwes. Unter seiner Führung und mit seinem Segen würden sie weiter wachsen. Und damit sie all das, was wir bisher besprochen haben, nicht vergessen, hat Jahwe einen spektakulären Plan: Jedes Jahr sollen die Israeliten einen Tag dafür reservieren, der letzten Nacht in Ägypten zu gedenken. Das ist für Jahwe so wichtig, dass jeder, der das nicht mit feiern konnte, dies im folgenden Monat tun soll.
Indem sie sich so immer wieder an all die Geschehnisse erinnern und was Jahwe für sie getan hat, wird ihnen eines eingeprägt: Sie tragen Jahwes Namen.


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