Warum ist Weihnachten am 25. Dezember? Nicht was du denkst (oder Jehovas Zeugen) – Teil 2

Von Christian / Dr. Michael Heiser / Dr. Andrew M. Henry / Dr. Tom Schmidt


Im ersten Teil dieses Videos habe ich gezeigt, wie Jehovas Zeugen noch heute über Weihnachten denken und warum diese Argumente ziemlich schwach sind. Offen blieb, ob deren Aussagen zur Herkunft von Weihnachten und zum Datum dem 25. Dezember mit dem aktuellen Stand Forschung und den historischen Fakten übereinstimmen. Dazu habe ich dieses Gespräche von Dr. Andrew M. Henry und Dr. Tom Schmidt übersetzt:

Am Ende habe ich die ausführliche Analyse von Dr. Heiser angehängt. In Englisch und in einer automatischen deutschen Übersetzung. Das is das Transkript eines Podcast von Dr. Heiser, das auch etwa eine Stunde geht. Da gibt es noch mehr Details.

Weihnachten, das Datum 25. Dezember und die historischen Fakten

Hier nun die Übersetzung des Gesprächs von:

Dr. Andrew M. Henry
Dr. Tom Schmidt

Dr. Andrew M. Henry

Warum ist Weihnachten am 25. Dezember? In der Bibel steht kein Datum, und jedes Jahr hört man in den sozialen Medien Theorien, dass es der Geburtstag des Sonnengottes Sol Invictus oder Mithras war. Aber die wahre Geschichte ist ehrlich gesagt viel spannender. Bei mir ist Dr. Tom Schmidt, ein in Yale ausgebildeter Wissenschaftler für frühes Christentum und das Neue Testament, der Forschungen über die Ursprünge von Weihnachten veröffentlicht hat. Wir werden alle Beweise durchgehen, den römischen Sonnengott, die Wintersonnenwende und eine faszinierende griechische Inschrift, die in eine Statue des Bischofs Hippolyt gemeißelt ist und hilft zu erklären, warum der 25. Dezember Sinn ergibt. Also, fangen wir an.

Statue des Hippolyt von Rom mit der seitlichen Inschrift

Dr. Andrew M. Henry

Okay, ich bin hier mit Dr. Tom Schmidt. Willkommen in der Sendung.

Dr. Tom Schmidt

Andrew, es ist toll, wieder hier zu sein.

Dr. Andrew M. Henry

Es ist wieder die Zeit, über das Datum von Weihnachten zu reden. Und du hast einen relativ neuen Artikel dazu. Ich sag relativ neu, weil er, glaube ich, aus dem Jahr 2015 ist. In der Welt der Wissenschaft ist das also ein neuer Artikel über das Datum von Weihnachten. Der 25. Dezember. Warum ist es der 25. Dezember? Ich habe bereits zuvor in diesem Kanal darüber gesprochen, über die These der Religionsgeschichte und die These der Berechnung. Ich möchte, dass wir den Zuschauern alle Argumente dafür näherbringen, warum wir glauben, dass sich die frühen Christen weitgehend auf den 25. Dezember geeinigt haben. Und wir können auch darauf eingehen, warum ich hier das Wort „weitgehend” verwende. Beginnen wir vielleicht dort, wo du es für am sinnvollsten hältst.

Dr. Tom Schmidt

Ich denke, es macht vielleicht am meisten Sinn, mit den sichereren Daten zu beginnen, die wir haben, denn bei so vielen historischen Untersuchungen gibt es vieles, was unklar und vage ist. Vielleicht fangen wir also mit dem an, was klar ist und worüber sich alle einig sind, und gehen dann von dort aus weiter. Worin alle sich einig sind, ist, dass Johannes Chrysostomos, eine sehr berühmte christliche Persönlichkeit, im Jahr 386 n. Chr war. Im Jahr 386 n. Chr. ist er Bischof von Antiochia und hält eine Weihnachtspredigt, die uns überliefert ist, und zwar am 25. Dezember. Darin sagt er: „Leute, dieses Datum ist neu für uns. Wir feiern dieses Datum erst seit weniger als 10 Jahren“, sagt er. Das bringt uns zurück ins Jahr 376. Und er sagt, dass sich dieses Datum gerade im ganzen Römischen Reich verbreitet. Und wir wissen, dass er damit Recht hat, weil wir noch andere Weihnachtspredigten von berühmten Leuten aus ungefähr derselben Zeit haben. Und dann sagt Johannes was echt Interessantes. Er sagt: „Aber wir haben dieses Datum von der Kirche in Rom gelernt, und die feiern es schon seit langer Zeit an diesem Tag.“ Er sagt das mehrmals. So wissen wir, dass im Osten, in Antiochia, im römischen Osten, Weihnachten in den 370er und 380er Jahren gefeiert wurde, und dass es damals neu war, und dass sie von denen in Rom übernommen hatten, und die in Rom feierten es sogar noch früher. Interessanterweise war zur gleichen Zeit, in den 360er Jahren, der Kaiser von Rom, Julian der Abtrünnige, ein Christ, der dann zum Heidentum, zum griechisch-römischen Heidentum, zurückkehrte. Deshalb wird er Julian der Abtrünnige genannt. Er schreibt eine Hymne an den Sonnengott, den Gott der Sonne. Und er erwähnt, dass es am 25. Dezember ein großes, wichtiges Fest zu Ehren des Sonnengottes gibt. Da stellt sich die Frage: Was ist hier los? Wurde Weihnachten gewählt, weil es mit dem Fest des Sonnengottes und in einigen Quellen mit der Geburt des Sonnengottes zusammenfiel? Oder war es einfach Zufall, dass diese Daten zufällig übereinstimmten? Oder ist das Gegenteil der Fall, dass Julian in seinem Bestreben, das griechisch-römische Heidentum wiederzubeleben, das in so schwere Zeiten geraten war, dass einige heidnische Priester beschlossen, die Weihnachtsfeierlichkeiten zu übernehmen? Das ist die große Frage.

Dr. Andrew M. Henry

Ich wusste echt nichts von diesem Zitat von Johannes Chrysostomos. Ich bin ein großer Fan von Johannes Chrysostomos. Ich beschäftige mich mit frühchristlicher Magie, und in seinen Predigten beschwert er sich oft über Magie. Die Leute in seiner Gemeinde benutzten Amulette und solche Sachen. Aber wir reden hier von den 370er, 380er Jahren, also ziemlich spät. Wir sind, weißt du, ein halbes Jahrhundert nach Konstantin, 350 Jahre nach Jesus. Und Johannes sagt so etwas wie: „Oh wow, das ist unser neues Datum, der 25. Dezember.“ Aber das sagt uns auch etwas über die wilde, wilde Zeit des frühen Christentums, in der es etwas Überraschendes war, das wir heute für selbstverständlich halten: „Oh, Weihnachten ist am 25. Dezember.“ Selbst für einen bekannten Bischof in einer Großstadt wie Antiochia stand das Datum noch nicht fest.

Dr. Tom Schmidt

Genau. Ja. Und das sehen wir auch. Nicht nur Johannes erzählt uns das. Wir wissen aus vielen Quellen, dass das Datum noch nicht festgelegt war. Es dauerte lange, bis es festgelegt wurde. Es gab einige Neinsager, Leute, die dagegen argumentierten. Ein weiteres wichtiges Datum war der 6. Januar, der heute noch in der armenischen Kirche gefeiert wird. Und es gab noch andere Daten. Wenn man zurückgeht und die Aufzeichnungen durchforstet, sieht man, dass einige Leute den 28. November oder den 25. März als Datum nannten. Auch der 25. Dezember war natürlich ein Datum. Es gab also eine Vielzahl von Möglichkeiten. Und der 25. Dezember war eine davon, und diese hat sich durchgesetzt.

Dr. Andrew M. Henry

Beginnen wir also, in der Zeit zurückzugehen und versuchen, noch weiter zurückzukommen. Woher hatte Johannes diese Idee? Konzentrieren wir uns vielleicht zuerst auf den Sonnengott, da du gerade den Sonnengott erwähnt hast. Es gibt offenbar einen kleinen Hinweis darauf, dass es am 25. Dezember eine Art Sonnengottfest gab. Das führt uns zu der sogenannten Religionsgeschichtstheorie, dass es am 25. Dezember eine Art großes Fest gegeben haben muss. Ich glaube, es gibt eine etwas faule Twitter-Meme-Variante davon, die besagt: Oh, sie wollten den Feiertag stehlen oder ihn irgendwie christianisieren. Man könnte auch ein akademischeres Argument vorbringen und sagen, dass es einen Prozess der Christianisierung gab, bei dem die Leute diesen Tag schon gefeiert haben. Warum sollte man ihm dann nicht ein christliches Etikett verpassen? Und diese Theorie ist, soweit ich weiß, in den letzten Jahren nicht mehr so beliebt. Kannst du uns die These der Religionsgeschichte, Sola Invictus, Sonnengott und den aktuellen Stand der Forschung dazu erklären?

Dr. Tom Schmidt

Du hast es richtig zusammengefasst. Die These lautet in etwa, dass es in Rom, der Stadt Rom, am 25. Dezember ein Fest zu Ehren des Sonnengottes, der Geburt des Sonnengottes, gab, mit entsprechenden Spielen, Wagenrennen und ähnlichen Veranstaltungen. Das war ein großes Ereignis, das den Christen gefiel, und sie dachten sich, wir feiern die Geburt unseres Sohnes Gottes, und zwar am 25. Dezember. Das war tatsächlich lange Zeit die Meinung der meisten Gelehrten, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichte, dass also der 25. Dezember ursprünglich ein heidnischer Feiertag war, den die Kirche aus welchen Gründen auch immer übernommen hatte. Das war für sie einfach, denn wenn man das Neue und das Alte Testament liest, wird Jesus mit dem Bringen des Lichts in die Welt in Verbindung gebracht. Tatsächlich gibt es sogar eine Prophezeiung des Propheten Maleachi, der vom Sonne der Gerechtigkeit spricht, die Sonne der Gerechtigkeit wird kommen [Maleachi 3:20], was als messianische Prophezeiung Jesu angesehen wurde. Daher war es für sie einfach, das Argument vorzubringen, dass vielleicht unser Licht der Welt am 25. Dezember zu leuchten begann und es diesen anderen Feiertag einfach ersetzen würde. Das Problem dabei ist, dass wir eigentlich kaum Beweise für ein römisches Fest zu Ehren des Sonnengottes am 25. Dezember haben. Es gibt einen Grund, warum Julian der Abtrünnige unser frühester Beweis aus den 360er Jahren ist, denn wir wissen sehr viel über die römische Religion. Wir haben viele Quellen, die darüber berichten. Wir haben sogar römische religiöse Kalender, die erhalten geblieben sind, und keiner von ihnen erwähnt ein Datum für die Geburt des Sonnengottes am 25. Dezember. Das, was Julian am nächsten kommt, ist ein Manuskript namens Chronographie von 354 n. Chr. Das ist also nicht viel früher als Julian. Julian lebte in den 360er Jahren. Das hier ist in den 350er Jahren.

Dr. Andrew M. Henry

Ja, und auch nur etwa 20 Jahre vor Johannes Chrysostomos. Das ist also auch ziemlich spät. Nach Konstantin, ja.

Dr. Tom Schmidt

Und es heißt, die Geburt von Invictus sei am 25. Dezember gewesen. Aber es heißt nicht „die Sonne”. Nun wurde der Sonnengott oft Sol Invictus genannt, die unbesiegte Sonne. Invictus bedeutet „unbesiegt”. Die meisten Gelehrten haben diese Passage so verstanden, dass sie sich auf die Geburt des Sonnengottes am 25. Dezember bezieht. Aber so oder so, ich meine, das bringt uns nur zurück in die 350er, 330er Jahre. Die meisten Gelehrten denken also, dass es hier darum geht, dass Kaiser Aurelian in den 270er Jahren ein Verehrer des Sonnengottes war. Er hat 274 n. Chr. in Rom einen Sonnentempel gebaut. Und es gibt ein paar gute, wenn auch nur indirekte, Gründe zu glauben, dass er 274 n. Chr. ein Fest zu Ehren des Sonnengottes eingeführt hat, das am 25. Dezember gefeiert wurde. Und selbst mit diesem Datum kann man immer noch das religionsgeschichtliche Argument anführen, dass dieses Fest dann sehr populär wurde und die Kirche es in gewisser Weise nutzte oder übernahm oder was auch immer. Das bringt uns jedoch zu einer alternativen Theorie, der Berechnungstheorie.

Dr. Andrew M. Henry

Ja, und bevor wir uns damit beschäftigen, möchte ich die Religionstheorie erläutern. Das ist nur fair. Ich glaube, ich war etwas leichtfertig, nur weil es sich um Memes handelt, die jedes Jahr auftauchen. TikTok ist voll von Leuten, die sagen, das Christentum würde dies und das von den Heiden stehlen. Und ich beschäftige mich mit Synkretismus. Ich verstehe also, dass das Christentum, das Judentum und alle Religionen ihre Religionen aus der verfügbaren Kultur heraus aufbauen. Ich glaube, es war Gregor, ein westlicher Bischof aus dem 7. Jahrhundert, der ganz offen sagte: Lasst uns die Tempel christianisieren, lasst uns die Feiertage christianisieren. Es gibt tatsächlich einen Bischof, der das gesagt hat. Aber wenn es um Sol geht, das war erst später Gregor. Ich habe ein Video über Sol Invictus gemacht, daher glaube ich, dass ich mich mit diesem Thema gut auskenne. Nach meinem Verständnis war Sol in den frühen Jahrhunderten der Römischen Republik und dann im frühen Römischen Reich ein relativ unbedeutender Gott. Und dann hatte Aurelian wirklich seinen großen Moment, von 270 bis in die 300er Jahre. Konstantin selbst war offenbar ein Fan des Sonnengottes. Also, um das, was du gesagt hast, noch mal zu wiederholen: Das Argument ist, dass das Sonnengottfest am 25. Dezember nicht besonders alt zu sein scheint, sondern wohl aus dem späten 3. Jahrhundert stammt und auf keinen Fall ein wichtiger Feiertag war, so wichtig, dass Christen überall, christliche Autoritäten überall, gesagt hätten: Ach du meine Güte, wir müssen das so schnell wie möglich christianisieren. Auch, um diese Heiden in die Schranken zu weisen. Es kann nicht als Bedrohung angesehen worden sein, weil es einfach keine war, es war neu und nicht besonders bedeutend.

Dr. Tom Schmidt

Ich stimme zu. Ein weiterer Punkt ist einfach, dass wir alle Menschen sind, auf dieser Erde leben und alle die Sonne und den Mond beobachten. Vor dem Internet und vor dem Fernsehen haben wir das ständig gemacht. Wir wissen genau, wie die Muster und Phasen von Mond und Sonne ablaufen und dass die Sonne auf der Nordhalbkugel im Sommer länger scheint und höher am Himmel steht und im Winter das Gegenteil passiert. Und es ist eine natürliche menschliche Reaktion, zu erkennen, wann die Wintersonnenwende stattfindet und dass die Sonne jetzt länger scheint. Das sehen wir in allen Kulturen. Wir sehen es in der jüdischen Kultur. Wir sehen es in der christlichen Kultur. Wir sehen es im Grunde in jeder Kultur, von der wir Kenntnis haben. Ein weiterer Faktor, der die Sache kompliziert macht, ist also, dass es sehr gut möglich ist, dass Menschen dasselbe beobachten und diese Daten unabhängig voneinander parallel markieren. Und wir wissen, dass zum Beispiel die Juden das gemacht haben. Die Tagundnachtgleiche im Frühling war für die Juden wichtig. Sie war auch für die Christen wichtig. Und wenn die Tagundnachtgleiche im Frühling wichtig ist, dann sind auch die Sonnenwenden und die Tagundnachtgleiche im Herbst wichtig.

Dr. Andrew M. Henry

Ja, das ist ein wirklich guter Punkt. Und ich denke, Len erklärt irgendwie, warum die Theorie der Religionsgeschichte so beliebt war, denn die Sonnenwende und die Tagundnachtgleiche scheinen hier Teil der Geschichte zu sein. Also ist das Argument zur Widerlegung der These der Religionsgeschichte etwas nuanciert. Wir müssen sagen: Ja, die Sonnenwende hatte etwas damit zu tun. Nein, Sol Invictus hatte wahrscheinlich nichts damit zu tun. Es ist also differenziert. Da wir jetzt über Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen sprechen, ist es meiner Meinung nach ein guter Zeitpunkt, uns mit der Berechnungstheorie zu befassen, für die wir meiner Meinung nach einige Grundlagen schaffen müssen, um dieses Argument zu verstehen.

Dr. Tom Schmidt

Ja, die Berechnungstheorie führt uns in eine ganz andere Gedankenwelt. Es ist die Welt der antiken christlichen Chronisten. Das sind antike Christen, die versuchen herauszufinden, wann biblische Ereignisse stattfanden, wie die Kreuzigung Jesu, die Auferstehung Jesu, andere Ereignisse in der biblischen Vergangenheit und natürlich die Geburt Jesu. Wir sehen, dass dies im 2. und 3. Jahrhundert begann, als Christen damit begannen. Und um die wichtigsten Daten im christlichen Kalender zu ermitteln, nämlich die Kreuzigung und Auferstehung Jesu, muss man das Passahfest bestimmen können. Das Passahfest ist ein jüdischer Feiertag und ein Mondfest. Es richtet sich nach den Mondphasen. Und laut biblischen Anweisungen und jüdischen talmudischen Dokumenten soll man das Passahfest am ersten Vollmond nach der Tagundnachtgleiche feiern. Das bringt zwei Probleme für Chronographen mit sich. Das erste ist: Wann ist die Tagundnachtgleiche? Das ist echt schwierig. Wir könnten natürlich einfach raten und sagen, dass es Ende März ist, aber es ist echt schwierig, genau zu bestimmen, wann die Tagundnachtgleiche ist. Und dann ist da noch das Passahfest, das jedes Jahr stattfindet. Es ist einfach, nach draußen zu gehen, in den Himmel zu schauen und zu sehen, ob Vollmond ist oder nicht. Aber es ist echt schwierig, vorherzusagen, wann in der Vergangenheit Vollmond war. Technisch ist das möglich, aber es ist echt schwer, weil sich der Mond ein bisschen bewegt und unregelmäßig ist und sich über den gesamten Sonnenkalender erstreckt. Wenn man also verfolgt, wann jedes Jahr das Passahfest oder Ostern stattfindet, merkt man, dass sich diese Daten im Kalender verschieben und manchmal einen Monat auseinander liegen. Das ist wichtig, denn um die Kreuzigung Jesu zu bestimmen, muss man all diese Dinge wissen. Sonst landet man bei dem falschen Datum. Um den Kreis zur Geburt Jesu zu schließen: Es stellt sich heraus, dass die frühen Christen aus verschiedenen Gründen glaubten, Jesus sei am Passahfest gezeugt worden. Sie glaubten also, dass er am Passahfest verhaftet und gekreuzigt wurde. Sie glaubten auch, dass er am Passahfest gezeugt wurde. Und wenn man weiß, wann jemand gezeugt wurde, kann man natürlich zumindest grob schätzen, wann er geboren wurde.

Dr. Andrew M. Henry

Ja. Gehen wir also ein bisschen zurück. Stellen wir uns vor, es sind die ersten Jahrhunderte des Christentums. Es gibt diese extrem gelehrten, extrem klugen frühen christlichen Theologen, die sich auf die Mission begeben, die wichtigsten Meilensteine im Leben Jesu zu berechnen. Die Evangelien liefern uns viele Daten zu vielen Dingen. Sie erwähnen jedoch nicht sehr oft Zeiten und Daten. Sie erwähnen nicht, wann Jesus geboren wurde, aber wir erhalten einige Details darüber, wann er gekreuzigt wurde, nämlich um die Zeit des Passahfestes. Das Passahfest ändert sich von Jahr zu Jahr aufgrund der Mondphasen. Es verschiebt sich also zwischen April und März. Das stellt ein Problem für diese Chronographen dar, sagen wir mal 200 n. Chr., 300 n. Chr., sie sind Hunderte, Hunderte von Jahren nach der Kreuzigung Jesu. Also versuchen sie, das Datum zurückzurechnen. Sie rechnen buchstäblich Jahrhunderte zurück. Wann war Vollmond? Irgendwann um 30 n. Chr., als Jesus ihrer Meinung nach gekreuzigt wurde. Das ist also das Problem, das sie hier zu lösen versuchen, richtig?

Dr. Tom Schmidt

Ja, und das Problem wird noch komplizierter, weil Jesus laut den Evangelien an einem Freitag gekreuzigt wurde. Der Vollmond muss also auch mit einem Wochentag übereinstimmen, was die Sache noch komplizierter macht.

Dr. Andrew M. Henry

Ja. Ich meine, Hut ab vor ihnen, dass sie es versuchen, aber man sieht das Problem, das sie hier haben. Es ist ein kalendarisches Problem. Es ist ein astronomisches Problem. Sie versuchen, die Mondphasen anhand der Daten zu berechnen. Das ist also die Aufgabe, die vor ihnen liegt. Kommen wir nun zu dem, was du kurz angedeutet hast, nämlich was das mit der Geburt Jesu zu tun hat. Wir reden hier viel über die Kreuzigung Jesu. Warum hat die Geburt Jesu etwas damit zu tun? Und du hast erwähnt, dass sie glauben, dass die Empfängnis Jesu etwa im März oder zur gleichen Zeit wie das Passahfest stattfand, zu der er gekreuzigt wurde.

Dr. Tom Schmidt

Die frühen Christen, insgesamt gesehen, es ist nicht ganz einheitlich, aber es ist eine Mehrheitsmeinung, fast einheitlich. Sie scheinen geglaubt zu haben, dass Jesus entweder zu Passah oder zur Frühlings-Tagundnachtgleiche oder zu beiden Terminen gezeugt wurde, weil diese Daten gelegentlich zusammenfallen. Und warum sie das glauben, ist eine andere Frage. Sie nennen dafür verschiedene Gründe, auf die wir eingehen könnten. Einer davon ist, dass ihnen die Vorstellung gefiel, dass das Leben Jesu mit dem Zeitpunkt übereinstimmte, an dem Gott ihrer Meinung nach das Universum erschuf. Es gibt einen weiteren allgemeinen Glauben, dass Gott das Universum zur Tagundnachtgleiche erschuf. Wenn man davon ausgeht, dass Gott alles auf einmal ins Leben gerufen hat, muss man einen Tag auswählen, an dem dies geschehen ist. Nicht alle Christen glaubten, dass Gott das Universum auf diese Weise erschaffen hat, aber einige von ihnen, einige antike Christen, taten dies. Und wenn man einen Tag auswählt, muss man auch eine Mondphase auswählen. Man muss einen Tag auswählen. Und natürlich haben sie sich verschiedene Optionen angesehen und dachten, dass die Tagundnachtgleiche im Frühling die beste ist, weil sie ein perfektes Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen allem, darstellt. Und dann passt es einfach. Es passt einfach.

Dr. Andrew M. Henry

Ja. Kosmische, kosmische Perfektion für den Retter des Universums. Also lass uns ein paar Namen dafür finden. Lass uns ein paar harte Fakten sammeln. Wir haben erwähnt, dass die frühen Christen dies und das sagen. Haben wir irgendwelche konkreten Zitate oder frühe christliche Theologen, die genau das über die Empfängnis sagen? Am Passahfest, zur Frühlings-Tagundnachtgleiche.

Dr. Tom Schmidt

Ja, genau. Unsere früheste Quelle dafür ist ein apokrypher Text, das Kindheitsevangelium des Jakobus und das Protoevangelium des Jakobus, die darauf hindeuten, dass die Empfängnis am Passahfest stattfand. Es ist nicht ganz eindeutig, aber es handelt sich um ein Dokument aus dem 2. Jahrhundert. Wir haben andere Aussagen von anderen Christen, die eindeutig sind. Eine davon stammt aus dem Jahr 222 n. Chr. und findet sich in einer wunderschönen christlichen Inschrift auf einer Statue einer sitzenden Figur, die heute am Eingang der Apostolischen Bibliothek in der Vatikanischen Bibliothek zu sehen ist. Für die Zuschauer, im Gegensatz zu den Zuhörern, werde ich ein Bild davon zeigen.

Dr. Andrew M. Henry

Super. Beschreib doch vielleicht für die Zuhörer, was wir hier sehen.

Statue des Hippolyt von Rom mit der seitlichen Inschrift

Dr. Tom Schmidt

Wir sehen eine wunderschöne lebensgroße Marmorstatue einer sitzenden Figur auf einem Stuhl, eigentlich einem Thron, der auf beiden Seiten der Armlehnen kleine Löwenköpfe hat. An der Seite des Throns sind lange Inschriften eingraviert. Die Inschriften sind schwer zu lesen, aber wenn man sie aus der Nähe betrachtet – ich habe diese Statue selbst gesehen –, sind sie relativ gut zu erkennen. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dieser Inschrift um einen Passahkalender handelt. Es ist ein Kalender, mit dem versucht wird, herauszufinden, wann frühere Passahfeste stattfanden, damit der Autor des Kalenders herausfinden konnte, wann bestimmte biblische Ereignisse stattfanden. Der Autor des Kalenders ist ein Mann namens Hippolyt, Hippolyt von Rom, und der Kalender stammt aus dem Jahr 222 n. Chr.

Dr. Andrew M. Henry

Ich habe das in einem meiner Videos erwähnt. Ich benutze die Analogie einer Excel-Tabelle. Man kann sich das so vorstellen, dass Hippolyt, ich meine, du bist damit besser vertraut, aber er versucht im Grunde genommen, die Mondphasen etwa 150 Jahre vor seiner Zeit zu berechnen, richtig?

Dr. Tom Schmidt

Genau. Ja. Er versucht herauszufinden, wann das Passahfest vor fast 200 Jahren stattfand. Und tatsächlich geht er sogar noch weiter zurück. Er versucht herauszufinden, wann die Passahfeste mit Moses stattfanden. Er geht also mehr als 1000 Jahre in der Zeit zurück. Um zu erklären, wie das funktioniert, zeige ich euch ein weiteres Bild. Das ist eine Transkription, die viel leichter zu lesen ist. Es ist eine Abschrift von dieser Seite des Stuhls. Es ist alles in griechischen Buchstaben. Die Griechen haben alphabetische Zeichen benutzt, um Zahlen anzuzeigen. Das ist also ein Kalender. Es ist ein ziemlich komplizierter Kalender. Für uns ist interessant, dass er versucht, vorherzusagen, wann verschiedene Passahfeste stattfinden, und wenn er auf ein Passahfest stößt, von dem der Autor Hippolyt glaubt, dass es mit einem bestimmten sehr wichtigen Ereignis in der jüdisch-christlichen Geschichte zusammenfällt, markiert er es mit einer Notiz. Wenn wir hier reinzoomen, sehen wir eine Notiz, die auf Griechisch „die Genesis oder die Genesis Christi” sagt.

Er benutzt eine Abkürzung für Christus. Das ist der Strich über der Linie, der zeigt, dass es sich um eine Abkürzung handelt. Die Genesis Christi. Mit anderen Worten, der Anfang oder das Entstehen Christi. Und er glaubt, dass dies am Passahfest 2 v. Chr. passiert ist. In unserem Kalender würden wir sagen, am Passahfest 2 v. Chr., dem 2. April. Und das ist interessant, denn was auch immer er mit Genesis meint, er glaubt, dass entweder die Geburt von Christus am Passahfest, dem 2. April, stattfand, oder es kann auch so interpretiert werden, dass die Empfängnis von Jesus am Passahfest stattfand. Es hängt alles davon ab, wie wir dieses griechische Wort interpretieren. Es ist dasselbe Wort wie im Buch Genesis, also der Anfang oder das Entstehen. In meinem Artikel zeige ich, dass in der zeitgenössischen griechischen medizinischen Literatur, die im 2. Jahrhundert geschrieben wurde, das Wort „Genesis” einer Person sich auf ihre Empfängnis bezieht. Und so scheint es, als würde Hippolyt genau das tun. Er glaubt, dass Jesus am Passahfest am 2. April gezeugt wurde. Logischerweise muss er dann geglaubt haben, dass Jesus etwa neun Monate später geboren wurde, und natürlich ist etwa neun Monate später nach dem 2. April der 25. Dezember. Wenn es genau neun Monate sind, ist es der 2. Januar.

Dr. Andrew M. Henry

Kommen wir jetzt mal zurück zu Johannes Chrysostomos. Also, zurück zum Anfang unserer Diskussion. Du hast gesagt, dass Johannes Chrysostomos in den 380er Jahren n. Chr. geschrieben hat, dass wir gerade erst angefangen haben, Weihnachten am 25. Dezember zu feiern. Das haben wir von den Christen in Rom übernommen. Wir sind also in Antiochia, das ist die heutige Türkei, ziemlich weit im Osten. Und dann erwähnt er, dass die Christen in Rom dieses Fest schon seit langer Zeit an diesem Datum feiern. Und hier haben wir Daten, vermutlich aus Rom. Hippolyt lebte also in Rom, richtig? Ab 222, das ist also ziemlich früh. Das ist lange vor Johannes Chrysostomos.

Dr. Tom Schmidt

Ja, und die Statue wurde in Rom gefunden, und Hippolyt stammte ebenfalls aus Rom. Es handelt sich also um römische Daten aus dem Jahr 222 n. Chr., wie du sagtest, wonach sie offenbar die Empfängnis Jesu feierten oder begingen. Ich muss allerdings darauf hinweisen, dass es keine Beweise dafür gibt, dass es tatsächlich kirchliche Feierlichkeiten gab. Das ist rein chronologische Spekulation, aber er glaubt, dass Jesus am Passahfest am 2. April 222 n. Chr. in Rom empfangen wurde. Das ist seine Überzeugung, das ist es, was er dokumentiert.

Dr. Andrew M. Henry

Okay, dann lass uns jetzt weitermachen, denn wir beschäftigen uns immer noch mit der Tagundnachtgleiche im Frühling. Wir sind im März, wir sind im April. Bring uns jetzt zum Dezember. Was sagt Hippolyt uns darüber, oder was sind deine Theorien darüber, was Hippolyt damals über die Geburt Jesu dachte? Wenn er glaubt, dass die Empfängnis am 2. April, an einem Passahfest, 2 v. Chr., stattfand, wann glaubte er dann, dass Jesus geboren wurde?

Dr. Tom Schmidt

Das ist natürlich die naheliegende Frage. Er hat noch ein anderes Werk geschrieben, das wir haben, und zwar einen Kommentar zu Daniel. Es ist tatsächlich der früheste vollständige christliche Kommentar zu einem Buch der Heiligen Schrift. Und wenn man das liest, sagt er, dass Jesus am 25. Dezember geboren wurde. Das Problem dabei ist, dass das nur in einigen der erhaltenen Manuskripte dieses Kommentars steht. Es gibt andere Manuskripte, die überhaupt kein Datum enthalten oder etwas anderes sagen, zum Beispiel etwas, das mit dem April zu tun hat. Es ist eine verfälschte Lesart. Das ergibt eigentlich keinen Sinn. Man kann es nicht wirklich lesen. Deshalb haben Gelehrte immer darüber diskutiert. Und was glaubte er eigentlich über die Geburt Jesu? Es ist natürlich möglich, dass er nichts gesagt hat oder dass er ein anderes Datum als den 25. Dezember genannt hat und dass ein mittelalterlicher Schreiber später etwas in der Manuskripttradition geändert hat. Die Gelehrten waren also uneinig darüber, was Hippolyt glaubte. Was mir aufgefallen ist und was ich in meinem Artikel veröffentlicht habe, ist, dass er noch ein weiteres Werk hat, in dem er chronologische Berechnungen anstellt. Er spricht über die Erschaffung der Welt und glaubt, dass diese am 25. März stattfand. Er erstellt eine ausführliche Chronologie, in der er biblische Ereignisse seit der Erschaffung, also seit dem 25. März, datiert. Und er hat eine Passage darin, in der er anscheinend sagt, dass Jesus neun Monate nach dem Jahrestag der Erschaffung der Welt geboren wurde. Und wenn er denkt, was er anscheinend tut, dass die Welt am 25. März, dem Frühlingsanfang im römischen Kalender, erschaffen wurde, dann sind neun Monate, genau neun Monate später, der 25. Dezember. Ich behaupte also, dass er meiner Meinung nach den 25. Dezember als Geburtstag Jesu gewählt hat. Aber er hat das gemacht, weil er jongliert hat, indem er herausgefunden hat, wann das Passahfest stattfand und wann die Welt erschaffen wurde. Er dachte, es sei die Tagundnachtgleiche. Das sind seine Annahmen. Mit anderen Worten, es scheint keine alte christliche Tradition zu sein, die ihm den Geburtstag Jesu überliefert hat. Es scheint auch nicht auf dem Geburtstag von Sol Invictus oder dem Sonnengott oder so was zu basieren.

Dr. Andrew M. Henry

Ja, lass uns kurz darauf zurückkommen. Wie wir schon gesagt haben, hatte Sol Invictus offenbar um 270 n. Chr. unter Kaiser Aurelian seine Blütezeit. Und dann haben wir diesen Kalender aus dem Jahr 354, in dem eine Art Fest am 25. Dezember für Invictus erwähnt wird, was nach Meinung von Wissenschaftlern eine Anspielung auf Sol Invictus ist. Also ist 270 das früheste Datum, das wir theoretisch annehmen können. Wenn Kaiser Aurelian tatsächlich am 25. Dezember einen wichtigen Feiertag zu Ehren von Sol Invictus eingeführt hat, dann wäre das um 270 gewesen. Aber selbst das ist nur Spekulation. Wir haben erst Daten ab 354. Wir reden hier aber von 222. Wir sind weit vor Aurelian, weit vor Sol Invictus. Es scheint also, dass zumindestens ein Christ so dachte. Aber vielleicht können wir das noch weiter ausführen, wer sonst noch um dieses Datum herum war? Mindestens ein Christ in den frühen 200er Jahren begann, den 25. Dezember als Geburtstag Jesu zu betrachten, aufgrund dessen, was wir als gekünstelte Versuche betrachten würden, das Leben Jesu mit kosmischer Perfektion in Einklang zu bringen. Das Universum wurde zur Frühlings-Tagundnachtgleiche erschaffen. Jesus wurde zu Passah empfangen und dann zu Passah gekreuzigt. Das ist irgendwie praktisch, aber es lohnt sich, hier in die Gedankenwelt von Hippolyt einzutauchen.

Dr. Tom Schmidt

Genau. Hippolyt war nicht der Einzige, der das tat. Es gibt noch andere Beispiele dafür. Es gibt einen noch früheren Autor namens Clemens von Alexandria. Er schrieb in Alexandria, Ägypten, in den 190er Jahren, vielleicht 200, 205, so ungefähr. Er ist also älter als Hippolyt. Auch er beschäftigt sich mit Chronologie. Und er gibt eine Chronologie zum Leben Jesu an, in der ähnliche Annahmen enthalten sind, wo er anscheinend denkt, dass Jesus am Passahfest empfangen und etwa 9 Monate später geboren wurde. Der Unterschied ist, dass er andere Daten für das Passahfest hat. Daher scheinen auch seine entsprechenden Daten für die Geburt Jesu anders zu sein. Es gibt noch einen anderen Autor namens Julius Africanus. Er schreibt tatsächlich ein Jahr vor Hippolyt, im Jahr 221. Und er könnte auch in Rom gewesen sein. Wir wissen nicht, ob er eine Zeit lang in Rom gelebt hat, aber er ist auch durch den gesamten Mittelmeerraum gereist. Wir wissen also nicht, wann er sein wichtigstes chronologisches Werk geschrieben hat, ob es in Rom war oder nicht. Aber es ist denkbar, dass er buchstäblich in Rom mit Hippolyt zusammen war und sie über diese Dinge gesprochen haben. Wir wissen es nicht. Aber auch er scheint zu glauben, dass die Welt am Frühlingsäquinoktium, dem 25. März, erschaffen wurde. Und er sagt in einer rätselhaften Aussage, dass die Inkarnation, das griechische Wort dafür ist „sarcosis”, die Menschwerdung Jesu, am 25. März stattfand. Die Frage ist: Was meint er damit? Meint er die Geburt Jesu oder die Empfängnis Jesu? Aber siehst du, es handelt sich um denselben Denkprozess. All diese Personen sind vielleicht zu leicht unterschiedlichen Daten gelangt, aber die Zutaten und die Denkprozesse dahinter scheinen alle dieselben zu sein.

Dr. Andrew M. Henry

Ja, das ist eine gute Formulierung, dass die Zutaten vorhanden sind. Sie alle kreisen um die Tagundnachtgleiche im Frühling. Im März und April passiert viel. Die Erschaffung des Universums, die mögliche Empfängnis Jesu, möglicherweise die Geburt Jesu, wenn Africanus mit „Menschwerdung” die Geburt meint, oder vielleicht meint er auch die Empfängnis. Aber die Tatsache, dass es um diese Daten herum so viele Spekulationen und Berechnungen gab, scheint zu günstig, um nicht die Erklärung zu sein, dass man, wenn man neun Monate vorwärts rechnet, Ende Dezember landet.

Dr. Tom Schmidt

Genau. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass wir versuchen, uns auf eine sehr enge Sache zu konzentrieren. Wir stellen nur die Frage, wann der 25. Dezember zum ersten Mal als Geburtstag Jesu gewählt wurde. Aber es gibt noch eine ganz andere Diskussion darüber, warum dieses Datum gewählt wurde. Wie hat es sich im Römischen Reich verbreitet? Ich meine, das sind alles mögliche Untersuchungsansätze. Und hier konzentrieren wir uns nur darauf, wann dieses Datum zum ersten Mal gewählt wurde und warum es zum ersten Mal gewählt wurde. Ich denke, die Antwort ist, dass es anscheinend in den frühen 200er Jahren ausgewählt wurde, wahrscheinlich von Hippolyt, vielleicht von Julius Africanus, und dass es auf chronologischen Annahmen darüber beruhte, wann Gott das Universum erschuf, sowie auf dem Passahfest und der Tagundnachtgleiche, die wichtige Punkte in der jüdisch-christlichen Tradition darstellen, vor allem aber im Leben und Tod Jesu.

Dr. Andrew M. Henry

Das ist echt faszinierend. Und für mich ist es so, dass ich sofort, ich meine, du hast vielleicht Hippolyt erwähnt, aber wenn wir irgendwelche möglichen Beweise dafür haben, dass das Kindheitsevangelium des Jakobus bereits die Vorstellung von der Empfängnis Jesu am Passahfest oder zur Frühlings-Tagundnachtgleiche verbreitet, dann scheint es, als hätten die Zutaten für diese Berechnung schon lange vor Hippolyt existiert.

Dr. Tom Schmidt

Ich denke schon. Ich glaube, man kann Hinweise darauf finden, dass Christen, aus welchen Gründen auch immer, dachten, dass Jesus am Passahfest oder zur Frühlings-Tagundnachtgleiche oder zu beiden Anlässen gezeugt wurde, noch bevor Hippolyt lebte. Wir haben viele Hinweise darauf, und ich denke, dass Hippolyt diese Tradition übernommen hat und sie nur nutzt, um herauszufinden, wann Jesus geboren wurde, und dass er diese Berechnungen anstellt, um das zu tun.

Dr. Andrew M. Henry

Vielleicht sollten wir dann zu deinen Theorien übergehen, wie dieses Datum dann zum vorherrschenden Datum wurde und wie es sich im Mittelmeerraum verbreitete, denn anscheinend dauerte das Jahrzehnte. Wenn die römischen Christen dies bereits in den frühen 200er Jahren taten und der Bischof von Antiochia es in den späten 300er Jahren als eine Art Neuheit bezeichnete. Das ist ein ganzes Jahrhundert für etwas, das Christen heute als selbstverständlich ansehen, nämlich dass es natürlich der 25. Dezember ist. Die Christen, die um 370 in Antiochia lebten, hätten sich gefragt: Was? Warum der 25. Dezember?

Dr. Tom Schmidt

Man muss unbedingt bedenken, dass bei diesen Berechnungen nicht nur viele Annahmen eine Rolle spielen, sondern dass man auch zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt, je nachdem, wann man glaubt, dass Jesus gezeugt wurde. Und wenn man denkt, dass es das Passahfest am 25. März oder am 2. April oder am 6. April war, kommt man zu unterschiedlichen Ergebnissen. Und dabei ist die ungewisse Dauer der Schwangerschaft noch nicht mal berücksichtigt. Ich meine, wir wissen alle, dass hier viele versteckte Annahmen im Spiel sind. Wie dieses Datum von Hippolyt stammt und wie es in die größere Kirche gelangt ist, ist eine gute Frage. Das ist ein wenig unklar. Was wir sagen können, ist, dass Hippolyte Kalender auf der Seite der Statue zu finden ist, über die wir gesprochen haben. Es ist ein faszinierender Kalender. Leider ist er aus chronologischer Sicht ein sehr, sehr schlechter Kalender, weil er völlig falsch liegt. Er schreibt diesen Kalender im Jahr 222 n. Chr. Und wenn man sich ansieht, wann er glaubt, dass das Passahfest in der Vergangenheit stattgefunden hat und wann er glaubt, dass es in der Zukunft stattfinden wird, hat er nur für zwei oder drei Jahre vor und nach 222 n. Chr. Recht. Der Kalender ist nur für etwa 7 Jahre korrekt. Danach driftet er einfach ab. Und das ist ganz offensichtlich. Man muss kein Astronom sein. Man muss nur nach draußen gehen und merkt, dass das nicht der Vollmond ist, den man gerade sieht. Das kann jeder erkennen. Es scheint also, dass Hippolyts Berechnungen zu Recht beiseite geschoben wurden, weil sie falsch waren. Es gab einige Versuche, sie zu korrigieren. Es gibt einen lateinischen Autor aus den 240er Jahren, der versucht, sie zu korrigieren. Er macht das besser, aber auch er liegt falsch. Und irgendwann tauchen in den 300er Jahren Diskussionen darüber auf, wann Jesus geboren wurde. Diese Diskussionen stützen sich zwar auf diese Art von Berechnungshypothese und das Passahfest, aber sie stützen sich auch auf die Idee, die ich bereits erwähnt habe, dass Jesus das Licht der Welt ist. Jesus sagte: „Ich bin das Licht der Welt.“ Und sie liebten einfach dieses Bild, dass das Licht der Welt am dunkelsten Tag des Jahres, zur Wintersonnenwende, sichtbar wird. Dieses Bild sprach sie sehr tief an. Und wir sehen, dass dies in Weihnachtspredigten und anderen Themen rund um Weihnachten immer wieder auftaucht. Und ich denke, das war der Grund, warum der 25. Dezember gegenüber anderen möglichen Daten den Vorzug bekam. Aus ihrer Sicht gab es eine schöne, tiefgründige Symmetrie und Bildsprache, die mit diesem Datum verbunden war. Das hat allerdings etwas Ironisches. Wie einige deiner Zuschauer wissen, ist der 25. Dezember eigentlich nicht die Wintersonnenwende. Die Römer dachten, es sei die Wintersonnenwende. Das war die offizielle Bezeichnung dafür. Aber natürlich findet die tatsächliche Wintersonnenwende ein paar Tage vor dem 25. Dezember statt. Ich denke also, dass die römische Kirche dieses Datum schließlich übernommen hat. Und sie tun dies wegen Hippolyt, aber auch wegen dieser Art von saisonaler Symbolik, der Sonnensymbolik, die sich mit der zunehmenden Stärke der Sonne entwickelt und mit dem Licht der Welt korrespondiert, das Jesus in die Schöpfung bringt oder in der Schöpfung sichtbar macht. Und die Kirche in Rom liebt das. Und die anderen Kirchen schließen sich schließlich an. Es dauert eine Weile, aber schließlich schließen sie sich an. Und es war nicht so, dass sie allzu viel anpassen mussten, denn viele der anderen Kirchen feierten die Geburt Jesu am 6. Januar. Es war also eine Anpassung, aber es ist dieselbe Jahreszeit, nur ein paar Wochen früher.

Dr. Andrew M. Henry

Nur um das noch mal zu betonen: Du hast vollkommen Recht. Und der 25. Dezember war nicht die Wintersonnenwende. Und die Römer waren gute Astronomen und wussten das. Es scheint sich fast wie ein traditionelles Datum etabliert zu haben. Ich sage das nur, weil es bei zwei verschiedenen römischen Autoren erwähnt wird, nämlich bei Plinius dem Älteren und Columella, zwei frühen, sogar noch früheren römischen Autoren als Hippolyt, die ausdrücklich erwähnen, dass der 25. Dezember die Wintersonnenwende ist. Es ist unklar, ob sie damit das tatsächliche Datum meinen, was es nicht war, oder ob sie damit meinen, dass es zu diesem Zeitpunkt markiert oder anerkannt wurde. Es scheint also eine kosmische Symbolik in der Bedeutung der Geburt Jesu zu stecken. Und ich denke, das ist teilweise der Grund, warum es so schwierig ist, sich mit der Geschichte der Religionstheorie auseinanderzusetzen, denn die Sonnenwende scheint Teil der Geschichte zu sein. Ich finde es schlicht zu einfach, Begriffe wie „die Christen haben einen wichtigen Feiertag geklaut” zu benutzen. Ich denke, dass jeder im Römischen Reich diesen Tag als einen wichtigen Tag ansah, den kürzesten Tag des Jahres, an dem es danach jeden Tag länger und länger wird, die Sonne immer mehr scheint, und jeder würde das als einen kosmisch bedeutsamen Tag ansehen. Und warum sollte man seine Gottheit nicht mit diesem Tag verbinden?

Dr. Tom Schmidt

Ich stimme zu. Und ich möchte noch einen Schritt weiter gehen. Wir haben darüber gesprochen, wann der 25. Dezember tatsächlich zum ersten Mal ausgewählt wurde und warum, mit Hippolyt, vielleicht Julius Africanus. Und dann haben wir uns damit beschäftigt, warum die Kirche dieses Datum angenommen hat, warum die breite Kirche dieses Datum gegenüber anderen möglichen Daten bevorzugt hat. Aber es gibt noch eine weitere Frage, nämlich die ganz praktische Frage, was die normalen Christen im ganzen Reich machen. Was denken sie, wenn ihnen gesagt wird oder sie entscheiden, wann sie die Geburt Jesu feiern sollen? Das ist eine viel, viel schwierigere Frage, die zu beantworten ist. Aber wir wissen ganz klar, dass es im 4. Jahrhundert am 25. Dezember einige heidnische Feste zu Ehren des Sonnengottes gab. Und so ist es natürlich sehr gut möglich, dass es im Römischen Reich einige Menschen gab, die keine Christen waren, die dann zum Christentum konvertierten und begeistert waren, weil sie einfach nur ihre Feiertage umstellen mussten. Sie feierten am 25. Dezember den Sonnengott und jetzt haben sie Weihnachten. Aber ich glaube nicht, dass Autoren wie Johannes Chrysostomos und einige andere wichtige Persönlichkeiten, die Weihnachtspredigten zum 25. Dezember verfasst haben, zu den Menschen gehörten, die ein solches Motiv gehabt hätten. Diese Einstellung findet man später bei Papst Gregor im Jahr 600 n. Chr. oder in den 580er Jahren oder so. Aber 200 Jahre zuvor halte ich das für kein sehr wahrscheinliches Motiv. Aber es ist natürlich sehr schwer, die Motive von Menschen zu erkennen, die man kennt, und wir versuchen, Hunderte von Jahren zurückzugehen zu einer Kultur, die nicht unsere eigene ist und über die wir nur sehr bruchstückhafte Beweise haben. Aber es scheint, als wären die wichtigsten Faktoren einfach chronologische Faktoren gewesen, plus die kosmische Sonnensymbolik des Auf und Ab von Licht und Dunkelheit in der Welt.

Dr. Andrew M. Henry

Ja. Und das ist eher eine Spekulation meinerseits, aber ich vermute, dass sich das über die Liturgie verbreitet hat. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein zufälliger, ungebildeter Christ im Hinterland Syriens sich groß für die Geburt Jesu interessiert hätte, es sei denn, er wäre in eine Basilika gegangen und der Bischof hätte gesagt: „Oh, heute feiern wir die Liturgie der Geburt Jesu, und zwar am 25. Dezember.“ Ich könnte mir vorstellen, dass das ein Mechanismus war, um die Christianisierung voranzutreiben. Ich versuche immer, mir Mechanismen der Christianisierung vorzustellen, zum Beispiel, wie dieser bestimmte Feiertag entstanden ist. Wie hat sich diese bestimmte Praxis entwickelt? Das ist reine Spekulation meinerseits, aber dass jemand wie Johannes Chrysostomos in einer Predigt vor den Menschen in seiner Kirche darüber spricht, scheint mir der Ausgangspunkt für die Verbreitung zu sein.

Dr. Tom Schmidt

Ich denke, du hast Recht. Wahrscheinlich gab es einen Briefwechsel zwischen wichtigen Bischöfen, in dem sie versuchten, sich abzustimmen. Wir wissen, dass diese Bischöfe den Wunsch hatten, ihre Feierlichkeiten aufeinander abzustimmen. Wir wissen, dass es große Debatten darüber gab, wann Karfreitag und Ostern gefeiert werden sollten, weil dies mit dem Passahfest zusammenhängt, und dass sie darüber viele Briefe austauschten. Wir haben keine solchen Briefe zu Weihnachten, daher ist das reine Spekulation, aber ich denke, dass es wahrscheinlich so abgelaufen ist. Ich denke, du hast auch Recht, was die Bauern im Hinterland Syriens angeht. Wir dürfen nicht vergessen, dass sie nicht nur kein Internet, keine Enzyklopädien und solche Dinge hatten, sondern auch keine Kalender. Ich meine, sie hatten keinen Kalender an der Wand hängen. Sie waren sich zwar der Jahreszeiten sehr bewusst, aber was bestimmte Daten anging, waren sich viele Menschen vielleicht nicht so ganz im Klaren darüber. Damals haben die Menschen in der Regel nicht ihre Geburtstage aufgezeichnet und beachtet. Daher war dies wahrscheinlich eine kirchliche Angelegenheit, und ihr Bischof hätte gesagt: „Hey, wir feiern in ein paar Wochen die Geburt Jesu.“ Und sie hätten gesagt: „Okay, super, klingt gut.“ Ich sollte erwähnen, dass ich zwei Artikel zu diesem Thema geschrieben habe, die frei verfügbar sind. Wenn man sich also wirklich damit beschäftigen möchte, kann man einen davon lesen, der sehr technisch ist, aber frei verfügbar ist. Er ist auf meiner Website zu finden. Man kann ihn herunterladen, und es gibt auch einen Link zu einer anderen, populäreren Version auf der Website.

Dr. Andrew M. Henry

Ich möchte das Publikum dazu einladen, sich auf jeden Fall den wissenschaftlichen Artikel anzuschauen, weil du dich darin wirklich intensiv mit dem Wort „Genesis” beschäftigst, das wir nur kurz angeschnitten haben, aber du hast ziemlich gründliche Argumente dafür, warum du denkst, dass Hippolytus damit die Empfängnis und nicht die Geburt gemeint hat. Und du vergleichst das mit anderen frühen christlichen Schriftstellern, die dieses Wort speziell für die Empfängnis verwenden, darunter auch Nichtchristen, oder? Wie Galen, der Arzt?

Dr. Tom Schmidt

Richtig, ja, richtig. Und das konnte ich mit der Datenbank „Thesaurus Linguae Graecae” machen. Das ist eine Datenbank mit griechischen Wörtern. Da kann man umfangreiche Recherchen durchführen. Und ich will betonen, dass selbst wenn ich falsch liege und Genesis sich auf die Geburt bezieht, die Berechnungstheorie in vielerlei Hinsicht trotzdem stimmt, weil sie zeigt, dass Christen unbedingt den Beginn von Jesu Leben genau bestimmen wollen. Am Passahfest oder zur Tagundnachtgleiche oder beidem. Und dass diese Art von Denkprozess sozusagen der Motor war, der all diese anderen Daten hervorgebracht hat. Einige dachten, es sei die Geburt Jesu am Passahfest. Andere dachten, es sei die Empfängnis Jesu am Passahfest. Und man kann sehen, wie sich aus diesen Annahmen ganz leicht das Datum des 25. Dezembers ableiten lässt.

Dr. Andrew M. Henry

Ja. Und wie oft kommt der 25. März vor. Es scheint, als käme der 25. März mehrmals vor, entweder für Geburten oder Todesfälle oder die Erschaffung des Universums. Und genau die perfekte Berechnung, die perfekten neun Monate nach vorne, impliziert einfach den Dezember.

Dr. Tom Schmidt

Genau. Wenn man sich ansieht, wann die frühen Christen dachten, dass Jesus gekreuzigt wurde, kann man eine umfassende Bestandsaufnahme machen. Und fast immer, wir haben Dutzende von Beispielen dafür, sagen sie fast immer, dass er am 25. März, dem Frühlingsäquinoktium, gekreuzigt wurde. Oder sie sagen, nein, am 25. März sei er auferstanden. Und es ist eines dieser beiden Daten, die sie fast immer wählen. Und dazu kommt noch die Annahme, dass Jesus genau 30 oder 31 oder 33 Jahre alt war, auf den Tag genau. Mit anderen Worten, er wurde an seinem Geburtstag gekreuzigt, oder zumindest an dem Tag, an dem er gezeugt wurde. Das ist eine weitere Annahme, die sich aus diesen anderen Berechnungen ergibt. Es sind also andere Wege, die die Christen eingeschlagen haben, aber es sind immer noch ähnliche Denkprozesse, die die Chronologie betreffen.

Dr. Andrew M. Henry

Ja. Gab es deiner Erfahrung nach erheblichen Widerstand gegen diese Theorie? Ich weiß, dass es in den letzten 10 oder 15 Jahren mehrere wichtige Artikel gegeben hat, darunter auch deinen, die diese Theorie meiner Meinung nach sehr klar darlegen. Als Wissenschaftler, der sich mit dem frühen Christentum beschäftigt, bin ich davon überzeugt, aber einige dieser Dinge erfordern Annahmen, wie zum Beispiel, dass es meines Wissens nach keine explizite Aussage gibt. Ich glaube, der heilige Augustinus sagt tatsächlich ausdrücklich, dass es ein perfektes Leben gibt, wenn jemand am selben Tag geboren und gekreuzigt oder empfangen und gekreuzigt wurde, aber es gibt einen talmudischen Verweis auf Propheten wie Moses, die am selben Tag geboren wurden und starben, und es ist etwas weit hergeholt zu sagen, dass diese talmudische Idee aus, sagen wir, 500 n. Chr. Hippolyt um 200 n. Chr. irgendwie beeinflusst hat. Es gibt also hier und da Vermutungen, und ich kann mir vorstellen, dass jemand das gegen die Berechnungstheorie verwenden könnte.

Dr. Tom Schmidt

Ja, es gibt viele Vermutungen. Das Problem ist, dass es bei jeder Theorie diese ganzen Vermutungen gibt. Auch bei der Theorie zur Religionsgeschichte, die besagt, dass die Christen sich irgendwie bei Sol Invictus bedient haben, gibt es Vermutungen. Wir haben keine Beweise, die das eindeutig belegen. Wir müssen quasi zwischen den Zeilen lesen. Man kommt also so oder so zu Annahmen. Was wir sicher wissen, ist, dass Hippolyt glaubte, die Genesis Christi habe sich am Passahfest ereignet, was auch immer Genesis bedeutet. Und er glaubte, dass Jesus am Passahfest gekreuzigt wurde. Und das ist 222 n. Chr. in Rom in Stein gemeißelt worden. Julius Africanus sagt dasselbe. Er datiert die Auferstehung auf den 25. März und die Sarkosis, die Menschwerdung oder Inkarnation, auf den 25. März. Das ist es, das ist 221 n. Chr., Hippolytus ist 222. Das steht also fest. Wir wissen, dass es da ist. Es gibt noch ein paar andere Annahmen, die auch mit reinspielen. Das ist also einfach die wahrscheinlichste Hypothese, die wir meiner Meinung nach aufstellen können, und ich stimme ihr zu. Ich bin mir dessen sicher. Du hast andere Gelehrte erwähnt und was andere Gelehrte gesagt haben. Ein weiterer führender Gelehrter ist Philip Nothaft, und auch er hat Artikel veröffentlicht. Er ist ein ausgezeichneter, ausgezeichneter Gelehrter. Und ich zögere zu sagen, dass er mir zustimmt. Es wäre vielleicht genauer zu sagen, dass ich mit ihm übereinstimme, weil er zuvor einige Dinge veröffentlicht hat. Er hat sich auf ähnliche Ideen konzentriert und scheint überzeugt zu sein, warum der 25. Dezember ursprünglich gewählt wurde. Was die Frage angeht, warum dieses Datum dann allgemein akzeptiert wurde, neigt er vielleicht eher zu der Idee, dass die Feierlichkeiten zu Sol Invictus etwas damit zu tun hatten. Aber was die Frage angeht, warum ursprünglich der 25. Dezember ausgewählt wurde, scheint er zu 100 % ein Berechnungstheoretiker zu sein. Diese Berechnungen stammen von Hippolytus und anderen. Ein weiterer Wissenschaftler, den Ihre Zuschauer vielleicht interessieren könnte, ist Steven Hijmans. Er ist ein Wissenschaftler, der sich mit Sol Invictus, der Verehrung des Sonnengottes im alten Römischen Reich, beschäftigt. Er war es, der vor etwa 20 Jahren damit angefangen hat, als er eine Dissertation schrieb und feststellte, dass es vor Julian dem Abtrünnigen und vielleicht der Chronographie von 354 tatsächlich keine eindeutigen Beweise dafür gibt, dass es am 25. Dezember ein Fest zu Ehren des Sonnengottes gab. Er untersucht Münzen, was faszinierend ist, Münzfunde, künstlerische Funde, Inschriften und literarische Zeugnisse. Die beiden sind sich also einig. Ich habe noch nicht viel formelle Kritik an dieser Idee gesehen. Wenn ich davon höre, geht die Kritik meist in die Richtung, dass diese Berechnungstheorie, um es ganz offen zu sagen, einfach absurd ist. Es ist unmöglich, dass sie die Geburt Jesu auf der Grundlage dieser Theorie ausgewählt haben. Meine Antwort darauf lautet: Es geht nicht darum, ob es absurd ist oder nicht. Es geht darum, ob sie daran geglaubt haben. Und ich denke, das haben sie. Sie haben daran geglaubt. Und ich denke, dafür gibt es reichlich Beweise. In gewisser Weise kann man also glauben, dass es, wie ein Wissenschaftler sagte, atemberaubende mentale Akrobatik erfordert. Und natürlich kann man diesen Standpunkt vertreten, aber das bedeutet nicht, dass sie nicht so gedacht haben.

Dr. Andrew M. Henry

Ja, und ich denke, es ist kein Diebstahl. Vielleicht warst du es, aber jemand hat gesagt, nennen wir es die „Erfindungsgabe-Theorie” und nicht die „Berechnungs-Theorie”. Denn ja, ich würde zu 100 % sagen, dass Leute wie Hippolyt versucht haben, die Beweise so zu manipulieren, dass sie zu diesen beiden kosmischen Wegweisern, der Tagundnachtgleiche und der Sonnenwende, passen. Wenn man sagen will, dass das Universum an diesem Tag erschaffen wurde und Jesus an diesem Tag gekreuzigt und an diesem Tag gezeugt wurde, dann ist das einfach zu bequem. Sie zwingen die Beweise in ihre Theorie. Also ja, nennen wir es eine konstruierte Theorie, wenn wir ein bisschen gemein sein wollen. Ich denke, wenn jemand das absurd nennt, könnte man einfach sagen: Ja, ich finde es auch ein bisschen absurd, aber anscheinend haben sie daran geglaubt.

Dr. Tom Schmidt

Ich stimme zu. Ich stimme zu.

Dr. Andrew M. Henry

Und ich möchte nur sagen, dass Dr. Hijman Recht hat, der das Buch „Sol Invictus” geschrieben hat. Dieses Buch war entscheidend für mein Video über Sol Invictus, und ich möchte nur noch einmal betonen, dass er wirklich tief in die Geschichte der Sonnengötterverehrung im Römischen Reich eintaucht und wirklich zeigt, wie unbedeutend dieser Gott im frühen Römischen Reich war. Es gab mehrere verschiedene Sonnengötterfeste, die gefeiert wurden. Ich glaube, es gab eines im August und eines im Oktober, und es scheint, dass dies die wichtigsten Feste für diesen unbedeutenden Gott in den frühen Jahrhunderten des Römischen Reiches waren. Und dann tauchte plötzlich, anscheinend im späten 3. Jahrhundert, der 25. Dezember auf. Für mich war das auch ziemlich überzeugend, dass der Sonnengott damit vielleicht nicht viel zu tun hatte. Ich könnte mir eine Theorie vorstellen, nach der dies dazu beigetragen haben könnte, es im Laufe der 300er Jahre zu verstärken. Wenn Menschen dieses Datum feiern, sagen wir mal im Jahr 340 n. Chr. im östlichen Mittelmeerraum, dann denke ich mir: Okay, ich werde wohl weiterhin den 25. Dezember feiern. Aber es scheint kein Faktor bei der Festlegung des Datums für Jesus gewesen zu sein, denn das liegt vor dem großen Moment des Sonnengottes.

Dr. Tom Schmidt

Ja. Und Andrew, vielleicht könnte ich ein paar Worte zu anderen römischen Feiertagen sagen, die manchmal als Anstoß für die Wahl des 25. Dezembers als Geburtstag Jesu genannt werden. Also Feiertage wie die Saturnalien oder der Callens-Feiertag oder die Brumalien, das ist ein weiterer. Sol Invictus ist natürlich der, über den wir gesprochen haben. Aber normalerweise hört man, dass die Saturnalien der Feiertag sind, von dem es abgeleitet wurde. Und die Saturnalien sind dieses Fest, diese Zeit der Ausgelassenheit und Fröhlichkeit, des Schenkens und ähnlicher Dinge. Sie scheinen ein wirklich guter Kandidat für den Ursprung des christlichen Weihnachtsfestes zu sein. Das Problem dabei ist, dass es nicht am 25. Dezember gefeiert wurde. Es wurde am 17. Dezember gefeiert. Und dann gab es Zeiten in der römischen Geschichte, in denen es um einige Tage nach vorne verschoben wurde und manchmal sogar bis zum 23. Dezember. Aber es scheint nie tatsächlich auf den 25. Dezember gefallen zu sein. Das gilt auch für einen anderen Feiertag, Singularia, der meiner Meinung nach der letzte Tag der Saturnalien war. Also wieder der 23. oder 22., je nachdem, um welche Phase der römischen Geschichte es geht. Diese Daten stimmen also nicht mit dem tatsächlichen Datum überein. Andere Möglichkeiten sind die Kalenden. kalendae ist ein weiterer Feiertag im römischen Reich, aber er ist im Januar. Er ist Anfang Januar. Er markiert das neue Jahr. Und er war ursprünglich ein bürgerlicher Feiertag. Er war nicht wirklich ein religiöser Feiertag, sozusagen, aber dieses Datum passt nicht wirklich. Ein Datum, das passt, ist Brumalia, und das markierte die römische Wintersonnenwende, die am 25. Dezember war, was astronomisch gesehen nicht wirklich die Wintersonnenwende war, aber in ihrem Kalender stand. Und dieses Datum passt. Und wir wissen, dass es ein Feiertag war. Es war ein religiöser Feiertag. Das Problem dabei ist jedoch, dass es ursprünglich nur ein astronomischer Marker gewesen zu sein scheint. Es dauerte lange, bis er zu einem religiösen Feiertag für die griechisch-römischen Anhänger des griechisch-römischen Polytheismus wurde. Tatsächlich gibt es einen Chronisten namens Johannes von Lydos, der im 6. Jahrhundert schrieb und über römische Kalenderdaten, Feiertage und andere Dinge berichtete. Er erwähnt Brumalia und sagt, dass die Menschen diesen Feiertag erst seit kurzem begehen. Und das sagt er in den 500er Jahren. Es scheint also, dass das beste Datum Sol Invictus ist. Das ist das bestmögliche Datum, wie es die Religionsgeschichtstheorie sagt. Aber wie wir in unserer gemeinsamen Zeit besprochen haben, passt das immer noch nicht zu dem, was wir sehen, warum ursprünglich der 25. Dezember als Geburtstag Jesu gewählt wurde.

Dr. Andrew M. Henry

Richtig. Hippolyt ist also immer noch älter als unsere Daten über Bromalia.

Dr. Tom Schmidt

Ja. Nun, er ist nicht älter als der Begriff Bromalia, der sich nur auf ein astronomisches Ereignis der Sonnenwende bezieht, aber er ist älter als das, was anscheinend eine Art religiöses Fest ist, das damit verbunden ist.

Dr. Andrew M. Henry

Also, Dr. Schmidt, das war eine echt spannende Reise durch die Berechnungstheorie. Vielen Dank, dass du bei uns warst.

Dr. Tom Schmidt

Andrew, ich möchte dir frohe Weihnachten wünschen.

Dr. Andrew M. Henry

Dir auch frohe Weihnachten. Mach’s gut.

Dr. Andrew M. Henry

Vielen Dank fürs Zuschauen und nochmals ein großes Dankeschön an Dr. Schmidt für seine Teilnahme. Wenn du „Religion for Breakfast“ unterstützen möchtest, ist Patreon der wichtigste Weg, dies zu tun. Patreon ist die finanzielle Grundlage von „Religion for Breakfast“, und die rund 700 Leute, die mich auf Patreon unterstützen, bilden diese Grundlage. Mein Ziel ist es, diesen Kanal akademisch anspruchsvoll und kritisch zu halten, und das bedeutet, dass wir Experten bezahlen müssen. Wir bezahlen Experten für Recherchen und die Überprüfung von Fakten. Wir bezahlen Redakteure, die diese Folgen so schneiden, dass sie für euch interessant sind. Patreon macht das möglich und sorgt dafür, dass dieser Kanal Monat für Monat stabil bleibt. Kein Druck, aber wenn du etwas beitragen kannst und Religion for Breakfast für wertvoll hältst, geh auf patreon.com/Religion for Breakfast. Der Link ist in den Kommentaren unten angeheftet. Wie auch immer, danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.

Dr. Michael Heisers Analyse

Jetzt ist schon fast eine Stunde vergangen und das Gespräch von Dr. Heiser würde nochmal so lange dauern. Und daher habe ich nur das Transkript der Folge 195 „Ist Weihnachten ein heidnisches Fest?“ hier angefügt. Viele Freude beim Lesen über die Weihnachtszeit!

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