Von Christian / Brian Doak
Zum Thema „Bibel lesen und interpretieren“ hatten wir Argumente von zwei frühen Kirchenvätern der patristischen Zeit (1. bis 7. Jahrhundert) angeführt: Origenes in Bibel lesen und interpretieren: Das früheste christliche Handbuch, wie man die Bibel lesen sollte und Augustinus von Hippo in Bibel lesen und interpretieren: Wie interpretierst du die Bibel? Und ist das wichtig?
Wie hat man die Bibel danach gelesen und interpretiert? Also im Mittelalter, womit ich hier ganz grob die tausend Jahre nach 500 bis 1500 meine. Wir können hier natürlich nur ganz spezielle Punkte herausgreifen, weil in 1000 Jahren schon eine Menge passiert. Selbst wenn es vielleicht viel langsamer als in den ersten 4 Jahrhunderten geschah.
Aber diese Videos sollen auch keinen Überblick geben oder eine Anleitung sein. Es geht mir darum, interessante Aspekte aufzuzeigen, die uns bisher vielleicht völlig unbekannt waren. Vielleicht hast du dann auch einen „Aha“-Moment: So habe ich das ja noch nie gesehen!
Und falls deine Gedanken noch beim Titel dieses Beitrags sind, weil du denkst: Ich lese in der Bibel ohne zu interpretieren oder auszulegen! Dann ist das schlichtweg unmöglich. Außer du liest laut vor, ohne über den Inhalt nachzudenken. Was du nämlich sonst machst, wird so definiert:
Die Hermeneutik (altgriechisch ἑρμηνεύειν hermēneúein, deutsch ‚erklären‘, ‚auslegen‘, ‚übersetzen‘) ist die Theorie der Interpretation von Texten und des Verstehens. Beim Verstehen verwendet der Mensch Symbole. Er ist in eine Welt von Zeichen und in eine Gemeinschaft eingebunden, die eine gemeinsame Sprache verwendet. Nicht nur in Texten, sondern in allen menschlichen Schöpfungen ist Sinn. Diesen zu erschließen, ist eine hermeneutische Aufgabe.
In der Antike und im Mittelalter diente die Hermeneutik als Wissenschaft und Kunst der Auslegung (Exegese) grundlegender Texte, besonders der Bibel und von Gesetzen.
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Das wäre also schon einmal geklärt. Jetzt aber zum eigentlichen Thema.
Auch dieser Beitrag beruht auf einem Video von Professor Brian Doak, der uns an seiner Vorbereitung für seine nächste Lehrveranstaltung teilhaben lässt:
Im Mittelalter hatte man diese Vorstellung der Interpretation der Bibel. Professor Doak zitiert hier ein Gedicht in der englischen Übersetzung:
Littera gesta docet, quid credas allegoria; Moralis quid agas, quo tendas anagogia. [Latein]
The letter teaches what happened, allegory what you believe, the moral what you should do, anagogy where you are going. [Englisch]
Der Brief lehrt, was geschehen ist, die Allegorie, woran du glaubst, die Moral, was du tun solltest, die Anagogie, wohin du gehst. [Deutsch]
Mittelalterliches Gedicht, unbekannter Verfasser
Im Mittelalter gehen viele also von vier Ebenen der Interpretation der Bibel aus.
Die erste ist die wörtliche Bedeutung oder Interpretation des Textes. Wobei diese wörtliche Interpretation für viele Gelehrte damals die wichtigste Bedeutung hatte. Je mehr Klöster und Ausbildung es gab, wurde ein formelles Studium des Textes der Bibel möglich und verbreiterter. Wörterbücher und Kommentare wurden geschrieben und verwendet. Die Verwendung von Wörtern wurde untersucht. Und die wörtliche Bedeutung des Textes. Damit war allerdings nicht die Frage nach der Historizität gemeint. Zum Beispiel ist die wörtliche Bedeutung des Textes, als die Israeliten durch das Rote Meer oder Schilfmeer gingen, dass die Wasser geteilt wurden und Menschen zu Fuß hindurch gingen. Es ging den Menschen damals nicht um die Frage, ob das historisch genau so geschehen ist. Es geht um die Bedeutungsebene. Wenn ein Text nur eine wörtliche Bedeutung hat, dann gibt es keine weiteren Bedeutungsebenen. Also zum Beispiel nicht das, was Paulus mit dieser Begebenheit macht (in 1. Korinther 10). Diese wörtliche Interpretation oder Aussage des Textes ist also die Basis für die anderen.
Wir wir im vorherigen Teil dieser Serie gesehen haben, finden wir das schon bei Augustinus von Hippo. Für ihn ist es so: Wenn man einen Text schon gemäß der wörtliche Deutung des Textes lesen kann und sie uns zur Liebe zu Gott und dem Nächsten führt, dann gibt es keine weiteren Deutungsebenen. Origenes von Alexandria hingegen sagt das Gegenteil (siehe zweiter Teil dieser Serie): Jeder Text hat eine symbolische Bedeutung, und manche auch eine wörtliche.
Die zweite, nächsthöhere Bedeutungsebene ist daher die Allegorie. Diese symbolische Bedeutung trägt zu unserem Glauben bei.
Die dritte, nächsthöhere Bedeutungsebene ist die moralische. Die Texte haben auch eine moralische Deutung, die bestimmt, wie wir handeln sollten. Die praktische Anwendung. Auch heute überspringen Pastoren oft genug die beiden vorangegangenen Ebenen und präsentieren den Gläubigen gleich moralische Anwendungen.
Die höchste Bedeutungsebene, die vierte, ist heute nicht sehr bekannt. Die Grundbedeutung des Wortes ist soviel wie hinaufblicken oder hinaufheben.
Anagogie bezeichnet eine geistige oder mystische Erhebung, die vom wörtlichen Sinn eines Textes oder Symbols zu einer höheren, spirituellen oder himmlischen Bedeutung führt. Es ist eine Auslegungsmethode, die eine „Hinaufführung“ oder „Aufstieg“ von einer niedrigeren zur höheren Ebene anstrebt, typischerweise in religiösen oder philosophischen Kontexten.
Theologische Auslegung: In der christlichen Theologie ist die Anagogie die höchste der vier Auslegungsebenen von Texten, die von der wörtlichen zur allegorischen, moralischen und schließlich zur anagogischen Ebene aufsteigt.
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Diese Deutung hatte oft etwas mit dem zukünftigen Leben der Christen oder dem zweiten Kommen Jesu usw. zu tun.
Die Vorstellung im Mittelalter war, dass man jeden Text auf diesen 4 Ebenen deuten kann. Versuchen wir es einmal mit der Szene am roten Meer. Oder besser noch, lassen wir es den Professor versuchen:
Nehmen wir also ein ganz einfaches Beispiel, mit dem ich bereits begonnen habe, nämlich die Idee, dass Israel das Rote Meer überquert. Wie könnte das aussehen? Gehen wir diese drei Ebenen durch.
Die wörtliche Ebene wäre einfach Israel, das Volk, das in dem Bericht das Rote Meer überquert. Sie sind den Ägyptern entkommen.
Allegorie oder Typologie, was eigentlich ein griechisches Wort ist, das der Apostel Paulus im Römerbrief verwendet, um zu beschreiben, äh, entschuldige, nicht im Römerbrief 1, sondern im 1. Korintherbrief, Kapitel 10, um diese Art der Interpretation zu beschreiben, würde es anders sehen, dass nämlich das Rote Meer, das sie durchqueren, ein Symbol, ein Typus, eine Allegorie für die Idee ist, dass wir die Taufe empfangen würden. Siehst du den Zusammenhang? Wir sind wie Israel und das Wasser des Roten Meeres ist das Wasser der Taufe, richtig? Eine spirituelle Bedeutung.
Ähm, eine moralische Anwendungen, ich weiß nicht. Überlege dir selbst etwas. Sag mir, was deiner Meinung nach eine gute moralische Anwendung wäre. Ich meine, vielleicht könnte die Idee einer moralischen Anwendung der Durchquerung des Roten Meeres so etwas sein wie, ähm, weißt du, wenn wir Feinde in dieser Welt haben, so wie Israel Ägypten als Feind hatte, und diese Feinde uns verfolgen und unser Leben unerträglich machen. Und gerade wenn wir denken, dass wir keine Optionen mehr haben, wird Gott einen Weg bereiten. Ähm, und vielleicht wird es sogar so sein, dass wir uns auf andere Menschen verlassen, so wie Israel sich auf Moses verlassen hat. Da hast du es. Das ist nur eine freie Interpretation des sogenannten tropologischen oder moralischen Sinns des Textes.
Anagogie, da bin ich etwas ratlos. Was könnte das bedeuten? Könnte das Wasser irgendwie unsere Reise zu Christus symbolisieren? Wenn Christus wiederkommt, werden wir durch eine Art Leidenszeit mit Christus vereint. Das Wasser, ich weiß nicht. Sagt mir in den Kommentaren, was eurer Meinung nach eine bessere anagogische Interpretation der Passage wäre.
Brian Doak
So einfach ist es halt dann doch nicht. Nicht einmal im Mittelalter wandte man alle 4 Ebenen auf jeden Text an. Und es wurden verschiedene Schwerpunkte gesetzt. Gelehrte und Hochschulen befassten sich viel mit dem Text an sich, der ersten Ebene. Das war auch die Zeit, in der die Einteilung in Kapitel eingeführt wurden. Für Mönche wurde die moralische Bedeutung betont, wie sie leben sollten.
Es gab aber auch Gelehrte, welche die wörtliche Deutung als die zentrale auffassten. Gemäß Thomas von Aquin braucht man diese vier Deutungsebenen und man sollte sie kennen. Brian Doak zitiert nun aus dem Werk Summa Theologica von Thomas von Aquin:
„Sollte die Heilige Schrift Metaphern verwenden?“ Er antwortet: Ja. Es ist völlig in Ordnung, wenn die Heilige Schrift Metaphern verwendet. Unsere Wahrnehmung orientiert sich an den Sinnen, und deshalb sollten wir durch materielle Dinge gelehrt werden, die wir mit unseren Sinnen buchstäblich erfassen können. Aber, so sagt er, wir werden niemals durch Metaphern etwas gelehrt, was nicht an anderer Stelle auch buchstäblich gelehrt wird.
„Aus diesem Grund werden Dinge, die in einem Abschnitt der Heiligen Schrift anhand von Metaphern beschrieben werden, in anderen Abschnitten ausführlicher erläutert. Tatsächlich ist gerade die Unklarheit der Bilder nützlich, um den Verstand zu schulen, und sie ist auch nützlich, um dem Spott der Ungläubigen entgegenzuwirken, von dem in Matthäus 7:6 die Rede ist. Gebt das Heilige nicht den Hunden.“
„Hat die Heilige Schrift mehrere Bedeutungen für einen einzigen Abschnitt?“ Seine Antwort lautet ja. Aber er sagt, dass es sogar mehrere wörtliche Bedeutungen für einen Abschnitt geben kann. Er möchte jedoch betonen, dass die wörtliche Bedeutung die Grundlage für alle anderen ist.
„In der Heiligen Schrift gibt es keine Verwirrung, da alle Sinne auf einem einzigen Sinn beruhen, nämlich dem wörtlichen Sinn. Und wie Augustinus in Contra incentium donatist erklärt, kann ein Argument nur aus dem wörtlichen Sinn abgeleitet werden.“
Er geht sogar so weit zu sagen, dass wir Metaphern oder Symbole wörtlich nehmen sollten. Was würde das überhaupt bedeuten? „Der Sinn einer Parabel ist im wörtlichen Sinn enthalten. Denn in einer Parabel wird etwas durch die Worte richtig bezeichnet und etwas bildlich bezeichnet. Und der wörtliche Sinn ist nicht die Figur selbst, sondern das, wofür die Figur steht. Wenn beispielsweise in der Heiligen Schrift vom Arm Gottes die Rede ist, dann ist der wörtliche Sinn nicht, dass Gott tatsächlich einen Körperteil in Form des betreffenden Schwertes hat. Es ist also nicht das, was man wörtlich verstehen würde. Vielmehr ist der wörtliche Sinn, dass Gott das hat, was durch diesen Körperteil symbolisiert wird, nämlich operative Kraft.“
Mit anderen Worten, meine Erklärung dessen, was er sagt, ist, dass wenn man eine Metapher oder ein Symbol wörtlich liest, man es als Symbol liest.
Damit macht Thomas von Aquin deutlich, dass nichts Falsches die Grundlage des wörtlichen Sinns der Heiligen Schrift bilden kann. Mit anderen Worten: Die wörtliche Auslegung eines Symbols ist lediglich das richtige Verständnis dessen, was das Symbol bedeutet. Ich weiß, dass dies wie eine Art Zirkelschluss oder eine Art Rundum-Argumentation wirkt, da ein Interpret in vielen Fällen wissen möchte, ob es sich um ein Symbol für etwas anderes handelt oder ob es wörtlich oder auf andere Weise zu verstehen ist.
Brian Doak; Thomas Aquinas, Summa Theologica, trans. Alfred J. Freddoso. Part 1, Q1, The Nature and Extent of Doctrine:
Alles klar? Also das nächste mal, wenn jemand denkt, dass ich hier die Sache kompliziert mache …
Aber im Ernst, hältst du das für eine Art der Deutung, der Interpretation des biblischen Textes, die nun auch wieder rund ein Jahrtausend zurückliegt? Das gibt es doch heute nicht mehr?
Nun, die wörtliche Interpretation eines biblischen Textes gibt es auf jeden Fall und dir fallen bestimmt auch ganz viele Stellen ein.
Was ist mit der nächsten, der allegorischen Deutungsebene? Das findet sich im Neuen Testament selbst schon. Wir hatten schon 1. Korinther 10:1,2 angesprochen: „Denn das sollte euch klar sein, Geschwister: Unsere Vorfahren waren alle unter dem Schutz der Wolke und gingen alle durchs Meer. Und alle wurden in der Wolke und dem Meer auf Mose getauft.“
Konfessionen habe aber auch heute noch weitere Allegorien oder Vor- und Gegenbilder (englisch types / antitypes) erfunden. Ich erinnere mich an viele solcher Gegenbilder, die Jehovas Zeugen über hundert Jahre eifrig verwendet haben, bis dies in den 2010er Jahren dann als veraltet bezeichnet wurde. Also eigentlich als falsch, aber so deutlich steht das im Wachtturm selbstverständlich nicht. Zumindest stand das dort:
In der Vergangenheit war es in unseren Veröffentlichungen eher üblich, an die in der Bibel aufgezeichneten Berichte mit der Vorbild-Gegenbild-Methode heranzugehen. Die biblische Erzählung war das prophetische Vorbild und jede Erfüllung davon war das Gegenbild.
Heißt das aber, dass jede Person, jedes Ereignis und jeder Gegenstand, von denen die Bibel berichtet, auf jemand oder etwas hinweist? In der Vergangenheit hat man so gedacht. Da wäre der Bericht über Naboth. … Im Jahr 1932 wurde der Bericht als ein prophetisches Drama erklärt: Ahab und Isebel stellten Satan und seine Organisation dar. Naboth stand für Jesus. Folglich wies der Tod Naboths auf Jesu Hinrichtung hin. Doch Jahrzehnte später hieß es in dem 1961 veröffentlichten Buch „Dein Name werde geheiligt“, Naboth stelle die Gesalbten dar und Isebel die Christenheit. Die Verfolgung Naboths durch Isebel stehe daher für die Verfolgung der Gesalbten in den letzten Tagen. Viele Jahre lang fand Gottes Volk diese Herangehensweise an Bibelberichte glaubensstärkend.
Der Wachtturm, 15.3.2015, S. 9, Abs. 7-9, Fettdruck von mir
Je länger die Veröffentlichung zurück lag, um so häufiger und oft absurder sind diese allegorischen Auslegungen.
Das hat sich dann geändert, und die dritte Ebene, die moralische Auslegung steht im Vordergrund. Der selbe Wachtturm schreibt:
Was aber noch bedenklicher ist: Bei der Suche nach möglichen gegenbildlichen Erfüllungen gehen die moralischen und praktischen Lehren aus den Bibelberichten womöglich ganz oder teilweise unter. Heute konzentriert man sich deshalb in den Veröffentlichungen mehr auf die einfachen und praktischen Lehren in Bezug auf Glauben, Ausharren, Gottergebenheit und andere wichtige Eigenschaften, über die wir etwas lernen können.
Der Wachtturm, 15.3.2015, S. 9, Abs. 10
Natürlich war die Begründung neues Licht und dass Gott die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas anleitet. Und warum diese Kehrtwende in der Interpretation der Bibel besser ist. Für die alte, nun falsche Interpretation hat man sich aber nicht entschuldigt. Nachdem ein bisschen zugegeben wurde, was so alles als Vorbild diente (und das ist nur die Spitze des Eisbergs), steht das:
Fragen von Lesern: In der Vergangenheit wurde in unseren Veröffentlichungen oft von Vorbildern und Gegenbildern gesprochen. In den letzten Jahren geschah das jedoch kaum noch. Warum eigentlich?
… In den Jahrhunderten nach Christi Tod haben Gelehrte den Fehler gemacht, überall nach Bildern zu suchen. Bezüglich der Lehren von Origenes, Ambrosius und Hieronymus … Augustinus von Hippo kommentierte ausgiebig … Erscheinen uns solche Deutungen abwegig? Dann verstehen wir die Problematik. Menschen können nicht wissen, welche Bibelberichte für etwas Künftiges stehen und welche nicht. Am besten ist: Wo die Bibel lehrt, dass eine Person, ein Ereignis oder ein Gegenstand ein Bild für etwas anderes ist, akzeptieren wir das. Wo es jedoch keine eindeutige biblische Grundlage gibt, werden wir einer Person oder einem Bericht nicht voreilig eine gegenbildliche Anwendung zuweisen.
Der Wachtturm, 15.3.2015, S. 17, Fettdruck von mir
Ist es dir aufgefallen? Nicht, dass im Artikel von „wir“ und „uns“ gesprochen wird, als wäre diese Auslegung irgendwelchen Mitgliedern der Zeugen Jehovas eingefallen. Dafür war schon die Leitende Körperschaft alleine verantwortlich. Bevor gesagt wird, dass solche „Deutungen abwegig erscheinen“ wird noch schnell auf die Kirchenväter abgelenkt. Schaut mal, die haben es doch auch so gemacht. Als wären die Kirchenväter sonst als Vorbilder für die Zeugen Jehovas betrachtet worden.
Aber was ist mit der vierten Ebene, der Anagogie? „Anagogie bezeichnet eine geistige oder mystische Erhebung, die vom wörtlichen Sinn eines Textes oder Symbols zu einer höheren, spirituellen oder himmlischen Bedeutung führt.“ Dafür gibt es bei den Zeugen Jehovas auch viele Beispiele, wie wäre es damit?
Aaron, Moses’ Bruder, stellt treffend die geistigen Brüder des größeren Moses dar, im besonderen den Überrest, der sich heute noch auf der Erde befindet. Aaron diente Moses als Wortführer, weil dieser wahrscheinlich sprachbehindert war; er war, wie er selbst schrieb, „unbeschnitten an Lippen“, das heißt, seine Lippen hatten gleichsam eine Vorhaut und waren deshalb zu dick und zu groß, so daß sie ihn am fließenden Sprechen hinderten. (2. Mose 6:12 [Siehe NW, englische Ausgabe 1953, Fußnote.]) Das veranschaulicht daß Jesus Christus in der Stellung eines herrlichen Geistgeschöpfes im Himmel gleichsam sprachbehindert ist, indem er den Menschen auf der Erde Gottes Botschaft nicht persönlich überbringen kann, sondern den Überrest seiner geistigen Brüder, den neuzeitlichen Aaron, als Wortführer gebraucht. Das Volk Israel stellt das ganze Volk Gottes dar, das von Satan, dem Teufel, und seiner Organisation bedrückt wird.
Der Wachtturm, w65 15. 8. S. 496-497 Abs. 8
Das stand da wirklich so im Wachtturm! Das kannst du (noch) in der Online-Bibliothek der Zeugen Jehovas selbst finden. Und bei solchen atemberaubenden Anagogien und einem so wörtlich „gleichsam sprachbehinderten Jesus Christus in der Stellung eines herrlichen Geistgeschöpfes im Himmel“ fällt einem doch nichts mehr ein. Ich glaube, Professor Doak hätte seine Freude daran.


















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