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Versammlung von Gläubigen, den ersten Christen

  • Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 8

    Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 8

    Von Christian


    In den letzten beiden Teilen dieser Serie beschäftigen wir uns mit den Konsequenzen, wenn wir unsere Zoom-Gemeinde ‚genauso wie die ersten Christen‘ gestalten wollen. Im letzten Teil hatten wir schon diese Themen behandelt:

    • ‚Sie hielten beharrlich an der Lehre der Apostel fest‘
    • ‚Gemeinsame Mahlzeiten‘
    • ‚Gemeinsames Brechen des Brotes‘
    • Taufe
    • Finanzierung, Spenden, Eigentum
    • Apostel, Aufseher, Älteste, Diener
    • Frauen als Aufseher, Älteste und Diener

    Ich möchte noch drei weitere Punkte aufgreifen, die für eine Zoom-Gemeinde – noch mehr als für andere – eine enorme Herausforderung darstellen.

    Glaubenslehren

    Wir war das, als die erste Gemeinde in Jerusalem gegründet wurde? Nun ja, eigentlich gab es diesen Moment ja nicht. Zumindest nicht so, wie bei anderen Gemeinden, die von Missionaren wie Paulus gegründet wurden. Stand da von Anfang an fest, an was jeder zu glauben hat? Oder anders formuliert: Gab es eine Liste von Lehren, die ‚wir in dieser Gemeinde‘ glauben? Kommen dir diese Überlegungen und Fragen vielleicht merkwürdig vor? Das ist völlig in Ordnung, denn die historische Entwicklung war eine andere. Die ersten Jünger kamen alle aus der jüdischen Religion. Und welcher Richtung sie auch zuneigten, so hatten sie eine gemeinsame Grundlage. Dazu kamen nun die Lehren Jesu Christi und die Überzeugung, dass er von den Toten auferstanden ist. Viel mehr gab es nicht, als zu Pfingsten der heilige Geist ausgegossen wurde. Welche Botschaft stand im Zentrum? „Philippus zum Beispiel ging in eine Stadt von Samarien und predigte, dass Jesus der Messias ist.“ (Apg 8:5 NEÜ) Und kurz darauf: „Da begann Philippus zu reden. Er knüpfte an dieses Schriftwort an und erklärte dem Äthiopier das Evangelium von Jesus.“ (Apg 8:35 NEÜ) Was musste er noch alles lernen und als verbindliche Glaubenssätze akzeptieren, bevor er getauft wurde? „Als sie nun so auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Gewässer. „Hier gibt es Wasser“, sagte der Eunuch, „was steht meiner Taufe noch im Weg?“ (Apg 8:36 NEÜ). Nichts, denn danach lesen wir, dass er getauft wurde.

    Warum habe ich das angeführt? Zum einen zeigt es uns die grundlegenden Lehren der ersten Gemeinden auf. Die Schriften (was heute Altes Testament genannt wird) und das Evangelium von Jesus. Wurden Details dazu abgefragt oder schwierige theologische Fragen? Gab es ein festes Glaubensbekenntnis? Hier ist schon spannend, dass Apostelgeschichte 8:36,37 in verschiedenen Übersetzungen unterschiedlich wiedergegeben wird:

    Als sie nun so auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Gewässer. „Hier gibt es Wasser“, sagte der Eunuch, „was steht meiner Taufe noch im Weg?“

    Fußnote: Spätere Handschriften fügen hinzu: „Wenn du von ganzem Herzen glaubst“, sagte Philippus, „kannst du getauft werden.“ – „Ja“, sagte der Äthiopier, „ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.“ (Diese Frage und die Antwort entsprachen der altkirchlichen Praxis und sind wahrscheinlich von daher in einige Handschriften hineingeraten.)

    Apostelgeschichte 8:36,37 NEÜ

    Im Laufe der Zeit wurden zentrale Glaubenslehren formalisiert, damit man sie auswendig lernen konnten. Schriften wie die Didachḕ dienten der Belehrung nach der Taufe. Es gab vorher aber schon mündliche Glaubensbekenntnisse, die ihren Weg in den Text des Neuen Testaments gefunden haben:

    Ich habe euch in erster Linie das weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, wie es die Schriften gesagt haben. Er wurde begraben und am dritten Tag auferweckt, wie es die Schriften gesagt haben. Er ist dem Kephas erschienen, dann dem Kreis der Zwölf. Danach erschien er mehr als 500 Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch am Leben sind; nur einige sind schon gestorben. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.

    1. Korinther 15:3-7 NEÜ

    Und niemand kann bestreiten, wie groß und einzigartig die geheimnisvolle Wahrheit unseres Glaubens ist: Er hat sich gezeigt in Fleisch und Blut / und wurde beglaubigt durch Gottes Geist, / und so haben ihn die Engel gesehen. / Er wird gepredigt unter den Völkern / und findet Glauben in aller Welt / und ist im Himmel mit Ehre gekrönt.

    1. Timotheus 3:16 NEÜ

    Er war in Gottes Gestalt, / nutzte es aber nicht aus, Gott gleich zu sein,
    sondern beraubte sich selbst / und wurde einem Sklaven gleich. / Er wurde Mensch / und alle sahen ihn auch so.
    Er erniedrigte sich selbst / und gehorchte Gott bis zum Tod – zum Verbrechertod am Kreuz.
    Darum hat Gott ihn über alles erhöht / und ihm den Namen geschenkt, / der über allen Namen steht:
    Denn vor dem Namen Jesus wird einmal jedes Knie gebeugt; / von allen, ob sie im Himmel sind, auf der Erde oder unter ihr.
    Und jeder Mund wird anerkennen: / „Jesus Christus ist der Herr!“ / So wird Gott, der Vater, geehrt.

    Philipper 2:6-11 NEÜ

    In den beiden letzten Zitaten findet sich sogar noch im Text des Neuen Testaments eine interessante Versform, welche das Auswendiglernen und Wiederholen in den Gemeinden erleichtert. Und wenn wir an die Anweisungen in Apostelgeschichte 15 denken, waren die auch sehr knapp gehalten.

    Nun vergleiche das einmal mit deiner Zoom-Gemeinde oder einer, die du kennst. Denkt man dort, dass man alles nach dem Vorbild der Gemeinde im 1. Jahrhundert macht? Und machen sie es dann in Bezug auf Glaubenslehren so, wie wir es gerade gelesen haben? Dann sollte man doch vielleicht Gedanken wie aus den gerade zitierten Bibeltexten finden, nicht wahr? Vergleiche es zum Beispiel einmal mit dieser Beschreibung einer Zoom-Gemeinde:

    Wir sind nicht-trinitarische Christen.

    Unsere Überzeugungen sind: [Ich habe die detaillierten Unterpunkte weggelassen]:
    Es gibt nur einen wahren Gott, den Vater von allem, den Schöpfer von allem.
    Jesus ist unser Herr, König und einziger Führer.
    Der Heilige Geist wird von Gott benutzt, um seinen Willen zu erfüllen.
    Die Bibel ist Gottes inspiriertes Wort.
    Die Toten sind nicht existent; die Hoffnung für die Toten ist die Auferstehung.
    Jesus Christus kam, um den Weg für gläubige Menschen zu öffnen, damit sie Gottes Kinder werden können.
    Satan (auch bekannt als der Teufel) war ein Engelssohn Gottes, bevor er sündigte.
    Es gibt nur eine christliche Hoffnung und nur eine christliche Taufe.

    Eigene Beschreibung der zentralen Glaubenslehren einer Zoom-Gemeinde

    Siehst du den Unterschied? Wie ich am Anfang dieser Serie gesagt hatte, zeigen sich die Konsequenzen erst richtig, wenn man genau hinschaut, wie es in der Praxis gelebt wird.

    Wenn du jemanden aus dieser Zoom-Gemeinde fragen wirst, wer bei ihren Zusammenkünften dabei sein darf, bekommst du vermutlich so eine Antwort: „Bei uns kann jeder zu unseren Zusammenkünften kommen.“ Und warum wird dann gleich erwähnt, dass es „nicht-trinitarische Christen“ sind? Kann jemand auch immer wieder teilnehmen, der nur in den grundlegenden Lehren übereinstimmt, die wir eben in den Glaubensbekenntnissen im Neuen Testament gelesen haben, aber sonst abweichende Auffassungen hat? Was, wenn die Person immer wieder Texte kommentiert und dabei ein Ansicht äußert, die einer trinitarischen Lehre entspricht? Darf er dann weiter beim Abendmahl dabei sein oder überhaupt bleiben?

    Jetzt dürfen wir es uns nicht so einfach machen, uns zu sagen, dass die Person ja woanders hingehen kann. Denn wenn die Mitglieder in der Zoom-Gemeinde der Überzeugung sind, dass sie vom heiligen Geist geleitet werden und ihre Auffassungen Teil der biblischen Wahrheit sind – und die Trinitätslehre eben nicht – schließt man die Person dann nicht aus der ‚wahren‘ christlichen Gemeinde aus?

    Wer hat denn diese Lehren festgelegt? Die Beschreibung suggeriert ja, dass alle derselben Überzeugung sind. Aber kam das so zustande, dass eine Gruppe von Menschen einmütig durch den heiligen Geist zu diesem Schluss gekommen ist (wie die Darstellung in Apostelgeschichte 15)? Oder hat der Gründer dieser Zoom-Gemeinde seine Auffassung zuerst verkündet und dann haben sich nur solche ihm angeschlossen, die ähnlich dachten? Und später wird dann klar gemacht, dass in Zukunft nur solche willkommen sind, die mit bestimmten Auffassungen übereinstimmen?

    „Christian, übertreibst du es jetzt nicht ein bisschen? Dann sollen die einen halt in ihrer Zoom-Gemeinde bleiben und die anderen in einer eigenen. Wo ist das Problem?“ Kommt gleich. Wir schauen weiter in die Zukunft. In der nicht-trinitarischen Zoom-Gemeinde äußert jemand den Gedanken, dass Jesus ein Mensch war, und von Gott wegen seiner Treue zu sich genommen wurde. „Nein, auf keinen Fall“, hören wir, „Jesus kam vom Himmel“. Kann man beide Ansichten tolerieren? Oder wird die eine oder andere Ansicht auch Teil der Glaubensüberzeugung? Nun gut, dann sollen sie halt Ruhe geben und sich aufteilen in zwei Zoom-Gemeinden … Und da soll einer sagen, Geschichte wiederhole sich nicht. Ist nicht genau das in den ersten Jahrhunderten geschehen?

    Ist hier das Vorbild der Gemeinden im 1. Jahrhundert zu erkennen, oder den Anfang der Entwicklung von der ersten Gemeinde in Jerusalem zur Kirche? Wird nicht spätestens jetzt langsam klar, dass man automatisch in die selben Probleme läuft, wie die Gemeinden in den ersten Jahrhunderten nach Christus? Vielleicht sollten wir auch die Entstehung und Entwicklung einer der zahlreichen christlichen Bewegungen im 19. Jahrhundert einmal zum Vergleich heranziehen. Dann erkennt man noch besser Mechanismen und Umstände, die sich immer wieder wiederholt haben.

    Wer gehört zur Zoom-Gemeinde?

    Mit der Frage, welche Lehren ‚erlaubt‘ sind oder nicht, haben wir auch schon einen weiteren Punkt angesprochen: Wer gehört zur Gemeinde und wer nicht? Wer entscheidet, ob und wann man jemanden von den Zusammenkünften ausschließt?

    Stell dir vor, dass jemand irgendwann immer öfter bei den entsprechenden Bibeltexten erwähnt, dass dieser Text doch für die Trinität spricht. Oder dass Frauen in der Zoom-Gemeinde nicht öffentlich beten sollten. Oder dass die Hoffnung für Christen nicht ein Leben im Himmel ist. Oder … dir wird sicher noch mehr einfallen.

    Handelt es sich dann schon um eine ‚Sünde‘, die gemäß Jesu Worten in Matthäus 18 zu behandeln ist? Einige verneinen das und deswegen gehe ich im nächsten Abschnitt darauf ein. Wie sind dann die Gemeinden im 1. Jahrhundert vorgegangen? Also jetzt ganz praktisch, nicht im Sinne von Rat und Anweisungen in einem Brief von Paulus oder so. Wobei man sich da auch fragen sollten, ob man sich nicht auf eine Stufe mit einem Gemeindegründer und Missionar wie Paulus stellt, wenn man solche Texte für sich zitiert.

    Entscheidet dann die Zoom-Gemeinde? Mehrheitlich? Absolute oder relative Mehrheit? Und wer ‚gehört‘ eigentlich zur Zoom-Gemeinde? Oder entscheidet der Moderator oder die Moderatorin alleine? Wenn es denn Älteste und Aufseher gäbe, dann vielleicht die? Oder fragt man besser beim Gründer der Zoom-Gemeinde nach?

    Einige haben den Gedanken einer Art ‚Hausrecht‘ ins Spiel gebracht: Wer das Zoom-Meeting organisiert, hat sozusagen das Hausrecht und kann entscheiden.

    Gut. Das entspräche also im 1. Jahrhundert der Gemeinde in Rom, die sich im Haus von Priska und ihrem Mann Aquila gemäß Römer 16:3-5 sich traf. Damit hätten die beiden das ‚Hausrecht‘ zu entscheiden, wer kommen darf und wer nicht. Wenn der Apostel Paulus dazu in einem Brief etwas schreiben würde oder gar anwesend wäre, kämen seinen Worten dann doch nur eine beratende Funktion zu, oder? Denn er hat ja nicht das Hausrecht. Sie hätten also auch Paulus vor die Tür setzen können – vor ihre Tür. Ist doch interessant, was passiert, wenn man solche Ideen einmal konkret durchdenkt.

    In anderen Bereichen mag das ja nachvollziehbar sein. Nehmen wir zum Beispiel einen YouTube Kanal. Wenn jemand der Meinung ist, dass das eigentlich sein Kanal ist und er damit identifiziert wird, dann mag er sich dazu entschließen, Beiträge, die nicht seiner Auffassung entsprechen zu löschen. Oder Beiträge von jemandem, der eigentlich gar nicht Teil der Zoom-Gemeinde mehr ist oder sein will. Obwohl, was hat das denn mit dem Inhalt zu tun? Egal, da kann man das ja noch nachvollziehen.

    Aber wie ist das bei einer Zoom-Gemeinde? Man kann doch nicht auf der einen Seite denken, dass die Zoom-Gemeinde eine Gemeinde wie die im 1. Jahrhundert ist, gleichzeitig aber das ‚Hausrecht‘ für sich beanspruchen, als ob man Gäste in sein Wohnzimmer eingeladen hat.

    Wenn diese Sache schon kompliziert ist, wie wird es dann erst bei ‚Sündern‘ sein …

    Umgang mit ‚Sündern‘

    Kommen wir nochmals darauf zurück, wie mit ‚Sündern‘ umgegangen wird. Nach Ansicht mancher sind hier Jesu Worte in Matthäus 18 die einzig maßgebliche Aussage. Lesen wir sie einmal im Kontext:

    „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und stell ihn unter vier Augen zur Rede. Wenn er mit sich reden lässt, hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Wenn er nicht auf dich hört, dann nimm einen oder zwei andere mit und geh noch einmal zu ihm, damit alles von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird. Wenn er auch dann nicht hören will, bring die Angelegenheit vor die Gemeinde. Wenn er nicht einmal auf die Gemeinde hört, dann behandelt ihn wie einen Gottlosen oder Betrüger. Ich versichere euch: Alles, was ihr hier auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein und was ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein. Und auch das versichere ich euch: Wenn zwei von euch hier auf der Erde eins werden über irgendeine Sache, die sie erbitten wollen, dann wird sie ihnen von meinem Vater im Himmel gegeben werden. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, da bin ich in ihrer Mitte.“

    Matthäus 18:15-20 NEÜ

    Ich habe bewusst als Kontext auch den zweiten Teil ab Vers 18 mit zitiert, weil es darüber viele sehr verschiedene Auffassungen gibt. Und Jesu Hinweis, dass er bei seinen Jüngern wäre, wenn sogar nur zwei oder drei zusammenkommen. Also kein einfacher Text, wenn man es ‚genau so machen möchte wie im 1. Jahrhundert‘. Wann ‚sündigt ein Bruder‘ gemäß Jesu Worten? Jesus führt das nicht weiter aus. Also wird das in der Zoom-Gemeinde entschieden? Jeder persönlich für sich? Nun, dann könnte der eine der Meinung sein, dass es sich um eine Sünde handelt und andere nicht? Fängt man dann an, eine Liste anzulegen … Nun gut, aber darauf will ich gar nicht weiter eingehen. Ich habe ja auch einen anderen Satz markiert.

    Selbst wenn man von den ‚kleinen Sünden‘ unvollkommener Menschen einmal absieht – obwohl Jesus hier keine Unterscheidung macht – dann wird in einer Zoom-Gemeinde über kurz oder lang auch jemand dabei sein, der etwas tut, was ziemlich viele als Sünde betrachten. Dann ‚bring die Angelegenheit vor die Gemeinde‘ sagt Jesus. Wie muss ich mir das in der Zoom-Gemeinde vorstellen? Wer den Anspruch hat, es genau so zu machen, wie im 1. Jahrhundert oder wie Jesus es sagte, müsste das doch auch tun, oder nicht? Wer gehört dann zur ‚Gemeinde’? Alle, die mehr oder weniger regelmäßig im Zoom-Meeting dabei sind? Dürfen zu diesem Termin dann auch andere dazu kommen? Oder verhindert man das? Darf es Video-Aufzeichnungen geben? Mal dir das ruhig noch etwas aus und denke dann nochmal über die Aussage nach, es ‚genauso zu machen wie im 1. Jahrhundert‘. Wenn du gar nicht weißt, wie es im 1. Jahrhundert gemacht wurde.

    Ich denke, es ist klar geworden, dass es aufgrund der vergangenen 2000 Jahre, der anderen Kultur und der Technik von heute neue Fragen und Herausforderungen gibt, die es damals noch nicht gab. Wenn es dafür aber keine konkrete Ableitung aus den Gemeinden im 1. Jahrhundert geben kann, dann ist doch die ganze Idee, dass man es ‚genauso macht wie im 1. Jahrhundert‘ gar nicht so sinnvoll, nicht wahr?

    Fazit

    Wir wir gesehen haben, ist es gar nicht möglich, es ‚genau so zu machen wie die Gemeinde im 1. Jahrhundert‘, weil es die eine Gemeinde gar nicht gab. Und die verschiedenen Gemeinden nicht immer und überall alles gleich gemacht haben. Das wäre auch nicht sinnvoll gewesen, weil der Kontext und die Umstände andere waren und sich änderten.

    Warum haben wir uns dann überhaupt mit dieser Behauptung beschäftigt? Weil mit der Behauptung „wir machen es wie die Gemeinde der Urchristen“ oft andere Hintergedanken mit transportiert werden: Weil wir das so wie die Urchristen machen, machen wir es richtig. Betonung auf richtig. Oder auch: Weil wir das so wie die Urchristen machen, machen wir es richtig. Betonung auf ‚wir‘. Und das impliziert, dass es ‚die anderen‘ nicht richtig machen. Und damit ist eine Abgrenzung im Raum, welche das Wir-Gefühl bestärkt, aber nicht unbedingt biblische Grundlagen hat. Und irgendwann spricht man dann vielleicht sogar (wieder) von ‚wahrer‘ und ‚falscher‘ Religion.

    Dabei stellt sich doch die Frage, ob zweitausend Jahre später im Internet-Zeitalter in Ländern, in denen christliche Religionen verbreitet sind oder überwiegen, der Kontext nicht so anders als im 1. Jahrhundert ist, dass man die spärlichen Informationen, die wir haben, gar nicht direkt auf unsere Situation übertragen kann. Zumal es dafür auch keinen Auftrag im Neuen Testament gibt.

    Macht es überhaupt Sinn, zu versuchen, es ‚genauso wie die Gemeinde der Urchristen‘ zu machen? Mussten die Gläubigen nicht schon im 1. Jahrhundert und in der Zeit danach sich immer wieder Gedanken machen, wie sie sich organisieren? Natürlich. Denn wenn du das Neue Testament liest, wie wir es auch in dieser Serie getan haben, dann wirst du feststellen, dass sie vom Heiligen Geist unterstützt wurden, dieser ihnen aber nicht jede Kleinigkeit vorgegeben oder eingegeben hat. Und eigentlich leitet ja Jesus seine Versammlung. Und manchmal hat er auch Engel dazu eingesetzt. Der Heilige Geist kam dann zum Einsatz, wenn es über das hinausging, was sie selbst geschafft hätten. Ein Petrus wäre damals nie von sich aus auf die Idee gekommen, die Heiden zu taufen. Das hätte er sich nie herausgenommen, wie seine Antworten auf seine Vision zeigen. Und Paulus wollte unbedingt in einem anderen Gebiet missionieren, bis er in einer nächtlichen Vision deutlich in eine andere Richtung gelenkt wurde. Aber sonst mussten sie das nutzen, was ihr Schöpfer ihnen gegeben hatte: Ihren Verstand.

    Auf jeden Fall kann es nicht schaden, den Blick zu erweitern auf die Berichte über die Gläubigen im Neuen Testament und auch im Alten Testament. Und auch aus der Geschichte der Jünger und der Christen bis zu den frühen Kirchen kann man einiges lernen. Ja sogar aus der weiteren geschichtlichen Entwicklung. Und den Bewegungen, die im 19. Jahrhunderts entstanden sind. Letztendlich wirst du feststellen, dass das Neue Testament kein Handbuch für die Organisation der Versammlung ist. Ziemlich bald steht man vor Fragen und Entscheidungen, wie alle Nachfolger Christi im Laufe der Jahrhunderte. Und es gibt keine einfachen und klaren Antworten im Neuen Testament. Da unser Kontext heute ein ganz anderer ist – insbesondere im Falle einer Zoom-Gemeinde – müssen wir die Dinge neu überdenken. Dabei sollten wir aus den Entscheidungen und Entwicklungen der Vergangenheit lernen.

  • Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 7

    Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 7

    Von Christian


    Nachdem wir in den ersten sechs Teilen dieser Serie sowohl den Text des Neuen Testaments in Bezug auf die Gemeinden im 1. Jahrhundert untersucht und den historischen Kontext betrachtet haben, können wir uns nun einmal fragen, ob man die Behauptung überhaupt umsetzen kann: „Wir machen das genauso wie die Gemeinde im 1. Jahrhundert“. Einmal abgesehen davon, dass wir schon aus den Schriften erkannt haben, dass es nicht ‚die eine Gemeinde‘ gab.

    Nach den Abschnitten „Text“ und „Kontext“ beschäftigen wir uns jetzt also mit den „Konsequenzen“.

    Konsequenzen

    Was vielleicht nicht so oft bedacht wird, sind die Konsequenzen, die sich ergeben, wenn man tatsächlich versucht das Muster des 1. Jahrhunderts umzusetzen – oder besser gesagt die Muster.

    Erinnern wir uns an Apostelgeschichte 2:41-47. Über die Anfänge der Jerusalemer Gemeinde hatten wir gelesen: (1) Sie hielten beharrlich an der Lehre der Apostel fest, (2) sie brachen das Brot (Abendmahl, Eucharistie), (3) hatten gemeinsame Gebete, (4) gemeinsame Mahlzeiten, (5) hatten alles gemeinsam. Und später gab es bei den Gemeinden dann einige Veränderungen.

    Jetzt schauen wir einmal, was davon in einer Zoom-Gemeinde tatsächlich umgesetzt wird.

    ‚Sie hielten beharrlich an der Lehre der Apostel fest‘

    ‚Das machen wir selbstverständlich auch‘, könnte jemand denken. Beachten wir aber, dass in diesem Zitat aus der Apostelgeschichte die 11 treuen Apostel gemeint waren. Doch du wirst vermutlich auch die Briefe des Paulus, Jakobus oder Judas lesen, nicht wahr? Aber wir wollen nicht kleinlich sein. Zumindest als Ziel in Bezug auf die Lehren lassen wir das mal durchgehen.

    ‚Gemeinsame Mahlzeiten‘

    Wer sagt, dass er es genau so wie die Gemeinde im 1. Jahrhundert macht, kann das vielleicht im Hauskreis noch umsetzten. Für die Zoom-Gemeinde dürfte das schon schwieriger sein und wird so wohl auch kaum durchgeführt: Gemeinsame Mahlzeiten. Da haben wir also schon eine erste Abweichung von ‚dem Muster des 1. Jahrhunderts‘.

    ‚Gemeinsames Brechen des Brotes‘

    Dieses Abendmahl in Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu war eigentlich Teil des gemeinsamen Essens und damit haben wir die selbe Problematik. Für eine Zoom-Gemeinde ist es aber noch schwieriger. Nicht wegen der physischen Trennung. Und weil man ja kaum einen gemeinsamen Kelch und das selbe Brot herumreichen kann. Sondern wegen den Anwesenden. War darf denn nun dabei sein und von Brot und Wein nehmen? Nur Getaufte? Oder mussten weitere andere Anforderungen erfüllt sein? Im Text des Neuen Testaments wird das nicht klar gesagt. In der Didachḕ wurde aber schon klar gesagt, dass nur essen darf, wer in den Namen Jesu getauft ist. Konnte jemand beim gemeinsamen Essen dabei sein und dann an diesen Symbolen Brot und Wein teilhaben, auch wenn er ‚neu‘ war? Oder sollte er dann nur zusehen? Wenn bei einer Zoom-Gemeinde regelmäßig Menschen zum ersten mal dabei sind, was macht man dann? Gibt es ‚Beobachter‘ wie bei den Zeugen Jehovas? Oder dürfen nur ‚Teilnehmer‘ dabei sein?

    Dann gibt es natürlich noch die Fragen, von welcher Art Brot und Wein sein sollten? Im Neuen Testament steht dazu nichts. Und wie handhabt das deine Zoom-Gemeinde? Wie die Gemeinden im 1. Jahrhundert? Was immer für Vorschläge oder Regeln es gibt – auf die Gemeinde im 1. Jahrhundert kann man sie aufgrund des Textes nicht zurückführen.

    Taufe

    Wird in deiner Zoom-Gemeinde getauft? Von wem? Kann das jeder machen, oder nur ‚Älteste‘? In den Berichten des Neuen Testament wird nicht viel gesagt, aber wie bei Johannes dem Täufer geschah dies auch an einem Gewässer und damit in der Öffentlichkeit. In der Didachḕ gab es dann schon klare Anweisungen bezüglich des Wassers. Und vorher sollte gefastet werden. Das haben Gemeinden im 1. Jahrhundert so gemacht. Nun, ‚wir machen das genau so wie im 1. Jahrhundert‘ … Dann solltest du beim nächsten mal wegen dem Wasser und dem Fasten nachfragen.

    Wurde denn im 1. Jahrhundert nochmals getauft, weil jemand seine Taufe als ungültig empfand? Worum ging es damals überhaupt bei der Taufe? „Was steht meiner Taufe noch im Weg?“ fragt der Äthiopier in Apostelgeschichte 8. Was wusste er und warum wollte er sich taufen lassen? Was steht im Text? Du wirst vielleicht überrascht sein. Und deswegen kommen wir später nochmal auf diesen Text zurück.

    Sollte man so eine Taufe weltweit über das Internet in die Zoom-Gemeinden übertragen? Erinnere dich einmal an das, was du darüber im Neuen Testament gelesen hast: Wer taufte? Und was sagte Paulus zu dem Thema im 1. Korinther Brief? „Ich danke Gott dafür, dass ich niemanden von euch getauft habe ausser Krispus und Gaius – so kann niemand sagen, ihr wärt auf meinen Namen getauft worden.“ Wenn jemand also eine Zoom-Gemeinde oder Gemeinden gegründet hat oder darin bekannt ist, dann wäre es vielleicht ein Zeichen von Weisheit, sich zu überlegen, ob man selbst andere tauft und dies auch noch weltweit überträgt. Was im 1. Jahrhundert natürlich noch überhaupt nicht ging und wir wieder beim Thema wären: „Wir machen es ganz genauso wie …“.

    Und erinnern wir uns an die Worte des Paulus, die wir im zweiten Teil der Serie schon gelesen hatten:

    Ist der Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Wurdet ihr auf den Namen des Paulus getauft? Ich danke Gott dafür, dass ich niemanden von euch getauft habe ausser Krispus und Gaius – so kann niemand sagen, ihr wärt auf meinen Namen getauft worden. Das Haus des Stephanas habe ich zwar auch noch getauft, im Übrigen aber wüsste ich nicht, dass ich noch jemanden getauft hätte. Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen – nicht mit beredter Weisheit, damit das Kreuz Christi nicht seines Sinnes entleert werde.

    1. Korinther 1:13-17 NEÜ

    Finanzierung, Spenden, Eigentum

    Es gab und gibt Gruppen, in denen dazu aufgefordert wird, alles persönliche Eigentum der Gemeinschaft zu übergeben. Angeblich so, wie die erste Gemeinde in Jerusalem in ihren Anfängen. In den meisten Zoom-Gemeinden oder Hauskreisen ist das aber nicht so. Und es war ja im 1. Jahrhundert in den anderen Gemeinden auch nicht so. Damit hält man sich also entweder an die eine oder die andere Gemeinde im 1. Jahrhundert.

    Wie hält man es in deiner Gruppe aber mit Spenden? Im Neuen Testament haben wir gelesen, dass Paulus an die Armen denken sollte – die Armen in Jerusalem. Und wie die Spenden für diese Notleidenden in Judäa organisiert wurde. Weil sie aufgrund ihrer Freigibigkeit nach Pfingsten, durch Verfolgung oder Naturkatastrophen verarmt waren. Und dass Paulus in Ephesus selbst gearbeitet hat und nichts für sich wollte. Dass er sich unterstützen lies, war die Ausnahme.

    Was sollten wir also von Spenden für andere Zwecke halten? Wenn wir den genauen Grund gar nicht kennen? Nur vage für die ‚Förderung der Tätigkeit‘? Oder für Reisen zu anderen Personen der Gruppe? Selbstverständlich kann das jeder so machen, wie er will. Doch wenn die Spenden vor allem dafür und nicht für Armen sind, passt das dann noch zum Vorbild aus dem 1. Jahrhundert? Wir betrachten dies ja im Hinblick auf die Aussage: „Wir machen das genauso wie die Gemeinde im 1. Jahrhundert“.

    Schon im 1. Jahrhundert muss die Unterstützung von reisenden Predigern (Aposteln, wir würden heute eher Missionare sagen) aber häufiger mißbraucht worden sein. Sonst wäre diese nicht so explizit schon in der Didachḕ erwähnt worden, wie wir im 3. Teil gelesen hatten: „Jeder Apostel, der zu euch kommt, soll aufgenommen werden wie der Herr; er soll aber nicht länger als einen Tag bleiben; wenn’s nötig ist, noch den zweiten; drei Tage aber wenn er bleibt, ist er ein falscher Prophet.“ Das hätte ich früher als Zeuge Jehovas mal einem Kreis- oder Bezirksaufseher vorlesen sollen …

    Apostel, Aufseher, Älteste, Diener

    Ich frage einmal gerade heraus: Gibt es in deiner Zoom-Gemeinde … Apostel? Aufseher, Älteste, Diener? Wenn es sie nicht gibt, dann entspricht das doch nicht den Gemeinden im 1. Jahrhundert. Da ist der Text im Neuen Testament unmissverständlich. Und wenn doch, wie werden sie ernannt? Durch ‚Auflegen der Hände‘ durch die Apostel? Wohl kaum, denn die sind schon lange tot. Oder ‚durch heiligen Geist‘? Inwiefern? Oder werden Älteste von der Gemeinde gewählt? Da wird es schon ziemlich schwierig, weil wir im Neuen Testament dazu nichts finden nach dem Tod der Apostel (der ursprünglichen und solchen wie Paulus und Barnabas).

    Ich gehe auf diesen Teil mal nicht weiter ein, denn die Zoom Gemeinden und Hausgemeinden, von denen ich Kenntnis habe, folgen hier gerade nicht dem Beispiel des 1. Jahrhunderts. Da will man doch eher anders organisiert sein. Alle sollen gleich sein – auch vielleicht wegen leidvoller Erfahrungen in einer Religion, der man früher angehörte.

    Frauen als Aufseher, Älteste und Diener

    Das ist schon deswegen ein spannendes Thema, weil es bis heute unter Gelehrten wie auch Laien hitzige Diskussionen gibt, ob Frauen Aufseher, Älteste und Diener sein dürfen. Und wie die entsprechenden Texte zu verstehen sind. Jetzt glaub bloß nicht, dass wir das hier in ein paar Sätzen klären können. Diese Thema zeigt aber, dass es gar nicht so einfach ist, es genauso wie im 1. Jahrhundert zu machen, wenn man gar nicht sicher weiß, wie das damals gehandhabt wurde. Und möglicherweise sogar unterschiedlich aufgrund des kulturellen und historischen Kontextes.

    Außerdem ist das Thema interessant, weil man es nicht einfach so ignorieren kann – außer es gibt in der Zoom-Gemeinde nur Männer, was aber wohl eher ungewöhnlich wäre … Und ganz gewiss nicht den Gemeinden im 1. Jahrhundert entspricht!

    Wenn nun Frauen dabei sind, und einige haben das Verständnis, dass Frauen Aufseher sein oder beten dürfen, andere aber sind vom Gegenteil überzeugt, was macht die Zoom-Gemeinde dann? Müssen dann die einen die Entscheidung zugunsten der anderen Auffassung ertragen? Wer entscheidet dann? Die Mehrheit der Anwesenden, also der regelmäßig Anwesenden oder der zufällig Anwesenden? Oder die Aufseher? Wenn es denn Aufseher oder Älteste überhaupt gibt, was oft nicht der Fall ist.

    Oder doch die Person, welche die Zoom-Gemeinde gegründet hat? Oder moderiert? Die oder der hat doch das ‚Hausrecht‘, nicht wahr? Also dann hätte Priska und ihr Mann Aquila gemäß Römer 16:3-5 das Hausrecht für die Versammlung in ihrem Haus gehabt? Und entschieden, was gelehrt wird und ob Frauen beten dürfen usw.? Ich verstehe ja, dass jemand, der eine Zoom-Zusammenkunft organisiert, das anfangs wie eine Einladung in sein Wohnzimmer versteht. Aber das ist dann keine Gemeinde wie bei den Jüngern im 1. Jahrhundert.

    Das sind aber bei weitem noch nicht alle Herausforderungen, denen man sich beim Wachstum einer Zoom-Gemeinde gegenüber sieht. Ein paar weitere und ein Fazit kommen in der nächsten und letzten Folge.

  • Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 6

    Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 6

    Von Christian


    Nachdem wir uns in der letzten Folge sowohl den historischen als auch sozialen Kontext etwas angeschaut haben, wollten wir zumindest eine wichtige Schrift aus dem ersten Jahrhundert anschauen, die als nützlich und sogar als Teil des Bibel-Kanons betrachtet wurde, schließlich aber nicht in den finalen Kanon übernommen wurde.

    Die Didachḕ

    Die Didachḕ [Διδαχὴ τῶν δώδεκα ἀποστόλων Didachḕ tõn dṓdeka apostólōn ‚Lehre der zwölf Apostel‘,] besteht aus einem Katechismus (Morallehre), einer Gottesdienstordnung und einer „kleinen Apokalypse“ und wurde etwa um 100–110 n. Chr. geschrieben. Anfangs wurde sie zu den kanonischen Schriften gezählt, später dann aber nicht mehr.

    Das Werk ist in 16 Kapitel mit jeweils drei Teilen und einer Conclusio aufgeteilt.

    • Kapitel 1–6: Überblick über christliche Sittenlehre in zwei Wegen: Weg des Lebens und des Todes
    • Kapitel 7–10: Sakramentenliturgie (Taufe, Eucharistie, Fasten, Gebet)
    • Kapitel 11–15: disziplinäre Anweisungen, Kirchenordnung (Wanderlehrer, Propheten, Gottesdienst, Gemeindewahlen)
    • Kapitel 16: Schlusskapitel: Eschatologie

    Einige Zitate daraus (Übersetzung aus der ‚Bibliothek der Kirchenväter‘ der Universität Fribourg, Schweiz):

    5: Sei nicht wie einer, der seine Hände ausstreckt zum Nehmen, zum Geben aber sie zuhält. Wenn du etwas in deinen Händen hast, so gib es als Sühne für deine Sünden.

    7: 1. Bezüglich der Taufe haltet es so: Wenn ihr all das Vorhergehende gesagt habt, „taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ in fließendem Wasser. 2. Wenn du aber kein fließendes Wasser hast, dann taufe in einem anderen Wasser; wenn du es nicht in kaltem tun kannst, tue es im warmen. 3. Wenn du beides nicht hast, gieße dreimal Wasser auf den Kopf „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. 4. Vor der Taufe soll fasten der Taufende, der Täufling und wer sonst kann; den Täufling lasse ein oder zwei Tage zuvor fasten.

    9: 1. Bezüglich der Eucharistie haltet es so: 2. Zunächst in Betreff des Kelches: Wir danken Dir, unser Vater, für den heiligen Weinstock Davids, Deines Knechtes, den Du uns zu erkennen gabst durch Jesus, Deinen Knecht; Dir sei die Ehre in Ewigkeit. 3. Und in Betreff des gebrochenen Brotes: Wir danken Dir, unser Vater, für das Leben und die Erkenntnis, die Du uns zu erkennen gabst durch Jesus, Deinen Knecht; Dir sei die Ehre in Ewigkeit. 4. Wie dieses gebrochene Brot auf den Bergen zerstreut war und zusammengebracht eins wurde, so möge Deine Gemeinde von den Enden der Erde zusammengebracht werden in Dein Reich; weil Dein ist die Ehre und die Macht durch Jesus Christus in Ewigkeit. 5. Aber keiner darf essen oder trinken von eurer Eucharistie, außer die auf den Namen des Herrn getauft sind. Denn auch hierüber hat der Herr gesagt: „ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben“

    11: 3. Betreffs der Apostel und Propheten haltet es entsprechend der Vorschrift des Evangeliums also: 4. Jeder Apostel, der zu euch kommt, soll aufgenommen werden wie der Herr; 5. er soll aber nicht länger als einen Tag bleiben; wenn’s nötig ist, noch den zweiten; drei Tage aber wenn er bleibt, ist er ein falscher Prophet. 6. Wenn der Apostel weggeht, soll er nur Brot mitnehmen, bis er wieder einkehrt; wenn er aber Geld verlangt, ist er ein falscher Prophet. … 12. Wenn aber einer spricht im Geiste: Gib mir Geld oder sonst etwas, so höret nicht auf ihn; wenn er aber für andere Bedürftige um Gaben bittet, soll niemand ihn richten.

    15: 1. Wählet euch Bischöfe und Diakonen, würdig des Herrn, Männer voll Milde und frei von Geldgier, voll Wahrheitsliebe, erprobte; denn sie sind es, die für euch versehen den (heiligen) Dienst der Propheten und Lehrer.

    Didachḕ Kapitel 5:5,6; Kapitel 7; Kapitel 9; Kapitel 11, Kapitel 15

    Man kann hier schon erkennen, wohin die Reise geht. Wenn es überhaupt überlieferte Anweisungen Jesu wie die bezüglich der Taufe im Neuen Testament gibt, dann sind sie sehr knapp. Und so bleiben viele Fragen offen. Und Dinge, die entschieden werden müssen. Und die Gemeinden begannen, gewisse Entscheidungen festzuhalten und weiterzugeben. Sei es in Bezug auf die Lehre oder die Vorgehensweise. Denn man will ja nicht heute so und morgen anders entscheiden, oder? Und genau diese Entwicklung werden wir auch wiederfinden, wenn wir im nächsten Teil betrachten, wie das heute in einer Zoom-Gemeinde abläuft.

  • Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 5

    Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 5

    Von Christian


    In den vorangegangenen Folgen hatten wir angefangen, den Text des Neuen Testaments in Bezug auf die Struktur der Gemeinden zu untersuchen. Immer mit der Behauptung im Sinn: „Wir machen das genau so wie die Christen im 1. Jahrhundert“.

    Dabei sind wir auf die Organisation der Gemeinden und das Thema Spenden etwas eingegangen, sowie auf Taufe und das friedliche Zusammenleben. Wir könnten noch weitere spezifische Aspekte anschauen, aber das würde dann eine ziemlich lange Serie. Lass uns lieber einen Blick auf den historischen Kontext dessen werfen, was wir bisher gelesen haben.

    Der historische Kontext

    Tatsächlich ist es doch so, dass die Gemeinden nicht jenseits aller Zivilisation entstanden sind, sondern in ganz konkreten historischen Kontexten mit ganz konkreten Bedürfnissen der Jünger. Betrachten wir diesen Kontext einmal genauer und fragen uns dann, ob wir heute die gleichen Bedürfnisse haben und alles so einfach auf uns übertragen dürfen.

    Wir neigen oft dazu, die Geschichte der Nachfolger Jesu im 1. Jahrhundert als eine homogene Sache zu sehen – die Gemeinde im 1. Jahrhundert. Als gäbe es nur ‚die eine Gemeinde‘ im 1. Jahrhundert die so und so gelebt hat. Die folgende Grafik soll uns einmal einige wichtige Aspekte vor Augen führen.

    Die zeitliche Entwicklung

    Ganz oben habe ich einmal ‚Generationen‘ von je 40 Jahren eingezeichnet. Damit wir ein besseres Gefühl dafür bekommen, wieviel Zeit wirklich damals vergangen ist. Denk das immer einmal in den Begriffen ‚ich‘, ‚mein Vater/Mutter‘, ‚mein Großvater/ meine Großmutter‘, ‚meine Kinder‘ und ‚meine Enkel‘ durch. Wieviel weißt du von deinen Großeltern? Was haben sie dir aus ihrer Jugend erzählt? Für die meisten Nachfolger Jesu im 1. Jahrhundert waren die Ereignisse im Leben Jesu im besten Fall die Berichte der Großeltern oder Urgroßeltern Generation. Und viele waren später Heiden, deren Eltern und auch Großeltern die von Jesus nicht gehört geschweige denn ihn selbst kennengelernt hatten.

    Vielleicht haben wir auch die idealistische Vorstellung ‚der Gemeinde in Jerusalem‘ im Sinn. Das kann daran liegen, dass wir die Texte im Neuen Testament dazu in Minuten oder wenigen Stunden lesen können. Uns fehlt völlig das Gefühl für die vielen Jahre, die in den Berichten vergehen. Und vom zweiten Teil des ersten Jahrhunderts haben wir im Neuen Testament so gut wie überhaupt keinen Bericht.

    Ein Apostel Petrus, Jakobus, der Bruder Jesu, oder ein Apostel Paulus waren nach nicht einmal 3 Jahrzehnten nach Jesu Tod auch nicht mehr am Leben! Das wäre so, als ob Jesus Anfang der 1990er Jahren da gewesen wäre und heute wären Petrus, Jakobus, Paulus und andere verstorben.

    Und was war in der Zeit dazwischen? Vielleicht schon ein Jahr nach Jesu Tod wird Stephanus gesteinigt und die Gemeinde in Jerusalem wird zerstreut. Das wäre noch vor dem Jahr 2000 gewesen.

    Schon 2010 wäre das ‚Konzil in Jerusalem‘ (Apostelgeschichte 15) gewesen und in wenigen Jahren wird der Tempel und Jerusalem zerstört. Dann müssen die in Jerusalem und Judäa fliehen. Aber davor hat schon eine Verfolgung durch die Weltmacht Rom begonnen.

    Mittlerweile sind die Kinder und Enkel groß geworden und Jesus ist immer noch nicht zurück. Das Evangelium ist überall im römischen Reich verkündet würden, bis nach Rom und darüber hinaus.

    Vielleicht wir uns jetzt bewusst, welche Veränderungen es ist in dieser Zeit gab und wie sich ‚die Gemeinde‘ im ersten Jahrhundert dramatisch verändert hat.

    Interessant wäre es auch, einmal näher die Entwicklung zu betrachten, wie nach den 12 Aposteln andere Apostel (Missionare) und Aufseher eingesetzt wurden. Also nach der Zeit, als noch diese Apostel diesen die Hände auflegten. Und gab es in Rom schon das Monepiskopat, also die Leitung der Gemeinde durch einen Bischof? In den ersten beiden Jahrhunderten kann nicht mit Gewissheit gesagt werden, wann und wo es die Leitung durch eine Gruppe von Ältesten gab und wann eine Person besonders die Führung übernahm und Bischof genannt wurde.

    Könnte es sein, dass wir eine idealistische Vorstellung von ‚der Gemeinde‘ im ersten Jahrhundert haben? Eine, die es so im Urchristentum nie gab? Den Begriff Urchristentum gibt es übrigens in der deutschsprachigen Literatur auch erst seit etwa 1770 (siehe Wikipedia Urchristentum).

    Dabei haben wir noch gar nicht über die schrittweise Loslösung der jüdischen Jünger Jesu aus ihrer Religion, Kultur und ihrem Umfeld gesprochen.

    Der soziale Kontext

    Die Struktur und Veränderung der Gemeinden der Nachfolger Christi im ersten Jahrhundert muss auch im sozialen Kontext betrachtet werden. Ich möchte nur ein paar Fakten in Erinnerung bringen:

    • Anfänglich bestand die Gemeinde in Jerusalem nur aus Juden, die von anderen zuerst auch als solche wahrgenommen wurden. Erst nach einiger Zeit konnten sie nicht mehr in die Synagogen oder den Tempel gehen. Noch in Apostelgeschichte 21:26 lesen wir, dass Paulus mit anderen in den Tempel in Jerusalem ging. Erst 7 Tage später wurde er im Tempel von Juden aus der Provinz Asien gesehen und festgenommen.
    • Anfangs waren die 11 Apostel, die von Jesus persönlich ausgewählt wurden, die maßgeblichen Personen, was die Lehre Jesu betraf. Dann taucht auch Jakobus, der Bruder Jesu auf. Mit dem Wachstum der Gemeinde in Jerusalem und der Verbreitung des Evangeliums in andere Gemeinden und dem Tod der Apostel mussten andere ‚Älteste‘ ihre Aufgabe als ‚Aufseher‘ übernehmen, wenn auch nicht mit der selben Autorität.
    • Die meisten konnten nicht lesen geschweige denn Schreiben. Es musste in der Gemeinde vorgelesen werden. Oder jemand musste zitieren – entweder aus den Schriften oder der mündlichen Überlieferung.
    • Die mündliche Überlieferung wurde immer schwieriger, weil die Augenzeugen starben. Und dann die, welche die Augenzeugen noch kannten. Irgendwann hatten viele weder Jesus, noch einen Augenzeugen oder diejenigen, die sie kannten je kennengelernt.
    • Die verschiedenen Gemeinden hatten mit ganz unterschiedlichen kulturellen Kontexten und lokalen Religionen zu tun.
    • Mit den Jüngern aus den Heiden kamen ganz neue, philosophische Ideen und Erklärungen mit in die Gemeinde, die es im jüdischen Kontext so gar nicht gab. Auch wenn alle das selbe hörten, so verstanden sie aufgrund der verschiedenen persönlichen Hintergründe nicht unbedingt das Selbe darunter.
    • Gemäß Apostelgeschichte 1:8 hofften die Apostel, dass sie die Aufrichtung des Königreiches bald erleben. Und Jesus sagte ihnen nicht, dass es nicht so wäre. Nur, dass das nicht ihre Angelegenheit ist. Daher blieb diese Hoffnung bestehen. Aber die Jahrzehnte vergingen. Und damit stellte sich die Frage: Wenn dir darin falsch lagen, was haben wir dann vielleicht noch falsch verstanden?

    Wie wir gesehen hatten, beschreibt das Neue Testament im Wesentlichen die erste Hälfte des ersten Jahrhunderts. Wie entwickelten sich die Gemeinden weiter? Dazu müssten wir auch die anderen überlieferten Schriften dieser Zeit, dann die der ‚apostolischen Väter‘ und der Patristik betrachten. Auch wenn das uns helfen würde, die Entwicklung der Gemeinden besser zu verstehen, würde das hier zu weit führen. Ich möchte in der nächsten Folgen nur eine wichtige Schrift etwas näher beleuchten.

  • Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 4

    Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 4

    Von Christian


    In der letzten Folge hatten wir uns mit dem Thema „Geld und Spenden“ in den Gemeinden im ersten Jahrhundert beschäftigt. Die beiden weiteren Themen, die wir in dieser Folge ansprechen wollen sind: Tauf und die friedliche Gemeinde.

    Taufe im 1. Jahrhundert

    Wer taufte denn im 1. Jahrhundert? Genauer gesagt, was lesen wir im Neuen Testament? Natürlich Johannes der Täufer. Davon lesen wir immer wieder. Aber auch andere:

    Jesus erfuhr, dass die Pharisäer auf ihn aufmerksam wurden, weil er mehr Menschen zu Jüngern machte und taufte als Johannes. –

    Johannes 4:1 NEÜ

    Also taufte Jesus? Was sagt der Kontext?

    Er taufte allerdings nicht selbst; das taten seine Jünger. – Da verließ er Judäa und ging wieder nach Galiläa.

    Johannes 4:2,3 NEÜ

    Also der Gründer dieser Bewegung taufte schonmal nicht. Aber er gab den Auftrag (Matthäus 28:19). So erfahren wir, dass Philippus taufte (Apg. 8:38). Was war mit den Aposteln? In Apostelgeschichte 10:47,48 hört es nicht so an, als ob Petrus selbst getauft hätte. Und in Apostelgeschichte 19:3-6 hört es sich auch nicht so an, als ob Paulus selbst getauft hätte. Doch manchmal hat er es und weist in diesem Zusammenhang auf ein Problem hin, dass heute in der Zoom-Gemeinde auch entstehen kann:

    Ist der Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Wurdet ihr auf den Namen des Paulus getauft? Ich danke Gott dafür, dass ich niemanden von euch getauft habe ausser Krispus und Gaius – so kann niemand sagen, ihr wärt auf meinen Namen getauft worden. Das Haus des Stephanas habe ich zwar auch noch getauft, im Übrigen aber wüsste ich nicht, dass ich noch jemanden getauft hätte. Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen – nicht mit beredter Weisheit, damit das Kreuz Christi nicht seines Sinnes entleert werde.

    1. Korinther 1:13-17 NEÜ

    Deswegen finden wir auch so oft die Formulierung, dass sich eine Person taufen ließ und nicht, dass dieser oder jener eine Person getauft hat.

    Und damit kommen wir zum letzten Thema für heute.

    Die friedliche Gemeinde

    Manchmal steht hinter dem Gedanken, es so wie Christen im 1. Jahrhundert zu machen, auch der Wunsch, das dann alles schon gut werden wird, weil man es ja ‚richtig‘ macht.

    Und tatsächlich könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die Apostelgeschichte liest: Am Anfang erscheint einem die frühe Gemeinde in Jerusalem in einem Zustand der Glückseligkeit:

    Sie waren einmütig beieinander und beteten beharrlich miteinander.

    Tag für Tag waren sie einmütig im Tempel zusammen, trafen sich in ihren Häusern zum Brechen des Brotes und zu gemeinsamen Mahlzeiten. Alles geschah mit großer Freude und aufrichtiger Herzlichkeit.

    Die ganze Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele.

    Apostelgeschichte 1:14; 2:46; 4:32 NEÜ

    Das klingt doch wunderbar. Durch Gottes Segen und den heiligen Geist war alles bestens, nicht wahr?

    Damals, als die Zahl der Jünger ständig wuchs, gab es auch Unzufriedenheit in der Gemeinde. Die Hellenisten beschwerten sich nämlich über die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.

    Apostelgeschichte 6:1 NEÜ

    Schau an, schon bald gab es Unzufriedenheit. Und es wird auch noch von weiteren Schwierigkeiten berichtet – trotz heiligem Geist und der Leitung Christi:

    Paulus und Barnabas bestritten das energisch und hatten deshalb eine heftige Auseinandersetzung mit ihnen.

    Nach einer langen Diskussion stand Petrus auf und sagte … Da beruhigte sich die ganze Versammlung, und alle hörten Barnabas und Paulus zu …

     Es kam nun zu einer so heftigen Auseinandersetzung, dass beide [Paulus und Barnabas] sich trennten.

    Als dann aber Kephas nach Antiochia kam, musste ich ihn öffentlich zur Rede stellen, weil er durch sein Verhalten im Unrecht war.

    Apostelgeschichte 15:2,7,12,39; Galater 2:11 NEÜ

    In 1. Korinther 3:3 spricht Paulus ein Problem an, das es sicher auch in anderen Gemeinden gab:

    Solange Eifersucht und Streit unter euch herrschen, beweist ihr ja nur, dass ihr eigensinnig seid und euch wie die anderen Menschen benehmt.

    1. Korinther 3:3 NEÜ

    Es gibt noch viele andere Texte, die gewisse Probleme ansprechen, aber diese genügen schon: Vielleicht sollten wir dann doch nicht alles genauso machen wie die Christen im 1. Jahrhundert …

    Bevor wir unsere Erkenntnisse aus dem Text mit unserer Situation heute vergleichen, werden wir in der nächsten Folge uns erst einmal mit dem historischen Kontext beschäftigen.

  • Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 3

    Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 3

    Von Christian


    In den ersten beiden Folgen hatten wir angefangen, den Text des Neuen Testaments in Bezug auf die Struktur der Gemeinden zu untersuchen. Immer mit dem Wunsch einiger im Sinn: „Wir machen das genau so wie die Christen im 1. Jahrhundert“. Dabei sind uns schon im ersten Teil sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede der unterschiedlichen Gemeinden aufgefallen.

    Wie angekündigt, wollen wir uns diesmal mit zuerst mit einem anderen heiklen Thema beschäftigen: Geld und Spenden. Denn das ist auch heute oft ein delikates Thema, über das nicht so gerne gesprochen wird. Zumindest wird oft weniger gerne darüber gesprochen, als Spenden entgegen genommen werden.

    Schauen wir also erst einmal an, was wir im Neuen Testament über ‚die Gemeinde im 1. Jahrhundert‘ erfahren.

    Der Text des Neuen Testaments

    Geld und Spenden

    Die Anfänge der Gemeinde in Jerusalem

    In der letzten Folge hatten wir in der Apostelgeschichte schon etwas über die erste Gemeinde in Jerusalem erfahren:

    Die ganze Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Niemand betrachtete etwas von seinem Besitz als privates Eigentum. Was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam. … Keiner in der Gemeinde musste Not leiden, denn wer ein Haus oder ein Grundstück besaß, verkaufte es, wenn nötig, und stellte das Geld der Gemeinde zur Verfügung. Man tat das, indem man es vor die Apostel hinlegte. Davon wurde jedem Bedürftigen zugeteilt, was er brauchte.

    Apostelgeschichte 4:32-35 NEÜ

    Am Anfang der Gemeinde in Jerusalem haben sie gemäß der Darstellung in der Apostelgeschichte alles geteilt und niemand betrachtete etwas als seinen privaten Besitz.

    Blieb das dann so und haben das die anderen Gemeinden so übernommen?

    Andere Gemeinden

    Was wissen wir sonst noch über die Unterstützung anderer?

    Nur sollten wir [Paulus und Barnabas] an die Armen gedenken, und ich habe mich auch eifrig bemüht, dies zu tun.

    Galater 2:10 Schlachter 2000

    Um welche ‚Armen‘ ging es hier? Und wie lief das ab? Paulus spricht hier von einer Zusammenkunft mit Jakobus, Petrus, Johannes und anderen in Jerusalem. In der Apostelgeschichte lesen wir:

    In diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem herab nach Antiochia. Und einer von ihnen, mit Namen Agabus, trat auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte; diese trat dann auch ein unter dem Kaiser Claudius. Da beschlossen die Jünger, dass jeder von ihnen gemäß seinem Vermögen den Brüdern, die in Judäa wohnten, eine Hilfeleistung senden solle; das taten sie auch und sandten sie an die Ältesten durch die Hand von Barnabas und Saulus.

    Apostelgeschichte 11:27-30 Schlachter 2000

    Die Unterstützung wurde also aufgrund einer besonderen Situation organisiert. Was nicht nur aufgrund der Hungersnot wichtig war. Wie wir schon gelesen hatten, hatten die in Jerusalem zu Pfingsten aufgrund der besonderen Lage ihr Hab und Gut verkauft und verteilt. Und waren dann bald verfolgt und zerstreut worden. Diese Lage war auch der Grund für eine andere Aktion:

    Es hat nämlich Mazedonien und Achaja gefallen, eine Sammlung für die Armen unter den Heiligen in Jerusalem zu veranstalten;

    Römer 15:26 Schlachter 2000

    Was aber die Sammlung für die Heiligen anbelangt, so sollt auch ihr so handeln, wie ich es für die Gemeinden in Galatien angeordnet habe. An jedem ersten Wochentag lege jeder unter euch etwas beiseite und sammle, je nachdem er Gedeihen hat, damit nicht erst dann die Sammlungen durchgeführt werden müssen, wenn ich komme. Wenn ich aber angekommen bin, will ich die, welche ihr als geeignet erachtet, mit Briefen absenden, damit sie eure Liebesgabe nach Jerusalem überbringen. Wenn es aber nötig ist, dass auch ich hinreise, sollen sie mit mir reisen.

    1. Korinther 16:1-4 Schlachter 2000

    Für die Korinther gab es in 2. Korinther 8 und 9 noch mehr Hinweise, was diese Spenden betrifft.

    Ist dir übrigens aufgefallen, dass die Spenden immer für die Gemeinde in Jerusalem bzw. die in Judäa bestimmt waren? Es ging also um eine konkrete Situation, aufgrund spezifischen geschichtlichen Entwicklung der Gemeinde in Jerusalem notwendig wurde.

    Sie haben das gern getan und stehen ja auch in ihrer Schuld. Denn wenn die Völker Anteil deren geistlichen Gütern bekommen haben, sind sie auch verpflichtet, ihnen mit irdischen Gütern zu dienen.

    Römer 15:27 NEÜ

    Ist dir ein Bericht im Neuen Testament bekannt, in dem eine Spenden-Sammlung für eine andere Gemeinde als die in Jerusalem und Judäa durchgeführt wurde? Also eine Spendenaktion für die Gemeinde in Rom oder Antiochia oder sonst wo?

    Damit meine ich nicht die direkte Hilfe für jemanden in Not (Jakobus 1:27). Das war ganz im Sinne dessen, was Jesus über Gaben für Arme sagte (Mat 6:2-4). Aber auch dafür gab es keine organisierte Spendeneinrichtung in der Gemeinde. Das war eine ganz persönliche Sache, wie Jesus sagte.

    Im Neuen Testament finden wir nur Sammlungen für die Gemeinde in Jerusalem und Judäa, aufgrund besonderer Umstände.

    In Verbindung mit Spenden gibt es noch eine spezielle Gruppe.

    Spenden für Apostel und Aufseher?

    Apostelgeschichte 20:35 wird gerne in Verbindung mit finanziellen Spenden gebraucht, doch Paulus spricht davor noch einen Punkt an, der nicht so gerne zitiert wird:

    Noch etwas: Nie habe ich Geld oder Kleidung von jemand gefordert [‚begehrt‘ Schlachter, Züricher]. Ihr wisst, dass diese meine Hände für alles gesorgt haben, was ich und meine Begleiter zum Leben brauchten. Mit meiner ganzen Lebensführung habe ich euch gezeigt, dass wir hart arbeiten müssen, um den Bedürftigen etwas abgeben zu können. Dabei sollen wir immer an die Worte denken, die Jesus, unser Herr, gesagt hat: ‚Geben macht glücklicher als Nehmen.’“[Es handelt sich offenbar um einen mündlich überlieferten Ausspruch des Herrn, der nicht in den Evangelien enthalten ist, man vergleiche aber Lukas 6,38; 11,9; Johannes 13,34.]

    Apostelgeschichte 20:33-35 NEÜ

    Paulus hat nichts gefordert. Nicht einmal von dieser Gemeinde, die er mit gegründet hat. Im Gegenteil, er hat selbst gearbeitet, um anderen Bedürftigen zu geben. Paulus wird ja gerne mal zitiert oder als Vorbild genommen, wenn es darum geht, etwas anzuordnen oder zu regeln. Diesen Teil hört man von solchen Personen aber eher selten oder gar nicht. Dabei hat er diesen Punkt auch einer anderen berühmten Gemeinde, die er gegründet hatte, vorgehalten. Und zwar auf recht ironische Weise:

    Bin ich nicht frei? Bin ich nicht ein Apostel? … Wenn ich für andere kein Apostel bin, so bin ich es doch immerhin für euch. … Dies sage ich zu meiner Verteidigung gegenüber denen, die über mich zu Gericht sitzen. … Oder ist nur mir und Barnabas das Recht, nicht zu arbeiten, verwehrt? …
    Wenn wir für euch das Geistliche gesät haben, ist es dann zu viel verlangt, wenn wir dafür von euch das Irdische ernten wollen? Wenn andere dieses Recht bei euch haben, wieso dann wir nicht erst recht? Dennoch haben wir von diesem Recht keinen Gebrauch gemacht, sondern nehmen alles auf uns, um dem Evangelium von Christus ja keinen Stein in den Weg zu legen. … So hat es auch der Herr angeordnet: Wer das Evangelium verkündigt, soll vom Evangelium leben. … Ich aber habe nichts von alledem in Anspruch genommen. Das schreibe ich nicht in der Erwartung, dass man es von jetzt an so mit mir halte. Denn lieber wollte ich sterben als … meinen Ruhm wird mir niemand zunichte machen!  
    Was ist nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium verkündige und es unentgeltlich anbiete und so mein im Evangelium begründetes Recht nicht ausschöpfe.

    1. Korinther 9:1-3, 11-15,18 Züricher

    Oder habe ich einen Fehler gemacht, als ich mich erniedrigte, damit ihr erhöht würdet, indem ich euch das Evangelium Gottes verkündigte, ohne Entgelt zu fordern? Andere Gemeinden habe ich geplündert; Geld habe ich von ihnen genommen, um euch dienen zu können. Doch bei euch bin ich, auch wenn ich Mangel litt, niemandem zur Last gefallen. Für das, was ich zu wenig hatte, sind die Brüder, die von Makedonien kamen, aufgekommen; euch keinerlei Umstände zu machen, daran lag mir, und daran wird mir auch weiterhin liegen.

    2. Korinther 11:7-9 Züricher

    In vielen Übersetzungen kommt die Ironie in Paulus Worten nicht so recht zum Tragen: „[Na gut, dann …] Ich schätze, ich habe andere Gemeinden bestohlen, indem ich ihre Gaben angenommen habe, um euch zu dienen!“ (2001 Translation)

    Wo hat Paulus aber dies her? „So hat es auch der Herr angeordnet: Wer das Evangelium verkündigt, soll vom Evangelium leben.“ (1. Korinther 9:14 Züricher) Also zum einen hat Paulus Jesus nie persönlich gehört. Also muss das überliefert worden sein. Aber so wirst du es nicht im Neuen Testament finden nur dies:

    In diesem Haus bleibt, esst und trinkt, was ihr von ihnen bekommt. Denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Geht nicht von einem Haus ins andere.

    Kranke macht gesund, Tote weckt auf, Aussätzige macht rein, Dämonen treibt aus! Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst sollt ihr es geben. Füllt eure Gürtel nicht mit Gold-, Silber- oder Kupfermünzen! Nehmt keinen Sack mit auf den Weg, kein zweites Kleid, keine Schuhe, keinen Stab! Denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert.

    Lukas 10:7; Matthäus 10:8-10 Züricher [Durchgestrichener Text ist fragwürdig]

    Das hört sich aber ganz anders an, als ‚Wer das Evangelium verkündigt, soll vom Evangelium leben“.

    Vergleichen wir das, was Paulus sagte, mit dem, was wir in Apostelgeschichte 2:41-47 gelesen hatten, dass die Gemeinde alles gemeinsam hatte und in 4:32-35, dass sie das Geld der Gemeinde zur Verfügung stellten. Das wurde später in Ephesus und Korinth also anders gehandhabt. Da passt schon besser das, was Paulus an die Galater schrieb:

    Wer aber im Wort unterrichtet wird, lasse den, der ihn unterrichtet, an allen Gütern teilhaben.

    Galater 6:6 Züricher

    Und die Gemeinde in Philippi unterstützte ihn – als er in Not war:

    Doch ihr habt gut daran getan, meine Not zu teilen. Ihr in Philippi wisst ja selbst, dass am Beginn der Ausbreitung des Evangeliums, als ich von Makedonien aufbrach, keine Gemeinde mit mir Gemeinschaft hatte im Geben und Nehmen ausser euch, ja, dass ihr mich auch in Thessalonich das eine oder andere Mal unterstützt habt. Nicht dass ich auf eure Gabe aus wäre, nein, ich suche den Ertrag, der euren Gewinn mehrt. Ich habe alles erhalten und habe nun mehr als genug. Ich bin mit allem versorgt, da ich von Epaphroditus eure Gabe erhalten habe, einen lieblichen Duft, ein willkommenes, Gott wohlgefälliges Opfer.

    Philipper 4:14-18 Züricher

    Paulus war sich nur zu gut bewusst, welches Problem durch die Unterstützung von Aufsehern und Ältesten entstehen kann. Im Neuen Testament wird auf die Gefahr hingewiesen:

    Sorgt gut für die Herde Gottes, die euch anvertraut ist. Tut es nicht, weil ihr euch dazu gezwungen fühlt, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt. Hütet sie aber nicht aus Gewinnsucht, sondern weil ihr ‹dem Herrn› dienen wollt.

    1. Petrus 5:2 NEÜ

    Also war schon damals klar, dass man es in religiösen Gemeinschaften zu etwas bringen konnte. Und über die Jahrhunderte kann man immer wieder sehen, wie leicht man den Menschen für ihre Seelenheil das Geld aus der Tasche ziehen kann. Oder für die ‚Unterstützung so wertvoller, hart arbeitender (Kreis-)Aufseher‘.

    Paulus sagt zwar, dass er wie andere im Prinzip erwarten könnten, dass er für seine Tätigkeit unterstützt wird. Aber hat es nur in Not angenommen.

    Er betont, dass er selbst gearbeitet hat: Für seine Bedürfnisse und sogar für andere Bedürftige.

    Im nächsten Teil schauen wir uns dann die Taufe und die friedliche Gemeinde an.

  • Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 2

    Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 2

    Von Christian


    Nachdem wir uns im ersten Teil mit den Anfängen der Gemeinde in Jerusalem befasst haben, wollen wir uns jetzt die weitere Entwicklung näher anschauen.

    Die Gemeinden in der apostolischen Zeit

    Der Begriff Apostel bezieht sich auf drei verschiedene Gruppen von Personen, siehe das Video “Sollten wir uns Apostel nennen (lassen)?“. Waren die 12 ursprünglichen Apostel nur in der Jerusalemer Gemeinde oder auch anderswo?

    Eine der frühesten weiteren Gemeinden war in Antiochia:

    In der Gemeinde von Antiochia gab es damals folgende Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, Luzius von Zyrene und Manaën, der zusammen mit dem Vierfürsten Herodes aufgewachsen war, und Saulus. Als sie einmal dem Herrn dienten und dabei fasteten, sprach der Heilige Geist: „Stellt mir doch Barnabas und Saulus für die Aufgabe frei, zu der ich sie berufen habe.“ Nach weiterem Fasten und Beten legten sie ihnen schließlich die Hände auf und ließen sie ziehen.  So vom Heiligen Geist ausgesandt, gingen die beiden nach Seleuzia und nahmen dort ein Segelschiff nach Zypern.

    Apg 13:1-4 NEÜ

    Hier werden einige Männer der Gemeinde als Propheten und Lehrer bezeichnet, aber nicht als Älteste. Und keiner der 12 Apostel ist dort. Als es dann Meinungsverschiedenheiten gab, als Männer aus Jerusalem nach Antiochia kamen, erfahren wir etwas über eine Veränderung in der Struktur in der Gemeinde in Jerusalem:

    Paulus und Barnabas bestritten das energisch und hatten deshalb eine heftige Auseinandersetzung mit ihnen. Schließlich kamen sie überein, Paulus und Barnabas mit einigen anderen aus der Gemeinde, zu den Aposteln und Ältesten nach Jerusalem zu senden, um diese Streitfrage zu klären.

    Apg. 15:2 NEÜ

    Hier wird also erwähnt, dass es in Jerusalem schon Männer gab, die als Älteste bezeichnet wurden. Wenn dies etwa im Jahr 48 war, dann waren schon fast zwei Jahrzehnte vergangen und die 12 Apostel auch in andere Städte gereist. Insofern mussten andere in der Gemeinde in Jerusalem die Verantwortung übernehmen, wurde aber nicht als Apostel bezeichnet.

    In der frühen Gemeinde in Antiochia wir von Propheten und Lehrern gesprochen, aber in Jerusalem von Aposteln und Ältesten.

    In Antiochia beteten und fasteten sie vor einer wichtigen Entscheidung und der Heilige Geist sprach.

    Immerhin erfahren wir in Apostelgeschichte 20:17, dass es später ‚Älteste‘ in Ephesus gab:

    Von Milet aus schickte er nach Ephesus und liess die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen.

    Apostelgeschichte 20:17 Züricher

    Hier haben wir also wieder den Begriff πρεσβυτέρους (presbyterous) ‚Älteste‘. Das ist aber keine neue Bezeichnung für eine Position in der Gemeinde der Jünger, sondern es wird 66 mal im Neuen Testament verwendet.

    Erst in Apostelgeschichte 20 erfahren wir dann etwas weiteres zu unserem Thema.

    Aufseher und Diener

    Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher eingesetzt hat, die Gemeinde Gottes [andere Handschriften: Gemeinde des Herrn] zu hüten, die er [d. i. Gott] sich erworben hat durch das Blut seines eigenen ⟨Sohnes⟩.

    Apostelgeschichte 20:28 Elberfelder

    Es gab also episkopos ‚Aufseher‘, welche durch den heiligen Geist eingesetzt worden waren. Wie das geschehen war, erfahren wir leider nicht. Aber wer damit gemeint war:

    Von Milet aber sandte er nach Ephesus und rief die Ältesten der Gemeinde [o. Versammlung; so auch V. 28] herüber.

    Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher eingesetzt hat, die Gemeinde Gottes [andere Handschr.: Gemeinde des Herrn] zu hüten, die er [d. i. Gott] sich erworben hat durch das Blut seines eigenen ⟨Sohnes⟩.

    Apostelgeschichte 20:17, 28 Elberfelder

    Hier bezeichnet er die πρεσβυτέρους (presbyterous) ‚Ältesten‘ nun als solche, die durch den heiligen Geist als ἐπισκόπους (episkopous) ‚Aufseher‘, eingesetzt worden waren. Diesen Begriff finden wir insgesamt 5 mal im neuen Testament:

    Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher eingesetzt hat, die Gemeinde Gottes [andere Handschr.: Gemeinde des Herrn] zu hüten, die er [d. i. Gott] sich erworben hat durch das Blut seines eigenen ⟨Sohnes⟩.

    Paulus und Timotheus, Knechte [w. Sklaven] Christi Jesu, allen Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind, samt den Aufsehern und Dienern: …

    Der Aufseher nun muss untadelig sein, Mann einer [Im Griech. steht hier ein Zahlwort, ebenso in V. 12.] Frau, nüchtern, besonnen, anständig, gastfrei, lehrfähig, …

    Denn der Aufseher muss untadelig sein als Gottes Verwalter, nicht eigenmächtig, nicht jähzornig, nicht dem Wein ergeben, nicht ein Schläger, nicht schändlichem Gewinn nachgehend, …

    Denn ihr gingt in der Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen.

    Apostelgeschichte 20:28; Philipper 1:1; 1. Timotheus 3:2; Titus 1:7; 1. Petrus 2:25 Elberfelder

    Die letzte Verwendung in 1. Petrus 2:25 spricht allerdings nicht von einem Aufseher in der Gemeinde, sondern von Jesus Christus selbst. Und schon anhand der Verbindung von ‚Aufseher‘ mit ‚Hirte‘ in diesem Vers und Apostelgeschichte 20:28 wird klar, dass es nicht um die Aufsicht über die Herde ging, sondern die Verantwortung für die Herde. So findet sich in HELPS Word-Studies dieser Kommentar:

    „Obwohl 1985 (epískopos) in manchen Kontexten traditionell als eine Position der Autorität angesehen wurde, liegt der Schwerpunkt in Wirklichkeit auf der Verantwortung, sich um andere zu kümmern“ (L & N, 1, 35.40).

    HELPS Word-studies zu episkopos, Strong’s 1985

    Direkt verwandt mit dem Wort epískopos wird dieses Wort in 1. Timotheus 3:1 (also im direkten Kontext) verwendet:

    Das Wort ist gewiss[o. zuverlässig; o. treu]: Wenn jemand nach einem Aufseherdienst [ἐπισκοπῆς (episkopēs); episkopé ein Besuch, eine Aufsicht] trachtet, so begehrt er ein schönes Werk.

    und sie werden dich und deine Kinder in dir zu Boden werfen und werden in dir nicht einen Stein auf dem anderen lassen, dafür, dass du die Zeit deiner Heimsuchung [episkopé ein Besuch, eine Aufsicht] nicht erkannt hast.

     Denn es steht im Buch der Psalmen geschrieben: »Seine Wohnung werde öde, und es sei niemand, der darin wohnt«!, und: »Sein Aufseheramt [episkopé ein Besuch, eine Aufsicht] empfange ein anderer!«

    und führt euren Wandel unter den Nationen gut, damit sie, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, aus den guten Werken, die sie anschauen, Gott verherrlichen am Tage der Heimsuchung! [episkopé ein Besuch, eine Aufsicht]

    1. Timotheus 3:1; Lukas 19:44; Apostelgeschichte 1:20; 1. Petrus 2:12 Elberfelder

    Jetzt klingt ‚Heimsuchung‘ ja noch schlimmer als ‚Aufseher‘. Es wird aber nur einmal in Bezug auf Älteste verwendet. Zweimal bezieht es sich auf eine Zeit, in der Gott genau hinschaut. Und dann wird es als Begründung verwendet, warum ein neuer, 12. Apostel ausgewählt wird.

    In Philipper 1:1 hatten wir neben ‚Aufsehern‘ noch ‚Diener‘ διακόνοις (diakonois) gefunden. Dieses Wort wird 29mal im Neuen Testament verwendet und zwar in einem sehr allgemeinen Sinne für alle Jünger und in Römer 13 sogar für die staatlichen Behörden! Das war zu dieser Zeit also noch keine Bezeichnung für ein bestimmtes Amt in der Gemeinde, sondern es wurde ein allgemein übliches Wort verwendet. Wer für die Gemeinde allerdings in besonderer Weise ein ‚Diener‘ war, sollte gewisse Anfordnerungen erfüllen:

    Ebenso die Diener [griech. diakonos; so auch V. 12]; ehrbar, nicht doppelzüngig, nicht vielem Wein ergeben, nicht schändlichem Gewinn nachgehend, …

    Die Diener [griech. diakonos] seien ⟨jeweils⟩ Mann einer Frau und sollen den Kindern und den eigenen Häusern gut vorstehen; …

    1. Timotheus 3:8, 12 Elberfelder

    Wir stellen also fest:

    In den Gemeinden gab es πρεσβυτέρους (presbyterous) ‚Älteste‘, die als ἐπισκόπους (episkopous) ‚Aufseher‘ dienten. Und es gab noch ‚Diener‘ διακόνοις (diakonois).

    Wir wurde diese ernannt? In Apostelgeschichte 20:28 sagt Paulus, dass sie „vom heiligen Geist ernannt worden waren“. Wie? Nach Apostelgeschichte 6:6 legten die Apostel Dienern die Hände auf. In 2. Timotheus 1:6 sagt Paulus zu Timotheus: „Darum erinnere ich dich an die Gabe Gottes, die du empfangen hast, als ich dir die Hände auflegte:“ Laut 1. Timotheus 4:14 waren es allerdings die Ältesten: „Lass die Gabe nicht ungenutzt, die Gott dir aufgrund eines prophetischen Wortes und durch Handauflegung der Ältesten geschenkt hat!“

    Im 1. Jahrhundert wurden Älteste und Diener ernannt, indem die 12 Apostel, andere Apostel oder die Ältesten ihnen die Hände auflegten.

    Auch anderen Gläubigen legten die Apostel die Hände auf:

    Als nun die Apostel in Jerusalem hörten, dass die Leute in Samarien die Botschaft Gottes angenommen hatten, schickten sie Petrus und Johannes zu ihnen. Nach ihrer Ankunft beteten beide für sie, dass Gott ihnen den Heiligen Geist geben möge, denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen. Sie waren nur auf den Namen des Herrn Jesus getauft worden. Nach dem Gebet legten Petrus und Johannes ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist.

    Apostelgeschichte 8:14-17 NEÜ

    Im 1. Jahrhundert empfingen die Jünger in Samarien den heiligen Geist, nachdem die Apostel Petrus und Johannes ihnen die Hände aufgelegt haben.

    Wir erkennen also schon aus der Apostelgeschichte, dass es nicht ‚die eine Gemeinde‘ im ersten Jahrhundert gab. Aufgrund der Entwicklung und Bedürfnisse änderte sich die Struktur von der ersten Jerusalemer Gemeinde bis zu den späteren Gemeinden im Gebiet der Heiden.

    Jetzt haben wir schon einige interessante Aspekte über die Gemeinden im 1. Jahrhundert erfahren. Bevor wir zum historischen Kontext kommen, sollten wir uns aber in den nächsten beiden Teilen noch mit anderen wichtigen Themengebieten genauer beschäftigen: Geld, Spenden, Taufen und die friedliche Gemeinde.

  • Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 1

    Die Zoom-Gemeinde: Text, Kontext, Konsequenzen – Teil 1

    Von Christian


    „Wir machen das genau so wie die Christen im 1. Jahrhundert“ ist eine gängige aber doch recht allgemein gehaltene Behauptung, die man immer wieder hört, wenn es um die Gestaltung von Hausgemeinden, Bibelkreisen oder auch Gemeinschaften geht, die sich über das Internet treffen. Letztere nenne ich im Folgenden einfach eine ‚Zoom-Gemeinde‘.1 Was ist jedoch mit dieser Behauptung genau gemeint? Wie wir sehen werden, erkennt man die Herausforderungen und volle Tragweite dieser Aussage erst, wenn man sie genauer analysiert oder im Alltag anwendet. Oder wenn zum Beispiel die Gemeinschaft im Falle einer Zoom-Gemeinde immer weiteren Zulauf erhält.

    Eines möchte ich gleich zu Anfang betonen: Es soll keinesfalls der Eindruck entstehen, dass es ‚falsch‘ ist, wenn sich Gläubige auch unter Verwendung moderner Kommunikationsmittel treffen und austauschen. Oft geht das gar nicht anders aufgrund der Entfernung oder gesundheitlicher Gründe. Das ist dann eher so, wie wenn man andere Gläubige zu sich nach Hause einlädt.

    Was passiert aber, wenn immer mehr Personen beteiligt sind? Wenn die Größe einer Gemeinde erreicht oder überschritten wird? Wenn Vorträge für hunderte Zuschauer gehalten werden? Wenn die Organisation auf Zusammenkünfte in anderen Sprachen ausgeweitet wird? Dann wird es in Bezug auf viele Punkte spannend, wenn man meint, man könne es ‚genauso machen wie die Christen im 1. Jahrhundert‘. Und darum geht es in dieser Serie.

    Dabei ist es schon ziemlich interessant, was wir dazu wirklich im Text des Neuen Testaments finden. Damit beginnen wir diese Serie. Danach schauen wir uns den historischen Kontext genauer an. Und schließlich wollen wir uns die Konsequenzen vor Augen führen, wenn man das wirklich so umsetzen würde: „Wir machen das genau so wie die Christen im 1. Jahrhundert“.

    Schauen wir uns also erst einmal ‚die Gemeinde im 1. Jahrhundert‘ genauer an. Was sagt der Text des Neuen Testaments darüber?

    Der Text des Neuen Testaments

    Die Gemeinde zur Zeit Jesu

    Sollten wir uns nicht zuerst fragen, was Jesus selbst zum Thema zu sagen hat? Was sagte Jesus darüber, wie seine Nachfolger zusammenkommen und sich organisieren sollten? Nun, dies:

    „“

    Jesus Christus zur Organisation der Gemeinde seiner Jünger

    Oder anders gesagt: Während Jesu Tätigkeit gab es keine Gemeinde in dem Sinn, wie wir es heute verstehen. Uns ist in den Evangelien überhaupt nichts darüber überliefert, was Jesu selbst zu dem Thema gesagt hat. Obwohl ihm doch viele folgten. Und er auch 12 Apostel ausgewählt hat. Und dann auch 70 weitere auswählte und sie ausgesandt hat. Und Frauen ihn auf Reisen begleiteten.

    Was Jesus seinen Jüngern jedoch versichert hat, war dies:

    Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, da bin ich in ihrer Mitte.

    Matthäus 18:20 NEÜ

    Das Matthäus Evangelium schließt mit diesen Worten ab:

    Und als sie ihn sahen, warfen sie sich ⟨vor ihm⟩ nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat zu ⟨ihnen⟩ und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.

    Matthäus 28:17-20 Elberfelder

    Sicher war das eine überraschende und äußerst große Aufgabe. Aber hat denn keiner gefragt: „Und wie sollen wir das tun, Herr? Wie organisieren wir das Taufen und Lehren?“ Vielleicht vertrauten sie einfach darauf, dass Jesus doch bei ihnen wäre und das später erklären würde. Wie er das bisher immer getan hatte.

    Allerdings klingt der Schluss in Markus anders:

    Schließlich zeigte sich Jesus den elf Jüngern selbst, als sie beim Essen waren. Er rügte ihren Unglauben und Starrsinn, weil sie denen nicht hatten glauben wollen, die ihn als Auferstandenen gesehen hatten. Dann sagte er zu ihnen: „Geht hinaus in die ganze Welt und macht die Freudenbotschaft Gottes allen Menschen bekannt. Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden. Wer aber ungläubig bleibt, wird von Gott verurteilt werden.

    Markus 16:14-16 NEÜ

    Das klingt jetzt eher so, also ob sie predigen sollen und der Rest erledigt sich von selbst. Als gäbe es gar keine Veranlassung, über Gemeinden nachzudenken. Das ist allerdings der lange Schluß, der ebenso wie der kurze Schluß, der auch existiert, vermutlich nicht authentisch ist.

    In Lukas finden wir nur dies:

     „So steht es geschrieben“, erklärte er ihnen, „und so musste der Messias leiden und sterben und am dritten Tag danach von den Toten auferstehen. Und in seinem Namen wird man allen Völkern predigen, dass sie zu Gott umkehren sollen, um Vergebung der Sünden zu erhalten. Das beginnt in Jerusalem.

    Lukas 24:46,47 NEÜ

    Und im Johannes-Evangelium finden wir gar keine Anweisungen zum Schluss. Aber vielleicht gab es ja später mehr Anweisungen durch den ‚Helfer‘ oder den Heiligen Geist?

    Die Jerusalemer Gemeinde (Anfänge)

    Nachdem wir in den Evangelien nichts zum Thema gefunden haben, ist es doch nahliegend, sich die Apostelgeschichte anzuschauen. Lukas berichtet in der Apostelgeschichte, was nach Jesu Auferstehung und kurz vor seiner Himmelfahrt geschah:

    Deshalb fragten sie ihn bei nächster Gelegenheit: „Herr, wirst du dann das Reich Israel wiederherstellen?“ Jesus erwiderte: „Die Zeiten und Fristen dafür hat der Vater selbst [Wörtlich: in der ihm eigenen Vollmacht.] festgelegt. Ihr müsst das nicht wissen. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist über euch gekommen ist, und so meine Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und bis in den letzten Winkel der Welt.“

    Apostelgeschichte 1:6-8

    Also immer noch keine weiteren Anweisungen. Ist dir aufgefallen, was sie durch den Heiligen Geist bekommen sollten? ‚Kraft‘. Hier steht nichts von besonderer Fähigkeit, die die Schriften ‚richtig‘ zu verstehen. Aber das nur nebenbei. Was taten die Jünger?

    Und als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas; Philippus und Thomas; Bartolomäus und Matthäus; Jakobus, der Sohn des Alfäus, Simon der Eiferer und Judas, der Sohn des Jakobus. Dort hielten sie alle einmütig fest am Gebet, zusammen mit den Frauen, mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Geschwistern.

    Und in diesen Tagen stand Petrus im Kreis der Brüder auf – es waren etwa hundertzwanzig Personen versammelt – und sprach:

    Apgs 1:13-15 NEÜ

    Dann kam Pfingsten 33 u.Z.:

    Als der Pfingsttag anbrach, waren alle wieder beieinander.

    Apg 2:1 NEÜ

    Und da geschah etwas Außergewöhnliches: Die Ausgießung des heiligen Geistes. Zu dieser Zeit waren viele ‚gottesfürchtige jüdische Männer aus aller Welt’ (Apg 2:5 NEÜ) in Jerusalem. Sie hatten bisher nur die Anweisung, zu predigen, und dann geschah dies:

    Alle nun, die seine Botschaft bereitwillig annahmen, wurden getauft. Etwa 3000 Personen kamen an jenem Tag dazu. Sie hielten beharrlich an der Lehre der Apostel fest, an der geschwisterlichen Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den gemeinsamen Gebeten. Jeden Einzelnen ergriff eine tiefe Ehrfurcht vor Gott, und durch die Apostel geschahen viele Wunder und außergewöhnliche Zeichen. Alle Gläubiggewordenen aber bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Wer ein Grundstück oder anderen Besitz hatte, verkaufte es und verteilte den Erlös an die Bedürftigen. Tag für Tag waren sie einmütig im Tempel zusammen, trafen sich in ihren Häusern zum Brechen des Brotes und zu gemeinsamen Mahlzeiten. Alles geschah mit großer Freude und aufrichtiger Herzlichkeit. Sie lobten Gott und waren im ganzen Volk angesehen. Täglich fügte der Herr solche, die gerettet wurden, ‹ihrer Gemeinschaft› hinzu.

    Apg. 2:41-47 NEÜ

    Zweimal wird erwähnt, dass alle zusammenkamen, und zwar etwa 120, was für ein Obergemach schon viel ist. Sie waren im Tempel, trafen sich in ihren Häusern zum Abendmahl und zu gemeinsamen Mahlzeiten und Gebeten. Und das jetzt mit 30mal soviel Personen! Und es wurden immer mehr. Und immer noch keine Anweisungen zur Durchführung von Zusammenkünften! Interessanterweise werden hier die Synagogen nicht erwähnt. Aber wir können schon einmal festhalten, was sie taten:

    Gemäß der Apostelgeschichte traf sich die Jerusalemer Gemeinde im Tempel und in Häusern. Die Synagogen werden nicht erwähnt.

    In den Häusern: (1) Hielten sie beharrlich an der Lehre der Apostel fest, (2) sie brachen das Brot (Abendmahl, Eucharistie), (3) gemeinsame Gebete, (4) gemeinsame Mahlzeiten, (5) hatten alles gemeinsam.

    „Alles geschah mit großer Freude und aufrichtiger Herzlichkeit.“

    In Apostelgeschichte 4 finden wir einen weiteren interessanten Hinweis:

    Die ganze Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Niemand betrachtete etwas von seinem Besitz als privates Eigentum. Was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam. Machtvoll bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus und ein großer Segen lag auf ihnen allen. Keiner in der Gemeinde musste Not leiden, denn wer ein Haus oder ein Grundstück besaß, verkaufte es, wenn nötig, und stellte das Geld der Gemeinde zur Verfügung. Man tat das, indem man es vor die Apostel hinlegte. Davon wurde jedem Bedürftigen zugeteilt, was er brauchte.

    Apg 4:32-35 NEÜ

    Wir halten fest:

    Die 12 Apostel spielten also eine entscheidende Rolle.

    „Die ganze Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele.“

    „Was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam.“

    Es dauerte jedoch nicht lange, und es gab Probleme:

    Damals, als die Zahl der Jünger ständig wuchs, gab es auch Unzufriedenheit in der Gemeinde. Die Hellenisten [Griechisch sprechende Juden, die außerhalb Israels geboren und erst im Alter nach Jerusalem gezogen waren.] beschwerten sich nämlich über die Hebräer [In Israel geborene Juden, die Hebräisch bzw. Aramäisch sprachen.], weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.

    Apg. 6:1 NEÜ

    Es gab also trotz der Ausgießung des Heiligen Geistes Probleme! Trotz der ‚offenkundingen Leitung durch den Geist‘? Was sollte man tun? Es gab ja immer noch keine Anweisungen von Jesus. Hat der Heilige Geist das in diesem Fall geregelt?

    Da riefen die Zwölf die ganze Versammlung der Jünger zusammen und sagten: „Es ist nicht richtig, dass wir die Verkündigung des Wortes Gottes vernachlässigen und uns um die Verteilung der Lebensmittel kümmern. Seht euch deshalb nach sieben Männern unter euch um, Brüder, denen wir diese Aufgabe übertragen können. Sie müssen einen guten Ruf haben und mit dem Heiligen Geist und mit Weisheit erfüllt sein. Wir selbst werden uns weiterhin dem Gebet widmen und der Weitergabe des ‹göttlichen› Wortes.“ Mit diesem Vorschlag waren alle einverstanden. Sie wählten Stephanus, einen glaubensvollen und mit dem Heiligen Geist erfüllten Mann, dann Philippus, Prochorus und Nikanor, Timon und Parmenas und Nikolaus, einen Mann aus Antiochia, der zum Judentum übergetreten war. Diese sieben stellten sie vor die Apostel, die ihnen betend die Hände auflegten.

    Apg. 6:2-6 NEÜ

    Die 12 Apostel leiteten die Gemeinde in Jerusalem.

    Später wurden 7 Männer (keine Frauen) für andere Aufgaben ausgewählt.

    Mit dem Wachstum kam es zu Problemen und Unzufriedenheit.

    Übrigens: Ist die aufgefallen, dass die 12 die ganze Versammlung der Jünger zusammenrief? Also bei 120 im Obersaal kein Problem. Aber wir hatten doch von 3000 und noch mehr gelesen … Und wie ist das mit der ‚Leitung durch den Heiligen Geist‘ hier? Lies noch einmal nach und denke darüber nach.

    Weiter lesen wir in der Apostelgeschichte, dass später Jakobus, ein Bruder Jesu, sowie weitere Älteste in der Jerusalemer Gemeinde waren: „Gleich am nächsten Tag ging Paulus mit uns zu Jakobus, wo sich auch alle Ältesten der Gemeinde einfanden.“ (Apg. 21:18)

    Kurz nach Gründung der ersten Gemeinde in Jerusalem, vielleicht schon im Jahr 34, wurde Stephanus gesteinigt, eine Verfolgungswelle setzte ein und die Jerusalemer Gemeinde änderte sich:

    Die nun, welche sich zerstreut hatten seit der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhoben hatte, zogen bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und redeten das Wort zu niemand als nur zu Juden.

    Apostelgeschichte 11:19 Schlachter 2000

    Nicht lange danach kam es zur Steinigung des Stephanus, zu Verfolgung der Gemeinde in Jerusalem und viele wurden zerstreut und zogen weit weg.

    Wir wirkte sich das aus? Was erfahren wir über die Gemeinden in der apostolischen Zeit? Das betrachten wir in der nächsten Folge.

    1. Ich bekomme von Zoom keine Vergütung für die Verwendung des Begriffs. Es ist nur eines der bekannten und häufig verwendeten Hilfsmittel für solche Online-Zusammenkünfte. ↩︎