Von Christian
In der letzten Folge hatten wir uns mit dem Thema „Geld und Spenden“ in den Gemeinden im ersten Jahrhundert beschäftigt. Die beiden weiteren Themen, die wir in dieser Folge ansprechen wollen sind: Tauf und die friedliche Gemeinde.
Taufe im 1. Jahrhundert
Wer taufte denn im 1. Jahrhundert? Genauer gesagt, was lesen wir im Neuen Testament? Natürlich Johannes der Täufer. Davon lesen wir immer wieder. Aber auch andere:
Jesus erfuhr, dass die Pharisäer auf ihn aufmerksam wurden, weil er mehr Menschen zu Jüngern machte und taufte als Johannes. –
Johannes 4:1 NEÜ
Also taufte Jesus? Was sagt der Kontext?
Er taufte allerdings nicht selbst; das taten seine Jünger. – Da verließ er Judäa und ging wieder nach Galiläa.
Johannes 4:2,3 NEÜ
Also der Gründer dieser Bewegung taufte schonmal nicht. Aber er gab den Auftrag (Matthäus 28:19). So erfahren wir, dass Philippus taufte (Apg. 8:38). Was war mit den Aposteln? In Apostelgeschichte 10:47,48 hört es nicht so an, als ob Petrus selbst getauft hätte. Und in Apostelgeschichte 19:3-6 hört es sich auch nicht so an, als ob Paulus selbst getauft hätte. Doch manchmal hat er es und weist in diesem Zusammenhang auf ein Problem hin, dass heute in der Zoom-Gemeinde auch entstehen kann:
Ist der Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Wurdet ihr auf den Namen des Paulus getauft? Ich danke Gott dafür, dass ich niemanden von euch getauft habe ausser Krispus und Gaius – so kann niemand sagen, ihr wärt auf meinen Namen getauft worden. Das Haus des Stephanas habe ich zwar auch noch getauft, im Übrigen aber wüsste ich nicht, dass ich noch jemanden getauft hätte. Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen – nicht mit beredter Weisheit, damit das Kreuz Christi nicht seines Sinnes entleert werde.
1. Korinther 1:13-17 NEÜ
Deswegen finden wir auch so oft die Formulierung, dass sich eine Person taufen ließ und nicht, dass dieser oder jener eine Person getauft hat.
Und damit kommen wir zum letzten Thema für heute.
Die friedliche Gemeinde
Manchmal steht hinter dem Gedanken, es so wie Christen im 1. Jahrhundert zu machen, auch der Wunsch, das dann alles schon gut werden wird, weil man es ja ‚richtig‘ macht.
Und tatsächlich könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die Apostelgeschichte liest: Am Anfang erscheint einem die frühe Gemeinde in Jerusalem in einem Zustand der Glückseligkeit:
Sie waren einmütig beieinander und beteten beharrlich miteinander.
Tag für Tag waren sie einmütig im Tempel zusammen, trafen sich in ihren Häusern zum Brechen des Brotes und zu gemeinsamen Mahlzeiten. Alles geschah mit großer Freude und aufrichtiger Herzlichkeit.
Die ganze Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele.
Apostelgeschichte 1:14; 2:46; 4:32 NEÜ
Das klingt doch wunderbar. Durch Gottes Segen und den heiligen Geist war alles bestens, nicht wahr?
Damals, als die Zahl der Jünger ständig wuchs, gab es auch Unzufriedenheit in der Gemeinde. Die Hellenisten beschwerten sich nämlich über die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.
Apostelgeschichte 6:1 NEÜ
Schau an, schon bald gab es Unzufriedenheit. Und es wird auch noch von weiteren Schwierigkeiten berichtet – trotz heiligem Geist und der Leitung Christi:
Paulus und Barnabas bestritten das energisch und hatten deshalb eine heftige Auseinandersetzung mit ihnen.
Nach einer langen Diskussion stand Petrus auf und sagte … Da beruhigte sich die ganze Versammlung, und alle hörten Barnabas und Paulus zu …
Es kam nun zu einer so heftigen Auseinandersetzung, dass beide [Paulus und Barnabas] sich trennten.
Als dann aber Kephas nach Antiochia kam, musste ich ihn öffentlich zur Rede stellen, weil er durch sein Verhalten im Unrecht war.
Apostelgeschichte 15:2,7,12,39; Galater 2:11 NEÜ
In 1. Korinther 3:3 spricht Paulus ein Problem an, das es sicher auch in anderen Gemeinden gab:
Solange Eifersucht und Streit unter euch herrschen, beweist ihr ja nur, dass ihr eigensinnig seid und euch wie die anderen Menschen benehmt.
1. Korinther 3:3 NEÜ
Es gibt noch viele andere Texte, die gewisse Probleme ansprechen, aber diese genügen schon: Vielleicht sollten wir dann doch nicht alles genauso machen wie die Christen im 1. Jahrhundert …
Bevor wir unsere Erkenntnisse aus dem Text mit unserer Situation heute vergleichen, werden wir in der nächsten Folge uns erst einmal mit dem historischen Kontext beschäftigen.


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