Von Christian
Nachdem wir uns in der letzten Folge sowohl den historischen als auch sozialen Kontext etwas angeschaut haben, wollten wir zumindest eine wichtige Schrift aus dem ersten Jahrhundert anschauen, die als nützlich und sogar als Teil des Bibel-Kanons betrachtet wurde, schließlich aber nicht in den finalen Kanon übernommen wurde.
Die Didachḕ
Die Didachḕ [Διδαχὴ τῶν δώδεκα ἀποστόλων Didachḕ tõn dṓdeka apostólōn ‚Lehre der zwölf Apostel‘,] besteht aus einem Katechismus (Morallehre), einer Gottesdienstordnung und einer „kleinen Apokalypse“ und wurde etwa um 100–110 n. Chr. geschrieben. Anfangs wurde sie zu den kanonischen Schriften gezählt, später dann aber nicht mehr.
Das Werk ist in 16 Kapitel mit jeweils drei Teilen und einer Conclusio aufgeteilt.
- Kapitel 1–6: Überblick über christliche Sittenlehre in zwei Wegen: Weg des Lebens und des Todes
- Kapitel 7–10: Sakramentenliturgie (Taufe, Eucharistie, Fasten, Gebet)
- Kapitel 11–15: disziplinäre Anweisungen, Kirchenordnung (Wanderlehrer, Propheten, Gottesdienst, Gemeindewahlen)
- Kapitel 16: Schlusskapitel: Eschatologie
Einige Zitate daraus (Übersetzung aus der ‚Bibliothek der Kirchenväter‘ der Universität Fribourg, Schweiz):
5: Sei nicht wie einer, der seine Hände ausstreckt zum Nehmen, zum Geben aber sie zuhält. Wenn du etwas in deinen Händen hast, so gib es als Sühne für deine Sünden.
7: 1. Bezüglich der Taufe haltet es so: Wenn ihr all das Vorhergehende gesagt habt, „taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ in fließendem Wasser. 2. Wenn du aber kein fließendes Wasser hast, dann taufe in einem anderen Wasser; wenn du es nicht in kaltem tun kannst, tue es im warmen. 3. Wenn du beides nicht hast, gieße dreimal Wasser auf den Kopf „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. 4. Vor der Taufe soll fasten der Taufende, der Täufling und wer sonst kann; den Täufling lasse ein oder zwei Tage zuvor fasten.
9: 1. Bezüglich der Eucharistie haltet es so: 2. Zunächst in Betreff des Kelches: Wir danken Dir, unser Vater, für den heiligen Weinstock Davids, Deines Knechtes, den Du uns zu erkennen gabst durch Jesus, Deinen Knecht; Dir sei die Ehre in Ewigkeit. 3. Und in Betreff des gebrochenen Brotes: Wir danken Dir, unser Vater, für das Leben und die Erkenntnis, die Du uns zu erkennen gabst durch Jesus, Deinen Knecht; Dir sei die Ehre in Ewigkeit. 4. Wie dieses gebrochene Brot auf den Bergen zerstreut war und zusammengebracht eins wurde, so möge Deine Gemeinde von den Enden der Erde zusammengebracht werden in Dein Reich; weil Dein ist die Ehre und die Macht durch Jesus Christus in Ewigkeit. 5. Aber keiner darf essen oder trinken von eurer Eucharistie, außer die auf den Namen des Herrn getauft sind. Denn auch hierüber hat der Herr gesagt: „ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben“
11: 3. Betreffs der Apostel und Propheten haltet es entsprechend der Vorschrift des Evangeliums also: 4. Jeder Apostel, der zu euch kommt, soll aufgenommen werden wie der Herr; 5. er soll aber nicht länger als einen Tag bleiben; wenn’s nötig ist, noch den zweiten; drei Tage aber wenn er bleibt, ist er ein falscher Prophet. 6. Wenn der Apostel weggeht, soll er nur Brot mitnehmen, bis er wieder einkehrt; wenn er aber Geld verlangt, ist er ein falscher Prophet. … 12. Wenn aber einer spricht im Geiste: Gib mir Geld oder sonst etwas, so höret nicht auf ihn; wenn er aber für andere Bedürftige um Gaben bittet, soll niemand ihn richten.
15: 1. Wählet euch Bischöfe und Diakonen, würdig des Herrn, Männer voll Milde und frei von Geldgier, voll Wahrheitsliebe, erprobte; denn sie sind es, die für euch versehen den (heiligen) Dienst der Propheten und Lehrer.
Didachḕ Kapitel 5:5,6; Kapitel 7; Kapitel 9; Kapitel 11, Kapitel 15
Man kann hier schon erkennen, wohin die Reise geht. Wenn es überhaupt überlieferte Anweisungen Jesu wie die bezüglich der Taufe im Neuen Testament gibt, dann sind sie sehr knapp. Und so bleiben viele Fragen offen. Und Dinge, die entschieden werden müssen. Und die Gemeinden begannen, gewisse Entscheidungen festzuhalten und weiterzugeben. Sei es in Bezug auf die Lehre oder die Vorgehensweise. Denn man will ja nicht heute so und morgen anders entscheiden, oder? Und genau diese Entwicklung werden wir auch wiederfinden, wenn wir im nächsten Teil betrachten, wie das heute in einer Zoom-Gemeinde abläuft.


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