Von Christian / N. T. Wright
Im siebten Kapitel des Buches von N.T. Wright How God Became King: The Forgotten Story of the Gospels (Deutsche Übersetzung: Reich Gottes, Kreuz, Kirche. Die vergessene Story der Evangelien) geht es um ein Thema, das meistens überhaupt nicht zur Sprache kommt – obwohl die Evangelien davon berichten:


Ein weiteres Thema ist die Story Jesu, die als die Story des Königreich Gottes erzählt wird, welches mit dem Königreich des Cäsars zusammenprallt.
N.T. Wright How God Became King, Kapitel 7
Gott und Cäsar
Bevor wir über diesen Zusammenstoß dieser beiden Königreiche sprechen können, ist es wichtig zu verstehen, dass in der Bibel, im Neuen Testament und auch in den Evangelien selbst etwas deutlich gesagt wird, was heute selbst viele Christen nicht glauben:
Die Evangelien sind sich der dunklen Kräfte sehr bewusst, die letztlich ihren Ursprung und ihre Stärke der Macht verdanken, die manchmal als „Satan“ oder „Ankläger“ bezeichnet wird. Die Verfasser der Evangelien haben viel über diese dunklen Kräfte, diese dunkle Macht zu sagen. Sie sind sich völlig im Klaren darüber, wo der ultimative Feind zu finden ist.
N.T. Wright How God Became King, Kapitel 7
Wir werden darauf noch eingehen. Fürs erste sei nur einmal auf die Versuchungen Jesu hingewiesen. Der Teufel konnte Jesus nicht weniger als alle Königreiche dieser Welt anbieten und Jesus hat das nicht als Lüge abgetan (Matthäus 4:8-10).
Insofern haben diese Worte Jesu möglicherweise eine andere Bedeutung, als wir dachten: „Habt keine Angst vor denen, die nur den Leib töten, der Seele aber nichts anhaben können. Fürchtet aber den, der Seele und Leib dem Verderben in der Hölle ausliefern kann.“ (Matthäus 10:28; Lukas 12:4-5) Aber Seele, Leib und Hölle würden uns jetzt zu weit vom Thema weg bringen.
Wenn Juden dieser Zeit über ihre Geschichte sprachen, ging es auch immer um die Frage, wie ihr Gott sie von der Herrschaft der bösen und mächtigen heidnischen Imperien befreien würde – wie beim Exodus aus Ägypten. Und wenn im Alten Testament davon gesprochen wird, dass der Gott Israels für sein Volk gegen anderen Mächte kämpft, geht es auch immer um deren Götter (siehe auch Jesaja 40-55).
Gott und die Mächte in der jüdischen Tradition
Das Alte Testament verliert keine Zeit, um gleich nach der Rebellion der Menschen schon im vierten Kapitel unser Augenmerk auf Mächte zu lenken: Kains Reaktion auf seine Verurteilung wegen des Mordes an seinem Bruder ist, eine Stadt zu bauen (1. Mose 4:17). Danach folgt die Beschreibung der Rebellion der „Gottessöhne“ (1. Mose 6:2) zusammen mit den Menschen, die Gott mit einer Flut beenden muss. Um dann schon im 11. Kapitel die dritte Rebellion in Babel zu beschreiben, die Gott durch die Verwirrung der Sprachen bekämpft.
Im 12. Kapitel erfahren wir dann schon, dass Gott Abram beruft, um in seiner Gnade das zu tun, was Menschen mit ihrer arroganten Macht selbst erreichen wollen. Vor dem Bericht über den Exodus finden wir in 2. Mose 1:11, dass der Herrscher des mächtigen ägyptischen Reiches die Israeliten zwingt, etwas zu bauen: Städte. Analysiert man die 10 Plagen und die vernichtende Niederlage der angreifenden ägyptischen Armee im Meer etwas näher, erkennt man, dass es jeweils auch ein Schlag gegen einen Gott der Ägypter war. Einschließlich des als Gott geltenden Pharao.
Die weitere Geschichte Israels bis David und Salomo zeichnet sich dadurch aus, dass Israel immer wieder unter die Herrschaft anderer Mächte kommt, bis Jahwe sie befreit. Erst in dieser Zeit gibt es einen sicheren Ort für die Bundeslade und das Zelt der Zusammenkunft im Tempel in Jerusalem, damit Gott inmitten seines Volkes wohnen kann.
Als ‚Höhepunkt‘ dieses Zusammenpralls des Königreiches Gottes und der Mächte geht Gottes Volk allerdings ins Exil, wie wir zum Beispiel in Jesaja 40-55 und Daniel lesen können – beides Bücher, aus welchen die frühen Christen viel schöpften. Und auch wenn Israel aus dem Exil zurückkehrt, so sind sie immer noch unter der Herrschaft der anderen Mächte. Das konnte also noch nicht das Ende der Story sein:
Gott wird sein Volk rechtfertigen, es aus dem Exil befreien (Jes 52; Dan 9), es zu seiner Rechten erhöhen (Dan 7) und ein unerschütterliches Königreich errichten (Dan 2), das wahre davidische Königreich, das auf der Erneuerung des Bundes beruht und nichts Geringeres als eine neue Schöpfung sein wird (Jes 54-55). Bei Jesaja wird dies durch das Werk des „Dieners des Herrn“ erreicht; bei Daniel wird es durch das Leiden und die Treue des Volkes Gottes erreicht. Es ist durchweg dieselbe Story. Und es besteht kein Zweifel daran, dass dies die Story ist, die die Verfasser der Evangelien auf ihre unterschiedliche Weise in der grundlegenden Story von Jesus selbst nacherzählen wollen.
N.T. Wright How God Became King, Kapitel 7
Weitere Texte wie Psalm 2 und Psalm 89 bestärkten die Juden darin, dass sie noch nicht am Ende ihrer Story sind. Das ist der Kontext, in dem die Evangelien sich ereigneten und geschrieben wurden.
Gott und Cäsar in den Evangelien
„Aber die Evangelien enthalten doch eine friedliche Botschaft, oder?“, denkst du vielleicht. „Und sagte nicht Jesus selbst: „Dann gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.““ (Matthäus 22:21 NEÜ). Es geht hier jedoch nicht um das Verhalten jedes Einzelnen, sondern das Verhältnis zwischen Gott und den Mächten. Vielleicht beruht unsere Ansicht mehr auf einigen wenigen Versen, während andere Teile der Evangelien zu wenig Beachtung finden?
Tatsächlich wird gleich zu Beginn des Lukas Evangeliums auch vom Kaiser gesprochen:
Es geschah aber in jenen Tagen, dass ein Erlass ausging vom Kaiser Augustus, alle Welt solle sich in Steuerlisten eintragen lassen. Dies war die erste Erhebung; sie fand statt, als Quirinius Statthalter in Syrien war.
Lukas 2:1,2 Züricher
Erwähnt Lukas das nur, um den historischen Zeitpunkt festzuhalten? Oder um zu erklären, warum Josef und Maria in Bethlehem sind? Übersehen wir dann nicht etwas? „Steuerlisten“ – jeder wusste, was das bedeutet. Für uns ist das Zahlen von Steuern so alltäglich, dass wir kaum darüber nachdenken. Insbesondere für jeden jüdischen Zuhörer bedeutete dies: Eintragung als Unterworfene in einem Königreich, das von eine fremden Macht beherrscht wurde. Weit hergeholt? Josephus berichtet über mehrere Aufstände aufgrund von solchen Einschreibungen. Und am Ende von Lukas finden wir diese Anklage:
Und sie erhoben Anklage gegen ihn und sagten: Wir haben festgestellt, dass dieser unser Volk verführt und es davon abhält, dem Kaiser Steuern zu zahlen, und dass er von sich behauptet, er sei der Gesalbte, ein König.
Lukas 23:2 Züricher
Es geht also auch um die Frage, wer der rechtmäßige König über Israel ist. Und es überrascht daher nicht, wenn Lukas seinen zweiten Band – die Apostelgeschichte – so aufhören lässt: „[Paulus] verkündigte das Reich Gottes und lehrte über Jesus Christus, den Herrn, in aller Offenheit und ungehindert.“ (Apg 28:31).
Matthäus enthält ähnliche Hinweise, nur ist sein Fokus im zweiten Kapitel „König Herodes“, Herodes der Große, und seine Dynastie. Immer wieder taucht Herodes Antipas während der Jesu öffentlicher Tätigkeit auf und tötet sogar seinen Cousin Johannes. Und so findet man am Ende von Lukas, dass Herodes Antipas und Pontius Pilatus als Vertreter der Mächte der Welt durch ihren Umgang mit Jesus sogar Freunde werden: „Pilatus und Herodes Antipas, die bisher verfeindet gewesen waren, wurden an diesem Tag Freunde.“ (Lukas 23:12)
In Markus 10:35-45 finden wir auch eine prägnante Passage zum diesem Thema:
Und Jesus ruft sie zu sich und sagt zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher der Völker gelten, unterdrücken sie, und ihre Grossen setzen ihre Macht gegen sie ein. Unter euch aber sei es nicht so, sondern: Wer unter euch gross sein will, sei euer Diener, und wer unter euch der Erste sein will, sei der Knecht aller. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
Markus 10:42-45 Züricher
In der Darstellung des Markus wird man an den „Diener Jahwes“ aus Jesaja 40-55 erinnert und wir haben den „Menschensohn“ aus Daniel. Und damit werden die Zuhörer daran erinnert, dass der Gott Israels zurück kommt und die Herrschaft über sein Volk und sogar alle Nationen beansprucht.
Mit anderen Worten gibt es eine klare Verbindung von Genesis 11 über Jesaja 40-55 und Daniel 7 bis hin zu Markus 10 und damit wiederum zu Markus 14-15, wo Jesus seinen Häschern, seinen Richtern und seinem Tod begegnet. Er theoretisiert nicht nur über den Unterschied zwischen heidnischer Macht und der Art von Macht, die er beansprucht, er setzt sie in die Tat um. Die gerade zitierte Passage ist keine „politische“ Aussage (über verschiedene Arten von Macht), auf die eine „Sühne“-Aussage (darüber, wie Sünden vergeben werden) folgt, als ob die beiden völlig getrennte Dinge wären. Wie wir im nächsten Teil des Buches sehen werden, etabliert Jesus, wenn wir „Königreich“ und „Kreuz“ auf eine Weise zusammenfügen, wie es nur wenige Leser der Evangelien versucht haben, die neue Art von Macht – Gottes Königreich im Gegensatz zu Cäsars – auf Erden wie im Himmel – und zwar genau durch seinen (gemäß der Schrift ausgelegten) Tod. Und umgekehrt rettet Gott sein Volk durch das Wirken des „Dieners“ aus Jesaja von seinen Sünden, um seine Herrschaft, seine ganz andere Art von Macht, auf der ganzen Welt zu errichten.
N.T. Wright How God Became King, Kapitel 7
Auch im Johannes Evangelium findet sich ein ähnlicher Gedankengang:
Jesus entgegnete: Nicht um meinetwillen ist diese Stimme ergangen, sondern um euretwillen. Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt, jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich von der Erde weggenommen und erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. Das aber sagte er, um anzudeuten, welchen Tod er sterben sollte.
Johannes 12:30-33 Züricher
Später betont er wieder, dass der Sieg des Königreiches Gottes erstaunlicherweise nicht durch Krieg sondern durch seinen Tod erreicht werden wird:
Und ich habe es euch schon jetzt gesagt, bevor es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es dann geschieht. Ich kann euch nicht mehr viel sagen, denn es kommt der Fürst der Welt. Über mich hat er keine Macht, sondern es geschieht, damit die Welt erkennt, dass ich den Vater liebe und tue, was mir der Vater geboten hat. Steht auf, lasst uns von hier aufbrechen!
Johannes 14:29-31 Zürcher
N.T. Wright ist sich völlig bewusst, dass diese Verbindung für viele außerhalb ihres gewohnten Umfelds ist:
Dies wird viele moderne westliche Christen zweifellos bereits weit über ihren normalen Horizont hinausführen. Aber es gibt noch mehr. In Kapitel 16 erklärt Jesus, dass der „Geist der Wahrheit“, von dem er gesprochen hat, eine außergewöhnliche, komplexe und gefährlich klingende Aufgabe zu erfüllen hat, wenn der „Helfer“ kommt. Der Geist, sagt Jesus, „wird die Welt in drei Punkten eines Besseren belehren: Sünde, Gerechtigkeit und Gericht“ (16:8).
N.T. Wright How God Became King, Kapitel 7
Und das sagt Jesus gemäß dem Johannes Evangelium:
der Sünde, weil sie nicht an mich glauben; der Gerechtigkeit, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; des Gerichts, weil der Herrscher dieser Welt gerichtet ist.
Johannes 16:9-11 Einheitsübersetzung 2016
Wie ist das zu verstehen?
Wir können vielleicht noch ein paar kurze weitere Erklärungen hinzufügen. Erstens glaubt die Welt (zu der tragischerweise die meisten der damaligen jüdischen Landsleute Jesu gehören) nicht an Jesus. Sie ist daher auf dem falschen Weg und verfehlt das Ziel. Der Fachbegriff dafür lautet „Sünde“. Zweitens wird Jesus bestätigt werden, es wird sich auf dramatische Weise herausstellen, dass er im Recht ist. Dies wird Gottes großer Akt der „Gerechtigkeit“ sein, der alles ins Lot bringt und so die Ungerechtigkeit, das Nicht-ins-Lot-Bringen oder das aktive Unrecht des Rests der Welt aufzeigt. Mit anderen Worten: Die Welt ist zutiefst und radikal aus den Fugen geraten, und alles Mögliche läuft schief; Gott wird alles ins Lot bringen. Drittens wird Gott ein Urteil der Verdammnis über den „Herrscher dieser Welt“ fällen („Gericht“).
Wie wird all dies geschehen? Durch das Wirken des Geistes, den Jesus seinen Jüngern zu senden verspricht. Mit anderen Worten, es wird durch das vom Geist geleitete Wirken der Nachfolger Jesu geschehen.
N.T. Wright How God Became King, Kapitel 7
Im Buch führ N.T. Wright das noch weiter aus, aber für eine solche Menge an Stoff braucht es halt ein Buch.
Schließlich erklärt Jesus noch, dass sein Königreich zwar für diese Welt ist, aber nicht von dieser Welt (18:36). Es kommt vom Himmel, von Gott. Auch Johannes lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Gott und Cäsar:
„Nach unserem Gesetz muss er sterben“, hielten ihm die Juden entgegen, „denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.“ Als Pilatus das hörte, erschrak er noch mehr.
Johannes 19:7,8a NEÜ
Erschrak Pilatus noch mehr, weil es um das mosaische Gesetz ging? Wohl kaum, denn in seiner Welt bedeutet „Sohn Gottes“ nichts weniger als Cäsar! Es geht also um Macht, griechisch exousia, was auch die Bedeutung trägt von Autorität und Berechtigung. Jesus Antwort ist aufschlussreich:
„Willst du denn nicht mit mir reden?“, sagte Pilatus zu ihm. „Weißt du nicht, dass ich die Macht habe, dich freizulassen? Ich kann dich aber auch kreuzigen lassen!“ „Du hättest keine Macht über mich“, erwiderte Jesus, „wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre. Deshalb hat der, der mich dir ausgeliefert hat, größere Schuld.“
Johannes 19:10,11 NEÜ
Die Macht des Pilatus, die Herrscher der Welt, haben ihr Macht und Autorität von Gott? Im damaligen jüdischen Kontext ergibt sich das aus der Vorstellung, dass Gott als Schöpfer beabsichtigt hat, dass sich Menschen um die Welt kümmern, selbst wenn sich die dazu berufenen Menschen als egoistische Rohlinge erweisen. Gott lässt die Dinge nicht einfach laufen, sondern wird jeden dafür zur Rechenschaft ziehen, wie er diese Berufung lebt. Und das zeigt sich im weiteren Verlauf des Evangeliums.
In einer erstaunlichen Parallele zu 1. Samuel 8:4,20 wollen die religiösen Führer „sein wie die Nationen“. Sie sind müde, auf den „Sohn des Menschen“ zu warten: „Wir haben keinen König außer dem Kaiser.“ (Johannes 19:15) Dass Pilatus Jesus mit einem Schild „Jesus von Nazaret, König der Juden“ töten lies, war sowohl ein Schlag ins Gesicht der Pharisäer und auch eine Verhöhnung Jesu. Aber es entsprach auch wie bei Kaiphas viel mehr der Wahrheit, als sie dachten. Jesus ist nicht nur König der Juden, sondern wird bei seinem Tod und Auferstehung König der ganzen Welt, durch einen Akt der Liebe (13:1)
Dem Cäsar dienen?
Und wie sollten wir uns nun verhalten? Vielleicht denken wir immer noch an diese Begebenheit mit der Münze (Markus 12:13-17, Lukas 20:20-36; Matthäus 22:15-22). Dass Jesus hier von einer Trennung von Kirche und Staat spricht, ist eine Idee, die nicht vor Ende des 18. Jahrhunderts aufkam.
Zuerst einmal müssen wir uns vergegenwärtigen, dass diese Frage zur Zeit Jesu eine extrem gefährliche Frage war. Jeder wusste, dass Leute dafür gekreuzigt worden waren, weil sie zur Rebellion gegen diese Steuern anstachelten. In Anbetracht dessen und im Angesicht eines feindlich gesinnten Mobs sollten wir von Jesus kaum ein lange, detaillierte Erklärung erwarten. Trotzdem gibt es interessante Einzelheiten:
Als ich das Neue Testament übersetzte, hatte ich nicht den Mut, diesen Vers so zu übersetzen, wie ich vermute, dass er lautet: „Also, du solltest Cäsar besser mit seiner eigenen Münze zurückzahlen – und Gott mit seiner eigenen Münze!“ Dieses Sprichwort würde dann ein Sprichwort wiedergeben, das bereits zwei Jahrhunderte zuvor nach dem Makkabäeraufstand in jüdischen Kreisen berühmt geworden war. „Zahlt den Heiden alles zurück“, sagte der alte Mattathias zu Judas Makkabäus und seinen Brüdern, ‚und befolgt die Gebote des Gesetzes‘ (1 Makk. 2:68). Und er war nicht dabei, ihnen etwas über das Zahlen der Steuern an die Heiden zu sagen. Das betreffende griechische Wort verwendet den selben Wortstamm für ‚zurückzahlen‘, antapodote, verwandt mit dem apodote, das wir an dieser Stelle in allen drei synoptischen Evangelien finden. Ich vermute, dass das doppelte Gebot des Mattathias bereits sprichwörtlich war. Jesus könnte es absichtlich wiederholt haben.
N.T. Wright How God Became King, Kapitel 7
Es ist auch nicht so, dass Jesus einfach clever dem Problem aus dem Weg gehen wollte, dass er entweder für die Rebellion oder Rom wäre. Seine Antwort zielt mehr darauf ab, ihnen zu zeigen, dass die Antwort eine ganz andere ist:
Vielleicht ist es an der Zeit, dass Gott – dessen Ebenbild in jedem Menschen zu finden ist und dessen „Inschrift“ auf den Seiten der Schöpfung und der Story Israels geschrieben steht – das erhält, was ihm zusteht. Das ist die Botschaft von Gottes Königreich, aber sie spielt sich nicht auf eine der offensichtlichen, simplen Arten ab, weder als „jenseitiges“ Königreich, das völlig getrennt von dem des Kaisers ist, noch als direkte, altmodische gewaltsame Revolution. Für Matthäus, Markus und Lukas ist die Geschichte nach dem triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem und vor seiner Verhaftung und seinem Tod einer der wichtigsten Hinweise darauf, was währenddessen „vor sich geht“: Dies ist die Story, wie Gott wahrhaftig König wurde, als Jesus Gott in seinem gehorsamen Leiden und Sterben das zurückgab, was ihm gehörte. Und in der neuen Welt, die dadurch geschaffen wurde, sieht die Frage nach Cäsar, seiner Macht und seinen Münzen völlig anders aus. Es mag eine Zeit für Konfrontation geben; es mag eine Zeit für angemessene Zusammenarbeit geben.
N.T. Wright How God Became King, Kapitel 7
Alle vier Aspekte der Evangelien zusammen
An dieser Stelle sollten wir die vier Aspekte der Evangelien, über die wir in Teil 4 bis 7 gesprochen haben, kurz zusammenfassen:
- Die lange Story Israels mit dem Exodus in Begriffen von Rettung und ihrer Reise. Diese lange Story, so sagen die Evangelisten, ist zur ihrem Ende, ist ans Ziel gekommen.
- Der Exodus ist auch die Story des Gottes Israels Jahwe, der lebendige Gott, der seinem Volk seine Identität auf neue Weise zeigt und mit ihnen wohnt. Erst im Zelt der Zusammenkunft oder Stiftshütte, dann im Tempel. In der Person Jesus ist der lebendige Gott erneut in ihre Mitte gekommen als Erfüllung der Prophezeiungen Jesajas und Hesekiels.
- Die Evangelien erzählen auch die Story des erneuerten Volkes Gottes, was uns an zwei Elemente der Exodus Story erinnert: Israels Berufung als königliche Priesterschaft und das Geschenk der Torah, durch das die Berufung Realität werden könnte.
- Und wie beim Exodus geht es um die Mächte dieser Welt und Gotte Königreich. Die Story des Exodus ist die Story, „wie Gott König wurde“, wie Moses und die Israeliten sangen (2. Mose 15:1-3,18). Die Story von Jesus ist der neue und ultimative Exodus.
Als nächstes werden wir die Fäden unserer Argumentation zusammenführen, während wir uns mit der zentralen Herausforderung befassen, die das Evangelium darstellt, der dramatischen und explosiven Kombination von Königreich und Kreuz.


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