Kategorie: Gottes Namen Tragen

In dieser Serie befassen wir uns mit Gedanken aus dem Buch Bearing God’s Name – Why Sinai still matters (Gottes Namen tragen – warum der Sinai noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.

  • Gottes Namen Tragen – Teil 5

    Gottes Namen Tragen – Teil 5

    Von Christian / Carmen Joy Imes


    In dieser Serie befassen wir uns mit Gedanken aus dem Buch Bearing God’s Name – Why Sinai still matters (Gottes Namen tragen – warum der Sinai noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.

    In Anbetracht dessen, was wir in den ersten 4 Teilen betrachtet haben, stellt sich um so mehr die Frage: War es das nun mit dem Bund zwischen Gott und den Israeliten? Aber was ist dann mit der Verheißung, die er schon Abraham gegeben hatte, dass dies ein Segen für alle Menschen würde?

    Wer hat euch denn reingelassen? – Heiden und Gottes Mission

    In 1. Petrus 2:9-10 finden wir die Antwort, obwohl sie jemand leicht übersehen könnte, der nur das Neue Testament kennt. Da wir uns nun aber mit diesem Thema im Alten Testament schon beschäftigt haben, können wir das erkennen, was Juden-Christen im ersten Jahrhundert beim Hören dieser Passage in den Sinn kam:

    Aber ihr seid ein ausgewähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk, das Gott sich selbst erworben hat. Er hat euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen, damit ihr verkündigt, wie unübertrefflich er ist. Früher wart ihr nicht sein Volk, aber jetzt seid ihr Gottes Volk, früher gab es für euch kein Erbarmen, aber jetzt erfahrt ihr seine Barmherzigkeit.

    1. Petrus 2:9-10 NEÜ

    Kommen uns die Worte bekannt vor? Wie haben sie schon einmal zitiert:

    Wenn ihr nun auf mich hört und meinen Bund haltet, dann sollt ihr unter allen Völkern mein persönliches Eigentum sein. Denn mir gehört die ganze Erde. Ihr sollt mir ein Königsvolk von Priestern sein, eine heilige Nation!‘ Das sollst du den Israeliten sagen!

    2. Mose 19:5,6 NEÜ

    Duch die Nennung der Titel aus dem Bündniss und damit dem Bezug auf 2. Mose 19:5 haben wir auch einen Bezug auf Jahwes segullah – sein persönliches, besonderes Eigentum Doch an wen sind die Worte in 1. Petrus gerichtet? An die Jünger Jesu in Kleinasien, die Heiden sind! Daher haben wir auch gelesen: „Früher wart ihr nicht sein Volk.“.

    Aber 1. Petrus legt noch eins drauf: „ihr seid ein ausgewähltes Geschlecht“. γένος (genos) „Nachkommen, Rasse, Volk, Nation“ Wo kommt das her und auf wen bezog sich das bisher ausschließlich?

    Die Tiere des Feldes werden mich preisen, die Schakale und Strauße, weil ich Wasser gegeben habe in der Wüste und Ströme in der Einöde, um mein Volk zu tränken, mein auserwähltes, das Volk, das ich mir gebildet habe, damit sie meinen Ruhm verkündigen.

    Jesaja 43:20,21 Schlachter 2000

    Der Grund für die Erwählung ist immer noch der selbe: Gottes Namen tragen und so seinen Ruhm verkünden.

    Und es gibt noch einen weiteren Bezug, nämlich auf Hosea. Hosea sollte einen Sohn so wie folgt nennen: „Und er sprach: Gib ihm den Namen Lo-Ammi[Der Name Lo-Ammi bedeutet ‚Nicht mein Volk‘.], denn ihr seid nicht mein Volk, und ich gehöre nicht zu euch [Möglicherweise hörte man bei „ich gehöre nicht zu euch“ im Hebräischen eine Anspielung an die Erklärung des Gottesnamens JHWH aus Ex 3,14 („ich werde sein“).]!“ (Hosea 1:9 Züricher) Erst später sollte er das ändern: „Und ich werde sie für mich aussäen im Land, und über Lo-Ruchama werde ich mich erbarmen, und zu Lo-Ammi werde ich sagen: Du bist mein Volk!, und es wird sagen: Mein Gott!“ (Hosea 2:25 Züricher) Petrus argumentiert: Wenn Gott sein rebellisches Volk wieder adoptiert, warum sollte er das nicht auch mit Menschen aus den Heiden tun?

    1. Petrus 2:9 enthält deswegen eine kühne Formulierung: λαὸς εἰς περιποίησιν (laos eis peripoiēsin) „ein Volk für seinen persönlichen Besitz“. Wobei das griechische λαὸς (laos) und das entsprechende hebräische ‘am vorher in den Schriften ausschließlich für Israel verwendet wurde. Doch nun haben auch die Heiden den selben Auftrag: „Wenn ihr beschimpft werdet, weil ihr zu Christus gehört, seid ihr glücklich zu nennen, denn dann ruht der Geist der Herrlichkeit Gottes auf euch. … Er preise vielmehr Gott, dass er diesen Namen tragen darf.“ (1. Petrus 4:14,16)

    Wenn Petrus von einer „königlichen Priesterschaft“ und „heiligen Nation“ spricht, entspricht seine Formulierung exakt der griechischen Übersetzung von 2. Mose 19:5,6. Nicht so aber bei „kostbarem Besitz“. Carmen Imes schreibt dazu:

    Petrus verwendet nicht das griechische Wort, das das hebräische segullah in jeder anderen Passage übersetzt (periousios), was die Einzigartigkeit des Schatzes selbst hervorheben würde. Stattdessen betont Petrus den Prozess, Jahwes Besitz zu werden, indem er eine etwas andere Formulierung (eis peripoiēsin) verwendet, die nur in Maleachi 3:17 vorkommt. Diese leichte Verschiebung der Formulierung eröffnet eine tiefgreifende theologische Möglichkeit.

    Petrus zitiert Maleachi, weil es die einzige Stelle im Alten Testament ist, in der sich der Begriff „segullah“ auf einen gerechten Überrest bezieht und nicht auf das gesamte Volk Israel. Angesichts der Untreue Israels gegenüber dem Bund hatte der Prophet Maleachi einen zukünftigen Tag vorausgesehen, an dem Jahwe ein neues segullah auswählen würde, das nur aus denen besteht, die seinen Namen fürchten. Maleachi hatte gesagt: „‚Sie werden mein sein‘, sagt Jahwe der Heerscharen, ‚an dem Tag, an dem ich ein segullah bereite’“ (Maleachi 3:17, Übersetzung der Autorin).

    Indem er Maleachi direkt zitiert, zeigt uns Petrus, dass er genau diese Verheißung in der gläubigen Gemeinde, die aus Juden und Heiden besteht, erfüllt sieht.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Wie kommt Petrus zu diesem Schluß? In 1. Petrus wird das nicht weiter erklärt. Doch für den Apostel Petrus war das gemäß dem Bericht in der Apostelgeschichte klar. Gemäß der Vision des Petrus in Apostelgeschichte 10 sollte er nichts mehr unrein nennen, was für Gott nicht mehr unrein ist. Und wenn Gott seinen Geist auf die Heiden ausgegossen hat, dann sind sie Teil seines Volkes. Es gibt keinen Unterschied zwischen Juden und Heiden mehr. Der einzige Unterschied, der nun existiert, ist der in Maleachi 3:17,18 was Gottes segullah betrifft: Nicht jeder in der Gemeinschaft gehört automatisch zu Gottes segullah.

    „Sie werden mein persönliches Eigentum sein. An dem Tag, an dem ich eingreife, werde ich sie verschonen, wie ein Mann seinen gehorsamen Sohn verschont“, spricht Jahwe, der allmächtige Gott. „Dann werdet ihr wieder den Unterschied zwischen Gerechten und Ungerechten sehen, zwischen denen, die Gott dienen und denen, die es nicht tun.

    Maleachi 3:17,18 NEÜ

    Und entsprechend argumentiert Petrus bei der Zusammenkunft in Jerusalem gemäß Apostelgeschichte 15:

    Und Gott, der die Herzen kennt, hat das beglaubigt, indem er ihnen den heiligen Geist gab, so wie er ihn uns gegeben hat. Er hat zwischen uns und ihnen keinen Unterschied gemacht, denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt.

    Apostelgeschichte 15:8,9 Züricher

    Und Jakobus pflichtet ihm bei:

    Simeon [Petrus aramäischer Name] hat erzählt, wie Gott von Anfang an darauf bedacht war, aus allen Völkern ein Volk für seinen Namen zu gewinnen.

    Apostelgeschichte 15:14 Züricher

    Das muss eine Überraschung für seine Zuhörer gewesen sein: Denn bisher wurde immer klar zwischen „Gottes Volk“ und den Heiden unterschieden. Entweder man ist ein Teil des Volkes Jahwes oder nicht. Und Jakobus begründet dies mit einem Zitat aus Amos 9:12, dem Text im alten Testament, der darauf hindeutet, dass Heiden einmal ohne zum Judentum zu konvertieren mit in den Bund mit eingeschlossen werden. Zu diesem Text erklärt Carmen Imes:

    Im Hebräischen heißt es: „damit sie den Rest von Edom und alle Völker, über die mein Name angerufen wird, in Besitz nehmen“ (Übersetzung des Autors). Das könnte auf eine militärische Herrschaft hindeuten. In der griechischen Septuaginta heißt es: „damit der Überrest der Menschheit und alle Heiden, die nach meinem Namen gerufen werden, mich ernsthaft suchen“. Die griechische Übersetzung suggeriert keine militärische Vorherrschaft, sondern eine weltweite Bekehrung. Dennoch bezeichnen beide Versionen die Heiden als diejenigen, „über die mein Name angerufen wird“, und das ist der wichtigste Punkt, auf den es Jakobus ankommt. Im Hebräischen sind „Edom“ und „Menschen“ fast identisch, ebenso wie „besitzen“ und „suchen“, was die griechische Übersetzung teilweise erklärt.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Mit dem, was die Apostel, die Ältesten und die ganze Versammlung in Jerusalem dann beschließen, schieben sie den Sinai nicht beiseite. Was sie aufheben sind die Gesetze, deren Zweck es war, die Israeliten ethnisch von den Heiden zu unterscheiden. Was das für die Jünger aus den Heiden bedeutet haben mag, als sie von dem Beschluss hörten, verstehen wir vielleicht besser, wenn wir Carmen Imes Formulierung betrachten:

    Ihr seid eingeladen! Ihr könnt Jesus folgen, so wie ihr seid. Wir haben entdeckt, dass die Propheten schon vor Hunderten von Jahren auf diesen Tag vorausgeschaut haben und von euch sprachen, die ihr Jahwes Namen tragt – Heiden, die dazugehören. Willkommen in der Familie!

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Das ist auch das Ziel des Dienstes des Paulus, wie er zum Beipsiel in Römer 1:5-8 sagt indem er bekannte Formulierungen aus dem Alten Testament einfließen lässt. Und Paulus predigt auch kein neues Evangelium, wie wir in der Serie „Die neue Sicht auf Paulus“ gesehen haben.

    Unser Auftrag

    Was bedeutet dies für uns heute? Carmen Imes fasst es so zusammen:

    Aufgrund der Treue Jesu können wir mit Gottes Namen gekennzeichnet werden und an seiner Mission teilnehmen, allen Völkern Segen zu bringen.

    Anstatt zu fragen, ob wir das alttestamentliche Gesetz befolgen müssen, sollten wir uns fragen, wie unsere Beziehung zum Bund Israels aussieht.

    Durch das Leben, den Tod und die Auferstehung von Jesus, dem Messias Israels, sind wir in den Bund aufgenommen worden. Wir sind in seine erneuerte Bundesgemeinschaft aufgenommen worden. Sein Opfer hat eine neue Ära eingeläutet. Diese Tatsache, gepaart mit unserer veränderten kulturellen Situation, bedeutet, dass viele der alttestamentlichen Gesetze für uns nicht mehr so funktionieren wie für Israel. Sie buchstabengetreu zu befolgen, würde den Zweck, für den sie gegeben wurden, nicht aufrechterhalten.

    Die Notwendigkeit eines Tempels ist verschwunden, da sie in Christus erfüllt wurde, und deshalb sind Opfer nicht mehr notwendig.

    Gesetze, die Israel als ethnische Gruppe getrennt halten sollten, wurden ebenfalls außer Kraft gesetzt.

    Als Mitglieder seiner neuen Bundesgemeinschaft haben wir das Privileg – die Gnade –, als sein wertvolles Volk zu leben.

    Die Geschichte des Alten Testaments ist keineswegs irrelevant oder obsolet, sondern sie sagt uns, wer wir sind. Mehr noch: Sie sagt uns, wessen wir sind. Und das ändert alles.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)
  • Gottes Namen Tragen – Teil 4

    Gottes Namen Tragen – Teil 4

    Von Christian / Carmen Joy Imes


    In dieser Serie befassen wir uns mit Gedanken aus dem Buch Bearing God’s Name – Why Sinai still matters (Gottes Namen tragen – warum der Sinai noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.

    In den ersten drei Teilen haben wir darüber gesprochen, wie die Israeliten von Jahwe als Volk organisiert und geschult wurden, seinen Namen zu tragen. Ihre Aufgabe war es, dass durch sie alle Nationen erkennen können, was für ein Gott Jahwe ist. Gottes Namen zu tragen war ihre freie Entscheidung und sie sagten am Sinai, dass sie alles tun wollen. Nach 40 Jahren Wanderung in der Wüste tat die nächste Generation das selbe. Und nochmal bestätigen sie ihr Versprechen als sie im verheißenen Land sind (Josua 8:30-35).

    Danach lesen wir vom Sinai kaum noch etwas, obowhl doch das ‚Erinnern‘ ein Schlüsselthema biblischer Theologie ist. Das ist schon überraschend, wenn man die Bedeutung der Ereignisse berücksichtigt. Aber der Schwerpunkt sollte auf der Erinnerung an die Befreiung liegen, und nicht etwa eine Pilgerreise zum Sinai oder so etwas ähnliches.

    Ist das Thema damit beendet? Wohl kaum, denn jetzt kommt die Zeit, in der sie wie versprochen den Namen Gottes tragen sollten, damit alle Nationen sehen, dass Jahwe über allen anderen steht und wie überlegen seine Herrschaft ist. Darauf geht Carmen Imes in der zweiten Hälfte ihres Buches ein. Ich möchte hier aber nur einige der vielen interessanten Punkte erwähnen.

    Feind Nummer 1

    Feindlich gesinnt waren den Hebräern einige: Zuerst Ägyptens Pharao und seine Arme, dann einige Völker auf der Wanderung und schließlich die Könige im verheißenen Land. Aber das war nicht ihr gefährlichster Feind. Ihr gefährlichster Feind sind sie selbst. Immer wieder murren sie, rebellieren oder wollen gar nicht mehr ins verheißene Land. Ihre Angst vor den Völkern ist so ansteckend, dass das ganz Volk in Panik ist. Was ist das Problem? Sie lehnen es ab, darauf zu vertrauen, was Jahwe ihnen versprochen hat.

    Das erklärt auch, warum Jahwe auf ähnliche Situationen vor dem Sinai mit Gnade reagiert. Seine Erwartungen an das Volk sind gering. Nach dem Sinai hat er sich nicht geändert. Doch seine Erwartungen durften zurecht höher sein. Ein Jahr hatte er ihnen Zeit gegeben, zu lernen, ihn zu ehren und sich gegenseit zu respektieren. Doch er sieht wenig Fortschritte. Das Muster ist daher nach dem Sinai immer das gleiche: Murren und Rebellion hat Bestrafung zur Folge, ein Gebet bringt Hilfe.

    Der Anfang der Erfüllung – und was Jahwe sieht

    Doch schließlich sind sie im verheißenen Land. Das Buch Josua illustriert die Erfüllung des Versprechen Jahwes.

    Dann werden alle Völker auf der Erde sehen, dass der Name Jahwes über dir ausgerufen wird, und sie werden dich fürchten.

    5. Mose 28:10 Carmen Imes

    Doch schon hier deutet sich an, dass sie zwar ins verheißene Land gekommen sind, aber ihre Aufgabe nicht erfüllen, den Namen Gottes zu tragen. Wir lesen von der Kanaaniterin Rahab, die voller Glauben ist, und im Gegensatz dazu auch vom untreuen Israeliten Achan. Die Gibeoniter sind mehr davon überzeugt, dass Jahwe den Israeliten das Land geben wird als sie selbst. „Die nächste Generation hat einen wackeligen Start hingelegt.“

    Schnell verlieren sie den Blick auf die Tatsache, dass sie Jahwe sie aus den Nationen genommen hat, um ihm zu gehören. Sie wollen lieber so sein, wie alle anderen auch. In 1. Samuel erfahren wir, dass sogar die Priester, deren Aufgabe es gerade ist, den Bund mit Jahwe hochzuhalten, ihre heiligen Aufgaben so mißachten, dass Jahwe ankündigt, diese Priesterlinie auszulöschen. Als nächstes möchten sie einen König wie die anderen auch – und zwar jetzt, zu dem Zeitpunkt, zu dem sie es wollten. Aus dem Buch Richter erfahren wir, dass sie Jahwes Auftrag, das verhießene Land zu erobern nicht vollständig ausführten. Es läuft immer wieder nach diesem Muster:

    Der Engel Jahwes kam von Gilgal nach Bochim herauf und sagte zu den Israeliten: „Ich habe euch aus Ägypten herausgeführt und euch in das Land gebracht, das ich euren Vätern unter Eid zugesichert hatte. Ich hatte gesagt: ‚Niemals werde ich meinen Bund mit euch brechen, nie! Aber ihr dürft keinen Bund mit den Bewohnern dieses Landes schließen und müsst ihre Altäre niederreißen.‘ Doch ihr habt mir nicht gehorcht. Wie konntet ihr das nur tun? So muss ich euch jetzt sagen: ‚Ich werde die Bewohner dieses Landes nicht vor euch vertreiben! Sie werden euch Widerstand leisten und ihre Götter werden zur Falle für euch.‘“ Als der Engel Jahwes das gesagt hatte, schrien die Israeliten auf und begannen zu weinen.

    Richter 2:1-4 NEÜ

    Und sobald Josua gestorben war, geschah dies:

    Schließlich starb jene ganze ältere Generation und es wuchs eine neue heran, die Jahwe nicht kannte und seine großen Taten für Israel nicht miterlebt hatte. Da fingen die Israeliten an, den Baalen zu dienen, was Jahwe als sehr böse ansah.

    Richter 2:10,11 NEÜ

    Jahwe sandte immer wieder Richter, um sie zu befreien. Doch selbst das half nicht auf Dauer:

    Doch sobald der Richter gestorben war, wurden die Israeliten rückfällig und trieben es noch schlimmer als ihre Vorfahren. In ihrem Trotz hörten sie einfach nicht auf, den anderen Göttern nachzurennen, sie zu verehren und sich vor ihnen niederzuwerfen. Da flammte Jahwes Zorn gegen Israel auf. Er fasste den Beschluss: „Weil dieses Volk ständig den Bund bricht, den ich mit ihren Vorfahren geschlossen habe, weil es mir einfach nicht gehorchen will, werde auch ich kein einziges Volk mehr vor ihnen vertreiben. Die Völker, die Josua bis zu seinem Tod nicht vertreiben konnte, lasse ich im Land, um die Israeliten auf die Probe zu stellen, ob sie wie ihre Vorfahren auf meinem Weg bleiben oder nicht.“

    Richter 2:19-22 NEÜ

    Wurde es in der Zeit der Könige Israels denn besser? Es gab nur wenige gute Könige. Als Salomo den Tempel einweiht, spricht er in seinem Gebet davon, dass so alle Völker den Namen Jahwes kennenlernen mögen. Dass Jahwe den Tempel mit seiner Herrlichkeit füllt, zeigt, dass er zu seinem Bund mit Israel steht.

    Der erste bedeutende Prophet der Zeit der Könige ist Elia. Er muss sich nicht nur dem König und den Anbetern Baals gegenüberstellen, sondern hat schließlich den Eindruck, dass sein Dienst völlig umsonst war. Interessanterweise läuft er bis zum Berg Sinai, wo Jahwe ihm versichert, dass dem nicht so ist. Er ist nicht allein. Es gibt noch einige wenige, die keinen Götzendienst verrichten.

    Schließlich war es so schlimm, dass Jahwe sie aus dem Land vertreiben musste – wie er sie schon am Sinai gewarnt hatte.

    Aber wohin sie auch kamen, brachten sie meinen heiligen Namen in Verruf, denn die Leute dort sagten: ‚Das ist das Volk Jahwes, aber sie mussten aus seinem Land weg!‘ Da tat es mir um meinen heiligen Namen leid, denn die Leute von Israel entweihten ihn, wohin sie auch kamen.

    Ich werde meinen großen Namen, den ihr unter den Völkern entweiht habt, wieder zu Ehren bringen. Und wenn ich mich vor den Augen der Völker an euch als heilig erweise, spricht Jahwe, der Herr, werden auch sie erkennen, dass ich es bin – Jahwe!

    Hesekiel 36:20,21,23 NEÜ

    Das war der Tiefpunkt. Anstatt Gottes Namen zu tragen und seinen heiligen Namen hochzuhalten, haben sie ihn überall in Verruf gebracht. Man könnte sich sogar fragen, ob der Bund, den sie so oft gebrochen hatten, überhaupt noch bestand. War die Situation nach Jahrhunderten nicht so sinnlos, dass ein Weitermachen keinen sein mehr ergab. Sollte er nicht einfach … neu anfangen? Ein neuer Bund?

    Ein neuer Bund – oder der erneuerte Bund?

    Manchmal ist ein Neuanfang das Beste. Das erbittet Jesaja in Jesaja 63: Zurück zum Sinai. Der Prophet Jeremia spricht darüber in Jeremiah 31. Falls du gedanklich jetzt schon beim neuen Testament bist, dann lies aufmerksam Jeremiah 31:31-32:

    Sieh, es kommen Tage, Spruch des HERRN, da schliesse ich einen neuen Bund mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda, nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vorfahren geschlossen habe an dem Tag, da ich sie bei der Hand nahm, um sie herauszuführen aus dem Land Ägypten; denn sie, sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl doch ich mich als Herr über sie erwiesen hatte! Spruch des HERRN.

    Jeremia 31:31-32 Züricher

    Ein neuer Bund anders als der vom Sinai? Nun, die Bündnispartner sind die selben. Und der Grund ist nicht, dass der Bund vom Sinai schlecht war, sondern weil sie ihn gebrochen haben. Das Neue beschreibt Jeremia in den nächsten beiden Versen:

    Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließen werde, wird ganz anders sein“, spricht Jahwe. „Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz, ich lege es tief in sie hinein. So werde ich ihr Gott sein und sie mein Volk. Dann muss keiner mehr den anderen belehren, niemand muss mehr zu seinem Bruder sagen: ‚Erkenne doch Jahwe!‘ Denn alle werden mich erkennen, vom Geringsten bis zum Größten“, spricht Jahwe. „Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nie mehr denken.

    Jeremiah 31:33-34 NEÜ

    Das neue ist, dass jeder Israelit in der Lage sein wird, diesen Bund zu verinnerlichen. Der Bund vom Sinai wurde mehrmals von den Israeliten wieder bestätigt. Auch weil eine neue Generation nachgewachsen war. Doch ein Bund mit einem Volk, von Generation zu Generation durch die Abstammung weitergegeben, hat nicht gerade gut funktioniert. Dieser erneuerte Bund zielt daher auf Einzelpersonen ab, die den aufrichtigen Wunsch haben, Gottes Namen zu tragen – so wie Jahwe es gesagt hatte.

    Überstrapazieren wir damit den Begriff ‚neu‘ in Jeremia 31? Nun, der selbe Prophet verwendet diesen Begriff auch in den Klageliedern:

    Die Güte Jahwes ist nicht zu Ende, / sein Erbarmen hört nicht auf. An jedem Morgen ist es neu. / Deine Treue ist groß!

    Klagelieder 3:22,23 NEÜ

    Und als Verb verwendet er das Wort so: „ Bring uns zurück, HERR, zu dir, wir wollen umkehren. Mach unsere Tage neu, wie sie einst waren.“ (Klagelieder 5:21 Züricher). In ähnlicher Weise spricht Hesekiel von einem „neuen Geist“ für seine Volk (Hesekiel 11:17-20), einem „neuen Herz“ (Hesekiel 18:31) und „neuem Geist“ (Hesekiel 36:24-28).

    Aber wird in Hebräer 8 nicht gerade auf Jeremia 31 bezug genommen und dann gesagt:

    Indem er von einem neuen Bund spricht, hat er den ersten für veraltet erklärt. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist dem Verschwinden nahe.

    Hebräer 8:13 Züricher

    Aber lassen wir uns hier nicht vom Ende des Kapitels davon abhalten, den Kontext zu betrachten:

    Aber der Autor fährt fort zu beschreiben, was genau verschwinden wird: nämlich das Opfersystem. Opfer brachten zwar Vergebung, aber sie konnten das schuldige Gewissen nie reinigen, weil die Menschen immer wieder sündigten. Das erste Opfersystem, das am Sinai eingeführt wurde, war nur vorübergehend. Jetzt, da Jesus sich ein für alle Mal hingegeben hat, ist der irdische Tempel nicht mehr nötig. Opfer sind überflüssig.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Hat sich also mit dem Erscheinen Jesu Christi diese Sinai-Geschichte erledigt? Welche Aussagen finden wir im Neuen Testament und inbesondere in den Evanglien?

    Gib mir einfach Jesus – Das Zeugnis des Evangeliums

    In den Texten aus dem Alten Testament, die wir in dieser Serie im Zusammenhang mit dem Bündnis vom Sinai gelesen haben, haben wir in er Regel den Namen Gottes Jahwe gelesen. Wenn wir nun mit den Evangelien im Neuen Testament fortfahren, fällt ein enormer Unterschied auf: Jahwe scheint nicht mehr vorzukommen – zumindest nicht in den uns überlieferten Manuskripten. Stattdessen geht es immer um Jesus.

    Gerade das Matthäus Evangelium ist aber so geschrieben worden, dass hier eine Kontinuität aufgezeigt wird: Das Kind Jesus wird der Christus genannt. (Matthäus 1:16), die griechische Form von Messias, dem Gesalbten. Aber seine Name ist Jesus, der die Bedeutung hat: „Jahwe rettet.“ (Matthäus 1:21,25). Würden wir den Namen in Hebräisch oder Aramäisch gehört und gelesen haben, in der Sprache, in der Matthäus möglicherweise zuerst geschrieben wurde, wäre uns vielleicht schon eine Parallele zu Zeit des Sinai aufgefallen: Am Sinai hat Moses Hoschea als ‚rechte Hand‘, dessen Name die Bedeutung hat: „er rettet.“ (4. Mose 13:8). Moses änderte seinen Namen auf Jeshua, was „Jahwe rettet“ bedeutet (4. Mose 14:6). Und Jesus ist nichts anderes als die lateinische Form des griechieschen Iesou, das die Übersetzung des hebräischen Jehsua ist: „Jahwe rettet“.

    Doch das ist noch lange nicht alles. Das Matthäus Evangelium wurde so kreativ strukturiert und geschrieben, dass der Berg Sinai und die Ereignisse eine große Rolle spielen. Hier nur ein kurzer Überblick:

    • Das Matthäus-Evangelium gliedert sich in 5 Blöcke, welche die 5 Bücher Mose nachahmen.
    • Davor findet sich eine Einleitung mit der Geschichte der Flucht Jesu Eltern nach … wohin? Ägypten! Es ist eine umgekehrte Exodus-Geschichte.
    • Als die Lage wieder sicher ist, kehren sie aus Ägypten ins verheißene Land zurück und wiederholen sozuagen Israels Auszug aus Ägypten und den Einzugs in das verheißene Land.
    • Als nächstes lesen wir, dass er sich in den Wassern des Jordan taufen lässt. Das erinnert uns daran, dass die Israeliten erst das Schilf-Meer und dann den Jordan durchquert haben.
    • Dann wird Jesus vom Geist wohin gesandt? In die Wüste. Für wie lange? 40 Tage.
    • Dort wurden die Isarealiten versucht, sich von Jahwe abzuwenden. Und dort wird Jesus versucht. Und woraus zitiert Jesus? „Jesus wählt genau die Kapitel des 5. Buches Mose aus, in denen Mose die Israeliten an die Lektionen erinnert, die sie in der Wüste hätten lernen sollen – Lektionen, die Jesus auswendig kennt.“

    Welche Lektion erteilt Jesus durch seine Antworten auf die Versuchungen? „Kein Weg zum Erfolg ist der richtige Weg, wenn er gegen den Bund verstößt. … Der Messiahs hat die Prüfung bestanden, in der Israel gescheitert ist.“

    Der Fokus im Matthäus-Evangelium liegt auf fünf Predigten Jesus. Und so ist der erste Block der Lehren Jesu bekannt als die Bergpredigt. Ein Berg ist der Kontext, den Matthäus uns hier nicht umsonst erwähnt. Und Jesus knüpft auch an den Sinai an: „Denkt nicht, dass ich gekommen bin, um das Gesetz oder die ‹Worte der› Propheten außer Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um sie aufzuheben, sondern um sie zu erfüllen.“ (Matthäus 5:17) Jemand mag denken, dass mit ‚erfüllen‘ gemeint sei, dass Jesus sozusagen eine Bedingung ‚erüllt‘ hat und das Gesetz damit abgeschafft hat. Aber als das Gesetz am Sinai Israel gegeben wurde, gab es doch nie eine Klausel wie folgende: Sollte irgendjemand einmal das Gesetz vollständig halten, dann ist es abgeschafft, erledigt, veraltet. Erinnern wir uns: Es ging darum, dass sie als Bilder Gottes seinen Namen tragen! Und für die Übertretung des Gesetzes gab es das System der Opfer. Es gibt keine Klausel, mit der das Bündnis endete. Daher gibt die Neue Genfer Übersetzung in der Fußnote an: „sondern um volle Geltung zu verschaffen.“ Sollte jemand gedacht haben, dass sich das mit dem Sinai und dem Gesetzt jetzt erledigt hat, den lehrt Jesus etwas anderes. Ganz im Gegenteil geht er sehr unbequem darauf ein, dass die Israeliten es haben schleifen lassen und hebt die Messlatte auf den Stand, den Jahwe mit dem Gesetz beabsichtigt hatte: Glaubt nicht, es reicht, wenn ihr gemäß dem Buchstaben nicht gegen das Gesetz verstoßen habt, denn Jahwe möchte, dass ihr im Herzen nicht so denkt und fühlt!

    Ist Jesus nun „der Prophet gleich Mose“, der kommen soll, wie es in 5. Mose 18:15 steht? Berücksichtigt man den Kontext in 5. Mose 18, dann erkannt man, dass Jahwe nicht nur einen Propheten senden würde, um Anleitung im Angesicht des Götzendienstes zu geben. Und dass es auch falsche Propheten geben würde, und wie man sie erkennen kann. Apostelgeschichte 3 und 7 wenden diesen Text auch entsprechend an. Jesus ist auch nicht nur ein Prophet wie Moses – er ist größer. Er ist der ’Sohn des Menschen’, der Herr des Sabbats zum Beispiel (Matthäus 12:8)

    In der Umgestaltungszene in Matthäus 17 finden sich wieder viele Bezugnahmen auf den Sinai. Es geschieht … auf einem Berg. Das Angesicht Jesus leuchtet. Ein Wolke, Herrlichkeit, die Stimme Gottes. Moses und Elia, die beide Gottes Herrlichkeit sahen – am Sinai.

    Liest man weiter im Neuen Testament stellt man erstaunt fest: „Die Ehrfurcht ging nahtlos von Jahwe auf Jesus über, ohne Erklärung oder Entschuldigung.“

    Und Jesus führt die Dinge so weiter, wie Jahwe sie begonnen hat:

    „Der Herr aber sagte zu ihm: Geh hin, denn gerade er ist mein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen vor den Augen von Völkern und Königen und vor den Augen der Israeliten.“

    Apostelgeschichte 9:15

    Und das war nicht nur die Aufgabe des Paulus. Immer wieder findet sicht der Gedanke im Neuen Testament, dass die Jünger Jesus ‚seinen Namen tragen‘ sollten, so wie die Israeliten ‚den Namen Gottes tragen‘ sollten. In Jakobus 2:7 heißt es: „Sind nicht sie es, die den guten Namen, der über euch ausgerufen ist, lästern?“ Diese Satz ist im griechischen Text ziemlich ungelenkt, weil der die hebräische Phrase widerspiegelt, die dafür verwendet wird, dass Jahwes Name über Israel ausgerufen wird (5. Mose 28:10).

  • Gottes Namen Tragen – Teil 3

    Gottes Namen Tragen – Teil 3

    Von Christian / Carmen Joy Imes


    In dieser Serie befassen wir uns mit Gedanken aus dem Buch Bearing God’s Name – Why Sinai still matters (Gottes Namen tragen – warum der Sinai noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.

    Im zweiten Teil sprachen wir darüber, was sich am Sinai geändert hat. Die Hebräer wurden Gottes „persönliches Eigentum“, „sein geschätzter Besitz“. Aus der Verwandtschaft des hebräischen Worts segullha mit anderen Sprachen jener Zeit zeigt sich allerdings, dass dieser auch auf jemanden angewandt wurde, der in einem besonderen Beziehung zum König steht. “Sie haben eine Rolle, die ihrem Status entspricht. Ihr Status ist es, ein besonderer Schatz zu sein. Ihre Rolle ist es, eine priesterliche und heilige Gemeinschaft inmitten der Völker zu sein.” (J. T. Wright, aus Carmen Imes Buch).

    Das kommt auch in den ‚10 Geboten‘ zum Ausdruck, die in der Torah als ‚10 Wörter‘ bezeichnet werden und die eher Unterweisungen als Gesetze im heutigen Sinne sind. Schon die ersten beiden ‚Worte‘ zeigen, was die Aufgabe der Hebräer war: 1. Bete nur Jahwe an. 2. Vertritt ihn gut. Wer die Hebräer kennenlernt, soll Gott kennenlernen. So würden sie den Namen Jahwes unter die Völker tragen.

    Und nun?

    Mit ‚dem Gesetz‘ ist nicht alles gesagt. Sie brauchen weitere, fortwährende Anleitung von Jahwe:

    Pass auf! Ich werde einen Engel vor dir her schicken, der dich unterwegs behütet und dich an den Ort bringt, den ich für dich bestimmt habe. Hüte dich vor ihm, und hör auf das, was er sagt! Lehn dich nicht gegen ihn auf! Er würde euch das nicht vergeben, denn mein Name ist in ihm.

    2. Mose 23:20,21 NEÜ

    Vermutlich möchtest du jetzt gerne erfahren, was es mit diesem Engel auf sich hat. Aber nach dieser Passage wird nur sehr wenig über ihn gesagt. Aber das ist ja auch nicht das Wichtige in dieser Passage. Yahwe sorgt für sein segullha.

    Wird deswegen das Gesetz in 5. Mose wiederholt? Ein Grund war bestimmt, dass 40 Jahre vergangen waren und eine andere Generation lebte als am Sinai. Interessant ist aber auch, dass die Struktur von 5. Mose einige Gemeinsamkeiten mit antiken Abkommen hat. Zum Beispiel zwischen dem Groß-König und den Vasallen-Königen. Das Abkommen, der Bund, zwischen Jahwe und den Hebräern wird nocheinmal bestätigt.

    Das ist schon deswegen interessant, weil der Bund von den Hebräern schon gebrochen wurde, kaum nachdem sie zugestimmt hatten, alles zu halten: Moses war mit den beiden Steintafeln noch nicht vom Berg herunter, verstießen sie gegen das erste Gebot und machten ein goldenes Kalb. Das Moses die Steintafeln des Bündnisses zerschmetterte war ein deutchliches Zeichen dafür, dass der Bund gebrochen worden war.

    War Jahwe jetzt völlig überrascht, dass die Hebräer sich so bald nicht mehr an ihre Worte hielten?

    Anschließend nahm er die Schriftrolle mit dem Bundesgesetz in die Hand und las alles dem Volk vor. Es erwiderte: „Alles, was Jahwe gesagt hat, wollen wir gehorsam tun.“

    2. Mose 24:7 NEÜ

    Hat Jahwe jetzt gerecht aber hart die Strafe vollzogen, die auf den Bruch des Bündnisses stand? So haben es damalige Groß-Könige gemacht. Und er wäre gemäß 2. Mose 32 auch bereit dazu gewesen. So stellen sich auch viele den ‚Gott des Alten Testaments‘ vor. Tatsächlich haben wir aber zwischen Kapitel 24 und 32 einige Kapitel übersprungen, die etwas anderes zeigen: Gnade!

    Gnade? Zwischen 2. Mose 24 vor 2. Mose 32 sind 7 Kapitel, die einmal mehr Yahwes Gnade im ‚Gesetz‘, im Bündnis mit den Hebräern zeigen. Diese enthalten detailierte Pläne für das Heiligtum. Gottes erste Reaktion auf die Zustimmung der Hebräer waren also 7 Kapitel mit den Anweisungen für sein Heiligtum, das Mittel, mit denen sie Vergebung erlangen können, wenn sie das Bündniss brechen. Das ist Gnade.

    Und das ist noch nicht alles: 3. Mose 1-7 enthält die Anweisungen für Priester. Anstrengend zu lesen, wenn du keiner bist. Doch übersehen wir nicht den immer wieder wiederholten Refrain: „und es wird … vergeben werden“.

    Noch ein Nebengedanke: Das Bündnis Jahwes mit den Hebräern, das Gesetz, zeichnet sich also durch Gnade aus. Ein großer Teil der Bestimmungen dreht sich darum, wie vergeben werden kann. Keiner ist ausgenommen. Die Bestimmungen sind für jeden im Volk bis zum Hohepriester selbst. Wie sollte man also auf die Idee kommen, dass man ohne dies aber durch seine eigenen Werke vor Jahwe gerecht stehen würde? Und wenn die Hebräer das nicht dachten, worüber diskutiert Paulus dann? Das hatten wir in der vorherigen Serie „Die neue Sicht auf Paulus“ betrachtet.

    Waren die Hebräer nun schon bereit für das verheißene Land?

    Fertig zum Aufbrechen

    Moses selbst war da anderer Meinung:

    Mose sagte zu Jahwe: „Du befiehlst mir, dieses Volk in sein Land zu führen, aber du hast mir nicht offenbart, wen du mitschicken wirst. Dabei hast du mir doch gesagt, dass du mich mit Namen kennst und mir deine Gunst geschenkt hast. Wenn ich also wirklich deine Gunst genieße, dann lass mich doch erkennen, was du vorhast. Ich möchte dich besser verstehen und auch weiter in deiner Gunst bleiben. Und denk bitte daran: Diese Nation ist dein Volk!“ Jahwe erwiderte: „Wenn ich mitgehe, würde dich das dann beruhigen?“ Mose entgegnete: „Wenn du nicht mitgehst, dann bring uns lieber nicht von hier weg! Woran soll man denn sonst erkennen, dass wir in deiner Gnade stehen, ich und dein Volk? Doch nur daran, dass du mit uns ziehst und uns dadurch vor allen anderen Völkern der Welt auszeichnest, mich und dein Volk!“ Jahwe erwiderte: „Auch diese Bitte werde ich dir erfüllen, denn du stehst in meiner Gunst und ich kenne dich genau!“

    2. Mose 33:12-17 NEÜ

    Mose hatte die Lektion verinnerlicht: Ohne Jahwe waren sie nichts. „Alles, was sie waren, verdankten sie dem, was er war. Das Gleiche gilt für dich und mich. Das Wichtigste ist, zu wem wir gehören.“

    Was fehlte den Hebräern noch? 4. Mose (Numeri). Es beginnt mit der Anweisung Jahews, das Volk zu zählen. Dann kommt die Ordnung des Lagers Israels usw. … Kaum jemand liest 4. Mose. Aber vergessen wir nicht: Diese Buch wurde nicht für uns geschrieben, sondern für sie!

    Gottes Vision nimmt auf den Seiten von 4. Mose (Numeri) konkrete Gestalt an. Sie ist praktisch. Für Menschen, die bisher nur ein Leben als Sklaven kannten und wenig Übung in Selbstbestimmung hatten, begegnet Gott ihnen dort, wo sie sind, und macht ihre Aufgabe ganz einfach. Folgt mir. Zelte hier. Esst das. Stellt euch in dieser Reihenfolge auf.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Die Aufzählung hat noch eine ganz andere Wirkung. Die Hebräer waren einfach nur Sklaven. Der Namen der herrschenden Familien Ägyptens wurde gedacht. Jetzt ist es aber ganz anders. Es ist, also ob Jahwe ihnen sagt: Ihr gehört nich mehr Pharao. Ihr gehört mir. Ihr seid nicht bedeutungslos. Eurer Familien wird von nun an als Anfang einer neuen Nation gedacht werden.

    Was fehlt ihnen noch? Der priesterliche Segen Jahwes.

    Jahwe befahl Mose, Aaron und seinen Söhnen zu sagen: „So sollt ihr die Israeliten segnen. Sagt: Jahwe segne dich / und behüte dich! Jahwe lasse sein Angesicht leuchten über dir / und sei dir gnädig! Jahwe wende dir sein Angesicht zu / und gebe dir Frieden! So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen.“

    4. Mose 6: 22-27 NEÜ

    Indem er sie mit seinem Namen segnet, legt er seinen Namen ganz bewusst auf sein Volk. Jahwe hatte sie bereits am Sinai als sein Volk anerkannt. Jetzt segnet er sie offiziell, um sie regelmäßig daran zu erinnern. Von diesem Moment an sind sie als sein Volk identifiziert.

    Es ist der deutlichste Hinweis in der Heiligen Schrift, dass Jahwe seinen Namen auf sein Volk legt.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Nebenbei bemerkt, wird in der Zählung in 4. Mose des hebräische Wort eleph verwendet, dass meist mit ‚Tausend‘ übersetzt wird. Nur dass im hebräischen Text keine Zahlen stehen, wie wir sie kennen. Die sich daraus ergebende große Anzahl Hebräer von über 2 Millionen stimmt aber weder mit der Archäologie, den Platzverhältnissen auf ihrer Reise und vor allem mit der Bibel selbst überein. In 4. Mose 3:43 wird die Gesamtzahl der Erstgeborenen mit nur 22.273 angegeben. Das ergibt ein Verhältnis von 1:50 und jede israelische Mutter hätte durchschnittlich 100 Kinder haben müssen. Das Wort eleph wird an anderer Stelle auch nicht mit 1000 sondern ‚Clan‘ oder militärischer Einheit wiedergegeben. Eine Anzahl von etwa 10 Männern pro eleph stimmt mit anderen Angaben in 4. Mose und historischen Quellen überein. Damit kommt man auf vielleicht etwa 22.000 Männer, Frauen und Kinder.

    Immer noch eine stattliche Menge. Und mehr als genug für den Grundstock dieser neuen Nation Jahwes. Unter seiner Führung und mit seinem Segen würden sie weiter wachsen. Und damit sie all das, was wir bisher besprochen haben, nicht vergessen, hat Jahwe einen spektakulären Plan: Jedes Jahr sollen die Israeliten einen Tag dafür reservieren, der letzten Nacht in Ägypten zu gedenken. Das ist für Jahwe so wichtig, dass jeder, der das nicht mit feiern konnte, dies im folgenden Monat tun soll.

    Indem sie sich so immer wieder an all die Geschehnisse erinnern und was Jahwe für sie getan hat, wird ihnen eines eingeprägt: Sie tragen Jahwes Namen.

  • Gottes Namen Tragen – Teil 2

    Gottes Namen Tragen – Teil 2

    Von Christian / Carmen Joy Imes


    In dieser Serie befassen wir uns mit Gedanken aus dem Buch Bearing God’s Name – Why Sinai still matters (Gottes Namen tragen – warum der Sinai noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.

    Im ersten Teil haben wir gesehen, wie Ereignisse am Sinai literarisch in den Büchern Mose eingerahmt sind, um deren Bedeutung hervorzueben. Und dass die Israeliten zuvor erst einmal Jahwe kennenlernen und Vertrauen zu ihm aufbauen mussten.

    Was sich am Sinai ändert

    Nun sind die Israeliten schon drei Monate durch die Wüste gewandert, bis sie den Sinai erreichen. Was kommt nun? Was haben sie erwartet? Hatte Moses ihnen davon berichtet, was Jahwe Jahre zuvor am brennenden Dornbusch gesagt hatte?

    „Ich werde dir ja beistehen“, sagte Gott. „Und daran wirst du erkennen, dass ich dich gesandt habe: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr an diesem Berg Gott anbeten.“

    2. Mose 3:12 NEÜ

    Für Mose war der entscheidende Teil: „Ich werde dir beistehen“. Entscheidend war nicht, wer Moses war, sondern wessen er war. In jener Situation offenbarte Gott Moses deswegen auch seinen Namen. Das ist für manchen vielleicht keine große Sache, damals war es da aber. Die meisten anderen Götter waren unter einem Pseudonym bekannt, um die Menschen auf Distanz zu halten.

    Am Sinai ändert sich alles.
    Am Sinai entdecken die Hebräer, wer sie sind und, was noch wichtiger ist, wem sie gehören.

    Am Sinai geht es um Anbetung. Gottes erste Anweisung am Sinai legt die Grundlage, eine neue geistige Route. Wenn wir sie nicht verstehen, kann es gut sein, dass wir alles Weitere missverstehen.

    Mose stieg hinauf, um Gott zu begegnen. Da rief ihm Jahwe vom Berg aus zu: „Sage es den Nachkommen Jakobs, rede zu den Israeliten: Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern gemacht habe. Ihr habt erlebt, dass ich euch wie auf Adlerflügeln getragen und bis hierher zu mir gebracht habe. Wenn ihr nun auf mich hört und meinen Bund haltet, dann sollt ihr unter allen Völkern mein persönliches Eigentum sein. Denn mir gehört die ganze Erde. Ihr sollt mir ein Königsvolk von Priestern sein, eine heilige Nation!‘ Das sollst du den Israeliten sagen!“

    2. Mose 19:3-6 NEÜ

    Jahwe beginnt mit einer Beschreibung seiner Gnade! Gnade in den Büchern Mose? Vielleicht sind wir zu sehr auf die Gesetze fixiert – und unser heutiges Verständnis von Gesetzen. Darauf kommen wir nochmals zurück. Aber hier geht es um Jahwes Gnade. Er macht den Hebräern keine Vorwürfe wegen ihrem Verhalten bisher. Er zeigt, dass es sein Wunsch war, sie zu ihm zu bringen, und nicht ihr Verdienst. Und dann kommt dieses hebräische Wort: segullah (Aussprache SEH-gull-ah).

    Um die Bedeutung von Israels neuem Status zu begreifen, muss ich dir mein hebräisches Lieblingswort beibringen: segullah (ausgesprochen SEH-gull-ah). In der NIV wird es passenderweise mit „geschätzter Besitz“ übersetzt, aber es hilft, wenn wir die weitere Verwendung dieses Wortes verstehen. … Sehgullah kommt acht Mal im Alten Testament vor.

    Die verwandten alten Sprachen Ugaritisch und Akkadisch verwenden beide ein ähnliches Wort, um jemanden zu bezeichnen, der in der Beziehung zum König einen besonderen Status genießt, einen Bündnispartner, der besonders geschätzt und mit größerer Verantwortung betraut wird.

    In den aramäischen Übersetzungen des Alten Testaments wird der Segullah als „Geliebter“ beschrieben.

    Sie sollen ein „Königreich von Priestern“ sein, das als Botschafter bei den Völkern dient, und ein „heiliges Volk“, das für Gottes Zwecke ausgesondert ist. In meinem Lieblingsbuch, The Mission of God, betont Christopher J. H. Wright, dass Israel auserwählt wurde, um die Völker zu segnen. Er sagt: „Sie haben eine Rolle, die ihrem Status entspricht. Ihr Status ist es, ein besonderer Schatz zu sein. Ihre Rolle ist es, eine priesterliche und heilige Gemeinschaft inmitten der Völker zu sein.“

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Das Gesetz Mose war für die Hebräer ein Geschenk. Das zeigt ihre Antwort. Und wie Moses darüber sprach oder später Psalm 119. Andere Götter antworteten Menschen nicht. Man wusste nie so recht, was sie wollen oder warum sie zornig zu sein scheinen. Man musste sie besänftigen. Jahwe ist ganz anders: Er spricht sogar direkt zu den Hebräern. Er sagt klar, was er möchte und was nicht akzeptabel ist. Das Gesetz ist wie ein Zaun, der sie beschützt und hilft, darin ein florierendes Leben zu führen.

    Noch ein Hinweis zu dem Wort ‚Gesetz‘:

    Das deutsche Wort ‚Gesetz‘ ist sowohl zu eng als auch zu irreführend, um das hebräische Wort torah richtig zu übersetzen. Es wird besser mit „Unterweisung“ übersetzt. Die Tora umfasst ein breiteres Spektrum als nur Gesetze. Und ‚Gesetz‘ ist nicht das beste Wort, um zu beschreiben, was die Tora enthält.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Die Zehn Gebote – Gebote?

    Die Zehn Gebote stehen in der Bibel – nur werden sie darin nie so genannt! Wie bitte? Tatsächlich wird in 2. Mose 34:28 von 10 ‚Wörtern‘ gesprochen:

    Das hebräische Wort dabar kann neben ‚Wort‘ auch ‚Sache‘ oder ‚Ding‘ bedeuten. Das passt, denn darin sind nicht nur Gebote enthalten, wie wir gleich sehen werden.

    Kommen wir zur zweiten falschen Vorstellung, die man oft antrifft: Wieviele Tafeln waren es? Und wie wurden sie beschrieben? Im Internet finden sich viele Abbildungen davon. Ich habe einmal eine von Jehovas Zeugen aus dem Jahr 2020 genommen, weil sie immer wieder betonen, wie gründlich sie für ihre Bilder ‚nachforschen‘:

    Jehovas Zeugen, Leben und Dienst Zusammenkunft, Arbeitsheft August 2020 S. 7
    Wieviele Wörter kannst du erkennen?

    Vergleichen wir das einmal mit dem Bericht der Bibel:

    „Und Mose wandte sich um und stieg vom Berg hinab, und die beiden Tafeln der Bundesurkunde [eduth] waren in seiner Hand, Tafeln, die auf beiden Seiten beschriftet waren, beschriftet auf Vorder- und Rückseite“ (Exodus 32,15, Übersetzung des Autors).

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Wir sehen zwei Tafeln, aber sehr wenige Worte. Im hebräischen bestehen die ‚10 Worte‘ aus 171 Worten. Da muss auf der Rückseite aber noch viel stehen. Nun ja, ist halt nur eine Illustration. Wichtiger aber ist, dass wir auch hier die Vorstellung wiederfinden, dass zwei Tafeln notwendig waren, weil der Text nicht auf eine gepasst hätte. Dem ist nicht so. Vielmehr hat das hebräische Wort eduth, das hier mit Bundesurkunde übersetzt ist, eine besondere Bedeutung und findet sich so ähnliche in anderen Sprachen des alten Orients wieder. Wenn es um solche Urkunden ging, wurden die Tafel und eine exakte Kopie erstellt. Ging es um einen Vertrag zwischen zwei Völkern, wurde je eine Kopie in den Tempel des eigenen Gottes gelegt, damit dieser über die Einhaltung wacht. In diesem Fall war der Bund aber zwischen Jahwe und Israel. Daher wurde beide Tafeln in das Heiligtum gelegt.

    Kommen wir zum dritten, häufigen Missverständnis: Die 10 ‚Gebote‘ lassen sich klar in zwei Gruppen von Gesetzen unterteilen. Eine, die Gott betrifft, und eine, die die Menschen betrifft. Das ist aber keine adäquate Sicht auf diese Unterweisungen. Auch wenn Israeliten gegen ein ‚Gebot‘ aus der zweiten Gruppe verstießen, sprachen sie davon, dass sie gegen Gott sündigten (siehe 2. Samuel 12:13, Psalm 51:4)

    In der Bundesgemeinschaft ist jeder Teil des Lebens ein Ausdruck der Anbetung und Loyalität gegenüber dem Gott, der sich diesen Menschen verpflichtet hat. Wie sie andere behandeln, verrät wie ihr Herz zu Gott steht.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Gelten die ‚10 Gebote‘ jetzt für immer, weil sie sogar buchstäblich ‚in Stein gemeißelt‘ sind? Direkt davor spricht Jahwe davon, an wen sie gerichtet sind: „“Ich bin Jahwe, dein Gott! Ich habe dich aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit. Du darfst …““ (2. Mose 20:2 NEÜ). Sie verwenden oft einen spezifischen antiken Kontext und Wortschatz. Und sie wurden nie anderen Nationen kommuniziert.

    Die Gebote in diesem antiken Kontext sind allein für die Israeliten bestimmt. Die Tora war ein Geschenk an Israel, das Volk Jahwes.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Daher macht es am meisten Sinn, die ersten drei Sätze zusammen als erstes ‚Wort‘ zu lesen. Das zeigt an dem verwendeten Chiasma (2. Mose 20:2-6, 5. Mose 5:6-10):

    A Ich bin Jahwe dein Gott (Vers 2)

    B Du darfst keine anderen Götter haben neben mir! (Vers 3) Plural

    C Du darfst dir kein Götterbild machen (Vers 4) Singular

    B Wirf dich niemals vor ihnen nieder und verehre sie auf keinen Fall! (Vers 5a) Plural

    A Denn ich, Jahwe, ich, dein Gott (Vers 5b)

    2. Mose 20:2-6 NEÜ

    Der Sinn von Bildern ist die Anbetung.
    Die Mittel der Anbetung sind Bilder.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Damit kommen wir zum zweiten Gebot, aus dem sich auch der Titel des Buches von Carmen Imes ableitet.

    Ein unsichtbares Tattoo: Das zweite Gebot

    Du sollst den Namen Jahwes, deines Gottes, nicht vergebens tragen, denn Jahwe wird niemanden für schuldlos erklären, der seinen Namen vergebens trägt. (Exodus 20:7, Übersetzung des Autors)

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Viele Übersetzungen geben das anders wieder, weil die Übersetzer und Theologen meinten. dass dies sonst keinen Sinn macht. Wie sieht es aber aus, wenn man versucht, die Bibel exegetisch sich selbst erklären zu lassen? Der nächste Kontext ist 2. Mose 28: „So soll Aaron auf der Brusttasche für den Schiedsspruch die Namen der Söhne Israels zur ständigen Erinnerung vor Jahwe auf seinem Herzen tragen, wenn er ins Heiligtum hineingeht.“ (2. Mose 28:29). Und der Hohepriester hat auch einen Namen auf der Stirn: qodesh layahweh. „heilig, zu Jahwe gehörend“. Dabei wird der Buchstabe lamed vor Yahweh verwendet, wie er auch sonst in antiken Siegeln verwendet wurde, um das Eigentum anzugeben.

    Die zwölf Edelsteine zeigen an, dass der Hohepriester das ganze Volk vor Jahwe vertritt. Das Medaillon auf seiner Stirn zeigt an, dass er Jahwes Bevollmächtigter für das Volk ist. Erinnere dich an die dramatische Erklärung in Exodus 19, als Israel zum ersten Mal auf dem Berg Sinai ankam. Dort verlieh Gott seinem Volk Titel wie „geschätzter Besitz“, „Königreich der Priester“ und „heiliges Volk“. Als sein geschätzter Besitz ist es Israels Berufung – die Aufgabe, zu der sie geboren wurden -, ihren Gott gegenüber dem Rest der Menschheit zu vertreten. Sie haben eine priesterliche Funktion und vermitteln zwischen Jahwe und allen anderen. Sie sind für seinen Dienst auserwählt.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Durch den Blick auf Aaron wird jeder Israelit an seine Berufung als Volk erinnert. So wie er für den Dienst auserwählt („heilig“) ist, so sind auch sie („ein heiliges Volk“). Am Sinai erhebt Jahwe Anspruch auf dieses Volk und entlässt es in die Freiheit, seine Berufung zu erfüllen. Diese Berufung besteht darin, Jahwes Namen unter den Völkern zu tragen, d. h. ihn gut zu vertreten.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Kurz gesagt besagen die ersten beiden Gebote also: 1. Bete nur Jahwe an. 2. Vertritt ihn gut.

    Damit wird nun klar, warum der Begriff ‚Gesetz‘ als Übersetzung für das hebräische Thora ungenügend und sogar irreführend ist: Es geht nicht in unserem modernen Sinne um eine Sammlung von Vorschriften und Gesetzen, sondern Charakterbildung.

  • Gottes Namen Tragen – Teil 1

    Gottes Namen Tragen – Teil 1

    Von Christian / Carmen Joy Imes


    In dieser Serie werden wir uns mit Gedanken aus dem Buch Bearing God’s Name – Why Sinai still matters (Gottes Namen tragen – warum der Sinai noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes beschäftigen. Das Buch ist die auch für Laien gut lesbare Darstellung der Doktorarbeit von Professor Imes. Da es leider keine deutsche Übersetzung gibt, wollen wir uns wenigstens auszugsweise mit ihrer Darlegung beschäftigen.

    Aber warum ist das für uns heute überhaupt interessant? Im Vorwort ihres Buches beschreibt Imes sehr gut die üblichen Vorbehalte: „Das Alte Testament hat aus vielen Gründen einen schlechten Ruf bekommen. Zu gewalttätig. Zu verwirrend. Zu abgehoben. Zu legalistisch. Zu veraltet.“ Was vielen im Alten Testament fehlt, ist die Gnade, die im Neuen Testament so wesentlich erscheint. Wir werden sehen, dass dies gar nicht der Fall ist und gerade Christen das Alte Testemant mehr denn je brauchen.

    Wir werden auch sehen, was der Text aus 2. Mose 20:7 „Du darfst den Namen Jahwes, deines Gottes, nie missbrauchen!“ (NEÜ) eigentlich wirklich gemäß dem Urtext bedeutet. Die Tragweite der eigentlichen Bedeutung ist heute noch die selbe wie damals, wie aus den ersten Worte des Vorworts von Christopher J. H. Wright hervorgeht: „“Und du nennst dich selbst einen Christen!” Das war so ziemlich das Schlimmste, was wir als junge Christen in meiner nordirischen Kindheit zu hören fürchteten.… Was auch immer es war, der schlimmste Vorwurf von anderen Kindern (oder am schlimmsten von einem Lehrer) wäre: “Und du nennst dich selbst einen Christen!”“

    Daher werden wir uns nun nicht nur mit 2. Mose 20:7 sondern dem mosaischen Gesetz und den Ereignissen am Sinai damals beschäftigen. Ich weiß, was du jetzt denkst: Das ist ja so trocken wie die Wüste am Sinai! Aber du wirst dich wundern. Mit einem guten Reiseführer durch diese Ereignisse wird das sehr interessant werden.

    Stellen wir uns nur einmal vor, was die Israeliten alles erlebt hatten, bis sie am Sinai waren. Was brauchst du zum Leben, wenn du nach all dem auf dem Weg durch die Wüste bist? Und was bekommt Moses von Gott? Das Gesetzt mit all seinen Regeln. Doch wie sieht Moses das?

    Seht, ich habe euch Ordnungen und Rechte gelehrt, so wie Jahwe, mein Gott, es mir befahl, damit ihr danach handelt in dem Land, das ihr in Besitz nehmen werdet. Vergesst sie nicht und richtet euch danach! Denn darin besteht eure Weisheit und Einsicht in den Augen der Völker. Wenn sie von diesen Ordnungen hören, werden sie sagen: „Was für ein weises und einsichtiges Volk ist diese große Nation!“ Denn welche große Nation hat Götter, die ihr so nahe sind wie Jahwe, unser Gott, wann immer wir zu ihm rufen? Und wo gibt es eine große Nation, die so gerechte Ordnungen und Vorschriften hätte wie dieses Gesetz, das ich euch heute vorlege.

    5. Mose 4:5-8 NEÜ

    Mit anderen Worten: Die Israeliten haben mit dem Gesetz etwas Kostbares bekommen, auf das die anderen Nationen neidisch sein werden!

    Aber wird werden uns gar nicht so sehr mit den 10 Geboten oder den vielen einzelnen Vorschriften beschäftigen, sondern dem Gesamtbild. Wir werden erkennen, dass die fünf Bücher Mose einen interessanten Rahmen enthalten, der uns beim Lesen vielleicht noch nie bewußt aufgefallen ist, weil wir schließlich nur noch Details gesehen haben. Wir werden über den eigentlichen Zweck des Gesetzes und die Aufgabe der Israeliten sprechen. Und wie im Neuen Testament dies wieder aufgenommen wird. Weil Gott seinen Plan nicht aufgegeben hat, sondern allen Menschen die Möglichkeit gibt, die ursprüngliche Mission zu erfüllen.

    Das Volk werden, das Gottes Namen trägt

    Ägypten verlassen

    Kontext ist alles

    In der Serie Die neue Sicht auf Paulus, die auf dem Buch „The New Perspective on Paul – An Introduction“ (Die neue Sicht auf Paulus- Eine Einführung) von Prof. Kent L. Yinger. beruht, hatten wir schon gesehen, dass viele Christen folgende Vorstellung haben:

    • In der Zeit des Alten Testaments ging es für Israel darum, durch das Halten des Gesetzesbundes vom Sinai die Rettung zu verdienen.
    • Jesus hat mit dieser Vorstellung aufgeräumt und die Erlösung ohne jedes persönliche Tun zur Verfügung gestellt.

    In jener Serie haben wir aber auch gesehen, dass beide Aussagen nicht auf den Heiligen Schriften sondern den Überlegungen späterer Gelehrter und der Reformation beruhen. Auch Carmen Imes geht in ihrem Buch darauf ein und zeigt, warum die erste Aussage gar nicht stimmen kann:

    Den Kontext berücksichtigen: Israel kommt in 2. Mose 19 am Sinai an und erhält von Jahwe das Gesetz. Die Rettung Israels aus Ägypten finden wir aber sowohl zeitlich als auch im Text schon vorher in 2. Mose 3-14. Das Gesetz vom Sinai kann also nicht die Vorrausetzung für die Rettung Israels aus Ägypten gewesen sein.

    Daher lesen wir auch dies in 2. Mose 6:6

    Sag deshalb zu den Israeliten: ‚Ich bin Jahwe. Ich befreie euch von der Zwangsarbeit für die Ägypter. Ich rette euch aus der Sklaverei. Mit starker Hand und durch große Strafgerichte werde ich euch erlösen.

    2. Mose 6:6 NEÜ

    Gott hat nicht erst einmal geprüft, ob sie vielleicht noch Götzen zu Hause hatten oder in Bezug auf die Moral dem Gesetz genügten. Ihre Rettung hatte nichts mit ihrer Rechtschaffenheit oder ihrem Handeln zu tun, sondern mit seinem Versprechen gegenüber ihrem Vorvater Abraham.

    Dabei ist noch folgender Aspekt zu 2. Mose 12:13 interessant :

    Das Blut an den Häusern, in denen ihr euch befindet, soll ein Schutzzeichen für euch sein. Wenn ich das Blut sehe, werde ich vorübergehen, [Hebräisch: pasachti, wovon Passa abgeleitet ist.] und der Schlag, mit dem ich das Land Ägypten treffe, wird euch nicht verderben.

    2. Mose 12:13 NEÜ

    Das hebräische Wort pasachti, von dem unser Passa abgeleitet ist, kann mit ‚vorübergehen‘ übersetzt werden. In diesem Kontext macht aber eine andere Bedeutung mehr Sinn, wie sie auch z.B. in Jesaja 31:5 zu finden ist.

    In 2. Mose 12:13,23,27 geht Jahwe nicht an Israel vorbei, sondern ‚beschützt‘ es.

    Der Rahmen des Sinai: Die Wanderungen in der Wildnis

    Der Bericht über Israel und den Sinai enthält eine weitere Besonderheit, die uns beim Lesen so vielleicht noch nie aufgefallen ist. In 4. Mose 33 wird die gesamte Route der Wanderung Israels von Ägypten nach Kanaan beschrieben. Auf dieser Route gibt es zweiundvierzig Lagerplätze. Lesen wir aber aufmerksam die Berichte in 2. Mose 12-18 und 4. Mose 11-32, dann kommen wir nur auf sechs Lagerplätze jeweils vor und nach dem Sinai. Und alle beginnen mit der selben hebräischen Phrase: „und sie brachen auf.“ Damit haben wir keinen Widerspruch in den Büchern Mose gefunden. Beide Berichte erfüllen einen unterschiedlichen Zweck. Und der Zweck der Berichte vor und nach dem Sinai wird in dieser Abbildung aus Carmen Imes Buch deutlich:

    Dass das kein bloßer Zufall ist, sondern ein zur damaligen Zeit und Kultur üblichen Form, etwas zu betonen, wird aus den weiteren symmetrischen Berichten deutlich:

    Vor dem SinaiNach dem Sinai
    6 Lagerorte, „und sie brachen auf“ (2. Mose 12-18)6 Lagerorte, „und sie brachen auf“ (4. Mose 11-32)
    7 mal wird „Wüste“ erwähnt7 mal wird „Wüste“ erwähnt
    Gottes Versorgung mit Manna und Wachteln ( 2. Mose 16) sowie zwei Bitten um Wasser, die durch einen sprudelnden Felsen erfüllt wurden (2. Mose 17:1-7).Gottes Versorgung mit Manna und Wachteln ( 2. Mose 16) sowie zwei Bitten um Wasser, die durch einen sprudelnden Felsen erfüllt wurden (2. Mose 171-7).
    Gottes Engelsbote beschützt die Hebräer vor einem fremden König. (2. Mose 14:19-20)Gottes Engelsbote beschützt die Hebräer vor einem fremden König. (4. Mose 22:21-35)
    Israels Kampf gegen die Amalekiter (2. Mose 17:8-16)Israels Kampf gegen die Amalekiter (4. Mose 14:39-45)
    Mose trifft sich mit einem midianitischen Familienmitglied und erhält eine Handlungsempfehlung ( 2. Mose 18)Mose trifft sich mit einem midianitischen Familienmitglied und erhält eine Handlungsempfehlung (4. Mose 10:29-32)
    Mose ist mit Führungsaufgaben überlastet (2. Mose 18:17-18)Mose beginnt, Aufgaben an andere zu delegieren
    Mose beginnt, Aufgaben an andere zu delegieren (2. Mose 18:24-26)Mose beginnt, Aufgaben an andere zu delegieren (4. Mose 11:16-17) Enthält absichtliches Zitat aus 2. Mose.
    Israeliten klagen, warum sie Ägypten verlassen haben (2. Mose 14:10-12)Israeliten klagen wegen dem Bericht der Kundschafter (4. Mose 14)

    Warum werden die Ereignisse am Sinai durch diesen Rahmen so hervorgehoben? Weil eine dort eine große Transformation stattgefunden hatte: Die Israeliten waren am Sinai im Zustand der Liminalität. Eine Phase des Übergangs, der grundlegenden Änderung ihres Status. Sklaven Ägyptens waren sie nicht mehr. Aber was würden sie werden? Was für ein Gott ist Jahwe? Was würde er von ihnen erwarten? Wie würde ihre Zukunft aussehen?

    Für Israel ist die Reise durch die Wüste von Ägypten nach Kanaan eine Zeit des Übergangs. Sie ist weit mehr als nur ein Übergangsort, sie ist die Stätte von Israels Werden. Die Wildnis ist das vorläufige Ziel, das sie zu dem macht, was sie sind. Übergangsorte tun das immer. Sie verändern uns.

    Gott hat es nicht eilig, sie aus dem Übergangsraum in das Land zu führen, das er ihnen versprochen hat. Sie sind noch nicht bereit.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Wenn wir uns das Ausmaß der Veränderung, die offenen Fragen und die Ungewissheit über die Zukunft und das Wesen des Gottes, der sie gerettet hatte genau vorstellen, verstehen wir auch besser, warum sie scheinbar so schnell Gottes Macht, sie zu retten, vergessen konnten. Wer würde sich in einer Wüste nicht Sorgen um Wasser und Nahrung machen? Umgeben von feindlichen Völkern? „Jahwe weiß das. Es ist bemerkenswert, dass er die Israeliten nicht tadelt, wenn sie sich beschweren oder in Panik geraten, während sie zum Sinai ziehen. Er sorgt einfach für ihre Bedürfnisse. Er nutzt diese Reise, um ihnen seine Vertrauenswürdigkeit zu beweisen.“

    Als der Pharao das Volk ziehen ließ, führte Gott es nicht den Weg durch das Land der Philister,[3] obwohl das der kürzeste Weg gewesen wäre, denn Gott dachte: „Wenn das Volk merkt, dass es kämpfen muss, könnte es seine Meinung ändern und nach Ägypten zurückkehren.“ Aus diesem Grund ließ Gott das Volk einen Umweg machen und führte es den Wüstenweg zum Schilfmeer.

    Jahwe zog vor ihnen her, um ihnen den Weg zu zeigen. Tagsüber führte er sie in einer Wolkensäule und nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht weiterziehen. Tagsüber sahen sie die Wolkensäule vor sich, nachts die Feuersäule.

    2. Mose 13:17-18,21,22 NEÜ

    Vertrauen ist kein Automatismus, und Gott erwartet das auch nicht. Er setzt sich geduldig für Israel ein, bis sie erkennen, dass er ihr Vertrauen wert ist.

    Imes, Carmen Joy. Bearing God’s Name: Why Sinai Still Matters (English Edition)

    Die Israeliten ‚drücken die Schulbank‘ sozusagen. Sie lernen, dass sie jeden Tag auf Gott vertrauen müssen und es auch können. Dass sie jeden Tag von ihm abhängig sind. Auf dem Weg zum Sinai finden die Israeliten heraus, was für ein Gott Jahwe ist und wie sie im Vertrauen auf ihn leben können.