Gottes Bild sein – Teil 5

Von Christian / Carmen Joy Imes


In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Themen aus dem Buch Being God’s image – Why creation still matters (Gottes Bild sein – warum die Schöpfung noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.

Wie im vierten Teil angekündigt haben, werden wir uns nur mit dem „Weg der Weisheit“ beschäftigen.

Die Suche des Menschen

Könnte man den Weihnachtsmann fragen, was am häufigsten auf der Wunschliste der Menschen steht, wird er wohl kaum antworten: Weisheit. Dabei ist Weisheit doch eigentlich mit das Wichtigste, was man im Leben erlangen sollte.

Gemäß der Bibel können wir Weisheit auf zwei Weisen kultivieren: Indem wir Gott als Quelle von Weisheit vertrauen. Und zweitens, indem du sorgfältig beobachtest, wie die Welt funktioniert, und dich für das Gute entscheidest.

Dementsprechend haben wir in der Bibel die Bücher Sprüche, Prediger und Hoheslied. Interessanterweise behaupten die Weisen hier nicht, dass sie im Namen Gottes sprechen.

Weisheit ist etwas, das wir wollen müssen. Wir müssen sie lieben und alles, was wir haben, für sie aufwenden, sie wertschätzen und umarmen. Wenn wir das nicht tun, könnte unsere Geschichte so enden wie die Salomos: Es beweist, dass Weisheit keine Leistung ist, über die man sich freuen kann, sondern ein Muskel, den man trainieren muss. Oder wie N.T. Wright sagt: „Die Liebe ist die schärfste Form der Erkenntnis, weil die Liebe es ist, die, während sie sich mit einer anderen Wirklichkeit als der eigenen identifiziert, die andere Wirklichkeit als die eigene bejaht und feiert.“

Wenn du jetzt den Eindruck gewonnen hast, dass das eine ziemlich schwierige Aufgabe für schlaue Leute ist, dann rückt die Bibel dieses Bild gerade: „Ihr Anfänger, lernt, was Klugheit ist! / Ihr Tagträumer, werdet endlich wach! Hört zu, ich gebe euch einen wertvollen Rat! / Die Wahrheitsliebe öffnet mir den Mund.“ (Sprüche 8:5,6 NEÜ) Ironischerweise liegt der Schlüssel zur Entdeckung von Weisheit in der Erkenntnis, dass wir keine Antworten haben und nicht wissen können, was das Beste ist. Darum geht es eigentlich – dass wir lernen, uns auf Gott zu verlassen, der uns den Weg zum Leben zeigt.

Menschliche Schwäche und Sterblichkeit disqualifizieren uns nicht, unseren menschlichen Daseinszweck zu erfüllen. Sich durch ehrliches Gebet auf Gott zu verlassen, ist der Weg zur Weisheit. Das Buch der Psalmen enthält viele solche Gebete.

Menschliches Leiden

Vielleicht ist dir aber schon der Gedanke gekommen, dass das Buch Prediger doch eher deprimierend ist: „ Alles Reden müht sich ab, keiner kommt damit zum Ziel. Das Auge sieht sich niemals satt, und das Ohr wird vom Hören nicht voll. Was einmal geschah, wird wieder geschehen, und was einmal getan wurde, wieder getan, und nichts ist wirklich neu unter der Sonne. An die Früheren erinnert man sich nicht, und an die Späteren, die kommen werden, auch an sie wird man sich nicht erinnern bei denen, die zuletzt sein werden.“ (Prediger 1:8,9,11)

Und anscheinend beginnt das Buch Prediger nicht mit Weisheit sondern mit einer klaren Ansage, was für eine deprimierende Aussicht uns erwartet: „“Bedeutungslos! Bedeutungslos!“, sagt der Prediger. „Völlig bedeutungslos! Alles ist bedeutungslos.““ (Prediger 1:2 NIV) Aber wer sagte das und sagte die Person das wirklich so, wie es übersetzt wird?

Die Person wird ‚Prediger‘ im Deutschen genannt. Daher auch der Name des Buches. Im Hebräischen steht dort Kohelet. Das bedeutet „Versammler, Gemeindeleiter“. In der Septuaginta wurde es mit Ekklesiastes übersetzt, was „Redner in einer Volksversammlung“ bedeutet und woraus derm Name des Buches im englischen Sprachraum ableitet.

Was er in Prediger 1:2 sagt ist: „Hevel, hevel. Alles ist vollständig hevel“. Hevel bedeutet soviel wie Dunst. Es wird als eine Methapher verwendet. „Alles ist wie ein Dunst.“ In Prediger wird nicht gesagt, dass alles sinnlos ist oder ‚nichtig‘ wie es manchmal übersetzt wird. Sondern eher ‚flüchtig‘. Die Weisheit besteht darin, zu erkennen, dass es jenseits unsere Fähigkeiten liegt, den Sinn des Leben vollständig zu verstehen. Und dass wenn wir immer nur in die Zukunft schauen, auf das, was wir nicht haben, was vergehen wird, dann übersehen wir das ganze Leben was Gutes direkt vor unseren Augen ist.

Der Prediger fordert uns auf, die Reise zu genießen. Hör auf, so fieberhaft zu versuchen, das Leben zu verstehen, sondern sei dankbar für Momente der Freude und Zufriedenheit – Essen, Trinken, Freunde – das sind Geschenke unseres Schöpfers.

Wir Menschen sind nicht in der Lage, Gottes Wege zu verstehen. Gott ist uns keine Erklärung schuldig. Er lädt uns einfach ein, ihm zu vertrauen. Schlechte Dinge passieren guten Menschen, weil wir in einer Welt leben, die von Gebrochenheit gezeichnet ist. Wir müssen lernen, mit dem Unbekannten zu leben. Die menschliche Sterblichkeit und die Zerbrochenheit unserer Welt bedeuten, dass wir lernen müssen, innerhalb von Grenzen freudig zu leben.

Das ist heute Teil unseres Sein, unsere Bestimmung, Bilder Gottes zu sein und entsprechend zu leben. Doch so wird es nicht bleiben. Im nächsten Teil beschäftigen wir uns mit den Menschen in Gottes neuer Welt.

Entdecke mehr von Beröer Suche

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen