Von Christian / Carmen Joy Imes
In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Themen aus dem Buch Being God’s image – Why creation still matters (Gottes Bild sein – warum die Schöpfung noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.
Den zweiten Teil hatten wir mit der Ankündigung abgeschlossen, dass es nun mit der Arbeit losgeht, als imago Dei, Bild Gottes.
An die Arbeit gehen
Was bedeutet das für uns Menschen als Bild Gottes, als imago Dei? Ich zitiere mal einen Satz aus Carmen Imes Buch:
Gute Arbeit zu leisten ist eine Möglichkeit, unsere Bestimmung zum Ausdruck zu bringen.
Being God’s Image, Carmen Joy Imes
Ich hoffe doch sehr, dass ich damit allerlei Gedanken zum Thema, Werke, Glaube, Erlösung, Gerechtigkeit durch Werke usw. ausgelöst habe. Und möchte gleich anschließen: Damit hat das überhaupt nichts zu tun. Sondern vielmehr damit, dass wir als Bild Gottes sinnvolle Arbeit tun möchten und uns das uns gut tut. Es ist Teil unserer Bestimmung. Nehmen wir zum Beispiel 3. Mose 19:9-10 Landwirte sollten nicht alles am Feld oder Weinberg ernten. Dieser Teil als Frucht ihrer Arbeit würde ihnen schon genügen. Aber Arme und Fremde ohne Land, sollten auch die Möglichkeit haben, mit eigener Arbeit zu ernten und daraus ein Selbstwertgefühl zu erhalten. Sie sollten keine Allmosenempfänger sein, auf die man herabblickt.
Bei der Arbeit, die Gott für seine Bilder vorgesehen hat, geht es aber nicht um uns.
„Das Bild Gottes zu sein bedeutet, dass wir in eine besondere Beziehung zu Gott, zueinander und zum Rest der Schöpfung gestellt werden, um als seine königlichen Vertreter zu herrschen.“
Being God’s Image, Carmen Joy Imes
Welche Konsequenzen hat das?
Wenn ich wirklich glaube, dass jeder Mensch das Bild Gottes ist und geschaffen wurde, um der Welt die Gegenwart Gottes zu signalisieren, dann sollte mich dieser Glaube dazu verpflichten, meine Mitmenschen mit Würde zu behandeln.
Frauen sind Gottes Bild, haben die gleiche Würde und tragen die gleiche Verantwortung dafür, Gott gegenüber der Schöpfung zu vertreten.
Being God’s Image, Carmen Joy Imes
Nun sind wir an dem Punkt, wo wir uns mit gewissen Voreingenommenheiten gegenüber Frauen beschäftigen sollten, die manche aus dem Bibelbericht über den Sündenfall abzuleiten glauben zu können.
Stellen wir uns einmal die Situation mit Eva und der Schlange vor. Wenn du dir dazu ein Bild vorstellst, bin ich mir ziemlich sicher, dass es in etwa so aufgebaut ist:

Alle Bilder dazu, an die Carmen Imes sich (und auch ich mich) erinnern kann, sehen so ähnlich aus. Und damit liegen alle in ein paar Punkten falsch, weil das so überhaupt nicht in der Bibel steht: Nirgends steht, dass Eva und die Schlange direkt unter dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse standen. Warum würde Eva gemäß dem Bericht in 1. Mose 3:3 nicht einfach von „diesem Baum“ sprechen, sondern von „dem Baum in der Mitte des Gartens“. Es muss sich also nicht um eine spontane Entscheidung gehandelt haben, sondern die Schlange hat den Samen des Zweifels gesät. Und der wirkte: „Als die Frau nun sah, wie gut von dem Baum zu essen wäre, was für eine Augenweide er war und wie viel Einsicht er versprach, da nahm sie eine Frucht und aß.“ (1. Mose 3:6 NEÜ) Etwas ist auf dem Bild aber richtig dargestellt, was manche Männer allerdings lieber verdrängen: Gemäß 1. Mose 3:6 war Adam dann dabei, als Eva von der Frucht nahm: „Sie gab auch ihrem Mann davon, der neben ihr stand. Auch er aß.“ Eva wird manchmal als Ursache des Übels abgestempelt. Aber warum ist Adam nicht vehement eingeschritten? Er war doch direkt daneben, als sie von der Frucht aß. Und warum waren sie beide dann bei dem Baum in der Mitte des Gartens? Vielleicht war er ja schlau, und hat erstmal abgewartet, ob sie nicht doch sofort tot umfällt. Und als das nicht der Fall war … Wer weiß.
So haben sich also beide dafür entschieden, nicht wie das Bild Gottes zu handeln. Und in einem hatte die Schlange recht: „Da gingen beiden die Augen auf.“ Was sie erkannten, war aber nur, dass sie nackt waren. Eine Erkenntnis von Gut und Böse wie Gott kann man kaum erkennen, wenn Adam als Ausrede in 1. Mose 3:12 erst Eva die Schuld gibt, und gleich darauf Gott selbst, weil er sie ihm ja schließlich gegeben hat.
Carmen Imes fasst die Situation so zusammen:
Ihr Ungehorsam gegenüber dem göttlichen Gebot und ihr Unvermögen, Gottes guten Absichten zu vertrauen, lassen ihre Beziehung zu Gott, zueinander und zu der von Gott geschaffenen Welt sofort zerbrechen.
Die ersten Menschen verloren das gegenseitige Vertrauen, den gegenseitigen Respekt, die Unschuld und die Vertrautheit mit Gott und den anderen Menschen. Das Schlimmste aber war, dass sie den Zugang zur Gegenwart Gottes im Garten verloren.
Being God’s Image, Carmen Joy Imes
War es nun damit vorbei, dass Menschen das ‚Bild Gottes‘ sind? Carmen Imes argumentiert – wie auch andere Gelehrte – dass die erneute Erwähnung in 1. Mose 5:1-3 („nach seinem Bild“) und 1. Mose 9:6 („Denn als Bild Gottes / hat er den Menschen gemacht.“, Einheitsübersetzung 2016) der menschliche Status als Gottes Bild wiederholt wird.
Weil das Wesentliche daran, Gottes Ebenbild zu sein, eine Aussage über unsere Identität ist und nicht eine Fähigkeit oder Funktion, können wir es nicht verlieren.
Being God’s Image, Carmen Joy Imes
Und damit wären wir bei der Frage, wie sich diese Erkenntnis, dass wir ‚imago Dei‘, also das Bild Gottes sind, auf unser Verhalten und unser Leben auswirken sollte. Damit werden wir uns im nächsten Teil beschäftigen.


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