Gottes Bild sein – Teil 2

Von Christian / Carmen Joy Imes


In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Themen aus dem Buch Being God’s image – Why creation still matters (Gottes Bild sein – warum die Schöpfung noch immer wichtig ist) von Carmen Joy Imes.

Den ersten Teil hatten wir mit dieser Aussage abgeschlossen

Die Schöpfung ist der kosmische Tempel Jahwes, in dem er angebetet werden soll. Gott hat den Vorsitz über seine Schöpfung durch seine Bilder, die er als Herrscher über die Schöpfung berufen hat, damit sie die Ordnung darin pflegen.

Aber was ist hier mit ‚seine Bilder‘ gemeint? Darum geht es in diesem zweiten Teil der Serie.

Die Krone der Schöpfung – Bild Gottes

Warum habe ich hier von den Menschen als Bilder Gottes gesprochen? Das wird schon ab 1. Mose 1:26,27 deutlich, wenn der Höhepunkt der Schöpfung beschrieben wird:

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich. Und sie sollen herrschen über die Fische des Meers und über die Vögel des Himmels, über das Vieh und über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die sich auf der Erde regen. Und Gott schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.

1. Mose 1:26, 27 Züricher

So übersetzen mittlerweile die meisten Übersetzungen. Vielleicht hast du dich aber auch gewundert, weil du den Text anders in Erinnerung hast:

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich; … Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.

1. Mose 1:26,27 Schlachter 2000

Sind wir jetzt im Bild Gottes erschaffen oder als Bild Gottes? Welcher Gedanke kommt dem Text am nächsten? Am besten finden wir das heraus, wenn wir (1) die antike Kultur und (2) andere Passagen der Bibel verwenden. In lateinischen Bibelübersetzungen wird hier der Begriff ‚imago Dei‚ verwendet: Bild Gottes. Im Hebräischen steht das Wort tselem. Dieses hat in verwandten antiken Sprachen eine klare Bedeutung: Es ist die Statue eines Gottes in seinem Tempel. Damit sind wir wieder bei der Tempel-Symbolik der Bibel, von der wir schon gesprochen hatten. Wir sind also erschaffen worden, um Gottes Bild zu sein:

So wie eine Götterstatue den Anspruch dieses Gottes auf ein bestimmtes Gebiet repräsentieren soll, so sind die Menschen die physische Repräsentation des Schöpfergottes auf der Erde. Und so wie ein Götzenbild den Lobpreis auf die eigentliche Gottheit lenken soll, so sollen die Menschen den Lobpreis auf Jahwe lenken. Der Theologe Marc Cortez nennt dies „repräsentative Präsenz“: „Wir müssen imago Dei als eine Erklärung ansehen, dass Gott beabsichtigte, die Menschen als das physische Mittel zu erschaffen, durch das er seine eigene göttliche Gegenwart in der Welt manifestieren würde.“

N. T. Wright sagt, wir sollen ein „abgewinkelter Spiegel sein, der Gottes weise Anordnung in die Welt reflektiert und das Lob der ganzen Schöpfung auf den Schöpfer zurückwirft.“

Wir sind Gottes Familie. Gottes Bild zu sein, beinhaltet sowohl Verwandtschaft als auch Königtum. Wir sind Teil der königlichen Familie.

Obwohl der Schöpfungsbericht mit dem Erscheinen der Menschen seinen Höhepunkt erreicht, sind wir nicht das Zentrum des Universums. Gott ist es.

Being God’s Image, Carmen Joy Imes

„Mensch zu sein bedeutet, im Namen Gottes an der Bewahrung der Schöpfung teilzunehmen. Unsere Aufgabe ist es, die Erde so zu pflegen, wie es der Schöpfer tun würde. Wir setzen Gottes schöpferisches Werk fort.“

Vermutlich denkst du jetzt schon daran, wie du das umsetzen kannst. An und für sich ist es ja gut, sich Gedanken zu machen, was man selbst tun kann. Andererseits ist es auch sein Sympton vieler christlicher Glaubensrichtungen, sich sehr auf das Individuum zu fokusieren.

Gemeinsam sind wir Gottes Ebenbild. Gott hat Männer und Frauen dazu geschaffen, sich gegenseitig zu begleiten und Seite an Seite in der Welt zu arbeiten.“

Selbst in bezug auf Yahwe selbst wird das im Bibelbericht in 1. Mose 1:26 deutlich: „Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich.“ (Züricher). Die Verwendung des Plurals hier ist weder eine ehrfüchtige Bezeichnung für Gott noch ein Bezug auf die Trinität. „In einem altorientalischen Kontext hätten die ersten Zuhörer dies als Verweis auf Gottes himmlischen Gerichtshof, seinen göttlichen Rat, verstanden. (z.B. Hiob 1:6-12; Psalm 82; Jesaja 6:8)“ Die Menschheit als Bild Gottes wurde von Gott als Teil einer Gemeinschaft erschaffen.

Nachdem das nun geklärt ist, können wir ja in 1. Mose 2 weiter lesen. Und da stolpern die meisten. Weil es ab Vers 4 anscheinend nochmal, aber anders erzählt wird. Das hat aber einen Grund: In 1. Mose 1 steht Gott im Mittelpunkt. In 1. Mose 2 geht es um die Menschheit:

„1. Mose 2 untersucht, was es bedeutet, ein Mensch zu sein – in Beziehung zu Gott, zur Erde, zu den Pflanzen, zu den Tieren und zueinander.“ Daher konzentriert sich der zweite Schöpfungsbericht auf die menschliche Identität und Berufung. Dieses Kapitel lässt uns entdecken, dass Menschen eigentlich Gärtner sein sollten. Das wird duch 1. Mose 2:5 deutlich, wo zwei Gründe dafür genannt werden, dass die Erde noch nicht fruchtbar war: 1. Gott hatte es noch nicht regnen lassen, 2. Es gab noch keine Menschen, die das Land bebauten. „Diese Aussage impliziert, dass der beabsichtigte Entwurf eine Partnerschaft zwischen Gott und den Menschen ist, um die Erde zu bebauen.“ Die ganze Erde sollte mit Hilfe der Menschen wie Eden werden.

In diesem Zusammenhang sollten wir auch kurz klären, warum in Übersetzungen die Frau Eva als eine „Hilfe“ oder „Gehilfin“ Adams bezeichnet wird. War sie nur als so etwas wie ein Hilfsarbeiter gedacht, nicht gleichwertig mit Adam? Keineswegs, wie der Text zeigt. In 1. Mose 2:18,20 wird das hebräische Wort kenegdo gebraucht, welches korrekt mit ‚ebenbürtig‘ oder ‚genau entsprechen‘ übersetzt wird. ‚Hilfe‘ ist die Übersetzung des hebräischen ‚ezer. Es kommt im alten Testament über 90 Mal als Hauptwort vor und hauptsächlich auf zwei Arten verwendet: (1) Für alliierte Soldaten und (2) für Gott als Israels Hilfe. Es wird nie in Bezug auf einen Diener oder Untergebenen gebraucht. Seine hauptsächliche Verwendung ist militärisch und wird am besten als ‚Alliierter‘ übersetzt. Tatsächlich gab es vor der Rebellion Adams und Evas gegenüber Gott keine Hierarchie, welche die beiden trennte.

Wir alle – unabhängig vom Geschlecht – sind das Bild Gottes, um seinen Auftrag zu erfüllen. Niemand ist davon ausgeschlossen. Und keiner von uns kann diese Aufgabe alleine erfüllen. Keiner muss diese Aufgabe alleine erfüllen. Um Gottes Auftrag zu erfüllen, brauchen wir uns gegenseitig.

Und damit möchte ich es in dieser Folge belassen. Denn wenn dieser Teil auch nicht lange war, enthielt er eine Menge von Gedanken, die es wert sind, darüber nachzudenken. Im nächsten Teil fangen wir dann mit der Arbeit an – als imago Dei, Bild Gottes.

An die Arbeit gehen

Was bedeutet das für uns Menschen als Bild Gottes, als imago Dei?

Gute Arbeit zu leisten ist eine Möglichkeit, unsere Bestimmung zum Ausdruck zu bringen.

„Das Bild Gottes zu sein bedeutet, dass wir in eine besondere Beziehung zu Gott, zueinander und zum Rest der Schöpfung gestellt werden, um als seine königlichen Vertreter zu herrschen.“

Wenn ich wirklich glaube, dass jeder Mensch das Bild Gottes ist und geschaffen wurde, um der Welt die Gegenwart Gottes zu signalisieren, dann sollte mich dieser Glaube dazu verpflichten, meine Mitmenschen mit Würde zu behandeln.

Frauen sind Gottes Bild, haben die gleiche Würde und tragen die gleiche Verantwortung dafür, Gott gegenüber der Schöpfung zu vertreten.

Being God’s Image, Carmen Joy Imes

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