Schlagwort: Jesus

  • Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 6

    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 6

    Von Dr. Michael S. Heiser


    Diese Serie ist die deutsche Übersetzung der Blogartikel des Bibelwissenschaftlers Dr. Michael S. Heiser in seiner Blog-Serie über Eschatologie.


    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 6

    Thema: Dieser Beitrag greift Teil Nr. 2 auf und vertieft ihn.

    Jetzt, da wir die Bündnisse hinter uns gelassen haben, ist es an der Zeit, zu anderen Themen überzugehen, die zeigen, wie die Position eines jeden zur Endzeit von Vorannahmen bestimmt wird.

    Unsere Diskussion über die Bündnisse (und einige Leserkommentare) hat deutlich gemacht, wie schnell viele Christen davon ausgehen, dass die Verheißungen eines irdischen Königreichs noch nicht erfüllt sein können. Nun habe ich bereits angemerkt, dass es mehr als eine Möglichkeit gibt, sich vorzustellen, dass die Landverheißungen noch in der Zukunft liegen, während sie gleichzeitig bereits durch die Kirche verwirklicht werden. Ich möchte noch einmal näher auf die Idee des Königreichs eingehen und zeigen, dass viele Christen der Meinung sind, dass es biblische Gründe dafür gibt, zu glauben, dass das irdische Königreich Gottes und die Landverheißungen bereits in Israel erfüllt wurden – insbesondere zur Zeit Salomos.

    Beginnen wir mit dem Bund mit Abraham:

    Nach diesen Ereignissen empfing Abram folgende Botschaft Jahwes in einer Vision: „Hab keine Angst, Abram! Ich selbst bin dein Schutz, und du wirst reich belohnt werden.“ 2 Da erwiderte Abram: „Jahwe, mein Herr, was willst du mir denn geben? Ich werde ja kinderlos sterben, und meinen Besitz erbt Eliëser von Damaskus. 3 Du hast mir doch keinen Sohn gegeben. Der Sklave, der in meinem Haus geboren wurde, wird mich beerben.“ 4 Da kam das Wort Jahwes zu ihm: „Nein, er wird nicht dein Erbe sein, sondern einer, den du zeugen wirst, der soll dich beerben.“ 5 Darauf führte er ihn ins Freie und sagte: „Blick doch zum Himmel auf und zähle die Sterne, wenn du es kannst!“ Und er fügte hinzu: „So wird deine Nachkommenschaft sein!“ 6 Abram glaubte Jahwe, und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an. 7 Dann sagte er: „Ich, Jahwe, ich habe dich aus dem Ur der Chaldäer herausgeführt, um dir dieses Land als Eigentum zu geben.“ 8 „Jahwe, mein Herr“, erwiderte Abram, „woran könnte ich erkennen, dass ich es je besitzen werde?“ 9 Da sagte er: „Bring mir eine dreijährige Kuh, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Schafbock, eine Turteltaube und eine junge Taube!“ 10 Abram holte die Tiere, zerteilte jedes in zwei Hälften und legte die Teile einander gegenüber.[6] Nur die Vögel zerteilte er nicht. Da fielen Raubvögel über die Fleischstücke her, und Abram verscheuchte sie. 12 Doch während des Sonnenuntergangs fiel ein Tiefschlaf auf Abram, und eine unheimliche, erdrückende Angst legte sich auf ihn. 13 Da sagte Jahwe zu ihm: „Du sollst jetzt erfahren, dass deine Nachkommen Fremde in einem Land sein werden, das ihnen nicht gehört. Man wird sie versklaven und unterdrücken. Das alles dauert insgesamt vierhundert Jahre. 14 Aber auch das Volk, dem sie dienen müssen, wird mein Strafgericht treffen. Und dann werden sie mit großem Besitz von dort wegziehen. 15 Du selbst wirst ein hohes Alter erreichen und in Frieden sterben und begraben werden. 16 Erst die vierte Generation wird hierher zurückkehren, denn die Schuld der Amoriter hat noch nicht ihr volles Maß erreicht.“ 17 Als dann die Sonne ganz untergegangen und es finster geworden war, fuhr auf einmal etwas zwischen den zerteilten Tieren hindurch, das wie ein rauchender Schmelzofen aussah und wie eine brennende Fackel. 18 So schloss Jahwe damals einen Bund mit Abram und versprach ihm: „Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land, vom Strom Ägyptens bis an den großen Euphratstrom, 19 das ganze Gebiet der Keniter, Kenasiter und Kadmoniter, 20 der Hetiter, Perisiter und Refaïter, 21 der Amoriter, Kanaaniter, Girgaschiter und Jebusiter.“

    1. Mose 15:1-21 NEÜ

    Beachte, dass wir in Vers 18 die Parameter des Landes erhalten, das Abraham versprochen wurde. In den Versen 19–21 werden die Details mit regionalen Beschreibungen hinzugefügt. Die Grenzen sind klar. Die Frage ist, ob dieses verheißene Land jemals von der Nation Israel gehalten wurde. Moderne dispensationalistische Evangelikale sagen nein. Das Problem ist, dass das Alte Testament etwas anderes nahelegt. 1. Könige 4:21–24 beschreibt die Grenzen des Gebiets unter Salomos Herrschaft (sie entsprechen dem Bund mit Abraham):

    1 Salomo herrschte über alle Königreiche vom Euphrat bis zum Gebiet der Philister und zur Grenze Ägyptens. Sie zahlten ihm Tribut und erkannten seine Oberherrschaft an, solange er lebte. 2 Für seine Hofhaltung benötigte Salomo täglich mehr als eine Tonne Feinmehl und das Doppelte an gewöhnlichem Mehl, 3 zehn gemästete Rinder, zwanzig Weiderinder und hundert Schafe. Dazu kamen noch Hirsche, Gazellen, Damhirsche und gemästete Vögel. 4 Salomo herrschte über das ganze Gebiet diesseits des Euphrat von Tifsach bis Gaza und über alle Könige, die dort regierten. Mit allen Völkern ringsum hatte er Frieden.

    1. Könige 5:1-4

    So würde es auf einer Karte aussehen:

    Dies passt ganz offensichtlich zu einem „nicht-tausendjährigen“ Verständnis des Abrahambundes – der Position, die besagt, dass die Landversprechen in der Vergangenheit Israels erfüllt wurden, sodass es nicht notwendig ist, eine buchstäbliche tausendjährige Königreichs-Zukunft im nationalen Israel vorauszusetzen.

    Die andere Seite würde dem widersprechen und argumentieren, dass das gesamte Gebiet außerhalb der gestrichelten Linien (wie die Küstenlinie) einbezogen werden muss, damit das Versprechen wirklich erfüllt wird. Sie würden auch argumentieren, dass es Teile des Königreichs Salomos gab, die nicht Teil der Nation Israel waren, sondern nur unter salomonischem Tribut standen. Sie glauben („setzen voraus“), dass dies nicht der Art und Weise entspricht, wie die ursprünglichen Versprechen erfüllt werden sollten.

    Welche Annahme ist also besser? Ich kann nicht sagen, dass mich das sonderlich interessiert. Der Punkt ist, dass die Idee eines zukünftigen tausendjährigen Königreichs in Israel in Bezug auf die Heilige Schrift nicht selbstverständlich ist. Das mag richtig sein oder auch nicht.

  • Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 5

    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 5

    Von Dr. Michael S. Heiser


    Diese Serie ist die deutsche Übersetzung der Blogartikel des Bibelwissenschaftlers Dr. Michael S. Heiser in seiner Blog-Serie über Eschatologie.


    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 5

    Thema: Wurde der Neue Bund von Jeremia 31 zu Pfingsten erfüllt? Wenn ja, dann ist dies ein weiterer Bund, der Israel gegeben und in der Kirche erfüllt wurde, und wir haben also keinen Grund, nach einer nationalen Endzeiterweckung in Israel zu suchen.

    In den letzten beiden Beiträgen habe ich eine einfache Beobachtung gemacht: Argumente, die ein buchstäbliches Jahrtausend verteidigen und von der Unbedingtheit der abrahamitischen und davidischen Bündnisse abhängen, sind schwach. Dafür gibt es zwei Gründe: (1) Jedes dieser Bündnisse enthält auch klare bedingte Elemente, und (2) beide Bündnisse können als erfüllt angesehen werden, obwohl dieser zweite Punkt umstritten ist. Aber genau darum geht es: Die Prämilleniums-Ansicht kann nicht als selbstverständlich verteidigt werden. Möglich, ja; selbstverständlich, nein.

    Ich werde in den folgenden Beiträgen auf die Frage der Erfüllung im Land eingehen und damit auf den Bund mit Abraham zurückkommen. Aber vorher müssen wir uns noch einen weiteren wichtigen Bund ansehen, der in der Regel als bedingungslos und letztlich zukunftsgerichtet angesehen wird, aber den gleichen beiden oben genannten Elementen unterliegt: Er hat Bedingungen und kann als erfüllt angesehen werden.

    Der Bund, von dem ich spreche, ist der Neue Bund. Hier ist die Prophezeiung aus Jeremia 31:

    31 „Passt auf! Die Zeit wird kommen“, spricht Jahwe, „da schließe ich einen neuen Bund mit Israel und Juda. 32 Er ist nicht mit dem zu vergleichen, den ich damals mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm und aus Ägypten herausführte. Diesen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich doch ihr Herr war“, spricht Jahwe. 33 „Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließen werde, wird ganz anders sein“, spricht Jahwe. „Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz, ich lege es tief in sie hinein. So werde ich ihr Gott sein und sie mein Volk. 34 Dann muss keiner mehr den anderen belehren, niemand muss mehr zu seinem Bruder sagen: ‚Erkenne doch Jahwe!‘ Denn alle werden mich erkennen, vom Geringsten bis zum Größten“, spricht Jahwe. „Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nie mehr denken.“

    Jeremia 31:31-34

    Lasst uns die wichtigen Elemente notieren:

    1. Der Bund wird mit „dem Haus Israel“ geschlossen (Vers 33).

    2. Das Gesetz Gottes ist dem Gläubigen/der treuen Person ins Herz geschrieben (Vers 33)

    3. „Alle“ werden den Herrn kennen – Wie sollte „alle“ verstanden werden? Premillennialisten und Prätribulationisten wollen dies als Sprache des Millennium sehen, aber in diesem Fall kann „alle“ nicht „alle“ im Sinne von „jede Person im Königreich“ bedeuten, da uns Offenbarung 20 sagt, dass es im Tausendjährigen Reich böse Menschen gibt (die Menschen, die nach dem Tausendjährigen Reich mit Satan rebellieren). Daher ist „alle“ wirklich eine Untergruppe. Amillenniaristen, die dies als in der Kirche bereits erfüllt betrachten würden, würden sagen, dass diese Teilmenge = Gläubige (d. h. jeder, dem das Gesetz ins Herz geschrieben ist, wird den Herrn kennen). Das „alle“ in dieser Ansicht = das wahre Israel des Paulus – irgendein und jeder Gläubige.

    4. Der Bund mit dem Haus Israel wird „nach jenen Tagen“ geschlossen (Vers 33). „Jene Tage“ bezieht sich auf die Zeit des Exils, wie aus jeder Zusammenfassung von Jeremia 30-31 hervorgeht (d. h. die Frage ist: ‚Wie lange nach dem Exil wird sich der Rest davon erfüllen?‘). Hier ist eine (du kannst auch in deiner eigenen Bibel oder Studienbibel nachsehen):

    • a. Rückkehr aus der Gefangenschaft (Jer. 30:13)
    • b. Die Zeit der Not Jakobs (30:4-7) – beachte, dass dieser Abschnitt von Prämillennialisten und Präteristen als zukünftig angenommen wird, aber die Verse 4-7 könnten leicht als „Rückblende“ auf das angesehen werden, was der Herr zuvor über Israel und Juda gesagt hatte, vor der Verheißung der Rückkehr. Auch hier ist eine zukünftige Auslegung keineswegs selbstverständlich.
    • c. Befreiung von der Knechtschaft der Unterdrücker (30:8-11)
    • d. Israels Wunden werden geheilt (30:12-17)
    • e. Wiederaufbau Jerusalems und seines Herrschers (30:18-22)
    • f. Gericht, dann Segen (30:23-24)
    • Der neue Bund (31:1-40)
    • a. Gottes Barmherzigkeit für Ephraim (31:1-6) – Da das nördliche Königreich Israel („Ephraim“) zu Jeremias Zeiten nicht mehr existierte, würde jede Erfüllung zu Jeremias Zeiten in der Zukunft liegen. Während die Prämillen-/Prätrib-Ansicht davon ausgeht, dass sich dies auf eine zukünftige Wiedervereinigung Israels bezieht, könnte es sich auch auf die Rückkehr der Ephraimitenstämme in das Land beziehen (es gibt solche Stammeszugehörigkeiten, die nach der Rückkehr von Esra und Nehemia erwähnt werden , und die Stämme werden nach der Rückkehr als zwölf gezählt – siehe Esra 6:17; 8:35; Lukas 2:36 [Aser]; Neh 10:28ff. [Levi]). Dennoch könnte die Tatsache, dass in dieser Passage (siehe Vers 4) vom Wiederaufbau Israels die Rede ist und Paulus das wahre Israel mit jedem Gläubigen, ob Jude oder Heide, gleichsetzt, das ganze Thema hinfällig machen.
    • b. Die Wiederherstellung Israels in Freude (31:7-14)
    • c. Israels erfreuliche Gegenwart (31:15-22)
    • d. Judas strahlende Zukunft (31:23-26)
    • e. Nationale Zunahme in der Zukunft (31:27-30)
    • f. Gottes neuer Bund (31:31-34)
    • g. Die Ewigkeit Israels (31:35-40)

    Nun zur Diskussion. Der Aspekt der Bedingtheit im neuen Bund ist das Gesetz Gottes, das in Jer. 31:33 erwähnt wird. Das Gesetz bezieht sich auf das Gesetz des Mose. Daher setzt die Beziehung des Neuen Bundes Gehorsam gegenüber dem Gesetz voraus. Und doch zeigt die Geschichte des Volkes Gottes, dass sie es nicht einhalten können. Gott muss etwas tun, das dies ermöglicht. Er legt das Gesetz „in“ ihr Herz. Im Grunde ist der Neue Bund Gottes Weg, nicht die Bedingungen dafür, sein Volk zu sein, aufzuheben, sondern die Bedingungen für Gehorsam zu erfüllen, die er vor langer Zeit für die wahren Kinder Abrahams (siehe meinen früheren Beitrag zum Bund mit Abraham) und alle Nachkommen Davids, die auf dem Thron sitzen würden, festgelegt hat (erinnere dich daran, dass sie entfernt würden, wenn sie gottlos wären, trotz des davidischen Bundes). Gott erfüllt die Anforderungen seines eigenen Bundes durch einen Überrest, den er selbst beruft und dem er sein Gesetz einflößt.

    Wann ist der Neue Bund also erfüllt? Im Neuen Testament wird der Ausdruck „neuer Bund“ mehrmals verwendet:

    Lukas 22:20 Desgleichen auch den Kelch, nach dem Mahl, und sprach: Dieser Kelch, der für euch ausgegossen wird, ist der neue Bund in meinem Blut.

    1 Kor 11:25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr davon trinkt, zu meinem Gedächtnis.

    2 Kor 3:6 der uns befähigt hat, Diener eines Neuen Bundes zu sein, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.

    Heb 8:8 Denn er tadelt sie, wenn er sagt: „Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da werde ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen,

    Heb 8:13 Indem er von einem neuen Bund spricht, macht er den ersten überflüssig. Und was überflüssig wird und alt ist, ist bereit, zu verschwinden.

    Heb 9:15 Deshalb ist er der Mittler eines neuen Bundes, damit diejenigen, die berufen sind, das verheißene ewige Erbe erhalten, da ein Tod eingetreten ist, der sie von den Übertretungen erlöst, die unter dem ersten Bund begangen wurden.

    Heb 12:24 und zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes, und zum besprengten Blut, das ein besseres Wort spricht als das Blut Abels.

    Das Neue Testament sieht den Neuen Bund eindeutig als erfüllt an, und zwar durch das Werk Jesu am Kreuz und durch die Kirche – nicht in einem zukünftigen Jahrtausend. Das soll nicht heißen, dass die Idee eines tausendjährigen Königreichs von der Vorstellung abhängt, dass die Erfüllung des Neuen Bundes noch in der Zukunft liegen muss. Es muss gesagt werden, dass das Argument schwach ist. Es gibt nur einen Weg, um die Erfüllung des Neuen Bundes durch die Kirche zu umgehen – man muss argumentieren, dass der neue Bund in diesen neutestamentlichen Abschnitten nicht der Neue Bund des Alten Testaments ist, sondern sich auf einen „neuen neuen Bund“ bezieht. Klingt verrückt? Dann lies nicht die Ryrie Study Bible oder Ryries berühmtes Buch „Dispensationalism Today“, denn genau das tut er, um dieses Problem zu umgehen (manche würden sagen, um das Neue Testament zu umgehen). So sehr Ryrie auch Respekt verdient, was er mit dem Neuen Bund macht, ist reine Sophisterei.

    Eine letzte Frage – und das ist die entscheidende: Wenn man so sauber argumentieren kann, mit zahlreichen neutestamentlichen Beweisen (siehe die letzten beiden Beiträge sowie die obigen Verweise auf den Neuen Bund), dass alle drei Bündnisse – das abrahamitische, das davidische und das Neue – durch das Werk Jesu am Kreuz und seine Kirche erfüllt werden, wozu braucht es dann noch etwas anderes? (oder: Warum widerstrebt man so gegenüber der Erfüllung in der Kirche? Oder: Was verlierst du?)

    Ich kann diese Frage nicht für euch beantworten. Ich spreche sie nur an, um noch einmal darauf aufmerksam zu machen, warum ich diese Serie mache. Jeder bringt seine Vorurteile in die Eschatologie ein. Es gibt KEINE selbstverständlichen Ansichten. Jeder, der etwas anderes sagt … nun, ihr wisst bereits, was ich darüber in früheren Beiträgen denke. Der einzige Weg, der Vorurteilsfalle zu entkommen (und doch nicht wirklich vollständig zu entkommen), besteht darin, die Systeme über Bord zu werfen. Das habe ich vor langer Zeit beschlossen. Zugegeben, ich muss wie alle anderen Entscheidungen auf der Grundlage von Vorannahmen treffen. Aber ich kann sagen, dass ich weitaus weniger Probleme habe (zum Teil, weil ich nicht in den Verteidigungsmodus wechsle, wenn ich über Eschatologie spreche – das brauche ich nicht). Wenn wir das alles hinter uns haben, werde ich euch sagen, wo ich stehe, aber wir haben noch einen laaaangen Weg vor uns.

  • Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 4

    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 4

    Von Dr. Michael S. Heiser


    Diese Serie ist die deutsche Übersetzung der Blogartikel des Bibelwissenschaftlers Dr. Michael S. Heiser in seiner Blog-Serie über Eschatologie.


    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 4

    Thema: Wurde der davidische Bund durch den Abfall Israels, der zum Exil führte, „weggesündigt“? Der Verfasser von Psalm 89 fragte sich das sicherlich. Wenn dem so wäre, hätte eine buchstäbliche tausendjährige Herrschaft Jesu in der Zukunft vielleicht keinen Sinn. Seine Herrschaft wäre spirituell und würde sich von der Auferstehung und Pfingsten an durch die Kirche hindurch erfüllen.

    Im letzten Beitrag haben wir darüber gesprochen, wie bestimmte Ansichten über die Endzeit mit bestimmten Ansichten über die biblischen Bündnisse mit Abraham und David sowie über den Neuen Bund verbunden sind. Viele Christen wollen auf der Grundlage der Unwiderruflichkeit des Abrahambundes für ein buchstäbliches Millennium eintreten – die Vorstellung, dass der Bund niemals rückgängig gemacht werden kann, da er bedingungslos war. Die Landversprechen müssen daher an Israel gehen, und das bedeutet, dass ein buchstäbliches Millennium in Bezug auf die biblische Prophezeiung noch in der Zukunft liegt. Wir haben jedoch gesehen, dass der Bund mit Abraham tatsächlich an Bedingungen geknüpft war und dass er nur für Abrahams „wahre“ Kinder erfüllt wurde – diejenigen, die wie Abraham glauben. Wir haben gesehen, dass die Kirche gut zu Galater 3 passt. Aber wir endeten mit diesen Fragen: Da diejenigen, die glauben, die Verheißungen erben, ergibt das, was Paulus in Galater 3 sagt, durchaus Sinn – aber ist das das Ende der Geschichte? Ist das Königreich die Kirche? Aus welchen Gründen sollten wir in Zukunft auf ein nationales Königreich in Israel hoffen?

    In diesem Beitrag betrachten wir den Bund mit David.

    Ein Königreich braucht natürlich einen König. Der israelitische König musste ein Israelit sein (ein Sohn Abrahams). Das versteht sich von selbst. Aber als David schließlich den Thron bestieg, schloss Gott auch mit ihm einen Bund, der die Kriterien für das Königtum ergänzte. Dieser Bund ist in 2. Samuel 7 festgehalten (und wird im Wesentlichen mit den gleichen Worten in Psalm 89 wiederholt):

    4 Doch in derselben Nacht kam das Wort Jahwes zu Natan: 5 „Geh zu meinem Diener David und richte ihm aus: ‚So spricht Jahwe: Du willst mir ein Haus bauen, in dem ich wohnen soll? 6 Seit ich die Söhne Israels aus Ägypten herausführte, habe ich noch nie in einem Haus gewohnt, sondern bin bis heute in einer Zeltwohnung umhergezogen. 7 Habe ich während dieser ganzen Zeit jemals zu einem der Führer Israels gesagt: „Warum baut ihr mir kein Haus aus Zedernholz?“ Ich hatte ihnen nur aufgetragen, mein Volk Israel zu weiden.‘ 8 Darum sollst du meinem Diener David ausrichten: ‚So spricht Jahwe, der Allmächtige: Ich selbst habe dich von der Schafherde weggeholt und dich zum Herrscher über mein Volk Israel gemacht. 9 Und wohin du auch gegangen bist, bin ich bei dir gewesen und habe alle deine Feinde vor dir beseitigt. Ich habe deinen Namen berühmt gemacht. Du wirst zu den Großen der Erde gezählt. 10 Ich habe meinem Volk Israel eine Heimat gegeben, ein Land, in dem es sicher leben kann und nicht mehr zittern muss. Böse Menschen werden es nicht mehr unterdrücken wie früher 11 und auch noch zu der Zeit, als ich Richter über mein Volk Israel einsetzte. Ich habe dir Ruhe vor all deinen Feinden verschafft. Und nun kündigt Jahwe dir an, dass er dir ein Haus bauen wird. 12 Wenn deine Zeit abgelaufen ist und du gestorben bist, werde ich dir einen deiner eigenen Nachkommen auf dem Thron folgen lassen und seine Herrschaft festigen. 13 Der wird dann ein Haus für meinen Namen bauen. Und seinem Königtum werde ich ewigen Bestand geben. 14 Ich werde sein Vater sein, und er soll mir Sohn sein. Wenn er Unrecht begeht, werde ich ihn mit menschlicher Rute und auf menschliche Weise züchtigen. 15 Aber meine Gnade entziehe ich ihm nicht, wie ich sie Saul entzog, den ich vor dir beseitigt habe. 16 Dein Königshaus und deine Königsherrschaft sollen für immer vor mir Bestand haben. Dein Thron steht fest auf ewig.‘“ 17 Natan gab David alles genauso weiter, wie es ihm gesagt und offenbart worden war.

    2. Samuel 7:4-17 NEÜ

    Dieser Bund ist einseitig (nur von Gott initiiert) und in seiner Sprache bedingungslos. In 2. Samuel 7:21 antwortet David: „Durch dein Wort und nach deinem Herzen hast du all diese Großartigkeit bewirkt, um es deinem Knecht kundzutun.“ David werden keine Bedingungen gestellt. Er kann in Versprechen unterteilt werden, die David zu Lebzeiten sehen würde (Verse 8–11a), und Versprechen, die nach seinem Tod erfüllt werden sollten (11b–16). Der Kerngedanke dieses Bundes ist, dass Davids Dynastie als einzige legitime Dynastie für das Königtum in Jerusalem etabliert wird. Gott garantiert, dass niemand außer einem Nachkommen Davids als König in Jerusalem regieren wird. Davids Thron ist daher ewig.

    Aber ist das alles? Wir haben gesehen, dass Abrahams Bund sowohl bedingungslos als auch bedingt war. Er war insofern bedingungslos, als Gott seine Erfüllung unabhängig vom menschlichen Verhalten garantierte. Er war insofern bedingt, als nur diejenigen, die glaubten und gehorchten („Gehorsam des Glaubens“), daraus Nutzen ziehen würden. Und er wurde schließlich in Jesus erfüllt – dem vollkommen gehorsamen Sohn Abrahams, durch den alle Nationen gesegnet werden sollten (Gen 12:3).

    Davids Bund ist derselbe – er ist sowohl bedingungslos als auch bedingt. Beachte die bedingte Sprache in 2 Samuel 7:12-15

    12 Wenn deine Zeit abgelaufen ist und du gestorben bist, werde ich dir einen deiner eigenen Nachkommen auf dem Thron folgen lassen und seine Herrschaft festigen. 13 Der wird dann ein Haus für meinen Namen bauen. Und seinem Königtum werde ich ewigen Bestand geben. 14 Ich werde sein Vater sein, und er soll mir Sohn sein. Wenn er Unrecht begeht, werde ich ihn mit menschlicher Rute und auf menschliche Weise züchtigen. 15 Aber meine Gnade entziehe ich ihm nicht, wie ich sie Saul entzog, den ich vor dir beseitigt habe.

    2. Samuel 7:12-15 NEÜ

    Der Referent ist Salomo, der Nachfolger Davids. Selbst wenn Salomo vom rechten Weg abkommt (was er tat), versprach Gott, dass er Davids Linie dennoch treu bleiben würde.

    Die bedingte Idee der Loyalität gegenüber Jahwe, um den Vorteil des bedingungslosen Bundes zu erlangen, wird in Psalm 132:11-12 belegt –

    11 und auch noch zu der Zeit, als ich Richter über mein Volk Israel einsetzte. Ich habe dir Ruhe vor all deinen Feinden verschafft. Und nun kündigt Jahwe dir an, dass er dir ein Haus bauen wird. 12 Wenn deine Zeit abgelaufen ist und du gestorben bist, werde ich dir einen deiner eigenen Nachkommen auf dem Thron folgen lassen und seine Herrschaft festigen.

    Psalm 132:11-12 NEÜ

    Es ist klar – der König sollte rechtschaffen sein, und wenn er es nicht war, konnten sie damit rechnen, dass ihre direkte Linie abgeschnitten wurde. Sie wurden ersetzt.

    Schau dir an, was in der Geschichte Israels nach Salomo geschah. Das Königreich spaltete sich in zwei Teile. Davids Linie (2 Stämme; Juda) überlebte das Rebellenkönigreich des Nordens (10 Stämme; Israel), aber es wurde tatsächlich 586 v. Chr. zerstört. Seitdem hat kein König (David oder sonst jemand) mehr den Thron von Jerusalem bestiegen … je nachdem, wie man die Dinge betrachtet.

    Was ist also mit dem Untergang des Königreichs? Das Königtum Davids muss genauer betrachtet werden. Der Bund mit David schuf tatsächlich eine „Vater-Sohn“-Beziehung zwischen Gott und dem König. Dies wird in Psalm 2:7-8, Psalm 89 angedeutet. Gott sagt über den König: „Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein.“ Aber was ist mit bösen, illoyalen Söhnen? Was ist mit israelitischen Königen, die dem Bund mit Abraham und den gerechten Forderungen Jahwes nicht gehorchten? Sie werden verstoßen, aber (wie beim Bund mit Abraham) hebt ihre Ablehnung den Bund selbst nicht auf – es bedeutet nur, dass sie das Königtum und den Segen Jahwes verwirken. Aus Passagen wie 1. Könige 6:12-13; 1. Könige 9:4-7 geht hervor, dass untreue Söhne/Könige den Segen Jahwes verlieren, selbst wenn sie aus der Linie Davids stammen. Waltke drückt es so aus:

    „Jahwe gewährte sowohl Abraham als auch David ewige Nachkommenschaft und ein Lehen. Loyale Söhne … würden das Lehen in vollen Zügen genießen; illoyale Söhne würden Jahwes Schutz und, wenn sie in ihrem Fehlverhalten verharrten, den Besitz des Lehens selbst verlieren. Das Lehen würde jedoch niemals beschlagnahmt werden – ein Versprechen, das die Hoffnung weckt, dass Jahwe einen loyalen Sohn erwecken würde.“1

    Der Sinn all dessen lässt sich in zwei Fragen zusammenfassen:

    1. Da Gott es zuließ, dass das Volk Juda und die Dynastie Davids vernichtet und vertrieben wurden, was ist dann mit dem davidischen Bund? Ist er vorbei?

    Christen beantworten diese Frage in der Regel mit „nein“, unabhängig von ihrer Sicht auf das Endzeitreich. Es herrscht Einigkeit darüber, dass „Gott einen treuen Sohn“ – Jesus – erwecken würde, um den Bund zu erfüllen. Das bringt uns zur zweiten, gewichtigeren Frage:

    2. Ist es möglich, dass der davidische Bund bereits in Jesus, dem Sohn Davids und Messias, erfüllt wurde?

    Wenn dies der Fall ist, wird der Bund von Gott vollständig eingehalten und erfüllt, und es gäbe keinen Grund, eine buchstäbliche Herrschaft Jesu auf Erden zu erwarten. Aber warum? Viele, die dies lesen, werden sagen: „Wie kann der Bund erfüllt werden, wenn Jesus nicht zurückgekehrt ist und den Thron eingenommen hat?“ Die Frage geht davon aus, dass der ABRAHAMISCHE Bund ein buchstäbliches Land und Königreich erfordert – was wir in den letzten Beiträgen gesehen haben, ist KEINE selbstverständliche Interpretation des biblischen Textes. Es kann durchaus sein, dass das Königreich = die Kirche ist. Aber wenn das der Fall ist, ist Jesus dann jetzt König?

    Ist das nicht eine interessante Frage? Will irgendjemand wirklich leugnen, dass Jesus JETZT König ist?

    Sitzt Jesus jetzt auf dem Thron? Laut Hebräer 8:1 und 12:2 ist er es. Er sitzt „zur Rechten Gottes“. Aber das reicht vielen Christen nicht. Sie wollen die buchstäbliche Herrschaft. Schön. Das ist keine Sünde. Mein Ziel hier ist es nur zu zeigen, dass die Idee, dass das davidische Königtum bereits erfüllt wurde, mit Klarheit und Kohärenz über den biblischen Text vermittelt werden kann. Die Vertreter der Amillennialisten können leicht argumentieren, dass sowohl der Bund mit Abraham als auch der Bund mit David in Jesus erfüllt wurden, Punkt. Diejenigen, die sich ein buchstäbliches Königtum in der Zukunft wünschen, können sagen: „Jesus ist jetzt König im Himmel und wird es später auf Erden sein“ – aber sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass eine solche Ansicht von der eigenen Sichtweise auf die Landverheißungen des Bundes mit Abraham abhängt! Ohne das braucht ihr das hier nicht. Da wir nicht mit absoluter Sicherheit wissen können, wie es weitergeht, sollten wir aufhören, so zu tun, als gäbe es nur eine „biblische“ Sichtweise der Eschatologie. Ich hoffe, ihr versteht, warum ich versuche, nicht mit den Augen zu rollen, wenn ich so etwas höre. Und wir haben noch einen langen Weg vor uns!

    1. Bruce K. Waltke, The Phenomenon of Conditionality within Unconditional Covenants, in Israels Apostasy and Restoration: Essays in Honor of Roland K. Harrison, ed. Avraham Gileadi, Baker: 1988, pp. 131-132 ↩︎
  • Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 3

    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 3

    Von Dr. Michael S. Heiser


    Diese Serie ist die deutsche Übersetzung der Blogartikel des Bibelwissenschaftlers Dr. Michael S. Heiser in seiner Blog-Serie über Eschatologie.


    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 3

    Thema: Waren die Bündnisse, die Gott mit Abraham und David geschlossen hat, und der Neue Bund (Jeremia 31:31-34) an Bedingungen geknüpft? Sind diese Bündnisse bedingt oder bedingungslos? Die Frage ist entscheidend, um zu wissen, ob die Bündnisse (die mit dem Landversprechen verbunden sind) noch in Kraft sind oder nicht (und somit von der Kirche erfüllt wurden).

    Bisher haben wir über einen einzigen Streitpunkt gesprochen, der Bibelwissenschaftler und -studenten in der Eschatologie entzweit: ob Israel und die Kirche bei der Auslegung der Prophezeiungen getrennt betrachtet werden sollten oder nicht. Die Frage ist von Bedeutung, da jede Position, die eine buchstäbliche tausendjährige Herrschaft Christi in der Zukunft befürwortet, (um kohärent zu sein) argumentieren muss, dass die Landverheißungen, die Abraham und seinen Nachkommen gegeben wurden, immer noch in Kraft sind – und daher eine buchstäbliche Erfüllung erwartet wird. Wenn die Kirche Israel als Volk Gottes ersetzt hat und wenn die Landverheißungen nun durch den Missionsbefehl erfüllt werden, die Erde mit Gottes Volk zu übersäen (d. h. die Kirche ist das Königreich), dann wäre kein buchstäbliches Millennium zu erwarten.

    So heißt es jedenfalls.

    Um genauer zu sein, hat das bisher behandelte Thema sowohl bei mir als auch bei den Kommentatoren Fragen aufgeworfen. Und es gibt einige Fragen, die sich aus dem Problem „Israel und/oder die Kirche: Ja oder Nein?“ ergeben und die ich noch nicht angesprochen habe. Zum Beispiel:

    1. Während Galater 3 ausdrücklich besagt, dass die Kirche (Christen) die Abraham gegebenen Versprechen geerbt haben, beschränkt Paulus diese Versprechen auf diejenigen, die einen Samen (Nachkommen – buchstäblich und/oder geistlich) versprechen, aber das Land ausschließen? Mit anderen Worten, da das Land in Galater 3 nicht erwähnt wird, könnte dieser Teil der Versprechen immer noch für das nationale Israel gelten?

    2. Es ist zwar sinnvoll, dass der Missionsbefehl die Erfüllung des Landelements bedeutet – die Evangelisierung der Nationen, um die verlorenen Nationen zurückzugewinnen –, aber was halten wir von der Tatsache, dass es keinen Vers gibt, der diese explizite Verbindung herstellt?

    3. Da Paulus in Römer 9–11 klarstellt, dass

    (a) „Israel“ sich auf „natürliche Israeliten (Juden)“ bezieht und

    (b) „Israel“ sich auch auf „geistliche Israeliten“ (Gläubige) bezieht; und

    (c) „ganz Israel ist nicht Israel“ (dass es innerhalb des nationalen Israels ein geistliches Israel gibt, das aus Juden und Nichtjuden besteht); und

    (d) es gibt diese Sache, die man Kirche nennt (Juden und Nichtjuden)

    … können wir dann diese Gruppen in Bezug auf die Prophezeiung wirklich sauber trennen ODER zusammenführen? Einige würden sagen ja, andere nein. Und DAS ist das Problem. Man kann in jeder Hinsicht einen schlüssigen Fall vorbringen. Alles, was wir wirklich sagen können, ist, dass Paulus (und andere Autoren) in Bezug auf das Neue Testament „Israel“ nicht nur auf ethnische Israeliten beschränken – der Begriff bedeutet jetzt viel mehr.

    Die Frage läuft wirklich darauf hinaus: Würde Paulus (oder andere Autoren des Neuen Testaments) sagen, dass das nationale Israel keine eschatologische Zukunft hat, außer als Mitglieder des neuen, geistlichen Israel, der Kirche? Sind die Schicksale der Kirche und des nationalen Israel in toto miteinander verbunden, oder können sie „größtenteils“ miteinander verbunden sein und es dennoch eine eschatologische Zukunft geben, die das nationale Israel einschließt?

    Noch einmal: Wir können es nicht mit Sicherheit wissen. Also muss jeder demütig sein (oder sollte sein). Dies ist nur einer von vielen Gründen (eine ganze Liste, an der ich hier arbeite), warum ich erschaudere, wenn ich eine E-Mail von jemandem erhalte, der völlig von seiner eschatologischen Position eingenommen ist und keine andere akzeptiert (und wahrscheinlich nicht einmal weiß, dass es andere gibt). Ich bete und hoffe, dass der Glaube dieser Person nicht wirklich auf dem neuesten lauen Prophezeiungsroman oder dem Fernsehprediger für Prophezeiungen beruht.

    All das führt uns zum heutigen Thema: Waren die Bündnisse, die Gott mit Abraham und David geschlossen hat, und der Neue Bund (Jeremia 31:31-34) an Bedingungen geknüpft? Sind diese Bündnisse bedingt oder bedingungslos?

    Erfahrene Prophezeiungsfreaks wissen, dass diese Frage wichtig ist, denn wenn diese Bündnisse an Bedingungen geknüpft waren, bestand die Möglichkeit, dass sie aufgelöst oder für ungültig erklärt wurden, weil Israel die Bedingungen nicht erfüllte. Die Lage sieht auch düster aus. Da Israel (alle 12 Stämme) ins Exil geschickt wurde, könnte man leicht argumentieren, dass die Verheißungen für das nationale Israel aufgehoben und an die Kirche als Empfänger der Erfüllung übergeben wurden. Die Art von vollkommenem Gehorsam, die die Bündnisse erfordern, würde in und durch Jesus erfüllt werden. Er ist der ultimative Sohn Abrahams, der König in der Linie Davids, und er war es, der nach seiner Auferstehung den Geist sandte, um gemäß dem Neuen Bund in den Herzen der Gläubigen zu wohnen. Sieht ziemlich ordentlich aus. Aber das würde bedeuten, dass die Kirche das nationale Israel in seiner Gesamtheit verdrängt hat. Israel war (offen gesagt) nicht mehr nützlich. Der Knecht aus Jesaja – und Kapitel 53 ist der einzige Ort in Jesaja, an dem der Knecht eine einzelne Person ist – ist eigentlich der Vertreter des kollektiven Knechts in Jesaja – Israel (die restlichen Vorkommen von „Knecht“ in Jesaja beziehen sich auf die Nation Israel – schlag es nach). Daher ist Jesus alles und alle Bündnisse finden in Ihm Erfüllung. Und Sein Körper ist die Kirche. Wieder ein sehr ordentliches Bild – eines, das die Anhänger der „Left Behind“-Bücher ziemlich mürrisch machen würde, da es dann kein buchstäbliches Königreich braucht und ohne dieses die ganze Idee der Entrückung nicht einmal auf den Tisch kommt.

    Ich hoffe, du siehst (wieder), wie dünn der gesamte Rahmen für diese unbestreitbar weit verbreitete Ansicht über die Endzeit ist. Es ist weit davon entfernt, selbstverständlich zu sein. Aber auch die anderen Ansichten können keine absolute Gewissheit für sich beanspruchen. Wir werden auf sie zurückkommen. Lasst uns jetzt über das Problem der Bedingtheit (B) und Unbedingtheit (UB) sprechen.

    Die kurze Antwort auf meine Frage lautet „Ja“ – die Bündnisse sind sowohl B als auch UB. Diejenigen, die an eine Entrückung glauben, wurden gelehrt, dass sie bedingungslos sind. Falsch. Fangen wir also damit an.1

    Der Bund mit Abraham (1. Mose 12:1-3; 1. Mose 15)

    In diesem Bund gibt es mit Sicherheit Elemente des Unbedingten. Gott initiiert den Bund und seine Verheißungen. Die ersten sechs Verse handeln von der Verheißung von Nachkommen (1. Mose 15:1-7). In 1. Mose 15:7-16 geht es um die Verheißung des Landes. Dann geht Gott allein durch die rituell geschlachteten und zubereiteten Tiere, um den Bund zu besiegeln (1. Mose 15:17-21). Die Erfüllung der Verheißungen des Bundes hängt also allein von Jahwe ab. Fall abgeschlossen, oder? Falsch.

    Die Erfüllung der Versprechen hängt zwar von der Fähigkeit Jahwes ab, aber es ist eine ganz andere Frage, WER die Empfänger der von Jahwe erfüllten Versprechen sein werden. Hier kommen die bedingten Elemente ins Spiel. Kurz gesagt hängt der Erhalt der Versprechen von einer spirituellen Beziehung zu Jahwe ab – dem Gehorsam gegenüber seiner Offenbarung.

    In 1. Mose 12:1-3, der ersten Passage über den Bund mit Abraham, sehen wir, wie Abraham gehorcht, was ihm gesagt wird („und er [Abraham] ging“; 1. Mose 12:4). Nach der Bundeszeremonie in 1. Mose 15 bekräftigt Gott den Bund in 1. Mose 17:2. Aber 1. Mose 17:1 legt eine klare Bedingung fest. Hier sind die beiden Verse zusammen:

    Als Abram 99 Jahre alt war, erschien ihm Jahwe und sagte: „Ich bin El-Schaddai, ‚Gott, der Allmächtige‘, geh deinen Weg vor mir und halte dich ganz an mich! Ich schließe meinen Bund mit dir und werde dir unermesslich viele Nachkommen geben.“

    1. Mose 17:1,2 NEÜ

    Beachte, dass die Sprache von Vers 2 eindeutig aus dem Bund von 1. Mose 12 und 15 stammt. Aber dieses Mal gibt es eine klare Bedingung. Gott fährt in 1. Mose 17 fort und wiederholt alle Elemente des ursprünglichen Bundes. Dann fordert er, dass Abraham und alle in seinem Haushalt beschnitten werden. Hier ist der Punkt: Nur Abrahams beschnittene Nachkommen – diejenigen, die gehorchen – sind berechtigt, die Versprechen zu erhalten, die Jahwe geben wird. Die Weigerung zu gehorchen bedeutete, dass man nicht an den Verheißungen teilhaben würde. Gott würde dafür sorgen, dass die Verheißungen erfüllt wurden, aber die Person, die sich weigerte zu gehorchen, würde nicht davon profitieren. Wir sehen mehr von dieser Bedingtheit in 1. Mose 18. Die beiden Elemente sind glasklar:

    17 Der HERR aber dachte: Soll ich vor Abraham geheim halten, was ich tun will? 18 Abraham soll zu einem grossen und mächtigen Volk werden, und durch ihn sollen alle Völker der Erde Segen erlangen. 19 Denn ich habe ihn erkoren, dass er seinen Söhnen und seinem Haus nach ihm gebiete, den Weg des HERRN einzuhalten und Gerechtigkeit und Recht zu üben, damit der HERR über Abraham kommen lasse, was er ihm gesagt hat.

    1. Mose 18:17-19 NEÜ

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Jahwe sich einseitig dazu verpflichtet hat, bestimmte Dinge zu tun, die er Abraham versprochen hat. Diese Versprechen gelten jedoch nur für Abrahams geistige Nachkommen – diejenigen, die wie er Jahwe folgen würden. Zunächst galt dies im Grunde nur innerhalb Israels, Abrahams physischem Samen. Schließlich weitete es sich auf Nichtjuden aus. Aber die Prämisse war dieselbe: Der „Gehorsam des Glaubens“, wie die Apostel es gerne nannten, war notwendig, um die Versprechen zu erhalten. Der Bund mit Abraham war sowohl an Bedingungen geknüpft als auch bedingungslos.

    Und nun zu den Fragen: Hat das nationale Israel als Körperschaft die Verheißungen verwirkt? Da diejenigen, die glauben, die Verheißungen erben, ergibt das, was Paulus in Galater 3 sagt, durchaus Sinn – aber ist das das Ende der Geschichte? Ist das Königreich die Kirche? Aus welchen Gründen sollten wir in Zukunft auf ein nationales Königreich in Israel hoffen? Wenn es so ist, dann nicht, weil der Bund bedingungslos an DIE NATION Israel gegeben wurde. Beide Testamente stimmen darin überein, dass diejenigen, denen die Verheißungen gegeben wurden, diejenigen waren, die GLAUBEN.

    Es geht um den Gehorsam des Glaubens, nicht um die Nationalität. So viel ist zumindest klar. Wir können also jetzt aufhören, ein buchstäbliches Millennium auf der Grundlage der Unbedingtheit des Bundes zu verteidigen. Für diese Idee braucht man ein anderes Argument. Dieses ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.

    Als Nächstes der davidische Bund.

    1. Leser, die sich für eine eher technische Diskussion dieses Themas interessieren, werden auf Bruce K. Waltke, „The Phenomenon of Conditionality within Unconditional Covenants“, in Israel’s Apostasy and Restoration: Essays in Honor of Roland K. Harrison, Hrsg. Avraham Gileadi, Baker: 1988, S. 123-140, verwiesen. ↩︎
  • Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 2

    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 2

    Von Dr. Michael S. Heiser


    Diese Serie ist die deutsche Übersetzung der Blogartikel des Bibelwissenschaftlers Dr. Michael S. Heiser in seiner Blog-Serie über Eschatologie.


    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 2

    Thema: Die Notwendigkeit, dass Israel und die Kirche unterschiedlich sind, ergibt sich zum Teil aus der Annahme, dass das den Patriarchen verheißene Land nie vererbt wurde und die Verheißung daher noch erfüllt werden muss. Es gibt jedoch bestimmte Hinweise in der Heiligen Schrift, die darauf hindeuten könnten, dass die Landverheißungen tatsächlich erfüllt wurden – was wäre, wenn sich herausstellen würde, dass dies der Fall ist?

    Im ersten Teil dieser Serie habe ich darüber gesprochen, dass bestimmte eschatologische Systeme das Neue Testament benötigen, um zwischen der Kirche und dem nationalen Israel zu unterscheiden, damit bestimmte Elemente ihres eschatologischen Systems funktionieren. Lasst mich das hier noch einmal ein wenig ausführen, um es zu wiederholen.

    Bestimmte Systeme der Eschatologie (Standard-Prämillennialismus, jede Ansicht einer Entrückung) erfordern eine Unterscheidung zwischen Israel und der Kirche. Für den Prämillennialisten muss sich das nationale Israel von der Kirche unterscheiden, damit die Verheißung eines buchstäblichen Landes (und damit eines buchstäblichen tausendjährigen Königreichs auf Erden) immer noch „da draußen“ ist – eine noch unerfüllte Prophezeiung. Sie muss noch unerfüllt sein, sonst hat es keinen Sinn, auf ein buchstäbliches Jahrtausend zu warten. Wenn Israel das Land, das ihm im Zeitalter des Alten Testaments versprochen wurde, erhalten hat, dann kann man den Bund mit Abraham (1. Mose 12:1-3; 1. Mose 15:1-6) nicht als Grundlage dafür heranziehen, zu sagen: „Es gibt noch ein buchstäbliches Königreich im Land, das noch kommen wird.“ Alle Positionen zur Entrückung außer der posttribulationistischen Version müssen zwischen Israel und der Kirche unterscheiden, weil sie sehen, dass die Kirche in Offenbarung 4 von der Erde entfernt wird – und dann wird argumentiert, dass all die schlimmen Dinge in der Offenbarung, die Trübsalperiode, der „Zeit der Not Jakobs“ im Alten Testament entsprechen – spezifische Flüche, die noch auf ISRAEL (nicht auf die Kirche) lasten. Dann kehrt der jüdische Messias zurück, um ISRAEL zu retten und das buchstäbliche tausendjährige Königreich einzuleiten. (Für Anhänger der Präterismus-Theorie erleidet die Kirche die Trübsal mit Israel, unterscheidet aber dennoch zwischen der Kirche und Israel, weil sie ein buchstäbliches tausendjähriges Königreich haben muss). Man geht davon aus, dass Daniels 70 Wochen, die in Bezug auf Jerusalem und Israel prophezeit werden, diese Unterscheidung deutlich machen. Da diese „Wochen“ (eigentlich Zeiträume von sieben Jahren) für Israel bestimmt sind und davon ausgegangen wird, dass eine 70. Woche noch in der Zukunft liegt, muss es eine prophetische Rolle für das nationale Israel geben. Die fehlende 70. Woche wird als die oben erwähnte siebenjährige Trübsalszeit angesehen (es gibt jedoch keinen Vers in der Bibel, der diese Gleichung herstellt – darauf werden wir in zukünftigen Beiträgen eingehen).

    Es ist also offensichtlich, dass eine Unterscheidung notwendig ist. Diese Notwendigkeit wird durch bestimmte Annahmen genährt (und begründet): Israel hat das Landversprechen nie erfüllt bekommen, also ist es immer noch da draußen. Und die Landversprechen müssen erfüllt werden, sonst hat Gott versagt. Daniels Prophezeiung erzwingt eine Unterscheidung zwischen Israel und der Kirche. Mehrere klare NT-Passagen trüben die Sauberkeit all dessen. Ich habe mich ein wenig auf Galater 3 konzentriert, in dem die Kirche ausdrücklich als Erbin der Verheißungen an Abraham bezeichnet wird und somit das nationale Israel als Empfänger dieser Verheißungen ablöst. Die Aussage des Paulus, dass Christen (einschließlich Nichtjuden) Erben der Verheißungen Abrahams sind, lässt das Gespenst aufkommen, dass das nationale Israel durch die Kirche verdrängt wird. Daraufhin wird in der Regel eingewandt: „Nun, wann hat die Kirche das verheißene Land bekommen?“ Das ist für Befürworter der Gleichsetzung von Israel und Kirche eigentlich leicht zu beantworten. Sie argumentieren:

    (1) Die Parameter des Königreichs Salomo entsprechen den Parametern der Landverheißungen, die Abraham gegeben wurden, sodass Israel diese Verheißung erhalten hat;

    (2) Das Land wurde nicht nur als Wohnort für das Volk Gottes versprochen, sondern auch als Ort, an dem Jahwe bei seinem Volk wohnen sollte (zunächst in einem Tabernakel und dann im Tempel). Im Neuen Testament wird deutlich, dass dieser Ort nun die ganze Welt ist. Wie? Der Geist Christi (der Jahwe ist) kam zu Pfingsten herab (Apostelgeschichte 2) und wohnt nun in jedem Gläubigen (Eph 2:22; 2 Tim 1:4; Jakobus 4:5; Römer 8:9-11). Jeder Gläubige ist nun der Tempel Jahwes (Tempel des Heiligen Geistes), ebenso wie der gesamte Leib Christi (1 Kor 3:16; 6:19). Das bedeutet, dass Jahwe überall dort ist, wo Christen sind. Und Christen haben die Erde überzogen. Das war der Sinn des großen Auftrags – die Nationen für Jahwe zurückzugewinnen. Das verheißene Land ist jetzt die ganze Erde, nicht nur ein Stück Land von der Größe New Jerseys. Und das Volk Gottes bewohnt dieses Land. Die Kirche hat die Verheißungen, die Abraham gegeben wurden, geerbt. Gottes Plan wurde erfüllt.

    Und wenn das oben Gesagte wahr ist, auf welcher Grundlage sollten wir dann ein buchstäbliches irdisches Tausendjähriges Reich erwarten? Ist das Königreich der ganzen Erde nicht gut genug?

    Nun gibt es Möglichkeiten, ein buchstäbliches Jahrtausend immer noch zu argumentieren oder zu rechtfertigen, aber es geht mir nicht darum, dafür zu argumentieren. Es geht nur darum zu zeigen, dass diese Position alles andere als selbstverständlich ist.

    Als Nächstes: die Bündnisse. Wie wir bereits gesehen haben, ist einer der Gründe, warum Israel und die Kirche unterschieden werden, der Bund mit Abraham. Diejenigen, die Israel und die Kirche getrennt halten, argumentieren ihre Position auf der Grundlage, dass Israel das Land nie erhalten hat. Warum ist das wichtig? Weil, so wird argumentiert, der Bund mit Abraham, der Israel das Land gab, bedingungslos war – er wurde versprochen, egal was passiert. Gott schloss auch einen Bund mit David, dass seine Dynastie niemals enden würde (oder dass jemals jemand auf dem Thron Israels sitzen würde, der nicht Davids Nachkomme war). Dieser Bund war ebenfalls bedingungslos. Daher, so wird argumentiert, MUSS Israel das Land noch erhalten, und ein Nachkomme Davids MUSS auf dem buchstäblichen Thron in einem buchstäblichen Königreich in diesem buchstäblichen Land sitzen, damit diese Versprechen erfüllt werden. Es wird argumentiert, dass die Versprechen bezüglich des Landes und des Throns unerfüllt bleiben – also blicken wir in die Zukunft, um all das zu erreichen.

    Der Landteil davon wird, wie wir gesehen haben, durch Galater 3 untergraben. Er würde auch (möglicherweise) untergraben, wenn der Bund an Bedingungen geknüpft wäre. Viele Theologen argumentieren, dass der Bund mit Gehorsamsbedingungen verbunden war, Bedingungen, die durch den Abfall Israels gebrochen wurden. Daher sind die Verheißungen null und nichtig (tatsächlich wurden sie nach dieser Ansicht durch den Neuen Bund aus Jeremia 31 an die Kirche weitergegeben). Es wird auch argumentiert, dass Jesus das Versprechen der „Herrschaft der davidischen Dynastie“ des davidischen Bundes bereits erfüllt hat. In Zukunft besteht keine Notwendigkeit mehr dafür im wörtlichen Sinne. Wer hat also recht? Sind die Bündnisse an Bedingungen geknüpft? Ist der Thron Davids bereits vom Messias besetzt?

    Mit anderen Worten: Gibt es mehr als eine Möglichkeit, all dies zu betrachten, sodass kein prophetisches System selbstverständlich ist (d. h. den Anspruch hat, „biblisch“ zu sein)? Nun, du weißt, dass ich das mit Ja beantworten werde, aber warum?

    Seid gespannt.

  • Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 1

    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 1

    Von Dr. Michael S. Heiser


    Diese Serie ist die deutsche Übersetzung der Blogartikel des Bibelwissenschaftlers Dr. Michael S. Heiser in seiner Blog-Serie über Eschatologie.


    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist, Teil 1

    Thema: Unterscheiden sich Israel und die Kirche voneinander, oder ersetzt die Kirche Israel in Gottes Programm für die Zeitalter? Woher sollen wir das wissen? Warum erbt die Kirche in Galater 3 die Verheißungen, die Abraham gegeben wurden? Warum werden die Gläubigen in 1. Korinther 3 und 6 als Tempel Gottes bezeichnet, wenn der Tempel wiederaufgebaut werden soll? Wenn Israel und die Kirche unterschiedlich sind, könnte es sein, dass Israel noch eine nationale Zukunft hat, unabhängig von der Kirche. Die Unterscheidung zwischen Israel und der Kirche ist der Schlüssel zu jeder Vorstellung von einer Entrückung (denn die Kirche wird entrückt, nicht Israel).

    Freunde (und -verächter) des Naked Bibel Podcasts werden sich vielleicht daran erinnern, dass ich vor langer Zeit eine Liste mit den Voraussetzungen veröffentlicht habe, die man der Bibel aufzwingt und die letztlich die eigene Position zur Eschatologie („Endzeit“) bestimmen. Ich habe diese Liste veröffentlicht, weil allzu viele Christen davon ausgehen, dass sich ihre Sichtweise von selbst aus der Bibel ergibt (d. h., dass sie so klar gelehrt wird, dass sie sich fragen, wie jemand anderes die Endzeit anders sehen kann). Ich würde sagen, die Position, die am meisten Schuld auf sich geladen hat, ist die der pre-tribulational rapture (Entrückung vor der Trübsal) (wie sie in der Left Behind-Romanreihe dargestellt wird).

    In den folgenden Beiträgen möchte ich meine ursprüngliche Liste näher erläutern und die einzelnen Punkte ein wenig ausfalten. Mein Ziel ist es nicht, irgendeine Position zu leugnen oder zu befürworten. Ich mag oder hasse keine von ihnen. Es gibt Dinge, die ich an allen von ihnen mag. Ich höre schon die, die mit einer Ansicht verheiratet sind: „Wie kann er das sagen?! Das ist doch nicht möglich! Doch, das ist es. Und es ist die beste Perspektive. (Ich bin mir sicher, dass das jemanden ärgern wird). Ich werde meine eigene Denkweise am Ende der Serie erklären. Aber jetzt … Trommelwirbel, bitte … lasst uns eintauchen.

    Vorbedingung Punkt 1 – Sind Israel und die Kirche voneinander zu unterscheiden, oder tritt die Kirche in Gottes Programm für die Zeitalter an die Stelle Israels? Wenn sie sich voneinander unterscheiden, dann könnte es sein, dass Israel auch ohne die Kirche eine nationale Zukunft hat. Die Unterscheidung zwischen Israel und der Kirche ist der Schlüssel zu jeder Vorstellung von einer Entrückung (denn die Kirche wird entrückt, nicht Israel).

    Lasst uns das genauer erklären.

    Das „Volk Gottes“ im ersten Teil der Bibel (dem Alten Testament) war Israel (und hier und da ein paar heidnische Bekehrte, die sich der Nation als Israeliten – Anhänger Jahwes – anschließen mussten). Gott schloss eine Reihe von Bündnissen mit Israel, um diese Bindung herzustellen und zu bestätigen. Diese Bündnisse enthielten alle bestimmte Verheißungen. Als Israel aus Ägypten auszog und das Gelobte Land betrat, erbte das Volk einige dieser Verheißungen – oder waren es ALLE? (das ist Thema Nr. 2 für das nächste Mal). Hier ist eine Liste der Verheißungen:

    Abrahams Bund (1. Mose 12,1-3; 1. Mose 15,6-7)

    1. Sie sollten ein Volk werden, dessen Bevölkerung so groß ist wie der Sand am Meer und die Sterne am Himmel.
    2. Sie würden gedeihen und ein Segen für alle sein, die sie segnen (oder ein Fluch für diejenigen, die sie verfluchen).
    3. Sie würden ein Land erben, das ihnen versprochen wurde („vom Euphrat bis zum Strom von Ägypten“ – mehr dazu in anderen Teilen).

    Der Bund vom Sinai („mosaische Bund“) (2 Mose 20-24)

    Der Bund Gottes mit dem Volk am Sinai wird in 2. Mose 20-24 beschrieben. Im Mittelpunkt steht das mosaische Gesetz. Gott bezeichnete Israel als einen besonderen Schatz, ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk und gab ihnen die Bestimmungen (Gesetze), die den Fortbestand der Gemeinschaft zwischen ihnen und ihrem Gott garantieren sollten (Fortsetzung des Abrahams-Bundes). Der Bund wurde durch ein Bundesopfer und die Besprengung mit Blut ratifiziert (2. Mose 24,48). Im Alten Testament werden verschiedene Verlängerungen des Sinai-Bundes aufgezeichnet. Die wichtigsten waren die auf den Ebenen von Moab (5. Mose. 29), in Sichem in den Tagen Josuas (Josua 24), als Jojada die davidische Königslinie unter Joasch wiederherstellen konnte (2. Könige 11), in den Tagen Hiskias (2. Könige 29,10) und in den Tagen unter der Herrschaft Josias (2. Könige 23,3).

    Der davidische Bund (2. Samuel 7)

    Gott versprach David, dass seine Nachkommen eine ewige dynastische Herrschaft über das gelobte Land haben und als seine Söhne bekannt sein sollten (2 Samuel 7,12-17; Psalm 89; Jesaja 55).

    Der Neue Bund

    An mehreren Stellen in den Propheten, vor allem aber bei Jeremia, ist von einem neuen Bund im messianischen Zeitalter die Rede (Jes 42:6; Jes 49:68; Jes 55:3; Jes 59:21; Jes 61:8; Jer 31:31, 33; Jer 32:40; Jer 50:5; Hes 16:60, 62; Hes 34:25; Hes 37:26).

    Diese Passagen gehen von einem Volk aus, das aufgrund seiner Sünden – seiner Verstöße gegen den Sinai-Bund – im Exil ist. Dieser Bund besagt, dass der Sinai-Bund zwar gebrochen wurde, die Verheißung Gottes aber nicht hinfällig wird. Es würde einen Überrest geben, durch den Gott seine Verheißungen einlösen würde. Er würde einen neuen Bund schließen. Sein Gesetz würde in die Herzen der Menschen geschrieben werden. An jenem Tag würde der Thron Davids von einem aus dem Geschlecht Davids besetzt werden (dies setzt voraus, dass dies nicht der Fall ist – wie z. B. im Exil) und das Volk würde sich eines ewigen Friedensbundes erfreuen, an dem auch die Nationen teilhaben würden (Jes 42,6; Jes 49,6; Jes 55,35; vgl. Sach 2,11; Sach 8,20-23; 14,16; usw.). In jenen Tagen wird die Anbetung gereinigt (Hes. 40:48), eine wahre theokratische Regierung eingesetzt und allgemeiner Frieden herrschen.

    Hast du das alles verstanden? Gut! Jetzt kommt die Frage: Steht das Volk Israel (die nationale ethnische Einheit) immer noch im Mittelpunkt dieser Bundesverheißungen (vor und nach dem endgültigen Neuen Bund) oder ist die Kirche jetzt der Mittelpunkt?

    Man kann für beide Seiten argumentieren – je nachdem, welche Voraussetzungen man mitbringt. Wir werden in den Punkten 2 und 3 ins Detail gehen, also lasst uns einen Blick auf diese Punkte werfen. Die beiden Seiten der Frage Nr. 1 hängen davon ab, ob man glaubt, dass die Verheißungen des abrahamitischen, des Sinai- und des davidischen Bundes BEDINGUNGEN waren. Das heißt, ob der Erhalt der Verheißungen an Bedingungen geknüpft war („Israel muss X tun/werden“) oder ob die Verheißungen ohne Bedingungen gegeben wurden („egal, was Israel an Sünden begeht, Gott wird ihm die Verheißungen trotzdem geben“). Wenn es Bedingungen gab, ist es offensichtlich, dass Israel versagt hat (sie gingen durch Gottes Hand ins Exil). Wenn es keine Bedingungen gab, ist es dann das, worum es beim Neuen Bund geht? Ist der Neue Bund die Antwort?

    Diese Fragen sind für die Nummer 1 wichtig, weil sie ein Konstrukt schaffen, mit dem wir die Frage des ersten Punktes analysieren können: Sind Israel und die Kirche voneinander zu unterscheiden, oder ersetzt die Kirche Israel in Gottes Programm für die Zeitalter?

    Jesus kam ganz klar, um den Neuen Bund zu errichten („das ist der neue Bund in meinem Blut“ – siehe Lukas 22,20; 1 Kor 11,25; 2 Kor 3,6; Hebr 8,13; Hebr 12,24). Und der Geist kam auf die Jünger und ihre Bekehrten nach dem Pfingsttag (Apostelgeschichte 2; siehe die weietern Kapitel der Apostelgeschichte danach). Die Kirche war „beschneidungsneutral“ – sie bestand nicht nur aus Juden, sondern auch aus Heiden, die ebenfalls ein Element des Neuen Bundes waren. Aber wenn die Kirche – und nicht Israel als Nation – im Mittelpunkt des Neuen Bundes stand, welchen Zweck hat dann das nationale Israel (außer Jesus anzunehmen und in die Kirche aufgenommen zu werden)? Das bedeutet auch, dass der davidische Herrscher Jesus ist und das Gelobte Land größer ist als Israel – es ist die ganze Welt – daher der Missionsbefehl. Lasst uns die Frage so stellen: Gibt es irgendeinen Teil des Neuen Bundes, den die Kirche nicht beantworten kann? Man könnte sagen, der Teil „alle Völker“ – aber genau darum geht es im Missionsbefehl, der an die junge KIRCHE und nicht an Israel gerichtet ist (Mt 28,18-20).

    An dieser Stelle wird häufig eingewendet, dass die Kirche kein theokratisches Reich ist. Das ist sie aber – ihr Haupt ist Christus und ihr Land ist die ganze Erde (zurück zum Missionsbefehl). Warum sollten wir darauf bestehen, dass die Landverheißungen in einem winzigen Teil der Erde (Israel) erfüllt werden müssen und nicht in der ganzen Erde? Die Antwort wäre: „Nun, der abrahamitische Bund garantierte das verheißene Land und hatte bestimmte Dimensionen, und Israel hat nie das ganze Land bekommen … also bekommen sie entweder das Land als nationale Einheit, oder Gottes Verheißungen sind gescheitert. Auch das ist eine Vorbedingung. Sie setzt voraus, dass Gottes Plan durch den Neuen Bund und die weltweite Kirche, die die Heiden mit einschließt, nicht erfüllt wird. Sie setzt auch voraus, dass Israel das Land nie in den Dimensionen von 1. Mose 15 bekommen hat (dazu später mehr). Wenn die Bündnisse jedoch an Bedingungen geknüpft waren, dann hat Israel die Landverheißungen versäumt (sie haben versagt, Gott nicht), und der Einwand eines buchstäblichen Königreichs innerhalb der Parameter von 1. Mose 15 könnte völlig überflüssig sein.

    Noch eine Anmerkung zum Unterschied und zur Gleichheit von Israel und der Kirche: Galater 3 (lies das ganze Kapitel) macht deutlich, dass die Christen – die Kirche – die Verheißungen Abrahams „geerbt“ haben. Sollten wir dieses Land vom Land ausschließen? Wenn „das verheißene Land“ durch „die ganze Erde“ ersetzt wurde, dann lautet die Antwort ja – und das ist das Hauptargument dafür, dass wir keinen Grund haben, in der Zukunft ein buchstäbliches Königreich in Israel (ein Millennium) zu erwarten.

    Gibt es also einen Unterschied zwischen Israel und der Kirche? Ja, das eine ist nicht gleichzusetzen mit dem anderen. Aber ersetzt die Kirche Israel als das Volk Gottes? In gewisser Weise ist das eindeutig der Fall, denn die Kirche erbt die Verheißungen, die Israel durch Christus gegeben wurden (Galater 3). Aber was ist mit dem Land? Wenn die Landverheißung immer noch da ist und auf ihre Erfüllung wartet, dann ist Israel als nationales Gebilde in Bezug auf die Reichsprophetie immer noch anders. Wenn die Landverheißung ‚weggesündigt‘ wurde und nun durch die ganze Erde ersetzt wird, dann spielt das Volk Israel selbst keine besondere Rolle in der biblischen Prophetie – es geht nur um die Kirche.

    Und ob du es glaubst oder nicht: Wenn es nur um die Kirche geht, gibt es keine siebenjährige Trübsal und keine Entrückung, denn erstere basiert vollständig auf der 70-Wochen-Prophezeiung, die Jerusalem und Israel gegeben wurde, während letztere wiederum auf der buchstäblichen Trübsal basiert.

    Bleib dran.

    Bis zum nächsten Mal.

  • Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist: Die Jagd nach dem Snark

    Warum eine obsessive Beschäftigung mit Eschatologie Zeitverschwendung ist: Die Jagd nach dem Snark

    Von Christian


    Falls du noch nie von Eschatologie gehört hast und auch keine Ahnung hast, was der Snark ist und erst recht nicht, was die Suche nach diesem Snark sein sollte: Keine Sorge, es ist alles in Ordnung mit dir. Du solltest dir eher Sorgen machen, wenn du auf dieser Jagd bist. Warum, wird gleich klar.

    Zuerst einmal zu diesem schönen Fremdwort aus dem Griechischen: Eschatologie

    Eschatologie ([ɛsça-], aus altgriechisch τὰ ἔσχατα ta és-chata ‚die äußersten Dinge‘, ‚die letzten Dinge‘ und λόγος lógos ‚Lehre‘) ist ein theologischer Begriff, der das religiöse Konzept des Endzeitlichen, insbesondere die prophetische Lehre von den Hoffnungen auf Vollendung des Einzelnen (individuelle Eschatologie) und der gesamten Schöpfung (universale Eschatologie) beschreibt.

    Wikipedia

    Ok. Das könnte dich also schon einmal beschäftigt haben. „Wann kommt die Endzeit?“ „Wann kommt Harmagedon?“ „Für wann ist die Wiederkunft Christi zu erwarten?“ „Wann kommt das Ende?“ Und so weiter. Wenn ich alle Formulierungen auflisten würde, wäre die Zeit für diesen Teil der Serie schon vorbei.

    Und um es klar zu sagen: Wenn es um so etwas Wichtiges für das eigene Leben wie das Ende der Welt geht, ist es schon verständlich, wenn man darüber mehr wissen möchte.

    Die Frage ist nur: Wieviel können wir denn darüber wissen? Steht dazu etwas in der Bibel? Nun, wohl nichts so Offensichtliches wie ein Datum, sonst wäre es ja allen klar. Aber vielleicht müssen wir nur die verschlüsselten Begriffe im Bibelbuch Daniel, dem Neuen Testament und insbesondere der Offenbarung verstehen und kombinieren, um dieses Geheimnis zu lüften? Es soll sogar Zeichen geben, die wir nur entschlüsseln müssten. Und viele geben vor, dies tun zu können! Bei der Übersetzung des Buches „Die Zeiten der Heiden neu überdacht“ war ich über die lange Liste der vorhergesagten Daten der Endzeit gelinde gesagt schockiert: Alleine von der Reformation bis heute führt er Dutzende von Vorhersagen und Jahren an.

    Und damit kommen wir zu dieser merkwürdigen Jagd nach dem Snark. Außerhalb des englischsprachigen Raumes kennt man diese Geschichte von Lewis Carrol kaum (Wikipedia). Aber Alice im Wunderland kennst du doch, oder? Ist auch von ihm. Die Geschichte The Hunting of the Snark (An Agony in Eight Fits) (engl. für „Die Jagd nach dem Snark – eine Agonie in acht Anfällen“ oder „– eine Agonie in acht Abschnitten“) wurde 1876 veröffentlicht:

    Von Henry Holiday – bookcover front of „The Hunting of the Snark“, Gemeinfrei

    Was hat diese Ballade mit Eschatologie zu tun? Nun, unsere Beschäftigung mit dem Thema Eschatologie sollte sich nie zu einem solchen Abenteuer entwickeln:

    Das Gedicht ist eine Ballade über eine seltsame Jagd-Expedition, die sich mit Sorgfalt, Hoffnung und einer völlig leeren Meereskarte aufmacht, ein mysteriöses Wesen namens Snark zu fangen. Was genau sie mit dem Snark anfangen wollen, bleibt offen, doch werden einige Eigenschaften aufgezählt.

    Die Besatzung wird vom Bellman (Ausrufer) mit seiner Glocke geleitet. 

    Eine der Figuren (Der Bäcker) hatte an dem Tag, als das Schiff der Jagdgesellschaft in See stach, die Warnung empfangen, dass manche Snarks Boojums sind, und wer das Pech hat, ein Boojum zu treffen, der wird sofort „sachte und plötzlich“ verschwinden. Genau dieses Pech hat der Bäcker am Ende der Ballade, denn der von ihm schließlich gefundene Snark war ein Boojum.

    Die Jagd auf den Snark (Wikipedia)

    Siehst du die Parallelen? Ich passe die Beschreibung einmal an das Thema an:

    Das Finden der einen richtigen biblischen Eschatologie ist eine seltsame Unternehmung, die manche mit akribischer Sorgfalt und großen Hoffnungen durchführen, aber nur mit einer vagen Beschreibung in sehr wenigen Bibeltexten. Was sie mit dieser Eschatologie dann anfangen sollen, ist offen.

    Die Suchenden werden von charismatischen Anführern oder Lehren motiviert.

    Auf dieser Suche kann man, wenn man Pech hat, „sachte und plötzlich“ verschwinden.

    Die Jagd nach der einzig wahren Eschatologie (Christian)

    Jetzt will ich nicht sagen, dass wir in der Bibel gar nichts zur Eschatologie finden. Doch eine obsessive Suche, die Aussagen der Bibel zur ‚Endzeit‘ und dem weiteren Verlauf der Geschichte ganz genau und ‚richtig‘ zu verstehen oder gar ein Datum vorherzusagen, hat sich wie die Suche nach dem Snark erwiesen. Es gibt endlose Interpretationen, Spekulationen und man kann sehr viel Zeit darauf verwenden. Und manche sind dabei aus der Realität sozusagen verschwunden.

    Was dabei leider oft übersehen wird, ist, welche entscheidende Rolle die eigenen Annahmen und Interpretationen spielen.

    Genau mit diesem Thema hat sich der Bibelwissenschaftler Dr. Michael S. Heiser in einer Blog-Serie über Eschatologie gewidment, die ich ins Deutsche übersetzt einmal wieder geben möchte.

    Dabei verwendet er einige Begriffe in Bezug auf Eschatologie, die dir vielleicht nicht bekannt sind. Die folgenden Erklärungen und Schaubilder sind aus der Wikipedia.

    Zuerst einmal werden wir den Begriff des Millenniums öfters hören. Das Wort ist vom lateinischen Wort für 1000 abgeleitet und bezeichnet eine Zeitspanne von 1000 Jahren. Als Millenarismus (oder vom Griechischen Wort abgeleitet Chiliasmus) wird die Überzeugung bezeichnet, die sich auf eine 1000 jährige (buchstäbliche oder symbolische) Herrschaft Jesu Christi bezieht, welche in Offenbarung 20:1-10 zu finden ist.

    Im Wesentlichen gibt es diese Hauptrichtungen des Millenniarismus:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Millenarismus

    Nach dem ersten Kommen Christi vor rund 2000 Jahren würde gemäß den wichtigsten Hauptströmungen Folgendes geschehen:

    Prämillenarismus

    Die lateinsiche Silbe prä bedeutet „vor“. Die Vorstellung ist, dass wir in der Bibel lesen, dass es eine ‚große Trübsal‘ geben wird, danach Jesu zweites Kommen. Darauf schließt sich das Millennium an und dann das Endgericht.

    Dispensationalismus

    Der modernere Dispensationalimus sieht ein vorangegangenes zweites Kommen Christi für die Kirche vor. Damit einhergehend kann es eine ‚Entrückung‘ (Englisch rapture) geben, in der die Gläubigen von der Erde genommen werden.

    Postmillenarismus

    Die lateinische Silbe post bedeutet „danach“. In dieser Glaubensrichtung kommt Jesus erst nach dem Millennium zum zweiten Mal und führt dann das Endgericht durch.

    Amillennialismus

    Die Vorsilbe ‚a‘ bedeutet hier so viel wie nie „nicht“ oder „kein“. Also Kein-Millennium. Die Zahl 1000 wird symbolisch verstanden und die ganze Zeit zwischen dem ersten und zweiten Kommen Christi werden als das Millennium angesehen.

    Zusätzlich zu diesen Ansichten gibt es noch eine fast unüberschaubare Anzahl von solchen, die sich in gewissen Details unterscheiden.

    Aber warum gibt es denn solch verschiedene Ansichten, obwohl der Text des Alten und Neuen Testaments der selbe ist? Das erklärt Dr. Heiser in seinem Blog, mit dem wir im nächsten Teil anfangen werden.

  • Sollten wir uns Apostel nennen (lassen)?

    Sollten wir uns Apostel nennen (lassen)?

    Von Christian / Dr. Michael S. Heiser


    Das Neue Testament enthält so einige Begriffe, die in Konfessionen oder Bewegungen heute noch verwendet werden. Die wenigsten machen sich aber deren Bedeutung oder Verwendung im Text bewußt. Haben die Jünger Jesu im ersten Jahrhundert diese Begriffe auch so verwendet? Auf drei Begriffe bin ich schon eingegangen:

    Und jetzt geht es um die Frage: Sollten wir uns Apostel nennen (lassen)?

    Dazu gibt es schon interessante Ausführungen in einem Blog Artikel von Dr. Michael S Heiser. Im Folgenden findest du meine Übersetzung ins Deutsche.


    Gedanken zu Zeichen und Wundern: Teil 2: Was ist ein Apostel?

    Von Dr. Michael S. Heiser

    Der Titel dieses Beitrags macht wahrscheinlich deutlich, dass ich mit „Zeichen und Wunder“ verschiedene Themen aufgreife, die etwas mit Zeichengaben zu tun haben. Ja, die Herangehensweise ist etwas willkürlich, aber ich lege den Grundstein für zukünftige Blogbeiträge. Es wird später einen Sinn ergeben.

    Was unser Thema angeht, so mag das eine dumme Frage sein, aber das ist sie nicht. In der heutigen Zeit wird viel darüber diskutiert, ob es moderne Apostel gibt oder ob es überhaupt ratsam ist, das Wort zu verwenden. Was die letztere Frage angeht, halte ich persönlich es nicht für ratsam, weil es zu Verwirrung führt (oder führen könnte). Warum ich das sage, wird in diesem Beitrag deutlich werden. Was die erste Frage angeht, so könnten wir sie heute tatsächlich verwenden, wenn (a) wir unsere Definition davon richtig gemacht hätten – d.h. wenn sie mit der Heiligen Schrift übereinstimmen würden – und (b) genug Menschen bibelkundig wären, um genau zu unterscheiden, was behauptet wird und was nicht. Da das Erste schwierig und das Zweite unwahrscheinlich ist, halte ich es für das Beste, den Begriff zu vermeiden.

    Warum klinge ich so pessimistisch? Nun, wenn sich das nächste Mal jemand als Apostel bezeichnet, frag ihn, was er meint – und vor allem, welche Art von Apostel er sein will.

    Ja, das hast du richtig gelesen. Es gibt mehr als eine Art von Apostel im Neuen Testament.

    Eine einfache Suche nach dem griechischen Lemma mit der Übersetzung „Apostel“ (ἀπόστολος / apostolos) ist ein guter Anfang. Wenn du das tust, werden dir einige Dinge klar werden – und einige Dinge werden deine Welt ins Wanken bringen. Du wirst feststellen, dass es eine Vielzahl von Bedeutungen des Begriffs im Kontext gibt. Werfen wir einen Blick auf die Daten.

    Die ursprünglichen 12

    Dies ist die einfache Kategorie. An mehreren Stellen werden die 12 Jünger Jesu aufgelistet und ihnen das Wort „Apostel“ zugeschrieben: Matthäus 10,2; Markus 3,14; Lukas 6,13. Auch außerhalb der Evangelien werden die 12 als „Apostel“ bezeichnet (Offb 21,14).

    Die Gruppe ist insofern einzigartig, als dass diese 12 direkt von Jesus berufen wurden, mit ihm reisten und direkt von ihm unterrichtet wurden. Durch ihre Berufung und die Tatsache, dass sie ausdrücklich als „die Zwölf“ bezeichnet wurden – und es gab keine Unklarheiten darüber, wer „die Zwölf“ waren (z. B. Mt 26,20; Mk 3,16; 6,7; 11,11; 14,17; Lk 22,3; Joh 6,67) –, unterschieden sie sich von anderen, die Jesus vielleicht gefolgt waren und ihm zugehört hatten.

    Als die Zahl durch Judas‘ Verrat und Tod von 12 auf 11 sank, sahen sich die ursprünglichen Jünger/Apostel gezwungen, die Zahl 12 wiederherzustellen (Apg 1:15-26). Dies ist wahrscheinlich auf die Parallele zu den 12 Stämmen zurückzuführen (vgl. Offb 21:12, 14). Die Kriterien für die Zugehörigkeit zu den 12 sind erwähnenswert. Laut Apostelgeschichte 1:21-22 mussten die Kandidaten: (a) die anderen 11 seit der Taufe Jesu begleitet haben und (b) Zeuge des auferstandenen Christus vor seiner Himmelfahrt gewesen sein.

    Es ist klar, dass diese Beschreibung auf niemanden passt, der sich heute Apostel nennt oder ein apostolisches Amt für sich beansprucht.

    Mindestens eine Rolle der ursprünglichen 12 Apostel ist aufgrund ihrer Einzigartigkeit ebenfalls von Interesse. Die ursprünglichen 12 Apostel dienten in der Jerusalemer Urgemeinde, die ethnisch gesehen jüdisch war. Der Vorfall mit Paulus und Barnabas (der „Jerusalemer Rat“) zeigt, dass sie die Autorität über den Dienst von Paulus und Barnabas außerhalb Jerusalems hatten (Apostelgeschichte 15:2, 6, 22-23). Die ursprünglichen 12 galten als die Hüter der richtigen Lehre. Nach der Vision des Petrus und seinem Dienst an dem Heiden Kornelius (Apostelgeschichte 10) und dem anschließenden Dienst des Paulus an den Heiden waren Fragen aufgetaucht. Ein Teil der Begründung für ihre Lehraufsicht ergab sich aus der Tatsache, dass sie Augenzeugen und Ersthörer dessen waren, was Jesus lehrte. Auch hier gilt: Ohne diese Zeugnisse würde man diese Rolle nicht erwarten – es gäbe keinen Grund, sich diese Autorität anzumaßen.

    Nach dem Jerusalemer Konzil gründete Paulus viele Gemeinden, deren Mitglieder gemischt waren (Juden und Nichtjuden). Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die ursprünglichen 12 irgendeine Art von Entscheidungsbefugnis über diese Gemeinden hatten. Selbst Paulus konnte das nicht behaupten, da er die Leiter in diesen Gemeinden ernannte. Wenn es Probleme mit der Lehre gab, hat Paulus mit Sicherheit Maßnahmen ergriffen, um sie zu korrigieren (und Paulus‘ Autorität, diesen Status zu haben, wurde von den ursprünglichen 12 auf dem Konzil in Jerusalem bekräftigt).

    Die Vorstellung, dass jemand heute den „Apostelstatus“ für sich beanspruchen und Autorität über andere Kirchen ausüben könnte, ist daher wenig überzeugend. Die Frage wäre wie folgt: Wenn du nicht auf der Ebene der ursprünglichen 12 wärst, auf welcher Grundlage würdest du ihren Mantel – ihre Autorität – übernehmen? Ich sehe kein schlüssiges, biblisches Argument dafür. Diese Idee kommt daher, dass der Begriff „Apostel“ an anderen Stellen mit den 12 in Verbindung gebracht wird, was (wie wir sehen werden) das Neue Testament ausdrücklich ablehnt und sogar bestreitet.

    Die „anderen Apostel“ außerhalb der ursprünglichen 12, die den auferstandenen Christus gesehen hatten

    Die Schlüsselstelle hier ist 1. Korinther 15:1-9

    1 Ich weise euch noch einmal auf die Gottesbotschaft hin, die ich euch gebracht habe, Geschwister. Ihr habt sie angenommen und steht darin fest. 2 Durch diese Botschaft werdet ihr gerettet, wenn ihr sie unverfälscht festhaltet und in keinem Punkt davon abweicht. Andernfalls wärt ihr zu einem Glauben ohne Wirkung gekommen.

    3 Ich habe euch in erster Linie das weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, wie es die Schriften gesagt haben. 4 Er wurde begraben und am dritten Tag auferweckt, wie es die Schriften gesagt haben. 5 Er ist dem Kephas erschienen, dann dem Kreis der Zwölf. 6 Danach erschien er mehr als 500 Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch am Leben sind; nur einige sind schon gestorben. 7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. 8 Zuallerletzt erschien er auch mir, solch einer Missgeburt ‹von Mensch›. 9 Denn ich bin der Geringste unter den Aposteln. Ich verdiene es gar nicht, Apostel genannt zu werden, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.

    1. Korinther 15:1-9 NEÜ

    In diesem Abschnitt gibt es einige sehr interessante Punkte. Einige von ihnen könnten die Leser sogar überraschen. Der Wortlaut ist an einigen Stellen merkwürdig. Nehmen wir die Passage auseinander, indem wir uns die interessanten Sätze merken:

    Erstens: Der auferstandene Christus „erschien Kephas (Petrus), dann den Zwölfen“ – Das hört sich an, als ob Petrus nicht zu den Zwölfen gehörte oder sich von ihnen unterschied. Wir wissen aber aus zahlreichen Aussagen im Neuen Testament, dass diese Vorstellungen falsch sind. Die Aussage scheint eine Anspielung auf Lukas 24:34 zu sein, wo die beiden Männer auf dem Weg nach Emmaus nach ihrer eigenen Begegnung mit dem auferstandenen Jesus nach Jerusalem zurückkehren und den elf Aposteln verkünden [an sich schon merkwürdig, da Petrus zu den elf gehörte, zu denen sie aufgeregt sprachen]: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und ist dem Simon erschienen!“ Dann berichten sie von ihrer Begegnung.1 Wenn man bedenkt, dass Judas nicht anwesend war, erscheint die Formulierung „erschien Kephas, dann den Zwölfen“ unpassend. Müsste es nicht heißen: „erschien Kephas, dann den ELFEN“ (einschließlich Petrus)? Meiner Meinung nach ist der wahrscheinliche Bezug der Formulierung in 1. Korinther 15,5, dass Paulus sich auf die relative Reihenfolge der Dinge bezieht: Der auferstandene Jesus erschien Petrus und dann später dem REST der Apostel. Ich denke, dass „die Zwölf“ hier die Formulierung auf „die ursprünglichen Apostel“ beschränken soll. Die Zahl „12“ macht das deutlich.

    Nach der obigen Diskussion haben wir eine eigenständige Gruppe von Aposteln, die den ursprünglichen Jüngern entspricht (die Elf, einschließlich Petrus). Aber jetzt schau dir an, was folgt: Jesus erschien „mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch am Leben sind, einige aber entschlafen sind. Dann erschien er Jakobus, dann allen Aposteln“. Hier haben wir eine Gruppe von „Aposteln“, bei denen es sich NICHT um die ursprünglichen 12 handelt – und auch Paulus gehört nicht zu ihnen, denn Paulus unterscheidet sich in der nächsten Zeile: „Zuallerletzt erschien er auch mir, solch einer Missgeburt ‹von Mensch›. Denn ich bin der Geringste unter den Aposteln. Ich verdiene es gar nicht, Apostel genannt zu werden, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.“

    Die Formulierung des Paulus wirft eine Frage auf: Zählte er sich selbst zu „allen Aposteln“ oder sah er sich im Vergleich zu den anderen Aposteln als einen geringeren Apostel – aber immer noch als einen Apostel – an? Haben wir jetzt also zwei Gruppen oder drei? Um das zu klären, müssen wir einige andere Stellen betrachten, zum Beispiel 1. Korinther 9,5:

    5 Haben wir etwa kein Recht, eine Glaubensschwester als Ehefrau ständig bei uns zu haben, wie die anderen Apostel, die Brüder des Herrn und Kephas? 6 Oder müssen nur ich und Barnabas selbst für unseren Lebensunterhalt aufkommen?

    1. Korinther 9:5,6 NEÜ

    Paulus macht hier (erneut) deutlich, dass es die ursprünglichen 12 Apostel und Apostel gab, die nicht die ursprünglichen 12 waren. Der Satz mit den „Brüdern des Herrn“ (Plural) ist interessant, weil Paulus in Gal 1:19 schreibt: „Ich sah aber keinen der anderen Apostel außer Jakobus, dem Bruder des Herrn.“ Das bedeutet, dass Jakobus, einer der leiblichen Brüder Jesu, als Apostel angesehen wurde – aber er gehörte nicht zu den ursprünglichen 12 und hätte auch nicht die Kriterien von Apostelgeschichte 1:21-22 erfüllt, um die Stelle von Judas zu besetzen, denn er hatte „die anderen 11 seit der Taufe Jesu nicht begleitet.“ Wenn man dies mit 1. Korinther 15,5 vergleicht, sieht es so aus, als ob die anderen Brüder Jesu (oder vielleicht nur Jakobus und Judas) Apostel genannt wurden. Es gibt also eine klare zweite Gruppe aufgrund dieser Verbindung. Zu den Brüdern des Herrn in dieser zweiten Gruppe gehörten auch „alle Apostel„, die in 1 Kor 15,7 erwähnt werden. Mir scheint, dass diese Passagen auch den Gedanken bekräftigen, dass diese zweite Gruppe mit der Jerusalemer Gemeinde verbunden war.

    Aber betrachtete Paulus sich selbst (und andere, die mit ihm dienten) als eine dritte Gruppe mit geringerem Status? Das ist möglich. Die Tatsache, dass Jakobus (der nicht zu den ursprünglichen 12 Aposteln gehörte) zu den anderen Aposteln gehörte, deutet darauf hin (ist aber kein Beweis), dass diese zweite Gruppe vor der Kreuzigung und Auferstehung Zeit mit Jesus verbracht hatte. Die Einbeziehung von Jakobus und die Chronologie der Apostelgeschichte deuten auch darauf hin, dass diese anderen Apostel ihr Hauptquartier in Jerusalem hatten. Paulus hatte vor dem Kreuz keine Zeit mit Jesus verbracht und war auch nicht Teil der Jerusalemer Gemeinde. Er war ein Außenseiter, der berufen wurde, den Heiden zu predigen. Paulus bezeichnet sich selbst (ist das nur selbstironische Rhetorik?) als den „Geringsten der Apostel“, wie er sagt. Und schließlich bezeichnet Paulus, wie wir gleich sehen werden, andere Dienstpartner – darunter auch Heiden – als Apostel.

    In Anbetracht der Daten denke ich, dass wir es hier mit drei Gruppen zu tun haben, aber die beiden Gruppen außerhalb der 12 hatten den gleichen Zweck und Status. Ich meine damit, dass die beiden Gruppen, die nicht zu den 12 gehörten, nicht den Status der 12 hatten, aber sie hatten die Unterstützung der 12. Die ursprünglichen 12 unterstützten sicherlich den Dienst von Jakobus und anderen Aposteln, die in der Gemeinde in Jerusalem arbeiteten. Und wir wissen aus Apostelgeschichte 15, dass sie (zusammen mit Jakobus) die Arbeit von Paulus unter den Heiden guthießen. Sie betrachteten ihn als Apostel.

    Auch Paulus‘ Formulierung in 1. Korinther 9,5-6 macht deutlich, dass er sich selbst – und Barnabas – als Apostel betrachtete. Das heißt, dass er sich selbst und seinen Partner in die „Apostel-Gleichung“ einordnete, was die Heirat und die Unterstützung des Dienstes anbelangt. Barnabas wird in Apostelgeschichte 14,4 tatsächlich als Apostel bezeichnet. Der Text beschreibt, wie die Menschen in Ikonium, die das Evangelium hörten, sich entweder auf die Seite der Juden oder auf die Seite „der Apostel“ stellten – d.h. auf die Seite von Paulus und Barnabas, die ihnen predigten und gegen die sich die Juden auflehnten. Apostelgeschichte 14,4 macht diese Identifizierung deutlich, indem sie Barnabas (und Paulus) ausdrücklich als Apostel bezeichnet: „Als aber die Apostel Barnabas und Paulus davon hörten, zerrissen sie ihre Kleider und stürzten hinaus in die Menge. . . .“

    Diese Episode hilft uns zu verstehen, warum Menschen außerhalb der ursprünglichen 12 und der Jerusalemer Gemeinde mit Recht Apostel genannt werden konnten. In Apostelgeschichte 13,2-3 waren Paulus und Barnabas vom Heiligen Geist beauftragt und gesandt worden, den Heiden zu predigen. Diese Berufung war der Auslöser für Paulus‘ Missionsreise, die erste von mehreren. Paulus und Barnabas waren Apostel – im Wesentlichen das, was wir heute Missionare nennen würden. „Apostel“ ist ein Substantiv (apostolos), dessen verwandte Verbform (apostellō) „senden“ bedeutet.2 Das Substantiv apostolos („Apostel“) „bezieht sich auf Personen, die zu einem bestimmten Zweck ausgesandt werden.3 Paulus wurde bei seiner Missionsarbeit auch von Silas (auch bekannt als Silvanus) begleitet. Das sehen wir in 1 Thess 2,6, wo Paulus über sich, Timotheus und Silvanus (vgl. 1 Thess 1,1) sagt: „Wir haben auch nicht den Ruhm von Menschen gesucht, weder von euch noch von anderen, obwohl wir als Apostel Christi Forderungen hätten stellen können.“ Nach der Apostelgeschichte war es Silas, der mit Paulus und Timotheus in Thessaloniki arbeitete (Apg 15,40; Apg 17). Deshalb halten die Gelehrten Silas und Silvanus für ein und dieselbe Person:

    „Silas, Silvanus (sī’luhs, sil-vay „nuhs), im Allgemeinen als alternative Namen für ein und dieselbe Person angesehen, war ein Leiter der frühen Kirche und ein Mitarbeiter von Paulus. Die Paulusbriefe und der 1. Petrusbrief nennen ihn Silvanus (eine Latinisierung), aber die Apostelgeschichte bevorzugt Silas (entweder eine semitische oder eine verkürzte griechische Form).“4

    Falsche Apostel

    Diese letzte Kategorie ist genauso eindeutig wie die erste. In der frühen Kirche gab es Menschen, die sich als „Apostel“ bezeichneten, aber falsche Lehrerinnen und Lehrer waren, die ein anderes Evangelium verbreiteten und die Gläubigen in die Irre führten (2. Korinther 11:5, 13; 12:11). In 2. Korinther 11 bezeichnet Paulus diese Personen als pseudapostolos (Pseudoapostel, d. h. falsche Apostel). Zuvor hatte er sie (sarkastisch) als „Super-Apostel“ (hyperlian apostolōn) bezeichnet. Sie waren Heuchler:

    Denn diese Leute sind falsche Apostel, unehrliche Arbeiter, die sich freilich als Apostel von Christus ausgeben. Aber das ist kein Wunder. Auch der Satan tarnt sich ja als Engel des Lichts.

    2. Korinther 11:13,14 NEÜ

    Weitere Gedanken

    Es ist wichtig, an dieser Stelle festzuhalten, dass Paulus zwar dem auferstandenen Christus begegnet ist, ebenso wie andere Apostel, die nicht zu den ursprünglichen 12 gehörten, aber es gibt keine biblischen Daten, die darauf hindeuten, dass Timotheus, Barnabas oder Silas jemals dem auferstandenen Christus begegnet sind. Das ist ein klarer Beweis dafür, dass eine Begegnung mit Jesus niemanden zum Apostel qualifiziert. Man konnte auch ohne dieses Ereignis als Apostel bezeichnet werden. Und warum? Weil es darauf ankommt, was diese Apostel tatsächlich waren: Um den bekannteren Begriff zu verwenden: Sie waren Missionare. Sie gründeten Gemeinden, lehrten die Gläubigen und übernahmen die Leitung und Aufsicht über diese Gemeinden (nicht nur irgendwelche Gemeinden). Dann wiederholten sie den Prozess, nachdem sie Leiter in diesen Gemeinden eingesetzt hatten (1 Tim 3, Titus 1). Und beachte, dass diese ernannten Leiter andere Titel als „Apostel“ trugen – denn sie wurden nirgendwohin gesandt.

    Die „missionarische“ Bedeutung von „Apostel“ hätte auch für andere „Apostel“ gegolten, die im Neuen Testament genannt werden, was wir angesichts der Vertrautheit des Paulus mit ihnen und ihrer Arbeit vermuten: Junia/Julia und Adronicus (Röm 16,7), Epaphroditus (Phil 2,25) und andere, möglicherweise auch Titus (2 Kor 8,23?). Aufgrund der Terminologie können wir davon ausgehen, dass diese Personen ausgesandt wurden, um entweder eine Gemeinde zu gründen oder einer Gemeinde zu helfen. Als solche übernahmen sie Führungsaufgaben: Lehren, Predigen, Evangelisieren, Jüngerschaft usw. Genau das taten und tun Kirchenführer.

    Eine weitere Erkenntnis ist, dass ein Apostel, wenn er überhaupt Autorität hatte, nur über eine Gemeinde verfügte, die er unmittelbar betreute. Es gibt keine Beweise dafür, dass Apostel Autorität über Gemeinden beanspruchen konnten, die sie nicht gegründet oder in denen sie keinen Leitungsdienst ausgeübt hatten. Die einzige denkbare Autorität auf dieser Ebene waren die ursprünglichen 12, die (offensichtlich) in der Jerusalemer Gemeinde waren und die (ebenfalls offensichtlich) als ursprüngliche Jünger Jesu einen höheren Status hatten. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass andere, die von den ursprünglichen 12 in Jerusalem ernannt wurden, Autorität über die von Paulus gegründeten Gemeinden hatten. Man kann sich nicht auf den Jerusalemer Rat berufen, da die ursprünglichen 12 Apostel, die noch am Leben waren, in dieser Kirche waren. Sie hatten diese Autorität. Möglicherweise hatte auch Jakobus diese Autorität, da er der Blutsbruder von Jesus war. Was sie dachten, hätte natürlich eine enorme Autorität gehabt. Aber nach diesen Personen – deren Status einzigartig war, weil sie den Jesus vor der Kreuzigung kannten – war die Autorität aller anderen von anderer Natur.

    Eine oft vernachlässigte Beobachtung unterstreicht diesen Gedanken der „Nicht-Autorität“. Die Gemeinden im Buch der Offenbarung wurden nicht von den ursprünglichen 12 gegründet. In der Heiligen Schrift wird nicht gesagt, wer diese Gemeinden gegründet hat. Der Apostel Johannes wurde von Jesus auserwählt, an diese Gemeinden zu schreiben, aber die Autoritätsgrundlage für das, was er ihnen schrieb, war der auferstandene Jesus. Anders als Paulus, der sich an die von ihm gegründeten Gemeinden wendet, beansprucht Johannes nie die Autorität über diese Gemeinden und beruft sich auch nicht auf die Apostel in Jerusalem oder irgendjemand anderen für ihre Leitung. Die Autorität liegt bei dem Herrn und bei niemandem sonst.

    Der neutestamentliche Gebrauch des Begriffs deutet keineswegs darauf hin, dass ein Apostel lediglich die Aufsicht über die Gemeinden ausübt – und wenig mit Evangelisation, Jüngerschaft, Lehre usw. zu tun hat. Apostel waren keine leitenden Vizepräsidenten. Sie waren keine Weisen aus der Ferne, die die Arbeit vor Ort aus der Ferne beobachteten. Sie taten die Arbeit des Dienstes und zeigten anderen, wie sie den Missionsbefehl durch ihr Beispiel erfüllen können.

    Diese wenigen Gedanken sind wichtig im Hinblick auf die modernen apostolischen Ansprüche auf regionale Autorität. Dieser Gedanke kommt im Neuen Testament nicht vor. Man kann sich in dieser Hinsicht nicht auf Epheser 4 berufen und im Lichte der vorangegangenen Diskussion sollte klar sein, warum:

    11 Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten. Er gab Evangelisten, Hirten und Lehrer, 12 damit sie die, die Gott geheiligt hat, zum Dienst ausrüsten und so der Leib des Christus aufgebaut wird 13 mit dem Ziel, dass wir alle die Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes erreichen; dass wir zu mündigen Christen heranreifen und in die ganze Fülle hineinwachsen, die Christus in sich trägt. 14 Dann sind wir keine unmündigen Kinder mehr, die sich vom Wind aller möglichen Lehren umtreiben lassen und wie Wellen hin- und hergeworfen werden. Dann fallen wir nicht mehr auf das falsche Spiel von Menschen herein, die andere hinterlistig in die Irre führen. 15 Lasst uns also in Liebe wahrhaftig sein und in jeder Hinsicht zu Christus hinwachsen, unserem Haupt. 16 Von ihm her wird nämlich der ganze Leib zusammengefügt und durch verbindende Glieder zusammengehalten. Das geschieht in der Kraft, die jedem der einzelnen Teile zugemessen ist. So bewirkt Christus das Wachstum seines Leibes: Er baut sich auf durch Liebe.

    Epheser 4:11-16

    Der Text sagt, dass Gottes Plan war, der jungen Kirche „Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer“ zu geben. Das hat er getan. Er gab der Jerusalemer Urgemeinde Apostel. Er berief Paulus als Apostel für die Heiden. Andere Apostel (Missionare – wir reden hier über die Gründung von Gemeinden in heidnischem Gebiet) wurden beauftragt (gesandt), um Paulus zu helfen (Barnabas, Silas, usw.).

    Ich will damit sagen: Es ist eine Sache, wenn Gläubige heute den Begriff „Apostel“ aus diesem Abschnitt verwenden, wenn sie damit Missionare meinen, die Gemeinden gründen oder die ihre Gemeinde gegründet haben. Sie haben an diesen Stellen rechtmäßige Autorität. Aber es ist etwas ganz anderes, diesen Begriff aus Eph 4,11 zu nehmen und Autorität über Gemeinden in einer Stadt, einem Bezirk, einem Bundesland oder einer größeren Region zu beanspruchen. Jedes Amt in Eph 4,11ff. kann (und hat) auf der Ebene der Ortsgemeinde funktionieren. Es gibt keinen Grund, etwas anderes in diesen Abschnitt hineinzulesen. Paulus begann das Kapitel mit einer Ansprache an die Gläubigen in Ephesus („ihr“; Eph 4,1). Wir haben keinen Grund zu der Annahme, dass Paulus ab V. 11 von der Weltkirche spricht, als ob Jesus regionale oder weltweite Apostel über kollektive Gruppen von Ortsgemeinden ernennen würde. Epheser 4 hat jede Ortsgemeinde und ihre eigene Leitung im Blick. Es geht nicht darum, eine kleine, elitäre Gruppe zu ernennen, die die Autorität über viele Gemeinden ausübt. Und schon gar nicht wird eine apostolische Sukzession suggeriert (als ob „Apostel“ außerhalb der 12 das Amt von den 12 erben würden). Es ist inkohärent, anzunehmen, dass alles andere in der Epistel, das Paulus den Lesern glauben machen will, zuerst eine religiöse Oligarchie im Sinn hatte und erst in zweiter Linie einzelne Ortsgemeinden. Epheser 4,11-16 ist an eine Ortsgemeinde geschrieben und richtet sich an Ortsgemeinden überall als Ortsgemeinden.

    Wenn du also jemanden triffst, dessen Titel „Apostel“ lautet, kannst du ihn fragen, was er meint. Wenn sie Leiter einer Ortsgemeinde sind, die sie gegründet haben oder mit der sie zur Arbeit ausgesandt wurden, ist der Titel nicht unberechtigt. Allerdings kann der Titel in der heutigen Zeit aufgrund von Missverständnissen oder Missbrauch zu Verwirrung führen. Wir müssen daher vorsichtig mit dem Titel umgehen.


    1. Bock merkt an, dass diese Passage aufgrund von Johannes 20 Aufmerksamkeit erregt hat. Er schreibt: „Als sie in Jerusalem ankommen, finden sie die Elf versammelt (ἀθροίζω, athroizō). . . . Der Hinweis auf die Elf, ein Sammelbegriff für die übrigen Apostel, wirft die Frage auf, in welchem Verhältnis Lukas zu Johannes 20,19-29 steht. Wenn alle Elf bei der von Lukas erwähnten Versammlung waren, warum wurde Thomas dann erst eine Woche später überzeugt (Johannes 20,24-29)? Johannes deutet an, dass Thomas nicht bei der ersten Versammlung war. Der nun entlarvte Judas ist aus Gründen, die in Apostelgeschichte 1,15-26 deutlich werden, nicht anwesend.“ Darrell L. Bock, Lukas: 9,51-24,53 (Bd. 2; Baker Exegetical Commentary on the New Testament; Grand Rapids, MI: Baker Academic, 1996), 1921. ↩︎
    2. William Arndt, Frederick W. Danker, and Walter Bauer, A Greek-English Lexicon of the New Testament and Other Early Christian Literature (=BDAG; Chicago: University of Chicago Press, 2000), 120.  ↩︎
    3. BDAG, 122. ↩︎
    4. Paul J. Achtemeier, Harper & Row and Society of Biblical Literature, Harper’s Bible Dictionary (San Francisco: Harper & Row, 1985), 951. ↩︎
  • Sollten wir uns ‚Brüder Christi‘ nennen (lassen)?

    Sollten wir uns ‚Brüder Christi‘ nennen (lassen)?

    Von Christian


    Im Mai 2023 hatte ich einen Artikel und ein Video veröffentlicht mit dem Thema Sollen wir uns Christen oder Gesalbte nennen (lassen)? Darin habe ich anhand der Bibel gezeigt, dass die Jünger Jesu zuerst von anderen als Christen bezeichnet wurden und diese Bezeichnung erst später selbst für sich übernahmen. Wir finden in der Bibel meist andere Bezeichnungen wie der Weg oder die Jünger und vor allem Brüder. Und auch wenn diese den heiligen Geist erhielten, haben sie sich im Neuen Testament niemals selbst als Gesalbte bezeichnet. Wohl aus Respekt vor dem Christus, dem Messias – Dem Gesalbten.

    In einigen Kommantaren hieß es in etwa, dass wenn doch in der Bibel von einer Salbung gesprochen wird, die Personen dann doch eben genau das sind: Gesalbte. Das kann natürlich jeder gemäß seinem Gewissen halten wie er will. Doch diejenigen, welche die Schriften des neuen Testaments geschrieben und später kopiert haben, haben es nicht getan. Zumindest nicht in den uns überkommenen Schriften.

    In diesem Zusammenhang fiel mir auch auf, dass manche ganz selbstverständlich Jesus als ihren Bruder bezeichnen. Aber sollten wir Jesus als unseren Bruder bezeichnen? Und sollten wir uns umgekehrt ‚Brüder Christi‘ nennen und und als solche ansprechen lassen?

    „Also Christian, jetzt halt mal die Luft an! Das steht doch in der Bibel“. Gut, dass du nicht einfach alles so glaubst! Also schauen wir jetzt in der Bibel nach. Denn unsere Einstellung sollte ja nicht auf Gefühlen, einer Tradition, unserer Überlegung oder unserem Wunsch beruhen, sondern auf der Bibel. Zumindest, wenn wir die Bibel als Grundlage unseres Glauben betrachten.

    Gut, dann lesen wir also Matthäus 12:48-50:

    Er aber antwortete und sprach zu dem, der es ihm sagte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er streckte seine Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, meine Mutter und meine Brüder! Denn wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

    Matthäus 12:48-50 Elberfelder

    „Also damit ist doch alles klar. Da spricht doch Jesus von seinen geistigen Brüdern.“ Nun, wird da wirklich ausgesagt, dass Jesus unser Bruder ist? Zuerst einmal der Kontext. In Vers 47 steht: „‚Deine Mutter und deine Brüder sind draußen und fragen nach dir.‘, sagte ihm einer.“ In Jesu Aussage bezieht er sich also auf seine leiblichen Verwandten, nämlich Mutter und Brüder und bezieht das dann auf diejenigen, die durch ihr Handeln entsprechend mit ihm geistlich verwandt sind. Doch genau genommen kann man ja nicht behaupten, dass dieser Text zeigt, dass wir Brüder Jesu sind. Denn es werden auch Schwestern genannt. Das ginge ja noch. Doch, sind wir dann auch Jesu Mutter? Wohl kaum. Wer könnte schon von sich behaupten, Jesus geistliche Mutter zu sein. Das funktioniert also nur, wenn man den Text ziemlich wörtlich nimmt, den Vergleich ignoriert und dazu gleich noch einen Teil des Textes mit ignoriert.

    Gut, dann gibt es noch das Gleichnis Jesu über die Schafe und Ziegen:

    Und der König wird ihnen zur Antwort geben: Amen, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

    Matthäus 25:40 Züricher

    Da spricht Jesus im Gleichnis eigentlich von den Brüdern des Königs, welcher nach Vers 31 der ‚Menschensohn‘ ist. Da gäbe es also eine Verbindung, wenn wir das so interpretieren, dass Jesus ‚der Menschensohn‘ sein wird. In Vers 45 werden sie allerdings nur ‚diese Geringsten‘ genannt. Leider wird dieses Gleichnis nicht in den anderen synoptischen Evangelien Lukas und Markus erwähnt. Und das Matthäus Evangelium ist das am schlechtesten überlieferte. Ich weiß, das hört mancher nicht gerne. Ist aber so. Auf jeden Fall finden wir es nur in Matthäus und sonst nicht. Das schwächt dieses Argument schon. Aber merken wir uns diesen Text.

    Doch da gibt es ja noch diesen Text:

    „Fass mich nicht länger an!“, sagte Jesus da zu ihr. „Ich bin noch nicht zum Vater im Himmel zurückgekehrt. Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen von mir: Ich kehre zurück zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“

    Johannes 20:17 Neue Evangelistische Übersetzung

    Ok. Das ist mal ein direkter Bezug. Jetzt bin ich aber mal ganz kritisch und merke an, dass dies erst sehr spät um 100 n. Chr. geschrieben wurde. Und die synoptischen Evanglien davon überhaupt nichts sagen. Aber merken wir uns auch diesen Text. Jetzt haben wir schon immerhin zwei.

    Interessant ist jedoch, was Jesus selbst sagt:

    Ihr aber, lasst ihr euch nicht Rabbi nennen! Denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder.

    Matthäus 23:8 Elberfelder

    Jesus sagt hier nicht, dass wir alle Brüder sind. Er ist ihr Lehrer. „Ihr alle aber seid Brüder.“

    Haben denn die Apostel ihn nicht als Bruder angesehen und ihn so angesprochen? Wie haben denn die Apostel Jesus angesprochen?

    Dann trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, …

    Matthäus 18:21 Elberfelder

    Hat sich das nach Jesu Auferstehung geändert?

    Da sagte der Jünger, den Jesus besonders lieb hatte, zu Petrus: „Es ist der Herr!“ …

    Johannes 21:7 Neue Evangelistische Übersetzung

    Sie nun, als sie zusammengekommen waren, fragten ihn und sagten: Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Reich wieder her?

    Apostelgeschichte 1:6 Elberfelder

    Ich habe einmal nach Versen gesucht, in denen Jesus als Herr angesprochen wird. Alleine in den Evangelien sind es so etwa 50 Verse. Dass er als Bruder angesprochen oder bezeichnet wird, habe ich nicht gefunden.

    Jesu Aussage nach der Fußwaschung fasst es zusammen:

    Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt recht, denn ich bin es.

    Johannes 13:13 Elberfelder

    Und wie nennt Jesus sein Jünger?

    Ich nenne euch nicht mehr Sklaven, denn der Sklave weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört, euch kundgetan habe.

    Johannes 15:15 Elberfelder

    Wäre das nicht die Gelegenheit gewesen, sie seine Brüder zu nennen? Insbesondere, wo Jesus nach seiner Auferstehung gemäß Johannes 20:17 Maria beauftragt, zu ‚seinen Brüdern’ zu gehen. Da könnten allerdings auch seinen leiblichen Brüder gemeint sein. Sind sie wohl aber nicht, denn der nächste Vers, Vers 18, spricht von den Jüngern. Es bleibt aber schon irgendwie merkwürdig, dass diese Bezeichnung in den ersten 19 Kapiteln des Johannes Evangeliums nicht auftaucht, nicht einmal da, wo man es erwarten müsste, und dann nur einmal gegenüber Maria.

    Aber vielleicht ist das ja ein Wendepunkt. Wie sprechen die Jünger später über Jesus?

    Hananias aber ging hin und kam in das Haus; und er legte ihm die Hände auf und sprach: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus – der dir erschienen ist auf dem Weg, den du kamst –, damit du wieder sehend und mit Heiligem Geist erfüllt wirst.

    Apostelgeschichte 9:17 Elberfelder

    Ich ermahne euch aber, Brüder, durch unseren Herrn Jesus Christus und durch die Liebe des Geistes, mit mir zu kämpfen in den Gebeten für mich zu Gott, …

    Römer 15:30 Elberfelder

    Wäre das nicht eine gute Gelegenheit gewesen, zu sagen: Ich ermahne euch aber, Brüder, durch unseren Bruder Jesus Christus … Steht aber nicht so in der Bibel. Sondern wieder: Herr Jesus Christus.

    Oder auch insbesondere beim Abschluß eines Briefes wäre es eine schöne Schlußformel gewesen:

    Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist, Brüder!

    Galater 6:18 Elberfelder

    Wieder der „Herr Jesus Christus“ im Gegensatz zu den Brüdern. Und das findet sich viele Male im Neuen Testament auch außerhalb der Evangelien. Paulus sagt:

    Ich ermahne euch aber, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle einmütig redet ..

    1. Korinther 1:10 Elberfelder

    Täglich sterbe ich, so wahr ihr mein Ruhm seid, Brüder, den ich in Christus Jesus, unserem Herrn, habe.

    1. Korinther 15:31 Züricher

    Oft wird ein Gedanke so eingeleitet:

    Wir gebieten euch aber, Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, ..

    2. Thessalonicher 3:6 Elberfelder

    Interessant ist auch Offenbarung 12:10

    Und ich hörte eine laute Stimme im Himmel sagen: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes und die Macht seines Christus gekommen; denn ⟨hinab⟩geworfen ist der Verkläger unserer Brüder, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagte.

    Offenbarung 12:10 Elberfelder

    Auch hier hätte von den Brüdern Christi gesprochen werden können: ’seines Christus …; seiner Brüder …‘. Aber es sind ‚unsere Brüder‘, wie die laute Stimme im Himmel sagt. Schließt das den Christus mit ein? Vielleicht. Aber wen noch? Gott wird auch erwähnt, aber Gottes Brüder sind sie wohl nicht …

    Es finden sich im Neuen Testament nur ganz wenige Textstellen, die von Brüdern sprechen:

    Denn er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden, stammen alle aus Einem; darum schämt er sich nicht, sie Brüder zu nennen und zu sagen: Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, / inmitten der Gemeinde dich preisen;

    Hebräer 2:11,12 Einheitsübersetzung 2016

    Alles klar, oder? Nun, hier wird Psalm 22:23 nach der Septuaginta zitiert. Lesen wir mal im Kontext weiter:

    Denn er nimmt sich keineswegs der Engel an, sondern der Nachkommen Abrahams nimmt er sich an. Darum musste er in allem seinen Brüdern gleich sein, um ein barmherziger und treuer Hohepriester vor Gott zu sein und die Sünden des Volkes zu sühnen.

    Hebräer 2:16,17

    Oha. Das ist ja ein Bezug auf ‚Brüder‘ Christi, welche die jüdischen Nachkommen Abrahams sind. Was ja auch zum zitierten Psalm 22 passt. Das wird zwar gerne verwendet, um auf die ‚geistigen Brüder Christi‘ hinzuweisen. Entspricht aber nicht der Aussage des Textes.

    Tatsächlich findet sich im Neuen Testament kein Vers, in dem von einem geistigen Bruder Christi oder den geistigen ‚Brüdern Christ‘ mit genau diesen Worten gesprochen wird. Doch an weit über einhundert Stellen wird er Herr genannt. Das hättest du vielleicht nicht erwartet. Von Brüdern Jesu wird nur wenige mal gesprochen und das sind seine leiblichen Verwandten (z.B. Johannes 7:1-10) oder Israeliten (Hebräer 2:11-17). Jetzt wird vermutlich auch der Hintergrund des Titels dieses Artikels langsam klar: Sollten wir uns dann Brüder Christi nennen? Nun, im Text des Neuen Testaments finden wir das als Bezeichnung für seine Nachfolger nicht. Und sie haben ihn gemäß dem Text auch nicht als Bruder angesprochen.

    Die Bezeichnung ‚Brüder Christi‘ oder ‚Bruder Christi‘ findet sich nicht im Text des Neuen Testaments.

    Denken wir daran, dass der Ausdruck ‚Brüder Christi‘ die lateinische Form des Genitivs verwendet. Wir könnten auch von ‚Brüder des Christus‘ sprechen. Das finden wir nicht im Neuen Testament. Wir finden aber diesen Ausdruck:

    Paulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder, den heiligen und gläubigen Brüdern in Christus zu Kolossä: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater.

    Kolosser 1:1,2 Schlachter 2000

     Grüsst alle Heiligen in Christus Jesus. Es grüssen euch die Brüder und Schwestern, die bei mir sind.

    Philipper 4:21 Züricher

    Das ist allerdings ein ganz anderer Gedanke und betont die Gemeinschaft von Brüdern und Schwester, weil sie alle mit Christus verbunden sind. Deswegen übersetzt die Neue Evangelistische Übersetzung Kolosser 1:2 so:

    An die heiligen und treuen Geschwister in Kolossä, die mit Christus verbunden sind. Wir wünschen euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater.

    Kolosser 1:2 Neue Evangelistische Übersetzung

    Halten wir also fest:

    Die Bezeichnung ‚Brüder Christi‘, oder ‚Brüder des Christus‘, ‚Bruder Christi‘ oder ‚Bruder des Christus‘ findet sich nicht im Text des Neuen Testaments.
    Was wir finden ist Brüder in Christus.

    Besonders Zeugen Jehovas dürften nun überrascht sein. Warum? Das zeigt das Ergebnis einer Suche in der Online-Bibliothek der Wachtturm-Gesellschaft nach dem Begriff ‚Brüder Christi‘:

    ‚Brüder Christi‘ findet man nirgends im Text der Bibel der Zeugen Jehovas (Neue-Welt-Übersetzung).

    In den Veröffentlichungen der Zeugen Jehovas findet man hingegen ‚Brüder Christi‘ 189 mal, ‚Christi Brüder‘ 36 mal, Brüder und Christi im selben Absatz 731 mal, Brüder und Jesus im selben Absatz 865 mal.

    Das beweist einmal mehr, wie wichtig der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas die Unterscheidung zwischen der privilegierten Klasse der ‚Gesalbten‘ (siehe dazu den Artikel Sollten wir uns Christen oder Gesalbte nennen (lassen)? ), die viele hunderte von Malen als ‚Christi Brüder‘ bezeichnet werden, und den ‚anderen Schafen‘ ist. Im Wachtturm vom April 2020, Studienartikel 17 Ich habe euch Freunde genannt wird daher in Absatz 12 betont, dass die ‚Freunde Jesu‘ dies beachten müssen: „Jesus betrachtet das, was wir für seine gesalbten Brüder tun, so, als würden wir es für ihn tun.“ Die allermeisten Zeugen Jehovas sind nur ‚Freunde Jesu‘ und keine ‚Brüder Jesu‘, was in diesem Artikel mit dem Leittext Johannes 15:15 begründet wird – obwohl Jesus das doch zu wem gesagt hat? Genau, den Aposteln! Die doch im Wachtturm ständig als ‚Brüder Christi‘ bezeichnet werden! Ist dieser logische Fehler denn gar keinem aufgefallen?

    Im Wachtturm 2012 15.3. S. 20 Abs. 2 wird die Bedeutung dieser ‚Brüder Christi‘ für die allermeisten Zeugen Jehovas auch ganz klar gemacht:

    Ihre Rettung hängt davon ab, die gesalbten „Brüder“ Christi hier auf der Erde tatkräftig zu unterstützen — dessen müssen sie sich immer bewusst sein (Mat. 25:34-40). 

    Wachtturm 2012 15.3. S. 20 Abs. 2

    Warum auch immer in diesem Wachtturm hier das Wort „Brüder“ in Anführungszeichen gesetzt wurde – vielleicht war ja doch jemandem beim Schreiben oder Korrigieren aufgefallen, dass in den angegebenen Versen in Matthäus 25 Jesus nicht in Verbindung mit den Brüdern genannt wird. Dadurch wird das Zitat recht kurz und besteht wohl nur aus dem Wort „Brüder“. Dieser Verweis auf Matthäus 25:34-40 ist neben Hebräer 2:11,12 übrigens der einzige, wenn auf die ‚Brüder Christi‘ hingewiesen wird. Uns fällt hingegen auf, dass in diesem Satz im Wachtturm, in dem die Autorität hervorgehoben werden soll, gleich beide Titel kombiniert werden: Die Gesalbten und die Brüder Christi. Beides Ehrentitel, welche im Neuen Testament von den Jüngern nie für sich verwendet werden.

    Zurück zur Bibel selbst. Die Situation ist schon paradox. Jesus wird als Sohn Gottes bezeichnet, zum Beispiel hier:

     Und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

    Markus 1:11 Züricher

    Jesu Jünger werden auch oft als Söhne oder Kinder Gottes bezeichnet:

    Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.

    Römer 8:14 Elberfelder

    Die ihn aber aufnahmen, denen gab er Vollmacht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, …

    Johannes 1:12 Züricher

    Der Geist selber bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.

    Römer 8:16 Einheitsübersetzung 2016

    Aber die Jünger Jesu sprechen den Sohn Gottes, Jesus Christus, den Messias, den Gesalbten, in ihren Schriften nie als Bruder an. Es gibt nur drei Stellen, in denen ein Bezug überhaupt zu finden ist: Matthäus 25 ist ein Gleichnis Jesu und es wird an einer Stelle von den Brüdern des Menschensohns gesprochen. Hebräer 2, wo der Kontext zeigt, dass mit Brüder die Juden als Nachkommen Abrahams gemeint sind. Und Johannes 21:17, wo Jesus den Begriff Brüder gegenüber Maria verwendet. Dahingegen wird Jesus in weit über 100 Stellen als Herr bezeichnet. Das ist schon merkwürdig, nicht wahr? Warum wird er nicht als Bruder seiner Jünger bezeichnet?

    Glaubst du, dass die Bibel von Gott inspiriert ist? Dann hat Gott also dafür gesorgt, dass in den uns überkommenen Büchern des Neuen Testaments Jesus Christus nicht als Bruder, sondern als Lehrer oder Herr angesprochen wird. Wenn Gott das so wollte, sollten wir dann Jesus Christus einfach so als unseren Bruder ansprechen? Oder uns als seinen Bruder oder Brüder bezeichnen?

    Bin ich jetzt einfach nur pingelig? Nun, auch in diesem Fall musst du gemäß deinem Gewissen entscheiden. Uns sollte allerdings klar sein, dass wir dann etwas tun, das keine direkte biblische Grundlage hat. Und die Apostel und Jünger zogen es vor, in den Schriften des Neuen Testaments Jesus mit Herr und nicht mit Bruder anzusprechen. Und wenn wir an die Verbalinspiration glauben, hat Gott es nicht gewollt, dass Jesus so angesprochen wird. Könnte es sein, dass wir aus einem Wunsch oder unbewussten Gründen etwas in die Bibel hineinlegen (Eisegese) anstatt die Bibel selbst sprechen zu lassen (Exegese)? Zumindest sollten wir uns bewußt sein, dass wir im Text des Neuen Testaments kein Vorbild finden, in dem Jesus als Bruder angesprochen wird.

    Doch welchen Grund könnte es geben, dass Jesus zwar als Sohn Gottes bezeichnet wird und seine Jünger als Söhne oder Kinder Gottes bezeichnet werden, aber Jesus von diesen im Neuen Testament nicht als Bruder angesprochen wird, sondern als Herr (kyrios)?

    Vielleicht kennst du ja eine gute Begründung. Ich würde mich freuen, sie zu hören. Ich persönlich gehen davon aus, dass sie dies auch aus Respekt und echter Demut taten. Nehmen wir einmal die leiblichen Brüder und Schwestern Jesu. Stell dir vor, du bist bei den Jüngern Jesu und dann kommt einer der leiblichen Brüder oder Schwestern oder Maria, die Mutter, dazu. Und sie würden dezent, aber immer wieder, sagen: „Also Jesus, mein Sohn, hat gesagt …“ Oder „Mein Bruder Jesus hat doch gelehrt …“. Auch wenn es stimmt, würden wir uns doch fragen: „Ist doch klar. Warum erwähnt sie oder er das dauernd? Doch nur, um sich hervorzuheben. Nur um die eigene Bedeutung durch diese Verwandtschaft zu betonen.“ Nun, das ist reine Spekulation. Aber es könnte erklären, warum wir das im uns erhaltenen Text nicht finden. Kannst du dir einen Paulus vorstellen, der sich bei allem Selbstbewusstsein als der niedrigste der Apostel, als Fehlgeburt bezeichnete, sich dann aber als ‚geistiger Bruder Christi‘ vorgestellt und damit angegeben hätte? Ok, ab und zu hat er gesagt, dass er das Evangelium direkt von Jesus empfangen hat und trat recht selbstbewußt auf. Aber sich als ‚Bruder Christi‘ anpreisen? Fehlanzeige.

    Ganz im Gegensatz dazu erinnere ich mich – und wir haben das in einigen Zitaten in diesem Artikel auch gelesen – mit welchem Selbstbewusstsein Glieder der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas sich als ‚Gesalbte‘ bezeichnen und als ‚Brüder Christi‘ Gehorsam verlangen. Ich erinnere mich, wie im Broadcasting der Zeugen Jehovas Gerrit Lösch als Glied der Leitenden Köprerschaft der Zeugen Jehovas davon schwärmte, wie sie von Herrlichkeit zu Herrlichkeit immer herrlicher werden. Oder wie andere ausführten, welche wichtige Rolle sie in Harmagedon und für das Leben aller spielen werden. Und welche Freude es sein wird, das zu tun – was einschließt, Milliarden von Menschen nach der Lehre der Leitenden Körperschaft in Harmagedon zu vernichten. Und dass sie bei all dem ‚Den Gesalbten‘, Jesus, das Haupt der Versammlung, der über Alles gesetzt wurde, in den Hintergrund gedrängt haben.

    Welchem Vorbild willst du folgen?

    Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt recht, denn ich bin es.

    Johannes 13:13 Elberfelder