Kategorie: Jehovas Zeugen

Analyse einiger Lehren und Richtlinien der Zeugen Jehovas

  • Sollten wir uns Christen oder Gesalbte nennen (lassen)?

    Sollten wir uns Christen oder Gesalbte nennen (lassen)?

    Von Christian


    Sollten wir uns selbst Christen nennen oder so nennen lassen? Vielleicht hälst du eine Antwort für ganz offensichtlich. Doch es gibt einige gute Gründe, darüber nachzudenken.

    Um einen der Gründe zu erklären, ist jetzt wohl der richtige Zeitpunkt, zu erklären, dass ich mich mittlerweile als Muslim fühle.

    Bei vielen Lesern kann ich mir jetzt von Erstaunen bis Entsetzen alles vorstellen. Dabei wollte ich doch nur sagen, dass ich mich als solch eine Person fühle: „Der sich (Gott) Ergebende“ (siehe Wikipedia Artikel). Wenn Menschen in christlich geprägten westlichen Ländern aber hören, dass jemand ein Muslium ist, verbinden sie automatisch eine Reihe von Dingen damit. Mit einem Begriff ist schnell eine Art ‚Schublade‘ verbunden.

    Wir dürfen daher nicht vergessen, dass Milliarden von Menschen bei den Worten Christ oder Christen an die Religion und dann an Kreuzzüge gegen Muslime, Inquisition, Glaubenskriege in Europa, Kolonialismus, den Ausbruch zweier Weltkriege und die Trinität denken. Mit dem Begriff ‚Christ‘ kauft man sozusagen das ganze Paket.

    Ein anderes Extrem wäre, nur aufgrund der Bezeichnung ‚Christ‘ sich gleich schlecht zu fühlen: Denn wer von uns war schon auf einem der Kreuzzüge. Und die meisten dürften selbst zur Zeit der Weltkriege noch nicht einmal geboren gewesen sein. Und nicht jeder glaubt an eine kirchliche Definition der Trinität.

    Ich denke, eines ist aber klar geworden: Wenn man sich Christ nennt, wäre es gut zu wissen, was das bedeutet und welchen Ursprung die Bezeichnung ‚Christ‘ hat. Welche historische und vor allem biblische Grundlage hat diese Bezeichnung? Wie wir sehen werden, trifft dies noch mehr auf die Bezeichnung ‚Gesalbte‘ zu.

    Der erste Hinweis

    Zum ersten Mal taucht der Begriff ‚Christen‘ in Apostelgeschichte 11:26 auf.

    „und als er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochia. Es geschah ihnen aber, dass sie ein ganzes Jahr in der Gemeinde[o. Versammlung] zusammenkamen und eine zahlreiche Menge lehrten und dass die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden.“

    (Apostelgeschichte 11:26 Elberfelder)

    Damit scheint die Frage beantwortet zu sein. Zumindest könnte man sich aber fragen, wer denn die Jünger ‚Christen‘ genannt hatte. Denn gemäß dieser Übersetzung ist die Formulierung im Passiv: Nicht sie selbst gaben sich den Namen, sondern andere nannten sie so. Und was wollten diese mit der Bezeichnung ausdrücken? Was bedeutet im Urtext denn ‚Christen‘?

    Noch spannender wird dieser Text jedoch, wenn jemand die Übersetzung der Zeugen Jehovas liest:

    „So kam es, daß sie ein ganzes Jahr lang mit ihnen in der Versammlung zusammenkamen und eine beträchtliche Volksmenge lehrten, und es war zuerst in Antiọchia, daß die Jünger durch göttliche Vorsehung Christen* genannt* wurden.“ (NWÜ)

    „Sie kamen ein ganzes Jahr lang mit der Versammlung zusammen und lehrten eine ziemlich große Menschenmenge. In Antiọchia war es auch, dass die Jünger durch göttliche Vorsehung erstmals Christen genannt wurden.“ (NWÜ 2018)

    (NWÜ 1986, NWÜ 2018)

    Der Hinweis auf eine ‚göttliche Vorsehung‘ erscheint außer in der Neue-Welt-Übersetzung, der 2001 Translation und Young’s Literal Translation in keiner der etwa 40 von mir überprüften Übersetzungen. Gibt es einen Grund dafür, dass Jehovas Zeugen hier von göttlicher Vorsehung sprechen? Es gibt eine Begründung aufgrund des verwendeten griechischen Wortes. Dazu kommen wir noch. Tatsächlich wurde diese Formulierung aber auch so gewählt und als Begründung verwendet, dass Jehova im 20. Jahrhundert auch durch ‚göttliche Vorsehung‘ dann den Namen Jehovas Zeugen für ‚sein Volk‘ ausgewählt hat. Mehr dazu findet sich im Artikel „Apostelgeschichte 11:26 Durch ‚göttliche Vorsehung‘ Christen genannt?.

    Aber lassen wird doch ganz im Sinne der Exegese oder des lutherischen sola scriptura (“allein durch die Schrift“) nun die Bibel selbst sprechen.

    Exegese

    Die Bedeutung des Wortes ‚genannt‘ χρηματίσαι (chrēmatisai)

    Strong’s Lexikon gibt diese Bedeutung für χρηματίσαι (chrēmatisai) an:

    Von chrema; ein Orakel aussprechen, d.h. eine göttliche Andeutung machen; im Umkehrschluss eine Firma für Geschäfte gründen, d.h. einen Titel tragen. Verwendung „Geschäfte abwickeln, Antworten geben“ Und als Verwendung: „(ursprünglich: Ich mache Geschäfte), (eine) Aktion von Gott: Ich warne; passieren: Ich werde von Gott gewarnt (wahrscheinlich als Antwort auf eine Anfrage nach der eigenen Pflicht), (b) (ich nehme einen Namen von meinem öffentlichen Geschäft an, also) ich bekomme einen Namen, werde öffentlich genannt.“

    Strong’s Greek 5537

    Thayer’s Greek Lexicon beschreibt diese drei Arten der Verwendung:

    1. “Geschäfte abwickeln, insbesondere öffentliche Angelegenheiten regeln; jemanden in öffentlichen Angelegenheiten beraten oder konsultieren; denen antworten, die um Rat fragen, Anfragen oder Bitten vorbringen” usw.; wird von Richtern, Magistraten, Herrschern und Königen verwendet. So heißt es in einigen späteren griechischen Schriften,

    2. denjenigen, die ein Orakel befragen, eine Antwort geben (Diodorus 3, 6; 15, 10; Plutarch, mor, S. 435 c. (d. h. de defect. oracc. 46); mehrmals bei Lukian); daher wird es von Gott in Josephus, Antiquities 5, 1, 14; 10, 1, 3; 11, 8, 4 verwendet; allgemein (ohne Bezug auf eine vorherige Konsultation), um einen göttlichen Befehl oder eine Ermahnung zu geben, um vom Himmel zu lehren ((Jeremia 32:16 ())): mit einem Dativ der Person Hiob 40:3; Passiv gefolgt von einem Infinitiv (A. V. offenbart usw.), Lukas 2:26 (χρηματίζειν λόγους πρός τινα, Jeremia 37:2 ()); Passiv, göttlich befohlen, ermahnt, belehrt werden (R. V. von Gott gewarnt), Matthäus 2,12.22; Apostelgeschichte 10,22; Hebräer 8,5; Hebräer 11,7 (diese passive Verwendung findet sich kaum anderswo, außer bei Josephus, Antiquities 3,8,8; (11,8,4); vgl. Buttmann, § 134, 4; (Winers Grammatik, § 39, 1 a.)); das Sprachrohr der göttlichen Offenbarungen zu sein, die Gebote Gottes zu verkünden, (τίνι, Jeremia 33:2 (); Jeremia 36:23 (): von Mose, Hebräer 12:25 (R. V. gewarnt).

    3. einen Namen aus dem öffentlichen Leben annehmen (Polybius, Diodorus, Plutarch und andere); allgemein: einen Namen oder Titel erhalten, genannt werden: Apostelgeschichte 11,26; Römer 7,3 (Josephus, Antiquities (8, 6, 2); 13, 11, 3; b. j. 2, 18, 7; (c. Apion. 2, 3, 1; Philo, quod deus immut. § 25 am Ende; leg. ad Gaium § 43); Ἀντίοχον τόν Ἐπιφανῆ χρηματίζοντα, Diodorus in Müllers Fragment vol. ii, S. 17, Nr. 21:4; Ἰάκωβον τόν χρηματισαντα ἀδελφόν τοῦ κυρίου, Acta Philippi am Anfang, S. 75; Tdf. Ausgabe; Ἰακώβου … ὅν καί ἀδελφόν τοῦ Χριστοῦ χρηματίσαι οἱ Θειοι λόγοι περιέχουσιν, Eus. h. e. 7, 19; (vgl. Sophokles’ Lexicon, unter dem Wort, 2)).

    Thayer’s Greek Lexicon

    Interessanterweise gibt es hier also zwei Schwerpunkte: Eine öffentliche Bezeichnung oder eine Antwort Gottes.

    Die Verwendung des Wortes ‚genannt‘ χρηματίσαι (chrēmatisai)

    Nachdem wir die Bedeutung des Wortes auch in anderer Literatur betrachtet haben, ist es wichtig, die Verwendung in der Bibel selbst zu betrachten.

    Das in Apostelgeschichte 11:26 verwendete Wort, wird 9 mal in der Bibel verwendet. Hier der Überblick. Die Übersetzung von χρηματίσαι (chrēmatisai) ist jeweils in Fettdruck wiedergegeben. Danach in Klammern [] die Wiedergabe in der Polyglot Internlinear Ausgabe.

    „Und da sie im Traum angewiesen [having been divinely warned]  wurden, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg zurück in ihr Land. “ (Matthäus 2:12 Schlachter 2000)

    „Und auf eine Anweisung [having been divinely warned] hin, die er im Traum erhielt, zog er weg in das Gebiet Galiläas.“ (Matthäus 2:22 Schlachter 2000)

    „Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden [divinely revealed], er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe..“ (Lukas 2:26 Einheitsübersetzung 2016)

    „Sie aber sprachen: Kornelius, der Hauptmann, ein gerechter und gottesfürchtiger Mann, der ein gutes Zeugnis hat bei dem ganzen Volk der Juden, hat von einem heiligen Engel die Weisung erhalten [was divinely instructed], dich in sein Haus holen zu lassen, um Worte von dir zu hören.“ (Apostelgeschichte 10:22 Schlachter 2000)

    „Er fand ihn und nahm ihn nach Antiochia mit. Dort wirkten sie miteinander ein volles Jahr in der Gemeinde und lehrten eine große Zahl von Menschen. In Antiochia nannte [Were called] man die Jünger zum ersten Mal Christen.“ (Apostelgeschichte 11:26 Einheitsübersetzung 2016)

    „So wird sie nun bei Lebzeiten des Mannes eine Ehebrecherin genannt [she will be called], wenn sie einem anderen Mann zu eigen wird; stirbt aber der Mann, so ist sie vom Gesetz frei, sodass sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie einem anderen Mann zu eigen wird“ (Römer 7:3 Schlachter 2000)

    „Diese dienen einem Abbild und Schatten des Himmlischen, gemäß der göttlichen Weisung [was divinely instructed], die Mose erhielt, als er die Stiftshütte anfertigen sollte: »Achte darauf«, heißt es nämlich, »dass du alles nach dem Vorbild machst, das dir auf dem Berg gezeigt worden ist!“ (Hebräer 8:5 Schlachter 2000)

    „Durch Glauben baute Noah, als er eine göttliche Weisung empfangen [having been divinely instructed] hatte über die Dinge, die man noch nicht sah, von Gottesfurcht bewegt eine Arche zur Rettung seines Hauses; durch ihn verurteilte er die Welt und wurde ein Erbe der Gerechtigkeit aufgrund des Glaubens. “ (Hebräer 11:7 Schlachter 2000)

    „Habt acht, dass ihr den nicht abweist, der redet! Denn wenn jene nicht entflohen sind, die den abgewiesen haben, der auf der Erde göttliche Weisungen verkündete [divinely instructing [them]], wie viel weniger wir, wenn wir uns von dem abwenden, der es vom Himmel herab tut!“ (Hebräer 12:25 Schlachter 2000)

    Von den 8 anderen Verwendungen des Wortes ist in Römer 7:3 nicht von göttlicher Vorsehung die Rede, in den anderen 7 findet sich eine göttliche Einwirkung, aber immer im direkten Kontext. Dies ist in Apostelgeschichte 11:26 jedoch nicht der Fall. Dazu kommt, dass es immer um eine göttliche Anweisung ging, nicht um eine Benennung. Diese Übersetzung ‚genannt‘ wird aber in Römer 7:3 verwendet, wo keine göttliche Einflußnahme zu erkennen ist.

    Es könnte also der Fall sein, dass Gott hier eine Rolle spielt, aber gesichert ist es nicht.

    Dr. Michael Heiser wies in einem Podcast darauf hin, dass im Griechischen im Satz „In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen“ eine grammatikalische Besonderheit vorkommt, welche die Übersetzung schwierig macht. Die meisten übersetzen daher mit dem Passiv. Die Fachleute für Griechisch diskutieren das, und es könnte eventuell auch übersetzt werden als: „In Antiochia nannten sich die Jünger zum ersten mal selbst Christen.” Was zeigt uns das?

    • Die Übersetzung der zweitausend Jahre alten Sprachen den Bibel ist schwierig und manchmal gibt es Unsicherheiten.
    • Die Jünger Jesu, welche bis dahin als ein Zweig der jüdischen Religion angesehen wurden, wurden so zahlreich, dass man sie von den anderen Juden unterscheiden wollte.

    Da wir die genau Bedeutung nicht sicher bestimmen können, wenden wir uns dem Begriff ‚Christen‘ selbst zu. Wenn Gott diese Bezeichnung tatsächlich veranlasst hätte, müsste der Name selbst ja eine besondere Bedeutung haben.

    Die Bedeutung des Wortes ‚Christen‘ Χριστιανούς (Christianous)

    Beginnen wir mit der Erklärung in Strong’s Lexikon zu Χριστιανούς:

    Ein Christ. Von Christos; ein Christ, d.h. ein Anhänger von Christus.

    Strong’s Greek 5546

    Und noch Thayer’s Lexikon:

    Χριστιανός (vgl. Lightfoot on Philip., S. 16 note), Χριστιανου, ὁ (Χριστός), ein Christ, ein Nachfolger Christi: Apostelgeschichte 11,26; Apostelgeschichte 26,28; 1. Petrus 4,16. Der Name wurde den Anbetern Jesu zuerst von den Heiden gegeben, aber ab dem zweiten Jahrhundert (Justin Martyr (z. B. Apologie 1, 4, S. 55 a.; Dialog contra Trypho, § 35; vgl. ‚Lehre etc. 12, 4 [ET])) von ihnen als Ehrentitel akzeptiert. CL Lipsius, Ueber Ursprung u. ältesten Gebrauch des Christennamens. 4to, S. 20, Jen. 1873. (CL Sophocles‘ Lexicon, unter dem Wort, 2; Farrar in Alex.’s Kitto, unter dem Wort; zu den ‚Titeln der Gläubigen im N. T.‘ siehe Westcott, Epistles of St. John, S. 125f; cf. Dict. of Chris. Antiqq., unter dem Wort ‚Faithful‘.)

    Thayer’s Greek Lexicon

    Gemäß den Lexika ist die Bedeutung der Bezeichnung in Apostelgeschichte 11:26 also ein ‚Anhänger von Christus‘. Und diese Bezeichnung wurde ihnen von den Heiden gegeben.

    Kann das wirklich so sein? Das wäre ja etwa so wie ‚Nazarener‘ oder ‚Russeliten‘!

    Also noch einmal Exegese – oder nach Luther sola scriptura …

    Die Verwendung des Wortes ‚Christen‘ Χριστιανούς (Christianous)

    Die Bedeutung des Wortes für ‚Christen‘ klingt also nicht unbedingt nach einer besonderen göttlichen Vorhersehung. Aber wenn das ein von Gott verwendeter Begriff für Jesu Nachfolger ist, dann sollten wir den doch auch häufig in der Bibel finden, oder? Wie oft kommt ‚Christen‘ Χριστιανούς (Christianous) in den christlichen Schriften der Bibel vor? Nicht gleich weiter lesen. Was würdest du sagen? Nun, hier ist das Ergebnis:

    „und als er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochia. Es fügte sich, dass sie ein ganzes Jahr lang zusammen in der Gemeinde wirkten und eine stattliche Zahl von Menschen lehrten. In Antiochia wurden die Jünger zum ersten Mal Christen genannt.“
    „Agrippa sagte zu Paulus: Wenig fehlt, und du bringst mich dazu, als Christ aufzutreten.[Andere Übersetzungsmöglichkeit: „…, den Christen zu spielen.“]“
    “Wenn er aber als Christ leiden muss, dann schäme er sich dessen nicht, sondern preise Gott mit diesem Namen.“

    (Apg 11:26; Apg 26:28; 1. Pe 4:16)

    Das sind tatsächlich alle Stellen! Inklusive Apg 11:26 gibt es nur ganze 3 Stellen in der gesamten Bibel! Verwendet ihn einer der Apostel oder anderen Autoren der Briefe als Bezeichnung für anderen Jünger Jesu? Nein. Ganz im Gegenteil. In Apg. 26:28 verwendet Agrippa diese Bezeichnung eher spöttisch. Und wie wird er im 1. Petrus Brief verwendet?

    Niemand von euch soll als Mörder, als Dieb oder als Bösewicht leiden müssen oder weil er ein Auge hat auf das, was dem Nächsten gehört. Wenn er aber als Christ leiden muss, dann schäme er sich dessen nicht, sondern preise Gott mit diesem Namen. Denn die Zeit ist gekommen, da das Gericht beginnt, und zwar beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, wie wird dann das Ende derer sein, die nicht auf das Evangelium Gottes hören?

    (1. Pe 4:15-17 Züricher)

    Im Kontext der Bezeichnung ‚Christ‘ wird hier also von Gericht gesprochen. Und das Leiden als Verbrecher dem als Christ gegenübergestellt. Sowohl in Apg 26:28 also auch 1. Pe 4:16 ist ‚Christ‘ eine offizielle Bezeichnung von Heiden, vielleicht sogar Bezeichnung für eine Gruppe, die zu verurteilen ist.

    Und nur um es noch einmal ganz klar zu machen:

    Wie oft sprach Jesus seine Nachfolger als ‚Christen‘ an?
    0 mal.
    Wie oft sprach Paulus andere als ‚Christen‘ in seinen Briefen an?
    0 mal.
    Wie oft sprachen Petrus und andere in ihren Briefen ihre geistigen Geschwister als ‚Christen‘ an?
    0 mal.
    Wie oft wird der Begriff in den christlichen Schriften überhaupt verwendet?
    3 mal.

    Erst viele Jahrzehnte nach Jesu Tod übernahmen die Nachfolger Jesu diesen Namen – so der Bericht der frühen ‚Kirchenväter‘. In der englischen Wikipedia findet man noch weitere Erklärungen dazu:

    „Kenneth Samuel Wuest ist der Meinung, dass alle drei ursprünglichen neutestamentlichen Verse ein spöttisches Element im Begriff “Christ” widerspiegeln, das sich auf Anhänger Christi bezieht, die den römischen Kaiser nicht anerkennen. Die Stadt Antiochia, in der man ihnen den Namen Christen gab, war dafür bekannt, solche Spitznamen zu erfinden. Doch Petrus’ offensichtliche Befürwortung des Begriffs führte dazu, dass er den “Nazarenern” vorgezogen wurde und der Begriff Christianoi aus dem 1. Petrusbrief zum Standardbegriff bei den frühen Kirchenvätern ab Ignatius und Polykarp wurde.
    Die frühesten Vorkommen des Begriffs in der nichtchristlichen Literatur sind Josephus, der sich auf “die Sippe der Christen, die nach ihm benannt wurde” bezieht, Plinius der Jüngere im Briefwechsel mit Trajan und Tacitus, der gegen Ende des 1. Jahrhunderts schrieb. In den Annalen berichtet er, dass “sie im Volksmund Christen genannt wurden” und bezeichnet die Christen als Neros Sündenböcke für den Großen Brand von Rom.“ 

    Wikipedia

    Auf der Website der Deutschen Bibelgesellschaft heißt es:

    Der Name »Christen« (wörtlich »Christianer«) kommt nach Apostelgeschichte 11,26 in Antiochia am Orontes auf, wo Paulus auf seiner ersten Missionsreise ein Jahr lang wirkte. Die Verwendung dieses Namens zeigt, dass die Anhänger von Jesus hier nicht länger als Teil der jüdischen Gemeinde, sondern als eine neue Gruppierung betrachtet wurden, zu der auch Heiden gehörten.

    Im Neuen Testament kommt der Begriff nur dreimal vor. In Apostelgeschichte 26,28 wird er von König Agrippa gebraucht. Das deutet darauf hin, dass er ursprünglich keine Selbstbezeichnung der Jesus-Leute war, sondern erst im Laufe der Zeit dazu wurde. Dies scheint allerdings relativ schnell geschehen zu sein. Jedenfalls heißt es in 1. Petrus 4,16, dass es schon ausreichte als »Christ« bezeichnet zu werden, um ausgegrenzt und verfolgt zu werden.

    Deutsche Bibelgesellschaft

    „Ausgegrenzt und verfolgt“ … dazu wurde also die Bezeichnung ‚Christ‘ verwendet ….

    Ist die Bedeutung von ‚Christen‘ Χριστιανούς (Christianous) Gesalbte?

    Mancher denkt vielleicht, dass ‚Christen‘ eine durchaus passende Bezeichnung wäre, denn es würde ja ‚Gesalbte‘ bedeuten.

    Insbesondere Zeugen Jehovas verwenden oft den Ausrdruck ‚gesalbte Christen‘, um eine kleine Gruppe von den ‚anderen Schafen‘ – also den allermeisten anderen Zeugen – zu unterscheiden. Tatsächlich führte deren Präsident J.F. Rutherford diese Unterscheidung in den 1930er Jahren ein, um eine Klasse von Geistlichen zu schaffen. (siehe Wahre Anbetung identifizieren, Teil 8: Die Lehre der Zeugen Jehovas über die ‚Anderen Schafe‘) Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas, die vollständige Autorität über Lehrfragen hat und dem jeder bedingungslos folgen muss, besteht daher selbstverständlich nur aus Männern, die sich für ‚gesalbten Christen‘ halten.

    Aber was bedeutet denn dieser Ausdruck im Griechischen genau?

    Das griechische Wort Χριστιανός (Christianos), das „Anhänger Christi“ bedeutet, stammt von Χριστός (Christos), was „Gesalbter“ bedeutet, mit einer adjektivischen Endung, die aus dem Lateinischen entlehnt wurde, um das Anhaften an oder sogar das Zugehören zu bezeichnen, wie bei Sklavenbesitz. [Bickerman, Elias J. (April 1949). „The Name of Christians“. The Harvard Theological Review. 42 (2): 109–124] In der griechischen Septuaginta wurde christos verwendet, um das hebräische מָשִׁיחַ (Mašíaḥ, Messias) zu übersetzen, was so viel bedeutet wie „der Gesalbte“[20] In anderen europäischen Sprachen sind die entsprechenden Wörter für christlich ebenfalls aus dem Griechischen abgeleitet, z. B. Chrétien auf Französisch und Cristiano auf Spanisch.

    Wikipedia

    S. 147 „Alle diese griechischen Begriffe, die mit dem lateinischen Suffix -ianus gebildet werden, drücken genau wie die lateinischen Wörter derselben Ableitung die Vorstellung aus, dass die Menschen oder Dinge, auf die sie sich beziehen, zu der Person gehören, an deren Namen das Suffix angehängt wird.“
    S. 145, „Im Lateinischen brachte dieses Suffix Eigennamen des Typs Marcianus hervor und andererseits Ableitungen vom Namen einer Person, die sich auf seine Zugehörigkeit bezogen, wie fundus Narcissianus, oder, im weiteren Sinne, auf seine Anhänger, Ciceroniani.“

    Bickerman, Elias J. (April 1949). „The Name of Christians“. The Harvard Theological Review. 42 (2): 109–124

    Aber werden die Jünger Christi nicht als Gesalbte bezeichnet? Nein. Es gibt nur diese beiden Texte:

    Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt, in ihm ist das Ja, deshalb auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre durch uns. Der uns aber mit euch festigt in Christus und uns gesalbt hat, ist Gott, der uns auch versiegelt und die Anzahlung des Geistes in unsere Herzen gegeben hat

    (2. Kor 1:20-22 Elberfelder)

    Das mit ‚uns gesalbt hat‘ übersetzte Verb kommt laut Strong’s nur 5 mal in der Bibel vor und wird davon 4 mal auf Jesus angewandt.

    Und ihr? Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt nicht nötig, dass euch jemand belehrt, sondern wie seine Salbung euch über alles belehrt, so ist es auch wahr und keine Lüge. Und wie sie euch belehrt hat, so bleibt in ihm

    (1. Joh 2:27 Elberfelder)

    Auch in diesem Text wird nicht von ‚Gesalbten‘ gesprochen, sondern dass sie gesalbt würden.

    Wie oft wird in den christlichen Schriften der Begriff ‚Gesalbte‘ (Plural) für die Nachfolger Jesu verwendet? Die Antwort ist: Überhaupt nicht! Mir fiel das erst auf, als ich in Übersetzungen danach gesucht habe. Das sollte uns auch zu denken geben.

    Hier noch ein Zitat aus der 2001Translation:

    Die frühen Christen nannten sich nie „die Gesalbten“.

    In den jüdischen Schriften wird der Begriff „Gesalbter“ häufig im Zusammenhang mit Propheten, Königen und Priestern verwendet. In den christlichen Schriften wird derselbe Begriff jedoch fast ausschließlich in Bezug auf Jesus verwendet. In der Bibel gibt es keine Hinweise darauf, dass sich Christen jemals als Gesalbte bezeichnet haben. Vielmehr scheint es, als sei der Begriff allein für Jesus reserviert.

    Es gibt nur zwei Verse, die Christen als solche bezeichnet werden, die eine Salbung erhalten: 2. Korinther 1:21-22 und 1. Johannes 2:27. Dort wird nur am Rande erwähnt, dass die ersten Christen gesalbt wurden. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie als „Könige und Priester“ regieren sollen (Offenbarung 1,6). Es gab tatsächlich Hinweise darauf, dass sie gesalbt wurden. Das geschah zum ersten Mal in Apostelgeschichte 2:1-3, als „Feuerzungen“ über ihnen erschienen. Von da an konnten viele der frühen Christen Wunder vollbringen oder hatten andere besondere Fähigkeiten. Sie waren also wirklich gesalbt – sie hatten ein physisches Zeichen von Gott, dass sie auserwählt waren.

    Trotzdem benutzten sie den Begriff „gesalbt“ nicht als besonderen Titel für sich selbst, um eine noch speziellere Beziehung zu Gott zu beanspruchen. Zweifelsohne war es die schlichte Demut, die sie dazu brachte, den Begriff „Gesalbt“ nur für ihren Herrn Jesus zu verwenden.

    2001 Translation

    Es wird in der Bibel allerdings von falschen Gesalbten gesprochen:

    Denn es werden falsche Messiasse [ψευδόχριστοι (pseudochristoi) falsche Gesalbte] und falsche Propheten auftreten. Sie werden sich durch große Zeichen und Wundertaten ausweisen und würden sogar die Auserwählten verführen, wenn sie es könnten.

    (Mat 24:24 NEÜ)

    Nebenbei bemerkt: Auch in der Neue-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas kommt ‚Gesalbte‘ oder ‚gesalbte Christen‘ im biblischen Text nie vor, ‚gesalbte Christen‘ aber fast zwanzig mal in den Studienanmerkungen. Das ist mir in den Jahrzehnten nie aufgefallen. Erst jetzt, als ich mich mit diesem Thema einmal näher auseinandergesetzt habe.

    Es macht einen Unterschied, ob man etwas ist, sich so nennt oder von anderen nennen lässt. Jesu warnte seine Nachfolger:

    Ihr jedoch sollt euch niemals Rabbi nennen lassen, denn nur einer ist euer Rabbi, und ihr alle seid Brüder.

    (Matthäus 23:8 NEÜ)

    Da in der Bibel für die Jünger nie der Begriff ‚Gesalbte‘ verwendet wird, könnte man formulieren:

    Ihr jedoch sollt euch niemals Gesalbte nennen lassen, denn nur einer ist Der Gesalbte, und ihr alle seid Brüder.

    Frei nach Matthäus 23:8

    Ist das übertrieben? Nun, die ‚Gesalbten‘ der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas haben vor kurzen in einem offiziellen Video sagen lassen, dass ‚ihre [der ‚Gesalbten‘] Stimme der Jesu Christi [Des Gesalbten] gleicht‘ und man ihnen genauso gehorchen muss (Video). Doch gemäß Jesu Worten sollten seine Jünger sich alle als Brüder und Schwestern sehen.

    Andere Begriffe im ersten Jahrhundert

    Jesus sprach wiederholt davon, dass seine Jünger ‚alle Brüder sind‘ (Matthäus 23:8). Daher ist es passend, die Begriffe Bruder und Schwester zu verwenden. Oder wie man es früher noch tat: Die Geschwister …

    In den Evangelien werden sie oft als ‚Jünger‘ μαθηταὶ (mathētai) bezeichnet (Matthäus 12:1,2 …). Strong’s Greek 3101 gibt an: „Ein Lernender, Schüler, Zögling. Von manthano; ein Lernender, d.h. Schüler“. Das erinnert uns daran, dass es nicht darum geht, ‚die Wahrheit gefunden zu haben‘, wie Jehovas Zeugen das verwendent. Sondern dass wir immer weiter auf der Suche nach Wahrheit sind.

    Tatsächlich gab es jedoch eine Bezeichnung für die Gruppe der Jünger, bevor die Heiden sie ‚Christen‘ nannten:

    Saulus aber, der noch Drohung und Mord schnaubte gegen die Jünger des Herrn, ging zum Hohenpriester und erbat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, in der Absicht, wenn er irgendwelche Anhänger des Weges [damals übliche Bezeichnung für den Glauben an Jesus Christus (vgl. u. a. Apg 19,9.23; 22,4; 24,14.22; s. a. Jes 35,8-9).] fände, ob Männer oder Frauen, sie gebunden nach Jerusalem zu führen.

    (Apg 9:1,2 Schlachter 2000)

    ‚Anhänger des Weges‘. Ein passender Begriff, wo doch Jesus über sich sagte:

    „Ich bin der Weg!“, antwortete Jesus. „Ich bin die Wahrheit und das Leben! Zum Vater kommt man nur durch mich.

    (Joh 14:6 NEÜ)

    Und möglicherweise hat es ja auch einen Bezug zu dieser Prophezeiung:

    Und dort wird eine Strasse sein und ein Weg: Weg-der-Heiligkeit wird er genannt werden. Kein Unreiner wird ihn betreten, ihnen wird er gehören, die auf dem Weg gehen, und Toren werden nicht in die Irre gehen.

    (Jes 35:8 Züricher)

    Manchmal wird im Bericht auch ein anderer Gedanke betont:

    Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen über diesen Mann gehört, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem getan hat. … Es geschah aber, dass Petrus, indem er überall hindurchzog, auch zu den Heiligen hinabkam, die zu Lydda wohnten.

    (Apg 9:13, 32 Elberfelder)

    Das mit ‚Heilige‘ übersetzte Wort ist ἁγίους (hagious) mit der Bedeutung: „Von (oder für) Gott ausgesondert, heilig. Von hagos; heilig.“ (Strong’s Greek 40). Diese Bezeichnung wird viele Dutzend Male verwendet. Und zwar für die ganze Versammlung, nicht nur einige besondere Personen, die ‚heilig gesprochen‘ wurden. Aber das ist auch ein anderes Thema.

    Nun, sollten wir uns jetzt Christen nennen (lassen) oder nicht? Zumindest wissen wir jetzt mehr:

    • Jesus sagte wiederholt über sie, dass sie alle Brüder und Schwestern sind.
    • Sie wurden zuerst ‚Jünger‘ μαθηταὶ (mathētai) genannt.
    • Man bezeichnete diese Leute auch als ‚der Weg‘.
    • Und als Heilige.
    • ‚Christen‘ wurde sie erst viel später wohl von anderen genannt. Die Verwendung durch Heiden in ist der Bibel und anderen Schriften belegt. In den christlichen Schriften kommt er nur 3 mal vor, aber nie als Anrede der anderen Gläubigen. Das ist erst im 2. Jahrhundert durch die Schriften der Kirchenväter belegt.
    • Das ist nun aber auch schon fast 2000 Jahre her und daher ist Bedeutung des Begriffes vielleicht wichtiger.
    • Der Begriff ‚Christen‘ Χριστιανούς (Christianous) aus Apostelgeschichte 11:26 bedeutet ‚Anhänger Christi‘ und nicht ‚Gesalbte‘.
    • In den christlichen Schriften werden die gläubigen Christen niemals als ‚Gesalbte‘ bezeichnet. Nur Jesus wird als der Messias, der Christos, also der Gesalbte bezeichnet.
    • Der von Jehovas Zeugen verwendete Begriff ‚gesalbte Christien‘ steht nicht für ‚gesalbte Gesalbte‘, sondern enthält eine Bezeichnung, welche die Gläubigen im ersten Jahrhundert sich aus Demut gegenüber Des Gesalbten nie gegeben haben.

    So, und jetzt kannst du nach bestem Wissen und Gewissen selbst entscheiden.

  • Warum gehen Jehovas Zeugen gegen andere juristisch vor?

    Warum gehen Jehovas Zeugen gegen andere juristisch vor?

    Von Christian


    Während Jehovas Zeugen in der Mitte des 20. Jahrhunderts vor Gerichte zogen, wenn es um die Ausübung des Predigtwerkes oder den Fahnengruss an Schulen ging, sind die juristischen Verfahren in der jüngeren Vergangenheit von anderer Art. Damals wie heute wurde gerne Philipper 1:7 zitiert, z.B. im Buch Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, Kapitel 30 ‘Verteidigung und gesetzliche Befestigung der guten Botschaft’, S. 678:

    „Es ist nur richtig, dass ich so über euch alle denke. Ich habe euch schließlich im Herzen, euch, die ihr mit mir an der unverdienten Güte teilhabt – sowohl in meinen Fesseln als auch bei der Verteidigung und gesetzlichen Befestigung der guten Botschaft“ (Philipper 1:7 Neue-Welt-Übersetzung 2018)

    Die Wiedergabe in der Neuen-Welt-Übersetzung weicht von der Übersetzung in der Elberfelder Übersetzung wie auch anderen Übersetzungen ab:

    „So ist es für mich recht, dass ich dies im Blick auf euch alle denke, weil ich euch im Herzen habe und sowohl in meinen Fesseln als auch in der Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums ihr alle meine Mitteilhaber der Gnade seid.“ (Philipper 1:7 Elberfelder Bibel)

    Auch hier wurde also eine sehr spezielle Übersetzung gewählt, welche die Vorgehensweise der Zeugen Jehovas rechtfertigen soll. Mehr Details dazu sind in diesem Artikel zu finden. Hier soll das Zitat aus dem Wachtturm von 1950 15.12. S. 378 genügen: „Der Leser mag sich wundern, warum das griechische Wort (be·bai’o·sis) hier wiedergegeben wird mit „gesetzliche Befestigung“.“ Inder Tat, das tut er. Der Text liefert also nicht die Grundlage, nach belieben vor Gericht zu ziehen, selbst nicht für „die gute Botschaft“. Und man sollte nicht übersehen, dass Paulus hier von „Verteidigung“ des Evangelium sprach. Nicht vom Angriff und nicht von sich selbst. Was Jesus und die Apostel zum Thema ‚Beilegen von Streitigkeiten‘ sagten, wird am Ende dieses Beitrags behandelt.

    In den vergangenen Jahren sehen sich Jehovas Zeugen allerdings in verschiedenen Ländern immer häufiger vor Gericht, weil sie Fälle von Kindesmißbrauch nicht gemeldet und die Täter gedeckt haben oder Personen meiden, welche einfach nicht mehr Teil der Glaubensgemeinschaft sein wollen. In diesem Video wird die Untersuchung in Australien angesprochen.

    Seit kurzem müssen sich auch viele Älteste der Zeugen Jehovas in den USA in Pennsylvania vor Gericht verantworten, weil sie Fälle von Kindesmißbrauch nicht gemeldet haben, und einige sind auch schon verurteilt worden (siehe https://jz.help/fuenf-mitglieder-der-zeugen-jehovas-in-pennsylvania-wegen-sexuellen-kindesmissbrauchs-angeklagt/).

    Im diesem Video wird am Ende auch über den Fall in Australien gesprochen. Vor allem geht es aber darum, welche Entscheidung die Regierung Norwegens in Bezug auf die staatliche, finanzielle Förderung der Zeugen Jehovas getroffen hat und wie Jehovas Zeugen in Norwegen nun gegen die Entscheidung der Regierung vorgehen.

    Hier geht es also gar nicht mehr darum, das Evangelium zu verteidigen, sondern Jehovas Zeugen werden ganz im Gegenteil deswegen angeklagt, weil sie sich nicht an staatliche Gesetze und Vorgaben halten – und tatsächlich sogar gegen das Evangelium selbst verstoßen.

    Darüber hinaus geht die Organisation der Jehovas Zeugen leider aber auch selbst juristisch gegen diejenigen vor, welche selbst Opfer von Mißbrauch oder Meidung waren oder diese vertreten. So zum Beispiel in Spanien:

    Selbst wer sich vor allem mit den Lehren der Zeugen Jehovas und deren Folgen auseinandersetzt, kann sich in Deutschland mit juristischen Aktionen der Rechtsanwälte der Organisation der Zeugen Jehovas konfrontiert sehen. (siehe https://jz.help/zeugen-jehovas-klagen-gegen-vereinsmitglieder-von-jz-help/). Dabei wird gerne auch das Markenrecht verwendet, also die Rechte am Namen ‚Zeugen Jehovas‘ und allen erdenklichen Abkürzungen davon (siehe https://jz.help/gericht-urteilt-gegen-jehovas-zeugen-kdoer-im-markenrechtsstreit-mit-jz-help/).

    Vor kurzem erhielt auch Martin Peth deswegen eine Unterlassungserklärung der Zeugen Jehovas in Deutschland. Mehr dazu erklärt er in diesen beiden Videos:

    So versteht man, dass die Organisation der Zeugen Jehovas einen immer größer werdenden Bedarf an Juristen hat. Dazu passt, dass in einem Brief der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas (‚Bekanntmachungen und Hinweise‘ August 2021, Teil nur für Älteste) dazu aufgefordert wurde, Jehovas Zeugen mit Ausbildung im juristischen Bereich anzusprechen und zur Mitarbeit mit den Rechtsanwälten in den Zweigbüros aufzufordern:

    „10. Erfahrene Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte benötigt: Geistig befähigte, zugelassene Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte tragen wesentlich dazu bei, die Aufgaben im Bethel zu erledigen (Phil. 1:7). Es besteht ein besonderer Bedarf an Personen, die Erfahrung in Verbindung mit Gerichtsverfahren, Unternehmensangelegenheiten, Datenschutz, Immobilientransaktionen oder Steuerrecht haben. Erfahrene Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte, die über außergewöhnliche Kompetenz in den Bereichen Analyse, Recherche und dem Verfassen von Schriftsätzen verfügen, tragen zur ordnungsgemäßen Bearbeitung von Rechtsangelegenheiten bei und sparen Kosten, die sonst anfallen würden. (In einigen Ländern gehören dazu auch Notare, die als spezialisierte Juristen Befugnis haben, in bestimmten Rechtsangelegenheiten zu handeln.)
    11. Kennt ihr vorbildliche Verkündiger, die über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen und vielleicht die Möglichkeit haben, bei Aufgaben im Bethel auf Teilzeit- oder Vollzeitbasis zu helfen, ermuntert sie bitte, eine Bewerbung als Helfer (A-19) zusammen mit einem Lebens- lauf einzureichen (sfl Kap. 22 Abs. 29-31). Helft ihnen zu verstehen, dass es ein Vorrecht ist und viel Freude und Genugtuung bringt, seine Fähigkeiten zur Förderung der König- reichsinteressen einzusetzen. Wir vertrauen darauf, dass ihr Verkündiger in dieser Angele- genheit mit Umsicht ansprecht. Beachtet bitte, dass wir niemanden dazu ermuntern, eine höhere Bildung oder einen Universitätsabschluss anzustreben, um spezielle Fähigkeiten zu erwerben. Vielmehr sind wir an Personen interessiert, die bereits über diese Fähigkeiten verfügen und bereit sind, bei den Tätigkeiten im Bethel zu helfen (w13 15. 10. S. 15, 16 Abs. 13, 14).“ (S-147-21.08-X Bekanntmachungen und Hinweise, August 2021)

    Interessant ist, für welche Bereiche hier Juristen gesucht werden: „Gerichtsverfahren, Unternehmensangelegenheiten, Datenschutz, Immobilientransaktionen oder Steuerrecht“.

    Wird ein solches Vorgehen der Rechtsanwälte der Organisation der Zeugen Jehovas durch Texte wie Philipper 1:7 gedeckt? Selbst mit der Neuen-Welt-Übersetzung dürfte es schwer sein, dies zu bejahen.

    Vermutlich nur, wenn man den Gedanken der ‚theokratischen Kiregsführung‘ verinnerlicht hat. Die Online-Bibliothek der Zeugen Jehovas gibt zu diesem Stichwort 14 Treffer zurück:

    „Es ist eine geistige Kriegführung, zu der wir geheiligt sind. Wir sind in ein geistliches Heer, das einen theokratischen Krieg führt, eingereiht, und unser Befehlshaber ist der Sohn Gottes, Jesus Christus.
    Die Kriegführung der beiden Gruppen dieser einen Herde ist die eine Kriegführung, die geistige, theokratische, heilige. Für diese Kriegführung sind beide geheiligt worden, denn beide haben auf die Stimme des Rechten Hirten, Christi Jesu, des größeren David, gehört, und beide haben sich dann Jehova Gott hingegeben, um treu in den Fußstapfen des Hirten zu folgen.“ (w55 15.1. S.56 Der christliche Krieger) 

    „(37) … Da die unchristlichen „Wölfe“ den „Schafen“ den Krieg erklären und ‚tatsächlich wider Gott streiten‘ wollen, ist es angebracht, daß die harmlosen „Schafe“ im Interesse des Werkes Gottes gegenüber den „Wölfen“ Kriegslist anwenden. Niemand, gegen den diese Strategie angewandt wird, wird dadurch ungerechterweise verletzt, während dagegen die „Schafe“ geschützt, das heißt die Interessen, die den Schutz verdienen, gewahrt werden. Gott verpflichtet uns nicht, die Dummheit der Schafe an den Tag zu legen und unserem kämpfenden Feind in die Hand zu arbeiten.
    (38) Es ist angebracht, die Vorkehrungen, die wir für das uns von Gott aufgetragene Werk treffen, zu verdecken. Wenn die wölfischen Feinde falsche Schlußfolgerungen aus unseren Überlistungsmanövern ziehen, wird ihnen doch durch die harmlosen Schafe, die in ihren Beweggründen so arglos wie Tauben sind, kein Leid angetan. Ihr Vorgehen entspringt nicht dem Hasse eines Lügners. „Wer Haß in sich verbirgt, hat Lügenlippen, und wer üble Nachrede verbreitet, ist ein Tor. Eine Lügenzunge haßt die von ihr Vernichteten [Verwundeten].“ — Spr. 10:18; 26:28, Me.
    (45) Wir dürfen nicht wider Gottes Wort lügen, indem wir ihm etwas beifügen oder etwas davon wegnehmen oder etwas in dieses Wort hineinlesen, was es nicht sagt oder was es verneint, indem wir über etwas hinweggehen oder etwas wegerklären, was es wahrheitsgemäß sagt. „Alle Rede Gottes ist geläutert . . . Tue nichts zu seinen Worten hinzu, damit er dich nicht überführe, und du als Lügner erfunden werdest.“ (Spr. 30:5, 6) Wir dürfen nicht Unwahrheiten in seinem Namen sagen, denn dadurch würde Gott der Anschein eines Lügners gegeben. „Gott werde als wahrhaftig erkannt, wenn auch jeder Mensch als Lügner erkannt würde.“ (Röm. 3:4, NW)“ (w56 15.4. S. 246 Vorsichtig wie Schlangen unter Wölfen)

    „EINE Zeugin Jehovas ging in Ostdeutschland von Haus zu Haus und stieß auf einen heftigen Gegner. Da sie sogleich wußte, was nun zu erwarten war, zog sie im nächsten Hausflur ihre rote Bluse aus und legte dafür eine grüne an. Kaum auf die Straße getreten, fragte ein kommunistischer Beamter, ob sie nicht eine Frau in einer roten Bluse gesehen habe. „Nein“, erwiderte sie und zog ihres Weges. War dies eine Lüge? Nein, sie log nicht; sie war keine Lügnerin. Vielmehr wandte sie theokratische Kriegslist an, indem sie die Wahrheit um des Predigtdienstes willen durch Wort und Tat verbarg.
    Hierfür hatte sie ein gutes biblisches Vorbild. …
    Vielleicht fragt sich jemand, wo denn die Grenze zwischen theokratischer Kriegslist, durch die ein Tatbestand verborgen gehalten wird, und dem Aussprechen von Lügen gezogen werden soll.“ (w57 1.7. S. 413 Wende theokratische Kriegslist an)

    „Fragen von Lesern: Von Zeit zu Zeit erhalten wir Briefe, in denen wir gefragt werden, ob gewisse Umstände es rechtfertigen könnten, daß ein Christ in bezug auf seine Pflicht, stets die Wahrheit zu sagen, eine Ausnahme machen würde. In Beantwortung dieser Frage sei folgendes gesagt:
    …
    Eine Ausnahme sollte der Christ jedoch stets im Sinn behalten. Als Soldat Christi nimmt er an einem theokratischen Kriegszug teil, und den Feinden Gottes gegenüber muß er größere Vorsicht walten lassen. Die Bibel zeigt deshalb, daß es zum Schutz der Interessen der Sache Gottes angebracht ist, die Wahrheit vor Feinden Gottes zu verdecken. …
    Das käme unter die Bezeichnung „Kriegslist“, wie dies im Wachtturm vom 15. April 1956 erklärt wurde, und wäre in Übereinstimmung mit dem Rate Jesu, wonach wir, wenn unter Wölfen, so ‚vorsichtig sein sollten wie Schlangen‘. “ (w60 1.8. S. 479)

    Das war also die Ansicht der Organisation der Zeugen Jehovas – und ist es wohl bis heute, auch wenn es nicht mehr so öffentlich geschrieben wird.

    Was aber finden wir in der Bibel zu diesem Thema. Nur ein paar Texte als Anregung, sich selbst eine Meinung zu bilden:

    Matthäus 5:23, 24

    „Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh vorher hin, versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und bring deine Gabe dar!” (Elberfelder)

    „Wenn du also deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder dir etwas übel nimmt, dann lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh weg. Versöhne dich zuerst mit deinem Bruder und dann komm zurück und opfere deine Gabe.“ (Neue-Welt-Übersetzung)

    Matthäus 5:25, 26

    „‹Wenn jemand dich vor Gericht ziehen will›, einige dich schnell mit deinem Gegner, solange du noch mit ihm auf dem Weg dahin bist. Sonst wird er dich dem Richter ausliefern, und der wird dich dem Gerichtsdiener übergeben, und du kommst ins Gefängnis.
    Ich versichere dir, du kommst erst dann wieder heraus, wenn du den letzten Cent bezahlt hast.“ (Neue Evangelistische Übersetzung)

    „Einige dich schnell mit deinem Prozessgegner, noch während ihr auf dem Weg zum Gericht seid, damit dein Gegner dich nicht dem Richter übergibt und der Richter dich nicht dem Gerichtsdiener übergibt und du nicht ins Gefängnis geworfen wirst. Ich versichere dir: Du kommst dort auf keinen Fall heraus, bis du deine letzte kleine Münze bezahlt hast.“ (Neue-Welt-Übersetzung)

    Matthäus 18:15-17:

    „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und stell ihn unter vier Augen zur Rede. Wenn er mit sich reden lässt, hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Wenn er nicht auf dich hört, dann nimm einen oder zwei andere mit und geh noch einmal zu ihm, damit alles von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird. Wenn er auch dann nicht hören will, bring die Angelegenheit vor die Gemeinde. Wenn er nicht einmal auf die Gemeinde hört, dann behandelt ihn wie einen Gottlosen oder Betrüger.“ (Neue Evangelistische Übersetzung)

    „Und wenn dein Bruder eine Sünde begeht, dann geh und mach ihm den Fehler unter vier Augen bewusst. Hört er auf dich, dann hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Wenn er aber nicht auf dich hört, nimm noch eine oder zwei Personen mit, damit alles durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird. Wenn er nicht auf sie hört, dann wende dich an die Versammlung. Und wenn er nicht einmal auf die Versammlung hört, dann soll er für dich genauso sein wie jemand aus einem anderen Volk und wie ein Steuereinnehmer.“ (Neue-Welt-Übersetzung)

    Und insbesondere Römer 12:17-21:

    „Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Bemüht euch um ein vorbildliches Verhalten gegenüber jedermann! Soweit es irgend möglich ist und soweit es auf euch ankommt, lebt mit allen Menschen in Frieden! Rächt euch nicht selbst, ihr Lieben, sondern lasst Raum für den Zorn Gottes! Denn in der Schrift steht: „Es ist meine Sache, das Unrecht zu rächen, sagt der Herr, ich werde Vergeltung üben!“ „Wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen; wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, sammelst du feurige Kohlen auf seinen Kopf. Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse mit dem Guten!“ (Neue Evangelistische Übersetzung)

    „Zahlt niemandem Böses mit Bösem zurück. Seid auf das bedacht, was aus Sicht aller Menschen gut ist. Wenn möglich, haltet, soweit es von euch abhängt, mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, ihr Lieben, sondern lasst Raum für den Zorn. Denn in den Schriften steht: „‚Es ist meine Sache, Rache zu nehmen. Ich werde Vergeltung üben‘, sagt Jehova.“ Vielmehr, „wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm etwas zu essen. Wenn er durstig ist, gib ihm etwas zu trinken. Denn wenn du das tust, sammelst du feurige Kohlen auf sein Haupt.“ Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse immer mit dem Guten.“ (Neue-Welt-Übersetzung)

  • Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas lässt ein Buch verschwinden – Teil 1

    Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas lässt ein Buch verschwinden – Teil 1

    Von Christian


    Die meisten Königreichssäle der Zeugen Jehovas und viele Zeugen haben sie: Eine ‚theokratische‘ Bibliothek. Also eine Sammlung früher erschienener Bücher und Ausgaben des Wachtturms und Erwachet. Ein Buch habe ich sehr geschätzt und auch im Nachlass meiner verstorbenen Mutter wieder gefunden:

    Kommentar zum Jakobusbrief
    Kommentar zum Jakobusbrief, veröffentlich 1979 von der Wachtturm-Gesellschaft

    Aber eigentlich ist es ein verloren gegangenes Buch. Inwiefern? Weil leider selbst viele Zeugen Jehovas dieses 1979 erschienene Buch überhaupt nicht mehr kennen! Nun gut, es ist zwar schon älter, aber es müsste doch leicht in der Wachtturm Online-Bibliothek zu finden sein …

    Wachtturm Online-Bibliothek Bücher
    Wachtturm Online-Bibliothek Bücher

    Also in der Liste der Bücher ist es schon einmal nicht. Aber wir kennen ja den Titel. Also suchen wir einmal im Index:

    Wachtturm Online-Bibliothek Index
    Wachtturm Online-Bibliothek Index

    Dort finden sich mehrere Hinweise auf ein Buch mit Abkürzung cj, was unschwer als ‚Commentary James‘ zu deuten ist. Aber dort ist kein Link zu dem Buch hinterlegt. Als ich im Mai 2023 nochmals gesucht habe, erhielt ich dieses Ergebnis:

    Von den 44 Ergebnissen sind allerdings bis auf 9 alles nur Königreichsdienste, die belegen, dass diese Buch im Predigtdienst verkauft wurde: 1987 für 1 DM, 1989 schon für 2 DM. Es scheint also im Wert noch gestiegen zu sein.

    Lässt man die Referenzen im Index und Hinweise im Wachtturm und Erwachet auf das Buch weg, bleiben diese Ergebnisse übrig:

    Wachtturm Online-Bibliothek Suche
    Wachtturm Online-Bibliothek Suche

    Kein Hinweis auf das Buch außer diesen? Und nichts aus dem Inhalt des Buches ist zu finden. Vielleicht ist ja die ‚Frage von Lesern‘ interessant:

    w81 15.4. S.31
    w81 15.4. S.31 Fragen von Lesern

    Nichts, außer einem Artikel, der versucht, einen Satz aus dem ganzen Buch ‚geradezurücken‘. Was soll an diesem einen Satz so Besonderes sein?

    Ich erinnere mich noch, wie alle Jehovas Zeugen weltweit dieses Buch im ‚Versammlungsbuchstudium‘ studiert haben. Das nächste Bild zeigt allerdings nicht mein Buch, in dem natürlich auch ich fleißig unterstrichen habe. Das Buch ist von meiner verstorbenen Mutter, die ich posthum loben kann: Auch sie hatte sich gut vorbereitet und genau die richtige Antwort auf die Frage zu Abschnitt 27 unterstrichen:

    Kommentar zum Jakobusbrief S. 49
    Kommentar zum Jakobusbrief S. 49

    Und in der ‚Wachtturm Online-Bibliothek‘ ist nichts, außer einem Artikel, der versucht, diesen einen Satz aus dem ganzen Buch ‚geradezurücken‘. Was soll an diesem einen Satz so Besonderes sein?

    „Jehova ist nicht nur der Gott der Christen, sondern auch ihr Vater, denn er hat sie durch seinen Geist als seine Söhne gezeugt.“ (Kommentar zum Jakobusbrief, S. 49)

    Der weitere Text des Wachtturm-Artikels zeigt, welche Sprengkraft dieser eine, kleine Satz wohl hatte:

    „Heißt das, daß alle Gott hingegebenen und getauften Christen durch Gottes heiligen Geist zu seinen Söhnen gezeugt worden sind?

    Nein, das sollte nicht daraus gefolgert werden, als ob wir jetzt die Sache anders verstünden. Eine solche Änderung würde die biblische Lehre aufheben, daß es zwei verschiedene Hoffnungen für diejenigen gibt, die gerettet werden, nämlich eine himmlische und eine irdische Hoffnung.“
    (w81 15.4. S. 31)

    Und dort wird sogar eine winzige Änderung vorgeschlagen, welche alles ‚repariert‘ hätte:

    „Um Zweideutigkeit zu vermeiden, hätte in dem betreffenden Satz auf Seite 49 des Kommentars das Wort „gesalbt“ eingefügt werden können. Dann hätte der Satz wie folgt gelautet: „Jehova ist nicht nur der Gott der gesalbten Christen, sondern auch ihr Vater, denn er hat sie durch seinen Geist als seine Söhne gezeugt.“ Die dazugehörige Frage auf Seite 57 hätte lauten können: „Wieso ist Gott für gesalbte Christen auch der Vater?““ (w81 15.4. S.31)

    Zum Thema ‚gesalbte Christen‘ gehe ich in diesem Artikel ein: „Sollten wir uns Christen oder Gesalbte nennen (lassen)?“

    Aber warum hat man dann nicht einfach diese winzige Änderung vorgenommen? Wie in diesem Artikel gezeigt wurde, hat man doch schon ganz andere ‚Korrekturen‘ vorgenommen.

    Auch ist das alte Hesekiel-Buch von 1972 immer noch online verfügbar, direkt neben dem neuen Hesekiel-Buch von 2019.

    Ist der Grund für das Verschwinden des Jakobus-Buches vielleicht, dass es zu viele Änderungen gegeben hat? Warum wurde denn das Hesekiel-Buch nach fast 50 Jahren neu geschrieben? Ich zitiere aus dem Buch von 2019:

    Außerdem hat sich in den Jahrzehnten seit 1971 unser Verständnis der Bibel sehr verbessert, weil das Licht immer heller geworden ist (Spr. 4:18). Ab 1985 verstanden wir klarer, wie die „anderen Schafe“ als Freunde Gottes für gerecht erklärt werden (Joh. 10:16; Röm. 5:18; Jak. 2:23). 1995 erkannten wir, dass das endgültige Urteil, wer zu den „Schafen“ und wer zu den „Ziegen“ gehört, erst während der kommenden „großen Drangsal“ gefällt wird (Mat. 24:21; 25:31, 32). All das hat sich auf das Verständnis des Bibelbuches Hesekiel ausgewirkt.
    In den letzten Jahren ist das Licht noch heller geworden. Denken wir nur an die Vergleiche Jesu. Vieles, was er damit vermitteln wollte, verstehen wir jetzt besser und es geht uns noch mehr zu Herzen. Einige seiner Gleichnisse beziehen sich auf Ereignisse in der großen Drangsal, die immer näher kommt. Auch unser Verständnis etlicher Prophezeiungen aus dem Bibelbuch Hesekiel ist klarer geworden. Dazu gehören die Prophezeiungen über Gog von Magog (Kapitel 38 und 39), den Mann mit dem Tintenfass (Kapitel 9), über das Tal der vertrockneten Knochen und das Zusammenfügen der beiden Stäbe (Kapitel 37). Durch all das sind die Erklärungen, die vor Jahren im alten Hesekiel-Buch gegeben wurden, inzwischen überholt.

    Hesekiel-Buch 2019, Die reine Anbetung Jehovas – endlich wiederhergestellt! S.2 Kapitel „Brief der leitenden Körperschaft“

    Wer beide Bücher vergleicht, fragt sich unwillkürlich, was den vom alten Buch übrig geblieben ist. Also hatte die Leitende Körperschaft entschlossen, eine neue Interpretation des Bibelbuch Hesekiel schreiben zu lassen.

    Warum wurde das nicht auch mit dem Jakobus-Buch so gemacht? Ich kann mich eigentlich an nichts aus dem Buch erinnern, was durch ‚neues Licht‘ sich geändert hätte.

    Der Grund liegt ganz woanders. Wer nach Edward Dunlap in der Wachtturm-Bibliothek sucht, wird ihn noch immer finden. Aus den Quellen der Zeugen Jehovas geht immer noch hervor, dass er wichtige Funktionen in der Organisation der Zeugen Jehovas hatte:

    Wachtturm Online-Bibliothek Edward Dunlap
    Wachtturm Online-Bibliothek Edward Dunlap

    Ich kann mich erinnern, dass ich früher einmal sogar noch mehr über ihn dort gefunden hatte. Er war über 10 Jahre Registrator der Gilead-Schule und hat Vorträge auf deren Abschlußfeiern gehalten. Was man nicht findet, ist, dass er der Autor des Buches Kommentar zum Jakobusbrief war. Das findet sich in Raymound Franz Buch Der Gewissenskonflikt. Und dort findet man auch den Grund für alles: Um 1980 herum wurde er mit anderen auf unglaublich unchristliche Weise als ‚Abtrünniger‘ gebrandmarkt und ausgeschlossen. Und jede Erinnernung an ihn sollte wohl ausgelöscht werden. So ähnlich wie das jetzt mit Anthony Morris III auf den Websiten der Zeugen Jehovas geschieht, seit er kein Mitglied der Leitenden Körperschaft mehr ist. Aber das ist ein anderes Thema.

    Warum man das Buch dann auch aus der Online-Bibliothek verbannt, ist allerdings schwer nachvollziehbar. Denn bevor so ein Buch von Jehovas Zeugen auf einem Kongress in großer Zahl veröffentlich wird und später auch im Versammlungsbuchstudium studiert wird, muss es doch von sehr, sehr vielen korrekturgelesen worden sein. Auch von der leitenden Körperschaft und deren Komitees. Und mit der Veröffentlichung durch die Leitende Körperschaft war es doch das ‚neue Licht‘ der ‚aktuellen Wahrheit‘. Oder etwa doch nicht? Entweder ist der Inhalt korrekt, oder nicht. Sonst hätte die Leitende Körperschaft ja aktiv falsche Lehren als ‚geistige Speise‘ verteilt.

    Vielleicht gibt es ja noch das eine oder andere Exemplar in den Königreichssälen der Zeugen Jehovas oder privaten Bibliotheken. Für alle, die Englisch können ist es einfacher: Die englische Ausgabe des Buches kann man immer noch bei watchtowerwayback.org herunterladen.

  • Wachtturm Online-Bibliothek: Zurück in die Zukunft

    Wachtturm Online-Bibliothek: Zurück in die Zukunft

    Von Christian


    In die Vergangenheit zu reisen, um etwas zu ändern, was heute unvorteilhaft ist – diese Idee ist in einigen Büchern und Filmen durchgespielt worden. In der Realität ist das aber heute für uns Menschen nicht möglich.

    Sind einem jedoch die eigenen Veröffentlichungen mittlerweile unangenehm, muss man gar nicht in die Vergangenheit reisen. Man veröffentlich das scheinbar selbe Buch eben einfach mit Änderungen, ohne dies zu vermerken. In diesem Video hatte Eric dies schon einmal anhand des Buches Die Harfe Gottes von Jehovas Zeugen (bzw. damals noch den Bibelforschern) gezeigt:

    Veränderte Ausgabe des Buches „Die Harfe Gottes“, nachdem die Voraussagen für 1925 sich nicht erfüllt hatten.

    Viele werden sich noch erinnern können, wie oft es Änderungen für das Offenbarungs-Buch oder Daniel-Buch und anderer Bücher der Zeugen Jehovas gab. Die Korrekturen wurden von manchen so ausgedruckt, dass man den Text im Buch überkleben konnte. Später, als man endlich digitale Versionen verwenden durft und spätesten mit der passenden App der Zeugen Jehovas gab es oft Verwirrung in der Zusammenkunft, wenn jemand den Wachtturm oder eine andere Publikation aus der gedruckten Version vorlas oder eben aus der App mit stets ‚aktuellem‘ Inhalt. Später gab es dann Briefe an die Ältesten, dass die ‚aktuelle‘ digitale Ausgabe stets die ‚richtige‘ ist.

    Noch einfacher ist es natürlich, wenn man Veröffentlichungen im Internet digital anbietet, wie in der Wachtturm Online-Bibliothek. Auch wenn diese den Anschein erweckt, ein Archiv zu sein, ist sie das nicht. Ein Archiv wird in Wikipedia so definiert:

    Ein Archiv (lateinisch archivum ‚Aktenschrank‘; aus altgriechisch ἀρχεῖον archeíon ‚Amtsgebäude‘) ist eine Institution oder Organisationseinheit, in der Archivgut zeitlich unbegrenzt im Rahmen der Zuständigkeit des Archivs oder des jeweiligen Sammlungsschwerpunktes aufbewahrt, benutzbar gemacht und erhalten wird (Archivierung).

    Man geht bei einem Archiv also davon aus, dass die Inhalte unverändert bleiben.

    Der Wachtturm vom 1. Januar 1989 (englisch) enthält in diesem Zusammenhang einen interessanten Absatz auf Seite 12:

    w89_1_1_en
    w89_1_1_page12_en_old
    Wachtturm 1989 1.1. S. 12 alte Ausgabe

    Was ist an einem Wachtturm aus dem Jahr 1989 so interessant, der – wie so viele andere – das Ende des Predigtwerkes im 20. Jahrhundert ankündigte? Der markierte Satz lautet: „He was also laying a foundation for a work that would be completed in our 20th century.“ [Übersetzung: „Er legte auch den Grundstein für ein Werk, das in unserem 20. Jahrhundert vollendet werden sollte.“] Was ist daran interessant? Einmal abgesehen von der Tatsache, dass das Predigtwerk innerhalb von 10 Jahren zu Ende gewesen sein sollte. Und dass dies natürlich wieder einmal nicht eingetroffen ist, wie wir über 20 Jahre später wissen.

    Schauen wir uns einmal den selben Artikel in der Wachtturm Online-Bibliothek an (Bildschirmfoto vom 22. Januar 2023):

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    Wachtturm 1.1.89 S.12 Online-Bibliothek (Englisch)

    Der Satz lautet nur nicht mehr „He was also laying a foundation for a work that would be completed in our 20th century.“ sondern „He was also laying a foundation for a work that would be completed in our day.“ Das Predigtwerk endet also irgendwann in unseren Tagen. Wer auch immer irgendwann dies liest, wird sich bei den Worten ‚unsere Tage‘ mit eingeschlossen fühlen.

    Hat die Organisation der Zeugen Jehovas nun absichtlich die Online-Ausgabe des Wachtturm geändert? In diesem Fall gab es sogar eine veränderte gedruckte Ausgabe in dem gebundenen Jahrgang:

    w89 1.1. S. 12 neuere Ausgabe
    Wachtturm 1989 1.1. S.12, neuere Ausgabe

    Die Online-Bibliothek enthält also den Text der neueren Ausgabe des Wachtturms im gebundenen Jahrgang. So schnell war also diese Aussage nicht mehr erwünscht.

    Interessanterweise gab es diese Änderung in der deutschen Ausgabe offensichtlich nicht (Bildschirmfoto vom 22. Januar 2023):

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    Wachtturm 1.1.89 S. 12 Online-Bibliothek (deutsch)

    Beide Ausgaben sind in dem folgenden PDF Dokument vorhanden (eingescannt). Zum Glück gibt es die Website http://www.watchtowerwayback.org, welche solche Originale noch enthält.

  • „Was erwartest du von 1975?“

    „Was erwartest du von 1975?“

    Von Christian


    Warum sollte jemand in Bezug auf dieses Jahr besondere Erwartungen gehabt haben? Und warum sollte das uns noch interessieren? Das liegt doch schon fast 50 Jahre zurück in der Vergangenheit! Es hat etwas mit diesen beiden Bibeltexten zu tun:

    Wer in den kleinen Dingen treu ist, ist auch in großen treu; und wer in den kleinen Dingen unzuverlässig ist, ist es auch in den großen.

    Lukas 16:10 NEÜ

    Die Lügner lässt du zugrunde gehen. / Mörder und Betrüger sind Jahwe ein Gräuel.

    Psalm 5:7 NEÜ

    Wir werden sehen, dass die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas durch ihre aktuellen Aussagen zum Thema 1975 sowohl als unzuverlässig erwiesen hat und sogar als Lügner und Betrüger bezeichnet werden müssen. Gemäß Lukas 16:10 sollte man ihnen daher auch in größeren Dingen nicht vertrauen und nach Psalm 5:7 sind sie für Jahwe sogar ein Gräuel. Ich weiß, das sind deutlische Worte, aber die Beweise folgen gleich.

    Als Anthony Morris III noch Teil der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas war, hat er im Jahr 2022 in JW Broadcasting die Tatsachen der Ereignisse vor 1975 völlig verdreht. Und dabei hat er sich noch über einige ‚treue, altgedienten Brüder‘ jener Zeit lustig macht.

    Für mich hat das auch noch eine persönliche Komponente. Meine Großeltern mütterlicherseits waren schon Anfang der 1920er Jahre Bibelforscher. Sie haben die nicht eingetroffenen Vorhersagen des Präsidenten der Organisation des Wachtturms, J.F. Rutherford für das Jahr 1925 selbst miterlebt: „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben!” Das wurde nicht nur von Rutherford über Jahre verkündet sondern weltweit von den Bibelforschern. Doch diese Voraussage hat sich nicht erfüllt. Sie wurde aber auch nie offen eingestanden und wird bis heute verklärt (siehe w22 Oktober S.2 „1922 – vor Hundert Jahren“, w20 Oktober S. 2 „1920 – vor Hundert Jahren).

    „Zeitungsanzeige für den Vortrag „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben““ Wachtturm 2020 Oktober S. 2
    „Plakat, das den Vortrag in der Londoner Royal Albert Hall ankündigte” Wachtturm 2020 Oktober S. 4

    Als es dann wieder Erwartungen verkündet wurden, diesmal für das Jahr 1975, sagte mein Großvater sinngemäß zu meiner Großmutter: „Wir haben erlebt, dass 1925 sich die Hoffnungen nicht erfüllt haben. Und wir haben gesagt, dass wir Jehova für immer dienen wollen. Das werden wir jetzt auch machen.“ Für diese vernünftige Einstellungen hat er aber von seinen Mitältesten jedoch ziemlich was zu hören bekommen: „Das kannst du doch nicht sagen!“

    Nun gut, das waren ja nur Verkündiger. Und viele Verkündiger hatten sich halt in falsche Erwartungen hieneingesteigert. Dieses Narrativ wird schon länger von der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas verbreitet. Aber waren es denn wirklich nur einige Verkündiger, die zu viel im Jahr 1975 erwartet haben? Das prüfen wir jetzt einmal anhand der Veröffentlichungen der Leitenden Körperschaft.

    Im Jahr 1968 hat die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas die oben genannte Frage allen Verkündigern und Menschen weltweit im Wachtturm gestellt:

    Warum freust du dich auf 1975?
    Wachtturm 1968 15.8. S. 494 (Englisch); Wachtturm 1968 15.11. S. 686 (Deutsch)

    In der englischen Ausgabe lautet die Frage übersetzt: „Warum freust du dich auf das Jahr 1975?“ Man könnte auch noch übersetzen: „Warum erwartest du 1975?“ Der deutschsprachige Artikel hatte jedoch ein verändertes Thema „Was erwartest du von 1975?“. Nun, welche Erwartungen hatten denn die Leitende Körperschaft:

    „Sollten wir aufgrund dieses Studiums annehmen, daß im Herbst 1975 die Schlacht von Harmagedon vorüber sein und die langersehnte Tausendjahrherrschaft Christi beginnen wird? Vielleicht; wir wollen aber abwarten und sehen, inwieweit die siebente 1 000-Jahr-Periode der Menschheitsgeschichte mit der sabbatähnlichen Tausendjahrherrschaft Christi zusammenfällt. Wenn diese beiden Perioden im gleichen Kalenderjahr begonnen haben und im gleichen Kalenderjahr enden, dann ist dies kein reiner Zufall, sondern entspricht Jehovas liebendem und zeitgemäßem Vorhaben.“ (w68 15.11. S. 691 Abs. 30)

    „Eines steht fest: Die biblische Chronologie, die durch die Erfüllung biblischer Prophezeiungen bestätigt wird, zeigt, daß 6 000 Jahre Menschheitsgeschichte bald, ja noch in unserer Generation, enden werden! (Matth. 24:34) Es ist daher jetzt nicht an der Zeit, gleichgültig zu sein und in den Tag hineinzuleben. Es ist nicht an der Zeit, mit dem Gedanken zu spielen, Jesus habe ja gesagt: „Von jenem Tage und jener Stunde hat niemand Kenntnis, weder die Engel der Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater.“ (Matth. 24:36) Im Gegenteil, wir sollten uns ständig vor Augen halten, daß das gewaltsame Ende des gegenwärtigen Systems der Dinge eilends herannaht. Täuschen wir uns nicht: Es genügt, daß nur der Vater „Tag und Stunde“ kennt!“ (w68 15.11. S.691 Abs. 35)

    Dies ist allerdings nur ein Artikel von vielen. Am Ende des Artikels werde ich noch einige aufführen. (Viele findet man auch in Englisch bei jwfacts.com und in Raymond Franz Buch „Der Gewissenskonflikt“ sowie James Penton Buch „Endzeit ohne Ende“.)

    Der ganze Hype um 1975 begann allerdings schon so richtig mit diesem Buch im Jahr 1966:

    Einband: Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Einband: Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes

    Diese Tabelle mit der Berechnung, die zum Jahre 1975 führte, sowie einige Aussagen dazu im Text waren es, die schon auf dem Kongress 1966 nach der Veröffentlichung für Begeisterung sorgte.

    Tabelle Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Tabelle 1/3 Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Tabelle 2/2 Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Tabelle 2/3 Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Tabelle 3/3 Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Tabelle 3/3 Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Tabelle 3/3 Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes

    Es lohnt sich, einmal die Daten im letzten Teil der Tabelle sich anzuschauen.

    • Dass die Eroberung Jerusalems im jahr 607 v.u.Z. nicht stattgefunden hat, ist schon hinreichend belegt worden.
    • Interessanterweise wird um ca. 49 nicht von der Leitenden Körperschaft in Jerusalem gesprochen. Kein Wunder, die gab es auch noch viele Jahre nach 1966 bei den Zeugen Jehovas nicht.
    • Dass 1492 der Papst angeblich an einer Bluttransfusion starb … scheint irgendwie sehr wichtig im göttlichen Zeitplan gewesen zu sein.
    • Die Erklärung für 1914 (Oktober! ) ist interessant, aber dazu gibt es ja ein ganzes Buch („Die Zeiten der Heiden neu überdacht“ und den Nachtrag „Die Zeiten der Heiden“ in Lukas 21:24).
    • Leider wird 1925 nicht erwähnt wird, wo doch etwa 6 Jahre lang davor gepredigt wurde, dass „Millionen jetzt Lebender nicht sterben werden“.
    • Aber dafür das Thema Bluttransfusion 1918.
    • Satelliten und Astronaten im Jahr 1957 und 1964: Man erinnert sich; „Zeichen an Mond und Sternen“

    Aber zurück zur Entwicklung vor 1975. Die folgenden Jahre hinweg bis 1975 wurden die Erwartungen angefacht (siehe Zitate unten).

    Wer möchte, kann auch gerne einmal den markanten Worten des Zweigdienders Konrad Franke zum Thema 1975 zuhören (Vortrag 20. Januar 1968 in Hamburg, Text dazu hier). Allerdings muss gesagt werden, dass er eine zwei Jahre später dann auch nicht mehr Zweigaufseher war.

    Konrad Franke, Zweigaufseher der Wachtturm Gesellschaft in Deutschland
    Konrad Franke über das Jahr 1975 in einem Vortrag am 20. Januar 1968

    Zurück aber zum Ausgangspunkt. Was sagte nun Anthony Morris von der Leitenden Körperschaft im Jahr 2022 im Broadcasting auf jw.org („JW Broadcasting Februar 2022: Jahresversammlung 2021 (Teil 2)“ nach etwa einer Stunde und 44 Minuten)? Hier die Bildschirmaufnahmen des originalen Videos mit deutschen Untertiteln und Übersetzung durch die Wachtturm-Gesellschaft.

    Einige ‚ältere, treue Diener‘ hätten zu seinen Söhnen (um 1975 oder kurz danach) gesagt: „Ihr werdet nicht mehr euren Abschluss machen in diesem System …“

    Morris1957_1
    JW Broadcasting Februar 2022: Jahresversammlung 2021 (Teil 2)

    Darauf meinte er: „vielleicht Nachwirkungen von 1975, ich weiß es nicht.“

    Morris1957_2
    JW Broadcasting Februar 2022: Jahresversammlung 2021 (Teil 2)

    „Falls das einer von euch war – Jehova liebt dich trotzdem.“

    Morris1957_3
    JW Broadcasting Februar 2022: Jahresversammlung 2021 (Teil 2)

    Denn er sagte damals seinen Jungs: Es dauert „vielleicht bis 2020“

    Morris1957_4
    JW Broadcasting Februar 2022: Jahresversammlung 2021 (Teil 2)

    Das erweckt den Eindruck, wie weise und weitsichtig dieser Bruder, dieser Gesalbte, der dann später selbst zur Leitenden Körperschaft gehörte, schon damals war. (Im Jahre 2023 wurde Bruder Morris aus der Leitenden Körperschaft entfernt. Für wenige Tage war dieses Ereignis zuerst als Eilmeldung und dann als Nachricht verfügbar. Dann wurde diese Nachricht wieder entfernt. Wie auch andere Videos von ihm, zum Beispiel: Hat sich die leitende Körperschaft selbst verurteilt, da sie verachtenswerte Abtrünnige verurteilt?).

    Wie kamen denn diese ‚altgedienten Brüder‘ zu ihrer falschen Einstellung? Einfache Antwort: Erwachet 1969 22. Mai S. 14 und 15.

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    Erwachet 1969 22. Mai S. 14 (Englisch)
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    Erwachet 1969 22. Mai S. 15 (Englisch)

    Was für ein ‚Glück‘, dass die Online JW Library keine Ausgaben des Erwachet vor 1970 enthält (Deutsch und Englisch) und die Leitende Körperschaft in den vergangenen Jahren die Ältesten angewiesen hat, ältere Literatur in der Versammlung zu vernichten.

    Aber es gibt sie noch, die digitalisierten Ausgaben. Einige Auszüge aus dem Text (deutsche Übersetzung der englischen Ausgabe):

    „Ob jung oder alt, du musst dich der Tatsache stellen, dass dieses System seine Richtung nicht ändern wird. Unter dem Einfluss Satans wird es sich in den verbleibenden Jahren weiter rapide verschlechtern.“ (Erwachet 1969 22. Mai S. 14 (Englisch))

    „Wenn du ein junger Mensch bist, musst du auch der Tatsache ins Auge sehen, dass du in diesem System niemals alt werden wirst. Warum eigentlich nicht? Weil alles darauf hindeutet, dass dieses korrupte System in ein paar Jahren zu Ende gehen wird.“ (Erwachet 1969 22. Mai S. 15 (Englisch))

    „Deshalb wirst du als junger Mensch nie eine Karriere machen, die dieses System bietet. Wenn du in der High School bist und über eine College-Ausbildung nachdenkst, dauert es mindestens vier, vielleicht sogar sechs oder acht Jahre, bis du einen Abschluss in einem spezialisierten Beruf machst. Aber wo wird dieses System der Dinge bis dahin sein? Es wird auf dem Weg zu seinem Ende sein, wenn nicht sogar schon weg!“ (Erwachet 1969 22. Mai S. 15 (Englisch))

    Wenn man vom Erscheinungsjahr dieses Artikels 1969 rechnet, kommt man mit diesen Aussagen auf welches Jahr? 1973, 1975, 1977 … Da “ist das System auf dem Weg in sein Ende oder sogar schon weg.“
    Wie konnten diese ‚altgedienten Brüder‘ nur auf die Idee kommen, dass Anthony Morris Kinder ihre Ausbildung nicht beenden werden …

    Anthony Morris hat also damals eindeutig nicht entsprechend dem ‚Licht‘ und der ‚damaligen Wahrheit‘ des ‚treuen und verständigen Sklaven‘ – Nathan Knorr und Fred Franz bzw. danach der Leitenden Körperschaft – seine Kinder belehrt. Erstaunlich, wieso ihm damals nicht die Gemeinschaft entzogen wurde, denn die Lehrmeinung war auch in den 1970er Jahren nicht, dass das Ende vielleicht erst 2020 kommt. Noch erstaunlicher ist vielleicht, dass er dann Teil genau dieser Leitenden Körperschaft wurde.

    Was veröffentlichte die Leitende Körperschaft nun nach 1975?

    IM September 1975 begann ein neues jüdisches Mondjahr. … Dasselbe gilt für den Beginn der Tausendjahrherrschaft Christi. Die Bibel gibt uns keinen Anhaltspunkt für die Berechnung des Datums, und wir sollten daher keine Vermutungen darüber anstellen. … Die Zeitangaben der Bibel zeigen allerdings, daß im Jahre 1975 6 000 Jahre Menschheitsgeschichte abliefen.

    w76 1.1. S. 3-5 Das Ende von 6000 Jahren Menschenherrschaft steht bevor — Was ist erreicht worden?

    Irgendwie hat man also versucht, das Thema umzubiegen. Aber der Aufruhr war wohl doch zu groß. Was konnte man im Jahr 1976 dann lesen?

    15 Es ist aber nicht ratsam, unser Augenmerk auf ein bestimmtes Datum zu richten und alltägliche Dinge zu vernachlässigen, die wir als Christen normalerweise tun würden oder die wir und unsere Familie wirklich brauchen. Wir vergessen vielleicht manchmal, daß der Grundsatz, daß Christen zu jeder Zeit alle ihre Verpflichtungen erfüllen müssen, nicht aufgehoben wird, wenn jener „Tag“ kommt. Falls jemand enttäuscht worden ist, weil er nicht diese Einstellung hatte, sollte er sich jetzt bemühen, seine Ansicht zu ändern, und sollte erkennen, daß nicht das Wort Gottes versagt oder ihn betrogen und enttäuscht hat, sondern daß sein eigenes Verständnis auf falschen Voraussetzungen beruhte.

    16 Doch angenommen, du bist einer von denen, die fest mit einem bestimmten Datum gerechnet haben, und hast in lobenswerter Weise deine Aufmerksamkeit besonders auf die Dringlichkeit der Zeit gerichtet und darauf, daß die Menschen die Botschaft hören müssen. Und sagen wir, du seiest vorübergehend etwas enttäuscht. Hast du aber wirklich etwas verloren? Hat dir das wirklich geschadet? Wir glauben, daß du sagen kannst, du habest durch deine gewissenhafte Handlungsweise etwas gewonnen und einen Nutzen gehabt. Außerdem ist es dir möglich gewesen, dir eine wirklich reife, vernünftigere Ansicht anzueignen (Eph. 5:1-17).

    17 In der Bibel werden wir wiederholt darauf hingewiesen, daß das Ende völlig überraschend über die Welt kommen wird. … Danach sagte er: „Erweist auch ihr euch als solche, die bereit sind, denn zu einer Stunde, da ihr es nicht denkt, kommt der Sohn des Menschen“ (Matth. 24:42-44). Aus diesen deutlichen Erklärungen Jesu geht hervor, daß Gottes Diener niemals im voraus den Zeitpunkt wissen werden, an dem Christus zum Gericht „kommen“ wird. Tatsächlich wird dieser Tag zu einer Zeit kommen, in der sie es für ‘unwahrscheinlich’ halten (Luk. 12:39, 40).

    w76 15.10. S. 633 Abs. 15-17 Eine sichere Grundlage für unser Vertrauen

    Wie würdest du dies im Jahre 1976 empfunden haben? Als eine Art Entschuldigung? Oder hat die Leitende Körperschaft die Verantwortung übernommen? Interessanterweise wird in Absatz 17 mit dem gleichen Text aus Matthäus nun genau das Gegenteil vom dem gesagt, was vor 1975 publiziert wurde. Was konnte man in dem am Anfang zitierten Wachtturm Artikel „Was erwartest du von 1975?“ denn lesen?

    Es ist nicht an der Zeit, mit dem Gedanken zu spielen [Englische Ausgabe: Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um mit den Worten Jesu zu spielen], Jesus habe ja gesagt: „Von jenem Tage und jener Stunde hat niemand Kenntnis, weder die Engel der Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater.“ (Matth. 24:36)

    w68 15.8. S. 500-501 Abs. 35-36 „Why are you looking forward to 1975?“ (Englisch); w68 15.11. S. 692-693 Abs. 35-36 “Was erwartest du von 1975?“ (Deutsch)

    Das hat wohl bei vielen zu noch mehr Enttäuschung geführt und daher wurde 1980 dies geschrieben:

    5 In der Neuzeit hat ein solcher Eifer, der an und für sich lobenswert ist, dazu geführt, daß man versucht hat, für die ersehnte Befreiung von den Leiden und Problemen, die die Menschen überall auf Erden plagen, ein Datum festzusetzen. Als das Buch Ewiges Leben — in der Freiheit der Söhne Gottes erschien und man darin lesen konnte, es sei sehr passend, wenn die Tausendjahrherrschaft Christi mit dem siebenten Millennium der Existenz des Menschen parallel liefe, wurden erhebliche Erwartungen bezüglich des Jahres 1975 geweckt. Es wurde damals und auch später erklärt, dies sei lediglich eine Möglichkeit. Unglücklicherweise wurden jedoch zusammen mit diesen vorsichtigen Äußerungen auch andere Erklärungen veröffentlicht, die durchblicken ließen, daß die Erfüllung solcher Hoffnungen in jenem Jahr eher wahrscheinlich als nur möglich sei. Es ist zu bedauern, daß diese späteren Erklärungen offensichtlich die vorsichtigen überschatteten und dazu beitrugen, daß die bereits geweckten Erwartungen noch gesteigert wurden.

    6 In der Ausgabe vom 15. Oktober 1976 schrieb Der Wachtturm, es sei nicht ratsam, sein Augenmerk auf ein bestimmtes Datum zu richten. In diesem Zusammenhang hieß es: „Falls jemand enttäuscht worden ist, weil er nicht diese Einstellung hatte, sollte er sich jetzt bemühen, seine Ansicht zu ändern, und sollte erkennen, daß nicht das Wort Gottes versagt und ihn betrogen und enttäuscht hat, sondern daß sein eigenes Verständnis auf falschen Voraussetzungen beruhte.“ Wenn Der Wachtturm hier „jemand“ sagte, so meinte er damit alle enttäuschten Zeugen Jehovas, also auch diejenigen, die an der Veröffentlichung von Informationen beteiligt waren, die dazu beitrugen, daß in bezug auf dieses Datum Hoffnungen geweckt wurden.

    w80 15.6. S. 17 Wähle den besten Lebensweg (Kursivschrift im Artikel)

    Ist das eine Entschuldigung oder wird hier nicht nochmals versucht, die Verantwortung auf die Verkündiger zu wälzen? Es wird zugegeben, dass der Wachtturm 1976 nur von ‚jemand‘ schrieb. Und dann stellen sich die Verantwortlichen der leitenden Körperschaft selbst in die Reihe der „enttäuschten Zeugen Jehovas“: „auch diejenigen, die ander Veröffentlichung von Informationen beteiligt waren.“ Und was ist mit denen, welche für das Verfassen und die Veröffentlichung verantwortlich waren, nämlich die Leitende Körperschaft? Auch verfälscht Absatz 5 die Tatsachen bezüglich der Publikationen: Es gab viel weniger „andere Erklärungen“. Und wenn etwas offen gelassen wurde, dann nur, was geschehen würde. Das erkennt man auch, wenn man im Verkündiger-Buch einmal genauer liest, was F. Franz auf einem Kongress sagte:

    „Sag mal, was hat es eigentlich mit 1975 auf sich?“
    Die Zeugen hatten lange geglaubt, die Tausendjahrherrschaft Christi werde auf 6 000 Jahre Menschheitsgeschichte folgen. Aber wann würden 6 000 Jahre der Existenz des Menschen enden? Das Buch Ewiges Leben — in der Freiheit der Söhne Gottes, das 1966 auf den Bezirkskongressen freigegeben wurde, wies auf 1975 hin. Schon auf dem Kongreß, als die Brüder das neue Buch durchblätterten, wurde viel über 1975 diskutiert.

    Auf dem Kongreß in Baltimore (Maryland) hielt F. W. Franz die Schlußansprache. Er begann mit den Worten: „Kurz bevor ich das Podium betrat, kam ein junger Mann zu mir und meinte: ‚Sag mal, was hat es eigentlich mit 1975 auf sich?‘ “ Dann sprach Bruder Franz die Fragen an, die aufgekommen waren, nämlich ob der Inhalt des neuen Buches darauf hinausliefe, daß 1975 Harmagedon vorbei wäre und Satan gebunden wäre. Er erklärte in etwa: „Es könnte sein. Aber wir sagen nichts. Bei Gott ist alles möglich. Aber wir sagen nichts. Und keiner von euch sollte etwas Definitives darüber sagen, was zwischen der Gegenwart und 1975 geschehen wird. Doch der wichtige Gedanke bei alldem, liebe Brüder, ist der: Die Zeit ist kurz. Die Zeit läuft ab, darüber besteht kein Zweifel.“

    Viele Zeugen Jehovas handelten in den Jahren nach 1966 im Einklang mit dem Geist, der in diesem Rat zum Ausdruck kam. Allerdings wurden noch andere Erklärungen über dieses Thema veröffentlicht, und einige waren wahrscheinlich etwas zu definitiv. Das wurde im Wachtturm vom 15. Juni 1980 (S. 17) zugegeben. Aber Jehovas Zeugen wurden auch ermahnt, sich hauptsächlich darauf zu konzentrieren, den Willen Jehovas zu tun, und sich nicht übermäßig Gedanken über Daten oder eine frühzeitige Errettung zu machen.

    Verkündiger-Buch jv Kap. 8 S.104

    Was hat der Vizepräsident F. W. Franz also wirklich gesagt? Dass niemand etwas Definitives darüber sagen soll, was vor 1975 passiert! Aber es bestünde kein Zweifel, dass die Zeit kurz ist und abläuft. Dazu muss eigentlich nichts mehr gesagt werden, oder? Anscheinend doch, denn im nächsten Absatz wird doch wieder gezeigt, dass die Verkündiger es waren, die nicht auf die Ermahnung gehört hätten. Von den vier angegebenen Quellen sind übrigens zwei von 1974 und 1975 … da hatte wohl jemand kalte Füße bekommen. In den selben Jahren wurde aber auch dies veröffentlicht:

    How Are You Using Your Life?
    Yes, since the summer of 1973 there have been new peaks in pioneers every month. Now there are 20,394 regular and special pioneers in the United States, an all-time peak. That is 5,190 more than there were in February 1973! A 34-percent increase! Does that not warm our hearts? Reports are heard of brothers selling their homes and property and planning to finish out the rest of their days in this old system in the pioneer service. Certainly this is a fine way to spend the short time remaining before the wicked world’s end. —1 John 2:17.

    Wie nutzt du dein Leben?
    Ja, seit dem Sommer 1973 gab es jeden Monat einen neuen Höchststand an Pionieren. Jetzt gibt es 20.394 reguläre und besondere Pioniere in den Vereinigten Staaten, ein neuer Höchststand. Das sind 5.190 mehr als im Februar 1973! Ein Zuwachs von 34 Prozent! Wird uns da nicht warm ums Herz? Es gibt Berichte von Brüdern, die ihre Häuser und Grundstücke verkaufen und den Rest ihrer Tage in diesem alten System im Pionierdienst zubringen wollen. Das ist sicherlich eine schöne Art, die kurze Zeit zu verbringen, die uns noch bis zum Ende der bösen Welt bleibt. -1 Johannes 2:17.

    Königreichsdienst Mai 1974 (English Seite 4-5)

    Ein Brief von Menschen, die um Dich besorgt sind
    1. Septmeber 1974
    … Jehovas Zeugen auf der ganzen Erde im September zwei besondere Zusammenkünfte abhalten würden….
    Weshalb findet diese besondere Zusammenkunft statt? Weil die Zeit, in der wir leben, es dringend erforderlich macht, daß Du sorgfältig und gebetsvoll darüber nachdenkst, welche Stellung Du vor Jehova Gott einnimmst. Wahrscheinlich ist Dir bereits bekannt, daß für die gegenwärtige gottlose Welt im Jahre 1914 u. Z. die „letzten Tage“ — wie die Bibel sie nennt — angebrochen sind, die nun bald mit der Vernichtung dieser Welt enden werden….
    Folglich wird die Generation, die Augenzeuge der Ereignisse des Jahres 1914 u. Z. war, die Generation sein, die auch die „große Drangsal“ erleben wird. Nahezu sechzig Jahre sind bereits vergangen. Die Zahl derer, die das Jahr 1914 bewußt erlebt haben, nimmt ab. Es ist somit klar, daß die Zeit nahe herbeigekommen ist, da Jehova Gott handeln wird. …
    Da die „große Drangsal“ offensichtlich nahe ist, möchten wir Dich eindringlich auffordern, jetzt nicht mehr zu zögern. …

    Königreichsdienst km 74/8 S. 4 S Deutsch

    Schließlich wurde noch auf einem Bezirkskongress vor einigen Jahren ein Video gezeigt, wo auch dargestellt wurde, wie damals wohl einige auf die Idee kamen, dass 1975 das Ende käme. Wer nur dieses Kongressvideo gesehen hat, wäre niemals auf die Idee gekommen, was wirklich veröffentlicht wurde. Und wir haben uns nur einen kleinen Ausschnitt angesehen.

    Aber ich denke, dass reicht schon, um sich ganz offen und ehrlich die Frage zu stellen: Sollte man der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas vertrauen, sogar sein Leben anvertrauen? Denken wir an Jesu Worte:

    Wer in den kleinen Dingen treu ist, ist auch in großen treu; und wer in den kleinen Dingen unzuverlässig ist, ist es auch in den großen.

    Lukas 16:10 NEÜ

    Einige ausführlichere Zitate:

  • „Diese Generation …“

    „Diese Generation …“

    Von Christian


    Wenn ich heute von ‚der letzten Generation‘ höre, muss ich einfach manchmal an diese ‚letzte Generation‘ denken:

    „Die letzte Generation“ – im Jahr 1984

    Damals nannte man das zwar nicht wirklich ‚die letzte Generation‘, sondern ‚die Generation, die nicht vergehen wird‘. Aber für Zeugen Jehovas damals hatte ‚diese Generation‘ auf jeden Fall auch eine ganz besondere Bedeutung. Warum war das so? Der folgende Text aus Matthäus 24:35 war schon für die Ernsten Bibelforscher wichtig, aber besonders für Jehovas Zeugen ist er von ernormer Bedeutung , weil auch mit diesem Bibeltext seit nun etwa 150 Jahren vor dem ‚kurz bevorstehenden‘ Ende gewarnt wird:

    „Wahrlich, ich sage euch, daß diese Generation auf keinen Fall vergehen wird, bis alle diese Dinge geschehen.“

    (Matthäus 24:34 Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen)

    „Ich versichere euch: Diese Generation wird auf keinen Fall vergehen, bis das alles passiert.“

    (Matthäus 24:34 Die Bibel. Neue-Welt-Übersetzung (Studienausgabe)  2018)

    At this point, we will not go into detail about this teaching. It is enough here to ask what the Bible said about ‚this generation‘ in context:

    „Als Jesus nun wegging und sich aus dem Tempel begab, traten jedoch seine Jünger herzu, um ihm die Bauten des Tempels zu zeigen. In Erwiderung sprach er zu ihnen: „Seht ihr nicht alle diese Dinge? Wahrlich, ich sage euch: Keinesfalls wird hier ein Stein auf dem anderen gelassen, der nicht niedergerissen werden wird.“ Als er auf dem Ölberg saß, traten die Jünger allein zu ihm und sprachen: „Sag uns: Wann werden diese Dinge geschehen, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“

    (Matthäus 24:1-3 NWÜ)

    „Sag uns: Wann werden diese Dinge geschehen, und was wird das Zeichen sein, wann alle diese Dinge zu einem Abschluß kommen sollen?“

    (Markus 13:4 NWÜ)

    „Darauf fragten sie ihn und sprachen: „Lehrer, wann werden diese Dinge tatsächlich geschehen, und was wird das Zeichen dafür sein, wann diese Dinge geschehen sollen?““

    (Lukas 21:7 NWÜ)

    Auf welche Ereignisse bezog sich Jesus also, als er von ‚dieser Generation‘ sprach, die ‚alle diese Dinge‘ erleben würden? Der biblische Text spricht hier eindeutig von Ereignissen in Verbindung mit dem Tempel in Jerusalem und der Umgebung. Von einer gegenbildlichen oder zweiten Erfüllung sagt die Bibel nichts.

    Auffallend ist auch, das in Markus und Lukas der Bezug auf Jesu Gegenwart und das Weltende fehlt. Es gibt gute Gründe zu der Annahme, dass es sich dabei um einen verfälschten Zusatz im Matthäus-Evangelium handelt (siehe hier für eine ausführlichere Begründung).

    Wie gesagt, wir wollen das Thema hier nicht weiter vertiefen, denn es gibt auch ausführliche Bücher und Videos zu diesem Thema (hier eine kleine Auswahl):

    Haben die Bibelforscher udn später die Zeugen Jehovas hier aber immer die selbe Lehre bezüglich ‚der Generation‘ verbreitet? Wäre längere Zeit Zeuge Jehovas war oder sich mit dem Thema anhand der Literatur der Zeugen Jehovas beschäftigt, sieht schnell, dass es eine Reihe von Änderungen gab.

    Um aber das Ausmaß der Änderungen der Lehre der Zeugen Jehovas bezüglich ‚der Generation‘ wirklich zu erfassen, habe ich einmal ein Video erstellt, in dem zeitlich korrekt die wichtigsten Änderungen der Definition gezeigt werden. Links oben sieht man, wieviele Generationen von je 30 Jahren wirklich vergangen wären. Die Pfeile unten zeigen, wie lange im Voraus eine Vorhersage aufgrund ‚der Generation‘ gegeben wurde und wann sie geändert wurden: Nämlich immer dann, wenn sie sich nicht erfüllt hatten.

    Änderungen der Lehre über ‚Diese Generation‘

    Hier ist das Quellenmaterial in der zeitlichen Reihenfolge aufgelistet:

    Und die ausführlichen Quellen als PDF Dokument: