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Apostelgeschichte 11:26 Durch ‚göttliche Vorsehung‘ Christen genannt?

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φιλαλήθης
(@philalithis)
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Die Neue-Welt-Übersetzung gibt Apostelgeschichte 11:26 seit der ersten Ausgabe so wieder:

„So kam es, daß sie ein ganzes Jahr lang mit ihnen in der Versammlung zusammenkamen und eine beträchtliche Volksmenge lehrten, und es war zuerst in Antiọchia, daß die Jünger durch göttliche Vorsehung Christen* genannt* wurden.“ (NWÜ)

„Sie kamen ein ganzes Jahr lang mit der Versammlung zusammen und lehrten eine ziemlich große Menschenmenge. In Antiọchia war es auch, dass die Jünger durch göttliche Vorsehung erstmals Christen genannt wurden.“ (NWÜ 2018)

Der Hinweis auf eine ‚göttliche Vorsehung‘ erscheint außer in der Neue-Welt-Übersetzung, der 2001 Translation und Young’s Literal Translation in keiner der etwa 40 von mir überprüften Übersetzungen.

Immerhin finden sich in der ‚Studienbibel‘ (NWÜ 1986) noch zwei Fußnoten:

  • „Christen“. Gr.: Chrịstianoús; lat.: Chrịstiạni; J17,18,22(hebr.): Meschichijjím, „Messianisten“.
  • Od.: „[als Christen] bezeichnet“.

Die Fußnote zum Wort ‚genannt‘ enhtält also den Hinweise, dass man auch ohne den Zusatz ‚durch göttliche Vorsehung‘ übersetzen kann.

Der griechische Text sieht gemäßt The Kingdom Interlinear Translation of the Greek Scriptures von Zeugen Jehovas so aus:

In der Apostolic Bible Polyglot Interlinear findet man an der selben Stelle auch χρηματίσαι (chrēmatisai), allerdings mit dem englischen Text ‚were called‘, also nur wurden ‚gennant’.

Wieso wird der Text von wenigen mit dem Zusatz ‚durch göttliche Vorsehung‘ übersetzt?

Gemäß Strong’s Wörterbuch ist die Bedeutung: „Geschäfte abwickeln, Antworten geben“ Und als Verwendung: „(ursprünglich: Ich mache Geschäfte), (eine) Aktion von Gott: Ich warne; passieren: Ich werde von Gott gewarnt (wahrscheinlich als Antwort auf eine Anfrage nach der eigenen Pflicht), (b) (ich nehme einen Namen von meinem öffentlichen Geschäft an, also) ich bekomme einen Namen, werde öffentlich genannt.“

Thayer’s Greek Lexicon gibt diese drei Arten der Verwendung:

1. „Geschäfte abwickeln, insbesondere öffentliche Angelegenheiten regeln; jemanden in öffentlichen Angelegenheiten beraten oder konsultieren; denen antworten, die um Rat fragen, Anfragen oder Bitten vorbringen“ usw.; wird von Richtern, Magistraten, Herrschern und Königen verwendet. So heißt es in einigen späteren griechischen Schriften,

2. denjenigen, die ein Orakel befragen, eine Antwort geben (Diodorus 3, 6; 15, 10; Plutarch, mor, S. 435 c. (d. h. de defect. oracc. 46); mehrmals bei Lukian); daher wird es von Gott in Josephus, Antiquities 5, 1, 14; 10, 1, 3; 11, 8, 4 verwendet; allgemein (ohne Bezug auf eine vorherige Konsultation), um einen göttlichen Befehl oder eine Ermahnung zu geben, um vom Himmel zu lehren ((Jeremia 32:16 ())): mit einem Dativ der Person Hiob 40:3; Passiv gefolgt von einem Infinitiv (A. V. offenbart usw.), Lukas 2:26 (χρηματίζειν λόγους πρός τινα, Jeremia 37:2 ()); Passiv, göttlich befohlen, ermahnt, belehrt werden (R. V. von Gott gewarnt), Matthäus 2,12.22; Apostelgeschichte 10,22; Hebräer 8,5; Hebräer 11,7 (diese passive Verwendung findet sich kaum anderswo, außer bei Josephus, Antiquities 3,8,8; (11,8,4); vgl. Buttmann, § 134, 4; (Winers Grammatik, § 39, 1 a.)); das Sprachrohr der göttlichen Offenbarungen zu sein, die Gebote Gottes zu verkünden, (τίνι, Jeremia 33:2 (); Jeremia 36:23 (): von Mose, Hebräer 12:25 (R. V. gewarnt).

3. einen Namen aus dem öffentlichen Leben annehmen (Polybius, Diodorus, Plutarch und andere); allgemein: einen Namen oder Titel erhalten, genannt werden: Apostelgeschichte 11,26; Römer 7,3 (Josephus, Antiquities (8, 6, 2); 13, 11, 3; b. j. 2, 18, 7; (c. Apion. 2, 3, 1; Philo, quod deus immut. § 25 am Ende; leg. ad Gaium § 43); Ἀντίοχον τόν Ἐπιφανῆ χρηματίζοντα, Diodorus in Müllers Fragment vol. ii, S. 17, Nr. 21:4; Ἰάκωβον τόν χρηματισαντα ἀδελφόν τοῦ κυρίου, Acta Philippi am Anfang, S. 75; Tdf. Ausgabe; Ἰακώβου … ὅν καί ἀδελφόν τοῦ Χριστοῦ χρηματίσαι οἱ Θειοι λόγοι περιέχουσιν, Eus. h. e. 7, 19; (vgl. Sophokles‘ Lexicon, unter dem Wort, 2)).

Das in Apostelgeschichte 11:26 verwendete Wort, wird 9 mal in der Bibel verwendet. Hier der Überblick. Die Übersetzung von χρηματίσαι (chrēmatisai) ist jeweils in Fettdruck wiedergegeben. Danach in Klammern [] die Wiedergabe in der Polyglot Internlinear Ausgabe.

„Und da sie im Traum angewiesen [having been divinely warned]  wurden, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg zurück in ihr Land. “ (Matthäus 2:12 Schlachter 2000)

„Und auf eine Anweisung [having been divinely warned] hin, die er im Traum erhielt, zog er weg in das Gebiet Galiläas..“ (Matthäus 2:22 Schlachter 2000)

„Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden [divinely revealed], er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe..“ (Lukas 2:26 Einheitsübersetzung 2016)

„Sie aber sprachen: Kornelius, der Hauptmann, ein gerechter und gottesfürchtiger Mann, der ein gutes Zeugnis hat bei dem ganzen Volk der Juden, hat von einem heiligen Engel die Weisung erhalten [was divinely instructed], dich in sein Haus holen zu lassen, um Worte von dir zu hören.“ (Apostelgeschichte 10:22 Schlachter 2000)

„Er fand ihn und nahm ihn nach Antiochia mit. Dort wirkten sie miteinander ein volles Jahr in der Gemeinde und lehrten eine große Zahl von Menschen. In Antiochia nannte [Were called] man die Jünger zum ersten Mal Christen.“ (Apostelgeschichte 11:26 Einheitsübersetzung 2016)

„So wird sie nun bei Lebzeiten des Mannes eine Ehebrecherin genannt [she will be called], wenn sie einem anderen Mann zu eigen wird; stirbt aber der Mann, so ist sie vom Gesetz frei, sodass sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie einem anderen Mann zu eigen wird“ (Römer 7:3 Schlachter 2000)

„Diese dienen einem Abbild und Schatten des Himmlischen, gemäß der göttlichen Weisung [was divinely instructed], die Mose erhielt, als er die Stiftshütte anfertigen sollte: »Achte darauf«, heißt es nämlich, »dass du alles nach dem Vorbild machst, das dir auf dem Berg gezeigt worden ist!“ (Hebräer 8:5 Schlachter 2000)

„Durch Glauben baute Noah, als er eine göttliche Weisung empfangen [having been divinely instructed] hatte über die Dinge, die man noch nicht sah, von Gottesfurcht bewegt eine Arche zur Rettung seines Hauses; durch ihn verurteilte er die Welt und wurde ein Erbe der Gerechtigkeit aufgrund des Glaubens. “ (Hebräer 11:7 Schlachter 2000)

„Habt acht, dass ihr den nicht abweist, der redet! Denn wenn jene nicht entflohen sind, die den abgewiesen haben, der auf der Erde göttliche Weisungen verkündete [divinely instructing [them]], wie viel weniger wir, wenn wir uns von dem abwenden, der es vom Himmel herab tut!“ (Hebräer 12:25 Schlachter 2000)

Eine erste Argumentation der Zeugen Jehovas wurde schon im Wachtturm 1951 1.12. S. 368 Fragen von Lesern gegeben, also sehr kurz nach der Freigabe der englischen Neue-Welt-Übersetzung. Im Wesentlichen findet sich diese nun auch in den Studienanmerkungen zu Ausgabe von 2018:

„durch göttliche Vorsehung … genannt: In den meisten Bibel­übersetzungen steht einfach nur, dass die Jünger Christen genannt wurden; es ist von keiner göttlichen Einflussnahme die Rede. Allerdings erscheint hier im Griechischen keines der Wörter, die man üblicherweise mit „nennen“ übersetzt (Mat 1:16; 2:23; Mar 11:17; Luk 1:32, 60; Apg 1:12, 19), sondern das Verb chrēmatízō. An fast allen der neun Stellen, an denen es in den Christlichen Griechischen Schriften vorkommt, hat es eindeutig mit etwas zu tun, das göttlichen Ursprungs ist (Mat 2:12, 22; Luk 2:26; Apg 10:22; 11:26; Rö 7:3; Heb 8:5; 11:7; 12:25). In Apg 10:22 wird es z. B. zusammen mit der Formulierung „durch einen heiligen Engel“ verwendet. Und in Mat 2:12, 22 kommt es in Verbindung mit Träumen vor, die Gott eingab. In Rö 11:4 erscheint das verwandte Substantiv chrēmatismós. In den meisten Wörterbüchern und Bibel­übersetzungen findet man dafür Wiedergaben wie „göttlicher Ausspruch“, „göttliche Antwort“, „göttliche Weisung“, „Gottesspruch“. Es ist denkbar, dass Saulus und Barnabas von Jehova angewiesen wurden, den Namen „Christen“ zu verwenden. Manche vermuten, die heidnische Bevölkerung in Antiochia hätte die Nachfolger von Jesus aus Spaß oder Spott als „Christen“ tituliert. Doch die Tatsache, dass hier im Griechischen chrēmatízō steht, macht deutlich, dass Gott hinter dieser Namensgebung stand. Es wäre auch sehr unwahrscheinlich gewesen, dass die Juden Jesu Nachfolger als „Christen“ (griechisch) oder „Messianisten“ (hebräisch) bezeichnet hätten. Sie hatten Jesus als den Messias oder Christus abgelehnt. Hätten sie seine Nachfolger als „Christen“ bezeichnet, hätten sie ihn stillschweigend als Christus oder Gesalbten anerkannt, und davon ist nicht auszugehen.“

Wie leider so oft, klingen diese Argumente auf den ersten Blick überzeugend, sind aber nicht objektiv:

  • Dass ‚keine der üblichen Wörter‘ für ‚nennen‘ verwendet wird, bedeutet noch lange nicht, dass hier eine göttliche Anweisung vorliegt.
  • ‚An fast allen der neun Stellen‘ zeigt klar, dass es eben auch solche gibt, in denen nicht so übersetzt wird. So in Römer 7:3, wo man göttlichen Einfluß nur sehr indirekt über die Thora erkennen kann. 
  • Wichtiger ist, dass in den anderen 7 Verwendungen im direkten Kontext die göttliche Einwirkung klar wird: Träume, Engel etc.
    Dieser direkte Kontext fehlt in Apostelgeschichte 11:26.
  • ‚In den meisten Wörterbüchern und Bibelübersetzungen findet man dafür Wiedergaben …‘
    Zum einen haben wir gesehen, dass sich solche Wiedergaben zwar in Wörterbüchern finden, aber nicht als primäre Bedeutung.
    Zum anderen findet sich diese Übersetzung in anderen Bibelübersetzungen nur in den anderen Texten.
    Hier wird also wieder einmal eine Aussage so trickreich verkürzt, dass sie zwar nicht falsch ist, aber einen falschen Eindruck vermittelt.
  • Dass die anderen genannten Begründungen für Apostelgeschichte 11:26 unwahrscheinlich sind, ist natürlich keine Begründung dafür, dass die eigene Interpretation richtig ist. Es könnte nur eine weitere unwahrscheinliche sein.

Dass man diese Erklärungen mit großer Vorsicht analysieren muss, zeigt sich in der Worterklärung ‚Christen‘ im gleichen Vers:

„Christen: Der griechische Begriff Christianós bedeutet „Anhänger von Christus“. Er kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur drei Mal vor (Apg 11:26; 26:28; 1Pe 4:16) und ist von Christós abgeleitet, was „Gesalbter“ bedeutet. Christen folgen dem Vorbild von Jesus, „dem Christus“, Jehovas Gesalbtem, und leben nach seinen Lehren (Luk 2:26; 4:18). Jesu Jünger erhielten diesen Namen „durch göttliche Vorsehung“, und das vielleicht sogar schon im Jahr 44 u. Z., als sich die in dieser Passage erwähnten Ereignisse abspielten. Der Name setzte sich offenbar in immer weiteren Kreisen durch, denn als Paulus um das Jahr 58 u. Z. vor König Herodes Agrippa II. erschien, war diesem der Name Christen bereits ein Begriff (Apg 26:28). Dem Geschichts­schreiber Tacitus zufolge war der Name 64 u. Z. der breiten Masse in Rom geläufig. Als Petrus zwischen 62 und 64 u. Z. seinen ersten Brief an die Christen schrieb, die im ganzen Römischen Reich verstreut lebten, war der Name weit und breit bekannt und unterschied Jesu Jünger eindeutig von anderen religiösen Gruppierungen (1Pe 1:1, 2; 4:16). Niemand konnte sie mehr mit diesem Namen, den sie von Gott erhalten hatten, für eine jüdische Sekte halten.“

Wieso soll die Bedeutung von Christen Christianós „Anhänger von Christus“ sein und nicht einfach „Gesalbte“? Wo doch dies im nächsten Satz für Christós genau gesagt wird! Und werden die ‚Christen‘, die Brüder und Schwestern in der Bibel nicht immer wieder als mit heiligem Geist gesalbte angesprochen? Das wäre aber für die Lehren der Zeugen Jehovas höchst problematisch. Denn wenn jeder ‚Christ‘ ein Gesalbter wäre, dann widerspräche das ja der Lehre von den ‚anderen Schafen‘, die nur Freunde Gottes sind.

Die Argumentation in der Worterklärung ‚Christ‘ in der NWÜ weißt auf einen weiteren erheblichen Schwachpunkt hin. Wenn ‚vielleicht sogar im Jahr 44 u.Z.‘ der Begriff verwendet und dann sehr schnell überall bekannt war, und dies wegen der ‚göttlichen Vorsehung‘, wie oft würde man diesen so wichtigen Begriff in den christlichen Schriften der Bibel finden, die alle nach 44 u.Z. geschrieben wurden?

Welche Antwort muss die NWÜ geben? „Er kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur drei Mal vor (Apg 11:26; 26:28; 1Pe 4:16)“ Also nach Apg 11:26 nur noch zweimal.

In Apostelgeschichte 26:28 verwendet ihn nicht Paulus, sondern Agrippa!

Agrippa entgegnete: »Du redest so überzeugend, dass du demnächst noch einen Christen aus mir machst!“ (Neue Genfer Übersetzung), Fußnote: Manche halten diese Aussage nicht für ernst gemeint, sondern verstehen sie ironisch-spöttisch. Andere Übersetzungsmöglichkeiten: „Du redest so überzeugend, dass du mich demnächst noch dazu bringst, mich als einen Christen auszugeben!“ Oder: „Meinst du, du könntest mich in so kurzer Zeit“ ( od „mit so geringem Aufwand / mit so schwachen Argumenten“ ) „dazu überreden, Christ zu werden / mich als einen Christen auszugeben?“

Bleibt noch 1. Petrus 4:16

„16 Keiner von euch soll daher als Mörder oder Dieb oder Übeltäter leiden, oder weil er sich in fremde Dinge mischt; 16 wenn er aber als Christ leidet, so soll er sich nicht schämen, sondern er soll Gott verherrlichen in dieser Sache! “ (Schlachter 2000)

Wer bestrafte Mörder, Diebe oder Übeltäter? Sie wurden nach dem römischen Gesetzt verurteilt. Liegt es nicht nahe, dass es in Vers 16 dann darum geht, wenn man beschuldigt wird, ein Christ zu sein, sich dessen nicht schämen soll? Der Kontext dieser Verwendung spricht auch eher dafür, dass die Nachfolger Jesu von anderen als ‚Christen‘ bezeichnet wurden. Denn wer würde sich denn schämen, ein ‚Christ‘ genannt zu werden, wenn dir diese Name ‚durch göttliche Vorsehung‘ gegeben worden wäre?

Dr. Michael Heiser weist in einem Podcast darauf hin, dass in Griechischen im Satz „In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen“ eine grammatikalische Besonderheit vorkommt, welche die Übersetzung schwierig macht. Die meisten übersetzen daher mit dem Passiv. Die Fachleute für Griechisch disutieren das, und es könnte eventuell auch übersetzt werden als: „In Antiochia nannten sich die Jünger zum ersten mal selbst Christen.“

In der englischen Wikipedia findet sich diese Erklärung:

„Kenneth Samuel Wuest ist der Meinung, dass alle drei ursprünglichen neutestamentlichen Verse ein spöttisches Element im Begriff „Christ“ widerspiegeln, das sich auf Anhänger Christi bezieht, die den römischen Kaiser nicht anerkennen.[22] Die Stadt Antiochia, in der man ihnen den Namen Christen gab, war dafür bekannt, solche Spitznamen zu erfinden. [23] Doch Petrus‘ offensichtliche Befürwortung des Begriffs führte dazu, dass er den „Nazarenern“ vorgezogen wurde und der Begriff Christianoi aus dem 1. Petrusbrief zum Standardbegriff bei den frühen Kirchenvätern ab Ignatius und Polykarp wurde.[24]

Die frühesten Vorkommen des Begriffs in der nichtchristlichen Literatur sind Josephus, der sich auf „den Stamm der Christen, der nach ihm benannt wurde“[25] bezieht, Plinius der Jüngere im Briefwechsel mit Trajan und Tacitus, der gegen Ende des 1. In den Annalen berichtet er, dass „sie im Volksmund Christen genannt wurden“[26] und bezeichnet die Christen als Neros Sündenböcke für den Großen Brand von Rom.[27]“ 

Ursprünglich war die Bezeichnung ‚Jünger‘ üblich. Der Begriff ‚Christ‘ wurde erst viel später übernommen.

Was könnte also die Motivation für den Zusatz ‚durch göttliche Vorsehung‘ in der Neue-Welt-Übersetzung gewesen sein? Dies zeigt sich wie oft in der späteren Verwendung des Text in den Veröffentlichungen des Wachtturms:

23 Im Jahre 1931 nahm ein treuer Überrest Gott hingegebener, getaufter Christen, die nicht zu den Sekten der Christenheit gehörten, den Namen „Jehovas Zeugen“ an, um sich dadurch zu kennzeichnen. … Sie erkannten damals, daß für Jehova die Zeit gekommen war, sich einen Namen zu machen, wie er es in den Tagen der alten Propheten getan hatte. …
24 Unter diesen Umständen lenkte Gott durch seinen heiligen Geist ihre Aufmerksamkeit auf seine Prophezeiung, die wir in Jesaja 43:10-12 (Fußnote) lesen:  …
25 Demgemäß bekannte sich dieser Überrest Gott hingegebener, getaufter und gesalbter Christen zu seiner Verantwortung der ganzen Welt gegenüber, indem er den biblischen Namen „Jehovas Zeugen“ annahm. ….
26 Dadurch unterschieden sie sich von allen sich Christen nennenden Sektierern der Christenheit. Beachten wir auch, daß der Name „Christ“ heute kein so besonderer Name mehr ist wie vor neunzehnhundert Jahren. Nach Apostelgeschichte 11:26 wurden die Jünger damals „zuerst in Antiochien [Syrien] Christen genannt“. Das war ungefähr im Jahre 50. Demnach wurden die Jünger Jesu Christi in den Jahren 33 bis 50 nicht als Christen oder Messianisten bezeichnet. Das Wort „Christ“ erscheint übrigens nur dreimal in der ganzen Bibel. — Apg. 11:26; 26:28; 1. Pet. 4:16.
(w62 1.1. S.13 Träger des furchteinflößenden Namens)

Damit wird also schon eine Verbindung zwischen Apostelgeschichte 11:26 und dem neuen Namen ‚Jehovas Zeugen‘ 1931 geknüpft. Dieser Gedanke wird im Wachtturm 1985 aufgegriffen – nicht ohne auch den Gedanken einer von Gott eingesezten Leitenden Körperschaft zu propagieren:

„Gebet und Vertrauen zu Gott, gepaart mit „der Weisheit und der praktischen Erfahrung“ der leitenden Körperschaft, trugen zum Fortschritt des frühen Christentums bei. Und gewiß geschah vieles durch göttliche Vorsehung. Zum Beispiel sagte man von Jesu frühen Nachfolgern, sie würden zu dem „Wege“ gehören (Apostelgeschichte 9:1, 2). Doch wahrscheinlich schon im Jahre 44 u. Z. wurden die Jünger in Antiochia (Syrien) „durch göttliche Vorsehung Christen genannt“ (Apostelgeschichte 11:26). Das war ein von Gott gegebener Name, den sie bereitwillig annahmen (1. Petrus 4:16).“ (w85 1.8. S. 12 Abs. 12)

Schließlich wird in diesem Wachtturm Artikel Warum der Name „Jehovas Zeugen“? der Zusammenhang klar:

Gott läßt in seinem Wort, der Bibel, wiederholt erkennen, daß Namen — besonders sein eigener Name, Jehova — wichtig sind. Auch den Namen seiner Diener mißt er eine bestimmte Bedeutung bei, denn in einigen Fällen änderte er ihre Namen um, zum Beispiel Abram in Abraham, Sarai in Sara, Jakob in Israel usw., und Jesus änderte Simons Namen in Kephas (übersetzt mit Petrus) um. Zu beachten wäre ferner, daß die Jünger „durch göttliche Fügung“ in Antiochien „Christen“ genannt wurden. — Joh. 1:42; Apg. 11:26, NW.

E i n Name war jedoch in der Bibel, den Gott auf seine Diener angewandt und den niemand sonst angenommen hatte und den auch niemand sonst annehmen wollte, ein Name, der einzig und allein zu ihnen paßte: Jehovas Zeugen. Dieser Name stützt sich auf Jesaja 43:10, 12, wo wir lesen: „Ihr seid meine Zeugen, spricht Jehova, und mein Knecht, den ich erwählt habe . . . ihr seid meine Zeugen, spricht Jehova, und ich bin Gott.“

Die Bibel zeigt klar und deutlich, daß die Nachfolger Christi in erster Linie ein Volk für Jehovas Namen sein sollten. … 

Die neuzeitlichen Zeugen Jehovas hatten den Namen Jehovas von Anfang an verkündigt. Doch erst 1931 fühlten sie sich auf Grund der Worte in Jesaja 43:10, 12, die sich offensichtlich auf sie bezogen, veranlaßt, auf einem Kongreß diese Bezeichnung offiziell als Namen anzunehmen.

 



   
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