This series contains the blog articles by biblical scholar Dr Michael S. Heiser in his blog series on eschatology.
Why an Obsession with Eschatology is a Waste of Time, Part 7
Focus: Is there any biblical proof that the 70th week of Daniel = the tribulation period? Everyone assumes it, but there’s no Bible verse that says it.
The question to address in this post is much simpler than others: Is there any biblical proof that the 70th week of Daniel = the tribulation period?
This equation is critical to the pre-trib, premill view of the rapture. That is, without this equation, that view is very damaged.
Sure, there are plenty of biblical references to a time of tribulation, “the time of Jacob’s trouble,” and of course there is the “70 weeks” prophecy of Daniel 9:24-27. But is there any biblical proof that these terms overlap or are to be defined by each other? Is the 70th week of Daniel ever called or alluded to as a period of tribulation? You’d think that would be important (at least I would).
A couple of observations are in order on this one – I’d like some participation from you all, too.
1. Here is a link to all the occurrences of the word used in Matthew 24 for “tribulation” (Greek: thlipsis). Does any use of the term allude to Daniel 9’s 70th week?
2. Notice that in Daniel 9 the only reference to “trouble” (v. 25) is placed before the 70th week. The Septuagint does *not* use thlipsis in this passage to translate this word.
3. The only time Daniel 9:24-27 is specifically referenced in the New Testament is Matt. 24:15. Note that the “tribulation” period in Matthew *follows* in Matt 24:21 (the earlier reference to “tribulation in 24:9 is obviously personal to each of the disciples of Jesus’ day). This suggests that the tribulation period cannot be the 70th week of Daniel, though *part* of that 70th week is defined as a period of tribulation. This is a common position of the pre-wrath rapture view.
So, what I’d like in terms of interaction is for those who would define / equate the 70th week of Daniel with a seven year tribulation to provide some textual support for that view.
We’ll get into the 70 weeks prophecy itself shortly.
Im ersten Teil hatten wir die Einführung diese Buches von T. C. Schmidt betrachtet: Josephus and Jesus – New Evidence for the One Called Christ (Oxford University Press):
Das englische Buch gibt es als PDF Dokument, welches ich am Ende der Seite eingefügt habe. Für dieses Video habe ich Teile davon ins Deutsch übersetzt.
In Teil 1 waren wir an diesem Punkt der Einführung stehen geblieben:
Ich behaupte, dass das TF, die in den erhaltenen Manuskripten der Antiquitates zu finden ist, im Wesentlichen authentisch ist und dass lediglich zwei oder drei Wörter verloren gegangen sind, die noch in griechischen, lateinischen, syrischen, arabischen und armenischen Textzeugen erhalten sind. Dazu gehören das griechische Wort „gewiss“ (τις) und der syrische Ausdruck mestabrā itaw, der in dem TF mit „für den Christus gehalten“ übersetzt werden kann. Das Syrische bedeutet also, dass das ursprüngliche TF nicht sagte, dass Jesus „der Christus war”, sondern nur, dass er „als der Christus angesehen wurde”. Die lateinische Version des TF sagt ebenfalls, dass Jesus „als der Christus angesehen wurde” (credebatur esse).
Es ist jedoch bemerkenswert, dass selbst ohne diese fehlenden Wörter der allgemeine Sinn des TF in den erhaltenen griechischen Manuskripten erhalten geblieben ist, zumindest aus der Sicht vieler antiker Leser. Diese Leser scheinen das erhaltene TF nicht so verstanden zu haben, dass Jesus „der Christus war“, sondern vielmehr, dass Jesus „Christus war“, wobei sie das Wort „Christus“ als einen alternativen Namen für Jesus interpretierten und nicht als einen religiösen Titel.
Ein wesentlicher Vorteil meiner Position besteht darin, dass sie sich nicht auf spekulative Textkorrekturen stützt, die darauf abzielen, das, was Josephus geschrieben haben könnte, neu zu formulieren. Sie ignoriert weder den auffallend josephianischen Charakter des TF, noch die Tatsache, dass so viele Christen der Antike das TF nicht als positive Bewertung Jesu betrachteten, noch die Tatsache, dass es in dem TF Aussagen gibt, die sogar als Kritik an Jesus verstanden werden können. Stattdessen stützt sich die Theorie auf die besten Textbelege und interpretiert das TF in Übereinstimmung mit dem Stil von Josephus, den Vorlieben anderer früher nichtchristlicher Schriftsteller und der Rezeptionsgeschichte des TF selbst. Das Ergebnis ist eine relativ mehrdeutiges TF, das plausibel negativ oder neutral interpretiert werden kann und etwa wie folgt lautet (Abweichungen vom obigen Text und der Übersetzung sind fett gedruckt):
Und zu dieser Zeit lebte ein gewisser Jesus, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt als Menschen bezeichnen kann, denn er vollbrachte unglaubliche Taten und lehrte Menschen, die gerne Weisheiten annahmen. Und er bekehrte viele Juden und viele Griechen. Er galt als der Christus. Und als Pilatus ihn auf Anklage der ersten Männer unter uns zum Tod am Kreuz verurteilte, hörten diejenigen, die ihm zunächst ergeben waren, nicht auf, ihm ergeben zu sein, denn am dritten Tag schien es ihnen, als sei er wieder lebendig, da die göttlichen Propheten solche Dinge und Tausende anderer wunderbarer Dinge über ihn gesagt hatten. Und bis heute ist der Stamm der Christen, die nach ihm benannt wurden, nicht verschwunden.
So interpretiert, ist klar, dass das TF nichts Verdächtiges an sich hat.
Aber damit ist das vorliegende Buch noch lange nicht zu Ende, denn hier stellen sich wichtige Fragen: Wenn das TF echt ist, wenn es wirklich von Josephus verfasst wurde, woher hat Josephus dann seine Informationen über Jesus? Und wie viel wussten diese Quellen über Jesus? Bei der Beantwortung dieser Fragen weisen einige interessante Hinweise innerhalb des TF auf Quellen hin, die Jesus selbst sehr nahe standen. Denn Josephus sagt im TF nicht einfach, dass es die „ersten Männer” (πρώτων ἀνδρῶν) waren, die Jesus beschuldigten, sondern dass es die „ersten Männer unter uns” (παρ’ ἡμῖν) waren. Dies ist ein wichtiger Hinweis, da sich herausstellt, dass der Ausdruck „unter uns” (παρ’ ἡμῖν) in den Schriften von Josephus häufig vorkommt, wo er einundfünfzig Mal verwendet wird. Und wenn man alle diese einundfünfzig Stellen durchgeht, wird deutlich, dass der Ausdruck ein Thema kennzeichnet, mit dem der Sprecher direkt vertraut war. Mit anderen Worten: Josephus scheint im TF zu behaupten, dass er tatsächlich einige derjenigen kannte, die Jesus anklagten.
Es fällt schwer, dies aufgrund eines einzigen sprachlichen Hinweises zu glauben, aber überzeugende Belege für diese Schlussfolgerung finden sich in mehreren anderen Aussagen, in denen Josephus bestätigt, dass er tatsächlich die „ersten“ Männer (πρῶτοι) Jerusalems ab 51/52 n. Chr. kannte. Und es ist nur wahrscheinlich, dass einige dieser „ersten” Männer Jerusalems auch zu den „ersten Männern unter uns” gezählt wurden, von denen Josephus sagt, dass sie Jesus etwa zwanzig Jahre zuvor angeklagt hatten.
All dies führt zu weiteren bedeutenden Entdeckungen. Nach der Analyse des sozialen Netzwerks von Josephus ist es möglich, die Namen einiger Bekannter von Josephus zu identifizieren, die wahrscheinlich an dem Prozess gegen Jesus beteiligt waren. Der wahrscheinlichste Kandidat ist der Hohepriester Ananus II. Er war der Schwager des Hohepriesters Kaiphas und der Sohn des Hohepriesters Ananus I. (Annas in den Evangelien), die beide Jesus zum Tode verurteilten. Wie der Leser sehen wird, hatte Ananus II. guten Grund, bei der Verhandlung gegen Jesus anwesend zu sein, und Josephus kannte Ananus II. persönlich. Es gibt noch mehrere andere Kandidaten, die Josephus ebenfalls kannte und die aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls beim Prozess gegen Jesus anwesend waren. Darüber hinaus ist es offensichtlich, dass Josephus noch weitere Personen aus seinem großen sozialen Netzwerk kannte, die die Gerichtsverfahren gegen die Apostel Jesu unterstützt hatten. Die prominentesten unter ihnen sind zweifellos König Herodes Agrippa II., der beim Prozess gegen den Apostel Paulus anwesend war, und erneut der Hohepriester Ananus II., der Jakobus, den Bruder Jesu, hinrichten ließ.
Insgesamt gesehen deuten die Beweise also darauf hin, dass das Testimonium Flavianum tatsächlich von Josephus verfasst wurde, einem Mann, der diejenigen, die Jesus und die Apostel vor Gericht stellten, tatsächlich kannte. Es bietet daher bemerkenswerte Einblicke sowohl in den historischen Jesus als auch in die frühe christliche Bewegung. Wir tun gut daran, sorgfältig zu überlegen, was darin steht.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung: Der historische Jesus
Die Authentizität des Testimonium Flavianum
Insgesamt betrachtet und objektiv betrachtet weist das Testimonium Flavianum alle Anzeichen von Authentizität auf. Die Gründe dafür liegen im Wesentlichen im Vokabular, in der Ausdrucksweise, in der Rezeption, im Inhalt und im Kontext des TF begründet – die alle mit den frühen jüdischen Tendenzen im Allgemeinen und mit den Tendenzen von Josephus im Besonderen übereinstimmen. Das TF sollte daher mit großer Sicherheit Josephus zugeschrieben werden.
Diese Schlussfolgerung steht jedoch nicht im Einklang mit früheren wissenschaftlichen Theorien, die behaupten, dass das TF verdächtig im Widerspruch zu Josephus Schreibstil steht und Behauptungen enthält, die der jüdische Historiker wahrscheinlich nicht aufgestellt hätte. Die Ergebnisse der Untersuchungen in diesem Buch zeigen stattdessen, dass das TF tatsächlich ziemlich genau dem Stil von Josephus entspricht und dass ihr Inhalt den Aussagen, die Josephus an anderer Stelle häufig macht, sehr ähnlich ist. Darüber hinaus ist das TF durchdrungen von Wörtern, Behauptungen und Redewendungen, die von den frühen Christen nicht verwendet wurden und die den Eindruck erwecken, als seien sie von einem Nichtchristen verfasst worden.
Um einige Beispiele zu wiederholen: Das TF verwendet den Ausdruck „den dritten Tag haben“ (τρίτην ἔχων ἡμέραν), es bezeichnet Christen als „Stamm“ (ϕῦλον), es sagt, dass die Anhänger Jesu sich an „Wahrheiten“ oder „Binsenweisheiten“ (τἀληθῆ) erfreuten, es bezeichnet Jesus als „weisen Mann“ (σοϕός) und es verwendet die Worte „scheinen zu sein“ oder „scheinen“ (ϕαίνω), um die Auferstehung Jesu zu beschreiben – nichts davon wurde von den frühen Christen bevorzugt oder überhaupt jemals verwendet. Das TF stellt auch Behauptungen auf, die im Widerspruch zum frühen christlichen Glauben stehen, beispielsweise wenn es sich fragt, ob Jesus tatsächlich ein Mensch (oder weniger als ein Mensch) war, während die frühen Christen die Leugnung der Menschlichkeit Jesu als ketzerisch betrachteten; oder wie das entgegen dem Neuen Testament behauptet, dass Jesus viele griechische Jünger hatte; oder wie das TF, wiederum entgegen dem Neuen Testament, betont, dass die Jünger Jesu ihm nach seinem Tod treu geblieben sind; oder wie das TF Jesus vor Johannes dem Täufer ansiedelt, was ebenfalls dem Neuen Testament widerspricht. Es gibt sogar potenziell abwertende Begriffe im TF, die ein christlicher Interpolator höchstwahrscheinlich nicht zurückgelassen hätte, wie „ein gewisser Jesus” (Ἰησοῦς τις), „unglaubliche” oder sogar „magische Taten” (παραδόξων), „mit Vergnügen” (ἡδονῇ) und „herüberbringen” oder vielleicht „irreführen” (ἐπηγάγετο).
Solche Beispiele lassen vermuten, dass das TF Jesus nicht so positiv gegenübersteht, wie bisher angenommen wurde. Tatsächlich ist sie so vieldeutig, dass sie negativ, neutral oder positiv interpretiert werden kann – und genau so scheint es auch bei den Lesern der Antike und des Mittelalters gewesen zu sein. Doch obwohl das TF in gewisser Weise mehrdeutig ist, ist dieses es weniger, wenn man es im Lichte der stilistischen Praxis von Josephus interpretiert, die deutlich macht, dass die Aspekte des TF, die als die positivsten gegenüber Jesus (und daher als die verdächtigsten) angesehen wurden, in Wirklichkeit weitaus banaler sind. Entgegen den Behauptungen einiger Gelehrter bestätigt das TF also nicht die Auferstehung Jesu, seinen messianischen Status oder die Erfüllung der Prophezeiung. Stattdessen berichtet sie lediglich über solche Dinge, an die die Anhänger Jesu glaubten. Aus diesem Grund scheinen die meisten antiken und mittelalterlichen Schriftsteller das TF als allgemein neutral interpretiert zu haben, weit entfernt von einer pro-christlichen Überarbeitung oder Interpolation oder Ähnlichem.
Josephus Quellen für Jesus
Darüber hinaus wird deutlich, dass Josephus im TF behauptet, einige der „ersten Männer“ (πρώτων ἀνδρῶν) tatsächlich gekannt zu haben, die an der Kreuzigung Jesu beteiligt waren. Denn er sagt, dass diese „ersten Männer“ „unter uns“ (παρ’ ἡμῖν) waren, ein Ausdruck, der in den einundfünfzig anderen Fällen, in denen Josephus ihn verwendet, immer ein Thema zu kennzeichnen scheint, mit dem der Sprecher direkt verbunden war und das er persönlich kannte. Josephus betont an anderer Stelle mehrfach, dass er die „ersten Männer“ (πρῶτοι) Jerusalems seit Beginn der 50er Jahre n. Chr. und während des gesamten jüdischen Krieges im Jahr 70 n. Chr. gut kannte.
Der geschichtliche Jesus
Wenn Josephus also im TF Jesus eher neutral beschreiben und dabei eine gewisse Mehrdeutigkeit zulassen will, was kann uns das TF dann über den historischen Jesus sagen? Ich denke, sie sagt uns viel. Tatsächlich bestätigt es viele wichtige Punkte über Jesus, die im Neuen Testament dargestellt werden.
Zusammenfassend lässt sich über den historischen Jesus sagen, dass Josephus mehr oder weniger folgende Punkte hervorhebt: Jesus war ein Jude, der von Pontius Pilatus während der Herrschaft des Tetrarchen Herodes Antipas und unter dem Hohepriester Kaiphas gekreuzigt wurde, während der emeritierte Hohepriester Ananus I. noch großen Einfluss hatte. Vor seinem Tod war Jesus als weiser Mann bekannt, der einfache, grundlegende Wahrheiten lehrte, aber auch als polarisierende Figur, wobei einige sich fragten, ob er mehr als ein Mensch sei, während andere ihn für weniger hielten. Er hatte viele Jünger, darunter sowohl Juden als auch Nichtjuden. Diese waren vielleicht nicht besonders gebildet und neigten zu Übereifer. Neben seiner Lehrtätigkeit vollbrachte Jesus auch Wunder, die von einigen als Zauberei angesehen wurden. Andere hingegen glaubten, dass er der Christus sei. Nachdem er auf Geheiß der jüdischen Führer von Pontius Pilatus gekreuzigt worden war, behaupteten seine Jünger, dass er drei Tage später auferstanden sei und damit die jüdische Prophezeiung erfüllt habe. Diese Anhänger Jesu wurden „Christen” genannt und existierten noch am Ende des ersten Jahrhunderts.
Zu dieser Beschreibung muss die historische Beobachtung hinzugefügt werden, dass Josephus Bericht über Jesus wahrscheinlich keine Informationen über Jesus enthält, die aus dem Jahr 93/94 n. Chr. stammen, als Josephus das TF schrieb. Vielmehr reichen Josephus Informationen viele Jahrzehnte zurück und lassen sich auf diejenigen zurückführen, die die Apostel in den 30er bis 60er Jahren n. Chr. verhörten, sowie auf diejenigen, die 30/33 n. Chr. dem Prozess gegen Jesus beiwohnten. Denn Josephus kannte solche Menschen.
Schlussfolgerung
Zu lange haben Wissenschaftler den Wert des Testimonium Flavianum von Josephus abgelehnt. Aber wir müssen den Beweisen folgen: Das Testimonium Flavianum ist authentisch, und darin findet sich ein überzeugendes Zeugnis für die Ursprünge des Christentums und für „den, der Christus genannt wurde“.
Hier ist das PDF Dokument des Buches (in Englisch):
Einer der bekanntesten deutschen Kinder-Abzählreime lautet:
Ene, Mene, Muh und raus bist du!
Kinder Abzählreim
So einfach geht das also! Oder doch nicht? Manchmal versucht jemand, diese Entscheidung hinauszuzögern. Und dann geht es so weiter:
Raus bist du noch lange nicht, sag mir erst wie alt du bist.
Kinder Abzählreim, zweiter Teil
Und um es gleich ganz klar zu sagen: Das gilt für alle, die in hochgradig kontrollierten Gruppen (englisch: high control groups) oder Sekten sind oder waren. Ob Jehovas Zeugen, evangelikale Gruppen, Religionsorganisationen, politische oder ideologische Gruppierungen, Aktivisten usw. Insbesondere, wenn man dort sehr lange war oder sogar von Geburt an.
Das glaubst du mir nicht? Oder hältst es für nicht so dramatisch? Dann täuschst du dich gewaltig. Und deswegen müssen wir mal über PIMOs, POMOs, POMIs und deinen und meinen Glauben reden.
Gestatten, PIMO
Insbesondere im englischen Sprachraum hat sich der Begriff PIMO etabliert: Physically In, Mentally Out. Was so viel bedeutet wie: Physisch drinnen, Mental draußen.
Mittlerweile denke ich immer mehr, dass dieser Begriff auf fast schon gefährliche Weise irreführend ist. Denn er wird oft auf Menschen angewandt – ich kenne das im Kontext der Zeugen Jehovas – die noch aktiv mit den Zeugen Jehovas verbunden sind. Also zum Beispiel immer noch deren Zusammenkünfte besuchen und so weiter, aber innerlich sich distanzieren, indem sie manche Lehren ablehnen oder die Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas nicht mehr akzeptieren oder nach eigenen Aussagen sogar nicht mehr glauben. Aber sie machen halt noch mit. Und aus Angst versuchen sie, dass dies auf keinen Fall jemandem auffällt, weil sie sonst gemieden werden.
Doch sind diese wirklich ‚mental raus‘? Das mögen sie denken, doch oft nur, weil sie gar nicht erkennen, wie sehr sie noch einige der indoktrinierten Denk- und Verhaltensmuster, Gefühle und Maßstäbe, sowie Lehren und Annahmen über ‚Gott und die Welt‘ verinnerlicht haben. Kein Wunder, denn das ist ja genau eines der Ziele der Indoktrination.
Dass das so ist, erkannt man auch daran, wie totalitäre Systeme diese Methoden angewandt haben. Nachdem Adolf Hitler die verschiedenen Organisationen beschreibt, in denen die Menschen von Kindesbeinen an ihr Leben lang lückenlos geformt werden, endet er mit diesem Satz: „… und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben.“
„… und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben.“
Adolf Hitler, Zitat, in dem er die verschiedenen Organisationen zur Formung der Menschen beschrieben hat.
Woran kannst du erkennen, ob du durch eine religiöse Organisation immer noch geformt bist? Das werden wir gleich sehen. Und dein Glaube spielt da eine wesentliche Rolle.
Zunächst wenden wir uns der Weiterentwicklung des PIMO zu.
Der POMO
Wer als PIMO weiter in der Gruppe weiter macht, kann wohl kaum wirklich sagen, dass er richtig raus ist. Das denken hingegen die POMOs von sich.
Ein POMO ist jemand, der meint, mental draußen zu sein und es zumindest physisch ist: Die Person besucht keine Zusammenkünfte mehr oder hat die Organisation der Zeugen sogar offiziell verlassen, ist ausgestiegen. Bei anderen Sekten und Gruppierungen mag die Formulierung anders sein, aber im Prinzip ist die Situation die gleiche.
Tritt man zum Beispiel bei den Zeugen Jehovas offiziell aus, dann – so die offizielle Formulierung – ‚verlässt man die Gemeinschaft‘. Das ist natürlich ein Hohn, weil diejenigen die religiöse Organisation der Zeugen Jehovas verlassen, jedoch die Gemeinschaft mit ihren Freunden und Verwandten nicht aufgeben wollten. Dafür sorgen dann die Regeln der Zeugen Jehovas durch den Gemeinschaftsentzug und das Meiden und die Ächtung.
Aber ist ein POMO wirklich draußen? Geht das so schnell wie im Abzählreim? „Ene, Mene, Muh und raus bist du!“ Von wegen! „Raus bist du noch lange nicht, sag mir erst wie alt du bist.“ Oder besser gesagt: Wie weit du ‚raus‘ bist und aktiv daran gearbeitet hast, raus zu sein. Woran kannst du feststellen, wie weit du raus bist? Dazu kommen wir gleich. Aber wir sollten noch eine dritte Gruppe kurz erwähnen.
Wen es besonders schlimm trifft: Die POMI
Über wen leider wenig gesprochen wird, sind die POMIs: Sie wurden zum Beispiel von Jehovas Zeugen ausgeschlossen oder sind leise gegangen, hängen aber mental noch drin. Jehovas Zeugen dürfen mit Ausgeschlossenen keinen Kontakt haben. Das ist auch durch die jüngsten Änderungen der Lehre nicht besser geworden: Jetzt darf so jemand zumindest im Königreichssaal kurz begrüßt werden – ach du meine Güte! Aber sonst sind sie selbst von der Familie und Freunden isoliert.
Die Ex-Zeugen Jehovas interessieren sich für diese Gruppe auch nicht so recht, weil diese ja immer noch zur Organisation zurück wollen.
Und vermutlich kann man diesen Menschen auch oft kaum helfen, solange sie das Problem bei sich suchen – Indoktrination! – und unbedingt wieder PIMI werden wollen. Also ganz drin sein wollen. Auch ein Thema für sich.
Aber wann ist man denn nun wirklich raus?
‚Draußen‘ mit ganz viel Gepäck von ‚Drinnen‘
Wenn es um physisch ‚drinnen‘ oder ‚draußen‘ geht, machen es die Zeugen Jehovas es einem schon leicht: Tritt man aus, wird man gemieden. Dann ist man von heute auf morgen physisch ‚raus‘.
Vielleicht meinen deswegen viele, dass sie mental auch raus sind. In der Tat dauert das mentale ‚raus-Sein‘ aber viel länger – Jahre. In manchen Punkten ein Leben lang. Das könnten wir jetzt ausführlich und systematisch begründen, aber ich nenne nur ein paar verschiedene Punkte. Vielleicht erkennst du dich ja wieder. Du wirst selbst noch mehr Beispiele finden.
Viele Ex-Zeugen Jehovas haben beschrieben, dass sie noch Jahre und Jahrzehnte nachdem sie die Organisation der Zeugen Jehovas verlassen hatten, immer noch dieses ‚Gefühl der Dringlichkeit‘ hatten. Diejenigen, die in den letzten Jahrzehnten mit dem Gedanken aufgewachsen sind, dass morgen Armageddon kommt und deswegen für nichts außer dem Predigen Zeit ist, empfinden eine ständige Unruhe. Und sind blockiert etwas Langfristiges wie eine Weiterbildung zu planen, weil sie das ja nie durften und taten. Wenn sie vielleicht etwas für die Entspannung planen, haben sie das Gefühl, dass sie Zeit verschwenden. Noch Jahre nach meinem Ausstieg kam es vor, dass mich zum Beispiel jemand fragte, ob ich am Sonntag kommen kann. Sofort geriet mein Körper in den Alarmzustand und der Gedanke schoß mir in den Sinn: Wie erkläre ich bloß, dass ich nicht kann, da Sonntags Versammlung ist.
Wenn du immer noch das Gefühl hast, dass du keine Zeit ‚verschwenden‘ darfst, dass du sie nicht für dich verwenden darfst, bist du vielleicht weniger ‚raus‘, also du denkst.
Bei manchen kommt selbst noch nach Jahren ein bestimmtes Thema immer wieder hoch. Ich habe das bei den Treffen der Beroean Pickets von Eric Wilson in Englisch und Deutsch beobachten können: Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas macht dieses falsch und jenes stimmt nicht. Und was haben wir damals Falsches geglaubt usw. Wenn jemand bei jedem Treffen und zu jedem Bibeltext so einen Kommentar geben kann und es auch tut, ist er dann wirklich mental draußen? Einige haben das ganz gut beschrieben: Wenn sich die Gedanken von jemanden immer noch häufig um die Zeugen Jehovas drehen, dann bist du immer noch gefangen. Ich möchte es so formulieren. Anstatt frei zu werden, lebt jemand direkt vor dem Gitter seiner Gefängniszelle und lamentiert, dass er so lange in der Zelle war. Aufarbeitung und Trauer sind notwendig, aber nicht das Ziel und der Dauerzustand. Dann ist man nicht ‚raus‘.
Es geht nicht um ‚drinnen‘ oder ‚draußen‘, sondern um immer weiter weg. Es hinter sich zu lassen. Und keine Gepäck von ‚Drinnen‘ mitzuschleppen.
Wenn du also ständig schaust, was es Neues bei jw.org gibt, und was die Organisation der Zeugen Jehovas so macht und warum das falsch ist, und du dich oft über dein vergeudetest Leben beklagst, bist du dann wirklich schon durch mit diesem Thema? Wohl kaum. Ich habe bemerkt, dass das Jahre dauert, selbst wenn man sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt. Und es gibt Trigger, welche die Dinge trotzdem immer noch hochkommen lassen.
Wenn du ständig daran denkst oder darüber redest, was die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas Falsches lehrt oder wie deine Lebenszeit vergeudet wurde, bist du noch nicht weit genug ‚raus‘.
Als mir klar wurde, dass die Lehren der Leitenden Körperschaft in die Bibel hineingelesen wurden und sie wissentlich Tatsachen verdrehen und falsch darstellen, wurde ich letztendlich als Abtrünniger gemieden. Als ich weiter die Annahmen untersuchte und feststellte, dass die Lehren der Zeugen Jehovas auch in Bezug auf den Text der Bibel, den Text des Neuen Testaments den Tatsachen widersprechen, habe ich eine Video-Serie darüber gemacht. Für manchen Ex-Zeugen Jehovas wurde ich damit wegen meiner kritischen Analyse auch eine Art Abtrünniger. Jemand Gefährliches, der den Glauben untergräbt. „Den Christian kannst du jetzt auch vergessen.“ haben wohl einige geäußert. Aber entsprach das, was ich veröffentlicht habe, nicht den Tatsachen? Woran lag es dann also? An den Fakten? Oder am ‚ich möchte diese Fakten aber lieber ignorieren, weil sie die Grundlage meines Glaubens in Frage stellen und mir Angst machen‘? Ich würde sagen, dass davon viele noch ganz schön ‚drin‘ sind. Oder zumindest noch eine Menge Lehren der Zeugen Jehovas im Gepäck mit sich rumschleppen.
Wenn du meinst, ‚den Christian kannst du jetzt vergessen‘, weil er in Videos Annahmen über die Bibel, Gott und Religion anhand der Fakten prüft und in Frage stellt, bist du noch ganz schön ‚drin‘, weil du Lehren der Organisation in deinem Gepäck mit dir rumschleppst.
Es könnte auch sein, dass du neben den Lehren der Organisation dir noch neue im gleichen Stil selbst dazu gepackt hast. Dazu gehört die Vorstellung, dass man nur um den heiligen Geist beten und die Bibel lesen muss, um ‚die Wahrheit‘ zu erkennen. Und dass die anderen an ‚falsche Lehren‘ glauben wie die Dreieinigkeit und daher nicht den heiligen Geist haben und nicht ‚die Wahrheit‘ erkennen und Teil der ‚falschen Religion‘ sind. (Siehe zum Beispiel das Video von Eric Wilson Lasse ich mich vom hl. Geist leiten, oder mache ich mir nur etwas vor? Wie kann ich mir sicher sein?). Also wenn eine Ex-Zeuge Jehovas da nicht mehrfach sogar wörtlich die Ideologie der Zeugen Jehovas erkennt … ist er noch ziemlich ‚drin‘.
Wie denkst du über andere Gläubige? Also in anderen christlichen Religionen? Würdest du zum Beispiel ein Buch eines Geistlichen lesen, der ein Kirchenamt hatte und an die Dreieinigkeit glaubt? Als ich Videos veröffentlich hatte, die auf Forschungen von N.T. Wright beruhen, fand das Eric Wilson zum Beispiel gar nicht gut: Wie kann ich nur Material von jemanden veröffentlichen, der Geistlicher in der Kirche ist und an die Dreieinigkeit glaubt! [Nebenbei: N.T. Wright ist aber auch Wissenschaftler und einer der besten Paulus-Experten unserer Zeit.] Nun kannst du aber mal überlegen, von wem die vielen Bibelübersetzungen sind, die du und andere verwenden. Je mehr du darüber nachdenkst, desto mehr wirst du als Ex-Zeuge Jehovas die Parallelen zu den Zeugen Jehovas finden.
Jetzt kommen wir aber zum vielleicht wichtigsten Punkt, an dem du erkennen kannst, ob du noch ‚drin‘ bist, wirklich weit ‚raus‘, oder wieder woanders ‚drin‘ bist.
Am Glauben zeigt sich, ob man wirklich ‚raus‘ ist – oder woanders wieder ‚drin‘
Überraschung: Es geht jetzt gar nicht darum, was du glaubst.
In einem Video von C. J. Cornthwaite bin ich auf einen ganz anderen Aspekt des Glaubens aufmerksam geworden, der mir so nicht bewusst war. Das Video hat auch eine maschinell erzeugte deutschte Tonspur, so dass du es dir selbst anschauen kannst:
Chris bezieht sich hier auf zwei Beschreibungen des Glaubens.
Die zwei Hälften des Lebens
Das erste ist Richard Roar’s Buch „Falling Upward, Revised and Updated: A Spirituality for the Two Halves of Life“.
Im ersten Teil des Lebens ist man egozentrisch. Es geht als Kind darum, selbst Laufen und Sprechen zu lernen, sich zu entwickeln, etwas zu tun und zu werden. Und der Glauben spiegelt das wider. „Er dreht sich sehr um meine persönliche Erlösung, meine persönlichen Erfahrungen mit Gott, mein Verständnis, meine Gemeinschaft und im Grunde genommen darum, dass wir Recht haben und alle anderen Unrecht.“ Könnte von einem Zeugen Jehovas sein, aber Chris wuchs in einer evangelikalen Bewegung auf. Wie sich die Dinge doch ähneln …
In der zweiten Hälfte des Lebens – und das ist jetzt nicht an das Alter gebunden – kannst du „zu einer Art von Reife gelangen, einer Art von reifer, reflexiver Spiritualität, die die Welt nicht nur in Begriffen wie diesen Dualitäten sieht, wie Schwarz und Weiß, Gut und Böse, sondern die Nuancen erkennt und erkennt, dass es eine Art spirituelles Wachstum und Reife gibt.“
Und jetzt kommt die Erkenntnis von Chris, der ich zustimme:
Alle religiösen Institutionen wurde so gestaltet, dass sie dich in der ersten Hälfte des Lebens halten. Und dass wenn du diesen Glauben verlässt, es gar kein richtiger, wahrer, echter Glaube mehr ist.
Manche Institutionen sorgen auch dafür, dass du gar nicht weißt, denkst oder glaubst, dass es diese zweite Hälfte des Lebens mit seinem reifen Glauben überhaupt gibt.
Viele religiöse Institutionen hindern uns daran, zu erkennen, dass Glaube nicht diese dogmatische, engstirnige, schwarz-weiß-Malerei sein muss, dieses Binäre, diese Dualismen. Also, als ob wir Recht hätten und alle anderen Unrecht. Der Glaube muss nicht immer so sein.
Jetzt kannst du dich fragen, zu welcher Hälfte du und dein Glaube gehören. Wirklich ‚raus‘ bist du wohl nur, wenn du zweite Hälfte erreicht hast.
Es gibt noch ein anderes Modell des Glaubens. Das hat ein Sozialwissenschaftler erarbeitet, indem er den Glauben vieler Menschen untersucht hat. Und ein Aspekt davon ist auch hier, dass sie Glaube im Laufe des Lebens ändert.
Die Fowler-Stufen des Glaubens
In einem Religionsbuch für berufliche Gymnasien heißt es:
Der US-amerikanische Forscher James Fowler hat in den 1970er- und 1980er-Jahren durch zahlreiche Interviews herausgefunden, dass sich die Einstellung von Menschen zum Thema Religion abhängig von ihrem Alter stark ähnelt. Fowler unterscheidet 6 Stufen des Glaubens.
Evangelisch verstehen, Religionsbuch für berufliche Gymnasien, Europa Lehrmittel
Stufe 1: Der intuitiv-projektive Glaube (ca. 3-6 Jahre) Stufe 2: Mythisch-wörtlicher Glaube (ca. 6-12 Jahre) Stufe 3: synthetisch-konventioneller Glaube (ab ca. 12 Jahre) Stufe 4: individuierend-reflektierender Glaube (Jugendliche, junge Erwachsene; betont das eigene ich und die kritische Distanz steht im Vordergrund) Stufe 5: verbindender Glaube (Integration in das Selbst und in die Weltsicht von vielem, betont das Gemeinsame) Stufe 6: universalisierender Glaube (äußerst selten; Die Menschen, die am besten durch sie beschrieben werden, haben Glaubensformen hervorgebracht, in denen ihr lebendiges Gefühl für eine letzte Umwelt alles Sein umfasst. Sie verkörpern und aktualisieren den Geist einer umfassend erfüllten menschlichen Gemeinschaft.)
Dieser Betrachtungswinkel in Bezug auf den Glauben ist dir vielleicht völlig neu. Aber auch sehr wichtig. Denn daran zeigt sich vielleicht am meisten, ob du noch ‚drin‘ bist oder nicht nur ‚raus‘, sondern weit genug weg.
Was sagt dein Glaube über dich aus?
Ich möchte noch ein paar Gedanken von Chris aus seinem Video zitieren.
Das ist der Anfang des erwachsenen Glaubens. Wenn man diese Stufe des Glaubens erreicht, die nicht von Gewissheit und Dogmatismus geprägt ist und in der man nicht alle Antworten hat und einfach die Bibel aufschlägt und sie einem alles sagt, was man wissen muss. Das Leben ist viel komplexer als das. Aber das ist spirituelle Reife, und sie sollte gefördert werden. Und die Tatsache, dass es einige Institutionen gibt, nicht viele, aber es gibt einige religiöse Institutionen, die dies feiern, und es gibt einige religiöse Führer, die dies feiern. Das ist eine gute Sache. Aber es ist auch eine Herausforderung, weil es eine Herausforderung ist, mit Menschen zu arbeiten, die nicht wissen, dass es eine zweite Hälfte des Lebens gibt. Und wie bringt man jemanden dorthin, wenn er nicht einmal weiß, dass es sie gibt? Wie feiert man, dass jemand eine spirituelle Reife erreicht hat, wenn er sozialisiert wurde, zu glauben, dass das Erreichen spiritueller Reife eigentlich der spirituelle Tod ist?
C. J. Cornthwaite
Und wie würdest du nun deinen Glauben beschreiben?
Ist dir schon dieser Gedanke in den Sinne gekommen? „Aber die Bibel sagt doch (im Neuen Testament) …“ Gut, das steht so möglicherweise im Text des Neuen Testaments, das du heute lesen kannst. Aber hast du dir schon einmal klar gemacht, wie dieser Text entstanden ist. Fiel er auf einmal von Gott geschrieben vom Himmel? Oder ist diese Idee, dass es nur einen wahren Glauben gibt mit der Zeit entstanden, um die vielen verschiedenen Auffassungen auszumerzen und die Kirche zu einen? Und genau genommen geht es hier gar nicht um Glauben, sondern Lehren, welche Interpretationen und Erklärungen sind, auf Fragen, auf die es viele verschiedene Antworten gab. Die dann durch die Institution der Kirche vereinheitlicht wurde. Das Problem ist also schon so alt wie das Christentum. Und in anderen Religionen und Organisationen entsprechend. Also noch viel älter.
‚Raus‘ und doch schon wieder woanders ‚drin‘, ohne es zu merken
Aber du bist ja nicht mehr ‚drin‘ in der Organisation, zum Beispiel bei den Zeugen Jehovas. Doch bist du vielleicht woanders ‚drin‘? Könnte es sein, dass eine andere ‚Institution‘ dir jetzt sagt, was der ‚richtige‘ Glaube ist?
Als Beispiel nehme ich jetzt einmal, weil ich das aus erster Hand kenne, die Beroean Pickets, welche Eric Wilson gestartet hat. Und nein, das ist jetzt nicht gegen diese Menschen oder Eric gerichtet. Es geht um die Mechanismen, die automatisch laufen und es auch tun, wie ich gesehen habe.
Natürlich sagen er und diejenigen, die sich bei den Beroean Pickets treffen, dass sie nicht die ganze Wahrheit kennen. Aber Eric veröffentlich halt viele Videos, in der er seine Interpretation der Bibel darlegt. Und gleichzeitig organisiert er Online Treffen, hat das auf verschiedene Sprachen ausgedehnt, tauft andere, was auch live übertragen wurde, und schreibt auf seiner Website, was die Beroean Pickets glauben:
Wir sind Christen, die nicht an die Dreifaltigkeit glauben (und denken nicht, dass Jesus Gott ist). Die meisten von uns waren früher Zeugen Jehovas, aber wir heißen alle Menschen willkommen, egal welchen Glaubens, die sich aus den Fesseln der Religion befreien wollen.
Siehst du den Widerspruch? „Aus den Fesseln der Religion befreien“ bedeutet doch auch, dass man nicht mehr die Dogmen der Religion glauben muss. Aber davor steht, was die Beroean Pickets alle – „wir“ – glauben. Mal abgesehen davon, dass es da noch viel mehr Lehren gibt, bindet das nicht die Beroean Pickets an das, was die ‚Institution‘ Beroean Pickets oder Eric Wilson glaubt? Aber er zwingt das ihnen ja nicht auf. Wirklich? Das kann leider auch passiv passieren.
Als ich damals zum ersten Mal an den englischen Zusammenkünften der Beroean Pickets teilgenommen habe, kochte ein Thema hoch: Hat Jephtah (Jiftach) seine Tochter geopfert, also getötet, oder nicht. Der Text der Bibel sagt das eigentlich unmißverständlich. Ist aber ziemlich unbequem. Es gab eine ziemliche Diskussion und letztendlich meinte Eric in etwa das: Das passt nicht zu einem Gott der Liebe und wenn ihr das glaubt, dann verlässt er diese Gruppe (die er ja gegründet hatte). Und was ist dabei das Problem? Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn ihr nicht glaubt, was ich glaube, dann seid ihr nicht in meiner Gruppe.
Das ist der Anfang einer Institution, die dazu führt, dass du nicht einen reifen Glauben erlangst.
Nebenbei: Man hätte diesen Konflikt lösen können, wenn man sich der Annahmen bewusst geworden wäre, dieser hinterfragt hätte und dann die verschiedenen möglichen Erklärungen akzeptiert hätte. Aber das ist ein anderes Thema.
Später ging es bei den Beroan Pickets dann wohl um das Wesen Jesu, was zu einem erheblichen Streit und Schisma geführt hat (findest du alles im Internet, wenn du es wissen willst).
Wie gesagt: Das schreibe ich nicht, um die Beroan Pickets oder Eric Wilson schlecht zu machen. Aber an ihm und seiner Gruppe kann man die Entwicklung einer solchen Bewegung in atemberaubender Geschwindigkeit beobachten. Und wie auch in so einer Gruppe man schon wieder ‚drin‘ ist. Und ein reifer Glaube dort nicht gefördert wird.
Jetzt verstehst du vielleicht besser, warum ich keine Bibelstudiengruppe organisiere, nachdem ich schon lange Videos veröffentliche. Auch wenn ich darin nicht meine Interpretation der Bibel verkünde, sondern die aktuelle Forschung sprechen lasse.
In deiner Bibelstudiengruppe kann – und sollte – es anders sein. Das zeigt sich daran, in welche Richtung dein Glaube gefördert wird.
Du kannst es schaffen
Erfreulicherweise gibt es viele Menschen, die diese Veränderung erfolgreich hinter sich haben. Leider nicht ganz richtig: Die einen großen Teil dieser Veränderung hinter sich haben und sich dessen bewußt sind, dass diese Arbeit nicht abgeschlossen ist.
Und in diesem Sinne kann für dich der Abzählreim enden:
Ene, Mene, Muh und raus bist du! Raus bist du noch lange nicht, sag mir erst wie alt du bist. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 7 ist kein Wort und Du bist fort!
Kinder Abzählreim
Und falls du noch ‚drin‘ bist oder wieder ‚drin‘ bist, als PIMI, PIMO, POMI oder POMO, dann lass dir nicht einreden, dass du deinen Glauben verlierst. Das ist Teil des Gepäcks ‚von drinnen‘.
Ich möchte nochmal Chris zitieren, der es in seinem Video ganz gut beschrieben hat:
Das Ironische daran ist, dass das nicht das Ende des Glaubens bedeuten muss. Das kann tatsächlich der Beginn des Glaubens sein.
This series contains the blog articles by biblical scholar Dr Michael S. Heiser in his blog series on eschatology.
Why an Obsession with Eschatology is a Waste of Time, Part 6
Focus: This post revisits and elaborates upon post #2.
Now that we’re out of the covenants, it’s time to move on to other items that demonstrate how anyone’s position on end times is driven by presuppositions.
Our discussion of the covenants (and some reader comments) brought to light how readily many Christians assume that the promises of an earthly kingdom could not have been fulfilled yet. Now, I’ve already noted that there is more than one way to imagine the land promises being yet future while also being already realized through the Church. I want to revisit the kingdom idea a bit more and show how many Christians feel there is biblical reason to think that the earthly kingdom of God and the land promises have already been fulfilled in Israel — specifically at the time of Solomon.
Let’s go back to the Abrahamic covenant to start:
1 After these things the word of the Lord came to Abram in a vision: Fear not, Abram, I am your shield; your reward shall be very great. 2 But Abram said, O Lord God, what will you give me, for I continue childless, and the heir of my house is Eliezer of Damascus? 3 And Abram said, Behold, you have given me no offspring, and a member of my household will be my heir. 4 And behold, the word of the Lord came to him: This man shall not be your heir; your very own son shall be your heir. 5 And he brought him outside and said, Look toward heaven, and number the stars, if you are able to number them. Then he said to him, So shall your offspring be. 6 And he believed the Lord, and he counted it to him as righteousness. 7 And he said to him, I am the Lord who brought you out from Ur of the Chaldeans to give you this land to possess. 8 But he said, O Lord God, how am I to know that I shall possess it? 9 He said to him, Bring me a heifer three years old, a female goat three years old, a ram three years old, a turtledove, and a young pigeon. 10 And he brought him all these, cut them in half, and laid each half over against the other. But he did not cut the birds in half. 11 And when birds of prey came down on the carcasses, Abram drove them away. 12 As the sun was going down, a deep sleep fell on Abram. And behold, dreadful and great darkness fell upon him. 13 Then the Lord said to Abram, Know for certain that your offspring will be sojourners in a land that is not theirs and will be servants there, and they will be afflicted for four hundred years. 14 But I will bring judgment on the nation that they serve, and afterward they shall come out with great possessions. 15 As for yourself, you shall go to your fathers in peace; you shall be buried in a good old age. 16 And they shall come back here in the fourth generation, for the iniquity of the Amorites is not yet complete. 17 When the sun had gone down and it was dark, behold, a smoking fire pot and a flaming torch passed between these pieces. 18 On that day the Lord made a covenant with Abram, saying, To your offspring I give this land, from the river of Egypt to the great river, the river Euphrates, 19 the land of the Kenites, the Kenizzites, the Kadmonites, 20 the Hittites, the Perizzites, the Rephaim, 21 the Amorites, the Canaanites, the Girgashites and the Jebusites.
Genesis 15:1-21
Notice that in verse 18 we get the parameters of the land promised to Abraham. Verses 19-21 adds the details with regional descriptions. The boundaries are clear. The question is, was this promised land ever held by the nation of Israel? Modern dispensationalist evangelicals say no. The problem is that the Old Testament suggests otherwise. Here’s what 1 Kings 4:21-24 describes the boundaries of the territory under Solomon’s rule (they match the Abrahamic covenant):
21 Solomon ruled over all the kingdoms from the Euphrates to the land of the Philistines and to the border of Egypt. They brought tribute and served Solomon all the days of his life. 22 Solomon’s provision for one day was thirty cors of fine flour and sixty cors of meal, 23 ten fat oxen, and twenty pasture-fed cattle, a hundred sheep, besides deer, gazelles, roebucks, and fattened fowl. 24 For he had dominion over all the region west of the Euphrates from Tiphsah to Gaza, over all the kings west of the Euphrates. And he had peace on all sides around him.
Here’s what it would look like on a map:
This very obviously fits a “no millennium” understanding of the Abrahamic covenant — the position that says the land promises were fulfilled in Israel’s past, so there is no need to posit a literal millennial kingdom future taking place in national Israel.
The other side would object, arguing that all the turf outside the dotted lines (like the coastline) needs to be included for the promise to really be fulfilled. They’d also argue that there were parts of Solomon’s kingdom that were not part of the nation of Israel, but which were just under Solomonic tribute. The believe (“presuppose”) that this doesn’t conform to the way the original promises should be fulfilled.
So which presumption is better? I can’t say I care too much. The point is that the idea of a future millennial kingdom in Israel is not self evident with respect to the Scriptures. That may or may not be the correct read.
Jesus Christus ist eine, wenn nicht sogar die zentrale Person im Glauben von Milliarden von Menschen. Was diejenigen betrifft, die sich Christen nennen, ist dies ziemlich offensichtlich. Aber auch im Koran wird Christus zumindest als herausragender Prophet beschrieben und sollte daher auch für Muslime wichtig sein. Und selbst wenn jemand einen anderen Glauben hat oder Agnostiker oder Atheist ist, könnte er Christus als großen Lehrer der Menschheitsgeschichte betrachten.
Aber gab es diesen Christus als reale Person der Geschichte überhaupt? Während wohl kaum jemand die Existenz des ersten römischen Kaisers Julius Cäsar (damals vermutlich Kaisar ausgesprochen) verneint, gehen aus den verschiedensten Gründen bei Jesus Christus die Meinungen extrem weit auseinander: Von „Gott ist als Christus auf die Erde gekommen“ bis „Es gab überhaupt nie den einen Mensch Christus, der in den Evangelien beschrieben wird.“
Die früheste uns erhaltene Erwähnung von Jesus Christus außerhalb des Neuen Testaments stammt von Flavius Josephus aus dem 1. Jahrhundert. Ich wiederhole: Dem 1. Jahrhundert. Viel näher kann man eigentlich kaum dran sein.
Reicht das nicht als sicherer Beweis, dass Jesus Christus eine historische Person war? Warum gingen die Meinungen auch der Fachleute hier soweit auseinander? Darüber wurden schon eine Menge an Literatur und andere Materialien veröffentlicht.
Ein erst vor kurzem erschienenes Buch enthält interessante neue Evidenzen: T. C. Schmidt Josephus and Jesus – New Evidence for the One Called Christ (Oxford University Press):
Das englische Buch gibt es als PDF Dokument, welches ich am Ende der Seite eingefügt habe. Für dieses Video werde ich Teile davon ins Deutsch übersetzen.
Worum es geht und welche Bedeutung dieses Buch hat, zeigt sich schon in einem Kommentar:
Dieses Buch ist eine außergewöhnliche wissenschaftliche Leistung und hat das Potenzial, die Diskussion über das Testimonium Flavianum und seinen Wert als historische Informationsquelle neu zu definieren. Mit beeindruckender philologischer Scharfsinnigkeit schlägt Schmidt eine überzeugende Lesart des Textes vor, die dessen Authentizität bestätigt. Seine Argumentation für die Existenz einer überraschend engen Verbindung zwischen Josephus und den an der Hinrichtung Jesu Beteiligten sollte von allen Wissenschaftlern, die sich mit dem historischen Jesus beschäftigen, ernst genommen werden.
Tobias Hägerland, Reader in New Testament Studies, University of Gothenburg, Sweden
Am besten lasse ich aber nun Dr. Tom Schmidt selbst sprechen.
Einführung
Irgendwann in den Jahren 93 oder 94 n. Chr. vollendete der jüdische Schriftsteller Flavius Josephus seine Geschichte des jüdischen Volkes mit dem Titel Antiquitates. Er hatte bereits die ferne Vergangenheit behandelt und befasste sich nun mit den jüngeren Ereignissen des Jahres 30 n. Chr. Dort beschloss er, über Jesus von Nazareth zu schreiben. Seine Worte sind von enormer Bedeutung, da sie die früheste Beschreibung Jesu durch einen Nichtchristen darstellen. Was Josephus sagte, ist so berühmt, dass Wissenschaftler seinem Bericht über Jesus einen eigenen Namen gegeben haben: das Testimonium Flavianum. Aber es gibt ein Problem. Obwohl das Testimonium Flavianum in allen Manuskripten von Josephus Antiquitates zu finden ist, haben Wissenschaftler aufgrund der vermeintlich pro-christlichen Aussagen, die es enthält, lange Zeit an seiner Echtheit gezweifelt. Im Folgenden gebe ich die erhaltene griechische Version des Testimonium Flavianum zusammen mit einer Übersetzung wieder, die der gängigsten Interpretation moderner Gelehrter entspricht.
Und in dieser Zeit lebte Jesus, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt als Mann bezeichnen kann, denn er vollbrachte Wunder, lehrte Menschen, die die Wahrheit gerne annahmen. Und er führte viele Juden und viele Griechen zu sich. Er war der Christus. Und als Pilatus ihn auf Anklage der ersten Männer unter uns zum Tod am Kreuz verurteilte, hörten diejenigen, die ihn zuerst geliebt hatten, nicht auf, ihn zu lieben, denn er erschien ihnen am dritten Tag wieder lebendig, da die göttlichen Propheten solche Dinge und Tausende anderer wunderbarer Dinge über ihn gesagt hatten. Und bis heute ist der Stamm der Christen, die nach ihm benannt wurden, nicht verschwunden.
Wenn dieser Absatz authentisch wäre, wäre er nicht nur das früheste Zeugnis über Jesus außerhalb der christlichen Tradition, sondern auch eine bemerkenswerte Bestätigung des christlichen Glaubens an ihn, insbesondere in Bezug auf seine Auferstehung, seinen messianischen Status und die Erfüllung der Prophezeiung – zumindest so, wie das Testimonium Flavianum (TF) üblicherweise verstanden wird. Aus diesem Grund haben Wissenschaftler das TF in der Regel so interpretiert, dass es mehrere Behauptungen enthält, die für einen Juden des ersten Jahrhunderts unwahrscheinlich sind: Jesus wird als etwas mehr als ein Mensch dargestellt, er soll Wunder gewirkt haben, er wird als „der Christus” bezeichnet, sein Tod wird den Juden angelastet, ihm wird die Erfüllung hebräischer Prophezeiungen zugeschrieben, und es wird sogar behauptet, dass er von den Toten auferstanden sei. Auch die Beschreibung der Anhänger Jesu im TF gibt Anlass zu Zweifeln, da das TF offenbar die sehr christlich klingenden Begriffe „Wahrheit” und „Liebe” verwendet, um die Jünger Jesu zu charakterisieren.
Zu der Unwahrscheinlichkeit, dass ein nichtchristlicher Schriftsteller wie Josephus solche Dinge festhalten würde, kommt hinzu, dass der frühchristliche Theologe Origenes von Alexandria ausdrücklich feststellt, dass Josephus „selbst nicht an Jesus als den Christus glaubte“, wie er in seinem apologetischen Werk Gegen Celsus (248 n. Chr.) und erneut in seinem Kommentar zu Matthäus (248 n. Chr.) schreibt. In einem Fall bekräftigt Origenes den Unglauben Josephus‘ an Jesus, indem er eine Passage aus Josephus‘ Antiquitates zitiert, die sich in der Nähe der Stelle befindet, an der TF (angeblich) erklärt haben soll, dass Jesus tatsächlich der Christus sei. Da Origenes etwa achthundert Jahre vor der Abschrift der frühesten erhaltenen Manuskripte der Antiquitates schrieb, gab es offensichtlich genügend Zeit, so die Überlegung, für einen christlichen Schreiber, das TF einzufügen, und für diese Einfügung, sich in den übrigen Manuskripten, die heute erhalten sind, zu verbreiten. Aus diesen Gründen haben viele, wenn auch nicht alle Wissenschaftler die erhaltene Version des TF als eine spätere pro-christliche Interpolation angesehen, entweder ganz oder teilweise. Dies hat wiederum zu vielen Versuchen geführt, mutmaßliche Korrekturen (d. h. hypothetische Überarbeitungen) an dem TF vorzunehmen, in der Hoffnung, das, was Josephus ursprünglich gesagt haben könnte, wiederherzustellen oder neu zu interpretieren.
Diese Zweifel an der Authentizität des TF werfen jedoch mehrere Probleme auf, was von Wissenschaftlern zunehmend anerkannt wird. Das geringste davon ist, dass es viele Diskussionen über das TF von frühen und mittelalterlichen Christen gibt, die älter sind als unsere griechischen Manuskripte der Antiquitates, und obwohl diese Christen dieselbe Form des TF zitieren, wie sie in unseren heutigen Manuskripten zu finden ist, scheinen die meisten das TF überhaupt nicht als pro-christliche Aussage interpretiert zu haben. Stattdessen scheinen sie sie als neutrale, mehrdeutige oder sogar leicht negative Darstellung Jesu angesehen zu haben.
Hinzu kommt, dass das TF durchweg von Parallelen, Redewendungen und Stilmitteln des Josephus geprägt ist, von denen viele inhaltlich anderen skeptischen nichtchristlichen Berichten über Jesus sehr ähnlich sind – so sehr, dass es unwahrscheinlich erscheint, dass das TF in nennenswertem Umfang interpoliert worden sein könnte. Einige Wissenschaftler haben sogar ihre Überraschung darüber zum Ausdruck gebracht, dass sie so viele Parallelen in Josephus‘ Werk gefunden haben. Über diese Punkte hinaus zeigt eine kontextbezogene Lektüre mehrere Aussagen innerhalb des TF, die sogar als kritisch gegenüber Jesus verstanden werden können und die ein späterer christlicher Interpolator höchstwahrscheinlich nicht zurückgelassen hätte, was wiederum von Wissenschaftlern zunehmend anerkannt wird. All dies legt die Vermutung nahe, dass das TF von modernen Wissenschaftlern möglicherweise falsch interpretiert wurde: Vielleicht handelt es sich gar nicht um eine pro-christliche Aussage, sondern um eine allgemein neutrale oder sogar leicht skeptische Darstellung Jesu.
Und genau das ist es, was ich in diesem Buch behaupte. Ich behaupte, dass das TF, die in den erhaltenen Manuskripten der Antiquitates zu finden ist, im Wesentlichen authentisch ist und dass lediglich zwei oder drei Wörter verloren gegangen sind, die noch in griechischen, lateinischen, syrischen, arabischen und armenischen Textzeugen erhalten sind. Dazu gehören das griechische Wort „gewiss“ (τις) und der syrische Ausdruck mestabrā itaw, der in dem TF mit „für den Christus gehalten“ übersetzt werden kann. Das Syrische bedeutet also, dass das ursprüngliche TF nicht sagte, dass Jesus „der Christus war”, sondern nur, dass er „als der Christus angesehen wurde”. Die lateinische Version des TF sagt ebenfalls, dass Jesus „als der Christus angesehen wurde” (credebatur esse).
Es ist jedoch bemerkenswert, dass selbst ohne diese fehlenden Wörter der allgemeine Sinn des TF in den erhaltenen griechischen Manuskripten erhalten geblieben ist, zumindest aus der Sicht vieler antiker Leser. Diese Leser scheinen das erhaltene TF nicht so verstanden zu haben, dass Jesus „der Christus war“, sondern vielmehr, dass Jesus „Christus war“, wobei sie das Wort „Christus“ als einen alternativen Namen für Jesus interpretierten und nicht als einen religiösen Titel.
Ein wesentlicher Vorteil meiner Position besteht darin, dass sie sich nicht auf spekulative Textkorrekturen stützt, die darauf abzielen, das, was Josephus geschrieben haben könnte, neu zu formulieren. Sie ignoriert weder den auffallend josephianischen Charakter des TF, noch die Tatsache, dass so viele Christen der Antike das TF nicht als positive Bewertung Jesu betrachteten, noch die Tatsache, dass es in dem TF Aussagen gibt, die sogar als Kritik an Jesus verstanden werden können. Stattdessen stützt sich die Theorie auf die besten Textbelege und interpretiert das TF in Übereinstimmung mit dem Stil von Josephus, den Vorlieben anderer früher nichtchristlicher Schriftsteller und der Rezeptionsgeschichte des TF selbst. Das Ergebnis ist eine relativ mehrdeutiges TF, das plausibel negativ oder neutral interpretiert werden kann und etwa wie folgt lautet (Abweichungen vom obigen Text und der Übersetzung sind fett gedruckt):
Und zu dieser Zeit lebte ein gewisser Jesus, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt als Menschen bezeichnen kann, denn er vollbrachte unglaubliche Taten und lehrte Menschen, die gerne Weisheiten annahmen. Und er bekehrte viele Juden und viele Griechen. Er galt als der Christus. Und als Pilatus ihn auf Anklage der ersten Männer unter uns zum Tod am Kreuz verurteilte, hörten diejenigen, die ihm zunächst ergeben waren, nicht auf, ihm ergeben zu sein, denn am dritten Tag schien es ihnen, als sei er wieder lebendig, da die göttlichen Propheten solche Dinge und Tausende anderer wunderbarer Dinge über ihn gesagt hatten. Und bis heute ist der Stamm der Christen, die nach ihm benannt wurden, nicht verschwunden.
So interpretiert, ist klar, dass das TF nichts Verdächtiges an sich hat.
T. C. Schmidt geht dann auf weitere Fragen ein und liefert weitere Evidenz für denjenigen, den man Christus nannte. Das werden wir im zweiten Teil sehen.
Hier ist das PDF Dokument des Buches (in Englisch):
Nach der Serie Das vergessene Evangelium der Evangelien, das auf einem Buch von N.T. Wright beruht, möchte ich einen kurzen Ausblick darauf geben, was in den nächsten Monaten voraussichtlich noch kommen wird. Und warum.
Nicht, dass jemand noch auf die Idee kommt, dass ich N.T. Wright und seine Erklärungen als „die Wahrheit“ propagieren möchte – was auch gar nicht in seinem Sinne wäre. Er und andere haben jedoch als Wissenschaftler einige wichtige Punkte herausgearbeitet, die nicht der Hauptrichtung der großen Kirchen und der Tradition entspricht.
Und darum wird es weiter gehen: Den eigenen Horizont erweitern.
Tatsächlich ist es für viele schon ein weiter Weg, um an diesem Punkt anzukommen. Die Situation, in der sich viele befanden oder noch befinden, entspricht diesen Bildern. Und das trifft nicht nur auf den Glauben von Menschen zu, welche in einer Bewegung mit hochgradiger Kontrolle (englisch high control group) waren, wozu nicht nur Jehovas Zeugen und viele fundamentale evangelikale Gruppen gehören. Dort geht es einem so:
Nicht dass ich jemanden mit Pferden vergleichen will. Jemand hat diesen Pferden sogenannte Scheuklappen angelegt. Die Pferde sehen also fast nichts, obwohl sie sich doch anscheinend in einer Stadt bewegen sollen – was für ein Widerspruch! „Nein!“, denkst du vielleicht. Der Name „Scheuklappen“ sagt es doch schon:
Scheuklappen sind seitliche Lederstücke am Pferdezaumzeug, die das Blickfeld einschränken, um das Pferd vor Ablenkungen zu schützen und seine Konzentration zu fördern,
Und durch die Zügel werden sie in die richtige Richtung gelenkt.
Welcher Mensch möchte schon so leben? Zumindest wird das kaum einer sagen, wenn man die Person fragt. Doch übertragen wir das einmal auf das Leben von Menschen – insbesondere den Bereich Glauben und Religion:
Dir wird gesagt, dass du die nicht mit den Gedanken und Lehren anderer beschäftigen sollst. Nichts, was von den Lehren, Dogmen und Praktiken deiner Religion abweicht.
Dir wird sogar verboten, dich mit bestimmten Büchern, Websites und Menschen auseinanderzusetzen – zum Beispiel diesen bösen Abtrünnigen.
Am besten ist, du schränkst auch die Nutzung von Nachrichtenkanälen und sozialen Medien stark ein, denn es gibt doch den einen echten ‚Kanal‘ zu Gott und deine Gemeinschaft.
Das dient alles natürlich nur zu deinem ‚geistigen‘ Schutz, damit du nicht erschrickst und scheu oder verwirrt wirst.
Schließlich kannst du den geraden Weg doch klar sehen!
Und wenn der Weg doch aufgrund von ‚neuem Licht‘ abbiegt, dann wirst du fürsorglich durch die Zügel dorthin geleitet.
Der eine oder andere hat hier vielleicht schon Anspielungen auf die kodierte interne Sprechweise der Zeugen Jehovas herausgehört. Aber hätte ich Wendungen wir ‚Christus im Herzen‘, oder ‚wiedergeboren‘ verwendet, würden andere das genauso erkannt haben. Als ich noch aktiver Zeuge Jehovas war, wurde mir von der Leitenden Körperschaft eingeprägt, dass Jehovas Zeugen etwas Besonderes sind: Nur sie kennen ‚die Wahrheit‘, alle anderen sind Teil der ‚falschen Religion‘. Nach meinem Austritt war ich noch lange unbewusst überzeugt, dass Jehovas Zeugen in einigen Lehren, Gebräuchen und der Abschottung ihrer Mitglieder einzigartig sind. Und das denkst du vielleicht jetzt noch. Aber auch darin sind Jehovas Zeugen nicht völlig anders – die Erfahrungen von Menschen aus fundamentalen, evangelikalen Gruppen hören sich in vielen Punkten genau so an, wie von Aussteigern bei den Zeugen Jehovas. ‚Scheuklappen‘ gibt wohl überall.
Wenn man das erkannt und angefangen hat, es zu verarbeiten, kommt man der nächsten Stufe näher: Den eigenen Horizont erweitern!
Aber wie soll das gehen? Ist der Horizont nicht durch die Erde bestimmt und für alle Menschen gleich? Nein. Und wie das Bild zeigt: Der Horizont ändert er sich, wenn wir uns bewegen:
Die Redewendung „den eigenen Horizont erweitern“ bedeutet, sich neuen Erfahrungen, Wissen und Perspektiven zu öffnen, über den eigenen gewohnten Rahmen (den „Tellerrand“) hinauszuschauen und dadurch den eigenen Blickwinkel zu weiten, um die Welt umfassender zu verstehen. Es geht darum, Neugier zu zeigen, Neues zu lernen und weltoffener zu werden, anstatt in Enge und vorgefertigten Meinungen zu verharren.
KI Zusammenfassung
Und daher werden die kommen Videos divers – ach, auch so ein Trigger-Wort unserer Zeit. Und diese Erkenntnis erweitert schon unseren Horizont: Einschränkende Kulte müssen keinen religiösen Hintergrund haben – können sich aber der selben Methoden bedienen.
Bei einigen Beiträgen, werden manche vielleicht noch so denken: „Also ich verstehe den Christian nicht. Zum einen hat er Beiträge, die meinen Glauben stärken. Und dann hat er wieder Sachen, die meinen Glauben schwächen.“ Ist das nicht noch in Kategorien wie mit ‚Scheuklappen‘ gedacht?
Es wird Beiträge geben, die deine Auffassungen bestätigen werden und einige, die Dinge in Frage stellen. Mit am Interessantesten finde ich Themen, bei denen mir nicht einmal bewusst war, dass man das überhaupt anders sehen könnte. Weil ich sie noch nie hinterfragt habe. Und es hängt von deinen Überzeugungen ab, in welche Richtung das geht. Und es kann in verschiedene Richtungen gehen. Wer also meint, dass man auf diesem Weg nur seinen Glauben verlieren kann, den möchte ich bitten, nochmal von vorne zu lesen oder zuzuhören: Das behaupten religiöse Gruppen (als Warnung) aber auch Atheisten (weil auch da viele meinen, ‚die Wahrheit‘ gepachtet zu haben).
Wenn alles wie geplant klappt, wird es daher in nächster Zeit Beiträge zu diesen Themen geben. Und zwar mehr oder weniger abwechselnd – wegen der Ausgewogenheit und so 😀
Was sagt der Historiker Josephus über Jesus und ist das authentisch?
Was haben Gläubige in den letzten 2000 Jahren zum Thema Lesen und Interpretieren der Bibel gedacht? Das eine oder andere könnte deinen Horizont erweitern …
Was zeichnet das Leben eines Christen aus? Das ist eine Serie von Videos von N.T. Wright, die das nicht dogmatisch beantwortet, sondern interessante Fragen aufwirft und deinen Horizont … du kennst das nun schon. In diesem Fall habe ich den Text übersetzt und mit einer computer-erzeugten Stimme aufgezeichnet. Die Technik ist mittlerweile so gut, dass man die etwa 10 Minuten jeweils zuhören kann.
Was sind die aktuellen Forschungsergebnisse zur Entstehung des Christentums und des Kanons der Bibel? Die Beiträge ergänzen die Serie über den Kanon des Neuen Testaments.
Was passiert, wenn jemand in einer evangelikalen Gruppe aufwächst und sich dann mit den Fakten der Geschichte und Bibelwissenschaft beschäftigt. Und welche sind das? Wer möchte, kann schonmal im YouTube Kanal von C. J. Cornthwaite reinschauen. Google bietet mittlerweile automatische erzeugte deutsche Tonspuren an.
This series contains the blog articles by biblical scholar Dr Michael S. Heiser in his blog series on eschatology.
Why an Obsession with Eschatology is a Waste of Time, Part 5
Focus: Was the New Covenant of Jeremiah 31 fulfilled at Pentecost? If so, that’s another covenant given to Israel fulfilled in the Church, and so we have no reason to look for a national end times revival in Israel.
In the last two posts I’ve been making a simple observation: arguments defending a literal millennium that depend on the unconditionality of the Abrahamic and Davidic covenants are poor. The reasons are twofold: (1) each of those covenants also have clear conditional elements, and (2) Both covenants may be viewed as fulfilled, though this second item is subject to debate. But that’s the point: the premillennial view cannot be defended as self-evident. Possible, yes; self-evident, no.
I’ll be hitting on the land fulfillment issue in subsequent posts, thus returning to the Abraham covenant. But before that, we need to look at one more important covenant that is typically viewed as unconditional and ultimately future, but which is subject to the same two elements above: it has conditions and it can be viewed as fulfilled.
The covenant I speak of is the New Covenant. Here is the prophecy from Jeremiah 31:
31 Behold, the days are coming, declares the Lord, when I will make a new covenant with the house of Israel and the house of Judah, 32 not like the covenant that I made with their fathers on the day when I took them by the hand to bring them out of the land of Egypt, my covenant that they broke, though I was their husband, declares the Lord. 33 But this is the covenant that I will make with the house of Israel after those days, declares the Lord: I will put my law within them, and I will write it on their hearts. And I will be their God, and they shall be my people. 34 And no longer shall each one teach his neighbor and each his brother, saying, Know the Lord, for they shall all know me, from the least of them to the greatest, declares the Lord. For I will forgive their iniquity, and I will remember their sin no more.
Let’s note the elements of importance:
1. The covenant is made with “the house of Israel” (v. 33).
2. The law of God is written on the heart of the believer/faithful person (v. 33)
3. “All” will know the Lord – How should “all” be taken? Premillers and pretribbers want to see this as millennial language, but in that case, “all” cannot mean “all” as in “every person in the kingdom” since Rev 20 tells us there are evil people in the millennium (the people who rebel with Satan after the millennium). Therefore “all” is really a subset. Amillers who would take this as already fulfilled in the Church would say this subset = believers (i.e., everyone who has the law written on their heart will know the Lord). The “all” in this view = the true Israel of Paul — any and every believer.
4. The covenant with the house of Israel is made “after those days” (v.33). “Those days” refers to the time of exile, as any outline of Jeremiah 30-31 will make evident (meaning the question is “how long after the exile is the rest of this fulfilled?”). Here’s one (you can check your own Bible or study Bible too):
a. Return from captivity (Jer. 30:13)
b. The time of Jacobs trouble (30:4-7) – note that this section is assumed to be future by premillers and pretribbers, but verses 4-7 could easily be viewed as a “flashback” to what the Lord had said earlier about Israel and Judah, prior to the promise of return. Again, a future interpretation is not at all self evident.
c. Freedom from bondage to oppressors (30:8-11)
d. Israel’s wounds healed (30:12-17)
e. Rebuilt Jerusalem and her ruler (30:18-22)
f. Judgment, then blessing (30:23-24)
The new covenant (31:1-40)
a. God’s mercy for Ephraim (31:1-6) – Since the northern kingdom of Israel (“Ephraim”) no longer existed in Jeremiah’s day, any fulfillment view would be future to Jeremiah’s time. While the premill / pretrib view assumes this refers to a future regathering of Israel, it could also refer to the presence of Ephraimite tribes returning back to the land (there are such tribal affiliations mentioned after the returns of Ezra and Nehemiah, and the tribes are numbered at 12 after the return – see Ezra 6:17; 8:35; Luke 2:36 [Asher]; Neh 10:28ff. [Levi]). Nevertheless, the fact that this passage (see v. 4) talks about the rebuilding of Israel and Paul equates the true Israel with any believer, Jew or Gentile, may make the whole subject moot.
b. The restoration of Israel in joy (31:7-14)
c. Israel’s amentable present (31:15-22)
d. Judah’s bright future (31:23-26)
e. National increase in the future (31:27-30)
f. God’s new covenant (31:31-34)
g. The perpetuity of Israel (31:35-40)
Now for some discussion. The conditionality aspect with the new covenant is the law of God mentioned in Jer. 31:33. The law refers back to the Law of Moses. Thus the New Covenant relationship presumes obedience to the law. And yet the history of God’s people shows that they cannot keep it. God must do something that makes that possible. He puts the law “in” their heart. In effect, the New Covenant is God’s way not of removing conditions to be his people, but of meeting the conditions for obedience he set long ago for the true children of Abraham (see my earlier post on the Abrahamic covenant) and any descendant of David who would sit on the throne (recall that they would be removed if they were ungodly, despite the Davidic covenant). God meets the demands of his own covenantal requirements through a remnant that he himself calls and instills his law.
So when is the New Covenant fulfilled? The New Testament uses the phrase “new covenant” several times:
Luke 22:20 And likewise the cup after they had eaten, saying, This cup that is poured out for you is the new covenant in my blood.
1 Cor 11:25 In the same way also he took the cup, after supper, saying, This cup is the new covenant in my blood. Do this, as often as you drink it, in remembrance of me.
2 Cor 3:6 who has made us competent to be ministers of a new covenant, not of the letter but of the Spirit. For the letter kills, but the Spirit gives life.
Heb 8:8 For he finds fault with them when he says: Behold, the days are coming, declares the Lord, when I will establish a new covenant with the house of Israel and with the house of Judah,
Heb 8:13 In speaking of a new covenant, he makes the first one obsolete. And what is becoming obsolete and growing old is ready to vanish away.
Heb 9:15 Therefore he is the mediator of a new covenant, so that those who are called may receive the promised eternal inheritance, since a death has occurred that redeems them from the transgressions committed under the first covenant.
Heb 12:24 and to Jesus, the mediator of a new covenant, and to the sprinkled blood that speaks a better word than the blood of Abel.
Clearly, the New Testament sees the New Covenant as fulfilled in the work of Jesus on the cross and through the Church — not in a future millennium. This is not to say that the idea of a millennial kingdom rises or falls on the notion that the New Covenant fulfillment must be yet future. It is to say that argument is lame. There is only one way to get around a New Covenant fulfillment through the Church — one must argue that the new covenant in these New Testament passages isn’t the New Covenant of the Old Testament — but refers to a “new new covenant.” Sound crazy? Then don’t read the Ryrie Study Bible or Ryrie’s famous book, Dispensationalism Today, since that’s exactly what he does to get around this problem (some would say to get around the New Testament). As much as Ryrie deserves respect, what he does with the New Covenant is pure sophistry.
One last question — and this is the meaty one: If one can argue so neatly, with plenty of New Testament evidence (see the last two posts plus the above new covenant references) that all three covenants — Abrahamic, Davidic, and New — are fulfilled through Jesus’s work on the cross and his Church, what need is there for anything else? (or: Why be so resistant to fulfillment in the Church? Or: What are you losing?)
I can’t answer this question for you. I just bring it up to focus again on why I’m doing this series. Everyone brings their bias to eschatology. There are NO self-evident views. Anyone who says otherwise … well, you already know what I think about that from earlier posts. The only way to escape the bias trap (and not really completely escape) is to junk the systems. That’s what I decided to do a long time ago. Granted, I have to make presuppositional decisions like everyone else. But I can say that I have far fewer problems (in part because I don’t go into defense mode when talking about eschatology — I don’t need to). When we get through all this I’ll tell you where I’m at, but we have a loooong way to go.
This series contains the blog articles by biblical scholar Dr Michael S. Heiser in his blog series on eschatology.
Why an Obsession with Eschatology is a Waste of Time, Part 4
Focus: Was the Davidic covenant “sinned away” by the apostasy of Israel that resulted in the exile? The writer of Psalm 89 certainly wondered. If it was, there may be no point in a literal millennial reign of Jesus in the future. His reign would be spiritual, fulfilled beginning at the resurrection and Pentecost through the Church.
In the last post, we talked about how certain views of end times are tied to certain views of the biblical covenants with Abraham and David, as well as the New Covenant. Many Christians want to argue for a literal millennium on the basis of the irrevocable nature of the Abrahamic covenant — the notion that the covenant can never be undone since it was unconditional. The Land promises must therefore come to Israel, and that means a literal millennium is still in the future with respect to biblical prophecy. We saw, however, that the Abrahamic covenant did indeed have conditions, and that it was fulfilled only to Abraham’s “true” children — those who, like Abraham, believe. We saw that the Church fits that nicely per Galatians 3. But we ended with these questions: Since it is those who believe that inherit the promises, what Paul says in Galatians 3 makes perfect sense but is that the end of the story? Is the kingdom the Church? On what grounds would we look to a national kingdom in Israel in the future?
In this post we’ll look at the covenant with David.
A kingdom naturally needs a king. The Israelite king had to be an Israelite (a son of Abraham). That goes without saying. But when David finally reached the throne, God issued a covenant with him as well that added to the criteria for kingship. That covenant is recorded in 2 Samuel 7 (and it is repeated with basically the same language in Psalm 89):
4 But that same night the word of the Lord came to Nathan, 5 Go and tell my servant David, Thus says the Lord: Would you build me a house to dwell in? 6 I have not lived in a house since the day I brought up the people of Israel from Egypt to this day, but I have been moving about in a tent for my dwelling. 7 In all places where I have moved with all the people of Israel, did I speak a word with any of the judges of Israel, whom I commanded to shepherd my people Israel, saying, Why have you not built me a house of cedar? 8 Now, therefore, thus you shall say to my servant David, Thus says the Lord of hosts, I took you from the pasture, from following the sheep, that you should be prince over my people Israel. 9 And I have been with you wherever you went and have cut off all your enemies from before you. And I will make for you a great name, like the name of the great ones of the earth. 10 And I will appoint a place for my people Israel and will plant them, so that they may dwell in their own place and be disturbed no more. And violent men shall afflict them no more, as formerly, 11 from the time that I appointed judges over my people Israel. And I will give you rest from all your enemies. Moreover, the Lord declares to you that the Lord will make you a house. 12 When your days are fulfilled and you lie down with your fathers, I will raise up your offspring after you, who shall come from your body, and I will establish his kingdom. 13 He shall build a house for my name, and I will establish the throne of his kingdom forever. 14 I will be to him a father, and he shall be to me a son. When he commits iniquity, I will discipline him with the rod of men, with the stripes of the sons of men, 15 but my steadfast love will not depart from him, as I took it from Saul, whom I put away from before you. 16 And your house and your kingdom shall be made sure forever before me. Your throne shall be established forever. 17 In accordance with all these words, and in accordance with all this vision, Nathan spoke to David.
This covenant is unilateral (initiated only by God) and is unconditional in its language. 2 Samuel 7:21 has David responding: “Because of your promise, and according to your own heart, you have brought about all this greatness, to make your servant know it.” There are no conditions placed on David. It can be divided into promises David would see in his lifetime (vv. 8-11a) and promises to be fulfilled after his death (11b-16). The key idea in this covenant is that David’s dynasty is established as the sole legitimate dynasty for kingship in Jerusalem. God guarantees that no one would reign as king in Jerusalem except a descendant of David. David’s throne is therefore eternal.
But is that it? We saw Abraham’s covenant was BOTH unconditional and conditional. It was unconditional in that God guaranteed its fulfillment regardless of human behavior. It was conditional in that only those who believed and obeyed (“obedience of faith”) would reap any benefit from it. And it was ultimately fulfilled in Jesus – the perfectly obedient son of Abraham through whom all nations would be blessed (Gen 12:3).
David’s covenant is the same — it’s actually both unconditional and conditional. Note the conditional language in 2 Samuel 7:12-15
12 When your days are fulfilled and you lie down with your fathers, I will raise up your offspring after you, who shall come from your body, and I will establish his kingdom. 13 He shall build a house for my name, and I will establish the throne of his kingdom forever. 14 I will be to him a father, and he shall be to me a son. When he commits iniquity, I will discipline him with the rod of men, with the stripes of the sons of men, 15 but my steadfast love will not depart from him, as I took it from Saul, whom I put away from before you.
The referent is SOLOMON, who succeeded David. Even if Solomon goes astray (which he did), God promised that he would still be loyal to David’s line.
The conditional idea of loyalty to Yahweh to gain the benefit of the unconditional covenant is evidenced in Psalm 132:11-12 –
The Lord swore to David a sure oath from which he will not turn back: One of the sons of your body I will set on your throne. If your sons keep my covenant and my testimonies that I shall teach them, their sons also forever shall sit on your throne.
It’s clear – the king was supposed to be righteous, and if he wasn’t, they could expect their immediate line to be cut off. They’d be replaced.
Look what happened in Israel’s history after Solomon. The kingdom split in two. David’s line (2 tribes; Judah) outlived the rebel kingdom of the north (10 tribes; Israel), but it was indeed destroyed in 586 BC. There has been no king (Davidic or otherwise) that has occupied the throne of Jerusalem since . . . depending on how you look at things.
What gives with the demise of the kingdom then? Davidic kingship needs a closer look. The covenant with David actually created a “Father-son” relationship between God and the king. This is indicated in Psalm 2:7-8, Psalm 89. God says of the king, “I will be his father, and he shall be my son.” But what about evil, disloyal sons? What about Israelite kings who disobeyed the Abrahamic covenant and Yahweh’s righteous demands? They are cast aside, but (like the Abrahamic covenant) their rejection does not annul the covenant itself — it just means they forfeit kingship and Yahweh’s blessing. Passages like 1 Kings 6:12-13; 1 Kings 9:4-7 tell us that disloyal sons/kings lose Yahweh’s blessing, even if they are from David’s line. Waltke says it this way:
“YHWH granted both Abraham and David an eternal progeny and fief. Loyal sons . . . would fully enjoy the fief; disloyal sons would lose YHWH’s protection and, if they persisted in their wrongdoing, the possession of the fief itself. The fief, however, would never be confiscated–a promise that opens up the hope that YHWH would raise up a loyal son.”1
The point of all this can be summarized in two questions:
1. Since God allowed the nation of Judah and David’s line to be destroyed and displaced, what of the Davidic covenant? Is it over?
The question is usually answered “no” by Christians, regardless of their end time kingdom views. There is consensus that “God would raise up a loyal son” — Jesus — to fulfill the covenant. That brings us to the second, more weighty, question:
2. Is it possible that the Davidic covenant was already fulfilled in Jesus, the son of David and messiah?
If this is the case, the covenant is fully honored by God and fulfilled, and there would be no reason to expect a literal reign of Jesus on earth. But why? Many reading this will say, “How can the covenant be fulfilled when Jesus hasn’t come back and occupied the throne? The very question assumes that a literal land and kingdom are required by the ABRAHAMIC covenant — which we saw in the last couple of posts, is NOT a self-evident interpretation of the biblical text. It may well be that the kingdom = the Church. But if that is the case, is Jesus king now?
Isn’t the question interesting? Does anyone really want to deny that Jesus is king NOW?
Is Jesus on the throne now? According to Hebrews 8:1 and 12:2 he is. He is “seated at the right hand of God.” But that isn’t enough for many Christians. They want the literal reign. Fine. That isn’t a sin. My goal here is only to show that the idea that the Davidic kingship has already been fulfilled can be made with clarity and coherence via the biblical text. The amillennialist can easily argue that both the Abrahamic and Davidic covenants were fulfilled in Jesus, period. Those who want a literal kingship in the future can say “Jesus is king in heaven now and he will be later on earth” — but recognize that such a view depends on one’s view of the Abrahamic covenant’s land promises! Without that you don’t need this. Since we cannot know absolutely which way it goes, let’s quit talking like there’s only one “biblical” view of eschatology. I hope you can see why I try not to roll my eyes when I hear that sort of thing. And we have a long way to go yet!
Bruce K. Waltke, The Phenomenon of Conditionality within Unconditional Covenants, in Israels Apostasy and Restoration: Essays in Honor of Roland K. Harrison, ed. Avraham Gileadi, Baker: 1988, pp. 131-132. ↩︎
Im elften Kapitel des Buches von N.T. Wright How God Became King: The Forgotten Story of the Gospels (Deutsche Übersetzung: Reich Gottes, Kreuz, Kirche. Die vergessene Story der Evangelien) geht es zum Abschluss darum, wie man in Anbetracht der Evangelien die Glaubensbekenntnisse besser lesen und verstehen sollte.
Das Ganze und seine Teile
Als ganz gewöhnliche Christen haben wir das Neue Testament vor uns und freuen uns über diesen wundervollen Text. Aber uns ist auch bewusst, dass wir manches nicht verstehen, die Bedeutung im Kontext und in der Sprache des ersten Jahrhunderts uns fremd sind und wir manche Zusammenhänge noch nicht einmal erahnen. Aber das sollte doch alles kein Problem sein, denn über zwei Jahrtausende haben Bibelgelehrte diese Texte analysiert, in Teile auseinandergenommen, repariert und poliert und uns dann diese wundervollen Teil präsentiert und ausführlich erklärt.
Dabei haben Gelehrte und Konfessionen jeweils verschiedene Texte unterschiedlich interpretiert und unterschiedliche Teile des Neuen Testaments hervorgehoben. Und auch wenn wir die Bemühungen der Gelehrten schätzen, fragen wir uns vielleicht manchmal, ob diese wirklich über den selben Text des Neuen Testaments sprechen.
Was wir aber brauchen, sind nicht die hervorragend präsentierte Einzelteile, sondern das wieder zusammengesetzte Ganze: „Der Text wurde schließlich geschrieben, um Teil des Lebenselixiers einer Gemeinschaft zu sein.“ Die späteren Glaubensbekenntnisse, wie zum Beispiel das Nizänische Glaubensbekenntnis, waren historische Meilensteine der christlichen Gemeinschaft – auf Grundlage und zusammen mit den Evangelien. Sie dürfen kein Ersatz dafür sein und waren so auch nicht gedacht.
Betrachten wir zum Beispiel noch einmal das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis oder Apostolikum (lateinisch Symbolum Apostolorum or Symbolum Apostolicum), wie man es lesen könnte und wie man es vielleicht besser lesen sollte.
Eine Art, wie man das Glaubensbekenntnis lesen kann
Im Folgenden verwende ich die deutsche ökumenische Fassung anstatt einer eigenen Übersetzung der englischen Version, die N.T. Wright im Buch verwendet
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Apostolische Glaubensbekenntnis
Hier sollten wir nicht sofort in eine Schöpfung-versus-Evolution Diskussion abgleiten. Doch möglicherweise geht man hier schnell weiter, ohne sich bewusst zu machen, welche bedeutende Aussage das ist: Die Welt ist kein düsterer Platz, der von niedrigeren Gottheit gemacht wurde, wie dies zum Beispiel Marcion und andere lehrten. Viele werden (zu) schnell zum nächsten Teil weitergehen …
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
Apostolische Glaubensbekenntnis
Viele Christen tun dies und pflegen so ihren stillen und unerkannten Marcionismus: Dass das Alte Testament nur eine Art Unterbrechung in der Geschichte ist zwischen Schöpfung und Jesus. N.T. Wright formuliert die Gedanken vieler so: „„Ja, Gott hat die Welt erschaffen, aber wir sind Sünder, und deshalb hat Gott Jesus gesandt, um uns von unseren Sünden zu erlösen.““
Aber das Wort Christus in ‚Jesus Christus‘ ist kein zweiter Vorname sondern der Titel: „Jesus, der jüdische Messias“. Und mit ‚unser Herr‘ ist nicht vage gemeint ‚den wir verehren und anrufen‘. Herr hat hier die Bedeutung eines echten Herrschers.
Der nächste Teil im Glaubensbekenntnis ist derjenige, den wir schon am Anfang der Serie angesprochen haben und der den größten Teil der Evangelien ignoriert:
empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
Apostolische Glaubensbekenntnis
Und warum? Interessanterweise werden hier viele an etwas denken, was erstaunlicherweise nicht in diese frühen Glaubensbekenntnissen hier steht: „Das Apostolische Glaubensbekenntnis erwähnt den Zweck des Todes nicht, ebenso wenig wie das Nizänische Glaubensbekenntnis – „der für uns Menschen und zu unserem Heil gestorben ist“ –, aber die meisten modernen Christen, die ein Glaubensbekenntnis haben, werden an dieser Stelle daran denken und zu Recht dankbar sein.“ Und man muss sich wie N.T. Wright diese Fragen stellen: „Aber werden sie die Menschwerdung so verstehen, dass Gott Mensch wird, um König zu werden? Werden sie das Kreuz als das Mittel verstehen, mit dem Gott sein Werk des fleischgewordenen Königreichs vollendete? Ziemlich sicher nicht.“
Tatsächlich kann ich N. T. Wright hier gut verstehen: „Tatsächlich habe ich manchmal Angst, dass die Menschen umso eifriger darauf bedacht sind, die offiziellen Lehren in diesem verkürzten Sinne zu bestätigen, um die Implikationen, dass Gott tatsächlich König auf Erden wie im Himmel ist, sorgfältig zu vermeiden. Es ist viel sicherer, einen Supermann Jesus zu haben, der in die Welt hinabsteigt, um uns von ihr zu befreien.“
Den nächsten Teil im Glaubensbekenntnis werden wohl auch die wenigsten verstehen und schnell übergeben:
hinabgestiegen in das Reich des Todes [lateinisch descendit ad inferos, oft als Hölle übersetzt],
Apostolische Glaubensbekenntnis
Warum sollte Jesus in die Hölle hinabsteigen? Oder in des Reich des Todes? ‚Hinabsteigen‘ ist ja eine aktive Tätigkeit, die sonst nur Lebende durchführen können, aber davor heißt es doch, er sei gestorben gewesen. Wie gut, dass gleich danach ein vertrauter schöner Gedanke kommt:
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
Apostolische Glaubensbekenntnis
Sind wir uns der symbolischen Bedeutung dieser Beschreibung bewusst? Oder bleibt nur der Eindruck, dass Jesus einfach weit weg ist? Aber dann kommt das, worauf viele Christen warten:
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Apostolische Glaubensbekenntnis
„Gut, denken Christen, für die das Glaubensbekenntnis zentral ist. Das Jüngste Gericht mag eine beängstigende Aussicht sein, aber wir wissen, dass wir, da wir durch den Glauben gerechtfertigt sind, „keine Verdammnis“ zu fürchten brauchen, wie Paulus sagt (Römer 8,1).“ Und beutet das nicht, dass wir dann in den Himmel kommen? Da steht allerdings nicht da.
Damit könnte das Apostolische Glaubensbekenntnis doch aufhören, doch es tut es nicht:
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische (christliche/allgemeine)[11] Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten[12] und das ewige Leben. Amen.
Apostolische Glaubensbekenntnis
Nun gilt es zum einen festzuhalten, dass das lateinische „sanctam Ecclesiam catholicam“ sich nicht auf die heutige Katholische Kirche bezieht. Sondern mit catholicam allgemein gemeint ist. Also eine ganz andere Aussage. Und was ist die „Gemeinschaft der Heiligen“? Und spätestens bei der „Auferstehung der Toten und das ewige Leben“ werden viele meinen, dass damit des ewige Leben im Himmel gemeint ist. Diesen Gedanken haben die Christen damals aber nicht in den Evangelien gefunden und auch nicht ins Apostolischen Glaubensbekenntnis hineingeschrieben.
Wir sehen, dass ein Glaubensbekenntnis vielleicht hilfreich sein kein, einige wesentlich Kernelemente des Glaubens im Sinn zu behalten. Aber ohne die Grundlage der Evangelien man gar nicht richtig weiß, was damit gemeint ist.
Eine andere Art, das Glaubensbekenntnis zu lesen
Gehen wir das Apostolische Glaubensbekenntnis also nochmal durch:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Apostolische Glaubensbekenntnis
„Hier wird der weise Anbeter den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs feiern, weil er weiß, dass dieses Bekenntnis zu ihm als „Vater“ auf die jüdischen Schriften zurückgeht und dass die Freude an ihm als Schöpfer von allem, Himmel und Erde, uns nicht nur auf eine Stufe mit dem Autor von Genesis 1 stellt, sondern auch mit so majestätischen Schriften wie Psalm 19 … Jesaja 40 … Psalm 96.“
Vielleicht denkst du jetzt: ‚Moment mal, Gott wird im Alten Testament doch nicht als Vater bezeichnet!‘ Tatsächlich nicht? Nehmen wir zum Beispiel 2. Mose 4::22-23 „Dann wirst du dem Pharao verkünden: ‚So spricht Jahwe: Israel ist mein erstgeborener Sohn. Und ich sage dir: Lass meinen Sohn ziehen, dass er mir dient. …‘“ (NEÜ) Hier spricht er doch von der engen Beziehung wie zwischen Vater und Sohn, uns so haben es die Israeliten auch im Schma Israel nach 5. Mose 6:4-9 empfunden.
Und so wird die ganze Schöpfung – Himmel und Erde – ein Tempel für Gott werden, wie Paulus schrieb: „Er will dann, wenn die richtige Zeit dafür gekommen ist, seinen Plan ausführen und alles unter ‹das Haupt von› Christus bringen, alles, was im Himmel und auf der Erde existiert.“ (Epheser 1:10, NEÜ) Was uns gleich zum nächsten Punkte im Glaubensbekenntnis bringt.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
Apostolische Glaubensbekenntnis
Wie schon gesagt, ist Christus in ‚Jesus Christus‘ ist kein zweiter Vorname sondern der Titel: „Jesus, der jüdische Messias“ Und mit ‚unser Herr‘ ist nicht vage gemeint ‚den wir verehren und anrufen‘. Herr hat hier die Bedeutung eines echten Herrschers. Was uns an Psalm 2 erinnern sollte. „Und ihn als „Herr“ zu bezeichnen, war im Kanon nie eine bloße Ehrenbezeichnung. Es war einer der regulären kaiserlichen Titel.“
empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
Apostolische Glaubensbekenntnis
Die Geburt Jesu war ein hoch politischer Moment, wie es auch Matthäus und Lukas so darstellen. Er ist es, der das Königreich des einen wahren Gottes etablieren wird.
Das Nizänische Glaubensbekenntnis fügt hier hinzu: „Für uns Menschen, und unsere Rettung“. Aber das legt einen Schwerpunkt auf etwas ganz anderes, als das, was davor über das Königreich Gottes gesagt wurde. N.T. Wright schreibt dazu: „Ja, in der Tat, aber diese „Rettung“ ist nicht eine Rettung von der Erde, von Gottes Schöpfung, sondern in und für die Erde und für uns als Geschöpfe der Erde.“
hinabgestiegen in das Reich des Todes [lateinisch descendit ad inferos, oft als Hölle übersetzt],
Apostolische Glaubensbekenntnis
Wo kommt eigentlich dieser eine Gedanke her, dass Jesus nach seiner Hinrichtung und vor der Auferstehung, in das „Reich des Todes“ oder die „Hölle“, wie oft übersetzt wurde, hinabgestiegen ist? Es gibt nur einen Bibelvers dazu: „So ist er auch zu den Geistern im Gefängnis hinabgefahren und hat ihnen die Botschaft verkündigt,“ (1. Petrus 3:19 Züricher) Warum ist das so wichtig, dass es im Glaubensbekenntnis steht? Vielleicht hilft uns auch hier N.T. Wrights Erklärung: „Es ist vor allem eine Aussage Jesu, der den „Geistern im Gefängnis“ verkündet, dass Gott durch seinen Tod den endgültigen Sieg errungen hat.“
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
Apostolische Glaubensbekenntnis
Die volle Bedeutung dieser Passage fasst N.T. Wright wie folgt zusammen: „Wenn Jesus derjenige ist, der das Schicksal Israels trägt, und wenn Israel das Volk ist, das die ultimativen Absichten Gottes trägt, seine Gerechtigkeit und neue Schöpfung zur Welt zu bringen, dann ist die Auferstehung Jesu der Startschuss für die neue Welt, in der diese Gerechtigkeit und neue Schöpfung endlich angekommen sind, auf der Erde wie im Himmel. „Manche Menschen, die hier stehen“, sagte Jesus, “werden den Tod nicht erleben, bevor sie sehen, dass Gottes Reich in Kraft tritt.“ Ja, und das haben sie jetzt. Und die Himmelfahrt ist dann, wie Lukas sicherlich beabsichtigt und Johannes und Matthäus andeuten, kein „Weggehen“ Jesu in dem Sinne, dass er aus den Augen und aus dem Sinn ist. Der Himmel ist im biblischen Denken schließlich der „Kontrollraum“ für die Erde. Dass Jesus jetzt „zur Rechten Gottes“ ist, bedeutet, dass ihm die volle Autorität über Himmel und Erde übertragen wurde, wie Jesus bei Matthäus ausdrücklich sagt. Jede Zeile in diesem Abschnitt des Glaubensbekenntnisses spricht also kraftvoll über das Königreich Gottes.“
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Apostolische Glaubensbekenntnis
Das Nizänische Glaubensbekenntnis fügt hier hinzu: „uns sein Königreich wird nie enden“. „Das Reich (das Jesus in seiner öffentlichen Karriere eingeführt und durch seinen Tod und seine Auferstehung errichtet hat) wird niemals enden.“
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische (christliche/allgemeine)[11] Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten[12] und das ewige Leben. Amen.
Apostolische Glaubensbekenntnis
Mit den Gedanken zum Königreich Gottes im Sinn erkennt man besser, warum der heilige Geist gegeben wurde: Es gibt klar einen missionarischen Auftrag, der durch den heiligen Geist ermöglicht wird. (Johannes 20:19-24) Es geht nicht primär darum, dass sich Gottes erlöstes Volk durch seine Präsenz und Liebe wohl fühlt, sondern was wir daraus machen. Die „heilige katholische Kirche“ ist nicht die Institution, in der wir uns niederlassen und sicher fühlen können. Es ist die weltweite Gemeinschaft, welche aus ihrem Missionsauftrag heraus besteht. Es geht darum, dass wir mit diesen ‚Königreichs Leuten‘ aller Zeiten eine Gemeinschaft bilden und uns solidarisch fühlen.
Und schließlich endet das Glaubensbekenntnis mit einer wirklich bewegenden Aussage.
Und so kommen wir schließlich zu der „Auferstehung des Leibes und dem ewigen Leben“. Hier müssen wir um die bekannten Worte die große neutestamentliche Hoffnung „festmachen“: „das Leben des kommenden Zeitalters“, das „kommende Zeitalter“, in dem die ganze Schöpfung verwandelt wird, um die Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes zu teilen. Und in dieser neuen Schöpfung, dem Zusammenkommen von Himmel und Erde, von dem Paulus sprach (Eph. 1:10), wird Gottes Volk ein neuer Körper versprochen. Ich habe darüber schon an anderer Stelle geschrieben, aber es lohnt sich vielleicht, es noch einmal zu wiederholen. Wenn du zu Jesus, dem Messias, gehörst, wenn sein Geist in dir wohnt, wenn du ein Anbeter des einen wahren Gottes, des Schöpfers des Himmels und der Erde, bist – dann bist du, egal wie du dich im Moment fühlst, ob du krank oder gesund bist, ob du handzahm oder müde bist, nur ein Schatten deines zukünftigen Selbst. Gott hat vor, das „Du“, das du im Moment bist, in ein Wesen zu verwandeln – ein volles, herrliches, körperliches Wesen – das viel mehr „Du“ sein wird, als du es je zuvor warst.
N.T. Wright
Zusammenfassung
An dieser Stelle möchte ich N.T. Wright selbst seine Gedanken zusammenfassen lassen:
Ich verstehe die Frustration derjenigen, die jetzt sagen, dass wir sozusagen mit den Glaubensbekenntnissen beginnen sollten, damit wir die Bibel wenigstens auf eine „gläubige“ Weise lesen können. Aber wenn wir mit den Glaubensbekenntnissen beginnen, so wie unser westliches Christentum sie heute mehr oder weniger lesen muss, werden wir die Evangelien und damit den ganzen Kanon nicht verstehen. Wenn wir jedoch mit den Evangelien beginnen, die das Herz und den Mittelpunkt des gesamten christlichen Kanons bilden, und wenn wir sie so verstehen, dass sie die Story erzählen, wie Gott, der Schöpfergott, Israels Gott, in und durch Jesus zum König der ganzen Welt wurde, dann können wir zu den Glaubensbekenntnissen zurückkehren und sie in einem ganz anderen Geist sprechen. Wenn wir die Tradition an die erste Stelle setzen, wird die Heilige Schrift mundtot gemacht und verblasst. Stelle die Schrift an die erste Stelle, und die Tradition wird zu neuem Leben erwachen. Noch besser ist es, wie Jesus selbst sagte, Gottes Königreich an die erste Stelle zu setzen – an die erste Stelle die Offenbarung, dass dies die Story ist, wie Gott König wurde, wie uns die Evangelien eifrig erzählen! – und all das wird euch hinzugefügt werden.
N.T. Wright
In diesem Buch geht es um eine neue Realität, die neue Realität Jesu und die Einführung des Königreiches Gottes. Die neue Realität einer Story, die so explosiv ist (im Gegensatz zu der verworrenen, trüben „Selbsthilfe“-Welt der nicht-kanonischen Evangelien!), dass die Kirche in vielen Generationen damit überfordert war und sie verwässert, in kleine Teile zerlegt und in kleine Lektionen verwandelt hat, anstatt ihre volle Wirkung zu entfalten. Ein Teil der Tragödie der modernen Kirche besteht meiner Meinung nach darin, dass die „Orthodoxen“ das Glaubensbekenntnis dem Königreich Gottes vorgezogen haben und die „Unorthodoxen“ versucht haben, ein Königreich Gottes ohne Glaubensbekenntnis zu erlangen. Es ist an der Zeit, wieder zusammenzufügen, was niemals hätte getrennt werden dürfen. In Jesus ist der lebendige Gott zum König der ganzen Welt geworden. Diese Bücher erzählen nicht nur die Story, wie das passiert ist. Sie sind das zentrale Mittel, mit dem diejenigen, die sie lesen und beten, dazu beitragen können, dieses Reich in der Welt von morgen Wirklichkeit werden zu lassen. Wir haben die Evangelien viel zu lange missverstanden. Es ist an der Zeit, in der Kraft und Freude des Heiligen Geistes wieder auf den richtigen Weg zu kommen.
This series contains the blog articles by biblical scholar Dr Michael S. Heiser in his blog series on eschatology.
Why an Obsession with Eschatology is a Waste of Time, Part 3
Focus: Did the covenants that God made with Abraham and David, and the New Covenant (Jeremiah 31:31-34), come with conditions for fulfillment? Are these covenants conditional or unconditional? The question is critical for knowing if the covenants (tied to the land promise) are still in effect or not (and so fulfilled by the Church).
To this point, we’ve talked about a single dispute that divides biblical scholars and students on eschatology: whether or Israel and the Church are to be kept distinct when interpretating prophecy. The question matters since any position that wants a literal millennial reign of Christ in the future must (to be coherent) argue that the land promises given to Abraham and his descendants are still in effect — and so literal fulfillment is expected. If the Church has replaced Israel as the people of God, and if the land promises are now fulfilled via the Great Commission to overspread the earth with God’s people (i.e., the Church is the kingdom), then no literal millennium would be expected.
Or so it goes.
To be more precise, the ground we’ve covered thus far has effectively raised related questions, both on my part and the part of commenters. And there are some questions that stem from the “Israel and/or the Church: Yes or No?” problem that I haven’t thrown out there yet. For example:
1. While Galatians 3 explicitly says that the Church (Christians) have inherited the promises given to Abraham, does Paul restrict those promises to those that promise a seed (descendants – literal and/or spiritual) but exclude the land? In other words, since there is no mention of the land in Galatians 3, might that part of the promises still be out there for national Israel?
2. While it makes sense that the Great Commission would translate to fulfilling the land element — the oversweeping of the nations via evangelism to reclaim those lost nations — what we we to think of the fact that there is no verse that makes that explicit connection?
3. Since Paul is clear in Romans 9-11 that
(a) “Israel” refers to “natural Israelites (Jews); and
(b) “Israel” also refers to “spiritual Israelites” (believers); and
(c) “all Israel is not Israel” (that within national Israel there is a spiritual Israel, composed of Jew and Gentile); and
(d) there is this thing called the Church (Jew and Gentile)
… then can we really neatly separate OR merge these groups with respect to prophecy? Some would say yes; others, no. And THAT is the problem. You can make a coherent case in any regard. All we can really say is that, for sure, with respect to the New Testament, Paul (and other writers) do not restrict “Israel” to only ethnic Israelites — the term now means much more.
The question really comes down to this: Would Paul (or other NT authors) say that national Israel had no eschatological future apart from being members in the new, spiritual Israel, the Church? Are the destinies of the Church and national Israel tied together en toto, or can they be tied together “mostly” and yet there still be an eschatological future involving national Israel?
Again, there’s no way we can know for sure. So everyone gets to be humble (or ought to). This is just one reason (of a whole list I’m working on here) I just cringe when I get an email from someone utterly captivated by their eschatological position to the exclusion of any other (and they probably don’t even know there are others). I find myself praying and hoping that person’s faith isn’t really built on the latest lame prophecy novel or TV prophecy preacher.
All of the above takes us into today’s topic: Did the covenants that God made with Abraham and David, and the New Covenant (Jeremiah 31:31-34), come with conditions for fulfillment? Are these covenants conditional or unconditional?
Seasoned prophecy nerds know this question is important since, if these covenants came with conditions, there may have been a chance that they were dissolved or nullified due to Israel not meeting the conditions. The picture looks bleak, too. Since Israel (all 12 tribes) were exiled, it would be easy to argue that the promises were voided to national Israel and handed over to the Church as recipients of fulfillment. The kind of perfect obedience required by the covenants would be fulfilled in and by Jesus. He is the ultimate son of Abraham, the king in David’s line, and it was he who sent the Spirit after his resurrection to inhabit the hearts of believers according to the New Covenant. Looks pretty tidy. But that would mean that the Church has displaced national Israel in its entirety. Israel (frankly) was no longer useful. The Servant of Isaiah — and chapter 53 is the only place in Isaiah where Servant is a singular person — is actually the representative of the corporate Servant in Isaiah — Israel (the rest of the occurrences of “Servant” in Isaiah refer to the nation of Israel – look it up). Hence Jesus is everything and all the covenants find fulfillment in Him. And His body is the Church. Again, a very tidy picture — one that would make Left Behinders pretty sullen, since there is no need then for a literal kingdom, and without that, the whole rapture idea doesn’t even make it to the table.
I hope you see (again) how tenuous the whole framework is for this undeniably common view of end times. It is far from being self evident. But the other views can’t claim absolute certainty, either. We’ll get to them. For now, let’s talk about the conditional (C) vs. unconditional (UC) problem.
The short answer to my question is “yes” – the covenants are BOTH C and UC. Those who believe in a rapture have been taught they are unconditional. Wrong. So let’s start there.1
The Abrahamic Covenant (Gen 12:1-3; Gen 15)
For sure there are UC elements in this covenant. God initiates the covenant and its promises. The first six verses deal with the promise of descendants (Gen 15:1-7). Gen 15:7-16 deals with promises of the Land. Then God alone passes through the ritually slain and prepared animals sealing the covenant (Gen 15:17-21). The fulfillment of the covenant’s promises therefore depend on Yahweh alone. Case closed, right? Wrong.
While the fulfillment of the promises depend on Yahweh’s ability, it is an entirely different question as to WHO will be on the receiving end of the promises Yahweh fulfills. That’s where the conditional elements come in to play. Put succinctly, receving the promises depends on a spiritual relationship with Yahweh — obedience to his revelation.
In Gen 12:1-3, the first passage concerning the covenant with Abraham, we see Abraham obeying what he is told (“and he [Abraham] went”; Gen 12:4). After the covenant ceremony of Genesis 15, God reiterates the covenant in Genesis 17:2. But Gen 17:1 lays down a clear condition. Here are the two verses together:
When Abram was ninety-nine years old the Lord appeared to Abram and said to him, I’m God Almighty; walk before me, and be blameless, 2 that I may make my covenant between me and you, and may multiply you greatly.
Notice that the language of v. 2 is clearly drawn from the covenant of Gen 12 and 15. But this time there is a clear condition. God goes on in Gen 17 to repeat all the elements of the original covenant. Then he demands that Abraham and all in his household be circumcised. Here’s the point: Only Abraham’s circumcised descendants — those who obey — are eligible to receive the promises Yahweh will give. Refusal to obey meant you weren’t going to be part of the promises. God would make sure the promises got fulfilled, but the person who refused to obey wouldn’t be on the receiving end. We see more of this conditionality in Genesis 18. The dual elements are crystal clear:
17 The Lord said, Shall I hide from Abraham what I am about to do, 18 seeing that Abraham shall surely become a great and mighty nation, and all the nations of the earth shall be blessed in him? 19 For I have chosen him, that he may command his children and his household after him to keep the way of the Lord by doing righteousness and justice, so that the Lord may bring to Abraham what he has promised him.
To sumamrize all this, Yahweh unilaterally committed himself to do certain things He promised to Abraham. But these promsies only extend to Abraham’s spiritual descendants — those who, like him, would follow Yahweh. At first this was basically operating only within Israel, Abraham’s physical seed. Eventually, it expanded to Gentiles. But the premise was the same: the “obedience of faith” as the apostles liked to call it was necessary to receive the promises. The Abrahamic covenant was both conditional and unconditional.
And so now the questions: Did national Israel corporately forfeit the promises? Since it is those who believe that inherit the promises, what Paul says in Galatians 3 makes perfect sense — but is that the end of the story? Is the kingdom the Church? On what grounds would we look to a national kingdom in Israel in the future? If it is, it isn’t because the covenant was unconditionally given to THE NATION of Israel. Both testaments agree that those who were given the promises were those who BELIEVE.
It’s about the obedience of faith, not nationality. At least that much is clear. So we can stop now with defending a literal millennium on the basis of convenant unconditionality. For that idea you need a different argument. That one is DOA.
Next up, the Davidic Covenant.
Readers who would want a more technical discussion of this issue are referred to Bruce K. Waltke, “The Phenomenon of Conditionality within Unconditional Covenants,” in Israel’s Apostasy and Restoration: Essays in Honor of Roland K. Harrison, ed. Avraham Gileadi, Baker: 1988, pp. 123-140. ↩︎
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