Autor: φιλαλήθης

  • „Zur Datierung der neuassyrischen Eponymenliste“

    Von Prof. Hermann Hunger


    Dies ist ein Artikel von Prof. Hermann Hunger, den Carl Olof Jonsson auf seiner Website veröffentlich hatte.

    Der englische Artikel ist zusammen mit anderen auf der Website Christian Freedom Association von ihm veröffentlicht worden und am Ende dieses Artikels als PDF Datei angefügt.


     

    Redaktionelle Erklärung:

    Die neuassyrische Periode wird traditionell auf ca. 934 – 609 v. Chr. datiert. Eine wichtige Grundlage für diese Chronologie ist der so genannte „Eponymenkanon“, eine Liste der jährlich ernannten Beamten, oder Limmus (Eponyme). Auch der assyrische König hatte das Eponymat inne, meist im zweiten Jahr seiner Herrschaft, bis Schalmaneser V. (726-722 v. Chr.) mit diesem Muster brach.

    Aus der neuassyrischen Zeit wurden mehrere Listen mit aufeinanderfolgenden Eponymen gefunden, und für den Zeitraum 910 – 649 v. Chr., also vom zweiten Jahr des Königs Adad-nerari II. bis zum 20. Jahr des Assurbanipal, wurde eine durchgehende Liste erstellt. Die Liste für diesen Zeitraum wird daher „Eponymenkanon“ genannt. Dieser Zeitraum wird astronomisch durch eine Sonnenfinsternis festgelegt, die laut dem Kanon im Monat Simanu (dem 3. Monat, der Teile von Mai und Juni umfasst) in der Namensgeberschaft von Bur-Saggilê stattfand, der das Amt im 10. Jahr von König Ashur-dan III. innehatte. Moderne Astronomen haben diese Sonnenfinsternis mit der am 15. Juni 763 v. Chr. (Julianischer Kalender) identifiziert.

    Einige haben versucht, die absolute Chronologie dieses Zeitraums zu ändern, indem sie nach einer anderen Sonnenfinsternis suchten, an der die Chronologie des Eponymskanons festgemacht werden könnte. Ein Grund dafür ist, dass, wenn man, wie von der Wachtturm-Gesellschaft behauptet, der neubabylonischen Periode 20 Jahre hinzufügt, auch die Chronologie früherer Perioden zeitlich nach hinten verschoben werden muss, darunter auch die der neuassyrischen Periode. Im Internetlexikon Wikipedia schlägt ein anonymer Autor beispielsweise vor, dass es sich bei der Sonnenfinsternis um die partielle Sonnenfinsternis vom 24. Juni 791 v. Chr. gehandelt haben könnte. Die in diesem Artikel verwendeten Argumente ähneln auffallend denen, die der Wachtturm-Apologet Rolf Furuli in seinem Buch Assyrian, Babylonian and Egyptian Chronology, 2nd edition (Oslo: Awatu Publishers, 2008) verwendet.

    Die Behauptung im Wikipedia-Artikel wurde kürzlich von Professor Hermann Hunger, einer führenden Autorität für die astronomischen Keilschrifttafeln aus Babylonien, diskutiert. Seine kurze, aber überzeugende Verteidigung des traditionellen Datums der Sonnenfinsternis des Eponyms Kanon, „Zur Datierung der neuassyrischen Eponymenliste“, ist in Altorientalische Forschungen, Bd. 35 (2008) 2, S. 323-325 veröffentlicht. Eine englische Übersetzung des Artikels, die von Hunger überprüft und korrigiert wurde, wird hier mit seiner Erlaubnis veröffentlicht. [Diese englische Übersetzung ist hier wieder ins Deutsche rückübersetzt.]


    Zur Datierung der neuassyrischen Eponymenliste

    Hermann Hunger

    Zusammenfassung

    Jüngste Studien zu den assyrischen Namenslisten legen eine Neudatierung des Hinweises auf eine Sonnenfinsternis vom bisher anerkannten Jahr 763 v. Chr. auf 791 v. Chr. nahe. Eine sorgfältige Analyse der verfügbaren Daten führt den Autor zu dem Schluss, dass das frühere Datum 763 v. Chr. beibehalten werden sollte.

    Professor Karl Hecker hat sich oft mit chronologischen Fragen zur Zeit des alten Assyriens beschäftigt und seine Aufmerksamkeit auf die Eponyme in den altassyrischen Texten gerichtet. Daher könnte auch eine Verteidigung des Datums der Neuassyrischen Eponymenliste von Interesse sein.

    Die neuassyrische Eponymenliste, die in mehreren Kopien und Versionen erhalten ist, wird in der Regel auf eine Sonnenfinsternis in der Eponymie von Bur-Saggilê datiert, die der vom 15. Juni 763 v. Chr. entspricht:

    Ina li-me IBur-dSa-gal-e … ina itusimāni dšamaš attalû ištakanan 

    „In der Namensgebung von Bur-Saggilê wurde die Sonne im Monat Simanu verfinstert.“

    Unter dem Titel „Assyrische Sonnenfinsternis“ im Internet-Lexikon „Wikipedia“ findet man jedoch die Vermutung, dass es sich bei der in der Eponymenliste erwähnten Sonnenfinsternis nicht um die totale von 763 v. Chr. handeln kann (http://en.wikipedia.org/wiki/Assyrian_eclipse). Stattdessen wird eine partielle Sonnenfinsternis vom 24. Juni 791 v. Chr. vorgeschlagen, die in ganz Assyrien gegen Sonnenuntergang sichtbar gewesen wäre. Mit einer Helligkeit von 0,75 war sie jedoch kaum auffällig und hätte nur bemerkt werden können, wenn sie kurz vor Sonnenuntergang beobachtet worden wäre. Der Sonnenuntergang fiel ziemlich genau mit der größten Phase der Verfinsterung zusammen.

    Das Internet ist zweifellos ein Schmelztiegel von Irrtümern; die Administratoren von „Wikipedia“ bemühen sich aber offensichtlich um verlässliches Material auf ihrer Seite, wie man zum Beispiel an anderen Artikeln über das alte Mesopotamien sehen kann. Daher kann es hilfreich sein, unabhängige astronomische Beweise für die Datierung der assyrischen Könige und damit der Eponymenliste zu präsentieren.

    1. In einer Sammlung von Mondfinsternissen[2] wird eine Finsternis im Monat I, Jahr 1 von Mukin-zeri erwähnt. Aufgrund der Struktur des Textes kann das Datum dieser Finsternis (die in Babylon nicht sichtbar war, aber im Voraus berechnet wurde) eindeutig auf den 9. April 731 v. Chr. festgelegt werden.

    Es ist jedoch bekannt, dass Mukin-zeri gegen Tiglath-Pileser III. kämpfte und dass sein erstes Regierungsjahr mit dem 14. Jahr des assyrischen Königs zusammenfiel. Dies geht aus der Babylonischen Chronik hervor[3] und so wird das 14. Jahr von Tiglath-Pileser III. auf 731/730 v. Chr. festgelegt.

    2. In dem oben erwähnten Werk[2] wird auch eine Sammlung von Beobachtungen der Planeten Mars und Merkur veröffentlicht (Nr. 52). In Spalte II‘ der Seite A sind Zusammenkünfte zwischen Mars und Merkur zusammengestellt. Solche Zusammenkünfte (um den eigens definierten Begriff Konjunktion zu vermeiden) sind zwar keine Seltenheit, aber zu einem bestimmten Datum im assyrischen Kalender wiederholen sie sich nur in Abständen von Jahrzehnten bis zu Jahrhunderten.

    Ein Datum (II‘ 2′) ist der 16. von Simanu, dem 2. Jahr von Esarhaddon. Nach den Tabellen in Parpola, LAS II S. 382, entspricht dies dem 3. Juni 679 v. Chr. Zwar ist der Wortlaut nicht erhalten, aber ein paar Tage später fand eine Konjunktion von Mars und Merkur statt. Das reicht aus, um das Jahr zu bestimmen.

    Der Text enthält weitere wichtige Informationen. Für den 19. Ajjaru des 17. Jahres von Šamaš-šum-ukin wird eine Zusammenkunft von Mars und Merkur im Sternbild „Alter Mann“, das unserem Stier entspricht, berichtet (II‘ 5′). Šamaš-šum-ukin wurde von Assurbanipal in seinem ersten Jahr als König von Babylonien eingesetzt. Šamaš-šum-ukins 1. volles Jahr war also dasselbe wie das 2. Jahr seines Bruders, und sein 17. Jahr entspricht dem 18. von Assurbanipal. Die Tabelle von Parpola (siehe oben) gibt das entsprechende Datum im julianischen Kalender mit dem 28. April 651 v. Chr. an: Die Planeten standen bei 47o Längengrad dicht beieinander. Folglich kann das 18. Jahr von Assurbanipal im julianischen Kalender auf 651/650 v. Chr. festgelegt werden.

    Eine weitere Beobachtung (II‘ 6′) von Mars und Merkur am 4. Tešritu im 19. Jahr von Šamaš-šum-ukin kann auf ähnliche Weise verwendet werden; dieses Datum entspricht dem 15. September 649 v. Chr. Daraus ergibt sich, dass das 20. Jahr von Assurbanipal 649/648 v. Chr. war, in Übereinstimmung mit der vorherigen Beobachtung.

    Mit Hilfe dieser Dokumente kann überprüft werden, ob in dem Jahr, das in der Eponymenliste angegeben ist, eine Sonnenfinsternis stattfand. Wir wissen jetzt, dass das 2. Jahr von Esarhaddon dem Jahr 679/678 im Julianischen Kalender entspricht. Wir berechnen, wie viele Jahre es in der Eponymenliste vom 2. Jahr Esarhaddons bis zu dem Jahr gibt, in dem die Sonnenfinsternis aufgezeichnet wurde, und kommen auf 84. Wenn wir nun im julianischen Kalender von 679 genau so viele Jahre zurückgehen, kommen wir auf 763. Das gleiche Ergebnis ergibt sich für die Jahre Assurbanipals. In ähnlicher Weise können wir das 14. Jahr von Tiglath-Pileser III. in der Eponymenliste nachschlagen und rückwärts zählen: Diese Differenz ergibt 32 Jahre. Auch in diesem Fall ist das Ergebnis im Julianischen Kalender 731 + 32 = 763. Und nach modernen Rückrechnungen fand in diesem Jahr eine totale Sonnenfinsternis in Assur statt, und zwar an einem Datum, das mit der Eponymenliste übereinstimmt.

    Wir sind also berechtigt, die bisher akzeptierte Datierung der Namensliste beizubehalten.

    Prof. Dr. H. Hunger
    Universität Wien – Institut für Orientalistik
    Spitalgasse 2 Hof 4
    1090 Wien, Österreich

    [1] Übersetzung von Hermann Hungers Artikel, “Zur Datierung der neuassyrischen Eponymenliste,” veröffentlich in Altorientalische Forschungen, Vol. 35 (2008) 2, pp. 323-325.

    [2] H. Hunger, Astronomical Diaries and Related Texts from Babylonia [Wien 2001], Vol. V, No. 2 I 1´-3´. 

    [3] I 19-23, A. K. Grayson, ABC 72; see J. A. Brinkman, PHPKB 236.

  • „Die Zeiten der Heiden“ in Lukas 21:24

    „Die Zeiten der Heiden“ in Lukas 21:24

    Von Carl Olof Jonsson


    Dieser Artikel enthält die deutsche Übersetzung von „Supplement to the Gentile Times Reconsidered“ von Carl Olof Jonsson, ein Zusatz zur vierten Auflage seines Buches „Die Zeiten der Heiden neu überdacht“.

    Der englische Artikel ist zusammen mit anderen auf der Website Christian Freedom Association von ihm veröffentlicht worden und am Ende dieses Artikels als PDF Datei angefügt.


     

    Die „Zeiten der Heiden” in Lukas 21:24
    Zusatz zu Kapitel 6-E

    © Carl Olof Jonsson, Göteborg, Schweden, 1997 (leicht überarbeitet 2004)

    Sie werden durch das Schwert fallen und werden als Gefangene zu allen Völkern gebracht. Jerusalem wird von den Heiden zertrampelt werden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind. – Lukas 21:24, NIV


    A. Der unmittelbare Kontext von Lukas 21:24

    Bei dem Versuch, die Formulierung „Zeiten der Heiden“ oder „bestimmte Zeiten der Nationen“ (NWÜ) in Lukas 21:24 zu verstehen, ist es wichtig, den Kontext dieser Prophezeiung zu betrachten. Deutet der Kontext wirklich darauf hin, dass „Jerusalem“ in diesem Text nicht nur ein Bezug auf die Stadt Jerusalem ist, sondern auf „das Reich der davidischen Herrscherdynastie“ hinweist, so dass das „Zertrampeln“ Jerusalems sich in erster Linie nicht auf die buchstäbliche Stadt Jerusalem bezieht, sondern auf das Königreich Gottes, das durch das Haus Davids wirkt? (1)

    Der unmittelbare Kontext von Lukas 21:24 stützt diese Ansicht nicht. Die im Kontext verwendeten Begriffe Kontext verwendeten Begriffe wie „Jerusalem“ und „Heiden“ (oder „Völker“) sind eindeutig wörtlich zu verstehen. Wenn zum Beispiel in Vers 20 vorausgesagt wird, dass „Jerusalem von feindlichen Heeren eingeschlossen ist“ (NEÜ) würden diese Heere dann nicht nur die buchstäbliche Stadt Jerusalem umzingeln, sondern auch „das Königreich der davidischen Herrscherdynastie“? Da Jesus Christus der letzte und ewige Herrscher der Dynastie von König David war, der (wie im letzten Kapitel gezeigt wurde), seine universelle Herrschaft vom „himmlischen Jerusalem“ aus bei seiner Auferstehung und Entrückung antrat, wie könnte die Belagerung der irdischen Stadt Jerusalem eine Bedrohung für „das Königreich der Dynastie Königs Davids“ darstellen?

    Da die Belagerung „Jerusalems“ die Jünger vorwarnen würde, dass „ihre Verwüstung nahe herbeigekommen ist“, sollten sie aus Jerusalem „hinausgehen“ und „nicht in sie hineingehen“ (Vers 21). Doch würde diese Belagerung dann in Wirklichkeit bedeuten, dass die Verwüstung des „Königreiches der Dynastie König Davids“ nahte und die Jünger aufforderte, aus „Gottes Königeich, das durch das Haus Davids wirkt“ hinauszugehen? Offensichtlich führt eine konsequente Anwendung des Verständnisses der Watch Tower Society (Wachtturm Gesellschaft) betreffend den Begriff „Jerusalem“ in dieser Passage zu absurden Konsequenzen.

    Mit dem „Jerusalem“ in Lukas 21:20-21 ist offensichtlich die buchstäbliche Stadt Jerusalem gemeint. Wie vorgesagt, wurde diese Stadt „von feindlichen Heeren eingeschlossen“, und zwar von den römischen Truppen unter dem syrischen Legaten Cestius Gallus im Jahr 66 n. Chr. Und wenn es in Vers 24 weiter heißt, dass „Jerusalem von den Völkern zertreten“ werden würde, kann es sich kaum um etwas anderes handeln als das Jerusalem, das von Heeren eingeschlossen wurde, nämlich die buchstäbliche Stadt Jerusalem. Es kann nicht das „Königreich des davidischen Herrschergeschlechts“ gewesen sein, das im Jahr 70 n. Chr. von den römischen Armeen unter Titus belagert und schließlich verwüstet wurde.

    Die Watch Tower Society (Wachtturm Gesellschaft) stimmt zu, dass „der Begriff ‚Nationen‘ oder ‚Heiden‘ von den Bibelschreibern speziell für die nichtjüdischen Völker verwendet wurde“. (2) Wenn es also in Lukas 21:24 heißt, dass die Juden „durch die Schärfe des Schwertes fallen und als Gefangene zu allen Nationen (éthne) geführt werden“ (NWÜ), und dass Jerusalem „von den Nationen (éthnê) zertreten“ werden wird, können diese „Nationen“ nichts anderes bedeuten als buchstäbliche nichtjüdische Nationen.

    Der Kontext von Lukas 21:24 verlangt also eindeutig ein buchstäbliches Jerusalem, das von buchstäblichen Armeen (Vers 20) in einem buchstäblichen Judäa (Vers 21) zertreten wird, und das von buchstäblichen nicht-jüdischen Nationen zerstört wird (Vers 24). Die Behauptung, Jerusalem stehe in diesem Abschnitt für „Gottes Reich Gottes, das durch das Haus Davids wirkt“, findet im unmittelbaren Kontext keine Unterstützung.

    B. Die erklärenden Merkmale von Lukas 21:20-24


    Die Formulierung „Zeiten der Heiden“ kommt in der langen Prophezeiung Jesu vor, die als Ölberg-Rede bekannt ist. Diese Rede wird von allen drei Synoptikern aufgezeichnet (Matthäus 24, Markus 13, und Lukas 21). Einige Formulierungen, die Lukas in der Prophezeiung über die der Verwüstung Jerusalems in 21:20-24 verwendet, sind jedoch eine Besonderheit seiner Version dieser Rede. Eine davon
    ist die Aussage in Vers 20, dass „ihr Jerusalem von Heeren umlagert seht“. Eine andere ist die Formulierung „Zeiten der Heiden“ in Vers 24.

    Der historische Schauplatz der Rede war Jesu öffentliche Lehrtätigkeit im oder in der Nähe des Tempelbezirk während der letzten Tage seines irdischen Wirkens. An einem dieser Tage „sprachen einige über den Tempel (hierón),  wie er mit schönen Steinen und mit gestifteten Dingen geschmückt sei“. (Lukas 21:5 NWÜ) Als Jesus das hörte, sagte er:

    „Was diese Dinge betrifft, die ihr da seht: Es werden Tage kommen, da wird hier nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht niedergerissen werden wird.“ (Lukas 21:6 NWÜ)

    Nach dieser Aussage sollte der beeindruckende Tempelbau mit seinem zentralen Heiligtum völlig zerstört werden. Als Reaktion auf diese schockierende Vorhersage sprachen ihn später einige der Jünger Jesu unter vier Augen an, als sie sich auf den Ölberg zurückgezogen hatten (vgl. Markus 13:3):

    „Lehrer, wann werden diese Dinge tatsächlich geschehen, und was wird das Zeichen dafür sein, wann diese Dinge geschehen sollen?“ (Lukas 21:7 NWÜ)

    In dem Bericht des Lukas dieser Rede beziehen sich die beiden Fragen der Jünger auf die Verwüstung des Tempels. Sie wollten wissen, (1) wann diese Zerstörung stattfinden wird und (2) nach welchem Zeichen sie Ausschau halten sollten, um zu wissen, dass dieses Ereignis kurz bevorsteht.

    In Lukas 21:8-19 sagte Jesus zunächst eine Reihe von Ereignissen voraus, die der endgültigen Zerstörung vorausgehen würden, Dinge, die „zuerst eintreten müssen“ (Vers 9) und die man fälschlicherweise für Zeichen für das Nahen der angekündigten Zerstörung halten könnte.

    Dann, in Vers 20, wies Jesus direkt auf das Zeichen hin, das den Jüngern zeigen würde, dass die Katastrophe nahe war. Nach dem Bericht des Lukas dieser Rede dehnte Jesus nun den den Bereich der kommenden Zerstörung nicht nur auf den Tempel, sondern auf die ganze Stadt Jerusalem aus:

    „Wenn ihr seht, dass Jerusalem von Armeen umzingelt ist, werdet ihr wissen, dass ihre Verwüstung nahe ist. Dann sollen die, die in Judäa sind, zu den Bergen fliehen, und die, die mitten in der Stadt sind, sollen weggehen. Diejenigen, die auf dem Lande sind, sollen nicht in die Stadt kommen.“ – (Lukas 21:20, NIV)

    Anstatt dass „Jerusalem von Armeen umzingelt wäre“, sprechen die parallelen Berichte von Matthäus und Markus von „dem Gräuel der Verwüstung“ (bdelygma tês érêmôseôs), das dort steht, wo er nicht sein sollte“ oder „an heiliger Stätte“.

    „Wenn ihr aber den Gräuel der Verwüstung dort stehen seht, wo sie nicht stehen sollte (lass den Leser verstehen), dann sollen die, die in Judäa sind, zu den Bergen fliehen.“ – Markus 13:14,
    NASB

    „Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung seht, die durch den Propheten Daniel Daniel angekündigt wurde, an heiliger Stätte stehen seht (lass den Leser verstehen), dann lasst die, die in Judäa sind, zu den Bergen fliehen.“ – Matthäus 24:15-16, NASB.

    Wie Jesus in Matthäus 24:15 sagt, war dieser „Gräuel der Verwüstung“ „durch den Propheten Daniel vorausgesagt“ worden. Offensichtlich wegen der Unklarheit dieses Satzes fügte Jesus hinzu, „lass den Leser [von Daniel] es verstehen“. Lukas jedoch, der in erster Linie für ein für ein nicht-jüdisches Publikum schrieb, gibt eine Erklärung für den Satz. Das ist offensichtlich der Grund warum er die Worte „lass es den Leser verstehen“ der Leser es versteht“ weglässt. Seine Erklärung war eindeutig genug. Aber woher hatte er sie?

    Viele moderne Gelehrte des Neuen Testaments behaupten, dass Lukas sein Evangelium einige Jahre nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 n. Chr. geschrieben hat und dass seine Umformulierung der Vorhersage Jesu seine Versuche widerspiegelt, sie mit der historischen Realität in Einklang zu bringen.(3)

    Eine Reihe namhafter Wissenschaftler, die das von Lukas verwendete Spezialvokabular gründlich untersucht haben, halten diese Theorie jedoch für problematisch. Eine viel einfachere Erklärung ist, dass Lukas neben dem Material aus Matthäus 24 und Markus 13 auch andere Quellen verwendet hat, die ihm zur Verfügung standen.(4) Es sei daran erinnert, dass Lukas sein Evangelium einleitet, indem er erklärt, dass er „alle Dinge von Anfang an genau verfolgt hat, um sie in logischer Reihenfolge aufzuschreiben.“ (Lukas 1:3, NWÜ) Da keiner der synoptischen Schreiber während der Rede Jesu selbst anwesend war, waren sie alle direkt oder indirekt auf die Berichte der Jünger angewiesen, die als Zuhörer anwesend waren (Markus 13:3). Die erklärende Sprache des Lukas könnte also sehr wohl über einen oder mehrere der anwesenden Jünger auf Jesus selbst zurückgehen und somit die eigenen Worte Jesu widerspiegeln, auch wenn sie nur von Lukas bewahrt wurden.(5)

    Ein weiterer Umstand, der das von Lukas verwendete Vokabular zu einem großen Teil erklärt, ist der Bezug der Ölbergrede zum Alten Testament und insbesondere zu den Prophezeiungen von Daniel. Jesus zitierte in seiner Prophezeiung nicht nur direkt aus Daniel, als er von dem „Gräuel der Verwüstung“ (Dan. 9:27; 11:31; 12:11), der „großen Trübsal“ (Dan. 12:1) und dem „Menschensohn“, der „mit den Wolken des Himmels“ (Dan. 7:13-14) kommt, sprach, sondern seine Rede enthält auch eine Reihe von Anspielungen auf andere Stellen in Daniel.(6)

    Da die Evangelien auf Griechisch verfasst sind, basieren die Zitate und Anspielungen auf das Buch Daniel und andere Teile des Alten Testaments oft auf der griechischen Septuaginta (LXX) des Alten Testaments. Das gilt auch für einige der Redewendungen und Begriffe, die Lukas in Lukas 21:20-24 verwendet.

    Die Abhängigkeit des Lukas von der Septuaginta in diesem Abschnitt wurde bereits 1947 von Professor Charles H. Dodd untersucht. In einer sorgfältigen Untersuchung der beiden Passagen im Lukasevangelium, die von der Zerstörung Jerusalems handeln (Lukas 19:42-44 und 21:20-24), stellt er fest:

    „Tatsache ist, dass das gesamte signifikante Vokabular der beiden lukanischen Passagen der Septuaginta entstammt und größtenteils charakteristisch für die prophetischen Bücher ist. …

    Es zeigt sich also, dass die beiden lukanischen Orakel nicht nur vollständig aus der Sprache des Alten Testaments zusammengesetzt sind, sondern dass die Vorstellung, die der Autor von der kommenden Katastrophe hat, ein verallgemeinertes Bild vom Fall Jerusalems ist, wie es die Propheten in ihrer Phantasie dargestellt haben. Soweit ein historisches Ereignis das Bild geprägt hat, ist es nicht die Einnahme Jerusalems durch Titus im Jahr 70 n. Chr., sondern die Einnahme durch Nebukadnezar im Jahr 586 v. Chr. Es gibt kein einziges Merkmal der Vorhersage, das nicht direkt aus dem Alten Testament belegt werden kann.“ (7)

    Obwohl einige der von Dodd angegebenen Parallelen aus der LXX genauso gut direkt aus dem hebräischen Text übersetzt worden sein könnten, bleibt die Tatsache bestehen, dass das Vokabular von Lukas 21:20-24 hauptsächlich auf dem Alten Testament und insbesondere auf dem Buch Daniel basiert. Wenn also der „Gräuel der Verwüstung … an heiliger Stätte“ durch den Ausdruck „Jerusalem ist von Heeren umzingelt“ ersetzt wird, kann nachgewiesen werden, dass Lukas es nicht frei nach seinen eigenen Vorstellungen umformuliert. Wie wir gleich sehen werden, scheint sich seine Erklärung, ob sie nun auf Jesus selbst zurückgeht oder nicht, eindeutig auf dieselbe Stelle in Daniel zu stützen, aus der Jesus zitierte, nämlich Daniel 9:26-27.

    C. Die Zerstörung Jerusalems gemäß Daniel 9:26-27

    Als Jesus von dem „Gräuel der Verwüstung“ sprach, verwies er, wie wir gesehen haben, auf die Prophezeiung Daniels und fügte hinzu: „Lass es den Leser verstehen.“ Als die Jünger später über die Vorhersage Jesu nachdachten, war es daher naheliegend, dass sie sich die entsprechende Passage in Daniel genauer ansahen, um zu sehen, was der Kontext über die Bedeutung des Satzes aussagte.

    In der griechischen LXX-Übersetzung des Buches Daniel gibt es drei Stellen, die den Ausdruck bdélygma tês érêmôseôs („Gräuel der Verwüstung“) enthalten, nämlich Daniel 9:27; 11:31 und 12:11. Auch Daniel 8:13 wird manchmal erwähnt, aber statt vom „Gräuel der Verwüstung“ spricht dieser Text von der „Sünde (griechisch hamartía; im hebräischen Text steht pesha‘, “Übertretung“) der Verwüstung“. Allerdings scheint dieser Text eine klare Parallele zu Daniel 11:31 und 12:11 zu sein, die beide den Ausdruck bdélygma tês érêmôseôs verwenden. Die meisten Kommentatoren sind sich heute einig (mit Ausnahme der meisten adventistischen Gelehrten), dass sich Daniel 8:13, 11:31 und 12:11 auf die Entweihung des jüdischen Tempels durch den syrischen König Antiochus IV Epiphanes beziehen, der im Herbst des Jahres 167 v. Chr. die jüdischen Tempelrituale abschaffte und später, am 6. Dezember desselben Jahres, auf dem Brandopferaltar einen illegalen Altar errichten ließ, der im Buch der Makkabäer „der Gräuel der Verwüstung“ genannt wird. (8)

    Weil einige Ausdrücke, die denen in Daniel 8:13 und 11:31 ähneln, auch in Daniel 9:26-27 vorkommen, glauben viele moderne Gelehrte, dass auch dieser Abschnitt von der Zeit und den Taten von Antiochus IV. handelt. Aber diese Anwendung schafft Probleme. In Vers 26 von Daniel 9 wird zum Beispiel vorhergesagt, dass „das Volk des Fürsten, der kommen wird, die Stadt und das Heiligtum zerstören wird“. Dies geschah nicht zur Zeit von Antiochus IV. (9) Aber es entspricht genau der Vorhersage Jesu über die Zerstörung des Tempels. Seine Jünger erkannten daher zweifelsohne, dass dies die Stelle war, die Jesus zuerst im Sinn hatte. Tatsächlich sahen Juden und Christen nach der römischen Zerstörung Jerusalems und seines Tempels im Jahr 70 n. Chr. in diesem Ereignis die Erfüllung der in Daniel 9:26-27 vorhergesagten Zerstörung. (10)

    Wenn Jesus also von dem „Gräuel der Verwüstung, von dem durch den Propheten Daniel geredet wurde“ sprach, bezog er sich eindeutig auf die Vorhersage in Daniel 9:26-27. (11) Albert Barnes kommt in seiner sorgfältigen Untersuchung von Daniel 9:27 zu dem Schluss:

    „Es kann kein vernünftiger Zweifel daran bestehen, dass der Erlöser sich auf diese Stelle in Daniel bezieht (siehe Anmerkungen zu Matthäus xxiv. 15) oder dass beim Angriff auf Jerusalem und den Tempel Ereignisse stattfanden, die mit der hier verwendeten Sprache völlig übereinstimmen. (12)“

    Es liegt der Schluss nahe, dass die Auslegung des „Gräuels der Verwüstung“ als Heere, die Jerusalem umzingeln und verwüsten werden, auf Daniel 9:26-27 beruht. Wie bereits erwähnt, spricht dieser Text nicht nur von dem „Gräuel der Verwüstungen“ (LXX), sondern sagt auch voraus, dass „das Volk“ („Heere”, NRSV) eines kommenden Fürsten „die Stadt und den Tempel zerstören wird“ (NRSV). Dieser Zerstörung Jerusalems durch fremde Heere musste natürlich ihr Erscheinen außerhalb der Stadtmauern vorausgehen. Die Wiedergabe des Lukas der Prophezeiung Jesu im Lichte von Daniel 9:26-27 ist daher ganz logisch:

    „Wenn du siehst, dass Jerusalem von Armeen umzingelt ist, wirst du wissen, dass seine Verwüstung nahe ist.“ – Lukas 21:20, NIV.

    D. Das „Zertreten“ Jerusalems

    Die Aussage, dass „Jerusalem von den Nationen zertreten [ASV „niedergetreten“] werden wird“ (Lukas 21:24, NWÜ), ist eine weitere einzigartige Formulierung des Lukas. Wie seine anderen markanten Formulierungen in diesem Abschnitt ist auch diese dem Alten Testament entnommen. Das Bild, dass Jerusalem oder das Heiligtum von Fremden zertrampelt wird, findet sich in Jesaja 63:18, Klagelieder 1:15, Daniel 8:13 und Sacharja 12:3 (LXX). Was bedeutete dieses „Zertreten“ Jerusalems und/oder des Heiligtums?

    D-1: Das griechische Verb pateô, „zertreten“

    Das Wort „betreten“ übersetzt das griechische Verb patéô. Wie Dr. Günther Ebel in Colin Browns The New International Dictionary of New Testament Theology erklärt, bedeutet dieses Verb „eine schreitende Bewegung der Füße“. Wenn das Verb intransitiv verwendet wird, kann es einfach „gehen“ oder „laufen“ bedeuten.“ Wenn es aber transitiv verwendet wird (wie in Lukas 21:24), bedeutet es: „etwas zertreten oder zuschlagen, einen Fuß auf oder in etwas setzen, zertreten, niedertrampeln; oft auch im übertragenen Sinn: verächtlich behandeln, malträtieren, plündern.“ (13)

    Das Wort patéô kommt im Neuen Testament fünfmal vor. In Offenbarung 14:20 und 19:15 wird es im übertragenen Sinne verwendet, um die „Kelter“ des Zorns Gottes zu zertreten. Die anderen drei Vorkommen finden sich in Lukas 10:19, 21:24 und Offenbarung 11:2, jeweils mit einem Unterton von Gericht und Macht, wenn einfallende Armeen oder die Heiden Jerusalem oder den Tempel zertreten oder die Siebzig auf Schlangen und Skorpionen herumtrampeln. (14)

    In Lukas 21:24 wird das Zertrampeln Jerusalems durch die Heiden oft so verstanden, dass es sich auf die Zeit der heidnischen Herrschaft oder Kontrolle über die Stadt bezieht, die mit der Einnahme und Verwüstung durch die Römer im Jahr 70 n. Chr. beginnt. Obwohl dieses Verständnis des Textes möglich ist, sind einige Kommentatoren, die patéô in diesem Sinne verstehen, der Meinung, dass die Zeit des „Zertrampelns bereits in Kraft war, als Jesus diese Prophezeiung aussprach, und argumentieren, dass die heidnische Kontrolle über Jerusalem zur Zeit der Eroberung Judas durch Nebukadnezar begann. Nach der neubabylonischen Zeit wurde Jerusalem weiterhin von Persern, Griechen und Römern „zertrampelt“. Die unabhängige Makkabäerherrschaft (142 bis 63 v. Chr.) wird in dieser Argumentation ignoriert.

    Es ist jedoch zu beachten, dass in Lukas 21:24 das Futur verwendet wird: „Jerusalem wird (éstai) von den Völkern zertreten werden.“ Es hatte noch nicht begonnen. (15) Wenn diese „Zertrampelung“ etwas war, das in der Zukunft stattfinden würde, kann sie kaum so verstanden werden, dass sie sich nur auf die Kontrolle Jerusalems durch die Heiden bezieht, da diese Kontrolle (durch das Römische Reich) auch zu der Zeit bestand, als die Prophezeiung geäußert wurde.

    Offensichtlich in dem Versuch, diese Schwierigkeit zu umgehen, fügte die Wachtturm-Gesellschaft in der Ausgabe des Wachtturms vom 1. November 1986 beim Zitieren von Lukas 21:24 in eckigen Klammern die Worte „weitherhin“ in den Text ein: „Jerusalem wird von den Nationen [weiterhin] zertreten werden.“ (Seite 6) Dieser Klammerzusatz fügt dem Satz auf subtile Weise eine Bedeutung
    hinzu, die sich nicht aus seiner grammatikalischen Struktur ergibt.

    Die Bedeutung der transitiven Verwendung von patéô hängt natürlich auch vom Kontext ab, in dem es verwendet wird. In der LXX-Übersetzung des Alten Testaments wird es manchmal einfach für „einen Weg betreten“ (Hiob 28:7-8), „auf einem Hof“ (Jesaja 1:12) oder „auf der Erde“ (Jesaja 42:5) verwendet. Meistens wird es jedoch in einem negativen Sinn verwendet. Es kann im übertragenen Sinne für Misshandlung oder abfällige Behandlung verwendet werden. In Amos 2:7; 4:1 und 5:12 zum Beispiel wird es für das „Niedertreten“ oder die Unterdrückung der Armen und Gerechten in Israel verwendet. Immer wieder wird patéô (und katapatéô, „zertreten“) im Zusammenhang mit dem Zertreten und Zerstören von Feinden, ihren Ländern und Städten als Ausdruck von Gottes Gerichten verwendet. (Jesaja 5:5; 10:5-6; 25:10; 26:6; Micha 7:10) Wiederholt werden solche Zerstörungen mit dem „Zertreten“ (patéô) einer Kelter verglichen, in der die Feinde wie Trauben zerquetscht werden. – Jesaja 63:3, 6; Klagelieder 1:15; Joel 3:13.

    In Lukas 21:20-24 geht es um die Vollstreckung von Gottes Gericht über Jerusalem und das jüdische Volk. In Vers 22 heißt es: „dies sind Tage, in denen nach dem Recht verfahren wird, damit alles erfüllt werde, was geschrieben steht“ (NWÜ). (16) In Vers 23 heißt es weiter: „Große Not im Lande und Zorn über dieses Volk“ (ASV). (17) Die Art und Weise, wie dieser göttliche „Zorn“ über das Volk kommen wird, wird in Vers 24 erklärt: (1) Sie werden durch das Schwert fallen, (2) sie werden in die Gefangenschaft aller Völker geführt und (3) Jerusalem wird von den Völkern niedergetrampelt, bis die Zeiten der Völker erfüllt sind. (18)

    Das „Zertreten“ in unserem Text steht also in engem Zusammenhang mit der Vollstreckung des göttlichen Gerichts über Jerusalem und des jüdischen Volkes in den Jahren 67-70 n. Chr. Offensichtlich aus diesem Grund stellt Thayer’s Lexicon fest, dass patéô in Lukas 21:24 (und Offenbarung 11:2) „die heilige Stadt durch Verwüstung und Empörung entweihen“ bedeutet (19).

    D-2: Das „Zertreten” Jerusalems bei früheren Gelegenheiten

    Interessanterweise wird patéô im Alten Testament (LXX) auch im Zusammenhang mit der Entweihung und/oder Zerstörung Jerusalems und seines Tempels bei früheren Gelegenheiten verwendet, nämlich durch Nebukadnezar im Jahr 587 v. Chr. und durch den syrischen König Antiochus IV.

    Einige Jahre nach der babylonischen Eroberung Judas im Jahr 587 v. Chr. beklagte Jeremia im Buch der Klagelieder die Zerstörung Jerusalems und die Verwüstung des Landes. In Klagelieder 1:15 (LXX) vergleicht er diese Zerstörung mit dem Stampfen in einer Weinpresse:

    „Der Herr hat alle meine starken Männer aus meiner Mitte ausgerottet; er hat eine Zeit gegen mich heraufbeschworen, um meine Auserwählten zu zerschlagen; der Herr hat getreten [epátêse, die Vergangenheitsform von patéô] eine Weinkelter gegen die Jungfrau [= Jerusalem] von Juda; darüber weine ich.“

    Es ist bemerkenswert, dass patéô hier im übertragenen Sinne für die Zertrümmerung Jerusalems und seiner Verteidiger verwendet wird, wie bei einer „Weinpresse“. Obwohl Jerusalem zu der Zeit, als dies geschrieben wurde, noch verwüstet war, sagt der Text nicht, dass das „Zertrampeln“ noch andauerte. Es war ein vergangenes Ereignis, das auf die Zeit der Belagerung, Einnahme und Zerstörung der Stadt in den Jahren 589-587 v. Chr. beschränkt war. Das „Zertreten“ Jerusalems und seiner Verteidiger wie in einer Kelter durch die babylonischen Armeen bezieht sich eindeutig auf die Zerstörung der Stadt und die Tötung ihrer Verteidiger, nicht auf die anschließende babylonische Kontrolle über das Gebiet.

    In ähnlicher Weise wurde in Daniel 8:13 das „Niedertreten“ (LXX: katapatéô, „niedertreten“) der „heiligen (Stätte)“ zur Zeit von Antiochus IV. Epiphanes auf eine kurze Zeitspanne begrenzt, “zweitausenddreihundert Abende und Morgen“, wie es in Vers 14 heißt. Diese merkwürdige Zeitangabe erklärt sich durch den Zusammenhang mit dem „täglichen Opfer“, das in den vorangegangenen Versen (11-13) erwähnt wird. Da dieses Ritual zweimal am Tag, am Abend und am Morgen, durchgeführt wurde (4. Mose 28:3-8), hat die Aussage, dass es für 2.300 „Abende und Morgen“ unterbrochen wurde, offensichtlich diese Opferanlässe im Blick. Die Kommentatoren legen die Aussage daher oft so aus, dass sie sich auf 2.300 Opfergaben bezieht, die sich über 1.150 Tage erstrecken.

    Das würde ungefähr dem Zeitraum von 167 v. Chr. aus entsprechen, als – wahrscheinlich im Spätherbst jenes Jahres – die Truppen des Antiochus den Tempel in Jerusalem entweihten und das tägliche Opfer abschafften (vgl. Daniel 11:31), bis die Juden, nachdem sie die Kontrolle über Jerusalem erlangt hatten, den Tempel reinigten und die Opferzeremonien dort Ende 164 v. Chr. wieder aufnahmen. Obwohl Jerusalem und Juda seit dem Jahr 200 v. Chr. unter der Kontrolle von Syrien standen, beschränkt Daniel 8:13 das „Zertreten“ der „heiligen (Stätte)“ auf diesen kurzen Zeitraum (167-164) der Entweihung. Auch in 1. Makkabäer wird dieser Zeitraum als die Zeit der Entweihung des Heiligtums durch die Heiden bezeichnet:

    „Der Tempel wurde zertrampelt, so wie die Ausländer in der Akra, der Herberge der Nichtjuden, waren. … Dein Heiligtum ist zertreten und entweiht worden, und deine Priester sind in Trauer und Bedrängnis.“ – 1. Makkabäer 3:45, 51.

    Diese Zertreten des Tempels durch die Heiden beinhaltete auch viel Plünderung, Zerstörung und Töten (1. Makkabäer 1:29-64), sodass die beschädigten Tempelgebäude repariert und ein neuer Brandopferaltar errichtet werden musste (1. Makkabäer 4:36-60). Nach der Reinigung des Tempels „befestigten die Juden den Berg Zion und umgaben ihn mit einer hohen Mauer und starken Türmen, um zu verhindern, dass die Heiden [ta éthnê] jemals wieder kommen und ihn zertrampeln [katapatêsôsin], wie sie es zuvor getan hatten.“ – 1. Makkabäer 4:60.

    Bei keiner der beiden oben genannten Gelegenheiten erstreckte sich das Niedertrampeln über einen längeren Zeitraum. In beiden Fällen beschränkte es sich auf eine kurze Zeit der Schändung, Plünderung und Zerstörung. Die Verwendung des Wortes patéô in ähnlichen Situationen wie in Lukas 21:24 sollte sicherlich auch einen gewissen Einfluss auf die Bedeutung des Wortes in diesem Text haben. (20)

    D-3: Das „Zertreten“ der „heiligen Stadt“ in Offenbarung 11:2

    Ein paar Worte sollten auch über das Niedertrampeln der heiligen Stadt in Offenbarung 11:2b gesagt werden, denn es gibt offensichtliche sprachliche und gedankliche Gemeinsamkeiten zwischen dieser Passage und dem in Lukas 21:24b Gesagten. Die ersten beiden Verse von Offenbarung 11 lauten:

    „(1) Mir wurde ein Rohr gegeben wie eine Messlatte und gesagt: ‚Geh und miss den Tempel Gottes und den Altar und zähle die Anbeter dort. (2) Aber den äußeren Vorhof sollst du ausschließen und nicht messen, denn er ist den Heiden gegeben worden. Sie werden die heilige Stadt 42 Monate zertreten.’“ – Offenbarung 11:1-2, NIV.

    Wie Lukas 21:24 sagt dieser Text voraus, dass die „Heiden … die heilige Stadt [Jerusalem] zertreten werden“, mit dem einzigen Unterschied, dass der Zeitraum des Zertrampelns hier mit „42 Monaten“, also dreieinhalb Jahren, angegeben wird, während in Lukas 21:24 der Zeitraum des Zertrampelns vage als „Zeiten der Heiden“ bezeichnet wird.

    Sprechen die beiden Texte also von demselben Ereignis? Viele bekannte Exegeten der Offenbarung haben diese Schlussfolgerung gezogen. Dr. R. H. Charles zum Beispiel sagt, dass der Zeitraum von 42 Monaten „in Lukas xxi.24 als kairoí éthnôn bezeichnet wird.“ (21) Einige Kommentatoren sind sogar noch genauer. Dr. John M. Court sagt:

    „In 11.2 heißt es, dass die Zertrümmerung der heiligen Stadt zweiundvierzig Monate dauerte; wie S. Giet feststellte, ist dies ungefähr der Zeitraum des Flavischen Krieges, vom Frühjahr 67 n. Chr. bis zum 29. August 70, während dessen Jerusalem ‚entweiht‘ wurde, aber im Heiligtum die Opfer ununterbrochen fortgesetzt wurden, bis das Heiligtum am Ende durch Feuer zerstört wurde.“ (22)

    In ähnlicher Weise kommt auch Professor Moses Stuart, der ‚Vater der Bibelwissenschaft in Amerika‘, nach einer sorgfältigen Untersuchung der „42 Monate“ zu dem Schluss:

    „Nach all den Nachforschungen, die ich anstellen konnte, sehe ich mich gezwungen zu glauben, dass sich der Autor auf einen wörtlichen und genauen Zeitraum bezieht, wenn auch nicht so genau, dass ein einziger Tag oder sogar ein paar Tage Abweichung davon das Ziel, das er im Auge hat, beeinträchtigen würde. Es ist sicher, dass der Einmarsch der Römer bis zur Einnahme Jerusalems ungefähr so lange dauerte wie der genannte Zeitraum. Und obwohl die Stadt nicht so lange belagert wurde, scheint die Metropole in diesem Fall, wie in unzähligen anderen in beiden Testamenten, für das Land Judäa zu stehen.“ (23)

    Diese Verknüpfung der beiden Passagen setzt jedoch voraus, dass „die heilige Stadt“ in Offenbarung 11:2 die buchstäbliche Stadt Jerusalem ist und dass die Prophezeiung vor der Zerstörung der Stadt im Jahr 70 n. Chr. gegeben wurde. Dies wirft eine Reihe von Fragen auf, über die sich die Gelehrten nicht einig sind, z. B. das Datum der Offenbarung, die Herangehensweise an das Buch, die Bedeutung des „Messens“ in Vers eins, die Identität der „zwei Zeugen“ in den Versen 3-6 und die Bedeutung ihrer Erfahrungen in den Versen 7-13. (24) Es würde zu weit führen, hier auf all diese Probleme einzugehen. Ein paar Bemerkungen zu den „42 Monaten“, in denen die Stadt zertrampelt wurde, müssen genügen.

    Sind diese „42 Monate“ mehr oder weniger wörtlich zu nehmen, wie die oben zitierten Gelehrten vorschlagen, oder symbolisieren sie eine lange Zeitspanne, wie andere Exegeten meinen?

    Die Vertreter der sogenannten „historisierenden Schule“ wenden das „Jahr-Tag-Prinzip“ auf die „42 Monate“ an und machen daraus einen Zeitraum von 1.260 (oder 1.290) Jahren. Wie bereits im ersten Kapitel dieser Arbeit gezeigt wurde, hat dieser Ansatz im Laufe der Jahrhunderte zu einer erstaunlichen Reihe von Enddaten für die „Zeiten der Heiden“ geführt. Da die Gültigkeit des „Jahr-Tag-Prinzips“ bereits erörtert wurde, muss dieser Ansatz hier nicht weiter kommentiert werden.

    Einige Exegeten vergeistigen die Zahl und argumentieren, dass die „42 Monate“ die gesamte christliche Ära symbolisieren. (25)

    Es gibt jedoch Gründe für die Annahme, dass sich die 42 Monate auf eine kurze Zeitspanne beziehen. Zeiträume dieser Länge werden in der Offenbarung mehrmals erwähnt, nämlich in 11:3 (die „zwei Zeugen“, die 1.260 Tage lang prophezeien), in 12: 6, 14 (die „Frau im Himmel“, die 1.260 Tage lang in der Wüste Zuflucht findet), und in 13:5 (das „wilde Tier“ aus dem Meer, das 42 Monate lang Macht hat). Obwohl sich diese Zeiträume nicht überall in der Offenbarung auf ein und denselben Zeitraum beziehen müssen, haben sie alle die gleiche Länge, nämlich dreieinhalb Jahre. Der Zeitraum wird im Allgemeinen auf das Buch Daniel zurückgeführt. Der Zeitraum „eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“ wird in Daniel 7:25 und 12:7 erwähnt. Außerdem wird die siebzigste Woche in Daniel 9:27 „in der Mitte“ in zwei gleiche Teile geteilt, was ebenfalls einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren markiert.

    Es ist bekannt, dass die Zahl „sieben“ sowohl in der Bibel als auch in der altorientalischen Literatur häufig als Symbol für „Vollkommenheit, Vollständigkeit“ verwendet wird. Eine Zeitspanne von „sieben“ wurde als „vollendeter Zeitraum“ angesehen, egal ob es sich um sieben Tage, sieben Jahre oder andere Zeiträume von sieben oder einem Vielfachen dieser Zahl handelte. (26) Da der Zeitraum von „dreieinhalb Jahren“ eine geteilte „Sieben“ ist, scheint er sich eher auf einen verkürzten Zeitraum als auf eine lange Ära zu beziehen. Viele Bibelwissenschaftler setzen den Zeitraum mit den „verkürzten“ Tagen der „großen Bedrängnis“ in Matthäus 24:22 und Markus 13:20 gleich. (27)

    Wenn man die biblischen Zusammenhänge untersucht, in denen dieser Zeitraum von dreieinhalb Jahren vorkommt, stellt man fest, dass er sich immer auf eine schwere Krise bezieht, entweder auf eine Zeit der Unterdrückung, Verfolgung und des Leids oder auf eine Zeit des Gerichts und der Katastrophe. Auch das spricht gegen die Vorstellung, dass sich der Zeitraum über einen langen Zeitraum von Hunderten oder Tausenden von Jahren erstreckt. Vielmehr scheint es sich um eine relativ kurze, kritische Zeitspanne zu handeln.

    Offenbarung 11:1ff. zeigt deutlich eine Szene des bevorstehenden Gerichts, die durch die „zwei Zeugen“ unterstrichen wird, die „in Säcken“ prophezeien, ein Symbol für ihre düstere Botschaft. Dass die Heiden die „heilige Stadt“ 42 Monate lang zertrampeln, ist ein greifbarer Ausdruck dieses Urteils. Ob das „Messen“ ein Symbol für die Zerstörung des buchstäblichen Tempels oder für die Bewahrung des „geistigen Tempels“ ist, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle, denn die Szene ist immer noch eine des Gerichts und der Zerstörung. Die Vorstellung, dass die 42 Monate, in denen die Stadt zertrampelt wird, auf eine lange Ära heidnischer Herrschaft verweisen, ist daher schwer zu halten. Wie in anderen Passagen, in denen es um das Niedertrampeln Jerusalems und des Tempels geht, scheint auch hier das Niedertrampeln am besten als eine kurze Zeit der Entweihung, Verwüstung, des Tötens und der Zerstörung verstanden zu werden.

    E. Die zertretenden „Heiden“

    In der Annahme, dass sich das „Zertreten“ Jerusalems durch die Heiden auf die lange Zeit der heidnischen Herrschaft oder Kontrolle über die Stadt bezieht, verstehen viele Exegeten den Plural „Heiden“ oder „Nationen“ so, dass er sich auf die aufeinanderfolgenden Nationen bezieht, die Jerusalem nach seiner Zerstörung im Jahr 70 n. Chr. besetzen und kontrollieren würden.

    Es ist sicherlich richtig, dass Jerusalem nach der Zerstörung der Stadt im Jahr 70 n. Chr. von einer Reihe von nicht-jüdischen Nationen kontrolliert wurde: Rom (bis 614 C.E.), Persien (bis 628 C.E.), das Byzantinische Reich (bis 638 C.E.), das Sarazenenreich (bis 1073 C.E.), die Seldschuken (bis 1099), das christliche Kreuzfahrerreich (bis 1291 C.E.) unterbrochen von kurzen Perioden ägyptischer Kontrolle), Ägypten (bis 1517 n. Chr.), die Türkei (bis 1917 n. Chr.), Großbritannien (bis 1948 n. Chr.) und Jordanien (bis 1967, als Israel die Kontrolle über die alte ummauerte Stadt Jerusalem übernahm). (28)

    Kann man diese lange Zeit der heidnischen Herrschaft als „Zeiten der Heiden“ bezeichnen? Viele Exegeten tun dies, oder sie betrachten sie zumindest als Teil dieser „Zeiten der Heiden“. (29)

    Selbst wenn man davon ausgeht, dass diese Anwendung korrekt ist, folgt daraus nicht zwangsläufig, dass die „Zeiten der Heiden“ 1967 endeten. Obwohl die Juden seit diesem Jahr die Kontrolle über Jerusalem haben, befindet sich der zentralste Teil der Stadt, die alte Tempelanlage, immer noch in den Händen der Araber. Auf dem alten Tempelgelände befindet sich immer noch der muslimische Felsendom. Wenn man also das „Niedertreten“ Jerusalems im oben erwähnten Sinne versteht, wird der zentrale und wichtigste Teil der Stadt immer noch von den „Heiden“ „zertrampelt“.

    E-1: Die „Heiden“ in den römischen Armeen

    Der Plural „Heiden“, der in Lukas 21:24 verwendet wird, muss jedoch nicht so verstanden werden, dass er sich auf eine aufeinanderfolgende Reihe von Nationen bezieht. Das Wort „Heiden“ (oder „Nationen“, NWÜ) könnte tatsächlich eine Anspielung auf die zusammengesetzten Streitkräfte unter Vespasian und Titus sein. Das riesige römische Reich bestand aus vielen verschiedenen ethnischen Gruppen von Völkern, deren Heimatländer von Rom erobert und dem Reich einverleibt worden waren. Die meisten von ihnen waren zu römischen Provinzen gemacht worden.

    Interessanterweise gab es zur Zeit des jüdischen Aufstandes im Jahr 66 n. Chr. immer noch eine Reihe von Königreichen im östlichen Reich, die nicht zu Provinzen unter römischer Herrschaft gemacht worden waren. Sie durften als Königreiche weiterbestehen, die von lokalen Königen regiert wurden, allerdings als Vasallen von Rom. Die Gesamtzahl solcher Vasallenkönigreiche schwankte in den Jahrzehnten vor dem römischen Krieg gegen die Juden etwas, aber bei Ausbruch des Krieges gab es etwa zehn von ihnen. Palästina war tatsächlich von einer Reihe solcher Königreiche umgeben – dem Nabatäerreich, Chalkis, Arqa (dem Libanon) und Homs. Die meisten anderen lagen in den östlichen Teilen Kleinasiens. (30)

    Die Armeen, die Titus bei seinem letzten Marsch gegen Jerusalem anführte, bestanden nicht nur aus römischen Legionen, sondern auch aus Kontingenten der verbündeten Könige und einer beträchtlichen Zahl von Hilfstruppen aus Syrien. (Josephus Krieg V, 39-46) Die Mehrheit der Vasallenkönigreiche im Osten beteiligte sich tatsächlich auf der Seite Roms am Krieg gegen die Juden. Titus Streitkräfte bestanden aus vier römischen Legionen mit je 6.000 Mann, also insgesamt 24.000 Mann, aber durch die Kontingente der benachbarten Vasallenkönigreiche und die Hilfstruppen aus Syrien wurde diese Zahl auf weit über 60.000 mehr als verdoppelt. (31)

    Wenn Lukas 21:24 also von „Heiden“ im Plural spricht, ist dies eine sehr treffende Bezeichnung für die gemischte Koalition von Armeen unter Vespasian, die im Frühjahr 67 n. Chr. in Palästina einfielen, um den jüdischen Aufstand niederzuschlagen, und auch für die Armeen unter Titus, die Jerusalem und seinen Tempel im Jahr 70 n. Chr. belagerten, eroberten und völlig zerstörten. Die prophetische Beschreibung dieser Zerstörung als „Niedertrampeln“ der Stadt durch „Heiden“ oder „Nationen“ erwies sich also als eine sehr genaue Beschreibung dessen, was tatsächlich geschah.

    Dieses Verständnis des Plurals „Heiden“ wird in der Tat von der Bibel selbst bestätigt.

    E-2: Die „Heiden“ in Daniel 9:26-27

    Wie bereits erwähnt, hatte Jesus bei seiner Vorhersage der Verwüstung der Stadt Jerusalem und des Tempels vor allem Daniel 9:26-27 im Sinn. Wie wir gesehen haben, spricht diese Passage nicht nur von „dem Gräuel der Verwüstung“, auf den Jesus Bezug nimmt, sondern sagt auch voraus, dass „das Volk des Fürsten, der kommen wird, die Stadt und das Heiligtum zerstören wird“ (Vers 26).

    Da Lukas die Vorhersage Jesu in seiner Wiedergabe mit Begriffen und Ausdrücken aus dem Alten Testament wiedergibt und sich dabei oft auf die griechische LXX-Übersetzung stützt, ist es von größtem Interesse zu beobachten, dass die LXX-Übersetzung von Daniel 9:26 sagt, dass „ein Königreich von Heiden (oder „von Nationen“, ethnôn) die Stadt und das Heiligtum zerstören wird.“ (32)

    So verwenden sowohl die LXX-Übersetzung von Daniel 9:26 sowie Lukas 21:24 beide den Plural „Heiden“, wenn sie sich auf die Armeen beziehen, die Jerusalem und den Tempel zerstören werden. Es scheint klar zu sein, dass Lukas den Plural „Heiden“ direkt aus der LXX-Übersetzung von Daniel 9:26 übernommen hat. Nach dem Wortlaut dieser Übersetzung wird Jerusalem von einem „Königreich“ zerstört, das aus vielen „Heiden“ oder „Nationen“ besteht. Die „Heiden“ im Text beziehen sich natürlich auf die Armeen, die Jerusalem und den Tempel zerstören werden. Das scheint also auch die Bedeutung der „Heiden“ in Lukas 21:24 zu sein. Die beiden Texte sprechen von demselben Ereignis, der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems, und scheinen eindeutig das Gleiche zu sagen:

    „Ein Königreich von Heiden wird die Stadt zerstören.“ – Daniel 9:26 (LXX)

    „Jerusalem wird von den Heiden zertrampelt werden.“ – Lukas 21:24.

    Wenn diese Schlussfolgerung richtig ist, kann die Aussage in Lukas 21:24 nicht bedeuten, dass Jerusalem und sein Tempel von einer aufeinanderfolgenden Reihe von Völkern „niedergetrampelt“ werden würden. Wenn mit den „Heiden“ oder „Nationen“ die römischen Armeen unter Titus gemeint sind, waren sie alle bei der Verwüstung Jerusalems dabei. Sie alle nahmen gleichzeitig an der Zerstörung Jerusalems und seines Tempels teil, an Ort und Stelle. (33)

    F. Die „Zeiten“ der Heiden

    Von den drei Synoptikern verwendet nur Lukas den Ausdruck kairoí ethnôn, „die Zeiten der Heiden“. Die meisten Übersetzungen geben den Satz in der bestimmten Form „die Zeiten der Heiden“ wieder, als ob ein bestimmter und bekannter Zeitraum gemeint wäre. Im Originaltext von Lukas 21:24 steht der Satz jedoch in der unbestimmten Form „bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind“. Der Satz ist also vage und ungenau und scheint sich nicht auf einen Zeitraum zu beziehen, den die Leser (oder Hörer) bereits kennen sollten. (34) Diese Unbestimmtheit hat eine Reihe von verschiedenen Interpretationen des Satzes zugelassen. Sie können alle einer von drei Gruppen zugeordnet werden:

    (a) Die „Zeiten der Heiden“ als die „Fülle der Heiden“ in Römer 11:25

    Einige Ausleger beziehen sich auf Pauli Aussage in Römer 11:25, dass „eine teilweise Verstockung Israels geschehen ist, bis die Fülle der Heiden hereingekommen ist“ (NASB), und argumentieren, dass die „Zeiten der Heiden“ mit dieser „Fülle der Heiden“ zusammenhängen und sich auf die Zeit der Verkündigung des Evangeliums an die Heiden beziehen.

    Es stimmt, dass beide Texte die beiden Wörter „bis“ und „Heiden“ gemeinsam haben. Aber abgesehen davon gibt es kaum Ähnlichkeiten zwischen den beiden Aussagen. Die Kontexte sind unterschiedlich und die behandelten Themen sind verschieden. Wie Dr. Milton Terry bemerkt:

    „Es wird angenommen, dass die „Zeiten der Heiden“ (kairoí ethnôn) die Zeiten und Möglichkeiten der Gnade sind, die den Heiden durch das Evangelium zuteil wurden. Die Worte in diesem Sinne zu verstehen, hieße jedoch, wie Van Oosterzee bemerkt, einen dem Kontext völlig fremden Gedanken einzufügen. … Diese kairoí sind offensichtlich Zeiten des Gerichts über Jerusalem, nicht Zeiten der Rettung für die Heiden.“ (35)

    In der Aussage: „Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind“, gibt es keinen Hinweis darauf, dass die „Heiden“ im zweiten Satzteil andere sind als die „Heiden“, die im ersten Satzteil erwähnt wurden. Außerdem sollte ihr „Zertreten“ andauern, „bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind“, was bedeutet, dass das „Zertreten“ der Heiden und die „Zeiten der Heiden“ zur gleichen Zeit aufhören würden. Die „Zeiten der Heiden“ würden sich also logischerweise auf die Zeiten beziehen, die den Heiden zugestanden wurden, um auf Jerusalem zu „trampeln“.

    (b) Die „Zeiten der Heiden“ als die Zeit der heidnischen Kontrolle über Jerusalem

    Die wohl gängigste Ansicht ist, dass sich die „Zeiten der Heiden“ auf die lange Zeit der heidnischen Herrschaft über Jerusalem beziehen, die entweder auf das Jahr 70 n. Chr. oder auf einen früheren Zeitpunkt zurückgeht. Die verschiedenen Versuche von Prophetenauslegern, die Länge dieses Zeitraums mit Hilfe des sogenannten „Jahr-Tag-Prinzips“ zu berechnen, wurden bereits früher in dieser Arbeit besprochen und müssen hier nicht noch einmal behandelt werden.

    Wie oben dargelegt, scheint das „Zertreten“ Jerusalems durch „die Heiden“ am besten so verstanden zu werden, dass sie sich auf die Zeit der Belagerung, Eroberung, Entweihung, Plünderung und Zerstörung der Stadt und des Tempels durch die römischen Armeen bezieht. Wenn dem so ist, können sich die „Zeiten der Heiden“ nicht auf die lange Zeit der heidnischen Kontrolle über die Stadt beziehen. Sie endete, als die „Heiden“ – die römischen Armeen – die Stadt niedergerissen und zerstört hatten. Um dies zu verdeutlichen, können wir in den beiden Sätzen das Wort „Heiden“ durch „die römischen Armeen“ ersetzen:

    Jerusalem wird von den römischen Armeen niedergetrampelt werden, bis die Zeiten der römischen Armeen erfüllt sind.

    Offensichtlich können sich die „Zeiten der römischen Armeen“ nicht auf einen Zeitraum von Tausenden von Jahren beziehen. Im Kontext von Lukas 21:20-24 können diese „Zeiten“ als die Zeit verstanden werden, die die römischen Armeen brauchten, um Jerusalem zu erobern und zu zerstören – ein Zeitraum von etwa einem halben Jahr. Oder wenn diese „Zeiten der römischen Armeen“ als Hinweis auf den gesamten Zeitraum verstanden werden, der für die Niederschlagung des jüdischen Aufstandes und die Rückeroberung Jerusalems benötigt wurde, vom Beginn des Krieges bis zur endgültigen Zerstörung Jerusalems, also von der Ankunft der Armeen Vespasians in Galiläa im Frühjahr 67 bis zum Herbst 70 n. Chr., dauerten die „Zeiten der Heiden“ etwa dreieinhalb Jahre.

    Da diese Sichtweise nicht so weit verbreitet ist wie die beiden anderen und für einige Leser ungewohnt klingen mag, ist hier eine etwas ausführlichere Darstellung angebracht.

    (c) Die „Zeiten der Heiden“ als die Zeit der der Einnahme und Zerstörung Jerusalems

    Wie bereits erwähnt, impliziert diese Ansicht, dass die „Zeit der Heiden“ eine relativ kurze Periode ist, die mit der vollständigen Verwüstung Jerusalems im Herbst 70 n. Chr. endete.

    Auf den ersten Blick scheint der Plural des Substantivs „Zeiten“ (kairoí) gegen diese Ansicht zu sprechen. Wie kann eine kurze Zeitspanne als eine Anzahl von „Zeiten“ bezeichnet werden?

    Einige Exegeten haben darauf hingewiesen, dass die Verwendung des Plurals –„Zeiten“ einfach aus dem Plural „Heiden“ oder „Nationen“ resultieren kann. Diese Erklärung ist durchaus möglich. Aber nur wenn man davon ausgeht, dass sich die „Heiden“ auf die Serie von aufeinanderfolgenden Nationen beziehen, die Jerusalem kontrolliert haben, kann man argumentieren, dass sich die Zeiten der Heiden oder Nationen auf die aufeinanderfolgenden Perioden oder Zeiten beziehen müssen, in denen Jerusalem unter der Herrschaft dieser Nationen stand.

    Wie bereits erwähnt, scheint der Plural „Heiden“ jedoch eindeutig eine Anspielung auf die Armee der Heiden (bestehend aus Truppen verschiedener Völker und Nationen) zu sein, das Jerusalem einnehmen und zerstören würde. Die Zeiten dieser Heiden wären also einfach die Zeiten, in denen sie die Stadt niedertrampeln.

    Es ist auch zu beachten, dass der Plural „Zeiten“ an anderen Stellen in der Bibel für einen kurzen Zeitraum verwendet wird. Ein Beispiel dafür sind Nebukadnezars „sieben Zeiten“ in Daniel, Kapitel 4, die sich, wie wir gesehen haben, auf einen Zeitraum von nur sieben Monaten beziehen können. (36) Ein anderes Beispiel sind die „Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit“ in Offenbarung 12:14, die laut Vers 6 1.260 Tagen (3 1/2 Jahren) entsprechen. Der Ausdruck wird normalerweise aus Daniel 7:25 und 12:7 übernommen, wo er sich höchstwahrscheinlich auf eine kurze Zeit des Leidens und der Bedrängnis bezieht. Diese Beispiele zeigen deutlich, dass die Pluralform „Zeiten“ in Lukas 21:24 kein Hinweis auf eine lange Zeitspanne ist.

    Das griechische Wort für „Zeiten“ in Lukas 21:24, kairoí, wird in der Neue-Welt-Übersetzung der Watch Tower Society als „festgesetzte Zeiten“ wiedergegeben.(37) Diese Deutung ist keineswegs unwahrscheinlich oder weit hergeholt. Griechische Wörterbücher betonen, dass im neutestamentlichen Griechisch das Wort kairós oft die Zeit als Qualität bezeichnet, im Gegensatz zum Wort chrónos, das normalerweise die Zeit als Quantität bezeichnet. Während also das Wort chrónos für die Zeit im chronologischen Sinne verwendet wird, also für den Strom der Zeit, eine Zeitspanne usw., unabhängig von den darin stattfindenden Ereignissen, wird kairós für die Zeit verwendet, die durch ihren Inhalt charakterisiert wird. Dementsprechend wird kairós für „den schicksalhaften oder entscheidenden Zeitpunkt“, „den günstigen Zeitpunkt“, „den richtigen, angemessenen, günstigen Zeitpunkt“, oder „den festgelegten, bestimmten oder versprochenen Zeitpunkt“ verwendet. (38)

    Bei der Anwendung dieser Bedeutung von kairós auf die „Zeiten“ der Heiden ist jedoch Vorsicht geboten, denn der Unterschied zwischen kairós und chrónos wurde von einigen früheren Gelehrten stark überbewertet. In einer gründlichen Studie, die 1962 veröffentlicht wurde, zeigt ein führender Semitist, Professor James Barr, dass kairós im früheren, klassischen Griechisch zwar im Sinne von „genauer, richtiger, kritischer oder günstiger Zeit“ verwendet wurde, im späteren Griechisch aber auch im Sinne von „Zeit“ oder „Zeitraum“ im allgemeinen, chronologischen Sinne verwendet wurde. Obwohl der ursprüngliche Gegensatz zwischen den beiden Begriffen in der LXX und im Neuen Testament oft nachgewiesen werden kann, überschneiden sich die Begriffe auch und werden oft synonym verwendet, um einen oder mehrere Zeiträume zu bezeichnen. (39)

    Die „Zeiten der Heiden“ in Lukas 21:24 beziehen sich eindeutig auf eine Zeitspanne. Das deutet darauf hin, dass kairós hier im gleichen Sinne wie chrónos verwendet werden kann. Man sollte also nicht zu viel in das Wort hineininterpretieren. James Barr stellt fest, dass „die beiden Wörter [chrónos und kairós] höchstwahrscheinlich dieselbe Bedeutung haben, wenn sie in den theologisch wichtigen Fällen verwendet werden, in denen von der ‚Zeit‘ oder den ‚Zeiten‘ die Rede ist, die Gott bestimmt oder verheißen hat.“ Von den vielen Beispielen hierfür führt er auch Lukas 21:24 an. (40)

    Dass Lukas den Plural kairoí wählt, hat vielleicht eine ganz einfache Erklärung. Wie bereits gezeigt wurde, ist der Plural „Heiden“ in seinem Text allem Anschein nach der LXX-Übersetzung von Daniel 9:26-27 entnommen, dem Text, der vor allem den biblischen Hintergrund für die Prophezeiung der Zerstörung Jerusalems und seines Tempels liefert. Es ist daher nicht überraschend, dass auch der Plural kairoí in derselben Passage vorkommt. Die Art und Weise, wie das Wort kairós in dieser Passage verwendet wird, könnte auch seine Verwendung in Lukas 21:24 erklären.

    In seiner Erörterung des Hintergrunds der Septuaginta (LXX) für die Sprache, die Lukas in 21:20-24 verwendet, stellt Professor Charles H. Dodd fest, dass die genaue Formulierung kairoí ethnôn, „Zeiten der Heiden“, in der LXX zwar nicht vorkommt, „die Idee aber vorhanden ist“ (41). Er zitiert dann die LXX-Übersetzung von Daniel 9:26-27, um zu zeigen, dass beide Wörter dort in einer Prophezeiung der Zerstörung Jerusalems vorkommen, genau wie in Lukas 21:24.

    Die Verwendung des Wortes éthnê, „Heiden“ oder „Nationen“, in Daniel 9:26-27 (LXX) wurde bereits früher besprochen. Das Wort kairós, „Zeit“, kommt mehr als einmal im selben Text vor, sowohl in der Einzahl als auch in der Mehrzahl. Diese Vorkommen sind in den folgenden Zitaten des Textes enthalten:

    (26) Ein Königreich von Heiden [oder „Nationen“, ethnôn] wird die Stadt und den heiligen Ort zerstören … und bis zur Vollendung der Zeit [kairou] wird Krieg geführt werden. …

    (27) und nach der Vollendung der Zeiten [oder, „der Zeiträume“, kairôn] … und bis zur Vollendung der Zeit [kairou] des Krieges … und auf dem Tempel wird ein Greuel der Verwüstung sein bis zur Vollendung der Zeit [kairou] und die Verwüstung wird vollendet werden.

    Aus diesen Aussagen wird deutlich, dass sowohl die Plural- als auch die Singularform von kairós hier im Zusammenhang mit der Zerstörung Jerusalems und des Heiligtums verwendet wird. Die Prophezeiung handelt von den Ereignissen am und nach dem Ende der „siebzig Wochen“, die in den vorangegangenen Versen erwähnt werden. In den Versen 26 und 27 ist die Rede von der „Vollendung“ einer bestimmten „Zeit“ oder „Zeiten“, offensichtlich einer bestimmten Zeitspanne, und von einem „Krieg“, der bis zur Vollendung dieser Zeitspanne geführt werden soll.

    Es ist zu beachten, dass das Wort „Krieg“ in Vers 26 in der Einzahl steht. Der Text sagt nicht: „Bis zur Vollendung der Zeit werden Kriege geführt werden“, als ob eine lange Zeitspanne mit Kriegen im Blick wäre. Der „Krieg“, von dem die Rede ist, ist der, den das „Königreich der Heiden“ führt, um die Stadt und das Heiligtum zu zerstören. Dieser Krieg wird „bis zur Vollendung der Zeit“ geführt, das heißt, bis die für die Zerstörung festgelegte Zeit abgelaufen ist. Die „Zeit“ oder „Zeiten“, die erwähnt werden, können sich also nicht auf einen langen Zeitraum beziehen, der sich über Jahrhunderte erstreckt.

    Es ist wenig sinnvoll, die LXX-Übersetzung von Daniel 9:26-27 im Detail zu erläutern, da sie einige textliche Probleme aufweist. Da einige Abschnitte zweimal wiederholt werden, ist sie deutlich länger als der hebräische Text und einige Sätze sind anders aufgebaut.

    Der hebräische Text der Passage betont, wie auch die LXX-Übersetzung, den verwüstenden Charakter und das Ziel des Krieges. Dr. Albert Barnes weist darauf hin, dass der hebräische Text von Vers 26b wörtlich lautet: „Bis zum Ende des Krieges sind Verwüstungen beschlossen.“ (42) In seiner sorgfältigen Untersuchung des Textes gibt er die folgenden Kommentare zum Charakter des Krieges:

    Die Dinge, die aus diesem Abschnitt zu erwarten wären, wären also: (a) Dass es Krieg geben würde. Das wird auch in der Zusicherung angedeutet, dass das Volk eines fremden Fürsten kommen und die Stadt einnehmen würde. (b) Dass dieser Krieg einen verwüstenden Charakter haben wird oder dass er sich in bemerkenswerter Weise über das Land ausbreiten und es verwüsten wird. Das ist bei allen Kriegen der Fall, aber bei diesem scheint es besonders auffällig zu sein. (c) Dass diese Verwüstungen den ganzen Krieg hindurch oder bis zu seinem Ende andauern würden. Es gäbe keine Unterbrechung, kein Aufhören. Es ist wohl kaum nötig zu erwähnen, dass der Krieg, den die Römer nach dem Tod des Erlösers mit den Juden führten, genau diesen Charakter hatte und mit der Zerstörung der Stadt und des Tempels, dem Sturz des gesamten hebräischen Gemeinwesens und der Verschleppung eines großen Teils des Volkes in eine ferne und ewige Gefangenschaft endete. Kein Krieg war in seinem Verlauf vielleicht mehr von Verwüstung geprägt; in keinem anderen wurde die Absicht der Zerstörung bis zu seinem Ende so beharrlich verkündet. (43)

    Da die Verwüstung Jerusalems und des Heiligtums „beschlossen“ (NWÜ) war, konnte die Zerstörung nicht halb vollendet bleiben. Offensichtlich hatte Jesus diese Prophezeiung im Hinterkopf, als er sagte: “Es wird kein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht niedergerissen wird.” (Lukas 21:6, NWÜ) Das „Königreich der Heiden“ sollte nicht nur Teile der Stadt und des Heiligtums zerstören. Wie die Prophezeiung Daniels zeigt, wurde ihnen eine bestimmte „Zeit“ oder „Zeiten“ für die Zerstörung zugewiesen. Diese „Zeit“ oder „Zeiten“ scheinen also die „Zeiten der Heiden“ zu sein, von denen in Lukas 21:24 die Rede ist. Das ist auch die Schlussfolgerung einiger Gelehrter. Einer von ihnen, Dr. Milton Terry, kommt zu dem Schluss:

    Diese „Zeiten der Heiden“ sind offensichtlich die Zeit, die den Heiden zugestanden wird, um Jerusalem zu zertreten, und diese Zeiten sind erfüllt, sobald die Nationen ihr Werk, die heilige Stadt zu zertreten, vollendet haben. (44)

    Zusammenfassung und Schlussfolgerung

    In diesem Kapitel wurde zunächst gezeigt, dass der unmittelbare Kontext von Lukas 21:24 nachdrücklich verlangt, dass der Zeitraum, der „Zeiten der Heiden“ genannt wird, sich auf die buchstäbliche Stadt Jerusalem bezieht und nicht auf „Gottes Königreich, das durch das Haus Davids wirkt“.

    Es wurde außerdem gezeigt, dass die erklärende Sprache, die Lukas in 21:20-24 verwendet, aus Begriffen und Phrasen aus dem Alten Testament besteht, und zwar häufig aus der Septuaginta-Übersetzung. Es ist durchaus möglich, dass diese alttestamentlichen Ausdrücke von Jesus selbst verwendet wurden, obwohl sie nur von Lukas bewahrt wurden.

    Der Haupthintergrund der Vorhersage Jesu ist, wie er selbst in seiner Rede deutlich machte, die Prophezeiung der Zerstörung Jerusalems und seines Heiligtums in Daniel 9:26-27. Es ist daher kein Zufall, dass ein Teil des von Lukas verwendeten Vokabulars die Sprache dieser Passage widerspiegelt. Diese Beziehung beschränkt sich nicht nur auf die spezifische Aussage des Lukas – die in den anderen Synoptikern nicht vorkommt –, dass Jerusalem von Armeen umzingelt und verwüstet werden würde (was in Daniel 9:26 direkt gesagt wird), sondern die Passage enthält auch spezifische Begriffe, die Lukas verwendet, wie „Heiden (éthnê)“ und „Zeiten (kairoí)“. Der lukanische Ausdruck „Zeiten der Heiden“ scheint eindeutig auf Daniels Prophezeiung zu basieren.

    Die anschließende Analyse des griechischen Wortes für „zertrampeln“ (patéô) ergab, dass dieses Verb, wenn es transitiv und vor allem im Zusammenhang mit dem Niedertrampeln von Feinden, ihren Ländern und Städten verwendet wird, normalerweise nicht nur auf eine Zeit der Herrschaft und Kontrolle, sondern auf eine Zeit der Entweihung, Plünderung, Tötung und Zerstörung hinweist. Eine Untersuchung von Passagen, die sich mit dem „Niedertrampeln“ Jerusalems und/oder seines Tempels bei früheren Anlässen befassen, stützt diese Schlussfolgerung deutlich.

    Als Nächstes wurde das Pluralwort „Heiden“ oder „Nationen“ (éthnê) in Lukas 21:24 diskutiert. Es wurde gezeigt, dass die Pluralform des Verbs nicht als Verweis auf die aufeinanderfolgenden Nationen verstanden werden muss, die die Herrschaft über Jerusalem innehatten. Der Plural „Heiden“ könnte sich sehr wohl auf die zusammengesetzten Armeen von Vespasian und Titus in den Jahren 67-70 n. Chr. beziehen. Diese Verwendung des Wortes in unserem Text wurde von der Bibel selbst bestätigt, denn die Prophezeiung in Daniel 9:26 (LXX) verwendet genau dasselbe Wort in der Pluralform für die Armeen, die Jerusalem und seinen Tempel zerstören sollten.

    Schließlich wurden die verschiedenen Interpretationen der „Zeiten“ der Heiden untersucht. Es wurde gezeigt, dass das Wort kairós, „Zeit“, auch in seiner Pluralform sehr wohl einen kurzen Zeitraum bezeichnen kann. Da dieses Wort in Lukas 21:24 nicht von den „Zeiten“ der Heiden oder Nationen im Allgemeinen, sondern von den „Zeiten“ der Heiden, die Jerusalem zerstören würden, verwendet wird, kann sich der Zeitraum kaum über Jahrhunderte oder Jahrtausende erstrecken. Es scheint logisch zu sein, dass diese „Zeiten“ für den Zeitraum verwendet werden, der den römischen Armeen zugestanden wird, um den jüdischen Aufstand niederzuschlagen und Jerusalem zu verwüsten.

    Dieses Verständnis wird auch durch die LXX-Übersetzung von Daniel 9:26-27 gestützt, die dasselbe Wort, kairós, sowohl in der Einzahl als auch in der Mehrzahl für den Zeitraum verwendet, der mit der Vollendung der Verwüstung Jerusalems durch die Heiden enden wird.

    Die Schlussfolgerung dieser Untersuchung ist daher, dass sich die „Zeiten der Heiden“ in Lukas 21:24 auf den Zeitraum beziehen, der den heidnischen Armeen von Vespasian und Titus zugestanden wurde, um Gottes Gericht über Jerusalem und die jüdische Nation auszuführen, bis sie das Werk der völligen Verwüstung Jerusalems und seines Tempels vollendet hatten.

    Fußnoten:

    1. Insight on the Scriptures, Vol. 1 (Brroklyn, N.Y.: Watchtower Bible and Tract Society of New York, Inc., 1988), pp. 132-133
    2. Ebd., S. 132. Der Plural des Substantivs éthnê bedeutet „Völker, Nationen, Fremde“. Die Singularform des Substantivs, éthnos, „Vielheit, Nation, Fremde“, wird im Neuen Testament auch für die Juden als Volk oder Nation verwendet. Siehe z. B. Lukas 7:5 und Apostelgeschichte 10:22.
    3. Eine typische Aussage ist die von Heinz D. Rossol: „Während Markus/Matthäus angesichts der Prophezeiung nur symbolisch von dem verwüstenden Sakrileg sprechen, kann Lukas die Belagerung Jerusalems wörtlich nehmen, da sich die Prophezeiung erfüllt hat.“ – H. D. Rossol, -„’The Desolating Sacrilege‘ and the Synoptic Problem“, in Martin C. Albl et al (eds.), Directions in New Testament Methods (Marquette University Press, 1993), S. 17.
    4. Siehe Lars Hartman, Prophecy Interpreted (= Coniectanea Biblica, New Testament Series 1, Lund, Schweden: CWK Gleerup, 1966), S. 226-235. Für einen Überblick über die Diskussionen über „proto-lukanische“ Quellen, siehe Lloyd Gaston, No Stone on Another. Studies in the Significance of the Fall of Jerusalem in the Synoptic Gospels (Leiden: E. J. Brill, 1970), S. 244-256
    5. Für eine Diskussion in diesem Sinne siehe David Wenham, The Rediscovery of Jesus‘ Eschatological Discourse (Sheffield: JSOT Press, 1984), S. 185-188. Vgl. auch die Kommentare und Hinweise von I. Howard Marshall in seinem Commentary on Luke (Grand Rapids: William B. Eerdmans Publ. Co., 1978), S. 771.
    6. Für eine detaillierte Untersuchung der Beziehung zwischen der Ölbergrede und dem Buch Daniel siehe Lars Hartman, op.cit. (Anmerkung 4 oben), S. 145-177
    7. Charles H. Dodd, „The Fall of Jerusalem and the ‚Abomination of Desolation‘“, The Journal of Roman Studies, Vol. XXXVII (London, 1947), S. 50, 52. Siehe auch Professor Bo Reicke in The Roots of the Synoptic Gospels (Philadelphia: Fortress Press, 1986), S. 137, 175.
    8. Siehe das Buch 1 Makkabäer (geschrieben im 2. Jahrhundert v. Chr.), Kapitel 1, Verse 29-64. Dan. In Dan 8:11, das sich offensichtlich auf diese Ereignisse bezieht, heißt es, dass „sein Heiligtum niedergeworfen wurde“. Diese Aussage bezieht sich nicht unbedingt auf das Heiligtumsgebäude selbst, das von Antiochus Epiphanes nicht abgerissen wurde. Der Text spricht von dem „Ort (hebr. makon) des Heiligtums“. Dr. John J. Collins weist darauf hin, dass makon in Esra 3:3 für den Sockel des Altars verwendet wird und schlägt vor, dass auch hier der Altar gemeint sein könnte, der von Antiochus entweiht wurde. – J. J. Collins, Daniel (Minneapolis: Fortress Press, 1993), S. 334
    9. Es stimmt, dass Antiochus IV. im Jahr 169 v. Chr. das Heiligtum in Jerusalem plünderte und alle Einrichtungsgegenstände und Wertgegenstände mitnahm und sogar das gesamte Gold von der Fassade des Gebäudes abziehen ließ. (1 Makk. 1:20-24) Weiter heißt es in 1 Makkabäer, dass Antiochus zwei Jahre später, 167 v. Chr., Truppen nach Jerusalem schickte, die „die Stadt plünderten, in Brand steckten und ihre Gebäude und Mauern zerstörten.“ (1 Makk. 1:31) Aber diese Zerstörung bezieht sich offensichtlich nur auf Teilschäden an Gebäuden und Mauern, denn weder das Heiligtum noch die Stadt wurden tatsächlich zerstört. Siehe die Kommentare zu diesen Ereignissen von Professor Jonathan A. Goldstein, I Maccabees. A New Translation with Introduction and Commentary (= The Anchor Bible, Vol. 41; New York: Doubleday, 1976), S. 213-20. Eine detaillierte kritische Untersuchung der Versuche, Dan. 9:26-27 auf die Zeiten und Taten von Antiochus IV. zu beziehen, findet sich in Dr. E. B. Pusey, Daniel the Prophet (Minneapolis: Klock and Klock Christian Publishers, 1978; Nachdruck der Ausgabe von 1885), S. 184-229.
    10. Für eine Diskussion über das pharisäische Verständnis dieser Prophezeiung nach 70 n. Chr. siehe Robert T. Beckwith, „Daniel 9 and the date of Messiah’s Coming in Essene, Hellenistic, Pharisaic, Zealot and Early Christian Computation“, Revue de Qumran, Vol. 10, No. 40, Dec. 1981, pp. 531-36. Vgl. auch A. Strobel in New Testament Studies, Vol. X (1963-1964), S. 442; auch Lloyd Gaston, op. cit. (Anm. 4 oben), S. 458-468.
    11. Vgl. die Kommentare in Kapitel 5, Anmerkung 22.
    12. Albert Barnes, Notes on the Old Testament, Explanatory and Practical: Daniel, Vol. II (Grand Rapids, Michigan: Baker Book House, 1977; Nachdruck der Ausgabe von 1853), S. 188
    13. Colin Brown (Hrsg.), The New International Dictionary of New Testament Theology, Vol. 3 (Exeter, U.K.: The Paternoster Press, Ltd., 1978), S. 943. – Ein transitives Verb ist ein Verb, das ein Akkusativobjekt annimmt. Ein Satz mit einem transitiven Verb kann in die passive Form umgewandelt werden. Zum Beispiel kann der Satz „Der Junge hat den Ball getreten“ in „Der Ball wurde von dem Jungen getreten“ umgewandelt werden. In Lukas 21:24 wird die passive Form von patéô verwendet. (Vergleiche die aktive Form in der ähnlichen Aussage in Offenbarung 11:2.) Ein intransitiv verwendetes Verb kann kein Akkusativobjekt annehmen.
    14. Ebd., S. 944. Vgl. die Kommentare von Dr. H. Seeseman in G. Kittel & G. Friedrich (Hrsg.), Theological Dictionary of the New Testament (TDNT), Vol. V (Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans Publ. Co., 1967), S. 940, 943.
    15. Alle Sätze in Lukas 21:24 stehen im Futur, was darauf hindeutet, dass sich diese Prophezeiung auf etwas bezieht, das völlig in der Zukunft liegt: „Es wird (éstai) große Not im Lande sein und Zorn über dieses Volk. Sie werden durch das Schwert fallen (pesoûntai) und als Gefangene (aichmalôtisthêsontai) zu allen Völkern gebracht werden. Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden (éstai), bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind (plêrôthôsin).“ (NIV)
      Obwohl das letzte Verb, plêróô, hier im aoristischen passiven Konjunktiv, plêrôthôsin, verwendet wird, war der Konjunktiv im Griechischen immer eng mit der Zukunftsform verbunden. Der Text von Westcott und Hort, auf dem die Neue-Welt-Übersetzung basiert, scheint sogar die zukünftige Zeitform zu betonen, indem er kai ésontai, „und wird sein“, nach plêrôthôsin hinzufügt, in Übereinstimmung mit dem vatikanischen Manuskript 1209. Der Zusatz kai ésontai wird jedoch von den meisten anderen frühen handschriftlichen Zeugen nicht unterstützt und wird in modernen kritischen Ausgaben des griechischen Textes weggelassen.
    16. Tage der Zusammenkunft der Gerechtigkeit (hêmérai ekdikêseôs)„: Wie Professor C. H. Dodd betont, wird derselbe Ausdruck in Hosea 9,7 (LXX) für den Untergang Israels und in Jeremia 46,10 (LXX = 26,10) für den Untergang Judas verwendet. – C. H. Dodd, op. cit. (Anm. 7 oben), S. 51.
      „alles, was geschrieben steht“: Die Aussage bezieht sich höchstwahrscheinlich auf die Dinge, die im Alten Testament über das Gericht über Jerusalem und die jüdische Nation geschrieben stehen. Daniel 9:26-27 ist sicherlich gemeint, aber auch andere Texte in Daniel und anderswo, wie Daniel 12:1 und 1. Könige 9:6-9.
    17. Die „große Bedrängnis“ (anánkê megálê) entspricht der „großen Drangsal“ (thlípsis megálê) in Matthäus 24:21, die Daniel 12:1 zitiert. Die Formulierung „Zorn über dieses Volk“ hat Parallelen im Alten Testament: Psalm 78:21 (LXX = 77:21) spricht von Gottes „Zorn … über Israel“, und 2. Chron. 24:18 spricht von Gottes „Zorn über Juda und Jerusalem“.
    18. Der jüdische Historiker Flavius Josephus, der Augenzeuge dieser Ereignisse war, hat detailliert dokumentiert, wie sehr sich diese Vorhersagen erfüllten. Er beschreibt die römische Niederschlagung des jüdischen Aufstands als ein dreieinhalb Jahre andauerndes landesweites Blutbad, das mit der völligen Zerstörung Jerusalems und seines Tempels seinen Höhepunkt erreichte. Schon zu Beginn des Krieges wurden viele Juden bei den Belagerungen und Schlachten getötet oder gefangen genommen und als Sklaven verkauft. Im September 67 n. Chr. wurden zum Beispiel 36.400 Juden in Tiberias am See Genezareth gefangen genommen, von denen 6.000 nach Korinth geschickt wurden, um an dem Kanal zu graben, den Nero dort gerade begonnen hatte, während die restlichen 30.400 als Sklaven in andere Teile des Reiches verkauft wurden. (Josephus, Der Jüdische Krieg III, 539-542) Laut Josephus belief sich „die Gesamtzahl der Gefangenen während des gesamten Krieges auf siebenundneunzigtausend“. Die Zahl derer, die allein bei der Belagerung und Zerstörung Jerusalems umkamen, schätzt er auf „eine Million einhunderttausend.“ – Josephus‘ Der Jüdische Krieg, Buch VI, 420. Zitiert nach der Übersetzung von H. St. J. Thackeray in Bd. 210 der Loeb Classical Library (Cambridge & London: Harvard University Press, 1928). Moderne Gelehrte halten die letztgenannte Zahl meist für stark übertrieben.
    19. Joseph H. Thayer, A Greek-English Lexicon of the New Testament, 4. Aufl. (Grand Rapids, Michigan: Baker Book House, 1977), S. 494:3961. In ähnlicher Weise kommentiert Dr. H. Seesemann die Verwendung von patéô in Lukas 21,24 und Offb. 11:2, sagt, „dass es hier den Sinn von „zerstören“, „plündern“ hat, obwohl man noch weiter gehen und „plündern und entweihen“ sagen könnte, da das Plündern der heiligen Stadt (einschließlich des Tempels) notwendigerweise mit ihrer Entweihung gleichzusetzen ist.“ – H. Seeseman in TDNT, Bd. V (siehe Anmerkung 14 oben), S. 943.
    20. Dr. Luke Timothy Johnsons Übersetzung von Lukas 21,24 spiegelt sein Bewusstsein für diesen Zusammenhang wider: „Und Jerusalem wird unter der Ferse der Heiden zermalmt werden, bis die Zeiten der Heiden vollendet sind.“ In seinem Kommentar zu diesem Vers weist er darauf hin, dass „das Verb patéô in Joel 3:13 zum Treten von Trauben verwende wird und in Amos 2:7 ‚den Kopf der Armen in den Staub zertreten‘ und in Sach 10:5 für ‚den Feind in den Schlamm der Straßen trampeln‘  verwendet wird. Ebenso heißt es in Lam 1:15 „der Herr hat uns getreten wie in eine Kelter, die jungfräuliche Tochter Juda‘ (d.h. Jerusalem).“ – L. T. Johnson, The Gospel of Luke (= Band 3 der Sacra Pagina Series). (Collegeville, Minnesota: The Liturgical Press, 1991), S. 320, 324.
    21. R. H. Charles, The Revelation of St. John, Vol. I (Edinburgh: T. & T. Clark, 1920; Auflage 1985), S. 280. Dr. Robert H. Mounce stellt ebenfalls fest, dass die 42 Monate „zu einem konventionellen Symbol für eine begrenzte Zeitspanne wurden, in der dem Bösen freier Lauf gelassen wird. In Lukas 21:24 wird sie als ‚die Zeit der Heiden‘ bezeichnet.“ – R. H. Mounce, The Book of Revelation (Grand Rapids, Michigan: William B. Eerdmans Publishing Company, 1977), S. 221. Siehe auch I. T. Beckwith, The Apocalypse of John: Studies in Introduction (Grand Rapids, Michigan: Baker Book House, 1979. Nachdruck der Ausgabe von 1919), S. 599.
    22. John M. Court, Myth and History in the Book of Revelation (London: SPCK, 1979), S. 87
    23. Moses Stuart in A Commentary on the Apocalypse, zitiert von J. Stuart Russell, The Parousia. A Critical Inquiry into the New Testament Doctrine of Our Lord’s Second Coming (Grand Rapids, Michigan: Baker Book House, 1983. Nachdruck der Ausgabe von 1887.), S. 430. Vgl. auch die Ausführungen von Milton Terry, Biblical Hermeneutics (Grand Rapids, Michigan: Academie Books, Zondervan, 1974. Nachdruck der Ausgabe von 1883), S. 473-474.
    24. Was das Datum der Offenbarung angeht, stellt Dr. Daniel A. deSilva fest: „Das Datum der Offenbarung und damit die Art der Situation, die sie ausgelöst hat, ist wesentlich umstrittener. Die Gelehrten sind sich ziemlich einig, ob sie das Werk in das Jahr der vier Könige (68/69 n. Chr.) oder in das Ende der Herrschaft Domitians (94 oder 95 n. Chr.) einordnen wollen.“ – D. A. deSilva, „The social setting of the Revelation to John: conflicts within, fears outside“, The Westminster Theological Journal, Vol. 54 (1992), pp. 273-74. Neuere Belege für die frühe Datierung finden sich in John A. T. Robinson, Redating the New Testament (London: SCM Press Ltd, 1976; 5. Auflage 1984), S. 221-253, und in der umfangreichen Studie von Kenneth L. Gentry, Jr., Before Jerusalem Fell. Dating the Book of Revelation (Tyler, Texas: Institute for Christian Economics, 1989).
      Das Bild des „Messens“ wird in der Bibel entweder als Symbol des Aufbaus (Hes. 40:2-3; Sach. 1:6; Offb. 21:15-17) oder als Symbol der Zerstörung (Amos 7:7-9; 2. Könige 21:13; Jes. 34:11; Lam. 2:7-8) verwendet. Die meisten Ausleger sind jedoch der Meinung, dass es hier in Offenbarung 11:1 als Symbol für die Bewahrung verwendet wird, weil die gemessenen Dinge (das Heiligtum usw.) im Gegensatz zu der Zertrampelung der restlichen Stadt durch die Heiden stehen. In dieser Sichtweise symbolisiert das Heiligtum mit seinen Ritualen einen Kern von treuen Gläubigen in einem abgefallenen System, das dem Untergang geweiht ist. Viele sehen in der „Vermessung“ auch eine Parallele zur „Versiegelung“ in Offenbarung 7,1-8.
      Gelehrte, die die Visionen in Offb. 11:1-13 als rein symbolisch betrachten, verstehen die „Stadt“ als Symbol für Rom, das Judentum oder die abgefallene Christenheit. Gelehrte, die diese Identifizierung der „Stadt“ in Frage stellen, verweisen auf Vers 8, wo sie als die Stadt bezeichnet wird, „in der auch ihr Herr gekreuzigt wurde“.
    25. Eine praktische versenweise Darstellung der vier Hauptansätze zur Offenbarung findet sich in Dr. Steve Gregg, Revelation: Four Views. A Parallel Commentary (Nashville: Thomas Nelson Publisher, Inc., 1997.)
    26. Siehe K. H. Rengstorfs Diskussion des Wortes hepta, „sieben“, in Kittel/Friedrich, TDNT, Bd. 2 (siehe Anmerkung 14 oben), S. 628.
    27. Dr. E. J. Young zum Beispiel erklärt: „Dieser Zeitraum, eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit, steht offenbar für eine Periode der Prüfung und des Gerichts, die um des Volkes Gottes, der Auserwählten, willen verkürzt werden wird (vgl. Matthäus 24:22).“ – E. J. Young, The Prophecy of Daniel. A Commentary (Grand Rapids, Michigan: Wm. B. Eerdmans Publ. Co., 1949), S. 162. Siehe auch M. A. Beck, „Zeit, Zeiten, und eine halbe Zeit“, in Studia Biblica et Semitica. Festschrift für Theodoro Christiano Vriezen (Wageningen: H. Veenman & Zonen N.V., 1966), S. 24. Da diese „verkürzte“ Zeitspanne von dreieinhalb Jahren in etwa der tatsächlichen Dauer der „großen Drangsal“ des jüdischen Volkes (Lukas 21:23) entspricht, schließen einige Gelehrte, dass die „42 Monate“ in Offb. 11:2, die in Daniel als dreieinhalb „Zeiten“ (kairoí) ausgedrückt werden, den „Zeiten (kairoí) der Heiden“ in Lukas 21:24 entsprechen. Vgl. Milton S. Terry, Biblical Apocalyptics (Grand Rapids, Michigan: Baker Book House, 1988. Nachdruck der Ausgabe von 1898), S. 237-238
    28. Eine ausführliche Geschichte der langen Zeit der Fremdherrschaft über Jerusalem findet sich in Karen Armstrong, Jerusalem. One City, Three Faiths (New York: Alfred A. Knopf, Inc., 1996)
    29. Einen ausgezeichneten kritischen Überblick über die Anwendung von Lukas 21,24 und anderen biblischen Prophezeiungen, die von verschiedenen Auslegern auf Israels Eroberung Jerusalems im Jahr 1967 und die darauf folgenden Ereignisse gegeben werden, findet sich in Dwight Wilson, Armageddon Now! (Tyler, Texas: Institute for Christian Economics, 1991; Nachdruck der Ausgabe von 1977), S. 188-214. Eine Aktualisierung seit 1977 ist im Vorwort der Ausgabe von 1991 enthalten, S. xxv-xlii.
    30. Eliezer Paltiel, Vassals and Rebels in the Roman Empire. Julio-Claudian Policies in Judaea and the Kingdoms of the East (= Collection Latomus, Volume 212) (Bruxelles: Latomus, Revue d’Étude Latines, 1991), S. 158, 194-200, 321-30
    31. Die Streitkräfte Vespasians bestanden zu Beginn des Krieges im Frühjahr 67 aus drei römischen Legionen und 23 Kohorten sowie den Hilfskontingenten der Vasallenkönige. Wenn man die Zahlen zusammenzählt, stellt Josephus fest, dass „die Gesamtstärke der Truppen, der Kavallerie und der Infanterie, einschließlich der Kontingente der Könige, insgesamt sechzigtausend betrug, abgesehen von den Dienern, die in großer Zahl folgten und zu Recht als Kämpfer angesehen werden können, weil sie ihre militärische Ausbildung teilten; sie nahmen immer an den Manövern ihrer Herren im Frieden und im Krieg teil und teilten ihre Gefahren, wobei sie an Geschicklichkeit und Können niemandem außer ihnen unterlagen“. – Gaalya Cornfeld (General Editor), Benjamin Mazar, und Paul L. Maier, Josephus. The Jewish War (Grand Rapids, Michigan: Zondervan Publishing House, 1982), Buch III, 64-69. Hervorhebung hinzugefügt. Vgl. die Anmerkungen der Übersetzer auf S. 214, 218.
      Die Truppen unter dem Kommando von Titus im Jahr 70 n. Chr. zählten mindestens so viele Männer wie die unter Vespasian drei Jahre zuvor. Josephus gibt die Gesamtzahl nicht an, aber auf der Grundlage seiner Informationen in Krieg V, 39-46 schätzen Cornfeld et al. die Gesamtzahl auf „etwa 60.000 Legionäre und Hilfstruppen, plus die zahlreichen Gefolgsleute und freigelassenen Sklaven, eine angemessene Truppe für die Einnahme einer großen befestigten Stadt wie Jerusalem.“ – G. Cornfeld et al., a.a.O., S. 321; vgl. auch Josephus‘ Krieg VII, 17-19
    32. Laut den Standardausgaben der Septuaginta (A. Rahlfs 1935, J. Ziegler 1954). In einem Manuskript, Papyrus 967, das 1931 in Ägypten entdeckt wurde, steht „ein König (basileús) der Heiden“ statt „ein Königreich (basileía) der Heiden“. Da es sich um das früheste erhaltene Manuskript der LXX-Übersetzung von Daniel handelt (datiert auf das 2. oder frühe 3. Jahrhundert n. Chr.), könnte es durchaus die ursprüngliche Lesart bewahren. Sie ist auch näher am hebräischen Text, der von einem „Prinzen“ spricht, nicht von seinem Königreich. – Siehe Angelo Geissen (Hrsg.), Der Septuaginta-Text des Buches Daniel (Bonn: Rudolf Habelt Verlag GmbH, 1968), S. 38, 39, 42, 214-217.
    33. Wie bereits erwähnt (Abschnitt D-2), wird auch in 1 Makkabäer 4:60 der Plural éthnê, „Heiden“ oder „Nationen“ verwendet, wenn es um die Armeen von Antiochus Epiphanes geht. Ein ähnlicher Gebrauch des Plurals „Nationen“ oder „Heiden“ findet sich in Sacharja 12:3 und 14:2, wo von zukünftigen Angriffen auf Jerusalem durch „alles Volk“ (LXX: pánta tà éthnê) prophezeit wird. In beiden Kapiteln bezieht sich der Plural „Nationen“ oder „Heiden“ offensichtlich auf ein Heer von Nichtjuden, die Jerusalem angreifen werden. Diese Prophezeiungen sind unterschiedlich interpretiert worden, aber es ist interessant festzustellen, dass einige Gelehrte ihre Erfüllung in den beiden verheerendsten Angriffen auf Jerusalem nach der babylonischen Verwüstung im Jahr 587 v. Chr. sehen, Siehe zum Beispiel die ausführliche Behandlung von Sacharja 12 in Dr. C. H. H. Wright, Zechariah and His Prophecies, Considered in Relation to Modern Criticism (London: Hodder and Stroughton, 1879; Nachdruck von Klock & Klock, 1980), S. 355-406.
    34. Vergleiche zum Beispiel die definitive Form von „der Gräuel der Verwüstung“ in Matthäus 24:15 und Markus 13:14, ein Konzept, das die jüdischen Zuhörer zweifellos aus dem Buch Daniel kannten.
    35. Milton S. Terry, Biblical Hermeneutics (siehe Anmerkung 23 oben), S. 445. Dies wird auch von C. H. Dodd, a.a.O. (siehe Anmerkung 7 oben), S. 52, betont.
    36. Siehe Kapitel 6 oben, Abschnitt B-4. Wie dort erwähnt, verwendet die Theodotion-Version von Daniel in Kapitel 4 kairoí für „Zeiten“.
    37. The British & Foreign Bible Society’s The Translator’s New Testament (1973) gibt den Satz ähnlich wieder: „die bestimmten Zeiten der Heiden“.
    38. Siehe zum Beispiel die Diskussionen in TDNT (siehe Anmerkung 14 oben), Band III (1965), S. 455; C. Brown, Band III (siehe Anmerkung 13 oben), S. 833ff. und in Walter Bauer, A Greek-English Lexicon of the New Testament, 2nd ed. Siehe auch die Erörterung von kairós im Bibellexikon der Watch Tower Society, Insight on the Scriptures, Vol. 1 (1988), S. 132.
    39. James Barr, Biblical Words for Time (London: SCM Press Ltd, 1962), S. 20-46. Siehe auch den informativen Artikel über kairós von C. H. Pinnock in G. W. Bromiley (Hrsg.), The International Standard Bible Encyclopedia (ISBE), Vol. 4 (Grand Rapids, Michigan: William B. Eerdmans Publishing Company, 1988), S. 852-853.
    40. Ebd., S. 42. Wenn der Gebrauch von kairós in Lukas 21:24 mehr als nur eine Zeitspanne bedeutet, liegt die Betonung wahrscheinlich auf der Zeit als Gelegenheit. Die „Zeiten der Heiden“ wären dann die Zeiten des Triumphs über Jerusalem, die Gelegenheit, die ihnen gegeben wurde, um die Stadt niederzutrampeln und zu zerstören. Die Länge dieses Zeitraums könnte sehr wohl im Voraus göttlich „bestimmt“ oder „bestimmt“ worden sein.
    41. C. H. Dodd, op. cit. (Anm. 7 oben), S. 52.
    42. Albert Barnes, a.a.O., Band II (Anmerkung 12 oben), S. 180.
    43. Ebd., S. 180-181.
    44. Milton S. Terry, Biblical Apocalyptics (siehe Anmerkung 27 oben), S. 367.

    Englischer Artikel (Original) von Carl Olof Jonsson

  • Warum gehen Jehovas Zeugen gegen andere juristisch vor?

    Warum gehen Jehovas Zeugen gegen andere juristisch vor?

    Von Christian


    Während Jehovas Zeugen in der Mitte des 20. Jahrhunderts vor Gerichte zogen, wenn es um die Ausübung des Predigtwerkes oder den Fahnengruss an Schulen ging, sind die juristischen Verfahren in der jüngeren Vergangenheit von anderer Art. Damals wie heute wurde gerne Philipper 1:7 zitiert, z.B. im Buch Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, Kapitel 30 ‘Verteidigung und gesetzliche Befestigung der guten Botschaft’, S. 678:

    „Es ist nur richtig, dass ich so über euch alle denke. Ich habe euch schließlich im Herzen, euch, die ihr mit mir an der unverdienten Güte teilhabt – sowohl in meinen Fesseln als auch bei der Verteidigung und gesetzlichen Befestigung der guten Botschaft“ (Philipper 1:7 Neue-Welt-Übersetzung 2018)

    Die Wiedergabe in der Neuen-Welt-Übersetzung weicht von der Übersetzung in der Elberfelder Übersetzung wie auch anderen Übersetzungen ab:

    „So ist es für mich recht, dass ich dies im Blick auf euch alle denke, weil ich euch im Herzen habe und sowohl in meinen Fesseln als auch in der Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums ihr alle meine Mitteilhaber der Gnade seid.“ (Philipper 1:7 Elberfelder Bibel)

    Auch hier wurde also eine sehr spezielle Übersetzung gewählt, welche die Vorgehensweise der Zeugen Jehovas rechtfertigen soll. Mehr Details dazu sind in diesem Artikel zu finden. Hier soll das Zitat aus dem Wachtturm von 1950 15.12. S. 378 genügen: „Der Leser mag sich wundern, warum das griechische Wort (be·bai’o·sis) hier wiedergegeben wird mit „gesetzliche Befestigung“.“ Inder Tat, das tut er. Der Text liefert also nicht die Grundlage, nach belieben vor Gericht zu ziehen, selbst nicht für „die gute Botschaft“. Und man sollte nicht übersehen, dass Paulus hier von „Verteidigung“ des Evangelium sprach. Nicht vom Angriff und nicht von sich selbst. Was Jesus und die Apostel zum Thema ‚Beilegen von Streitigkeiten‘ sagten, wird am Ende dieses Beitrags behandelt.

    In den vergangenen Jahren sehen sich Jehovas Zeugen allerdings in verschiedenen Ländern immer häufiger vor Gericht, weil sie Fälle von Kindesmißbrauch nicht gemeldet und die Täter gedeckt haben oder Personen meiden, welche einfach nicht mehr Teil der Glaubensgemeinschaft sein wollen. In diesem Video wird die Untersuchung in Australien angesprochen.

    Seit kurzem müssen sich auch viele Älteste der Zeugen Jehovas in den USA in Pennsylvania vor Gericht verantworten, weil sie Fälle von Kindesmißbrauch nicht gemeldet haben, und einige sind auch schon verurteilt worden (siehe https://jz.help/fuenf-mitglieder-der-zeugen-jehovas-in-pennsylvania-wegen-sexuellen-kindesmissbrauchs-angeklagt/).

    Im diesem Video wird am Ende auch über den Fall in Australien gesprochen. Vor allem geht es aber darum, welche Entscheidung die Regierung Norwegens in Bezug auf die staatliche, finanzielle Förderung der Zeugen Jehovas getroffen hat und wie Jehovas Zeugen in Norwegen nun gegen die Entscheidung der Regierung vorgehen.

    Hier geht es also gar nicht mehr darum, das Evangelium zu verteidigen, sondern Jehovas Zeugen werden ganz im Gegenteil deswegen angeklagt, weil sie sich nicht an staatliche Gesetze und Vorgaben halten – und tatsächlich sogar gegen das Evangelium selbst verstoßen.

    Darüber hinaus geht die Organisation der Jehovas Zeugen leider aber auch selbst juristisch gegen diejenigen vor, welche selbst Opfer von Mißbrauch oder Meidung waren oder diese vertreten. So zum Beispiel in Spanien:

    Selbst wer sich vor allem mit den Lehren der Zeugen Jehovas und deren Folgen auseinandersetzt, kann sich in Deutschland mit juristischen Aktionen der Rechtsanwälte der Organisation der Zeugen Jehovas konfrontiert sehen. (siehe https://jz.help/zeugen-jehovas-klagen-gegen-vereinsmitglieder-von-jz-help/). Dabei wird gerne auch das Markenrecht verwendet, also die Rechte am Namen ‚Zeugen Jehovas‘ und allen erdenklichen Abkürzungen davon (siehe https://jz.help/gericht-urteilt-gegen-jehovas-zeugen-kdoer-im-markenrechtsstreit-mit-jz-help/).

    Vor kurzem erhielt auch Martin Peth deswegen eine Unterlassungserklärung der Zeugen Jehovas in Deutschland. Mehr dazu erklärt er in diesen beiden Videos:

    So versteht man, dass die Organisation der Zeugen Jehovas einen immer größer werdenden Bedarf an Juristen hat. Dazu passt, dass in einem Brief der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas (‚Bekanntmachungen und Hinweise‘ August 2021, Teil nur für Älteste) dazu aufgefordert wurde, Jehovas Zeugen mit Ausbildung im juristischen Bereich anzusprechen und zur Mitarbeit mit den Rechtsanwälten in den Zweigbüros aufzufordern:

    „10. Erfahrene Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte benötigt: Geistig befähigte, zugelassene Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte tragen wesentlich dazu bei, die Aufgaben im Bethel zu erledigen (Phil. 1:7). Es besteht ein besonderer Bedarf an Personen, die Erfahrung in Verbindung mit Gerichtsverfahren, Unternehmensangelegenheiten, Datenschutz, Immobilientransaktionen oder Steuerrecht haben. Erfahrene Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte, die über außergewöhnliche Kompetenz in den Bereichen Analyse, Recherche und dem Verfassen von Schriftsätzen verfügen, tragen zur ordnungsgemäßen Bearbeitung von Rechtsangelegenheiten bei und sparen Kosten, die sonst anfallen würden. (In einigen Ländern gehören dazu auch Notare, die als spezialisierte Juristen Befugnis haben, in bestimmten Rechtsangelegenheiten zu handeln.)
    11. Kennt ihr vorbildliche Verkündiger, die über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen und vielleicht die Möglichkeit haben, bei Aufgaben im Bethel auf Teilzeit- oder Vollzeitbasis zu helfen, ermuntert sie bitte, eine Bewerbung als Helfer (A-19) zusammen mit einem Lebens- lauf einzureichen (sfl Kap. 22 Abs. 29-31). Helft ihnen zu verstehen, dass es ein Vorrecht ist und viel Freude und Genugtuung bringt, seine Fähigkeiten zur Förderung der König- reichsinteressen einzusetzen. Wir vertrauen darauf, dass ihr Verkündiger in dieser Angele- genheit mit Umsicht ansprecht. Beachtet bitte, dass wir niemanden dazu ermuntern, eine höhere Bildung oder einen Universitätsabschluss anzustreben, um spezielle Fähigkeiten zu erwerben. Vielmehr sind wir an Personen interessiert, die bereits über diese Fähigkeiten verfügen und bereit sind, bei den Tätigkeiten im Bethel zu helfen (w13 15. 10. S. 15, 16 Abs. 13, 14).“ (S-147-21.08-X Bekanntmachungen und Hinweise, August 2021)

    Interessant ist, für welche Bereiche hier Juristen gesucht werden: „Gerichtsverfahren, Unternehmensangelegenheiten, Datenschutz, Immobilientransaktionen oder Steuerrecht“.

    Wird ein solches Vorgehen der Rechtsanwälte der Organisation der Zeugen Jehovas durch Texte wie Philipper 1:7 gedeckt? Selbst mit der Neuen-Welt-Übersetzung dürfte es schwer sein, dies zu bejahen.

    Vermutlich nur, wenn man den Gedanken der ‚theokratischen Kiregsführung‘ verinnerlicht hat. Die Online-Bibliothek der Zeugen Jehovas gibt zu diesem Stichwort 14 Treffer zurück:

    „Es ist eine geistige Kriegführung, zu der wir geheiligt sind. Wir sind in ein geistliches Heer, das einen theokratischen Krieg führt, eingereiht, und unser Befehlshaber ist der Sohn Gottes, Jesus Christus.
    Die Kriegführung der beiden Gruppen dieser einen Herde ist die eine Kriegführung, die geistige, theokratische, heilige. Für diese Kriegführung sind beide geheiligt worden, denn beide haben auf die Stimme des Rechten Hirten, Christi Jesu, des größeren David, gehört, und beide haben sich dann Jehova Gott hingegeben, um treu in den Fußstapfen des Hirten zu folgen.“ (w55 15.1. S.56 Der christliche Krieger) 

    „(37) … Da die unchristlichen „Wölfe“ den „Schafen“ den Krieg erklären und ‚tatsächlich wider Gott streiten‘ wollen, ist es angebracht, daß die harmlosen „Schafe“ im Interesse des Werkes Gottes gegenüber den „Wölfen“ Kriegslist anwenden. Niemand, gegen den diese Strategie angewandt wird, wird dadurch ungerechterweise verletzt, während dagegen die „Schafe“ geschützt, das heißt die Interessen, die den Schutz verdienen, gewahrt werden. Gott verpflichtet uns nicht, die Dummheit der Schafe an den Tag zu legen und unserem kämpfenden Feind in die Hand zu arbeiten.
    (38) Es ist angebracht, die Vorkehrungen, die wir für das uns von Gott aufgetragene Werk treffen, zu verdecken. Wenn die wölfischen Feinde falsche Schlußfolgerungen aus unseren Überlistungsmanövern ziehen, wird ihnen doch durch die harmlosen Schafe, die in ihren Beweggründen so arglos wie Tauben sind, kein Leid angetan. Ihr Vorgehen entspringt nicht dem Hasse eines Lügners. „Wer Haß in sich verbirgt, hat Lügenlippen, und wer üble Nachrede verbreitet, ist ein Tor. Eine Lügenzunge haßt die von ihr Vernichteten [Verwundeten].“ — Spr. 10:18; 26:28, Me.
    (45) Wir dürfen nicht wider Gottes Wort lügen, indem wir ihm etwas beifügen oder etwas davon wegnehmen oder etwas in dieses Wort hineinlesen, was es nicht sagt oder was es verneint, indem wir über etwas hinweggehen oder etwas wegerklären, was es wahrheitsgemäß sagt. „Alle Rede Gottes ist geläutert . . . Tue nichts zu seinen Worten hinzu, damit er dich nicht überführe, und du als Lügner erfunden werdest.“ (Spr. 30:5, 6) Wir dürfen nicht Unwahrheiten in seinem Namen sagen, denn dadurch würde Gott der Anschein eines Lügners gegeben. „Gott werde als wahrhaftig erkannt, wenn auch jeder Mensch als Lügner erkannt würde.“ (Röm. 3:4, NW)“ (w56 15.4. S. 246 Vorsichtig wie Schlangen unter Wölfen)

    „EINE Zeugin Jehovas ging in Ostdeutschland von Haus zu Haus und stieß auf einen heftigen Gegner. Da sie sogleich wußte, was nun zu erwarten war, zog sie im nächsten Hausflur ihre rote Bluse aus und legte dafür eine grüne an. Kaum auf die Straße getreten, fragte ein kommunistischer Beamter, ob sie nicht eine Frau in einer roten Bluse gesehen habe. „Nein“, erwiderte sie und zog ihres Weges. War dies eine Lüge? Nein, sie log nicht; sie war keine Lügnerin. Vielmehr wandte sie theokratische Kriegslist an, indem sie die Wahrheit um des Predigtdienstes willen durch Wort und Tat verbarg.
    Hierfür hatte sie ein gutes biblisches Vorbild.
    Vielleicht fragt sich jemand, wo denn die Grenze zwischen theokratischer Kriegslist, durch die ein Tatbestand verborgen gehalten wird, und dem Aussprechen von Lügen gezogen werden soll.“ (w57 1.7. S. 413 Wende theokratische Kriegslist an)

    „Fragen von Lesern: Von Zeit zu Zeit erhalten wir Briefe, in denen wir gefragt werden, ob gewisse Umstände es rechtfertigen könnten, daß ein Christ in bezug auf seine Pflicht, stets die Wahrheit zu sagen, eine Ausnahme machen würde. In Beantwortung dieser Frage sei folgendes gesagt:

    Eine Ausnahme sollte der Christ jedoch stets im Sinn behalten. Als Soldat Christi nimmt er an einem theokratischen Kriegszug teil, und den Feinden Gottes gegenüber muß er größere Vorsicht walten lassen. Die Bibel zeigt deshalb, daß es zum Schutz der Interessen der Sache Gottes angebracht ist, die Wahrheit vor Feinden Gottes zu verdecken. …
    Das käme unter die Bezeichnung „Kriegslist“, wie dies im Wachtturm vom 15. April 1956 erklärt wurde, und wäre in Übereinstimmung mit dem Rate Jesu, wonach wir, wenn unter Wölfen, so ‚vorsichtig sein sollten wie Schlangen‘. “ (w60 1.8. S. 479)

    Das war also die Ansicht der Organisation der Zeugen Jehovas – und ist es wohl bis heute, auch wenn es nicht mehr so öffentlich geschrieben wird.

    Was aber finden wir in der Bibel zu diesem Thema. Nur ein paar Texte als Anregung, sich selbst eine Meinung zu bilden:

    Matthäus 5:23, 24

    „Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh vorher hin, versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und bring deine Gabe dar!” (Elberfelder)

    „Wenn du also deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder dir etwas übel nimmt, dann lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh weg. Versöhne dich zuerst mit deinem Bruder und dann komm zurück und opfere deine Gabe.“ (Neue-Welt-Übersetzung)

    Matthäus 5:25, 26

    ‹Wenn jemand dich vor Gericht ziehen will›, einige dich schnell mit deinem Gegner, solange du noch mit ihm auf dem Weg dahin bist. Sonst wird er dich dem Richter ausliefern, und der wird dich dem Gerichtsdiener übergeben, und du kommst ins Gefängnis.
    Ich versichere dir, du kommst erst dann wieder heraus, wenn du den letzten Cent bezahlt hast.“ (Neue Evangelistische Übersetzung)

    Einige dich schnell mit deinem Prozessgegner, noch während ihr auf dem Weg zum Gericht seid, damit dein Gegner dich nicht dem Richter übergibt und der Richter dich nicht dem Gerichtsdiener übergibt und du nicht ins Gefängnis geworfen wirst. Ich versichere dir: Du kommst dort auf keinen Fall heraus, bis du deine letzte kleine Münze bezahlt hast.“ (Neue-Welt-Übersetzung)

    Matthäus 18:15-17:

    „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und stell ihn unter vier Augen zur Rede. Wenn er mit sich reden lässt, hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Wenn er nicht auf dich hört, dann nimm einen oder zwei andere mit und geh noch einmal zu ihm, damit alles von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird. Wenn er auch dann nicht hören will, bring die Angelegenheit vor die Gemeinde. Wenn er nicht einmal auf die Gemeinde hört, dann behandelt ihn wie einen Gottlosen oder Betrüger.“ (Neue Evangelistische Übersetzung)

    „Und wenn dein Bruder eine Sünde begeht, dann geh und mach ihm den Fehler unter vier Augen bewusst. Hört er auf dich, dann hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Wenn er aber nicht auf dich hört, nimm noch eine oder zwei Personen mit, damit alles durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird. Wenn er nicht auf sie hört, dann wende dich an die Versammlung. Und wenn er nicht einmal auf die Versammlung hört, dann soll er für dich genauso sein wie jemand aus einem anderen Volk und wie ein Steuereinnehmer.“ (Neue-Welt-Übersetzung)

    Und insbesondere Römer 12:17-21:

    „Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Bemüht euch um ein vorbildliches Verhalten gegenüber jedermannSoweit es irgend möglich ist und soweit es auf euch ankommt, lebt mit allen Menschen in Frieden! Rächt euch nicht selbst, ihr Lieben, sondern lasst Raum für den Zorn Gottes! Denn in der Schrift steht: „Es ist meine Sache, das Unrecht zu rächen, sagt der Herr, ich werde Vergeltung üben!“ „Wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen; wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, sammelst du feurige Kohlen auf seinen Kopf. Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse mit dem Guten!“ (Neue Evangelistische Übersetzung)

    „Zahlt niemandem Böses mit Bösem zurück. Seid auf das bedacht, was aus Sicht aller Menschen gut ist. Wenn möglich, haltet, soweit es von euch abhängt, mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, ihr Lieben, sondern lasst Raum für den Zorn. Denn in den Schriften steht: „‚Es ist meine Sache, Rache zu nehmen. Ich werde Vergeltung üben‘, sagt Jehova.“ Vielmehr, „wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm etwas zu essen. Wenn er durstig ist, gib ihm etwas zu trinken. Denn wenn du das tust, sammelst du feurige Kohlen auf sein Haupt.“ Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse immer mit dem Guten.“ (Neue-Welt-Übersetzung)

  • Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas lässt ein Buch verschwinden – Teil 1

    Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas lässt ein Buch verschwinden – Teil 1

    Von Christian


    Die meisten Königreichssäle der Zeugen Jehovas und viele Zeugen haben sie: Eine ‚theokratische‘ Bibliothek. Also eine Sammlung früher erschienener Bücher und Ausgaben des Wachtturms und Erwachet. Ein Buch habe ich sehr geschätzt und auch im Nachlass meiner verstorbenen Mutter wieder gefunden:

    Kommentar zum Jakobusbrief
    Kommentar zum Jakobusbrief, veröffentlich 1979 von der Wachtturm-Gesellschaft

    Aber eigentlich ist es ein verloren gegangenes Buch. Inwiefern? Weil leider selbst viele Zeugen Jehovas dieses 1979 erschienene Buch überhaupt nicht mehr kennen! Nun gut, es ist zwar schon älter, aber es müsste doch leicht in der Wachtturm Online-Bibliothek zu finden sein …

    Wachtturm Online-Bibliothek Bücher
    Wachtturm Online-Bibliothek Bücher

    Also in der Liste der Bücher ist es schon einmal nicht. Aber wir kennen ja den Titel. Also suchen wir einmal im Index:

    Wachtturm Online-Bibliothek Index
    Wachtturm Online-Bibliothek Index

    Dort finden sich mehrere Hinweise auf ein Buch mit Abkürzung cj, was unschwer als ‚Commentary James‘ zu deuten ist. Aber dort ist kein Link zu dem Buch hinterlegt. Als ich im Mai 2023 nochmals gesucht habe, erhielt ich dieses Ergebnis:

    Von den 44 Ergebnissen sind allerdings bis auf 9 alles nur Königreichsdienste, die belegen, dass diese Buch im Predigtdienst verkauft wurde: 1987 für 1 DM, 1989 schon für 2 DM. Es scheint also im Wert noch gestiegen zu sein.

    Lässt man die Referenzen im Index und Hinweise im Wachtturm und Erwachet auf das Buch weg, bleiben diese Ergebnisse übrig:

    Wachtturm Online-Bibliothek Suche
    Wachtturm Online-Bibliothek Suche

    Kein Hinweis auf das Buch außer diesen? Und nichts aus dem Inhalt des Buches ist zu finden. Vielleicht ist ja die ‚Frage von Lesern‘ interessant:

    w81 15.4. S.31
    w81 15.4. S.31 Fragen von Lesern

    Nichts, außer einem Artikel, der versucht, einen Satz aus dem ganzen Buch ‚geradezurücken‘. Was soll an diesem einen Satz so Besonderes sein?

    Ich erinnere mich noch, wie alle Jehovas Zeugen weltweit dieses Buch im ‚Versammlungsbuchstudium‘ studiert haben. Das nächste Bild zeigt allerdings nicht mein Buch, in dem natürlich auch ich fleißig unterstrichen habe. Das Buch ist von meiner verstorbenen Mutter, die ich posthum loben kann: Auch sie hatte sich gut vorbereitet und genau die richtige Antwort auf die Frage zu Abschnitt 27 unterstrichen:

    Kommentar zum Jakobusbrief S. 49
    Kommentar zum Jakobusbrief S. 49

    Und in der ‚Wachtturm Online-Bibliothek‘ ist nichts, außer einem Artikel, der versucht, diesen einen Satz aus dem ganzen Buch ‚geradezurücken‘. Was soll an diesem einen Satz so Besonderes sein?

    „Jehova ist nicht nur der Gott der Christen, sondern auch ihr Vater, denn er hat sie durch seinen Geist als seine Söhne gezeugt.“ (Kommentar zum Jakobusbrief, S. 49)

    Der weitere Text des Wachtturm-Artikels zeigt, welche Sprengkraft dieser eine, kleine Satz wohl hatte:

    Heißt das, daß alle Gott hingegebenen und getauften Christen durch Gottes heiligen Geist zu seinen Söhnen gezeugt worden sind?

    Nein, das sollte nicht daraus gefolgert werden, als ob wir jetzt die Sache anders verstünden. Eine solche Änderung würde die biblische Lehre aufheben, daß es zwei verschiedene Hoffnungen für diejenigen gibt, die gerettet werden, nämlich eine himmlische und eine irdische Hoffnung.“
    (w81 15.4. S. 31)

    Und dort wird sogar eine winzige Änderung vorgeschlagen, welche alles ‚repariert‘ hätte:

    „Um Zweideutigkeit zu vermeiden, hätte in dem betreffenden Satz auf Seite 49 des Kommentars das Wort „gesalbt“ eingefügt werden können. Dann hätte der Satz wie folgt gelautet: „Jehova ist nicht nur der Gott der gesalbten Christen, sondern auch ihr Vater, denn er hat sie durch seinen Geist als seine Söhne gezeugt.“ Die dazugehörige Frage auf Seite 57 hätte lauten können: „Wieso ist Gott für gesalbte Christen auch der Vater?““ (w81 15.4. S.31)

    Zum Thema ‚gesalbte Christen‘ gehe ich in diesem Artikel ein: „Sollten wir uns Christen oder Gesalbte nennen (lassen)?“

    Aber warum hat man dann nicht einfach diese winzige Änderung vorgenommen? Wie in diesem Artikel gezeigt wurde, hat man doch schon ganz andere ‚Korrekturen‘ vorgenommen.

    Auch ist das alte Hesekiel-Buch von 1972 immer noch online verfügbar, direkt neben dem neuen Hesekiel-Buch von 2019.

    Ist der Grund für das Verschwinden des Jakobus-Buches vielleicht, dass es zu viele Änderungen gegeben hat? Warum wurde denn das Hesekiel-Buch nach fast 50 Jahren neu geschrieben? Ich zitiere aus dem Buch von 2019:

    Außerdem hat sich in den Jahrzehnten seit 1971 unser Verständnis der Bibel sehr verbessert, weil das Licht immer heller geworden ist (Spr. 4:18). Ab 1985 verstanden wir klarer, wie die „anderen Schafe“ als Freunde Gottes für gerecht erklärt werden (Joh. 10:16; Röm. 5:18; Jak. 2:23). 1995 erkannten wir, dass das endgültige Urteil, wer zu den „Schafen“ und wer zu den „Ziegen“ gehört, erst während der kommenden „großen Drangsal“ gefällt wird (Mat. 24:21; 25:31, 32). All das hat sich auf das Verständnis des Bibelbuches Hesekiel ausgewirkt.
    In den letzten Jahren ist das Licht noch heller geworden. Denken wir nur an die Vergleiche Jesu. Vieles, was er damit vermitteln wollte, verstehen wir jetzt besser und es geht uns noch mehr zu Herzen. Einige seiner Gleichnisse beziehen sich auf Ereignisse in der großen Drangsal, die immer näher kommt. Auch unser Verständnis etlicher Prophezeiungen aus dem Bibelbuch Hesekiel ist klarer geworden. Dazu gehören die Prophezeiungen über Gog von Magog (Kapitel 38 und 39), den Mann mit dem Tintenfass (Kapitel 9), über das Tal der vertrockneten Knochen und das Zusammenfügen der beiden Stäbe (Kapitel 37). Durch all das sind die Erklärungen, die vor Jahren im alten Hesekiel-Buch gegeben wurden, inzwischen überholt.

    Hesekiel-Buch 2019, Die reine Anbetung Jehovas – endlich wiederhergestellt! S.2 Kapitel „Brief der leitenden Körperschaft“

    Wer beide Bücher vergleicht, fragt sich unwillkürlich, was den vom alten Buch übrig geblieben ist. Also hatte die Leitende Körperschaft entschlossen, eine neue Interpretation des Bibelbuch Hesekiel schreiben zu lassen.

    Warum wurde das nicht auch mit dem Jakobus-Buch so gemacht? Ich kann mich eigentlich an nichts aus dem Buch erinnern, was durch ‚neues Licht‘ sich geändert hätte.

    Der Grund liegt ganz woanders. Wer nach Edward Dunlap in der Wachtturm-Bibliothek sucht, wird ihn noch immer finden. Aus den Quellen der Zeugen Jehovas geht immer noch hervor, dass er wichtige Funktionen in der Organisation der Zeugen Jehovas hatte:

    Wachtturm Online-Bibliothek Edward Dunlap
    Wachtturm Online-Bibliothek Edward Dunlap

    Ich kann mich erinnern, dass ich früher einmal sogar noch mehr über ihn dort gefunden hatte. Er war über 10 Jahre Registrator der Gilead-Schule und hat Vorträge auf deren Abschlußfeiern gehalten. Was man nicht findet, ist, dass er der Autor des Buches Kommentar zum Jakobusbrief war. Das findet sich in Raymound Franz Buch Der Gewissenskonflikt. Und dort findet man auch den Grund für alles: Um 1980 herum wurde er mit anderen auf unglaublich unchristliche Weise als ‚Abtrünniger‘ gebrandmarkt und ausgeschlossen. Und jede Erinnernung an ihn sollte wohl ausgelöscht werden. So ähnlich wie das jetzt mit Anthony Morris III auf den Websiten der Zeugen Jehovas geschieht, seit er kein Mitglied der Leitenden Körperschaft mehr ist. Aber das ist ein anderes Thema.

    Warum man das Buch dann auch aus der Online-Bibliothek verbannt, ist allerdings schwer nachvollziehbar. Denn bevor so ein Buch von Jehovas Zeugen auf einem Kongress in großer Zahl veröffentlich wird und später auch im Versammlungsbuchstudium studiert wird, muss es doch von sehr, sehr vielen korrekturgelesen worden sein. Auch von der leitenden Körperschaft und deren Komitees. Und mit der Veröffentlichung durch die Leitende Körperschaft war es doch das ‚neue Licht‘ der ‚aktuellen Wahrheit‘. Oder etwa doch nicht? Entweder ist der Inhalt korrekt, oder nicht. Sonst hätte die Leitende Körperschaft ja aktiv falsche Lehren als ‚geistige Speise‘ verteilt.

    Vielleicht gibt es ja noch das eine oder andere Exemplar in den Königreichssälen der Zeugen Jehovas oder privaten Bibliotheken. Für alle, die Englisch können ist es einfacher: Die englische Ausgabe des Buches kann man immer noch bei watchtowerwayback.org herunterladen.

  • Wachtturm Online-Bibliothek: Zurück in die Zukunft

    Wachtturm Online-Bibliothek: Zurück in die Zukunft

    Von Christian


    In die Vergangenheit zu reisen, um etwas zu ändern, was heute unvorteilhaft ist – diese Idee ist in einigen Büchern und Filmen durchgespielt worden. In der Realität ist das aber heute für uns Menschen nicht möglich.

    Sind einem jedoch die eigenen Veröffentlichungen mittlerweile unangenehm, muss man gar nicht in die Vergangenheit reisen. Man veröffentlich das scheinbar selbe Buch eben einfach mit Änderungen, ohne dies zu vermerken. In diesem Video hatte Eric dies schon einmal anhand des Buches Die Harfe Gottes von Jehovas Zeugen (bzw. damals noch den Bibelforschern) gezeigt:

    Veränderte Ausgabe des Buches „Die Harfe Gottes“, nachdem die Voraussagen für 1925 sich nicht erfüllt hatten.

    Viele werden sich noch erinnern können, wie oft es Änderungen für das Offenbarungs-Buch oder Daniel-Buch und anderer Bücher der Zeugen Jehovas gab. Die Korrekturen wurden von manchen so ausgedruckt, dass man den Text im Buch überkleben konnte. Später, als man endlich digitale Versionen verwenden durft und spätesten mit der passenden App der Zeugen Jehovas gab es oft Verwirrung in der Zusammenkunft, wenn jemand den Wachtturm oder eine andere Publikation aus der gedruckten Version vorlas oder eben aus der App mit stets ‚aktuellem‘ Inhalt. Später gab es dann Briefe an die Ältesten, dass die ‚aktuelle‘ digitale Ausgabe stets die ‚richtige‘ ist.

    Noch einfacher ist es natürlich, wenn man Veröffentlichungen im Internet digital anbietet, wie in der Wachtturm Online-Bibliothek. Auch wenn diese den Anschein erweckt, ein Archiv zu sein, ist sie das nicht. Ein Archiv wird in Wikipedia so definiert:

    Ein Archiv (lateinisch archivum ‚Aktenschrank‘; aus altgriechisch ἀρχεῖον archeíon ‚Amtsgebäude‘) ist eine Institution oder Organisationseinheit, in der Archivgut zeitlich unbegrenzt im Rahmen der Zuständigkeit des Archivs oder des jeweiligen Sammlungsschwerpunktes aufbewahrt, benutzbar gemacht und erhalten wird (Archivierung).

    Man geht bei einem Archiv also davon aus, dass die Inhalte unverändert bleiben.

    Der Wachtturm vom 1. Januar 1989 (englisch) enthält in diesem Zusammenhang einen interessanten Absatz auf Seite 12:

    w89_1_1_en
    w89_1_1_page12_en_old
    Wachtturm 1989 1.1. S. 12 alte Ausgabe

    Was ist an einem Wachtturm aus dem Jahr 1989 so interessant, der – wie so viele andere – das Ende des Predigtwerkes im 20. Jahrhundert ankündigte? Der markierte Satz lautet: „He was also laying a foundation for a work that would be completed in our 20th century.“ [Übersetzung: „Er legte auch den Grundstein für ein Werk, das in unserem 20. Jahrhundert vollendet werden sollte.“] Was ist daran interessant? Einmal abgesehen von der Tatsache, dass das Predigtwerk innerhalb von 10 Jahren zu Ende gewesen sein sollte. Und dass dies natürlich wieder einmal nicht eingetroffen ist, wie wir über 20 Jahre später wissen.

    Schauen wir uns einmal den selben Artikel in der Wachtturm Online-Bibliothek an (Bildschirmfoto vom 22. Januar 2023):

    w89_1_1_page12_en_online
    Wachtturm 1.1.89 S.12 Online-Bibliothek (Englisch)

    Der Satz lautet nur nicht mehr „He was also laying a foundation for a work that would be completed in our 20th century.“ sondern „He was also laying a foundation for a work that would be completed in our day.“ Das Predigtwerk endet also irgendwann in unseren Tagen. Wer auch immer irgendwann dies liest, wird sich bei den Worten ‚unsere Tage‘ mit eingeschlossen fühlen.

    Hat die Organisation der Zeugen Jehovas nun absichtlich die Online-Ausgabe des Wachtturm geändert? In diesem Fall gab es sogar eine veränderte gedruckte Ausgabe in dem gebundenen Jahrgang:

    w89 1.1. S. 12 neuere Ausgabe
    Wachtturm 1989 1.1. S.12, neuere Ausgabe

    Die Online-Bibliothek enthält also den Text der neueren Ausgabe des Wachtturms im gebundenen Jahrgang. So schnell war also diese Aussage nicht mehr erwünscht.

    Interessanterweise gab es diese Änderung in der deutschen Ausgabe offensichtlich nicht (Bildschirmfoto vom 22. Januar 2023):

    w89_1_1_page12_de_online
    Wachtturm 1.1.89 S. 12 Online-Bibliothek (deutsch)

    Beide Ausgaben sind in dem folgenden PDF Dokument vorhanden (eingescannt). Zum Glück gibt es die Website http://www.watchtowerwayback.org, welche solche Originale noch enthält.

  • „Was erwartest du von 1975?“

    „Was erwartest du von 1975?“

    Von Christian


    Warum sollte jemand in Bezug auf dieses Jahr besondere Erwartungen gehabt haben? Und warum sollte das uns noch interessieren? Das liegt doch schon fast 50 Jahre zurück in der Vergangenheit! Es hat etwas mit diesen beiden Bibeltexten zu tun:

    Wer in den kleinen Dingen treu ist, ist auch in großen treu; und wer in den kleinen Dingen unzuverlässig ist, ist es auch in den großen.

    Lukas 16:10 NEÜ

    Die Lügner lässt du zugrunde gehen. / Mörder und Betrüger sind Jahwe ein Gräuel.

    Psalm 5:7 NEÜ

    Wir werden sehen, dass die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas durch ihre aktuellen Aussagen zum Thema 1975 sowohl als unzuverlässig erwiesen hat und sogar als Lügner und Betrüger bezeichnet werden müssen. Gemäß Lukas 16:10 sollte man ihnen daher auch in größeren Dingen nicht vertrauen und nach Psalm 5:7 sind sie für Jahwe sogar ein Gräuel. Ich weiß, das sind deutlische Worte, aber die Beweise folgen gleich.

    Als Anthony Morris III noch Teil der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas war, hat er im Jahr 2022 in JW Broadcasting die Tatsachen der Ereignisse vor 1975 völlig verdreht. Und dabei hat er sich noch über einige ‚treue, altgedienten Brüder‘ jener Zeit lustig macht.

    Für mich hat das auch noch eine persönliche Komponente. Meine Großeltern mütterlicherseits waren schon Anfang der 1920er Jahre Bibelforscher. Sie haben die nicht eingetroffenen Vorhersagen des Präsidenten der Organisation des Wachtturms, J.F. Rutherford für das Jahr 1925 selbst miterlebt: „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben!” Das wurde nicht nur von Rutherford über Jahre verkündet sondern weltweit von den Bibelforschern. Doch diese Voraussage hat sich nicht erfüllt. Sie wurde aber auch nie offen eingestanden und wird bis heute verklärt (siehe w22 Oktober S.2 „1922 – vor Hundert Jahren“, w20 Oktober S. 2 „1920 – vor Hundert Jahren).

    „Zeitungsanzeige für den Vortrag „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben““ Wachtturm 2020 Oktober S. 2
    „Plakat, das den Vortrag in der Londoner Royal Albert Hall ankündigte” Wachtturm 2020 Oktober S. 4

    Als es dann wieder Erwartungen verkündet wurden, diesmal für das Jahr 1975, sagte mein Großvater sinngemäß zu meiner Großmutter: „Wir haben erlebt, dass 1925 sich die Hoffnungen nicht erfüllt haben. Und wir haben gesagt, dass wir Jehova für immer dienen wollen. Das werden wir jetzt auch machen.“ Für diese vernünftige Einstellungen hat er aber von seinen Mitältesten jedoch ziemlich was zu hören bekommen: „Das kannst du doch nicht sagen!“

    Nun gut, das waren ja nur Verkündiger. Und viele Verkündiger hatten sich halt in falsche Erwartungen hieneingesteigert. Dieses Narrativ wird schon länger von der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas verbreitet. Aber waren es denn wirklich nur einige Verkündiger, die zu viel im Jahr 1975 erwartet haben? Das prüfen wir jetzt einmal anhand der Veröffentlichungen der Leitenden Körperschaft.

    Im Jahr 1968 hat die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas die oben genannte Frage allen Verkündigern und Menschen weltweit im Wachtturm gestellt:

    Warum freust du dich auf 1975?
    Wachtturm 1968 15.8. S. 494 (Englisch); Wachtturm 1968 15.11. S. 686 (Deutsch)

    In der englischen Ausgabe lautet die Frage übersetzt: „Warum freust du dich auf das Jahr 1975?“ Man könnte auch noch übersetzen: „Warum erwartest du 1975?“ Der deutschsprachige Artikel hatte jedoch ein verändertes Thema „Was erwartest du von 1975?“. Nun, welche Erwartungen hatten denn die Leitende Körperschaft:

    Sollten wir aufgrund dieses Studiums annehmen, daß im Herbst 1975 die Schlacht von Harmagedon vorüber sein und die langersehnte Tausendjahrherrschaft Christi beginnen wird? Vielleicht; wir wollen aber abwarten und sehen, inwieweit die siebente 1 000-Jahr-Periode der Menschheitsgeschichte mit der sabbatähnlichen Tausendjahrherrschaft Christi zusammenfällt. Wenn diese beiden Perioden im gleichen Kalenderjahr begonnen haben und im gleichen Kalenderjahr enden, dann ist dies kein reiner Zufall, sondern entspricht Jehovas liebendem und zeitgemäßem Vorhaben.“ (w68 15.11. S. 691 Abs. 30)

    „Eines steht fest: Die biblische Chronologie, die durch die Erfüllung biblischer Prophezeiungen bestätigt wird, zeigt, daß 6 000 Jahre Menschheitsgeschichte bald, ja noch in unserer Generation, enden werden! (Matth. 24:34) Es ist daher jetzt nicht an der Zeit, gleichgültig zu sein und in den Tag hineinzuleben. Es ist nicht an der Zeit, mit dem Gedanken zu spielen, Jesus habe ja gesagt: „Von jenem Tage und jener Stunde hat niemand Kenntnis, weder die Engel der Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater.“ (Matth. 24:36) Im Gegenteil, wir sollten uns ständig vor Augen halten, daß das gewaltsame Ende des gegenwärtigen Systems der Dinge eilends herannaht. Täuschen wir uns nicht: Es genügt, daß nur der Vater „Tag und Stunde“ kennt!“ (w68 15.11. S.691 Abs. 35)

    Dies ist allerdings nur ein Artikel von vielen. Am Ende des Artikels werde ich noch einige aufführen. (Viele findet man auch in Englisch bei jwfacts.com und in Raymond Franz Buch „Der Gewissenskonflikt“ sowie James Penton Buch „Endzeit ohne Ende“.)

    Der ganze Hype um 1975 begann allerdings schon so richtig mit diesem Buch im Jahr 1966:

    Einband: Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Einband: Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes

    Diese Tabelle mit der Berechnung, die zum Jahre 1975 führte, sowie einige Aussagen dazu im Text waren es, die schon auf dem Kongress 1966 nach der Veröffentlichung für Begeisterung sorgte.

    Tabelle Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Tabelle 1/3 Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Tabelle 2/2 Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Tabelle 2/3 Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Tabelle 3/3 Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Tabelle 3/3 Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes
    Tabelle 3/3 Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes

    Es lohnt sich, einmal die Daten im letzten Teil der Tabelle sich anzuschauen.

    • Dass die Eroberung Jerusalems im jahr 607 v.u.Z. nicht stattgefunden hat, ist schon hinreichend belegt worden.
    • Interessanterweise wird um ca. 49 nicht von der Leitenden Körperschaft in Jerusalem gesprochen. Kein Wunder, die gab es auch noch viele Jahre nach 1966 bei den Zeugen Jehovas nicht.
    • Dass 1492 der Papst angeblich an einer Bluttransfusion starb … scheint irgendwie sehr wichtig im göttlichen Zeitplan gewesen zu sein.
    • Die Erklärung für 1914 (Oktober! ) ist interessant, aber dazu gibt es ja ein ganzes Buch („Die Zeiten der Heiden neu überdacht“ und den Nachtrag „Die Zeiten der Heiden“ in Lukas 21:24).
    • Leider wird 1925 nicht erwähnt wird, wo doch etwa 6 Jahre lang davor gepredigt wurde, dass „Millionen jetzt Lebender nicht sterben werden“.
    • Aber dafür das Thema Bluttransfusion 1918.
    • Satelliten und Astronaten im Jahr 1957 und 1964: Man erinnert sich; „Zeichen an Mond und Sternen“

    Aber zurück zur Entwicklung vor 1975. Die folgenden Jahre hinweg bis 1975 wurden die Erwartungen angefacht (siehe Zitate unten).

    Wer möchte, kann auch gerne einmal den markanten Worten des Zweigdienders Konrad Franke zum Thema 1975 zuhören (Vortrag 20. Januar 1968 in Hamburg, Text dazu hier). Allerdings muss gesagt werden, dass er eine zwei Jahre später dann auch nicht mehr Zweigaufseher war.

    Konrad Franke, Zweigaufseher der Wachtturm Gesellschaft in Deutschland
    Konrad Franke über das Jahr 1975 in einem Vortrag am 20. Januar 1968

    Zurück aber zum Ausgangspunkt. Was sagte nun Anthony Morris von der Leitenden Körperschaft im Jahr 2022 im Broadcasting auf jw.org („JW Broadcasting Februar 2022: Jahresversammlung 2021 (Teil 2)“ nach etwa einer Stunde und 44 Minuten)? Hier die Bildschirmaufnahmen des originalen Videos mit deutschen Untertiteln und Übersetzung durch die Wachtturm-Gesellschaft.

    Einige ‚ältere, treue Diener‘ hätten zu seinen Söhnen (um 1975 oder kurz danach) gesagt: „Ihr werdet nicht mehr euren Abschluss machen in diesem System …“

    Morris1957_1
    JW Broadcasting Februar 2022: Jahresversammlung 2021 (Teil 2)

    Darauf meinte er: „vielleicht Nachwirkungen von 1975, ich weiß es nicht.“

    Morris1957_2
    JW Broadcasting Februar 2022: Jahresversammlung 2021 (Teil 2)

    „Falls das einer von euch war – Jehova liebt dich trotzdem.“

    Morris1957_3
    JW Broadcasting Februar 2022: Jahresversammlung 2021 (Teil 2)

    Denn er sagte damals seinen Jungs: Es dauert „vielleicht bis 2020“

    Morris1957_4
    JW Broadcasting Februar 2022: Jahresversammlung 2021 (Teil 2)

    Das erweckt den Eindruck, wie weise und weitsichtig dieser Bruder, dieser Gesalbte, der dann später selbst zur Leitenden Körperschaft gehörte, schon damals war. (Im Jahre 2023 wurde Bruder Morris aus der Leitenden Körperschaft entfernt. Für wenige Tage war dieses Ereignis zuerst als Eilmeldung und dann als Nachricht verfügbar. Dann wurde diese Nachricht wieder entfernt. Wie auch andere Videos von ihm, zum Beispiel: Hat sich die leitende Körperschaft selbst verurteilt, da sie verachtenswerte Abtrünnige verurteilt?).

    Wie kamen denn diese ‚altgedienten Brüder‘ zu ihrer falschen Einstellung? Einfache Antwort: Erwachet 1969 22. Mai S. 14 und 15.

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    Erwachet 1969 22. Mai S. 14 (Englisch)
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    Erwachet 1969 22. Mai S. 15 (Englisch)

    Was für ein ‚Glück‘, dass die Online JW Library keine Ausgaben des Erwachet vor 1970 enthält (Deutsch und Englisch) und die Leitende Körperschaft in den vergangenen Jahren die Ältesten angewiesen hat, ältere Literatur in der Versammlung zu vernichten.

    Aber es gibt sie noch, die digitalisierten Ausgaben. Einige Auszüge aus dem Text (deutsche Übersetzung der englischen Ausgabe):

    „Ob jung oder alt, du musst dich der Tatsache stellen, dass dieses System seine Richtung nicht ändern wird. Unter dem Einfluss Satans wird es sich in den verbleibenden Jahren weiter rapide verschlechtern.“ (Erwachet 1969 22. Mai S. 14 (Englisch))

    „Wenn du ein junger Mensch bist, musst du auch der Tatsache ins Auge sehen, dass du in diesem System niemals alt werden wirst. Warum eigentlich nicht? Weil alles darauf hindeutet, dass dieses korrupte System in ein paar Jahren zu Ende gehen wird.“ (Erwachet 1969 22. Mai S. 15 (Englisch))

    „Deshalb wirst du als junger Mensch nie eine Karriere machen, die dieses System bietet. Wenn du in der High School bist und über eine College-Ausbildung nachdenkst, dauert es mindestens vier, vielleicht sogar sechs oder acht Jahre, bis du einen Abschluss in einem spezialisierten Beruf machst. Aber wo wird dieses System der Dinge bis dahin sein? Es wird auf dem Weg zu seinem Ende sein, wenn nicht sogar schon weg!“ (Erwachet 1969 22. Mai S. 15 (Englisch))

    Wenn man vom Erscheinungsjahr dieses Artikels 1969 rechnet, kommt man mit diesen Aussagen auf welches Jahr? 1973, 1975, 1977 … Da “ist das System auf dem Weg in sein Ende oder sogar schon weg.“
    Wie konnten diese ‚altgedienten Brüder‘ nur auf die Idee kommen, dass Anthony Morris Kinder ihre Ausbildung nicht beenden werden …

    Anthony Morris hat also damals eindeutig nicht entsprechend dem ‚Licht‘ und der ‚damaligen Wahrheit‘ des ‚treuen und verständigen Sklaven‘ – Nathan Knorr und Fred Franz bzw. danach der Leitenden Körperschaft – seine Kinder belehrt. Erstaunlich, wieso ihm damals nicht die Gemeinschaft entzogen wurde, denn die Lehrmeinung war auch in den 1970er Jahren nicht, dass das Ende vielleicht erst 2020 kommt. Noch erstaunlicher ist vielleicht, dass er dann Teil genau dieser Leitenden Körperschaft wurde.

    Was veröffentlichte die Leitende Körperschaft nun nach 1975?

    IM September 1975 begann ein neues jüdisches Mondjahr. … Dasselbe gilt für den Beginn der Tausendjahrherrschaft Christi. Die Bibel gibt uns keinen Anhaltspunkt für die Berechnung des Datums, und wir sollten daher keine Vermutungen darüber anstellen. … Die Zeitangaben der Bibel zeigen allerdings, daß im Jahre 1975 6 000 Jahre Menschheitsgeschichte abliefen.

    w76 1.1. S. 3-5 Das Ende von 6000 Jahren Menschenherrschaft steht bevor — Was ist erreicht worden?

    Irgendwie hat man also versucht, das Thema umzubiegen. Aber der Aufruhr war wohl doch zu groß. Was konnte man im Jahr 1976 dann lesen?

    15 Es ist aber nicht ratsam, unser Augenmerk auf ein bestimmtes Datum zu richten und alltägliche Dinge zu vernachlässigen, die wir als Christen normalerweise tun würden oder die wir und unsere Familie wirklich brauchen. Wir vergessen vielleicht manchmal, daß der Grundsatz, daß Christen zu jeder Zeit alle ihre Verpflichtungen erfüllen müssen, nicht aufgehoben wird, wenn jener „Tag“ kommt. Falls jemand enttäuscht worden ist, weil er nicht diese Einstellung hatte, sollte er sich jetzt bemühen, seine Ansicht zu ändern, und sollte erkennen, daß nicht das Wort Gottes versagt oder ihn betrogen und enttäuscht hat, sondern daß sein eigenes Verständnis auf falschen Voraussetzungen beruhte.

    16 Doch angenommen, du bist einer von denen, die fest mit einem bestimmten Datum gerechnet haben, und hast in lobenswerter Weise deine Aufmerksamkeit besonders auf die Dringlichkeit der Zeit gerichtet und darauf, daß die Menschen die Botschaft hören müssen. Und sagen wir, du seiest vorübergehend etwas enttäuscht. Hast du aber wirklich etwas verloren? Hat dir das wirklich geschadet? Wir glauben, daß du sagen kannst, du habest durch deine gewissenhafte Handlungsweise etwas gewonnen und einen Nutzen gehabt. Außerdem ist es dir möglich gewesen, dir eine wirklich reife, vernünftigere Ansicht anzueignen (Eph. 5:1-17).

    17 In der Bibel werden wir wiederholt darauf hingewiesen, daß das Ende völlig überraschend über die Welt kommen wird. … Danach sagte er: „Erweist auch ihr euch als solche, die bereit sind, denn zu einer Stunde, da ihr es nicht denkt, kommt der Sohn des Menschen“ (Matth. 24:42-44). Aus diesen deutlichen Erklärungen Jesu geht hervor, daß Gottes Diener niemals im voraus den Zeitpunkt wissen werden, an dem Christus zum Gericht „kommen“ wird. Tatsächlich wird dieser Tag zu einer Zeit kommen, in der sie es für ‘unwahrscheinlich’ halten (Luk. 12:39, 40).

    w76 15.10. S. 633 Abs. 15-17 Eine sichere Grundlage für unser Vertrauen

    Wie würdest du dies im Jahre 1976 empfunden haben? Als eine Art Entschuldigung? Oder hat die Leitende Körperschaft die Verantwortung übernommen? Interessanterweise wird in Absatz 17 mit dem gleichen Text aus Matthäus nun genau das Gegenteil vom dem gesagt, was vor 1975 publiziert wurde. Was konnte man in dem am Anfang zitierten Wachtturm Artikel „Was erwartest du von 1975?“ denn lesen?

    Es ist nicht an der Zeit, mit dem Gedanken zu spielen [Englische Ausgabe: Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um mit den Worten Jesu zu spielen], Jesus habe ja gesagt: „Von jenem Tage und jener Stunde hat niemand Kenntnis, weder die Engel der Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater.“ (Matth. 24:36)

    w68 15.8. S. 500-501 Abs. 35-36 „Why are you looking forward to 1975?“ (Englisch); w68 15.11. S. 692-693 Abs. 35-36 “Was erwartest du von 1975?“ (Deutsch)

    Das hat wohl bei vielen zu noch mehr Enttäuschung geführt und daher wurde 1980 dies geschrieben:

    5 In der Neuzeit hat ein solcher Eifer, der an und für sich lobenswert ist, dazu geführt, daß man versucht hat, für die ersehnte Befreiung von den Leiden und Problemen, die die Menschen überall auf Erden plagen, ein Datum festzusetzen. Als das Buch Ewiges Leben — in der Freiheit der Söhne Gottes erschien und man darin lesen konnte, es sei sehr passend, wenn die Tausendjahrherrschaft Christi mit dem siebenten Millennium der Existenz des Menschen parallel liefe, wurden erhebliche Erwartungen bezüglich des Jahres 1975 geweckt. Es wurde damals und auch später erklärt, dies sei lediglich eine Möglichkeit. Unglücklicherweise wurden jedoch zusammen mit diesen vorsichtigen Äußerungen auch andere Erklärungen veröffentlicht, die durchblicken ließen, daß die Erfüllung solcher Hoffnungen in jenem Jahr eher wahrscheinlich als nur möglich sei. Es ist zu bedauern, daß diese späteren Erklärungen offensichtlich die vorsichtigen überschatteten und dazu beitrugen, daß die bereits geweckten Erwartungen noch gesteigert wurden.

    6 In der Ausgabe vom 15. Oktober 1976 schrieb Der Wachtturm, es sei nicht ratsam, sein Augenmerk auf ein bestimmtes Datum zu richten. In diesem Zusammenhang hieß es: „Falls jemand enttäuscht worden ist, weil er nicht diese Einstellung hatte, sollte er sich jetzt bemühen, seine Ansicht zu ändern, und sollte erkennen, daß nicht das Wort Gottes versagt und ihn betrogen und enttäuscht hat, sondern daß sein eigenes Verständnis auf falschen Voraussetzungen beruhte.“ Wenn Der Wachtturm hier „jemand“ sagte, so meinte er damit alle enttäuschten Zeugen Jehovas, also auch diejenigen, die an der Veröffentlichung von Informationen beteiligt waren, die dazu beitrugen, daß in bezug auf dieses Datum Hoffnungen geweckt wurden.

    w80 15.6. S. 17 Wähle den besten Lebensweg (Kursivschrift im Artikel)

    Ist das eine Entschuldigung oder wird hier nicht nochmals versucht, die Verantwortung auf die Verkündiger zu wälzen? Es wird zugegeben, dass der Wachtturm 1976 nur von ‚jemand‘ schrieb. Und dann stellen sich die Verantwortlichen der leitenden Körperschaft selbst in die Reihe der „enttäuschten Zeugen Jehovas“: „auch diejenigen, die ander Veröffentlichung von Informationen beteiligt waren.“ Und was ist mit denen, welche für das Verfassen und die Veröffentlichung verantwortlich waren, nämlich die Leitende Körperschaft? Auch verfälscht Absatz 5 die Tatsachen bezüglich der Publikationen: Es gab viel weniger „andere Erklärungen“. Und wenn etwas offen gelassen wurde, dann nur, was geschehen würde. Das erkennt man auch, wenn man im Verkündiger-Buch einmal genauer liest, was F. Franz auf einem Kongress sagte:

    „Sag mal, was hat es eigentlich mit 1975 auf sich?“
    Die Zeugen hatten lange geglaubt, die Tausendjahrherrschaft Christi werde auf 6 000 Jahre Menschheitsgeschichte folgen. Aber wann würden 6 000 Jahre der Existenz des Menschen enden? Das Buch Ewiges Leben — in der Freiheit der Söhne Gottes, das 1966 auf den Bezirkskongressen freigegeben wurde, wies auf 1975 hin. Schon auf dem Kongreß, als die Brüder das neue Buch durchblätterten, wurde viel über 1975 diskutiert.

    Auf dem Kongreß in Baltimore (Maryland) hielt F. W. Franz die Schlußansprache. Er begann mit den Worten: „Kurz bevor ich das Podium betrat, kam ein junger Mann zu mir und meinte: ‚Sag mal, was hat es eigentlich mit 1975 auf sich?‘ “ Dann sprach Bruder Franz die Fragen an, die aufgekommen waren, nämlich ob der Inhalt des neuen Buches darauf hinausliefe, daß 1975 Harmagedon vorbei wäre und Satan gebunden wäre. Er erklärte in etwa: „Es könnte sein. Aber wir sagen nichts. Bei Gott ist alles möglich. Aber wir sagen nichts. Und keiner von euch sollte etwas Definitives darüber sagen, was zwischen der Gegenwart und 1975 geschehen wird. Doch der wichtige Gedanke bei alldem, liebe Brüder, ist der: Die Zeit ist kurz. Die Zeit läuft ab, darüber besteht kein Zweifel.

    Viele Zeugen Jehovas handelten in den Jahren nach 1966 im Einklang mit dem Geist, der in diesem Rat zum Ausdruck kam. Allerdings wurden noch andere Erklärungen über dieses Thema veröffentlicht, und einige waren wahrscheinlich etwas zu definitiv. Das wurde im Wachtturm vom 15. Juni 1980 (S. 17) zugegeben. Aber Jehovas Zeugen wurden auch ermahnt, sich hauptsächlich darauf zu konzentrieren, den Willen Jehovas zu tun, und sich nicht übermäßig Gedanken über Daten oder eine frühzeitige Errettung zu machen.

    Verkündiger-Buch jv Kap. 8 S.104

    Was hat der Vizepräsident F. W. Franz also wirklich gesagt? Dass niemand etwas Definitives darüber sagen soll, was vor 1975 passiert! Aber es bestünde kein Zweifel, dass die Zeit kurz ist und abläuft. Dazu muss eigentlich nichts mehr gesagt werden, oder? Anscheinend doch, denn im nächsten Absatz wird doch wieder gezeigt, dass die Verkündiger es waren, die nicht auf die Ermahnung gehört hätten. Von den vier angegebenen Quellen sind übrigens zwei von 1974 und 1975 … da hatte wohl jemand kalte Füße bekommen. In den selben Jahren wurde aber auch dies veröffentlicht:

    How Are You Using Your Life?
    Yes, since the summer of 1973 there have been new peaks in pioneers every month. Now there are 20,394 regular and special pioneers in the United States, an all-time peak. That is 5,190 more than there were in February 1973! A 34-percent increase! Does that not warm our hearts? Reports are heard of brothers selling their homes and property and planning to finish out the rest of their days in this old system in the pioneer service. Certainly this is a fine way to spend the short time remaining before the wicked world’s end. —1 John 2:17.

    Wie nutzt du dein Leben?
    Ja, seit dem Sommer 1973 gab es jeden Monat einen neuen Höchststand an Pionieren. Jetzt gibt es 20.394 reguläre und besondere Pioniere in den Vereinigten Staaten, ein neuer Höchststand. Das sind 5.190 mehr als im Februar 1973! Ein Zuwachs von 34 Prozent! Wird uns da nicht warm ums Herz? Es gibt Berichte von Brüdern, die ihre Häuser und Grundstücke verkaufen und den Rest ihrer Tage in diesem alten System im Pionierdienst zubringen wollen. Das ist sicherlich eine schöne Art, die kurze Zeit zu verbringen, die uns noch bis zum Ende der bösen Welt bleibt. -1 Johannes 2:17.

    Königreichsdienst Mai 1974 (English Seite 4-5)

    Ein Brief von Menschen, die um Dich besorgt sind
    1. Septmeber 1974
    … Jehovas Zeugen auf der ganzen Erde im September zwei besondere Zusammenkünfte abhalten würden….
    Weshalb findet diese besondere Zusammenkunft statt? Weil die Zeit, in der wir leben, es dringend erforderlich macht, daß Du sorgfältig und gebetsvoll darüber nachdenkst, welche Stellung Du vor Jehova Gott einnimmst. Wahrscheinlich ist Dir bereits bekannt, daß für die gegenwärtige gottlose Welt im Jahre 1914 u. Z. die „letzten Tage“ — wie die Bibel sie nennt — angebrochen sind, die nun bald mit der Vernichtung dieser Welt enden werden….
    Folglich wird die Generation, die Augenzeuge der Ereignisse des Jahres 1914 u. Z. war, die Generation sein, die auch die „große Drangsal“ erleben wird. Nahezu sechzig Jahre sind bereits vergangen. Die Zahl derer, die das Jahr 1914 bewußt erlebt haben, nimmt ab. Es ist somit klar, daß die Zeit nahe herbeigekommen ist, da Jehova Gott handeln wird.
    Da die „große Drangsal“ offensichtlich nahe ist, möchten wir Dich eindringlich auffordern, jetzt nicht mehr zu zögern. …

    Königreichsdienst km 74/8 S. 4 S Deutsch

    Schließlich wurde noch auf einem Bezirkskongress vor einigen Jahren ein Video gezeigt, wo auch dargestellt wurde, wie damals wohl einige auf die Idee kamen, dass 1975 das Ende käme. Wer nur dieses Kongressvideo gesehen hat, wäre niemals auf die Idee gekommen, was wirklich veröffentlicht wurde. Und wir haben uns nur einen kleinen Ausschnitt angesehen.

    Aber ich denke, dass reicht schon, um sich ganz offen und ehrlich die Frage zu stellen: Sollte man der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas vertrauen, sogar sein Leben anvertrauen? Denken wir an Jesu Worte:

    Wer in den kleinen Dingen treu ist, ist auch in großen treu; und wer in den kleinen Dingen unzuverlässig ist, ist es auch in den großen.

    Lukas 16:10 NEÜ

    Einige ausführlichere Zitate:

  • „Diese Generation …“

    „Diese Generation …“

    Von Christian


    Wenn ich heute von ‚der letzten Generation‘ höre, muss ich einfach manchmal an diese ‚letzte Generation‘ denken:

    „Die letzte Generation“ – im Jahr 1984

    Damals nannte man das zwar nicht wirklich ‚die letzte Generation‘, sondern ‚die Generation, die nicht vergehen wird‘. Aber für Zeugen Jehovas damals hatte ‚diese Generation‘ auf jeden Fall auch eine ganz besondere Bedeutung. Warum war das so? Der folgende Text aus Matthäus 24:35 war schon für die Ernsten Bibelforscher wichtig, aber besonders für Jehovas Zeugen ist er von ernormer Bedeutung , weil auch mit diesem Bibeltext seit nun etwa 150 Jahren vor dem ‚kurz bevorstehenden‘ Ende gewarnt wird:

    „Wahrlich, ich sage euch, daß diese Generation auf keinen Fall vergehen wird, bis alle diese Dinge geschehen.“

    (Matthäus 24:34 Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen)

    „Ich versichere euch: Diese Generation wird auf keinen Fall vergehen, bis das alles passiert.“

    (Matthäus 24:34 Die Bibel. Neue-Welt-Übersetzung (Studienausgabe)  2018)

    At this point, we will not go into detail about this teaching. It is enough here to ask what the Bible said about ‚this generation‘ in context:

    „Als Jesus nun wegging und sich aus dem Tempel begab, traten jedoch seine Jünger herzu, um ihm die Bauten des Tempels zu zeigen. In Erwiderung sprach er zu ihnen: „Seht ihr nicht alle diese Dinge? Wahrlich, ich sage euch: Keinesfalls wird hier ein Stein auf dem anderen gelassen, der nicht niedergerissen werden wird.“ Als er auf dem Ölberg saß, traten die Jünger allein zu ihm und sprachen: „Sag uns: Wann werden diese Dinge geschehen, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“

    (Matthäus 24:1-3 NWÜ)

    „Sag uns: Wann werden diese Dinge geschehen, und was wird das Zeichen sein, wann alle diese Dinge zu einem Abschluß kommen sollen?“

    (Markus 13:4 NWÜ)

    „Darauf fragten sie ihn und sprachen: „Lehrer, wann werden diese Dinge tatsächlich geschehen, und was wird das Zeichen dafür sein, wann diese Dinge geschehen sollen?““

    (Lukas 21:7 NWÜ)

    Auf welche Ereignisse bezog sich Jesus also, als er von ‚dieser Generation‘ sprach, die ‚alle diese Dinge‘ erleben würden? Der biblische Text spricht hier eindeutig von Ereignissen in Verbindung mit dem Tempel in Jerusalem und der Umgebung. Von einer gegenbildlichen oder zweiten Erfüllung sagt die Bibel nichts.

    Auffallend ist auch, das in Markus und Lukas der Bezug auf Jesu Gegenwart und das Weltende fehlt. Es gibt gute Gründe zu der Annahme, dass es sich dabei um einen verfälschten Zusatz im Matthäus-Evangelium handelt (siehe hier für eine ausführlichere Begründung).

    Wie gesagt, wir wollen das Thema hier nicht weiter vertiefen, denn es gibt auch ausführliche Bücher und Videos zu diesem Thema (hier eine kleine Auswahl):

    Haben die Bibelforscher udn später die Zeugen Jehovas hier aber immer die selbe Lehre bezüglich ‚der Generation‘ verbreitet? Wäre längere Zeit Zeuge Jehovas war oder sich mit dem Thema anhand der Literatur der Zeugen Jehovas beschäftigt, sieht schnell, dass es eine Reihe von Änderungen gab.

    Um aber das Ausmaß der Änderungen der Lehre der Zeugen Jehovas bezüglich ‚der Generation‘ wirklich zu erfassen, habe ich einmal ein Video erstellt, in dem zeitlich korrekt die wichtigsten Änderungen der Definition gezeigt werden. Links oben sieht man, wieviele Generationen von je 30 Jahren wirklich vergangen wären. Die Pfeile unten zeigen, wie lange im Voraus eine Vorhersage aufgrund ‚der Generation‘ gegeben wurde und wann sie geändert wurden: Nämlich immer dann, wenn sie sich nicht erfüllt hatten.

    Änderungen der Lehre über ‚Diese Generation‘

    Hier ist das Quellenmaterial in der zeitlichen Reihenfolge aufgelistet:

    Und die ausführlichen Quellen als PDF Dokument:

  • Matthäus 28:19 – Taufe im Namen der Trinität?

    Matthäus 28:19 – Taufe im Namen der Trinität?

    Von Christian


    In Ergänzung zum Video Sollte ich nochmals getauft werden? Eine Untersuchung, wie Jehovas Zeugen die Taufe ungültig machen möchte ich hier drei verschiedene Argumentationen zitieren.

    2001Translation.org

    Die Bibelübersetzung 2001Tranlsation enthält den folgenden Text zu Matthäus 28:19 (hier die deutsche Übersetzung):

    In den meisten Bibeln steht in Matthäus 28:19:

    „…und taufte sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

    Diese Worte, die manchmal auch als trinitarische Formel bezeichnet werden, sind wahrscheinlich gefälschte spätere Zusätze zur Bibel. Mit anderen Worten: gefälscht. Warum sagen wir das? Nun, es liegt nicht an den alten Manuskripten. Sie kommen in allen erhaltenen Handschriften vor, aber wir haben keine Fragmente von Matthäus aus der Zeit vor dem 4. Diese 400 Jahre sind größtenteils eine Blackbox.

    Interne und historische Beweise zeigen jedoch ziemlich überzeugend, dass diese Worte im frühen 4. Jahrhundert hinzugefügt wurden. Welche Beweise?

    Betrachte diese neun Gründe:

    1. Der Bischof Eusebius aus dem 4. Jahrhundert zitierte diesen Vers mehrmals ohne die zusätzlichen Worte.

    Insgesamt zitierte er ihn zwischen 300 n. Chr. und 336 n. Chr. 18 Mal. Zuerst zitiert er ihn mit den Worten: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker in meinem Namen und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“. Wie du sehen kannst, wird weder die Taufe noch die Formel erwähnt.

    Doch dann taucht die Taufformel plötzlich in den Zitaten von Eusebius auf. Wann? Gleich nach dem Konzil von Nicäa, auf dem die Kirche die Trinitätslehre angenommen hat!

    Interessanterweise könnte Eusebius selbst dazu beigetragen haben, diese gefälschten Worte in den Vers einzufügen. Er war eine der wichtigsten historischen Persönlichkeiten in der Geschichte der Kirche. Er trug maßgeblich dazu bei, dass der römische Kaiser Konstantin die politischen Vorteile der Beendigung der Christenverfolgung erkannte und das Christentum als offizielle Staatsreligion einführte. Er war auch am Zustandekommen des Konzils von Nicäa selbst beteiligt!

    Angesichts seiner Prominenz und des Zeitpunkts ist es gut möglich, dass er irgendwie an der Annahme dieser falschen Worte beteiligt war – oder zumindest diejenigen kannte, die es waren. Welch eine Ironie, dass wir nur Eusebius‘ frühere Zitate aus Matthäus 28:18 haben, um zu beweisen, dass die zusätzlichen Worte gefälscht sind.

    Es ist auch eine Ironie, dass seine Zitate beweisen, was einige Trinitarier schon immer behauptet haben, nämlich dass Taufen nur im Namen Jesu erfolgen sollten. Der Rest unserer Beweise unterstützt dies in der Tat.

    1. Lukas 24:47 berichtet von demselben Ereignis und der Rede Jesu und erwähnt diese Worte nicht.

    Dort heißt es nur: In seinem Namen soll die Botschaft von der Buße zur Vergebung der Sünden in allen Völkern gepredigt werden, ausgehend von JeruSalem. Es gibt keine trinitarische Formel und keine Erwähnung der Taufe.

    1. In Apostelgeschichte 1,8 wird dasselbe Ereignis berichtet, aber auch hier werden die Worte nicht erwähnt.

    Dort heißt es: „Ihr aber werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Hauch über euch kommt, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judäa, in Samarien und bis an das Ende der Erde“. Auch hier wird weder die trinitarische Formel noch die Taufe erwähnt. Wenn dies die wahre und einzige Formel für die Taufe wäre, hätte man sie doch sicher nicht vergessen?

    1. In Apostelgeschichte 2:38 wird die Taufe nur auf den Namen Jesus angeordnet.

    Dort heißt es: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu, des Gesalbten, taufen, damit euch eure Sünden vergeben werden können. Dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Odems empfangen“. Das ist die gleiche Geschichte.

    1. In Apostelgeschichte 8:15, 16 wird von Menschen berichtet, die nur im Namen Jesu getauft wurden:

    Sie gingen [zu den Samaritern] und beteten für sie, dass sie den Heiligen Atem empfangen, denn er war noch zu keinem von ihnen gekommen, obwohl sie auf den Namen des Herrn Jesus getauft worden waren.

    1. In Apostelgeschichte 10:48 wird berichtet, dass den Menschen befohlen wurde, sich nur im Namen Jesu taufen zu lassen:

    So befahl er, dass sie auf den Namen Jesu, des Gesalbten, getauft werden sollten.

    1. In Apostelgeschichte 19:5 wird beschrieben, dass die Menschen auf den Namen Jesu getauft werden und auf keinen anderen:

    „Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen des Herrn Jesus taufen.

    1. In Römer 6:3 wird nur erwähnt, dass die Menschen auf Jesus und seinen Tod getauft wurden:

    ‚Begreift ihr nicht, dass alle, die auf den Gesalbten Jesus getauft wurden, auch auf seinen Tod getauft wurden?‘

    1. Und schließlich wird in Galater 3:27 erwähnt, dass die Menschen auf den Gesalbten getauft wurden:

    ‚Alle, die auf den Gesalbten getauft wurden, haben den Gesalbten angezogen.‘

    Es ist also ganz klar, dass es sich bei diesen Worten um spätere Fälschungen handelt, die wahrscheinlich von Bischöfen aus dem 4. Deshalb sind sie in unserer Bibel durchgestrichen. Sie erinnern uns an die anderen falschen trinitarischen Worte, die irgendwann im 14. oder 15. Jahrhundert in 1 Johannes 5:7-8 hinzugefügt wurden.

    „Matthäus 28,19 – „Taufe im Namen der Trinität“?“ ( biblecenter.de)

    Dieser Artikel von Wolfgang Schneider enthält ein ausführliche Begründung. Hier ist der Artikel als PDF zum herunterladen.

    „Eine Sammlung von Beweisen gegen den traditionellen Wortlaut von Matthäus 28:19“

    Hier ist die Übersetzung des von Eric im Video zitierten Artikels „A Collection of Evidence Against the Traditional Wording of Matthew 28:19“

    Die Enzyklopädie für Religion und Ethik:
    Zu Matthäus 28,19 heißt es: „Es ist das zentrale Beweisstück für die
    traditionelle (trinitarische) Sichtweise. Wäre er unumstritten, wäre er natürlich
    entscheidend, aber seine Glaubwürdigkeit wird aus textkritischen, literarischen und historischen Gründen angezweifelt.
    Textkritik, Literaturkritik und Geschichtskritik angezweifelt. In derselben
    Enzyklopädie stellt außerdem fest, dass: „Die offensichtliche Erklärung für das Schweigen des
    Die offensichtliche Erklärung für das Schweigen des Neuen Testaments über den dreieinigen Namen und die Verwendung einer anderen (JESUS NAME)
    Formel in der Apostelgeschichte und bei Paulus ist, dass diese andere Formel die frühere war und
    die dreieinige Formel ein späterer Zusatz ist.“

    Edmund Schlink, Die Lehre von der Taufe, Seite 28:
    „Der Taufbefehl in seiner Form aus Matthäus 28,19 kann nicht der historische
    Ursprung der christlichen Taufe sein. Zumindest muss davon ausgegangen werden, dass der
    Text in einer Form überliefert wurde, die von der [katholischen] Kirche erweitert wurde.“

    The Tyndale New Testament Commentaries, I, 275:
    „Es wird oft behauptet, dass die Worte im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes
    Sohnes und des Heiligen Geistes nicht die ipsissima verba [genaue Worte] Jesu sind, sondern
    Jesus sind, sondern … ein späterer liturgischer Zusatz.“

    Wilhelm Bousset, Kyrios Christentum, Seite 295:
    „Das Zeugnis für die weite Verbreitung der einfachen Taufformel [im
    Namen Jesu] bis ins zweite Jahrhundert hinein ist so überwältigend, dass sogar in
    in Matthäus 28,19 die trinitarische Formel später eingefügt wurde.“

    Die Katholische Enzyklopädie, II, Seite 263:
    „Die Taufformel wurde vom Namen Jesu Christi zu den Worten
    der katholischen Kirche im zweiten Jahrhundert in die Worte Vater, Sohn und Heiliger Geist
    Jahrhundert.“

    Hastings Dictionary of the Bible 1963, Seite 1015:

    Begriff Trias wurde erstmals von Theophilus von Antiochien (um 180 n. Chr.) verwendet,…(Der Begriff
    Trinität) kommt in der Heiligen Schrift nicht vor…“ „Der wichtigste trinitarische Text im NT ist
    die Taufformel in Mt 28,19…Dieser späte Spruch nach der Auferstehung, der in keinem
    Evangelium oder irgendwo sonst im NT zu finden ist, wurde von einigen Gelehrten als
    einige Gelehrte als eine Einfügung in Matthäus angesehen. Es wurde auch darauf hingewiesen
    dass der Gedanke des Jüngermachens in der Lehre fortgesetzt wird, so dass der
    der dazwischen liegende Hinweis auf die Taufe mit ihrer trinitarischen Formel vielleicht ein
    später in den Spruch eingefügt wurde. Schließlich ist Eusebius‘ Form des (antiken)
    Textes („in meinem Namen“ und nicht im Namen der Dreifaltigkeit) einige Befürworter gefunden.
    Befürworter. (Obwohl sich die trinitarische Formel heute im modernen
    Buch Matthäus zu finden ist), ist das keine Garantie dafür, dass sie aus der historischen
    Lehre von Jesus. Es ist zweifellos besser, die (trinitarische) Formel
    als aus dem frühen (katholischen) christlichen, vielleicht syrischen oder palästinensischen,
    (vgl. Didache 7,1-4) und als eine kurze Zusammenfassung der Lehre der (katholischen) Kirche über Gott, Christus
    Lehre der Kirche über Gott, Christus und den Geist:…“

    Die Schaff-Herzog Enzyklopädie des religiösen Wissens:
    „Jesus kann jedoch seinen Jüngern diese trinitarische Reihenfolge der
    Taufe nach seiner Auferstehung gegeben haben; denn das Neue Testament kennt nur eine Taufe
    auf den Namen Jesus (Apg. 2:38; 8:16; 10:43; 19:5; Gal. 3:27; Röm. 6:3; 1.
    Korinther 1,13-15), die auch noch im zweiten und dritten Jahrhundert vorkommt,
    während die trinitarische Formel nur in Matthäus 28,19 vorkommt, und dann nur
    (in der) Didache 7:1 und Justin, Apol. 1:61…Schließlich ist der ausgeprägte
    Schließlich ist der eindeutig liturgische Charakter der Formel … seltsam; es war nicht die Art
    Jesus war es nicht üblich, solche Formeln zu formulieren… die formale Echtheit von Mt 28,19 muss
    angezweifelt werden…“ Seite 435.

    In der Jerusalemer Bibel, einem gelehrten katholischen Werk, heißt es:
    „Es mag sein, dass diese Formel (Dreieinigkeit Matthäus 28,19), soweit es die Fülle ihres Ausdrucks
    (Dreieinigkeit Matthäus 28,19), soweit es die Fülle ihres Ausdrucks betrifft, ein Spiegelbild des (von Menschen gemachten) liturgischen
    Gebrauch ist, der später in der primitiven (katholischen) Gemeinde eingeführt wurde. Es wird
    Es sei daran erinnert, dass die Apostelgeschichte von der Taufe „auf den Namen Jesu“ spricht…“

    Die International Standard Bible Encyclopedia, Bd. 4, Seite 2637, unter
    „Taufe“, steht:
    „Vor allem Matthäus 28,19 kanonisiert nur eine spätere kirchliche
    dass sein Universalismus den Tatsachen der frühen christlichen Geschichte widerspricht
    Geschichte widerspricht, und seine trinitarische Formel (ist) dem Mund Jesu fremd.“

    Die New Revised Standard Version sagt Folgendes über Matthäus 28,19:
    „Moderne Kritiker behaupten, dass diese Formel Jesus fälschlicherweise zugeschrieben wird und dass sie
    spätere (katholische) Kirchentradition darstellt, denn nirgendwo in der
    Apostelgeschichte (oder einem anderen Buch der Bibel) wird die Taufe mit dem Namen der
    der Dreifaltigkeit getauft…“

    James Moffett’s New Testament Translation:
    In einer Fußnote auf Seite 64 zu Matthäus 28,19 macht er diese Aussage: „Es
    Es mag sein, dass diese (trinitarische) Formel, soweit es die Fülle ihres Ausdrucks betrifft, eine
    Ausdrucks ein Spiegelbild des (katholischen) liturgischen Gebrauchs ist, der
    (katholischen) Liturgiegebrauchs ist, der später in der primitiven (katholischen) Gemeinde eingeführt wurde.
    Es sei daran erinnert, dass die Apostelgeschichte von der Taufe „auf den Namen Jesu“ spricht, vgl. Apg 1,5
    +.“

    Tom Harpur:
    Tom Harpur, ehemaliger Religionsredakteur des Toronto Star, berichtet in seinem Artikel „For Christ’s
    um Christi willen“, Seite 103, informiert uns über diese Fakten: „Alle außer den konservativsten
    Gelehrten sind sich einig, dass zumindest der letzte Teil dieses Befehls [der dreifache Teil von
    Matthäus 28,19] später eingefügt wurde. Die [trinitarische] Formel kommt nirgendwo
    nirgendwo sonst im Neuen Testament, und wir wissen aus dem einzigen verfügbaren Beweis [dem
    Rest des Neuen Testaments], dass die frühe Kirche die Menschen nicht mit diesen Worten taufte
    mit diesen Worten („im Namen des Vaters und des Sohnes und des
    Heiliger Geist“), sondern „in“ oder „auf“ den Namen Jesu allein getauft wurde. Es wird also
    dass der Vers ursprünglich lautete: „Ich taufe sie in meinem Namen“ und dann
    erweitert [geändert] wurde, um das [spätere katholische trinitarische] Dogma einzubauen. In
    Tatsächlich ist die erste Ansicht, die sowohl von deutschen kritischen Gelehrten als auch von den
    Unitarier im neunzehnten Jahrhundert vorgebracht wurde, wurde bereits im
    1919, als Peakes Kommentar zum ersten Mal veröffentlicht wurde, als akzeptierte Position der Mainline-Gelehrten
    veröffentlicht wurde: „Die Kirche der ersten Tage (33 n. Chr.) hielt sich nicht an dieses
    (trinitarische) Gebot nicht beachtet, auch wenn sie es kannten. Das Gebot der
    auf den dreifachen [trinitarischen] Namen zu taufen, ist eine späte lehrmäßige Erweiterung.“

    Der Bibelkommentar 1919 Seite 723:
    Dr. Peake stellt klar, dass: „Das Gebot, auf den dreifachen Namen zu taufen
    Namen zu taufen, ist eine späte lehrmäßige Erweiterung. Anstelle der Worte, sie im Namen
    Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen, sollten wir
    wahrscheinlich einfach „auf meinen Namen“ lauten.

    Theologie des Neuen Testaments:
    Von R. Bultmann, 1951, Seite 133 unter Kerygma der hellenistischen Kirche und
    den Sakramenten. Die historische Tatsache, dass der Vers Matthäus 28,19 geändert wurde
    wird ganz offen und deutlich zugegeben. „Was den Ritus der Taufe betrifft, so wurde sie
    normalerweise als Bad vollzogen, in dem der Täufling vollständig untergetaucht
    untergetaucht wurde, und wenn möglich in fließendem Wasser, wie die Anspielungen in Apostelgeschichte 8:36,
    Hebr. 10:22, Barn. 11:11 vermuten lassen, und wie Did. 7:1-3 ausdrücklich
    sagt. Nach der letzten Passage, [der apokryphen katholischen Didache]
    reicht es im Notfall aus, wenn dreimal Wasser [falsche katholische
    Besprengungsdoktrin] auf den Kopf gegossen wird. Derjenige, der tauft, nennt über dem Täufling
    über den Täufling den Namen des Herrn Jesus Christus“, später erweitert [geändert] zum
    Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

    Lehre und Praxis in der frühen Kirche:
    Von Dr. Stuart G. Hall 1992, Seiten 20 und 21. Professor Stuart G. Hall war
    ehemaliger Lehrstuhlinhaber für Kirchengeschichte am King’s College, London
    England. Dr. Hall stellt sachlich fest, dass die katholische trinitarische
    Taufe nicht die ursprüngliche Form der christlichen Taufe war, sondern die ursprüngliche
    war die Taufe auf den Namen Jesu. „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
    Heiligen Geistes“, obwohl diese Worte nicht, wie später, als Formel verwendet wurden.
    Formel. Nicht alle Taufen entsprachen dieser Regel.“ Dr. Hall führt weiter aus: „Häufiger und
    gebräuchlicher und vielleicht auch älter war das einfache „Im Namen des Herrn
    Jesus oder Jesus Christus“. Diese Praxis war bei den Marcioniten und Orthodoxen bekannt.
    Orthodoxen bekannt; sie ist sicherlich Gegenstand einer Kontroverse in Rom und Afrika
    um 254, wie das anonyme Traktat De rebaptismate („Über die Wiedertaufe“) zeigt.“

    Die Anfänge des Christentums: Die Apostelgeschichte, Band 1,
    Prolegomena 1:
    The Jewish Gentile, and Christian Backgrounds von F. J. Foakes Jackson und
    Kirsopp Lake 1979 Version Seiten 335-337. „Es gibt kaum Zweifel an der
    Mitte des ersten Jahrhunderts in den Kreisen, die der Paulusbrief repräsentiert, kaum Zweifel am sakramentalen Charakter der Taufe.
    Jahrhunderts in den Kreisen, die von den Paulusbriefen repräsentiert werden, und im
    zweiten Jahrhundert. Das Problem ist, ob sie in dieser (trinitarischen) Form auf
    Das Problem ist, ob sie in dieser (trinitarischen) Form bis zu Jesus zurückverfolgt werden kann, und wenn nicht, welches Licht die
    die Analyse der synoptischen Evangelien und der Apostelgeschichte.

    Nach der katholischen Lehre wurde die (traditionelle trinitarische) Taufe
    von Jesus eingesetzt. Es ist leicht zu erkennen, wie notwendig dies für den Glauben an die
    an die sakramentale Wiedergeburt. Die Mysterien oder Sakramente waren immer die
    Einsetzung durch den Herrn des Kultes; durch sie, und nur durch sie, wurden die
    die Gläubigen übernatürliche Wohltaten erhalten. Dennoch, wenn Beweise
    zählen, sind nur wenige Punkte in den Evangelien so klar
    wie die Unwahrscheinlichkeit dieser Lehre.

    Der Grund für diese Behauptung ist das Fehlen jeglicher Erwähnung der christlichen
    der christlichen Taufe in Markus, Q oder dem dritten Evangelium und der verdächtige Charakter der
    Matthäus 28,19: „Gehet hin in alle Welt und machet zu
    macht alle Heiden zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des
    Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Es ist nicht einmal sicher, ob dieser
    Vers als Teil des echten Matthäus-Textes angesehen werden sollte. Kein anderer
    Text ist in keiner der erhaltenen Handschriften in irgendeiner Sprache zu finden, aber es ist
    aber es ist anzunehmen, dass Justin Martyr, obwohl er die Trinitätsformel verwendete, sie nicht in seinem Evangelientext fand.
    Aber es ist anzunehmen, dass Justin Martyr, obwohl er die Trinitätsformel verwendet hat, sie nicht in seinem Text der Evangelien gefunden hat; Hermas scheint sie nicht zu kennen; die
    Die Belege in der Didache sind zweideutig, und Eusebius zitiert sie gewöhnlich, wenn auch nicht
    Eusebius zitiert ihn gewöhnlich, wenn auch nicht immer, in einer anderen Form: „Geht in die ganze Welt und macht
    und macht alle Heiden zu Jüngern in meinem Namen.“

    Niemand, der mit den Fakten der Textgeschichte und den patristischen Beweisen vertraut ist
    kann daran zweifeln, dass die Tendenz dahin ging, den eusebianischen Text (In meinem Namen) durch den
    Namen) durch die kirchliche (katholische trinitarische) Taufformel zu ersetzen, so dass
    dass die „transkriptionelle Evidenz“ sicherlich auf der Seite des Textes steht, der die
    Taufe auslässt.

    Aber es ist unnötig, diesen Punkt ausführlich zu diskutieren, denn selbst wenn der
    der gewöhnliche (moderne trinitarische) Text von Matthäus 28,19 stimmig ist, kann er nicht
    historische Tatsache darstellen.

    Hätten sie getauft, wie es die Apostelgeschichte berichtet und Paulus zu bestätigen scheint
    Paulus scheint die Aussage zu bestätigen, im Namen des Herrn Jesus, wenn der Herr selbst
    ihnen befohlen hätte, die (katholische trinitarische) Formel der Kirche zu verwenden? Auf
    jedem Punkt ist die Apostelgeschichte ein überzeugender Beweis dafür, dass die (katholische)
    Tradition in Matthäus 28,19 ein spätes (nicht biblisches) Glaubensbekenntnis ist und
    unhistorisch ist.

    Weder im dritten Evangelium noch in der Apostelgeschichte findet sich ein Hinweis auf die
    (katholischen trinitarischen) Matthäus-Tradition, noch wird die
    Einführung der (katholischen trinitarischen) christlichen Taufe. Dennoch, etwas
    etwas später in der Erzählung finden wir mehrere Hinweise auf die Wassertaufe
    auf den Namen des Herrn Jesus als Teil der anerkannten (früh)christlichen
    Praxis. Wir stehen also vor dem Problem eines christlichen Ritus, der nicht direkt
    Jesus zugeschrieben wird, aber als universeller (und ursprünglicher) Brauch angesehen wird.
    Dass es so war, wird durch die Briefe bestätigt, aber die wichtigen Fakten sind
    alle in der Apostelgeschichte enthalten.“

    In demselben Buch macht Professor Lake auf Seite 336 in der ersten Fußnote
    eine erstaunliche Entdeckung in der sogenannten Lehre oder Didache gemacht. Die
    Didache ist ein erstaunlicher Widerspruch zu finden. Eine Passage
    bezieht sich auf die Notwendigkeit der Taufe auf den Namen des Herrn, der Jesus ist
    die andere berühmte Passage lehrt eine trinitarische Taufe. Lake wirft die
    die Wahrscheinlichkeit, dass die apokryphe Didache oder das frühe katholische Kirchenhandbuch
    bearbeitet oder verändert wurden, um die spätere trinitarische Lehre zu fördern.
    Doktrin zu fördern. Es ist eine historische Tatsache, dass die katholische Kirche zu einer Zeit
    ihre Konvertiten auf den Namen Jesus taufte, später aber zur Trinitätslehre überging.
    taufe.

    „1. in der eigentlichen Beschreibung der Taufe in der Didache wird die trine (Dreieinigkeit)
    Formel verwendet; in den Anweisungen für die Eucharistie (Kommunion) ist die
    Voraussetzung für die Zulassung ist die Taufe auf den Namen des Herrn. Es ist offensichtlich
    dass im Falle eines Manuskripts aus dem elften Jahrhundert *die Trinitätsformel
    die Dreierformel mit ziemlicher Sicherheit in die Beschreibung der Taufe eingefügt wurde, während die weniger
    die weniger übliche Formel eine Chance hatte, unbemerkt zu bleiben, wenn sie nur
    beiläufig verwendet wurde.“

    The Catholic University of America in Washington, D. C. 1923, New Testament
    Studies Number 5:
    The Lord’s Command To Baptize An Historical Critical Investigation. Von
    Bernard Henry Cuneo Seite 27. „Die Passagen in der Apostelgeschichte und in den Briefen des Hl.
    Paulus. Diese Abschnitte scheinen auf die früheste Form der Taufe im Namen des Herrn hinzuweisen.
    Namen des Herrn.“ Außerdem finden wir. „Ist es möglich, diese Fakten mit dem Glauben in Einklang zu bringen
    mit dem Glauben, dass Christus seinen Jüngern befohlen hat, in der dreifachen Form zu taufen?
    Form zu taufen? Hätte Christus ein solches Gebot gegeben, so wird behauptet, wäre die apostolische Kirche
    die apostolische Kirche ihm gefolgt, und wir hätten eine Spur dieses Gehorsams im
    dem Neuen Testament finden. Eine solche Spur ist jedoch nicht zu finden. Die einzige Erklärung für dieses
    Schweigens ist nach der antitraditionellen Sichtweise die kurze
    die kurze christologische (Jesus-Name) Formel (die) ursprüngliche war und die längere trinitarische
    Formel war eine spätere Entwicklung.“

    A History of The Christian Church:
    1953 von Williston Walker, ehemaliger Professor für Kirchengeschichte an der Yale
    Universität. Auf Seite 95 werden die historischen Fakten erneut erklärt. „Bei den
    frühen Jüngern war die Taufe im Allgemeinen „auf den Namen Jesu Christi“. Es
    Im Neuen Testament wird die Taufe auf den Namen der Dreifaltigkeit nicht erwähnt,
    außer in dem Befehl, der Christus in Matthäus 28,19 zugeschrieben wird. Dieser Text ist
    jedoch ein früher Text (aber nicht das Original). Er liegt dem Apostolischen Glaubensbekenntnis zugrunde, und
    der Praxis, die in der Lehre (oder der Didache) und bei Justinus aufgezeichnet (*oder interpoliert) wurde.
    und von Justin. Die christlichen Führer des dritten Jahrhunderts behielten die
    Die christlichen Führer des dritten Jahrhunderts hielten an der früheren Form fest, und zumindest in Rom galt die Taufe auf den Namen Christi als gültig.
    zumindest seit der Zeit von Bischof Stephanus (254-257) als gültig, wenn auch unregelmäßig.
    Stephanus (254-257).“

    Auf Seite 61 schmäht Professor und Kirchenhistoriker Walker den wahren Ursprung
    und Zweck von Matthäus 28,19. Dieser Text ist das erste von Menschen gemachte römisch-katholische
    Glaubensbekenntnis, das der Prototyp für das spätere apokryphe Apostolische Glaubensbekenntnis war.
    Matthäus 28,19 wurde zusammen mit dem Apokryphen Apostolischen Glaubensbekenntnis erfunden, um
    Ketzer und Gnostiker zu bekämpfen, die im Namen von Jesus Christus getauft
    Christus! Auch wenn Marcion einige seiner Lehren etwas durcheinanderbrachte, taufte er
    taufte seine Bekehrten dennoch auf biblische Weise im Namen Jesu Christi. Matthäus
    28,19 ist das erste unbiblische römisch-katholische Glaubensbekenntnis! Der gefälschte katholische
    Text von Matthäus 28,19 wurde erfunden, um die neuere Dreieinigkeitslehre zu stützen.
    Lehre zu unterstützen. Deshalb ist Matthäus 28,19 nicht der „Missionsbefehl Jesu
    Christus“. Matthäus 28,19 ist der große katholische Schwindel! Apostelgeschichte 2:38, Lukas 24:47,
    und 1. Korinther 6:11 geben uns die alten ursprünglichen Worte und Lehren von
    Jeschua/Jesus! Ist es nicht auch seltsam, dass Matthäus 28,19 in den
    alten Handschriften Sinaiticus, Curetonianus und Bobiensis fehlt?

    „Während die Macht des Episkopats und die Bedeutung der Kirchen von
    apostolischen (katholischen) Kirchen stark gestärkt wurde, führte die gnostische
    Krise eine entsprechende Entwicklung des (von Menschen gemachten, nicht inspirierten, falschen)
    Glaubensbekenntnis, zumindest im Westen. Eine Form der Unterweisung vor der Taufe war
    Mitte des zweiten Jahrhunderts üblich. In Rom entwickelte sich dies,
    zwischen 150 und 175, und zwar wahrscheinlich in Opposition zum marcionitischen
    Gnostizismus, zu einer Erläuterung der Taufformel aus Matthäus 28,19
    die früheste bekannte Form des sogenannten Apostolischen Glaubensbekenntnisses.“

    Der katholische Kardinal Joseph Ratzinger:
    Er macht dieses Bekenntnis zum Ursprung des wichtigsten Dreifaltigkeitstextes von
    Matthäus 28,19. „Die Grundform unseres (Matthäus 28,19 trinitarischen) Glaubensbekenntnisses
    Glaubensbekenntnisses entstand im Laufe des zweiten und dritten Jahrhunderts im
    in Verbindung mit der Taufe. Was den Entstehungsort angeht
    stammt der Text (Matthäus 28,19) aus der Stadt Rom.“ Die Dreieinigkeit
    Taufe und der Text in Matthäus 28,19 stammen also nicht aus der
    ursprünglichen Kirche, die um 33 n. Chr. in Jerusalem entstand. Sie war vielmehr, wie die
    Beweise eine spätere Erfindung des römischen Katholizismus und
    erfunden. Nur sehr wenige wissen von diesen historischen Fakten.

    „Die Demonstratio Evangelica“ von Eusebius:
    Eusebius war der Kirchenhistoriker und Bischof von Cäsarea. Auf Seite 152
    zitiert Eusebius das frühe Buch des Matthäus, das er in seiner Bibliothek in
    Cäsarea hatte. Nach diesem Augenzeugen eines unveränderten Matthäusbuches, das
    könnte das Originalbuch oder die erste Abschrift des Originals von
    Matthäus. Eusebius informiert uns über die tatsächlichen Worte Jesu an seine Jünger im
    Originaltext von Matthäus 28,19: „Mit einem Wort und einer Stimme sagte er zu seinen
    Jüngern: „Geht und macht alle Völker zu Jüngern in meinem Namen und lehrt sie
    und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch befohlen habe.“ Dieser „Name“ ist Jesus.

  • Deutsche Übersetzung von „Shutting the Door to the Kingdom of God“ auf Amazon veröffentlicht.

    Deutsche Übersetzung von „Shutting the Door to the Kingdom of God“ auf Amazon veröffentlicht.

    Das deutschsprachige Video zur Veröffentlichung des Buches von Eric: „Shutting the Door to the Kingdom of God: How Watch Tower Stole Salvation from Jehovah’s Witnesses“

    Link zur Seite auf Amazon der englischen Ausgabe

    Link zur Seite auf Amazon der deutschen Übersetzung

    Link zur Seite auf Amazon der italienischen Übersetzung

  • The 2001 Translation of the Bible

    The 2001 Translation of the Bible

    Die englische Bibel The 2001 Translation of the Bible ist insofern außergewöhnlich, dass es sie nicht nur online oder zum Download gibt, sondern auch weil sie ähnlich wie Wikipedia von vielen Freiwilligen gemeinsam erarbeitet wird:

    Eine kostenlose Bibelübersetzung, die ständig von Freiwilligen korrigiert und verbessert wird.
    Ehrenamtliche Mitarbeiter/innen verfeinern und korrigieren unsere Übersetzung regelmäßig, und jeder kann eine Korrektur vorschlagen.
    Unsere Übersetzung ist gemeinfrei. Du kannst sie verwenden, so viel du willst und wie du willst!
    Unser Neues Testament orientiert sich an den aramäischen Texten, einer der ursprünglichen Sprachen.
    Die meisten Bibeln verwenden hebräische Texte aus dem 10. Jahrhundert, aber wir verwenden ältere Texte aus dem 4. Jahrhundert.
    Wir zensieren den göttlichen Namen nicht, sondern verwenden Jehova (Jahwe) über 5.500 Mal.
    Wir versuchen, so viele Vorurteile wie möglich aus der Übersetzung zu entfernen.