Weizenfeld mit Sonnenuntergang

Der Kanon – Teil 10: Ist die Bibel ‚die heilige Schrift‘ oder ‚das Wort Gottes‘?


Von Christian


Im letzten Teil dieser Serie hatte ich gesagt, dass mit Begriffen wie ‚die Heilige Schrift‘ oder ‚das Wort Gottes‘ unbewusst einige Annahmen und Vorstellungen verknüpft sind. Zumindest sollten wir uns genau darüber im klaren sein, was wir mit dem Begriff ‚Gottes Wort‘ und ‚die heilige Schrift‘ meinen, wenn wir diese verwenden. Und vor allem: Werden diese Begriffe in der Bibel selbst überhaupt verwendet? Das wollen wir uns anschauen, ganz ähnlich, wie ich das im dem Artikel und Video gemacht habe: Sollten wir uns Christen oder Gesalbte nennen (lassen)? oder Sollten wir uns Brüder Christi nennen (lassen)?

‚Die Heilige Schrift‘

Beginnen wir einmal damit, dass die Bibel oft ‚die Heilige Schrift‘ im Deutschen genannt wird. Sucht man in einigen deutschen Bibelübersetzungen nach ‚heilige Schrift‘ z.B. im ERF Bibleserver, findet man – nichts! Das stimmt nicht ganz. Eine Stelle habe ich in einer Übersetzung gefunden, die auch gleich den Grund zeigt, warum wir das im Text der Bibel nicht finden:

Die Juden in Beröa waren nicht so voreingenommen wie die in Thessalonich. Mit großer Bereitwilligkeit gingen sie auf das Evangelium von Jesus Christus ein, und sie studierten täglich die Heilige Schrift, um zu prüfen, ob das, was Paulus lehrte, mit den Aussagen der Schrift übereinstimmte.

Apostelgeschichte 17:11 Neue Genfer Übersetzung.

Die Juden in Beröa aber waren aufgeschlossener als die in Thessalonich. Sie nahmen die Botschaft bereitwillig auf und studierten täglich die heiligen Schriften, um zu sehen, ob das, was Paulus lehrte, wirklich zutraf.

Apostelgeschichte 17:11 Neue Evangelistische Übersetzung
Apostelgeschichte 17:11 Interlinear

Im griechischen steht hier nämlich γραφὰς (graphas) Hauptwort, Akkusativ, Femininum, Plural (Strong’s). Genau genommen steht im griechischen Text sogar nur ‚die Schriften‘ – schon das Wort ‚heilig’ ist hinzugefügt. Ich habe auch die wenigen anderen Stellen untersucht, in denen mit ‚heilige Schriften‘ übersetzt wird. Tatsächlich steht es nur zweimal im griechischen Text:

Paulus, Knecht Christi Jesu, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes, das er durch seine Propheten in heiligen Schriften (γραφαῖς ἁγίαις, graphais hagiais) vorher verheißen hat.

Römer 1:1,2 Elberfelder

und weil du von Kind auf die heiligen Schriften (ἱερὰ γράμματα, hiera grammata) kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift (γραφὴ, graphē) ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit …

2. Timotheus 3:15, 16 Elberfelder

Und sofort fällt etwas auf, was ich in Teil 2 und 8 schon im Detail analysiert hatte: Mit ‚heilige Schriften‘ ist hier ganz klar das alte Testament, der Tanach gemeint.

Das in 2. Timotheus 3:15 verwendete Wort γράμμα gramma wird übrigens nur 15 mal im Neuen Testament verwendet und beschreibt immer etwas Schriftliches, meistens einen Brief. Strong’s gibt an: „Von grapho; eine Schrift, d.h. ein Brief, eine Notiz, eine Epistel, ein Buch.“ Hier steht es im Plural: Schriften. Wohingegen in Vers 16 das Wort γραφή graphé (ohne Zusatz ‚heilig‘) verwendet wird, das 51 mal verwendet wird. Strong’s gibt an: „(a) eine Schrift, (b) ein Abschnitt der Schrift; plural: die Schriften. Ein Dokument, d.h. Heilige Schriften.“ Zum Schluss der Erklärung sehen wir schon, wie von der Erklärung der Sprache zur Interpretation übergegangen wird. Ruft man übrigens auf biblehub.com Strong‘s Greek 1124 direkt auf, fehlt der Teil „Ein Dokument, d.h. heilige Schrift“.

Anstatt einer Erklärung kann man auch noch mehr Interpretation finden. Zum Beispiel in HELPS Word-studies:

Der Zusatz „, d.h. die inspirierten, unfehlbaren Schriften der Bibel (66 Bücher der Schrift, 39 in Hebräisch, 27 in Griechisch)“ hat nichts mit dem griechischen Wort im Vers zu tun. Und im letzten Teil 9 dieser Serie haben wir ja ausführlich über Inspiration und auch den Anspruch der Unfehlbarkeit des Textes gesprochen. Und in teil 8 haben wir über die Entstehung des Kanon des Neuen Testaments gesprochen und wieviele Bücher die Bibeln verschiedener Zweige der Christen haben. Warum der wichtige zweite Teil nur in Klammern steht, wird nicht erklärt. Wo doch der Hinweis wichtig ist, dass im Neuen Testament γραφή graphé immer für das Alte Testament verwendet wird.

Vergleichen wir das einmal mit der NAS Exhaustive Concordance. Und berücksichtigen wir, dass ‚exhaustive‘ übersetzt ‚ausführlich‘ bedeutet:

Die ganze ‚ausührliche‘ Erklärung ist: ‚eine Schrift‘. Ausführlichere Erklärungen findet man oft in Thayer’s Greek Lexicon:

Hier findet man die Hauptbedeutungen gruppiert und auch gleich mit der Verwendung im Text. Es werden diese Erklärungen angegeben: „(a) Schreiben, Geschriebenes (von Sophokles an), jede Schrift des Alten Testaments, (b) ἡ γραφή, die Schrift κατ’ ἐξοχήν, die heilige Schrift (des A. T.) – und wird verwendet, um entweder das Buch selbst oder seinen Inhalt zu bezeichnen (manche würden den Singular γραφή immer auf einen bestimmten Abschnitt beschränken; siehe Lightfoot zu Galater 3:22), (c) einen bestimmten Teil oder Abschnitt der heiligen Schrift.“ Interessant fand ich hier, wie von „jede Schrift des Alten Testaments“ zu „die Schrift“ und dann zu „die heilige Schrift (des A.T.)“ ohne weitere Begründung übergegangen wird. Aber immerhin wird korrekt vom Alten Testament gesprochen.

Gut, wieder etwas bezüglich der Verwendung von Bibel-Lexika dazugelernt.

Aber schauen wir uns die Verwendung einmal selbst an. Die Verwendung dieses Wortes γραφή graphé ist vielfältig. Und manchmal überraschend.

Denn die Schrift sagt zum Pharao: »Eben hierzu habe ich dich erweckt, damit ich meine Macht an dir erweise und damit mein Name verkündigt wird auf der ganzen Erde.

Römer 9:17 Elberfelder

Das steht so wirklich im griechischen Text. Wie konnte denn ‚die Schrift‘ zu Pharao sprechen? Das lösen manche Übersetzungen kreativ-interpretativ: „Denn in der Schrift wird zum Pharao gesagt:“ (Einheitsübersetzung), „Aus diesem Grund steht in der Schrift auch folgendes Wort, das Gott dem Pharao sagt“ (Neue Genfer Übersetzung) und „Denn die Schrift lässt Gott zum Pharao sagen“ (Züricher).

Wir halten fest:

In der Bibel steht nirgends ‚die heilige Schrift‘, sondern im Neuen Testament nur zweimal ‚die heiligen Schriften‘ und das bezieht sich eindeutig auf das Alte Testament.

Ansonsten wird im Neuen Testament nur von den ‚Schriften‘ oder der ‚Schrift‘ gesprochen und das Alte Testament gemeint.

Ist das jetzt Haarspalterei? Ich will ja kein Dogma daraus machen, doch unter der Oberfläche liegt eine wichtige Frage: Ist die Bibel eine autoritative Sammlung von Schriften, oder eine Sammlung von autoritativen Schriften? Was ist damit gemeint? Salopp formuliert: Hat man entweder Schriften als heilig identifiziert und wurden sie dann gesammelt? So war das ursprünglich beim Alten Testament. Oder gibt es eine heilige Sammlung – den Kanon – wodurch auch die darin aufgenommenen Schriften dadurch heilig werden? Wenn wir uns jetzt in den Sinn rufen, was wir in einem vorherigen Teil über den Kanon des Neuen Testaments gelernt haben, dann verstehen wir vielleicht besser, warum das wichtig ist. Ist der Kanon, welcher von der Kirche erst im vierten Jahrhundert erstellt wurde, autoritativ, dann hat diese Entscheidung der Kirche einen ganz anderen Stellenwert. Das sieht die katholische Kirche ganz genau so:

„Die apostolische Sukzession ist der Beweis dafür, dass die Autorität der katholischen Kirche allein zugehörig ist. Sie alleine ist Verwalterin und Hüterin über die Auslegung der Heiligen Schrift. Wer mit Ihr bricht, der bricht mit dem Heiligen Geist.“

(Katholisch.com)

„Die römisch-katholische Kirche ist die eine wahre Kirche Christi, so erklärt Pius XI., sie ist die von Gott bestellte Hüterin der geoffenbarten Wahrheit, die nicht auf den Boden der Diskussionen herabgezogen werden darf.“

(Enzyklika Mortalium Animos)

Das neue Testament macht diese Aussage allerdings nicht! Und Protestanten werden ihr auch vehement widersprechen. So wie es im ersten Zitat eigentlich darum geht, dass die katholische Seite dem ’sola scriptura’ (nur die Schrift) entschieden widerspricht.

Muss man die Schriften, die uns überliefert und erhalten sind, tatsächlich mit so vielen absoluten Ansprüchen belasten, die historisch und anhand der Fakten nicht zu halten sind? Muss man auf der Verbalinspiration beharren, obwohl das keinen Sinn macht (siehe Teil 9 dieser Serie)? Oder dass die katholische Kirche allein die Hüterin ist? Sind die Schriften vielleicht nur ein Geschenk Gottes, dass uns hilft Weisheit zu erlangen und so zu leben, wie er will? Das muss jeder selbst für sich bewerten. Vielleicht sollte ich aber so etwas nicht hier einfach so sagen. Wenn man so einen Gedanken als Professor veröffentlicht, kann einen das schon einmal den Job an einem Theologischen Seminar kosten, welches die eigene Tradition über den Gegenstand der Tradition – die Schriften – stellt (siehe z.B. den Artikel über Peter Enns).

Ist die Bibel für uns ‚die [unfehlbare] Heilige Schrift‘, dann werden wir uns natürlich damit schwer tun, zu akzeptieren, dass sie nachweislich menschliche Aspekte enthält, überarbeitet wurde und manches beim Kopieren oder Übersetzen verändert wurde oder verloren gegangen ist.

Das meinte ich eingangs damit, dass wir mit einem Begriff wie ‚die Heilige Schrift‘ möglicherweise ziemlich weitreichende, unausgesprochene Annahmen verbinden. Und wir diese mit der Verwendung des Begriffes automatisch im Sinn mit aktivieren, wenn wir in der Bibel lesen oder darüber nachdenken.

Gottes Wort / Wort Gottes

Du ahnst es schon. Mit dem Begriff ‚das Wort Gottes‘ wird es nicht anders ausgehen. Ist das eine gute Beschreibung für ‚die Schriften‘? Wenn alles für uns ‚das Wort Gottes‘ ist, erwarten wir doch auch eine gewisse Vollkommenheit des Textes, oder etwa nicht? Wird in den Schriften dieser Begriff denn überhaupt so gebraucht, als Bezeichnung für ‚die Bibel‘?

Das Wort Gottes breitete sich immer weiter aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem vermehrte sich stark. Selbst eine große Zahl von Priestern gehorchte jetzt dem Glauben.

Apostelgeschichte 6:7 Neue Evangelistische Übersetzung

Gut. Damit ist wohl kaum ‚die Bibel‘ gemeint. Weder breitet sie sich aus noch gab es auch nur einen Buchstaben des Neuen Testament zu diesem Zeitpunkt.

 Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam

Hebräer 4:12 Neue Evangelistische Übersetzung

Das hört sich auch nicht nach ‚der Bibel‘ an. Aber gibt uns eine viel bessere, umfassendere Bedeutung.

Da kamen so viele Menschen bei ihm zusammen, dass sie keinen Platz mehr hatten, nicht einmal draußen vor der Tür. Während er ihnen das Wort Gottes weitergab, …

Markus 2:2 Neue Evangelistische Übersetzung

Hat Jesus ihnen damals vielleicht eine Bibel gereicht?

Lasst uns daher alles ablegen, was uns schmutzig macht, was strotzt vor Bosheit, und in Sanftmut das Wort annehmen, das in euch eingepflanzt ist – es vermag eure Seelen zu retten.

Jakobus 1:21 Züricher

 Setzt auch den Helm ‹der Gewissheit› eures Heils auf und nehmt das Schwert des Geistes, das Wort Gottes, in die Hand!

Epheser 6:17 Neue Evangelistische Übersetzung

In die Hand genommen wird hier im Satz das Schwert, nicht die Bibel. Tatsächlich fühlten sich eine Menge Zeugen Jehovas, wie ich mich erinnere, aufgrund dieses Textes berufen, mit aus der Bibel entnommenen Texten wie mit einem Schwert um sich herumzuschlagen. Und ich kann mich auch erinneren, wie mancher Redner bei diesem Text mit seiner gedruckten Bibel herumfuchtelte. Aber zurück zum Text.

Denn denen, die dies behaupten, ist verborgen, dass von jeher Himmel waren und eine Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte⟨, und zwar⟩ durch das Wort Gottes, durch welche die damalige Welt, vom Wasser überschwemmt, unterging.

2. Petrus 3:5,6 Elberfelder

Auch hier ist offensichtlich nicht von ‚der Bibel‘ als Wort Gottes die Rede. Aber wovon dann? Vielleicht ist der Text so zu verstehen, wie es diese Übersetzung wiedergibt: „Dennoch wurde die Welt damals ‹bei der großen Flut auf Gottes Wort hin› durch Wasser überschwemmt und vernichtet.“ (NEÜ)

Und wird nicht sogar Jesus manchmal als ‚das Wort Gottes‘ bezeichnet? Aufgrund dieses Textes zum Beispiel:

Im Anfang war das Wort, der Logos, und der Logos war bei Gott, und von Gottes Wesen war der Logos. … Und das Wort, der Logos, wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir schauten seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, wie sie ein Einziggeborener vom Vater hat, voller Gnade und Wahrheit.

Johannes 1:1, 14 Züricher

Ich fasse das mal so zusammen:

Die Bibel ist nicht Gottes Wort, sondern die Bibel enthält Gottes Worte.

Das ist ein ganz wichtiger Unterschied. Damit bleibt die Bibel wertvoll, selbst wenn sie nicht so perfekt ist, wie wir es vielleicht gerne hätten. Als ich das aufschrieb, dachte ich, dass ich da eine schöne prägnante Formulierung gefunden hätte. In einer E-Mail zu dieser Serie schrieb mir aber jemand: „In den 1980er Jahren sagte mir mal ein Bruder: Die Bibel ist nicht Gottes Wort, sie enthält Gottes Wort!“ Da wahr ich wohl kaum der Erste. Doch wenn mehrere auf den gleichen Gedanken kommen, ist er Wert, genauer untersucht zu werden.

Das sind wirklich Worte Gottes:

Jahwe sagte zu Mose: “Steig nun zu mir auf den Berg herauf und bleib dort, damit ich dir die Steintafeln geben kann, auf die ich das Gesetz und die Gebote für die Unterweisung Israels geschrieben habe.”

2. Mose 24:11 NEÜ

Und das?

Den Übrigen aber sage ich, nicht der Herr: …

1. Korinther 7:12 Elberfelder

Wenn Paulus etwas sagt, sind das dann genau Gottes Worte? Na ja, wenn er es in einem Brief schreibt, der dann im Neuen Testament ist … Das hatten wir im letzten Teil über Inspiration schon angesprochen. Und würdest du sagen, dass jedes Wort des Herrn – hier ist eindeutig Jesus gemeint – direkt von Gott inspiriert wurden. Alles was er sagte und dann in den Evangelien aufgeschrieben wurde? Also den Evangelien, die wir kennen und im Neuen Testament sind?

Zurück zu den Worten Gottes: Was ist damit?

Darauf nimmt der Teufel ihn mit in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und spricht zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab! Denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln über dir befehlen, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt.«

Matthäus 4:5,6 Elberfelder

Was der Teufel sagt, stammt doch nicht von Gott, nicht war? Also der erste Teil des Verses sind nicht Gottes Worte. Dann wird es kompliziert. Der Teufel zitiert was … ‚Gottes Wort‘? Ja genau. Sogar der Teufel kann ‚Gottes Wort‘ zitieren. Aber seine Worte sind doch nicht Gottes Worte, oder?

Ok. Ich will hier bestimmt auch kein Dogma oder eine Regel aufstellen. Es geht wieder um ein tieferes Problem mit dem Begriff ‚Wort Gottes‘: Es impliziert ziemlich stark die Verbalinspiration: Kein Wort in der Bibel ist von Menschen geformt oder geprägt. Aber das ist nicht korrekt, wie wir im Teil ‚Inspiration‘ dieser Serie gesehen haben. Schon die Autographen selbst – geschweige denn eine Übersetzung – ‚das Wort Gottes‘ oder ‚Die heilige Schrift‘ zu nennen, geht dann schon ziemlich weit.

Vielleicht sind wir auch manchmal zu sehr auf ein ‚Heiliges Buch’ fixiert. Wir erhoffen uns eine schriftliche, perfekte Anleitung für das Leben und den Glauben. Aber wer hatte das schon? Abraham genügte dieses ‚Wort Gottes‘:

Nachdem Lot weggezogen war, sagte Jahwe zu Abram: “Blick auf und schau dich nach allen Seiten gründlich um! Das ganze Land, das du siehst, will ich dir und deinen Nachkommen für immer geben.“

1. Mose 13:14 Neue Evangelistische Übersetzung

Heute spricht Gott nicht mehr direkt mit uns – mit mir zumindest nicht. Daher bin ich dankbar für das, was ich habe.

Und damit streiche ich für mich das, was nicht den Tatsachen entspricht aber auch das, was eine falsche Erwartung hervorruft:

„„Die Bibel ist das Wort Gottes, die heilige Schrift, vollständig von Gott inspiriert (Wort für Wort diktiert) und enthält damit exakt das, was Gott wollte. Sie ist uns genau so bis heute erhalten geblieben, wie die Bibel das selbst sagt, jedes Buch, Absatz, Satz, Wort, Komma und Punkt.“

Es bleibt: Die Bibel ist. Oder besser, wie ich finde: Die Schriften sind. Und gerade weil ich versuche, keine unrealistischen Erwartungen an die Schriften zu haben, finde ich darin Worte Gottes und Weisheit und es trägt zu einem stabilen Fundament meines Glaubens bei:

Die Schriften, deren utlimative Quelle Gott ist, enthalten das, was wir brauchen. Es ist genug bis heute erhalten geblieben, um Gott kennenzulernen, ihn anzubeten und in Weisheit zu leben.

Und was brauchen wir, was erwartet Gott von uns?

Man hat dir gesagt, Mensch, was gut ist / und was Jahwe von dir erwartet: / Du musst dich nur an sein Recht halten, / es lieben, gütig zu sein, / und einsichtig gehen mit deinem Gott.

Micha 6:8 Neue Evangelistische Übersetzung

Und damit sind wir … noch lange nicht am Ende dieser Serie! 😀

Ich habe zum Beispiel schon unglaublich oft von ‚der Bibel‘ gesprochen. Gerade eben noch. Dabei haben wir noch gar nicht untersucht, welche Bedeutung dieser Begriff hat. Das deutsche Wort Bibel kommt vom altgriechischen βιβλία biblia mit der Bedeutung: ‚Bücher‘. Die Erklärung in der Wikipedia ist recht aufschlußreich:

Das Wort „Bibel“ (mittelhochdeutsch bibel, älter biblie) entstand aus kirchenlateinisch biblia, einem Lehnwort aus dem Koine-Griechischen.
Das Neutrum βιβλίον biblíon „Buch“ ist eine Verkleinerungsform von βίβλος bíblos „Buch“, benannt nach der phönizischen Hafenstadt Byblos. Diese Hafenstadt war in der Antike ein Hauptumschlagplatz für Bast, aus dem die Papyrusrollen hergestellt wurden. Der Plural von βιβλίον biblíon lautet βιβλία biblía „Schriftrollen, Bücher“. In der Septuaginta war βιβλία biblía vor allem eine ehrfürchtige Bezeichnung für die Tora; Johannes Chrysostomos bezeichnete als erster mit diesem Plural die Gesamtheit der christlichen heiligen Schriften (Altes und Neues Testament).
Im Kirchenlatein wurde die Bezeichnung biblia zunächst als Neutrum Plural biblia, -orum, seit etwa 1000 n. Chr. aber als Femininum Singular biblia, -ae aufgefasst. Die nationalen Sprachen übernahmen das Wort im Singular; im Deutschen wurde es zu Bibel. „Der Name deutet an: Was uns heute als ein einziger Band in Händen liegt und was wir mit Selbstverständlichkeit als eine Einheit verstehen: die Bibel, ist tatsächlich eine Vielheit.“ Die Bezeichnung als „Buch der Bücher“ bringt einerseits die religiöse Bedeutung der Bibel zum Ausdruck, andererseits die innere Pluralität.

Wikipedia Bibel

So ist ‚die Bibel‘ vielleicht der beste Begriff, den wir verwenden können.

In Teil 11 werden wir uns dann mit diesem Thema auseinandersetzen: Ein Evangelium – aber viele Evangelien?


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