Manchmal fragt man sich, warum in der revidierten Neue-Welt-Übersetzung von 2018 ein Text so verändert wurde, so dass er genau das falsche Verständnis vermittelt, das ein Wachtturm wenige Jahre zuvor zu entkräften suchte:
„Deshalb sage ich euch: Bittet immer wieder und ihr werdet bekommen, sucht weiter und ihr werdet finden, klopft immer wieder an und es wird euch geöffnet werden.“ (NWÜ 2018)
Erhört uns Gott nicht gleich, wenn wir in der Not ein Gebet nur einmal äußern? Müssen wir ihn überreden? Nicht meine Gedanken, sondern die im Wachtturm 2013. Also dem Jahr, in dem die englische revidierte Neue-Welt-Übersetzung herauskam und 5 Jahre vor der deutschen:
„Was sagt uns diese Geschichte über das Gebet? Jesus zeigt damit, dass wir beharrlich sein müssen — wir müssen fortwährend bitten, suchen und anklopfen (Lukas 11:9, 10). Wollte er andeuten, dass wir beim Beten sozusagen bei einem Gott anklopfen, der die Tür nur zögerlich öffnet? Nein. “ (w13 1.4. S. 11)
Den Gedanken eines ‚fortwährenden‘ Bitten ist genau der, welcher in der NWÜ vor der Revision noch zu finden war:
Demnach sage ich euch: Bittet unablässig, und es wird euch gegeben werden; sucht fortwährend, und ihr werdet finden; klopft unaufhörlich an, und es wird euch geöffnet werden..“ (NWÜ)
Alle anderen deutschen Übersetzungen, die ich überprüft habe, formulieren etwa so:
„Und ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan.“ (Züricher)
Kein ‚unablässig‘, ‚forwährend‘, ‚unaufhörlich‘, ‚immer wieder‘.
Doch in englischen Übersetzungen findet man öfters dies:
„And so I tell you, keep on asking, and you will receive what you ask for. Keep on seeking, and you will find. Keep on knocking, and the door will be opened to you.“ (New Living Translation)
„Und so sage ich euch: Bittet weiterhin, und ihr werdet erhalten, worum ihr bittet. Sucht weiterhin, und ihr werdet finden. Klopft weiterhin an, und die Tür wird euch geöffnet werden.“
Im Englischen läßt sich diese Feinheit des Griechischen Urtextes durch ‚keep on …‘ wiedergeben.
Im Griechischen wird der ‚Present Imperative Active‘ verwendet, das wie folgt beschrieben wurde:
„Die „Gegenwartsform“ des Present Active Imperatives bezieht sich nicht auf die Zeit, sondern auf den Aspekt der Befehle. Kurz gesagt: Present Active Imperatives sind Befehle, die nicht nur einmal, sondern immer wieder befolgt werden sollen.
Ein Arzt könnte einem Patienten zum Beispiel sagen: „Iss weniger fettes Essen!“ Mit dieser Ermahnung gibt der Arzt eine Anweisung, die immer befolgt werden sollte. (Das heißt: Es ist keine Anweisung, die man einmal befolgt und dann wieder vergisst.)“
Mit anderen Worten: Jesus fordert uns auf, mit beten, bitten, suchen und anklopfen anzufangen und damit nie mehr aufzuhören.
Darüber hinaus zeigte er gleich in den nächsten Versen, dass Gott dessen nicht überdrüssig wird:
„Denn wer bittet, empfängt; wer sucht, findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. … So schlecht wie ihr seid, wisst ihr doch, was gute Gaben für eure Kinder sind, und gebt sie ihnen auch. Wie viel eher wird dann der Vater aus dem Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!“ (Lukas 11:10, 13 Neue Evangelistische Übersetzung)
Wie gut, zu wissen, dass wir unseren Vater im Himmel nicht wiederholt beknien müssen, um ihn endlich zu überreden, sonder er ganz im Gegenteil, es nicht Leid wird, unsere ständigen Bitten zu hören und uns bereitwillig und großzügig zu geben – sogar seinen heiligen Geist.
