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            <title>
									Römer - beroeans.info Forum				            </title>
            <link>https://beroeans.info/community/roemer/</link>
            <description>beroeans.info Diskussionsforum</description>
            <language>de</language>
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							                    <item>
                        <title>Römer 10:13 Wessen Name soll angerufen werden, um gerettet zu werden?</title>
                        <link>https://beroeans.info/community/roemer/roemer-1013-wessen-name-soll-angerufen-werden-um-gerettet-zu-werden/</link>
                        <pubDate>Sat, 06 May 2023 11:28:10 +0000</pubDate>
                        <description><![CDATA[Römer 10:13 wird von den meisten Bibelübersetzungen in etwa so widergegeben:

Denn &quot;jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“. (Römer 10:13 NEÜ)

Wenn man den Kontext ...]]></description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify">Römer 10:13 wird von den meisten Bibelübersetzungen in etwa so widergegeben:</p>
<blockquote>
<p>Denn "jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“. (Römer 10:13 NEÜ)</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Wenn man den Kontext betrachtet, scheint es zuerst einmal recht klar, wer hier mit ‚Herr‘ gemeint ist:</p>
<blockquote>
<p>Wenn du mit deinem Mund bekennst, dass <strong>Jesus der Herr ist</strong>, und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, wirst du gerettet werden. (Römer 10:9 NEÜ)</p>
<p>Es gibt da keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden, denn sie <strong>haben alle denselben Herrn</strong>, und er lässt alle an seinem Reichtum Anteil haben, alle, die ihn anrufen. (Römer 10:12 NEÜ)</p>
</blockquote>
<p>Vers 9 spricht ganz klar von Jesus als dem Herrn und unterscheidet ihn hier von Gott, der ihn aus den Toten auferweckt hat. Dieser Text ist daher auch in Bezug auf das Thema Trinität interessant, soll aber hier nicht diskutiert werden.</p>
<p>Wie kann es hier zu Unklarheiten kommen? Aus zwei Gründen: 1. Der Bibelübersetzung der Zeugen Jehovas und 2. dem Bezug auf das ‚Alte Testament‘.</p>
<p>Die Widergabe der Bibelüberstzung der Zeugen Jehovas lautet:</p>
<blockquote>
<p>Denn „jeder, der den <strong>Namen Jehovas*</strong> anruft, wird gerettet werden.“ (Römer 10:13 Neue-Welt-Übersetzung)</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Warum wird von der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas hier der Name Gottes in der Form „Jehova“ eingesetzt? Denn in allen erhaltenen Manuskripten steht <em>kyriou</em> (Herr):</p>
<blockquote>
<p><span>Πᾶς γὰρ ὃς ἂν ἐπικαλέσηται τὸ ὄνομα <strong>Κυρίου</strong> σωθήσεται.</span></p>
</blockquote>
<div style="text-align: justify">Die Begründung ist, dass Paulus hier aus dem Alten Testament das Buch Joel zitiert und dort im Hebräischen der Name Gottest stand. Die Christen im ersten Jahrhundert hätten daher hier auch den Namen Gottes verwendet. Diese Argumentation zu Römer 10:13 wurde erst vor kurzem in der Artikelserie <em>Bibelverse erklärt</em> S.3 unter der Überschrift „Römer 10:13 – „Jeder, der den Namen des Herrn anruft““ begründet. Dieser Gedanke ist für die Leitende Körperschaft sehr wichtig, weil in Bezug auf ‚anurfen‘ keinesfalls Jesus gemeint sein darf und so schön auch auf den Namen Gottes hingewiesen wird, den Rutherford seiner Bewegung gegeben hat: Jehovas Zeugen.</div>
<div style="text-align: justify">Dieses Argument kann natürlich nur dann gelten, wenn Paulus hier wirklich – und mit Absicht – Joel 3:5 zitiert. In englischen Bibelübersetzungen ist dieser Vers übrigens meist als Joel 2:32 zu finden.</div>
<div style="text-align: justify">Viele sind davon überzeugt, wie zum Beispiel die Fußnote in der <em>Neuen Evangelistischen Übersetzung</em> zeigt:</div>
<blockquote>
<p><span>Den Namen Gottes, der in Joël 3,5 Jahwe lautet, bezieht Paulus hier eindeutig auf den Herrn Jesus Christus (vergleiche die Verse 9-12). Petrus tut das ebenso in Apostelgeschichte 2,21. (Römer 10:13 Fußnote Neuen Evangelistischen Übersetzung )</span></p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Da Paulus hier nicht direkt sagt, dass es in Joel steht – wie er es zum Beispiel in Römer 10 mit Jesaja teilweise tut – müssen wir also den griechischen Text mit der Septuaginta vergleichen, der griechischen Übersetzung, welche die Christen im ersten Jahrhundert verwendet haben, wenn sie griechisch sprachen.</p>
<blockquote>
<p><span>Πᾶς γὰρ ὃς ἂν <strong>ἐπικαλέσηται τὸ ὄνομα Κυρίου σωθήσεται</strong>. (Römer 10:13)</span></p>
<p><span><strong>καὶ ἔσται πᾶς ὃς ἂν ἐπικαλέσηται τὸ ὄνομα Κυρίου σωθήσεται</strong>· ὅτι ἐν τῷ ὄρει Σειὼν καὶ ἐν Ἰερουσαλὴμ ἔσται ἀνασωζόμενος, καθότι εἶπεν Κύριος, καὶ εὐαγγελιζόμενοι οὓς Κύριος προσκέκληται. (Joel 2:32 LXX)</span></p>
</blockquote>
<p>Auch wer nicht Altgriechisch kann, wird die Ähnlichkeit erkennen.</p>
<p>Die Bibel selbst gibt aber einen klaren Hinweis, und zwar von Petrus selbst in Apostelgeschichte 2:21</p>
<blockquote>
<p>Nein, es ist das, was Gott durch den <strong>Propheten</strong> <strong>Joël</strong> <strong>gesagt</strong> hat: … Aber <strong>jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet</strong>. (Apg. 2:16,21 NEÜ)</p>
</blockquote>
<div style="text-align: justify">Wir können also davon überzeugt sein, das auch Paulus hier aus Joel 3:5 (bzw. Joel 2:32 in englischen und griechischen Ausgaben) zitiert hat.</div>
<div style="text-align: justify">Haben wir damit einen Konflikt? Ist in Joel Gott JHWH gemeint und in Römer 13 wendet das Paulus auf Jesus an? </div>
<div style="text-align: justify">Möglicherweise gibt es noch eine andere Erklärung, die beide Text viel natürlicher in Einklang bringt. Betrachten wir noch einmal Joel 3:5 (Joel 2:32) genauer:</div>
<blockquote>
<p>Jeder aber, der den <strong>Namen des HERRN anruft</strong>, wird gerettet, denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem wird Rettung sein, <strong>wie der HERR es gesagt</strong> <strong>hat</strong>, und bei den Entronnenen, die der HERR ruft. (Joel 3:5 Züricher)</p>
<p>Aber jeder, der den <strong>Namen Jahwes anruft</strong>, wird gerettet, denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem wird es Rettung geben, <strong>wie Jahwe angekündigt hat</strong>. Gerettet sein wird der, den Jahwe beruft. (Joel 3:5 NEÜ)</p>
</blockquote>
<p>Warum spricht der HERR / Jahwe hier in der dritten Person von sich? Wenn hier der Nahme ‚Jahwe‘ gemeint ist, hätten wir dann nicht eher dies erwartet?</p>
<blockquote>
<p>Aber jeder, der <strong>meinen Namen</strong> anruft, wird gerettet, denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem wird es Rettung geben, wie Jahwe angekündigt hat. Gerettet sein wird der, den Jahwe beruft.</p>
</blockquote>
<p>Könnte es vielleicht sogar sein, dass auch in Joel 3:5 (Joel 2:32) ursprünglich dies stand?</p>
<blockquote>
<p>Aber jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet, denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem wird es Rettung geben, wie Jahwe angekündigt hat. Gerettet sein wird der, den Jahwe beruft.</p>
</blockquote>
<div style="text-align: justify">Dann wäre dies eine sehr zutreffende Prophezeiung gewesen, die sowohl Petrus als auch Paulus völlig korrekt als auf Jesus anwenden.</div>
<div style="text-align: justify">Warum könnte dies durchaus möglich sein? Die Übersetzer der <em>2001 Translation</em> begründen dies so:</div>
<blockquote>
<div>Gottes Name - fälschlicherweise im hebräischen Text wiederhergestellt?</div>
<p>Einige wörtliche Übersetzungen setzen den Namen Jehova/Yahwe an allen Stellen ein, an denen JHWH (יהוה) in den hebräischen masoretischen Texten vorkommt. Obwohl Jehovah/Yahweh im Alten Testament viele tausend Mal vorkommt, vermuten wir, dass es zu einem späteren Zeitpunkt fälschlicherweise etwa 112 Mal eingefügt wurde. Warum?<br /><br />Wir vermuten, dass die jüdischen Schriftgelehrten irgendwann in der Geschichte den göttlichen Namen aus ihren Schriftrollen entfernten und ihn durch ein Äquivalent von Herr ersetzten. Später haben die jüdischen Schreiber den göttlichen Namen wieder eingefügt. Leider haben sie ihn zu oft wieder eingefügt! Und warum? Weil sie nicht wussten, wann "Herr" ursprünglich "JHWH" bedeutete, oder wann "Herr" wirklich "Herr" hieß.<br /><br />Dieser Vers  ist eine der Stellen, von denen wir vermuten, dass ursprünglich Herr gesagt wurde.</p>
</blockquote>
<p>Es gibt noch eine ausführlichere Erklärung, die in diesem <a href="https://beroeans.info/community/postid/143/" target="_blank" rel="noopener">Artikel</a> zu finden ist.</p>
<p> </p>]]></content:encoded>
						                            <category domain="https://beroeans.info/community/roemer/">Römer</category>                        <dc:creator>φιλαλήθης</dc:creator>
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                    </item>
				                    <item>
                        <title>Römer 6:13 Werkzeuge oder Waffen?</title>
                        <link>https://beroeans.info/community/roemer/roemer-613-werkzeuge-oder-waffen/</link>
                        <pubDate>Wed, 04 Jan 2023 10:34:20 +0000</pubDate>
                        <description><![CDATA[In unserem Bibelkreis am 2.12.22 kam diese Frage auf: 

In Römer 6:13 übersetzten manche „Werkzeuge der Gerechtigkeit“ andere „Waffen der Gerechtigkeit“. Welche Bedeutung hat der Urtext?
...]]></description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p><span>In unserem Bibelkreis am 2.12.22 kam diese Frage auf: </span></p>
<blockquote>
<p><span>In Römer 6:13 übersetzten manche „Werkzeuge der Gerechtigkeit“</span><span> andere „Waffen der Gerechtigkeit“. Welche Bedeutung hat der Urtext?</span></p>
</blockquote>
<p>Diese Frage werden wir am 6.1.23 noch einmal ansprechen. Die Ergebnisse können wir dann hier sammeln.</p>]]></content:encoded>
						                            <category domain="https://beroeans.info/community/roemer/">Römer</category>                        <dc:creator>φιλαλήθης</dc:creator>
                        <guid isPermaLink="true">https://beroeans.info/community/roemer/roemer-613-werkzeuge-oder-waffen/</guid>
                    </item>
				                    <item>
                        <title>Der Gebrauch des Alten Testaments durch Paulus: Römer 9-11</title>
                        <link>https://beroeans.info/community/roemer/der-gebrauch-des-alten-testaments-durch-paulus-roemer-9-11/</link>
                        <pubDate>Sat, 08 Oct 2022 17:19:13 +0000</pubDate>
                        <description><![CDATA[(Dieser Beitrag beruht auf dem Gespräch zwischen Dr. Michael S. Heiser und Dr. Matt Halsted aus ‚The Naked Bibel Podcast‘).
Lehrer/in: Dr. Michael S. Heiser (MSH)Gastgeber: Trey Stricklin (...]]></description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p><span>(Dieser Beitrag beruht auf dem </span><a title="The Naked Bible Postdast" href="https://nakedbiblepodcast.com/wp-content/uploads/2022/04/NB-421-Transcript.pdf" target="_blank" rel="nofollow noopener">Gespräch</a><span> zwischen Dr. Michael S. Heiser und Dr. Matt Halsted aus </span><a title="The Naked Bibel Podcast" href="https://nakedbiblepodcast.com/episodes/" target="_blank" rel="nofollow noopener">‚The Naked Bibel Podcast‘</a><span>).</span></p>
<p>Lehrer/in: Dr. Michael S. Heiser (MSH)<br />Gastgeber: Trey Stricklin (TS)<br />Gast: Dr. Matt Halsted (MLH)</p>
<p><span style="font-size: 12pt"><strong>Zusammenfassung</strong></span></p>
<p style="text-align: justify">In den vorangegangenen Folgen haben wir gesehen, wie Paulus den alttestamentlichen Glauben, die Treue und das Halten der Tora im Licht des Werkes Jesu und seiner eigenen Begegnung mit dem auferstandenen Christus neu gestaltet. In dieser Folge schauen wir uns an, wie Paulus die Erwählung Israels im Licht von Christus als dem auferstandenen Messias neu kontextualisiert hat. Insbesondere werden wir uns ansehen, wie Paulus Hosea in Römer 9 verwendet und wie Paulus Hoseas Worte, die Gottes Erwählung Israels beschreiben, auch auf die Heiden überträgt und damit das Konzept der Erwählung umgestaltet.</p>
<p><span style="font-size: 12pt"><strong>Folge 3</strong></span></p>
<p style="text-align: justify"><strong>MSH:</strong> Matt Halsted ist wieder bei uns und erzählt, was Paulus in seinen neutestamentlichen Schriften mit dem Alten Testament macht, und dieses Mal bist du wirklich... Ich weiß nicht, ob du beißt... Mein Eindruck von Römer 9-11 ist, dass jeder, der hier arbeitet, mehr abbeißt, als er kauen kann . Da gibt es keine Ausnahmen. Wenn du das messianische Profil im Kopf hast, bin ich mir sicher, dass wir uns auf das konzentrieren, was Paulus mit dem Alten Testament macht und wie er die Dinge durch seine Begegnung mit Jesus umgestaltet und wie das mit den messianischen Spekulationen in der jüdischen Gemeinde vor Paulus oder vor Jesus übereinstimmt. Paulus ist in dieser Hinsicht Mainstream, aber er bietet auch neues Material, weil er alles durch seine Erfahrung mit dem auferstandenen Christus auf dem Weg nach Damaskus bricht. Matt, danke, dass du wieder bei uns bist, und was genau werden wir jetzt tun?</p>
<p style="text-align: justify"><strong>MLH:</strong> Ja, wir werden uns auf Römer 9 konzentrieren und nur ganz kurz in Römer 11 eintauchen. Und du hast recht, viele Leute neigen dazu, sich bei Römer 9-11 zu viel vorzunehmen, als sie verkraften können, oder? Das Interessante dabei ist, dass Römer 9 keine in sich geschlossene Einheit ist. Du brauchst Römer 11 und Römer 10 und wenn du Römer 9-11 gelesen hast, brauchst du natürlich auch Römer 2 und das ist einfach... Es ist so viel, aber wir werden unser Bestes tun, um den Fokus wirklich auf das Konzept der Erwählung zu beschränken. Und ich glaube, dass Paulus das Konzept der Erwählung auch christologisch umgestaltet. Wie wir schon in der letzten Folge gesagt haben, gibt es hier eine gewisse Frische, eine gewisse Neuheit, die aber nicht mit der alttestamentlichen Sichtweise unvereinbar ist. Das Gute an dieser Folge über Römer 9 ist, dass wir wissen, dass uns alle zustimmen werden, weil sich alle über Römer 9 einig sind, oder? (Gelächter)</p>
<p><strong>MSH:</strong> Genau.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>MLH:</strong> Das ist eine gute Nachricht, aber wie auch immer, also ja. In den letzten Folgen über die Römer haben wir darüber gesprochen, wie Paulus die Sprache des Glaubens, die Sprache der Tora, um die Annahmen und den Messias herum umgestaltet. Er hat auch die abrahamitische Geschichte um den Messias herum umgestaltet. Das haben wir in der letzten Folge gesehen. Und auch in dieser Folge geht es um eine weitere Umgestaltung, diesmal mit dem Konzept der Erwählung. Die Erwählung ist ein Konzept, das um Christus und das Volk Christi herum neu gestaltet wird.<br />Um das Ganze einzuführen, fangen wir am besten am Ende von Römer 9 an und kehren dann gleich zum Anfang zurück, aber um zu sehen, worum es hier geht, zitiert Paulus zwei Texte aus Hosea und Römer 9:25-26. Dieses Zitat ist ein ziemliches Rätsel, und unzählige Kommentatoren und Gelehrte haben sich dazu geäußert und versucht, es zu verstehen. Es gibt keine einheitliche Meinung und es macht Spaß, hier anzufangen. Ich werde diesen Abschnitt aus Römer 9:24-26 lesen und ihn dann erklären, damit du siehst, wo das Problem liegt. Okay, ich beginne also mit Vers 24. (Vers 24 beginnt übrigens auf typisch paulinische Weise mit einer Art Denkpause vom vorherigen Vers, aber wir fangen einfach hier an.) Er sagt:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">24 auch uns, die er berufen hat, nicht nur aus den Juden, sondern auch aus den Heiden? 25 Wie er in Hosea sagt: "Die, die nicht mein Volk waren, will ich 'mein Volk' nennen, und die, die nicht geliebt waren, will ich 'geliebt' nennen." 26 "Und an dem Ort, an dem zu ihnen gesagt wurde: 'Ihr seid nicht mein Volk', dort werden sie 'Söhne des lebendigen Gottes' genannt werden."</p>
</blockquote>
<div style="text-align: justify">Okay, das ist also nur ein kleiner Ausschnitt aus einem viel größeren Argument. Lass es mich kurz aufschlüsseln und erklären. Paulus argumentiert hier mit diesen Zitaten aus Hosea, dass... Er argumentiert damit, dass Heiden in die Familie des Neuen Bundes Gottes aufgenommen werden können. Die Art und Weise, wie diese Zitate aufgebaut sind, und der Kontext, in dem Paulus hier argumentiert, machen deutlich, dass es Paulus um die Heiden geht. Wenn er also Hosea zitiert, der sagt: "Ich will die, die nicht mein Volk sind, 'mein Volk' nennen und die, die nicht geliebt werden, 'geliebt'", dann benutzt Paulus das, um zu sagen: "Ich will die Heiden, die nicht mein Volk sind, 'du bist mein Volk' nennen." Er wendet diesen Text also auf die Heiden an. Jetzt kommt das Rätsel. Im ursprünglichen Kontext von Hosea, Kapitel 2, Kapitel 1... In diesem ursprünglichen Kontext bezieht Hosea diese Prophezeiung und diese Worte nicht auf die Heiden, sondern auf die rebellischen Stämme Israels. Im ursprünglichen Kontext prophezeit Hosea also, dass das abtrünnige Israel wieder in den Bund aufgenommen werden wird. Aber Paulus nutzt dies, um zu zeigen, dass er aus dem Text genauso viel herauslesen kann wie er hineinlesen kann. Okay? Und einige Vorschläge, die ich von Gelehrten gesehen habe, bringen diese beiden Bedürfnisse nicht optimal unter einen Hut. Okay, das ist also die erste Ansicht.<br />Die zweite Sichtweise besagt einfach, dass der Text von Hosea ursprünglich die Heiden einschließen sollte. Wenn Paulus ihn also später auf die Heiden anwendet, gibt es kein Problem. Das Problem bei dieser Sichtweise ist jedoch, dass sie so schwer zu belegen ist. Wir können zum Beispiel nicht wissen, was Hosea gedacht hat, und wir können nicht in seine Gedankenwelt hineinkriechen und die Ecken und Kanten seiner Gedanken untersuchen. Alles, was wir haben, ist sein Text, und der gibt uns keinen Anlass zu der Annahme, dass er die Einbeziehung der Heiden vorhersah. Er sprach von der Wiedereingliederung der Juden. Meiner Meinung nach ist die Behauptung, Hosea habe ursprünglich die Heiden einbeziehen wollen, so, als würde man sagen, dass die Stellen im Alten Testament, in denen von einem Maschiach oder Messias die Rede ist, sich alle auf Jesus beziehen, oder? Und wie wir in den letzten Folgen gesehen haben, wäre das ein Irrtum, wenn man das behaupten würde. Wir können nicht zurückgehen und den Kontext von Hosea unseren Erwartungen anpassen, nur weil wir ihn brauchen, oder? Damit müssen wir also vorsichtig sein. Der ursprüngliche Kontext muss in mehr als einer Hinsicht unser Leitfaden sein. Okay, aber... die Prophezeiung als Argument dafür, dass die Heiden zum ersten Mal in den Bund aufgenommen werden. Hier gibt es also Unterschiede zwischen dem ursprünglichen Kontext und dem von Paulus. Wie gehst du damit um? Wie ich bereits sagte, sind sich die Gelehrten uneinig und nicht sicher, was sie damit anfangen sollen. Ein Gelehrter sagt, dass Paulus einfach den falschen Vers gewählt hat, um für die richtige Sache zu argumentieren oder so ähnlich. Du hast also diese Ansicht, aber lass mich hier eine Art Rundgang durch die Ansichten machen, wie Gelehrte dies verstanden haben.<br />Die erste Ansicht ist ganz einfach: Paulus zwingt dem Text einseitig seine eigenen Annahmen auf, damit er das bedeutet, was er zu dieser Zeit will. Einige Gelehrte könnten... Ich denke da an einen Gelehrten, und dieser Gelehrte ist kein Relativist in dem Sinne, wie ich es vielleicht dargestellt habe. Er ist nicht der Meinung, dass Paulus den Text so interpretiert, wie er es möchte, sondern er sagt, dass Paulus diesen Text mit dem Bewusstsein des Neuen Bundes angeht. Das erlaubt es ihm, ihm eine neue Bedeutung zu geben. Okay, das ist interessant. Ich würde sagen, dass mir das zunächst einmal gefällt. Ich denke, dass es so etwas gibt. Aber das Problem mit dieser Sichtweise (und für mehr Kontext musst du mein Buch über seine Sichtweise lesen)... Das Problem mit dieser Sichtweise ist, dass sie nicht berücksichtigt, wie Paulus sich auf diesen Text als Grundlage für seine Argumentation beruft. Mit anderen Worten: Paulus scheint nicht einfach sein Bewusstsein für den Neuen Bund in den Text hineinzulesen, sondern er benutzt diesen Text, um für ein Bewusstsein für den Neuen Bund zu argumentieren. Er argumentiert aus dem Text heraus, richtig? Das muss also berücksichtigt werden. Ich meine, wie gesagt, es stimmt, dass ich glaube, dass Paulus christologische Annahmen in den Text hineinliest (darüber werden wir gleich noch sprechen), aber das kann keine Entschuldigung dafür sein, die Art und Weise zu ignorieren, wie Paulus den ursprünglichen Hosea-Text als Grundlage für seine Argumentation verwendet. Okay? Ich denke also, wir brauchen</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Ja, ich denke, wir müssen anerkennen, dass es kein Problem ist zu sagen, dass der ursprüngliche Kontext für diese alttestamentliche Passage die Apostelgeschichte war und dass sie sich im Laufe der Zeit erfüllt hat und Paulus sie benutzt, um zu sagen, warum. Er ist immer noch daran gebunden.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Richtig, sehr sogar.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Ich weiß nicht, ob ich mich gut ausdrücke, aber es ist kein Verbrechen, beides zu sagen.<br />beides.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Richtig, ja, ja, ja, wir können beides sagen, denke ich. Und wieder geht es darum, abzuwägen, was wir im ursprünglichen Kontext untersuchen und was Paulus in einem neuen Kontext tut. Und wir können diese beiden Dinge gegeneinander abwägen. Zumindest halte ich es nicht für klug, vorschnell zu dem Schluss zu kommen, dass Paulus einfach ein schlechter Leser der Schrift ist. Sobald wir uns mit einem Buch wie Römer oder Galater oder einem seiner Briefe beschäftigen, stellen wir fest, dass er tatsächlich ein sehr sorgfältiger Leser ist. Es gibt eine Strategie hinter seinen Interpretationen, eine Logik, einen Rhythmus und eine Kadenz in seinen Zitaten, die wir nicht erkennen, wenn wir einfach zu dem Schluss kommen. "Oh, sieh mal! Der Kontext sagt dies und dann tut Paulus dies." Wir werfen unsere Hände in die Luft und sagen: "Paulus ist ein schlechter Leser". Okay, gehen wir zurück und geben ihm den Vorteil des Zweifels. Und wenn es Daten gibt, die darauf hindeuten, dass er ein sorgfältiger Leser der Schrift ist, dann werden wir uns darauf verlassen. Und wie sich herausstellt, gibt es gute Daten, die das nahelegen.<br />Um noch einmal auf das Beispiel mit dem Messias zurückzukommen: Genau wie die Passagen im Alten Testament, in denen vom Messias die Rede ist, können wir sagen, dass Hoseas ursprünglicher Text immer noch zu einem Profil des Neuen Bundes beiträgt, genau wie die Messias-Texte zu einem messianischen Profil beitragen, auch wenn diese Messias-Texte nicht wirklich von einem Messias im Sinne der eschatologischen Endzeit sprechen. Wir wollen also dasselbe tun. Wir wollen sehen, wie der Hosea-Text hier zum Gesamtprofil des Neuen Bundes beiträgt, mit dem Paulus arbeitet.<br />Die nächste Ansicht wäre also Nummer drei. Paulus verwendet den Hosea-Text genau so, wie Hosea ihn verwendet hat - er bezieht sich auf die Juden und nicht auf die Nichtjuden. Damit wird das Problem entschärft, indem man sagt: "Okay, Paulus spricht hier nicht von Heiden. Er redet nur über die Juden. Er redet auch über ihre Wiedereingliederung. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber es scheint grammatikalisch nicht plausibel zu sein, wenn man bedenkt, wie der Hosea-Text in Römer 9,24 eingeführt wird und wie Paulus später (nur ein paar Verse später) Jesaja zitiert, um für die Eingliederung der Juden zu plädieren, und zwar ein paar Verse später. Es sieht also so aus, als ob Paulus Hosea benutzt, um für die Eingliederung der Heiden zu argumentieren, und unmittelbar danach Jesaja, um für die Eingliederung der Juden zu plädieren. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber ich möchte die Leserinnen und Leser ermutigen, diesen Abschnitt noch einmal zu lesen und zu sehen, wie Paulus das Ganze aufbaut. Es scheint mir ziemlich klar zu sein.<br />Okay, die vierte Möglichkeit wäre, zu sagen, was wir vorhin gesagt haben, dass Paulus einfach die falsche Stelle gewählt hat, um sein Argument vorzubringen. Und das habe ich bereits erwähnt. Ein Gelehrter hat vorgeschlagen, dass Paulus das Hosea-Zitat in Römer 11 hätte verwenden sollen, wo er für die Wiedereingliederung der Juden plädiert. Dieser Gelehrte sagt, dass Paulus einfach nur Mist gebaut hat. Er hat einen Fehler gemacht, indem er es hier in Römer 9 statt in Kapitel 11 einfügte, aber das Problem, das ich damit habe...</div>
<div style="text-align: justify"> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Ja, schieb es auf den ungeschickten Schreiber - den ungeschickten Amanuensis oder so.</div>
<div style="text-align: justify"><br />MLH: Richtig, ja, genau.</div>
<div style="text-align: justify"><br />MSH: Bei den Gelehrten des Alten Testaments ist das üblich. Wir sprachen immer über den<br />bündelnden Redakteur.</div>
<div style="text-align: justify"><br />MLH: Richtig, ja.</div>
<div style="text-align: justify"><br />MSH: Wenn es jemals ein Problem gibt, ist es seine Schuld.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Nur um die Bedenken derjenigen zu zerstreuen, die sie haben könnten: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass das hier passiert ist, wenn du dir alle Texte ansiehst. Aber mehr als das ist wirklich... Ich meine, das scheint einfach nicht plausibel zu sein. Es scheint nicht plausibel, dass Paulus seinen eigenen Fehler hier nicht bemerkt hat, denn es ist genau der Fehler, den einige moderne Gelehrte zu kennen behaupten. Und wie ich schon sagte, hat Paulus alle Merkmale eines sorgfältigen und sehr respektvollen Lesers der Schrift, dass ich einfach... Ich bezweifle sehr, dass er seinen Fehler hier nicht bemerkt hätte (falls es ein Fehler war), wenn man bedenkt, wie nahe Römer 9 und Römer 11 beieinander liegen und dass Römer 9 und 11 wirklich Hand in Hand gehen. Es scheint in der Gesamtargumentation keinen Sinn zu ergeben. Ich glaube einfach nicht, dass Paulus das getan hat. Auch hier möchte ich Paulus im Zweifelsfall den Vorzug geben. Ich möchte mir alle Daten ansehen. Ich möchte mir alle Textbelege ansehen, und wenn es dort etwas gibt, das einen Sinn für das ergibt, was Paulus tut, dann werde ich mich daran halten. Wenn es keine Daten gibt, die mir helfen, okay, dann könnte das logischerweise eine Option sein, aber ich habe das jahrelang erforscht und sehe es einfach nicht als Option. Ich glaube, die Leute sind zu schnell dabei. Ich möchte aber auch sagen, dass es eine Minderheitsmeinung ist, dass Paulus hier die falsche Bibelstelle gewählt hat. Die meisten Kommentatoren werden einen Weg finden, wie man das verstehen kann, okay? Ich möchte also nicht den Eindruck erwecken, dass diese Ansicht mehr Anhänger hat, als sie hat.<br />Die fünfte Sichtweise (und das ist eine interessante Sichtweise) ist die, dass Paulus hier nur ein Prinzip aufstellt und die ursprüngliche Bedeutung von Hosea nicht leugnet. Er zieht einfach nur ein Prinzip daraus ab. So wie Gott die Juden wieder einbeziehen kann, auch bekannt als Hosea.</div>
<div style="text-align: justify"><br />MSH: Mm hmm.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Nun, er kann auch die Heiden einbeziehen, weißt du? Und das verstehe ich. Mir gefällt dieser Gedanke, und ich glaube, dass etwas Wahres daran ist. Aber das Problem mit dieser Sichtweise ist, dass sie nicht die ganze Kraft des Zitats in seinem rhetorischen Kontext erfasst. Und das meine ich folgendermaßen: Paulus scheint Hosea hier so zu zitieren, dass er die Einbeziehung der Heiden voraussagt. Beachte noch einmal, wie er das Zitat selbst einleitet. Ich meine, die Zuhörer können das in Römer 9,24 nachlesen. Paulus scheint zu glauben, dass Hosea dies vorhersagt, oder so ähnlich. Und ein Gelehrter (ich glaube, es war Doug Moo in seinem Römer-Kommentar... Er wurde inzwischen für eine zweite Auflage überarbeitet. Ich weiß, dass er das in der ersten Auflage sagt) .... Er sagt, dass das Problem mit der prinzipiellen Sichtweise darin besteht, dass Paulus mehr als ein einfaches Prinzip braucht, um die Art von Behauptungen aufzustellen, die er aufstellt, richtig? Um überzeugend zu sein, denke ich, dass das der Fall ist. Ich glaube, dass Paulus mehr tut, als nur zu sagen: "Hey Leute, hier ist ein Prinzip, das wir uns ansehen können." Das Problem mit der prinzipiellen Sichtweise ist, dass Paulus damit eigentlich sagen will: "Leute, nur weil Gott etwas tun kann, tut er es auch." Nur weil Gott im Prinzip die Heiden berufen kann, heißt das nicht, dass er sie auch tatsächlich beruft, oder? Ich meine, nur weil Gott einen Planeten - einen fernen Exoplaneten - voller Einhorn-Leben machen kann, heißt das nicht, dass es tatsächlich einen Exoplaneten mit Einhorn-Leben gibt, oder? Es ist also kein überzeugendes Argument zu sagen, dass Gott, nur weil er prinzipiell etwas tun kann, es auch tatsächlich tut.</div>
<blockquote>
<div style="text-align: justify">Mein Fazit ist also, dass keiner dieser Vorschläge die hermeneutische Logik, nach der Paulus handelt, wirklich zu erfassen scheint. Einige dieser Ansätze kommen meiner Meinung nach der Sache schon sehr nahe und einige von ihnen sind auch nicht ganz falsch, aber letzten Endes denke ich, dass sie auf die eine oder andere Weise zu kurz greifen. Und ich denke, wir brauchen eine Hermeneutik, die alle Daten berücksichtigt. Und wie ich in meinem Buch sage (ich gebe es hier fast wörtlich wieder), brauchen wir eine Hermeneutik, die flexibel genug ist, um zu berücksichtigen, dass Paulus über die ursprüngliche Bedeutung von Hosea hinausgeht, die aber auch stabil genug ist, um Paulus nicht in einen Textrelativisten zu verwandeln, der meint, er könne die Bibel so deuten, wie er will. Oder anders ausgedrückt: Wir brauchen eine Erklärung dafür, wie Paulus seine Annahmen in den Text von Hosea hineinlesen kann, und eine Erklärung dafür, wie er sich auf den Text als Grundlage für seine Argumentation berufen kann. Wie kann Paulus das also tun? Wie kann er mit einem Text argumentieren, in den er Annahmen hineinliest? In meinem Buch gibt es einen ganzen Abschnitt darüber, wie das funktionieren könnte, aber wir werden uns nicht mit diesem philosophischen Zeug beschäftigen.<br />Aber für unsere Zwecke heute möchte ich einfach den gleichen geschichtlichen Ansatz anbieten, über den wir jetzt schon in vielen Episoden gesprochen haben - dass ich denke, dass Paulus Hosea als Teil der Gesamtgeschichte Israels als Rettungsplan für die Welt liest. Es ist die Geschichte Israels, die auch sagt, dass Israel selbst gerettet werden muss und der Gnade bedarf. Ich glaube, Paulus wird sogar darlegen, dass Israel selbst schon immer der Gnade bedurfte - dass sogar seine Erwählung, seine Berufung, auf Gnade beruhte. Aber ich glaube, für Paulus wird der Begriff "Israel" zu einem Begriff, der einfach nur die Einheit bezeichnet, die aus Gnade auserwählt ist, und deshalb glaube ich nicht, dass Israel sich rühmen kann. Paulus schließt das Rühmen aus. Israel kann sich nicht rühmen. Und auch die Heiden, die in Christus sind, können mit Recht behaupten, dass sie auserwählt sind, aber auch sie können sich nicht rühmen, weil sie genauso wie Israel durch Gnade dazugehören. Wenn wir diesem Gedankengang folgen, können wir besser verstehen, warum Paulus Hosea auf diese Weise zitiert.<br />Okay, wir haben also dieses Rätsel eines Zitats geklärt. Gehen wir nun zurück zum Anfang von Römer 9 und schauen wir uns an, wie Paulus die Geschichte Israels liest und wie er sie christologisch umgestaltet. Diese beiden Dinge müssen wir im Hinterkopf behalten, wenn wir fortfahren. Er erzählt die Geschichte Israels und seiner Erwählung neu, und er tut es christologisch und er endet christologisch. Okay, lasst mich Römer 9:1-5 lesen. Das ist die Einleitung zu diesem Text. Paulus sagt:</div>
</blockquote>
<div style="text-align: justify"> </div>
<blockquote>
<div style="text-align: justify">Ich spreche die Wahrheit in Christus - ich lüge nicht; mein Gewissen gibt mir Zeugnis im Heiligen Geist - 2 dass ich großen Kummer und unaufhörliche Qualen in meinem Herzen habe. 3 Denn ich könnte mir wünschen, dass ich selbst verflucht und von Christus abgeschnitten wäre um meiner Brüder willen, meiner Verwandten nach dem Fleisch. 4 Sie sind Israeliten, und zu ihnen gehören die Adoption, die Herrlichkeit, die Bündnisse, die Gesetzgebung, der Gottesdienst und die Verheißungen. 5 Zu ihnen gehören die Patriarchen, und aus ihrem Geschlecht stammt nach dem Fleisch der Christus, der Gott über alles ist, gesegnet in Ewigkeit. Amen.</div>
</blockquote>
<div>Ich möchte nur kurz darauf hinweisen, dass Paulus eine hohe Meinung von Israel hat - vom ethnischen Israel. Er hat eine sehr hohe Meinung von ihnen. Sie sind privilegiert, weil ihnen die Bündnisse anvertraut wurden. Das haben wir gerade gelesen. Durch sie kam der Messias, und von nun an erteilt Paulus allen seinen Lesern eine Geschichtsstunde darüber, wie es dazu kam, dass Israel überhaupt gewählt wurde. Und er wird sagen, dass sie aus Gnade auserwählt wurden und nicht aufgrund von Werken der Thora. Und hier kommen wir zum nächsten Abschnitt, Römer 9:6-13. Paulus sagt hier:</div>
<blockquote>
<div style="text-align: justify">6 Aber es ist nicht so, als ob das Wort Gottes versagt hätte. Denn nicht alle, die von Israel abstammen, gehören zu Israel, 7 und nicht alle sind Kinder Abrahams, weil sie seine Nachkommen sind, sondern "Durch Isaak sollen eure Nachkommen genannt werden."</div>
</blockquote>
<div>Und das hier ist ein Zitat aus dem Alten Testament. Dann fährt er fort. Paulus sagt:</div>
<blockquote>
<div style="text-align: justify">8 Das bedeutet, dass nicht die Kinder des Fleisches die Kinder Gottes sind, sondern die Kinder der Verheißung werden als Nachkommenschaft gezählt. 9 Denn so steht es in der Verheißung: "Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich wiederkommen, und Sara wird einen Sohn haben."</div>
</blockquote>
<div>(Ein weiteres Zitat aus dem Alten Testament.)</div>
<div style="text-align: justify">Lass mich also kurz erklären, was Paulus hier tut. In dem Text, den wir gerade gelesen haben, begründet Paulus das Erbe Isaaks aus dem abrahamitischen Bund mit der göttlichen Verheißung. Und wenn du die Geschichte kennst, hätte Isaak eigentlich nie geboren werden dürfen, natürlich gesprochen. Seine Geburt war ein Wunder und wurde durch die göttliche Verheißung herbeigeführt. Und Paulus legt dies so aus, dass auch Abrahams Kinder nicht auf eine natürliche Abstammung zurückgeführt werden sollten. Es gibt also ein übernatürliches Element in dem, was es bedeutet, ein Kind Gottes zu sein. Was Paulus hier tut, ist ein Hinweis auf die Einbeziehung der Heiden durch Christus. Das tut er, aber er sagt es noch nicht wirklich, aber er geht in diese Richtung. So wie Isaak durch Abraham und Sara auf übernatürliche Weise und ohne Rücksicht auf natürliche Anstrengung in dem Sinne, wie wir denken, zustande kam, sondern durch ein göttliches Wunder. Paulus sagt also, dass wir die ethnische Zugehörigkeit nicht überstrapazieren sollten... Wir sollten die Wahl auch nicht auf die ethnische Zugehörigkeit (auf die natürliche Abstammung) stützen. Es geht um Gottes Verheißung und Gottes gesprochenes Wort, das die Erwählung definiert. <br />Gleich danach erzählt Paulus die Geschichte von Isaaks eigenen Kindern, Jakob und Esau. Und die Frage, die wir uns in diesem Text stellen müssen, ist, wer von ihnen die Verheißung des Bundes erhalten wird. Und die Antwort ist wirklich überraschend, denn in den Versen 10, 11, 12 und 13 heißt es:</div>
<div> </div>
<blockquote>
<div style="text-align: justify">10 Und nicht nur das, sondern auch als Rebekka von einem Mann, unserem Vorfahren Isaak, Kinder gezeugt hatte, 11 obwohl sie noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten - damit Gottes Absicht der Auserwählung bestehen bleibt, nicht wegen der Werke, sondern wegen dessen, der beruft - 12 wurde ihr gesagt: "Der Ältere wird dem Jüngeren dienen." 13 Wie es geschrieben steht: "Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst."</div>
</blockquote>
<div style="text-align: justify">Paulus setzt also die übliche Art und Weise fort, die jüdische Geschichte zu erzählen. Nicht Esau, sondern Jakob erhält die Verheißungen und den Bund Abrahams, aber das ist wirklich bemerkenswert. Ich meine, das ist wirklich bemerkenswert, weil Jakob nicht der Erstgeborene war. Seine Geburt und seine Abstammung, ein Zweitgeborener, gaben seinem Bruder Esau den Vorrang. Esau war der Erstgeborene. Jakob (und wir sollten uns übrigens merken, dass Jakob eigentlich Israel heißt - sein Name wird später in Israel geändert) und damit auch Israel ist der Zwerg der Familie, oder? Und doch hatte Gott einen Plan, eine Absicht, um Jakob und Israel zu Empfängern des Bundes zu machen. Bevor er irgendwelche Werke oder die Thora erfüllen konnte, wurde er auserwählt. Gott hat seine Bundesliebe auf Jakob gerichtet, nicht auf Esau.<br />Ich weiß, dass wir hier Millionen von Kaninchenpfaden verfolgen könnten, aber ich möchte hier etwas über den Text aus Maleachi sagen, in dem es heißt: "Gott hasste Esau." Wir haben das schon in unserer Malachi-Folge angesprochen, aber es lohnt sich, es hier noch einmal zu sagen. Wenn es heißt, dass Gott Esau gehasst hat, sollten wir das nicht im Sinne eines emotionalen Hasses verstehen, wie wir vielleicht denken. Wir sollten das eher im Hinblick auf den Bund verstehen, nicht im Sinne von persönlichem Hass. Ich denke, das ist in vielerlei Hinsicht übertrieben. Es ist eine absichtliche Übertreibung, um einen Punkt zu machen. Ein Text, den ich hier als Parallele heranziehen könnte, ist, dass niemand denkt, dass, wenn Jesus sagt: "Wenn jemand zu mir kommt und nicht seinen eigenen Vater und seine Mutter, seine Frau und seine Kinder, seine Brüder und Schwestern, ja, sogar sein eigenes Leben hasst, dann kann er nicht mein Jünger sein." Niemand denkt, dass Jesus mit "hassen" tatsächlich "hassen" meint, oder? Das ist eine Übertreibung - eine absichtliche Übertreibung. Ich glaube also nicht, dass Gott Esau buchstäblich hasst. Auch darüber haben wir in der Malachi-Episode gesprochen, aber Paulus zitiert hier aus Genesis 25. Wenn du dir den Text ansiehst, werden Jakob und Esau eindeutig als Nationen bezeichnet. Das Gleiche gilt für das Zitat aus Maleachi: "Jakob habe ich geliebt, Esau habe ich gehasst." Hier geht es um Nationen und nationale Wahlen. Es geht nicht um Einzelpersonen, richtig?</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Er tut ziemlich schlecht daran, sie zu hassen, wenn es am Ende sowieso darum geht, sie zu erlösen.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Ganz genau. In dem Moment, in dem wir den Fokus auf einzelne Menschen und Gottes persönlichen Hass verengen, haben wir es versäumt, die größere Geschichte, die erzählt wird, zu verstehen. Und wir müssen die größere Metaerzählung, über die wir schon oft gesprochen haben, zulassen... Wir müssen uns beim Lesen von ihr leiten lassen. Wenn wir das nicht tun, fangen wir schnell mit dem falschen Fuß an. Meine Meinung hier (und ich weiß, dass mir jetzt alle zustimmen werden )... Aber Pauls Punkt hat wirklich nichts mit der individuellen Wahl zu tun. Das sind moderne Debatten. Ich glaube, Paulus' Argumentation ist viel tiefgründiger. Ich glaube, er will damit sagen, dass Israel, wie unsere Vorfahren (Abraham, Isaak, Jakob), keinen Grund hat, sich zu rühmen. Sie waren ein Nichts, als Gott sie zu ihrer Berufung erwählte, der Rettungsplan für die Welt zu sein.<br />Und besonders in Jakobs Fall wird Israel daran erinnert... Israel (die Nation) wird daran erinnert, dass sie die Zweitgeborene ist. Weißt du, sie ist nicht... Aufgrund ihrer Abstammung befindet sie sich nicht in einer privilegierten Position. Und ich glaube, Paulus macht hier eine subtile Andeutung mit einem Augenzwinkern. Er sagt, dass Israel sich jetzt nicht rühmen sollte, vor allem nicht gegenüber seinen heidnischen Kollegen. Nur weil die Heiden in der zweiten Reihe nach Israel stehen - na und? Heißt das, dass sie nicht in den Bund Gottes eingeschlossen sind? Nein, nein, nein, nein. Denn das war bei Israel der Fall. Israel war der Zweitgeborene. Sie war der Zwerg, wisst ihr. Es geht hier also darum, dass Gott mit seinem Bund und seiner Barmherzigkeit tun kann, was er will. Er kann Barmherzigkeit und Erbarmen über die Heiden bringen, wenn er es so will. Es ist seine Barmherzigkeit. Er kann Heiden in die Berufung der Erwählung rufen, wenn das sein Plan ist. Wie sich herausstellt, ist das sein Plan, aber er kann tun, was er will, und das ist das Thema des nächsten Abschnitts. Es wird ziemlich verworren, wenn du anfängst, das außerhalb des geschichtlichen Ansatzes zu sehen, den wir erarbeitet haben, aber ich möchte es trotzdem lesen, weil... Ich lese ihn einfach vor und werde ihn noch einmal kommentieren, aber hier steht in Römer 9:14-21, dass Gott mit seiner Barmherzigkeit tun kann, was er will. Also lasst es uns lesen. Hier steht:</div>
<blockquote>
<div style="text-align: justify">14 Was sollen wir dann sagen? Gibt es eine Ungerechtigkeit von Seiten Gottes? Ganz und gar nicht! 15 Denn er sagt zu Mose: "Ich will mich erbarmen, über wen ich mich erbarme, und ich will mich erbarmen, über wen ich mich erbarme." 16 Es kommt also nicht auf den menschlichen Willen oder die Kraftanstrengung an, sondern auf Gott, der sich erbarmt. 17 Denn die Schrift sagt zum Pharao: "Gerade dazu habe ich dich erweckt, damit ich meine Macht an dir zeige und damit mein Name auf der ganzen Erde verkündet wird." 18 So lässt er Gnade walten, wem er will, und er verhärtet, wen er will.<br />19 Ihr werdet dann zu mir sagen: "Warum findet er noch Schuld? Denn wer kann seinem Willen widerstehen?" 20 Aber wer bist du, o Mensch, dass du Gott antworten kannst? Wird das Geformte zu seinem Gießer sagen: "Warum hast du mich so gemacht?" 21 Hat der Töpfer kein Recht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zum ehrenvollen Gebrauch und ein anderes zum unehrenhaften Gebrauch zu machen?</div>
</blockquote>
<div style="text-align: justify">Okay, ich will hier nicht zu sehr einem Kaninchenpfad hinterherlaufen, aber ich muss es ansprechen. Auch hier möchte ich mich nicht in die Debatten des zweiten Jahrhunderts oder der Neuzeit über freien Willen und Determinismus einmischen. Ich glaube nicht, dass Paulus hier eine deterministische Sicht der individuellen Erwählung vertritt. Ich denke, der Schwerpunkt liegt immer noch auf der nationalen Erwählung. Und nebenbei bemerkt: Wenn wir das nicht sehen, werden wir auch nicht verstehen...</div>
<div style="text-align: justify"><br />MSH: Könntest du sagen, der Schwerpunkt liegt auf der Berufswahl?</div>
<div style="text-align: justify"><br />MLH: Ja, das ist ein besserer Begriff. Ich sagte immer nationale Wahl, aber Berufswahl ist besser. Das ist ein guter Punkt, Mike, denn wenn wir das nicht als nationale oder berufliche Erwählung sehen, sind wir später nicht auf dem richtigen Weg, um die Hosea-Passagen zu verstehen, in denen die Heiden zu den Auserwählten gehören, oder?</div>
<div style="text-align: justify"><br />MSH: Ja, Gott ist immer noch dabei, den Rettungsplan zu verwirklichen.</div>
<div style="text-align: justify"><br />MLH: Genau.</div>
<div style="text-align: justify"><br />MSH: Und das wird durch Israel geschehen, aber nicht ganz Israel ist Israel, weißt du.</div>
<div style="text-align: justify"><br />MLH: Genau. Und genau hier kommt Römer 11 ins Spiel. Die Art und Weise, wie Gott in seiner Weisheit all das tut, ist bemerkenswert, aber das verschieben wir auf ein paar Minuten später. Aber ich denke, der Schwerpunkt liegt immer noch auf der Berufungswahl, und ich denke, ein Beweis dafür ist das Motiv der Verstockung. Ich glaube nicht, dass die Abhärtung des Pharao... Ich glaube nicht, dass sie in dem Sinne deterministisch ist, wie wir denken. Und Mike, vielleicht hast du dazu mehr zu sagen als ich, aber der ursprüngliche Kontext der Verhärtung des Pharaos in Exodus scheint nicht von einer einseitigen Verhärtung durch Gott zu sprechen. Ich meine, es ist klar, dass Gott Pharao verhärtet, aber ich glaube nicht, dass es nur Gott in diesem Sinne ist. Ich glaube, Pharao ist von Anfang an ein ziemlich hartherziger Kerl.</div>
<div style="text-align: justify"><br />MSH: Ja, ich meine, als wir Exodus durchgenommen haben, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Gott bereits wusste, was dieser Kerl wollte.</div>
<div style="text-align: justify"><br />MLH: Mm hmm.</div>
<div style="text-align: justify"><br />MSH: Er kannte den Zustand seines Herzens schon, denn es gibt Hinweise dass er sich verhärtet hat.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Ganz genau.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Pharao war der Typ, der er in der Exodus-Geschichte war, schon lange und Gott wusste es.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Genau. Das ist genau richtig. Und ich denke, Paulus gibt uns vielleicht einen Einblick, wie Verhärtung überhaupt funktioniert. Ich meine, meiner Meinung nach... Vielleicht kann jemand darüber diskutieren, aber meiner Meinung nach müssen wir nicht darüber spekulieren, was Paulus mit Verstockung meint, denn in Römer 1, ganz am Anfang des Buches, sagt er uns, wie es funktioniert. Verstockung ist Gottes Art, auf eine anhaltende, vorsätzliche Rebellion zu reagieren. Deshalb wird Gott sagen... In Römer 1 sagt er: "Weil sie dies und jenes getan haben, hat Gott sie ihrem rebellischen Herzen und ihrem verdorbenen Geist überlassen. Die Verhärtung ist Gottes Art, den freien Willen eines Menschen nicht außer Kraft zu setzen, sondern ihn sogar zu bestätigen und zu bekräftigen, oder? Er gibt ihnen, was sie wollen, was manchmal nicht gerade eine gute Sache ist.<br />Interessanterweise ist diese Sichtweise der Verstockung sogar mit dem Bild der Töpferei vereinbar, das Paulus später verwendet. Paulus verwendet es in dem Abschnitt, den wir gerade gelesen haben, in dem es darum geht, dass Gott alles tun kann, was er will; er ist der Töpfer und wir sind der Ton, richtig? Nun, Paulus hat das nicht aus der Luft gegriffen. Das ist ein Konzept, das aus Jeremia 18 stammt. Und wenn du Jeremia 18 noch einmal liest, denke ich, dass das Bild vom Töpfer gegen eine calvinistische, deterministische Sichtweise spricht, denn im Kontext von Jeremia 18 formt und gestaltet Gott die Menschen aufgrund ihrer Entscheidung. Ich meine, es ist in diesem Zusammenhang ziemlich klar, was Gott tut. Er beginnt damit, dass er sagt: "Wenn das Volk dies tut und Buße tut, dann werde ich dies tun. Ihr wisst schon: "Ich habe euch zum Verderben bestimmt, aber wenn ihr umkehrt, werde ich mich eurer erbarmen. Es ist also wirklich interessant. Ich möchte die Zuhörer ermutigen, Paulus im Lichte von Jeremia 18 zu lesen.<br />Das Letzte, was ich dazu sagen möchte, ist, dass ich nicht glaube, dass das Konzept der Verstockung hier ewig ist. Paulus ist diesbezüglich in Römer 11 sehr klar. Ich denke, Israels Verstockung... Erstens wird hier von der Gemeinschaft gesprochen, nicht von einzelnen Menschen. Aber die Verstockung Israels ist vorübergehend. Und in der Theologie des Paulus können die Verstockten offenbar immer noch gerettet werden. Es handelt sich nicht um die ewige Verwerfung, die wir oft in einigen der calvinistischen Konzepte sehen. Calvinisten sprechen oft von der Erwählung zum Heil, aber das Gegenteil davon ist die sogenannte dunkle Seite des Calvinismus, die von ewiger Verwerfung und göttlicher Verstockung für die Ewigkeit spricht, oder? Sobald wir diesen Weg einschlagen, befinden wir uns außerhalb dessen, was Paulus tut, denn Paulus spricht nicht von ewiger Verwerfung. Wenn er über den Zeitpunkt und das Ausmaß der Verwerfung hier oder der Verstockung spricht, nennt er sie vorübergehend, oder? Ich denke, dass hier noch etwas anderes vor sich geht, aber wir wollen nicht weiter darauf eingehen. In Römer 9,21 geht er weiter bis, ich glaube, zu Vers 26. Paulus sagt:</div>
<blockquote>
<div style="text-align: justify">21 Hat der Töpfer kein Recht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zum ehrenhaften Gebrauch und ein anderes zum unehrenhaften Gebrauch zu machen? 22 Was ist, wenn Gott, der seinen Zorn erweisen und seine Macht kundtun wollte, mit großer Geduld Gefäße des Zorns ertragen hat, die zum Verderben bestimmt waren, 23 um den Reichtum seiner Herrlichkeit an Gefäßen der Barmherzigkeit kundzutun, die er im Voraus zur Herrlichkeit bestimmt hat, 24 nämlich uns, die er berufen hat, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden? 25 Wie er in Hosea sagt: "Die, die nicht mein Volk waren, werde ich 'mein Volk' nennen und die, die ich nicht geliebt habe, werde ich 'Geliebte' nennen." 26 "Und an dem Ort, an dem zu ihnen gesagt wurde: 'Ihr seid nicht mein Volk',' dort werden sie 'Söhne des lebendigen Gottes' genannt werden."</div>
</blockquote>
<div style="text-align: justify">Hier ist also unser Text, mit dem wir begonnen haben. Wenn Paulus zu diesem Abschnitt um 35:00 Uhr kommt, werden seine jüdischen Leserinnen und Leser ihm wahrscheinlich zustimmen.<br />mit ihm übereinstimmen, aber nur bis zu dem Punkt, an dem er Hosea zitiert. Denn die Bedeutung, die er diesen Zitaten gibt, wie wir besprochen haben, wäre wahrscheinlich umstritten gewesen, denke ich. Ich denke, dass Paulus' Auslegungslogik für die Hosea-Zitate und die Bedeutung, die er darin findet, auf seiner Christologie beruht, und ich denke, das ist der entscheidende Faktor (dazu kommen wir gleich noch). Aber was ich damit sagen will, ist, dass Paulus zumindest bei seinen jüdischen Lesern die Alarmglocken läuten lässt und sagt: "Okay, was machst du da, weil... Wenn sie mit dem Kontext vertraut wären, wüssten sie, dass es hier um Juden geht. Du weißt schon: "Wir waren bis zu diesem Punkt mit dir, Paulus. Ja, wir wurden durch die Gnade auserwählt und so weiter, aber was genau ist hier los?" Aber das werden wir gleich sehen. Es liegt an seiner Christologie. Es liegt an dem, was er bereits über Jesus glaubt. Er glaubt, dass Jesus die Erfüllung all dieser messianischen Erwartungen ist, und er glaubt auch, dass jeder, der mit Christus verbunden ist, als im Bund stehend betrachtet werden kann - das heißt, als gerecht.<br />Okay, ich möchte, dass du dir die nächste Stelle ansiehst. Sie stammt aus Römer 9,27 und reicht bis zu Kapitel 10, Vers 4. Okay, lasst es mich lesen. Hier steht:</div>
<blockquote>
<div style="text-align: justify">27 Und Jesaja ruft über Israel aus: "Wenn auch die Zahl der Söhne Israels so groß ist wie der Sand am Meer, so wird doch nur ein Rest von ihnen gerettet werden, 28 denn der Herr wird sein Urteil über die Erde vollstrecken, ohne zu zögern." 29 Und wie Jesaja vorausgesagt hat, "Wenn der Herr der Heerscharen uns nicht Nachkommen hinterlassen hätte, wären wir wie Sodom gewesen und wie Gomorra geworden." 30 Was sollen wir also sagen?</div>
</blockquote>
<div>Hör dir diesen Teil an.</div>
<blockquote>
<div style="text-align: justify">Dass die Heiden, die nicht nach der Gerechtigkeit strebten, sie erlangt haben, nämlich eine Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt; 31 dass aber Israel, das nach einem Gesetz strebte, das zur Gerechtigkeit führen sollte, es nicht geschafft hat, dieses Gesetz zu erreichen. 32 Warum? Weil sie es nicht durch den Glauben erlangt haben, sondern so, als ob es auf Werken beruht. Sie haben sind über den Stein des Anstoßes gestolpert, 33 wie es geschrieben steht, "Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Ärgernisses; und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden."</div>
</blockquote>
<div style="text-align: justify">Das ist das Zitat aus Jesaja. Dann fährt er in Kapitel 10 fort. Paulus sagt:</div>
<div> </div>
<blockquote>
<div style="text-align: justify">Brüder, mein Herzenswunsch und mein Gebet zu Gott für sie ist, dass sie gerettet werden. 2 Denn ich bezeuge ihnen, dass sie zwar nach Gott eifern, aber nicht nach der Erkenntnis. 3 Denn da sie die Gerechtigkeit Gottes nicht kannten und ihre eigene aufrichten wollten, haben sie sich nicht der Gerechtigkeit Gottes unterworfen. 4 Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt.</div>
</blockquote>
<div style="text-align: justify">Lasst mich nun erklären, was wir gerade gelesen haben. Laut Paulus sind die Heiden in den Bund aufgenommen worden, denn er sagt, dass sie durch den Glauben den Status eines Bundesmitglieds erlangt haben. Israel hingegen nicht. Es hat ihn nicht durch den Glauben erlangt, und damit sind die Heiden in der gleichen Lage wie Abraham, Isaak und Jakob. Genau wie Abraham werden die Heiden also durch den Glauben in den Bund aufgenommen. Darüber haben wir bereits gesprochen. Es wäre also seltsam, die Heiden aus dem Bund auszuschließen, wenn sie in Wirklichkeit nichts anderes tun als die Patriarchen - nämlich an Jahwe und seine Taten glauben. Aber auch hier ist es gut, uns daran zu erinnern, dass die Worte "Glauben" und "gläubig sein" auf Seiten der Heiden immer christologisch orientiert sind. Mit anderen Worten: Sie sind nur dabei, weil sie mit Christus verbunden sind. Und das ist der Grund, warum viele Juden es nicht geschafft haben, wahre Bundesmitglieder zu werden. Sie haben das messianische Wirken Jesu nicht anerkannt. Paulus' christologische Auslegung der Steinstelle in Jesaja, die wir gerade gelesen haben, ist die Grundlage für seine gesamten Überlegungen hier. Für Paulus beruht die Zugehörigkeit zum Bund auf der Reaktion einer Person auf das Christusereignis.<br />Erinnert euch an die Jesaja-Stelle: "Ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Ärgernisses, und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden." Die dort zitierten Stellen aus Jesaja werden von Paulus messianisch und christologisch interpretiert. Wenn du also im Bund sein willst, dann musst du etwas mit Christus machen: Du musst an ihn glauben. Und wenn du nicht an ihn glaubst, wirst du nicht im Bund sein. Deshalb sage ich gerne, dass der Messias (der Christus des Paulus) die Achse ist, um die sich die Verheißungen des Bundes drehen. Alles dreht sich um den Christus. Alles wird um Christus herum neu gestaltet, sogar das Konzept der Erwählung.</div>
<div style="text-align: justify">Wenn wir uns all das vor Augen halten, können wir sehen, wie Paulus den Abschnitt aus Hosea rechtmäßig auf die Heiden anwenden kann. Nicht, weil Hosea sie unbedingt mit einschließen wollte, sondern weil gläubige Heiden durch ihre Aufnahme in Christus zu Israel geworden sind, so dass sie legitimerweise der Bezugspunkt für die Hosea-Stelle sein können.<br />In gewisser Weise geht Paulus also über Hosea hinaus. Er gibt dem Text eine neue Bedeutung. Und es wäre für die jüdischen Leserinnen und Leser schockierend gewesen, als sie diesen Teil von Römer 9 lasen, aber Paulus läuft keineswegs gegen den Strich der Geschichte der Heiligen Schrift. Erinnere dich, die Geschichte der Schrift ist das, was wir die ganze Zeit gesagt haben - dass 1) die Menschheit gerettet werden muss und 2) Abrahams Familie aus Gnade in den Rettungsplan aufgenommen wurde, um gesegnet zu werden und ein Segen für die Völker zu sein. 3) Aber Israel kann die Welt nicht retten, weil sie gerettet werden muss. 4) Gott rettet Israel, indem er einen wahren Israeliten hervorbringt - den Messias, den Zweig, den Diener, den Boten. Und Paulus glaubt, dass dieser Messias Jesus von Nazareth ist. Er ist derjenige, der die Nationen segnet und rettet. Er segnet und rettet Israel, denn es ist nicht nur Abrahams Familie, die die Welt retten wird, sondern auch der Knecht Jesajas, der Israel retten wird. Das ist eine sehr wichtige Sache hier. Und das ist sehr wichtig: Jeder, der für Paulus im Messias ist... Jeder, der im Messias ist, darf an diesem Rettungsplan teilnehmen.<br />Ich schließe mit einem kleinen Gedanken zu diesem Thema. Was meint er damit? Wie kann jeder an dem Rettungsplan teilnehmen? An dieser Stelle können wir kurz zu Römer 11 springen, denn wir sehen, dass Paulus davon ausgeht, dass jeder am Rettungsplan teilhaben kann, wenn er in Christus ist. In Römer 11 sagt Paulus, dass die Verstockung der Juden (ihre Ablehnung des Messias) ironischerweise die Einbeziehung der Nationen bewirkt hat. Mit anderen Worten, Paulus sagt, dass ihr Ungehorsam den Völkern einen Segen gebracht hat. Und diese Heiden, die an Christus glauben, werden am Ende durch ihre Einbeziehung in den Bund... Am Ende treiben sie Israel zur Eifersucht und werden deshalb wieder in den Bund aufgenommen. Diese christlichen Heiden (das wahre Israel) segnen das ethnische Israel, indem sie es wieder in den Bund aufnehmen, und so wird ganz Israel gerettet. Auf diese Weise wird Israel zu dem, was Abraham in Genesis 12 versprochen wurde - dass Israel sowohl gesegnet wird als auch ein Segen sein wird. Damit ist der abrahamitische Bund erfüllt. Paulus präsentiert also ein neu gestaltetes Konzept der Erwählung. Es ist christologisch umgestaltet und steht im Einklang mit dem geschichtlichen Ansatz der Heiligen Schrift. So verstehe ich das, was hier vor sich geht.</div>
<div style="text-align: justify"><br />MSH: Würdest du immer noch sagen, dass Israel für Paulus in Römer 9-11 an manchen Stellen mehr als eine Bedeutung hat?</div>
<div style="text-align: justify"><br />MLH: Ja, das tue ich. Ja, das stimmt. Manchmal bezieht es sich auf das ethnische Israel. Manchmal bezieht es sich auf das geistliche ...</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Ja, weil er fast... Paulus droht der Gemeinde (der beschneidungsneutralen Gemeinde) fast mit der gleichen Verstockung und Abwendung... Du weißt schon, hypothetisch, dass die Kirche sich auch nicht rühmen sollte, sonst könnte ihr das Gleiche passieren.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Ganz genau. Ja, genau. Das ist genau richtig. Sie haben keinen Grund, sich zu rühmen, denn sobald sie Paulus' Argument sehen, dass Israel nicht so heilig ist, wie es vielleicht dachte, und dass es in Wirklichkeit der Zwerg ist... Wenn sie diesem Argument folgen, dann könnten die Heiden sagen: "Na, sieh uns doch an. Wir sind ja auch eingepfropft.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Ja.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Wir sind nicht ins Exil gegangen und wir... Nun, Paulus hat deutliche Worte zu sagen: "Ähm, wartet mal ab. Denkt daran, dass ihr eingepfropft seid, das ist etwas, das einfach... Du bist doch eingepfropft worden, oder? Du gehörst nicht zu der ursprünglichen Wurzel."</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Ja.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Und wenn das der Fall ist, kannst du ziemlich leicht abgehackt werden .</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Und wenn du die Gruppe, die eingepfropft wurde, mit "Israel" vergleichst, dann musst du dich in gewisser Weise auf das nationale Israel beziehen.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Ja, denn er spricht von... MSH: Es ist ein Sowohl-als-auch.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Es ist ein Sowohl-als-auch, und er spricht von der nährenden Wurzel des Ölbaums, und zwar in Römer 11,17. Ich verstehe das so, dass es eine Wurzel gibt, die vielleicht etwas mit dem abrahamitischen Bund zu tun hat, dem ersten Bund (Abraham in Genesis 12)... und dann gibt es das, was daraus wächst...</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Die davidische Sprache, aber die davidische Sprache wird sowieso mit der abrahamitischen Sprache verheiratet.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Stimmt, absolut, ja. Und sie beinhaltet all diese Verheißungen, denn auch David steht in der gleichen Linie, oder? Wir haben bereits darüber gesprochen, wie Gott alles eingrenzt, nicht nur durch Israel, sondern auch durch Davids Familie. Es gibt also eine gewisse Kontinuität. Ich würde das so interpretieren, dass es sich um all diese Bündnisse handelt - die ersten Bündnisse, vor allem mit den Patriarchen. Aber dann kommt Israel im Exil - Israel als das Volk, das gesündigt hat und deshalb verstockt wurde. Aber dann gibt es die Heiden, die an Christus glauben, und sie werden in diese Welt hineingestellt, aber es gibt immer noch das natürliche Volk. Sie sind irgendwie außen vor, aber Paulus sagt, dass sie wieder reinkommen werden. Du hast also drei verschiedene Einheiten. Und ich weiß, dass das<br />Metapher ist. Paulus entwirft eine Illustration, und ich weiß nicht, ob er es so wörtlich nehmen will, oder ob er sie bedrängt und auf allen Vieren gehen will, aber ich denke, man kann drei verschiedene Dinge erkennen.<br />Ich spreche gerne von Israel als einer Einheit, die sowohl gesegnet als auch ein Segen ist, und das ist eine Einheit, zu der das ethnische Israel gehören kann oder auch nicht, richtig? Dann können auch die Heiden dazugehören. Und damit haben wir hier fast drei Einheiten, oder? Aber ich will das nicht zu sehr betonen. Jedenfalls finde ich es bemerkenswert, wie Paulus' Logik in all dem aufgeht. Denn wie ich lese, sagt er weiter, dass das Volk Israel am Ende die Heiden segnet, weil es ungehorsam ist. Ihr Ungehorsam hat die Heiden in den Bund geführt, aber die Tatsache, dass sie in den Bund geführt wurden, ist am Ende ein Segen für das eigensinnige Israel, das eifersüchtig wird und in den Bund zurückkehrt. So wird dieses Gebilde, das wir Israel nennen, wirklich gesegnet und ist ein Segen. Gottes Plan wird nicht nur durch Gehorsam verwirklicht, sondern auch durch Ungehorsam, den Gott immer noch in seinen Plan einwebt.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Ja, ich neige manchmal dazu, an moderne Stipendien zu denken, weil wir uns nicht vorstellen konnten, wie sich all diese Dinge entwickeln würden...</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Ja.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Dass wir irgendwie beleidigt sind, wenn wir es in der Schrift sehen und es leugnen wollen.<br />leugnen.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Ja.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Ich möchte Paulus sagen, dass er hier etwas Falsches tut, wenn...</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Nein.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Nur weil dir das nicht in den Sinn gekommen wäre, heißt das nicht, dass es...</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Genau.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Das heißt aber nicht, dass es unlogisch ist.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Genau, genau, und ja, ich glaube, ich habe das schon mal gesagt, aber es ist nicht fair, einen vormodernen, voraufklärerischen Interpreten wie Paulus zu verurteilen...</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Mm hmm.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Es ist nicht fair, ihn nach aufklärerischen Maßstäben zu beurteilen, oder?</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Ja, ja.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Weißt du, die Maßstäbe der Aufklärung sind viel analytischer. Paulus ist ein Denker mit vielen Geschichten, also wird er all das hier mit einbeziehen. Und was die Christologie angeht, so ist die Christologie des Paulus die Achse, um die sich alles dreht, ob es nun um die Verstockung der ethnischen Juden geht... Ich meine, sie sind verhärtet, weil sie über den Stein gestolpert sind. Verstockung ist im Grunde eine andere Art zu sagen, dass sie nicht an Jesus geglaubt haben und so weiter. Sie stehen außerhalb des Bundes - und warum? Weil sie nicht an Jesus glauben. Nun gut, wie kommen die Heiden dann hinein? Indem sie an Jesus glauben, auf den Stein bauen und nicht über den Stein stolpern, der Jesus ist. Es ist also alles christologisch und so hat Paulus meiner Meinung nach das ganze Konzept der Erwählung umgestaltet. Oder anders gesagt, er hat das ganze Konzept Israels um den Messias herum neu gestaltet. Aber sobald du das sagst, wollen wir uns daran erinnern, dass diese Umgestaltung in dem messianischen Profil, das wir ausgearbeitet und beobachtet haben, schon lange vorhergesagt und erwartet wurde.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MSH: Ja. Noch einmal, das ist eine gute Sache. Ich meine, Römer 9-11 ist ziemlich... Das sind tiefe Gewässer, aber ich denke, du hast wieder einmal gut gezeigt, dass Paulus' Verständnis mit dem übereinstimmt, was wir im Alten Testament finden. Aber noch einmal: Er ordnet alles durch Christus und seine Erfahrung der Christusbegegnung neu und durch das, was die Heilige Schrift im Nachhinein wirklich sagt. Ich möchte dir noch einmal dafür danken, dass du in dieser Reihe mitmachst.</div>
<div> </div>
<div style="text-align: justify">MLH: Vielen Dank, Mike, es hat mir sehr viel Spaß gemacht.</div>
<div style="text-align: justify"> </div>]]></content:encoded>
						                            <category domain="https://beroeans.info/community/roemer/">Römer</category>                        <dc:creator>φιλαλήθης</dc:creator>
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                    </item>
				                    <item>
                        <title>Der Gebrauch des Alten Testaments durch Paulus: Römer 4</title>
                        <link>https://beroeans.info/community/roemer/der-gebrauch-des-alten-testaments-durch-paulus-roemer-4/</link>
                        <pubDate>Sun, 25 Sep 2022 10:10:34 +0000</pubDate>
                        <description><![CDATA[(Dieser Beitrag beruht auf dem Gespräch zwischen Dr. Michael S. Heiser und Dr. Matt Halsted aus ‚The Naked Bibel Podcast‘).
 Im letzten Beitrag haben wir uns die Kapitel 1...]]></description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>(Dieser Beitrag beruht auf dem <a title="The Naked Bible Postdast" href="https://nakedbiblepodcast.com/wp-content/uploads/2022/04/NB-420-Transcript.pdf" target="_blank" rel="noopener">Gespräch</a> zwischen Dr. Michael S. Heiser und Dr. Matt Halsted aus <a title="The Naked Bibel Podcast" href="https://nakedbiblepodcast.com/episodes/" target="_blank" rel="noopener">‚The Naked Bibel Podcast‘</a>).</p>
<div style="text-align: justify"> Im letzten Beitrag haben wir uns die Kapitel 1-3 angeschaut und einige Konzepte untersucht, mit denen Paulus gerungen und diskutiert hat, nämlich das Konzept der Sprache des Glaubens (oder der Treue) und das Konzept der Sprache der Tora (oder des Torah-Haltens). Und das war in Römer 1-3 wirklich vorherrschend. Wir haben also darüber gesprochen, aber vor allem haben wir darauf hingewiesen, wie Paulus diese Konzepte nach messianischen oder christologischen Gesichtspunkten umgestalten wird. Das ist ein sehr wichtiger Teil. Und warum ist das ein wichtiger Teil? Nun, weil, wie du schon sagtest, einige Gelehrte sagen, dass Paulus das Rad neu erfindet, wenn er über bestimmte Dinge schreibt, und dass er etwas extrem... Ich denke, man könnte sagen, dass er sich vom alttestamentlichen Hintergrund "losgelöst" hat. Und dem stimme ich nicht zu. Ich glaube nicht, dass Paulus das Rad neu erfindet. Ich glaube nicht, dass er die Theologie neu erfindet oder so etwas.</div>
<div style="text-align: justify">Aber gleichzeitig gebe ich zu, dass es in einigen Schriften des Paulus eine gewisse Kreativität gibt, vor allem, wenn er aus dem Alten Testament zitiert. Dennoch möchte ich zeigen, dass diese Kreativität immer noch innerhalb der Grenzen der etablierten Praktiken des Judentums des Zweiten Tempels liegt, aber noch mehr, wie wir bei der Betrachtung einiger alttestamentlicher Texte gesehen haben, insbesondere bei Maleachi, der voraussagte, dass der Messias oder der Bote kommen würde. Und Israels Tempelkult-Priestersystem würde um den Messias oder den Gesandten herum umgestaltet werden. Und das ist auch alles, was wir bei Paulus sehen.</div>
<div style="text-align: justify">Ja, er ist kreativ, indem er alttestamentliche Konzepte wie Glaube und Torah-Haltung im Zusammenhang mit dem Messias umgestaltet. Er macht einige neue Dinge - einige frische Dinge - weil der Messias gekommen ist, also werden neue Dinge geschehen. Aber das ist immer noch nicht unvereinbar mit dem messianischen Profil, über das wir bis jetzt gesprochen haben. Es muss also ein Gleichgewicht gefunden werden.</div>
<div style="text-align: justify">Und ich denke, wenn wir heute in Römer 4 einsteigen, wo Paulus die Geschichte von Abraham erzählt, werden wir beides sehen: die Kreativität, aber auch etwas von der Beständigkeit, über die wir gesprochen haben. Römer 4 ist ein interessanter Abschnitt. Und Paulus... In Römer 4, 5, 6, 7 und 8 gibt es mindestens drei verschiedene jüdische Geschichten, die Paulus um den Messias herum umgestaltet. In Römer 4 ist es die Abrahamsgeschichte, über die wir heute sprechen werden. Und in Römer 5 bringt er die Geschichte von Adam und wie die Sünde durch ihn kommt. Ich denke, auch das wird um das Christus-Ereignis herum umgestaltet. Und darüber werden wir nicht sprechen, dafür haben wir keine Zeit, aber... Die Leute werden mein Buch lesen müssen, um zu sehen, was wir damit machen.  In Römer 6, 7 und 8 haben einige Gelehrte bemerkt, dass Paulus die Geschichte des Exodus nacherzählt, weil er über Sklaverei und Knechtschaft und die Freiheit davon spricht - der Geist, der die Sklaven herausführt. Natürlich ist das eine neutestamentliche Sprache, aber sie hat alttestamentliche Anklänge an den Exodus. Ich denke also, dass Paulus hier auf eine Exodus-Geschichte anspielt und auch den Messias umgestaltet.</div>
<div style="text-align: justify">Aber egal, heute, in dieser Folge, sprechen wir über Abraham. Das ist ein wichtiger Teil. In Römer 4 führt Paulus die Geschichte von Abraham an, um zwei Dinge zu zeigen, und zwar aus zwei Gründen. Erstens will er zeigen, dass man keine Gesetzeswerke wie die Beschneidung erfüllen muss, um im Bund mit Gott zu stehen. Das ist also die erste Sache. Zweitens will er mit der Geschichte Abrahams zeigen, wie treu Gott den abrahamitischen Bund durch Christus erfüllt hat und wie er das getan hat. Diese beiden Dinge sind der Grund, warum Paulus die Abrahamsgeschichte aufgreift. Und im Wesentlichen will Paulus sagen, dass Abraham der Beweis dafür ist, dass Rechtfertigung... (Das ist ein großes, schickes 20-Dollar-Wort. Es bedeutet einfach, dass man für gerecht erklärt wird oder dass man zur Familie des Bundes gehört. Rechtfertigung ist ein lustiges Wort.) Aber Abraham ist der Beweis dafür, dass die Rechtfertigung nicht von Gesetzeswerken wie der Beschneidung abhängig ist. Und Abraham ist deshalb so wichtig, weil Paulus zeigen wird, dass Abraham selbst - der Patriarch des jüdischen Volkes - gerechtfertigt wurde, <em>bevor</em> er das Werk der Beschneidung vollbrachte.</div>
<div style="text-align: justify">Es gibt also ein paar Texte aus Römer 4, die wir uns ansehen können. Wir schauen uns Römer 4:1-3 und dann die Verse 9-11 an. Ich lese das mal aus der ESV vor. Hier steht:</div>
<div style="text-align: justify">
<blockquote>
<div style="text-align: justify">1 Was sollen wir also sagen, was Abraham, unser Vorfahre nach dem Fleisch, gewonnen hat? 2 Denn wenn Abraham durch Werke gerechtfertigt wurde, hat er etwas, dessen er sich rühmen kann, aber nicht vor Gott. 3 Denn wie heißt es in der Schrift? "Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet."</div>
</blockquote>
</div>
<div style="text-align: justify">Das ist ein Zitat aus 1. Mose 15:6. Und dann fährt Paulus fort. "Ist dieser Segen der Vergebung und der Gerechtigkeit..." Das ist... Ich habe da eine Passage übersprungen. Aber er spricht in den Versen 4-8 darüber, wie der Segen des Bundes mit Vergebung und all diesen Dingen einhergeht. In Vers 9 fährt er fort und sagt:</div>
<div style="text-align: justify">
<blockquote>
<div style="text-align: justify">9 Gilt dieser Segen denn nur für die Beschnittenen oder auch für die Unbeschnittenen? Denn wir sagen, dass der Glaube Abraham als Gerechtigkeit angerechnet wurde. 10Wie wurde er ihm denn angerechnet? War es bevor oder nachdem er beschnitten wurde? Es war nicht danach, sondern bevor er beschnitten wurde. 11 Er empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit, die er durch den Glauben hatte, als er noch unbeschnitten war. Das Ziel war, ihn zum Vater aller zu machen, die glauben, ohne beschnitten zu sein, damit auch ihnen die Gerechtigkeit angerechnet wird,</div>
</blockquote>
</div>
<div style="text-align: justify">Und was macht Paul hier? Nun, Paulus macht etwas ziemlich Lustiges. Er zeigt, dass eine genaue Lektüre der Abraham-Geschichte im Buch Genesis zeigt, dass Abraham von Gott angenommen wurde und durch den Glauben einen Bund mit Gott schloss. Und das geschieht... Natürlich haben wir es in 1. Mose 12 gesehen und viel darüber gesprochen, als Gott Abraham und seine Familie beruft und erwählt. Aber in 1. Mose 15 wird er von Gott für gerecht erklärt. Und das geschieht durch den Glauben. Und erst in 1. Mose 17 (also ein paar Kapitel später) bekommt er das Siegel der Gerechtigkeit, nämlich die Beschneidung. Was ist die Beschneidung? Sie kennzeichnet dich buchstäblich als einen Menschen Gottes, richtig?</div>
<div style="text-align: justify">Und so hat Paulus etwas sehr Wichtiges bemerkt. Und Paulus nutzt diesen Unterschied hier aus, und ich meine "ausnutzen" nicht in einem negativen Sinne. Er nutzt die Tatsache aus, dass Abraham in der Thora als gerecht durch den Glauben bezeichnet wird, bevor er den Bund der Beschneidung erhält. Auch hier können wir alle sehen... Wir können hier herausfinden, warum das wichtig ist. Denn wenn Abraham selbst für gerecht erklärt werden kann, ohne beschnitten zu sein, was hindert dann die Heiden daran, denselben Segen zu erfahren? Und ich glaube, das müssen wir wirklich verstehen, bevor wir weitermachen. In der Gemeinde in Rom gab es, wie in vielen frühen christlichen Gemeinden, zweifellos eine Menge Konflikte zwischen Juden und Heiden und in der Kirche zwischen Judenchristen und Heidenchristen. Worum ging es bei dem Konflikt? Das ist ein sehr technischer Begriff, der (meiner Meinung nach) nicht wirklich Werke im Allgemeinen meint, wie gute Werke im Allgemeinen. Ich denke, es bedeutet etwas im Sinne der kultischen Werke des jüdischen Volkes. Es sind die Werke, die die Juden zu Juden machten: Beschneidung, Sabbathalten, Speisevorschriften und so weiter. Und was sie als einzigartig oder heilig auszeichnete, war natürlich das Einhalten der Gesetzeswerke und die Umsetzung dieser. Wenn Juden also Christen wurden, sahen sie ihre heidnischen Brüder und Schwestern an und sagten: "Ja, ja. Ich bin froh, dass ihr an Jesus glaubt. Aber meine Güte, warum haltet ihr nicht den Sabbat? Warum haltet ihr euch nicht an die Speisegesetze?" Und das ist wichtig, denn das ist es, was dich als Mitglied des Bundes auszeichnet. Und Paulus argumentiert: "Nein, nein, nein, nein. Was dich als Mitglied des Bundes auszeichnet, ist der Glaube an Christus. Das ist es, was das bewirkt. Werke des Gesetzes sind in dieser Hinsicht nicht notwendig. Lass es mich dir zeigen. Schau dir Abraham an."</div>
<div style="text-align: justify">Und da sind wir also bei Römer 4. Okay, das ist also im Wesentlichen das Argument, richtig? Ähm, irgendwie schon. Eigentlich geht es um mehr. Deshalb möchte ich eine Frage stellen: Funktioniert das Argument von Paulus? Das scheint eine sehr einfache Frage zu sein. Aber ich denke, sie muss gestellt werden. Funktioniert das Argument von Paulus? Okay, nach der Thora ist es eine historische Tatsache, dass Abraham für gerecht erklärt wurde, bevor er beschnitten wurde. Gut und schön. So weit, so gut. Aber die Frage ist: "Reicht diese Tatsache allein aus, um daraus zu schließen, dass niemand mehr beschnitten werden muss?" Und ich möchte etwas sagen, das die Leute hier vielleicht kurz schockiert, aber bleibt einfach bei mir und folgt mir, denn ich werde darauf zurückkommen, um das Problem zu lösen, das vielleicht als solches wahrgenommen wird. Aber die Antwort ist nein. Ich glaube nicht, dass Paulus' Argumentation funktioniert, wenn er sich nur auf diese eine historische Tatsache stützt.</div>
<div style="text-align: justify">Machen wir also mal ein Gedankenexperiment, nur für einen Moment. Stellen wir uns vor, Paulus würde in eine Zeitmaschine steigen und in die Zeit von Mose oder Josua oder vielleicht sogar König David oder König Salomo oder was auch immer zurückreisen. Und nehmen wir weiter an, Paulus stünde vor der Stiftshütte oder dem Tempel und würde genau dieses Argument vor den Priestern vorbringen. Er sagte so etwas wie: "Hey, Leute, ihr müsst nicht beschnitten werden. Wenn ihr die Genesis lest, ist es doch klar, dass Abraham durch den Glauben gerechtfertigt wurde, bevor er beschnitten wurde." Nun, die Tempelpriester würden dem widersprechen, denn auch wenn das wahr ist (das geben sie vielleicht zu), ist es immer noch wahr, würden sie sagen, dass die Thora den Juden immer noch die Beschneidung befahl.</div>
<div style="text-align: justify">Das wirft eine interessante Frage auf: "Was in aller Welt tut Paulus da?" Sollten wir daraus schließen, dass Paulus' Argumentation fehlerhaft ist - dass sie scheitert? Die Antwort lautet: Nein. Ganz und gar nicht. Das glaube ich ganz und gar nicht. Denn eine genaue Lektüre der gesamten Argumentation von Paulus zeigt, dass sein Argument mehr beinhaltet als das, was wir bereits gesehen haben. Mit anderen Worten: Ich glaube nicht, dass Paulus' Argumentation ausschließlich auf seiner Exegese der Genesis beruht. Es geht um mehr. Es gibt noch mehr, was er auslegt, wenn du so willst. Und ich denke, Paulus tut im Wesentlichen Folgendes: Er liest die Genesis im Lichte von zwei Dingen. Erstens liest er sie im Lichte seiner Christologie - was er über Jesus als Messias glaubt. Und zweitens liest er die Abraham-Geschichte im Lichte der Erzählung aus Genesis 11-12, über die wir in früheren Folgen gesprochen haben. Zur Erinnerung: Genesis 11-12 ist die Geschichte, in der es darum geht, dass die Menschen beim Turmbau zu Babel in die Irre gingen (Kapitel 11) und Gott dann sofort die Familie Abrahams als Segen rief, um die Welt wiederherzustellen und zu retten (in Genesis 12). Paulus hat das also vor Augen. Mit anderen Worten: Paulus liest die Abrahamsgeschichte als eine Erzählung - eine fortlaufende Geschichte, die ihre Vollendung in seinem Messianismus oder seiner Christologie findet, was meiner Meinung nach die grundlegendste Interpretationsannahme des Paulus ist.</div>
<div style="text-align: justify">Um zu sehen, was ich hier mache und was ich damit meine, müssen wir den nächsten Abschnitt von Römer 4 lesen, nur ein paar Verse - Römer 4:13-17. Ich werde nur einen Vers lesen und ein paar Anmerkungen machen, um den Text zu verdeutlichen. In Römer 4:13 steht Folgendes:</div>
<div style="text-align: justify">
<blockquote>
<div style="text-align: justify">13 Denn die Verheißung an Abraham und seine Nachkommen, dass er Erbe der Welt sein würde, kam nicht durch das Gesetz, sondern durch die Gerechtigkeit des Glaubens.</div>
</blockquote>
</div>
<div style="text-align: justify">Und auch hier ist Paulus in seiner Auslegung der Genesis sehr direkt. Es ist klar, dass Abraham durch den Glauben gerechtfertigt wurde, bevor er den Bund der Beschneidung erhielt. Mit anderen Worten: Er wusste, dass er die Verheißung und die Nachkommenschaft und die Völker durch den Glauben erhalten würde. So. Ganz einfach, ganz leicht. In Vers 14 geht es weiter und sagt Folgendes:</div>
<div style="text-align: justify">
<blockquote>14 Denn wenn es die Anhänger des Gesetzes sind, die die Erben sein sollen, ist der Glaube nichtig und die Verheißung nichtig.</blockquote>
</div>
<div style="text-align: justify">Was meint Paulus hier? Nun, er meint, dass die Beziehung zwischen dem mosaischen Gesetz und dem abrahamitischen Bund nicht im Widerspruch zueinander stehen darf. Mit anderen Worten: Für Paulus kann das mosaische Gesetz (die Tora), was auch immer sein Zweck war (er sagt es uns nicht, aber was auch immer sein Zweck war), nicht so betrachtet werden, dass es die ursprüngliche Verheißung, die vor der Übergabe des Gesetzes an Abraham gegeben wurde, aufhebt und negiert. Lass es mich anders ausdrücken. Der mosaische Bund hat seinen Platz, aber er ist nicht dazu gedacht, den abrahamitischen Bund, der vor der Gesetzgebung geschlossen wurde, zu verdrängen oder zu entgleisen.</div>
<div style="text-align: justify">Nächster Vers, Vers 15. Paulus sagt dies:</div>
<div style="text-align: justify">
<blockquote>15 Denn das Gesetz bringt Zorn; wo aber kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung.</blockquote>
</div>
<div style="text-align: justify">Okay, was meint Paulus hier? Nun, obwohl die Tora dazu diente, Israel von den anderen Völkern zu unterscheiden und abzugrenzen, zeigte sie auch, wie schlecht Israel war. Wenn das der Fall ist, wie konnte die Thora dann jemals die Verheißung an Abraham erfüllen (dass Israel gesegnet und ein Segen oder ein Retter der Welt sein würde)? Das Gesetz kann das nicht, denn wenn überhaupt, dann treibt das Gesetz Israel nur ins Exil unter die Nationen, bringt Flüche über Israel und zeigt, dass Israel nicht besser dran ist als die Heiden. Wie kann Israel also die Heiden retten, wenn es unter ihnen im Exil lebt? Okay, das Gesetz bringt Zorn, sagt Paulus. Lass mich die letzten beiden Verse vorlesen - Vers 16 und den ersten Teil von Vers 17. Paulus sagt dies:</div>
<div style="text-align: justify">
<blockquote>16 Darum kommt es auf den Glauben an, damit die Verheißung auf der Gnade ruht und allen seinen Nachkommen zugesichert wird - nicht nur dem Anhänger des Gesetzes, sondern auch dem, der den Glauben Abrahams teilt, der unser aller Vater ist, 17 wie geschrieben steht: "Ich habe dich zum Vater vieler Völker gemacht" - vor dem Gott, an den er geglaubt hat, der den Toten Leben gibt und das, was nicht existiert, ins Dasein ruft.</blockquote>
</div>
<div style="text-align: justify">Das ist ein Zitat aus 1. Mose 17,5. Lass mich das erklären. Okay, das mosaische Gesetz hat zwei Dinge bewirkt. Es errichtete eine Mauer zwischen Juden und Heiden - Speisevorschriften, Ehegesetze und solche Dinge. Wenn du Speisevorschriften hast, hindert es dich daran, Feste mit den Völkern zu feiern und mit ihnen solidarisch zu sein oder Vereinbarungen zu treffen. Denn auch damals war das Feiern von Festen eine Möglichkeit, seine Solidarität mit den Nachbarn zu zeigen und zu bekunden. Gott führte also die Speisevorschriften ein, um Israel von den anderen Völkern zu unterscheiden und abzugrenzen, okay? Das ist also eine Sache, die das mosaische Gesetz tat. Aber es hatte noch einen weiteren Zweck. Es machte Israels eigene Sündhaftigkeit deutlich, wie ich vorhin schon sagte. Aber die ursprüngliche Verheißung an Abraham lautete, dass alle Völker - alle Heiden - durch Israel gesegnet und geheilt werden würden. Doch das mosaische Gesetz konnte das nicht garantieren. Und wie ich vorhin schon sagte, ist es eine Ironie des Schicksals, denn es führte dazu, dass Israel zusammen mit der Welt verdammt wurde und es diente als Instrument, durch das Israel selbst verurteilt und unter die Völker verbannt wurde. Deshalb sagt Paulus, dass alles auf den abrahamitischen Bund zurückgeführt werden muss. Warum? Weil es die Verheißung ist, die Gott Abraham gegeben hat. Und wenn die Welt durch Abrahams Familie gerettet werden soll, müsste Jahwe selbst diesen Rettungsplan umsetzen, unabhängig von Israels Bemühungen, das Gesetz zu verfolgen. Er kann das mosaische Gesetz nicht benutzen, um die Verheißung an Abraham - den Rettungsplan - zu verwirklichen. Denn so wie Israel das Gesetz ausführt, läuft es einfach nicht gut. Oder? (lacht)</div>
<div style="text-align: justify">Für Paulus ist der abrahamitische Bund also <em>mehr</em> als ein historisches Ereignis. Er ist eine <em>fortlaufende</em> Geschichte, die lange vor dem mosaischen Bund begann. Und es ist eine Geschichte, die nach Paulus in Jesus ihre Erfüllung findet. In diesem Sinne wendet Paulus beim Lesen der Bibel den Ansatz der Erzählung an. Die abrahamitische Geschichte ist eine fortlaufende Geschichte, die in Christus ihre Vollendung findet.</div>
<div style="text-align: justify">Ich möchte an dieser Stelle kurz innehalten und behaupten, dass es für Paulus bedeutet, den Text christologisch zu lesen. Er liest ihn durch die Linse von Christus, ja. Er macht etwas mit der Abraham-Geschichte, das vor dem Christus-Ereignis nicht möglich gewesen wäre. In diesem Sinne ist Paulus also kreativ. Ja, Paulus entdeckt eine neue Bedeutung, die vor dem Christusereignis vielleicht nicht möglich gewesen wäre. All das gebe ich zu. Es ist sehr kreativ. Er findet eine neue Bedeutung. Das ist gut. All das. Aber... Aber, aber, aber... Er löst die abrahamitische Geschichte und die Bedeutung, die er darin findet, nicht von der alttestamentlichen Geschichte selbst ab. Ich habe gerade gesagt, dass Paulus sie im Licht dieser Geschichte und im Licht der Geschichte der Tora liest.</div>
<div style="text-align: justify"> Hältst du es für einen unfairen Vorwurf, wenn du Paulus vorwirfst, dass er das vom Messianismus ganz allgemein abkoppelt? Denn das messianische Profil, das wir dargelegt haben, veranschaulicht im Grunde alles, was du gerade gesagt hast, ohne es als Christus zu identifizieren.</div>
<div style="text-align: justify"> Ja, das gefällt mir. Denn das ist ein Teil seines geschichtlichen Ansatzes. Weißt du, ich habe viel über die Erzählung in Genesis 11-12 gesprochen und gesagt, dass sie wichtig ist. Und das ist sie auch. Aber...</div>
<div style="text-align: justify"> Ja, ein anderer Jude hätte erwartet, dass dies mit dem Messias gipfeln würde. Du weißt ja, dass der abrahamitische Bund mit dem Messias seinen Höhepunkt erreicht. Aber auch vor dem Christusereignis konnten sie das tun, also ist Paulus nicht aus dem Takt. Aber er geht noch einen Schritt weiter, denn er ist ein Nach-Christus.</div>
<div style="text-align: justify"> Ja. Das ist genau richtig. Und deshalb wollen wir nicht sagen, dass Paulus das Rad neu erfindet oder dass er die Theologie erfindet oder so. Das wollen wir einfach nicht tun, weil wir es nicht müssen. Ich meine, ich will Paulus nicht unbedingt verteidigen. Ich sage nur, dass wir alle Daten berücksichtigen sollten, denn die Daten sprechen für sich selbst. Was sind die Daten? Nun, wir haben sie uns angeschaut. Das messianische Profil hat alles vorweggenommen, was wir bei Paulus sehen. Selbst wenn es also eine Diskontinuität zwischen der neuen Bedeutung, die Paulus findet, und dem, was vor dem Christusereignis geschah, gibt, gibt es einen Unterschied. Es gibt eine Diskontinuität. Aber nur in dem Sinne (ironischerweise und interessanterweise), dass Paulus eine weitere Linie der Kontinuität zwischen dem messianischen Profil zurückverfolgt.</div>
<div style="text-align: justify">Also ja, es ist ein Sowohl-als-auch. Und sie schließen sich nicht gegenseitig aus. Du musst nicht sagen: "<em>Entweder</em> ist Paulus kreativ <em>oder</em> er liest es im Lichte des Kontextes oder so." Ich meine, diese beiden Dinge können zusammengehören. Ich werde hier nicht näher darauf eingehen. Aber das ist Teil dessen, was ich in meinem Buch, das in ein paar Monaten erscheint, getan habe. Ich befasse mich nicht nur mit den biblischen Daten - dem Text -, sondern biete auch eine meiner Meinung nach wirklich gute Möglichkeit, all das auf philosophischer Ebene zu verstehen, z. B. im Sinne der hermeneutischen Theorie. Wie können wir die Dinge überhaupt verstehen? Wie interpretieren wir Ereignisse, Bücher, Theaterstücke, Dramen und Gespräche? In meinem Buch zeige ich, dass es dabei immer ein kreatives Element gibt, das uns aber nicht zum Relativismus führt. Ich bin kein Textrelativist. Ich glaube nicht, dass die Bibel alles bedeuten kann, was wir wollen, und ich glaube auch nicht, dass Paulus das dachte. Ja, er ist kreativ, aber er ist ein Künstler. Und wie jeder gute Künstler malt man immer innerhalb der Grenzen einer Leinwand. Und was wir hier wirklich meinen, ist, dass diese Leinwand das messianische Profil ist. Richtig? Er geht nicht über dieses Profil hinaus. Gibt es also Kreativität? Sicher. Aber ist sie relativistisch? Auf keinen Fall. Ich glaube, es gibt keine Beweise, die uns auf diesen Weg führen.</div>
<div style="text-align: justify">Ein Freund von mir, ein Bibelwissenschaftler, Matthew Thomas heißt er... Er hat übrigens ein hervorragendes Buch über Paulus' Werke des Gesetzes und so geschrieben. Aber er macht eine Bemerkung (und ich liebe die Art, wie er sich darauf bezieht)... Er sagte: "Ich will nur ein Schiedsrichter sein. Ich sage nur: 'Das ist, was die Daten sagen. Das können wir nicht über Paul sagen oder was auch immer. Und das ist, was wir sagen können. Das ist es, was die Daten sagen." Ich versuche also wirklich, ein Schiedsrichter zu sein, wenn ich mir einige Gelehrte ansehe, die sagen, dass Paulus das Rad neu erfindet. Ich dachte mir: "Mann, Leute. Aber ihr achtet nicht auf die Daten."  Wisst ihr? "Das müsst ihr nicht sagen." Also versuche ich, mit den Daten, die ich habe, so gut wie möglich Schiedsrichter zu spielen.</div>
<div style="text-align: justify">Die Sache hier... Ich habe gerade gesagt, dass Paulus die abrahamitische Geschichte nach christologischen Gesichtspunkten umdeutet. Das habe ich mir nicht nur ausgedacht. Ich denke, dafür gibt es in Römer 4 Beweise. Und es ist einfach wirklich... Seine Christologie kommt hier zum Vorschein, und man kann erkennen, dass er sie christologisch liest. Und hier sind ein paar Verse aus Römer 4, die ich vorlesen möchte. Und das unterstreicht diesen Punkt. Also Römer 4:17-25. So steht es in der ESV:</div>
<div style="text-align: justify">
<blockquote> 17 wie geschrieben steht: "Ich habe dich zum Vater vieler Völker gemacht" - im Angesicht des Gottes, an den er glaubte, der den Toten Leben gibt und die Dinge ins Dasein ruft, die nicht existieren. 18In der Hoffnung glaubte er wider Erwarten, dass er der Vater vieler Völker werden würde, wie es ihm gesagt worden war: "So sollen deine Nachkommen sein." 19Er wurde nicht schwach im Glauben, als er seinen eigenen Körper betrachtete, der so gut wie tot war (denn er war etwa hundert Jahre alt), oder als er die Unfruchtbarkeitb von Sarahs Schoß betrachtete. 20Kein Unglaube ließ ihn in Bezug auf die Verheißung Gottes wanken, sondern er wurde stark in seinem Glauben, als er Gott die Ehre gab, 21in der festen Überzeugung, dass Gott tun konnte, was er versprochen hatte. 22Deshalb wurde ihm sein Glaube "als Gerechtigkeit angerechnet". 23 Aber die Worte "es wurde ihm angerechnet" wurden nicht nur um seinetwillen geschrieben, 24 sondern auch um unseretwillen. Es wird uns angerechnet, die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat, 25 der für unsere Schuld überliefert und für unsere Rechtfertigung auferweckt wurde.</blockquote>
</div>
<div style="text-align: justify">Ich denke, dass Paulus die Abrahamsgeschichte in der Sprache der Christologie erzählt, genauer gesagt in der Sprache von Tod und Auferstehung. Beachte, wie Abraham (laut Paulus) an Gott glaubte, der "den Toten  Leben gibt". Das ist eine "tote" Sprache, die wir hier zusammenfassen wollen. Es heißt, dass Abraham nicht im Glauben schwächelte. Er hielt seinen eigenen Körper für so gut wie νεκρόω-also so gut wie tot. Und auch hier ist die Sprache der Toten wichtig. Aber dann beschreibt er Sarahs Schoß als unfruchtbar. Und im Griechischen heißt es wörtlich "Totheit" . In der ESV bekommt man also nicht das ganze Bild, denn sie verdeckt irgendwie die Nähte, die Paulus hier in die Sprache des Absterbens webt. Und dann... Er sagt also im Grunde, dass Abrahams Körper tot war; Sarahs Schoß war tot. Gott hat ihn von den Toten auferweckt; Gott hat ihren Schoß von den Toten auferweckt. Das ist die Annahme, denn er fährt am Ende fort, wie wir gelesen haben. Es heißt: "Das alles wurde nicht nur um ihretwillen geschrieben, sondern auch um unseretwillen." Weil es uns angerechnet wird. Die Gerechtigkeit wird uns angerechnet, die wir an den glauben, der die Toten auferweckt hat - der Jesus von den Toten auferweckt hat. Ich glaube, Paulus hat hier im Wesentlichen die Geschichte Abrahams in der Sprache des Todes und der Auferstehung erzählt. Er hat sie so vorbereitet, dass sie auf den Tod und die Auferstehung von Jesus anwendbar ist.</div>
<div style="text-align: justify"> Ja. Schau dir an, was er in Römer 5 tun wird. Er baut also Römer 5 dort auf.</div>
<div style="text-align: justify"> Ja, das ist genau richtig. Mmh. Ja, genau. Und Mann, ich wünschte, wir hätten mehr Zeit, um in dieser Folge darüber zu reden. Aber eigentlich macht Paul mit der Adam-Geschichte das Gleiche wie mit der Abraham-Geschichte. Er erzählt sie etwas kreativ, aber dennoch sehr konsequent. Er erzählt sie sogar sehr konsequent mit der Genesis-Geschichte. Aber es gibt immer noch einige kreative Elemente. Wenn du Römer 4,17-25 genau liest und vor allem auf die griechischen Wörter achtest, wirst du sehen, dass das Motiv des Todes und der Auferstehung in die Abrahamsgeschichte eingepflanzt wurde, damit es auf die Jesusgeschichte übertragen werden kann. Auch das ist ein wenig kreativ, aber es ist keineswegs unvereinbar mit der Abraham-Geschichte. Er will damit nur sagen: "Hey Leute. Es gibt hier eine Verbindung."</div>
<div style="text-align: justify">Und das sind für mich Beweise - Daten, die ich berücksichtigen muss. "Ja, okay, Paulus." Paulus liest es christologisch. Und ich habe bereits (meiner Meinung nach überzeugend) gezeigt, dass Paulus' Argument, dass die Beschneidung für Heiden nicht erforderlich ist, nicht nur auf seiner Lesart von Genesis 12 beruhen kann, sondern auch auf seiner Christologie - abgesehen von dem Christus-Ereignis, denn diese Lesart würde keinen Sinn ergeben. Sie wäre nicht wirklich überzeugend, es sei denn, du glaubst, dass Jesus der Messias ist, der gestorben und auferstanden ist. Das ist also ein wichtiges Element. Und so ist es... Paulus legt den alttestamentlichen Text der Genesis aus, aber er legt auch das messianische Profil aus. Und ich erinnere die Zuhörer immer wieder daran, aber es ist wichtig. Geh zurück und hör dir die Malachi-Folge an. Maleachi hat nämlich vorhergesagt, wie Israels Berufung um den Messias herum neu gestaltet werden würde. Und das siehst du hier bei Paulus. Die abrahamitische Geschichte impliziert, dass die Berufung Israels durch den Tod und die Auferstehung von Jesus, dem Messias, neu gestaltet wird. Das ist also ein wichtiger Punkt.</div>
<div style="text-align: justify">Also mal sehen... was wollte ich hier noch sagen? Die Schlussfolgerung aus all dem ist vor allem eine ethische. Denn für Paulus ist das Leben in der Gemeinschaft sehr wichtig, und er möchte, dass Juden und Heiden miteinander auskommen. Und so zeigt er, wie Abraham in vielerlei Hinsicht... "Ja, er ist der Vater des jüdischen Volkes, aber er ist auch in der gleichen Position wie unsere heidnischen Brüder, die noch nicht den Bund der Beschneidung haben, aber sie haben den Glauben an Jesus, den Messias, der den abrahamitischen Bund erfüllt."</div>
<div style="text-align: justify">All das ist hier also wichtig. Und ich möchte noch etwas sehr Wichtiges dazu sagen. Das bedeutet nicht, dass Paulus sich den Text aufdrängt oder dass Exegese nicht wichtig ist. Das behaupte ich auch gar nicht. Ich denke, dass die Christologie des Paulus mit dem alttestamentlichen messianischen Profil übereinstimmt, über das wir gesprochen haben. Obwohl Paulus die abrahamitische Geschichte mit Hilfe seiner Christologie kreativ interpretiert, müssen wir uns daran erinnern, woher er seine Christologie hat. Er bezieht sie aus dem Alten Testament. [Stimmt's? Was wir also in der Abrahamsgeschichte sehen, ist in vielerlei Hinsicht eine Exegese der Genesis durch Paulus und eine Exegese der Christologie. Und das ist ein sehr wichtiger Teil. Ich habe gesagt, dass Paulus seine Christologie aus dem Alten Testament bezieht. Das ist wahr. Aber das wurde ihm mit der Christanias, die er auf der Straße nach Damaskus erlebte, wirklich klar.</div>
<div style="text-align: justify">Das will ich dir also nicht nehmen. Für Paul ist das genauso wichtig. Es ist nicht<br />wichtiger als das Alte Testament, aber sicher nicht weniger.</div>
<div style="text-align: justify"> Ja, er konnte es nicht einfach nachschlagen, weil es da drin steht.</div>
<div style="text-align: justify"> Nein.</div>
<div style="text-align: justify"> Du brauchst das Ereignis der Auferstehung, um deine Rückschau zu halten.</div>
<div style="text-align: justify"> Ja, das tust du. Sie dient als Linse für Paulus. Weißt du, es ist interessant, dass Paulus in Römer 4 nicht für die Auferstehung Jesu argumentiert, sondern <em>von der Auferstehung Jesu ausgeht</em>. Er schreibt also an eine Gemeinde, die bereits glaubt, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Und das ist eine Art von Filter. Es ist eine Vorverurteilung. Es ist eine Annahme, die er dem Text der Heiligen Schrift zugrunde legt. Deshalb habe ich vorhin gesagt, dass das nicht bedeutet, dass Paulus dem Text einseitig eine Annahme aufzwingt, die zu einer gewalttätigen Auslegung führt oder so etwas. Nein, ganz und gar nicht. Denn wie ich schon sagte, stammt seine Christologie auch aus dem Alten Testament. Es gibt ein Element der Christlichkeit, aber die Christlichkeit, die er auf der Straße nach Damaskus erlebte...</div>
<div style="text-align: justify"> Das ist es, was wirklich fehlt. Es gibt diesen Widerstand gegen die Vorstellung, dass Paulus seine Christologie aus dem Alten Testament bezieht, was uns überhaupt erst zu dieser Reihe von Gesprächen gebracht hat.</div>
<div style="text-align: justify"> Absolut.</div>
<div style="text-align: justify"> Wenn dir das fehlt, wirst du solche Dinge sagen und falsche Schlüsse ziehen.<br /> Richtig, richtig. Ein Teil meiner Strategie (aber auch hier versuche ich nur, den Schiedsrichter zu spielen) ist, dass ich die Leute, die so etwas sagen, daran erinnern möchte, dass Paulus eine hohe Meinung von der Schrift hatte, und zwar eine normative Meinung von der Schrift. Er hielt die Schrift für maßgebend und glaubte, dass die Schrift etwas zu sagen hat. Und er argumentiert mit der Heiligen Schrift. Du weißt, dass er hier mit der Heiligen Schrift argumentiert. Er argumentiert mit der abrahamitischen Geschichte, um einen Standpunkt zu vertreten. Wenn er mit der Schrift argumentiert, bedeutet das, dass er eine hohe Meinung von ihr hat und dass er seine Theologie aus der Schrift bezieht. Wenn ich also höre, dass Paulus etwas falsch zitiert hat oder etwas aus dem Zusammenhang gerissen hat, oder dass Paulus dem Text eine neue Bedeutung gibt, dann gebe ich zu, dass Paulus einem Text eine neue Bedeutung gibt. Ich muss diesen Teil der Daten nicht ignorieren, um zu zeigen, dass Paulus den Text auch exegetisch auslegt, dass er auch eine Bedeutung aus dem Text selbst zieht, denn für mich schließen sich diese beiden Dinge nicht gegenseitig aus. Und ich weiß, dass die Versuchung groß ist, vor allem für diejenigen, die zu meinem Lager gehören (wieder evangelikal oder was auch immer)... Die Versuchung besteht darin, zu ignorieren, wie kreativ Paulus mit dem Text umgeht, oder zu ignorieren, wie Paulus einen neuen Sinn oder eine neue Bedeutung in einem Text findet. Und ich verstehe diese Versuchung, weil du die Übereinstimmung von Paulus mit dem Alten Testament usw. bewahren willst. Aber ich habe versucht, dafür zu argumentieren, dass wir immer noch sagen können, dass Paulus etwas Frisches und Neues mit dem Text macht und dass er mit der alttestamentlichen Geschichte übereinstimmt - dem messianischen Profil selbst. Und das ist der Punkt, an dem die liberaleren Leute wahrscheinlich (und ich hasse Kategorien wie "liberal" und so weiter, aber egal, ich werde sie einfach benutzen)... Da werden einige liberalere Gelehrte sagen: "Nein, nein. Es ist einfach alles neu. Es ist alles neu. Paulus erfindet hier eine Theologie" oder so ähnlich, während sie andere Teile der Daten ignorieren, die zeigen, dass Paulus <em>sehr</em> gut mit dem messianischen Profil übereinstimmt.</div>
<div style="text-align: justify">Vielleicht ist das also eine Art Strategie, um... Weißt du, ich versuche, die Nadel zwischen Paulus'... was wir sehen, einer neuen Interpretation und seiner Übereinstimmung mit dem Alten Testament zu spannen. Das ist eine feine Art, das zu tun - eine Nadel. Und in meinem Buch gebe ich eine philosophische Verteidigung dafür oder einen Weg, um zu verstehen, wie das hermeneutisch möglich ist, im Sinne der hermeneutischen Theorie. Aber das ist eine ganz andere Diskussion. Nun, es ist nicht völlig anders, aber es ist zu weit weg.</div>
<div style="text-align: justify">Aber für unsere Zwecke hier müssen wir das nicht tun.</div>
<div style="text-align: justify"> Ja, das ist gut. Auch hier hoffe ich, dass die Hörerinnen und Hörer verstehen, warum wir uns die Zeit genommen haben, das Profil durchzugehen.</div>
<div style="text-align: justify"> Richtig.</div>
<div style="text-align: justify"> Denn Paulus sagt Dinge, die neu sind. Er bricht das Alte Testament durch seine Erfahrung mit dem auferstandenen Christus. Und das ist in Ordnung. (lacht)</div>
<div style="text-align: justify"> Genau! Richtig.</div>
<div style="text-align: justify"> Das ist in Ordnung, denn er sagt, dass er nur die Lücken ausfüllen wird, die andere vor ihm (einschließlich ihm selbst) nicht ausfüllen konnten. Sie hatten das Ergebnis noch nicht gesehen. Auch hier ist Paulus also sehr konsequent, wenn es darum geht, wo er spielt - der Sandkasten, in dem er spielt -, aber er bringt aufgrund seiner Erfahrung mit Christus eine Menge Neues ein.</div>
<div style="text-align: justify"> Das stimmt. Das ist genau richtig. Es ist ein bisschen wie... Weißt du, Jesus wird im Neuen Testament Christos oder Messias genannt. Und wenn du dir all die Verweise auf den Messias (Mashiach) im Alten Testament ansiehst, wirst du feststellen, dass sie sich auf historische Figuren beziehen. Wir wollen aber nicht sagen: "Seht ihr, all diese Hinweise auf den Maschiach sind Hinweise auf Jesus. Du interpretierst sie christologisch." In diesem Sinne ignorierst du den ursprünglichen Kontext. Nein, ich meine, es geht nur um Cyrus oder um einen Priester oder etwas Ähnliches, oder? Wir wollen also vorsichtig sein. Ich weiß, dass dir das aufgefallen ist und du die Leute zu Recht darauf hingewiesen hast, um zu sagen: "Okay, zwingt diesen Texten nicht einseitig etwas auf. In diesen Texten geht es nur um historische Figuren und so weiter."</div>
<div style="text-align: justify"> Ja, es gibt keinen Grund, es überzuinterpretieren.</div>
<div style="text-align: justify"> Richtig. Ganz genau. Und doch, weißt du, wie du und ich darüber gesprochen haben, ja, dieses messianische Profil, sogar diese Verweise auf den Mashiach, sie tragen etwas zu einer christologischen Hermeneutik bei, richtig? Aber das tun wir wirklich. Wir wollen nur darauf achten, dass wir dem Text nicht einseitig etwas aufzwingen. Ich glaube, ich habe bereits erwähnt, dass unsere Auslegung des Textes dialogisch und nicht einseitig sein sollte. Und mit dialogisch meine ich, dass wir zwar anerkennen, dass wir Annahmen in den Text einbringen, aber wir wollen sicherstellen, dass unsere Annahmen die richtigen sind. Und das ist der Punkt, an dem der Text unsere Annahmen kritisieren kann. Wenn du einen Text liest, wie z. B. Genesis 1-2 (die Schöpfungsgeschichte), empfehle ich dir nicht, diesem Text moderne wissenschaftliche Annahmen aufzuerlegen. Das wird einfach nicht funktionieren. Das ist ein einseitiger, ungerechtfertigter hermeneutischer Ansatz. Wir wollen in die Welt des Textes eintauchen. Uns ist klar, dass er uns etwas sagen will, und wir lesen ihn für unsere Zeit, und wir erkennen das an. Aber genau das ist der Punkt. Es ist ein Gespräch, aber wir müssen den Originaltext den Originaltext sein lassen. Wir können ihm nicht unsere eigenen modernen Annahmen aufzwingen oder ihn unterdrücken, denn dann gibt es keine Möglichkeit mehr, mit dem Text ins Gespräch zu kommen, weil es keinen anderen Text mehr gibt. Es gibt keinen anderen Text mehr, sondern nur noch dich, der seine eigenen Annahmen in den Text hineinliest und dann seine eigenen Annahmen herausliest.</div>
<div style="text-align: justify">Auch darauf müssen wir also achten. Und auch hier verweise ich wieder auf mein Buch, in dem ich über all das spreche und wie wir die Nadel so gut wie möglich einfädeln können.</div>
<div style="text-align: justify"> Ja, und das ist natürlich sehr empfehlenswert. Das ist ein guter Zeitpunkt, um abzuschließen und uns noch einmal dafür zu bedanken, dass wir dabei sein durften. Wir haben über... eine bekannte Passage (Römer 4) gesprochen, aber ich denke, so vertraut sie auch ist, sie sollte dazu dienen (und ich denke, das hat sie)... Ich konnte sehen, wie Paulus mit dem Text umgeht und ihm trotzdem treu bleiben kann. Danke, dass du wieder bei uns bist.</div>
<div style="text-align: justify"> Also gut, Mike, wieder ein guter Beitrag aus dem Römerbrief. Es ist interessant. Es ist sehr interessant, diese ganze Reihe. Und endlich sind wir hier im Neuen Testament und sehen, wie sich das auszahlt, wofür ihr den Grundstein gelegt habt. Das ist eine gute Sache.</div>
<div style="text-align: justify"> Ja. Ja. Ich glaube, besonders in Römer 4 mit der Abraham-Geschichte kommen viele dieser Dinge zusammen. Wir haben nicht erwähnt, dass Paulus das auch an anderer Stelle tut, aber er tut dasselbe in Galater 3, wo er ganz offen sagt. "Wenn ihr Christus angehört, seid ihr Abrahams Same", und das gilt sowohl für Juden als auch für Nichtjuden. Es geht nicht um die ethnische Zugehörigkeit. Es geht darum, dem Evangelium zu folgen und das Evangelium anzunehmen. Ich denke, wir können sehen, was Paulus in den Büchern Römer und Galater tut, vor allem in diesen Büchern. Aber da wir uns auf den Römerbrief konzentrieren, ist Römer 4 ein guter Ort, um das zu veranschaulichen.</div>
<div style="text-align: justify"> Na gut, dann freuen wir uns nächste Woche auf Römer 9-11. Und damit möchte ich mich bei allen bedanken, die dem Naked Bible Podcast zugehört haben! Gott segne euch.</div>
<div> </div>
<div> </div>]]></content:encoded>
						                            <category domain="https://beroeans.info/community/roemer/">Römer</category>                        <dc:creator>φιλαλήθης</dc:creator>
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                    </item>
				                    <item>
                        <title>Der Gebrauch des Alten Testaments durch Paulus: Römer 1-3</title>
                        <link>https://beroeans.info/community/roemer/der-gebrauch-des-alten-testaments-durch-paulus-roemer-1-3/</link>
                        <pubDate>Sun, 31 Jul 2022 10:27:43 +0000</pubDate>
                        <description><![CDATA[(Dieser Beitrag beruht auf dem Gespräch zwischen Dr. Michael S. Heiser und Dr. Matt Halsted aus ‚The Naked Bibel Podcast&#039;)
Im Römerbrief erklärt Paulus zwei wichtige Konzepte anhand des Alt...]]></description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify">(Dieser Beitrag beruht auf dem <a title="The Naked Bible Postdast" href="https://nakedbiblepodcast.com/wp-content/uploads/2022/04/NB-419-Transcript.pdf" target="_blank" rel="noopener">Gespräch</a> zwischen Dr. Michael S. Heiser und Dr. Matt Halsted aus <a title="The Naked Bibel Podcast" href="https://nakedbiblepodcast.com/episodes/" target="_blank" rel="noopener">‚The Naked Bibel Podcast'</a>)</p>
<p style="text-align: justify">Im Römerbrief erklärt Paulus zwei wichtige Konzepte anhand des Alten Testaments:</p>
<ol style="text-align: justify">
<li>Glaube, oder Glaubenssprache. Tatsächlich ist hier auch der Gedanke der Treue beinhaltet, denn das griechische Wort <em>pistis</em> kann im Wesentlichen beides bedeuten: Glaube und Treue.  </li>
<li>Die Thora (das GESETZ) bzw. das Halten des Gesetzes.</li>
</ol>
<p style="text-align: justify">Paulus rekonfiguriert beide Begriffe im Vergleich zum Alten Testament.</p>
<p><strong>Glaube und Treue</strong></p>
<p style="text-align: justify">Betrachten wir Römer 1:4,5:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„und als Sohn Gottes vorgestellt ist in Macht, bestätigt durch den Heiligen Geist und die Auferstehung aus dem Tod: die Botschaft von Jesus Christus, unserem Herrn. Er hat uns in seiner Gnade zu Aposteln gemacht und uns beauftragt, Menschen aus allen Völkern zum <strong>Gehorsam des Glaubens</strong> zu führen, damit sein Name dadurch geehrt wird.“  (Römer 1:4,5 NEÜ)</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Der Begriff „Gehorsam des Glaubens“ ist im Urtext mehrdeutig. Vermutlich wollte Paulus beide Interpretationen zum Ausdruck bringen: (a) Gehorsam, der aus dem Glauben kommt, (b) Gehorsam, der Glauben ist. Paulus diskutiert also nicht Glauben im Gegensatz zu Werken, sondern Verdienst oder Gehorsam. Für gläubige Juden war Glaube und Gehorsam eng verknüpft. Das <span><em>Schema Jisrael</em> in 5. Mose 6:4-9 beginnt mit den Worten: „<span style="text-decoration: underline">Höre</span> Israel: Jahwe ist unser Gott, Jahwe allein!“ (NEÜ) In der griechischen Übersetzung (Septuaginta) wird für „Höre“ ein Wort verwendet, dass sehr ähnlich zu dem Wort ist, das Paulus für „Gehorsam“ verwendet. Was Paulus im Römer-Brief tut, ist dieses ‚Glaubensbekenntnis‘ aus 5. Mose 6 zu rekonfigurieren: Der Glaube ist nun vor allem auch der Glaube an Jesus Christus. Und was er wirklich sagen will, ist, dass ein Bund mit Jahwe darin besteht, Jesus treu zu sein. Und dass auch die Heiden dazu gehören. Aber das ist eigentlich kein neuer Gedanke, sondern schon in Maleachi zu finden (das wurde in einem </span>vorangegangenen Podcast erläutert).</p>
<p style="text-align: justify">Dieser Gedanke wird in Römer 1:14-16 fortgeführt, einem Text der fundamental für das Verständnis dieses Briefes ist:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; eine Kraft Gottes ist es zur Rettung für jeden, der glaubt, für die Juden zuerst und auch für die Griechen. Gottes Gerechtigkeit nämlich wird in ihm offenbart, aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: Der aus Glauben Gerechte aber wird leben. ...: <strong>Der Gerechte aber wird aus Glauben leben</strong>. (Römer 1:14-16 Züricher)</p>
</blockquote>
<div style="text-align: justify">Paulus zitiert hier Habakuk 2:4. Auch hier wird das griechische Wort πίστις—pistis verwendet, das sowohl Glauben als auch Treue oder Loyalität bedeutet. Man könnte es also auch so übersetzen:</div>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„Denn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes aus Treue für die Treue offenbart, wie geschrieben steht: ‚Die Gerechten werden durch Treue leben.‘“</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Natürlich kann man auch bei „Glauben“ bleiben, wenn man sich bewußt ist, dass Glaube hier auch immer Treue, Loyalität und Jüngerschaft Jesu bedeutet. </p>
<p style="text-align: justify">Ein weiterer Grund, warum diese Übersetzung passend ist, kommt aus dem zitierten Text in Habakuk 2:4 gemäß der Septuaginta:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„Aber die Gerechten werden durch <strong>meine</strong> Treue leben.“</p>
<p style="text-align: justify">„<span>o. durch seine Treue; o. in seiner Wahrheit. – LXX: aus <strong>meiner</strong> Treue, o. aus Glauben zu mir“ (Fußtnote Elberfelder Bibel)</span></p>
</blockquote>
<p>Im hebräischen Text steht hingegen:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">"Aber der Gerechte wird durch <strong>seine</strong> Treue leben.“ </p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Im hebräischen Text kann sich Treue auf die des Gläubigen beziehen, oder ’seine’ könnte sich auch noch auf Gott beziehen. In der Septuaginta haben sich die Übersetzer für diese Variante entschieden. Und was macht Paulus. Er sagt weder ‚sein‘ noch ‚mein‘ sonder spricht einfach nur vom Glauben - im Sinne von Treue. Verstand Paulus diese Treue also als Treue gegenüber dem GESETZ (Thora)? Interessanterweise gibt es in den Schriftrollen vom Toten Meer (Qumran) einen Kommentar zu Habakuk 2:4</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„Damit sind alle Juden gemeint, die das <strong>GESETZ halten</strong>, die Gott aufgrund ihres Leidens <strong>und ihrer Treue zum Lehrer der Gerechtigkeit</strong> aus dem Kreis derer retten wird, die dem Gericht verfallen sind.“</p>
</blockquote>
<div style="text-align: justify">Wenn Paulus beim Glauben im Sinne von Treue auch immer die Treue zu Christus versteht, hat er sich von dem Denken der Juden in Wirklichkeit gar nicht so weit entfernt. Das wird auch in Römer 3:21,22 deutlich:</div>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„Jetzt aber ist unabhängig vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes erschienen - bezeugt durch das Gesetz und die Propheten -,die Gerechtigkeit Gottes, die durch den Glauben an Jesus Christus für alle da ist, die glauben. Denn da ist kein Unterschied:“ (Römer 3:21,22 Züricher)</p>
</blockquote>
<div style="text-align: justify">Hier sagt Paulus gewissermaßen: „Etwas Neues ist geschehen. Und doch ist etwas geblieben... Das Neue, das geschehen ist, entspricht immer noch dem, was die Tora immer versprochen hat.“ Paulus interpretiert hier also Habakuk 2:4 im Lichte des Messias. Aber die Propheten wie Maleachi haben vorausgesagt, dass eine solche messianische Umgestaltung sowieso stattfinden würde. Das fasst zusammen, was Paulus hier in Römer 3 sagt: Sein Evangelium (das Evangelium von Jesus) ist neu im Vergleich zu dem, was wir im Alten Testament gesehen haben, aber das Alte Testament hat prophezeit, dass so etwas Neues sowieso passieren würde. Er agiert also immer noch in der gleichen Art und Weise. Das ist also wichtig.</div>
<div style="text-align: justify">Die Übersetzung vom Römer 3:22 ist allerdings in vielen Ausgaben verwirrend. „durch den Glauben … für alle …, die glauben“. Warum dieser doppelte Bezug auf Glauben? Grammatikalisch könnte man den griechischen Text auch so übersetzen: „Die Gerechtigkeit Gottes ist offenbart worden durch den Glauben (im Sinne von Treue) von Jesus Christus.“ Und das passt auch besser zu Habakuk 2:4</div>
<div style="text-align: justify">Das ist das ‚messianische Thema‘ des Alten Testaments, das Paulus klar machen will: Gottes Gerechtigkeit sollte offenbart werden, durch die Treue eines Menschen. Und das ist der Christus.</div>
<div style="text-align: justify"><strong>Das Halten des GESETZES (Thora)</strong></div>
<p>Das ist das zweite große Thema von Paulus im Römer-Brief.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">"Alle, die ohne Kenntnis des Gesetzes gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz zugrunde gehen, und alle, die in Kenntnis des Gesetzes gesündigt haben, werden durch das Gesetz gerichtet werden. Denn nicht die, die das Gesetz hören, sind bei Gott gerecht, sondern diejenigen, die tun, was das Gesetz sagt, werden gerecht gesprochen werden. Wenn nämlich die Heiden, die das Gesetz nicht haben, von Natur aus tun, was das Gesetz gebietet, dann sind sie - obwohl sie das Gesetz nicht haben - sich selbst das Gesetz. Sie zeigen damit, dass ihnen das Gesetz mit allem, was es will und wirkt, ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt davon Zeugnis ab, und ihre Gedanken verklagen oder verteidigen sich gegenseitig …“ (Römer 2:12-15 Züricher)</p>
</blockquote>
<p>Die Heiden haben die Thora aufgrund des Ortes ihrer Geburt und Herkunft nicht gehört. Aber irgendwie ist es doch in ihren Herzen schon enthalten:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„Die Beschneidung nützt dir nämlich nur dann, wenn du das Gesetz befolgst; übertrittst du aber das Gesetz, so ist aus deiner Beschneidung Unbeschnittensein geworden. Wenn nun ein Unbeschnittener (also Heide) sich an die Forderungen des Gesetzes hält, wird ihm sein Unbeschnittensein dann nicht als Beschneidung angerechnet? So wird, wer von Natur aus unbeschnitten ist, das Gesetz aber erfüllt, richten über dich, der du trotz Buchstabe und Beschneidung ein Übertreter des Gesetzes bist. Denn nicht der ist ein Jude, der es nach aussen hin ist, und nicht das ist Beschneidung, was äusserlich am Fleisch geschieht, nein, ein Jude ist, wer es im Verborgenen ist, und die Beschneidung ist eine Beschneidung des Herzens, nach dem Geist, nicht nach dem Buchstaben; eines solchen Lob kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.“ (Römer 2:25-29 Züricher)</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Auch hier erfindet Paulus nichts Neues, sondern bezieht sich auf 5. Mose und Jeremia. Das wirklich Erstaunliche ist aber, das Paulus hier sagt, die Heiden können das GESETZ halten, ohne eines der wichtigsten Gebote des Gesetzes - die Beschneidung - zu halten! Aber im Kontext bezieht sich Paulus auf die Christen - die Gläubigen an den Messias. Sie sind diejenigen, deren Herzen beschnitten wurden. Und wenn ihre Herzen beschnitten sind, dann sind sie auch beschnitten und halten das Gesetz - sie halten die Tora.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„So beschneidet eure Herzen, und seid fortan nicht mehr widerspenstig.“ (5. Mose 10:16 Züricher)<br />„Jahwe, dein Gott, wird dein und deiner Nachkommen Herz beschneiden, damit du Jahwe, deinen Gott, mit Herz und Seele liebst und am Leben bleibst.“ (5. Mose 30:6 NEÜ)<br />"Beschneidet euch so, wie es Jahwe gefällt, / und entfernt die Vorhaut eures Herzens, / ihr Leute von Juda und Jerusalem. / Sonst bricht mein Zorn wie Feuer los / über euer boshaftes Tun; / er brennt, / und niemand kann ihn löschen.“ (Jeremiah 4:4 NEÜ)</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Auch hier schöpft Paulus also aus dem tiefen Brunnen seines Judentums. Er sagt nichts Seltsames oder Ungereimtes. Er treibt hier die Geschichte Gottes voran, weil er nicht mehr glaubt, dass man körperlich beschnitten sein muss, wie es die Thora und das Judentum seiner Zeit vorschrieben. Es gibt also eine Diskontinuität zwischen seinem Messianismus und dem Judentum, in dem er lebt. Er definiert, was die Beschneidung des Herzens bedeutet, und das ist der Glaube und die Treue zu Jesus.</p>
<p style="text-align: justify">Was will Paulus damit sagen? Nun, sein Standpunkt ist ziemlich einfach. Er sagt im Wesentlichen, dass Jesus der Messias ist und er deshalb derjenige ist, der die gesamte Berufung Israels um sich herum neu gestaltet hat... Weil Paulus das glaubt, erkennt er, dass sich die Treue nicht mehr auf die Thora an sich konzentrieren sollte, sondern auf den Messias, der die Tora selbst erfüllt hat. Und das ist sehr wichtig, denn er ist der Meinung, dass man die Tora erfüllt, wenn man an Jesus, den Messias, glaubt, denn durch ihn wurde die Tora erfüllt. Das sagt Paulus auch später, ganz am Ende von Römer 3.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„Machen wir jetzt durch den Glauben das Gesetz ungültig? Ganz im Gegenteil: Wir bestätigen das Gesetz!“ (Römer 3:31 NEÜ)</p>
</blockquote>
<p>Und daher sagt er später dies:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„Denn mit Christus hat der Weg des Gesetzes sein Ziel erreicht. Jetzt wird jeder, der glaubt, für gerecht erklärt.“ (Römer 10:4 NEÜ)</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Ein Grund, warum Paulus sagt, dass man die Thora (Beschneidung, Speisegesetze und so weiter) nicht einhalten muss, ist: „In Christus sind sie erfüllt.“  Okay. Kinderleicht. Ergibt Sinn. Aber die anderen Gründe, die Paulus in Römer 2 dafür nennt, dass man die Thora nicht halten muss, sind, dass die Thora die Berufung Israels sowieso nicht wirklich erleichtern konnte. Oder? Die Thora hat nur darauf hingewiesen, wie schlecht sie die ganze Zeit waren. Ja, die Thora hebt nur das Versagen hervor. Wenn die Thora also das Versagen Israels, Gottes Auserwählte zu sein, hervorhebt, wie können wir uns dann auf die Thora verlassen, um uns zu versichern, dass wir Gottes Auserwählte sind? Die Gewissheit, dass wir die Auserwählten sind, können wir nur haben, wenn wir im Messias Jesus sind. Und das zeigt er mit einem Zitat aus Jesaja auf:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„Wenn du dich aber einen Juden nennst und dich auf das Gesetz stützt und deinen Ruhm auf Gott gründest, wenn du seinen Willen kennst und, da du gesetzeskundig bist, beurteilen kannst, worauf es ankommt, wenn du dir also zutraust, ein Führer der Blinden zu sein, ein Licht für die in der Finsternis, ein Erzieher der Unwissenden, ein Lehrer der Unmündigen, der im Gesetz die Verkörperung der Erkenntnis und Wahrheit hat - du also belehrst den anderen und dich selbst belehrst du nicht? Du verkündest, man dürfe nicht stehlen, und stiehlst? Du sagst, man dürfe die Ehe nicht brechen, und brichst sie? Du verabscheust die fremden Götter und begehst Tempelraub? Du rühmst dich des Gesetzes und raubst Gott die Ehre durch die Übertretung des Gesetzes! Denn, wie geschrieben steht: Der Name Gottes wird um euretwillen in Verruf gebracht unter den Völkern.“ (Römer 2:17-24 Züricher)</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Er zitiert aus Jesaja 52:5. Und wenn er das Alte Testament verwendet, dann stellt Paulus all diese Dinge um den Messias herum neu zusammen. </p>
<p style="text-align: justify">Zusammenfassend kann gesagt werden, wie Paulus in Römer 1-3 Schlüsselkonzepte wie das Halten der Thora und die Sprache des Glaubens umgestaltet und neu kontextualisiert, und das auch mit der Sprache der Gerechtigkeit so macht.</p>]]></content:encoded>
						                            <category domain="https://beroeans.info/community/roemer/">Römer</category>                        <dc:creator>φιλαλήθης</dc:creator>
                        <guid isPermaLink="true">https://beroeans.info/community/roemer/der-gebrauch-des-alten-testaments-durch-paulus-roemer-1-3/</guid>
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